Predigt am letzten Sonntag nach Epiphanias
Predigttext: Matthäus 4,12-17
Als nun Jesus hörte, dass Johannes gefangen gesetzt worden war, zog er sich nach Galiläa zurück. Und er verließ Nazareth, kam und wohnte in Kapernaum, das am See liegt im Gebiet von Sebulon und Naftali, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 8,23; 9,1): »Das Land Sebulon und das Land Naftali, das Land am Meer, das Land jenseits des Jordans, das heidnische Galiläa, das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen am Ort und im Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.« Seit der Zeit fing Jesus an zu predigen: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!
Epiphanias - Weihnachtsfest der Heiden liegt hinter uns.
Wir hörten, wie die Weisen aus dem Morgenland als erste Heiden zum Heiland kamen, vor ihm niederfielen und ihn anbeteten.
Schon zur Zeit des Alten Testamentes stand auch den Heiden die Tür zum Reich Gottes offen.
Denken wir nur, wie Gott den Propheten Jona in das heidnische Ninive sandte, damit er dort zur Umkehr rief und Gott sie nicht um ihres Unglaubens willen verderben mußte oder an den Syrer Naeman.
Daß der Heiland zwar aus der Wurzel Isais, (Vater von König David), also aus dem Volk der Juden kommen soll, war geweissagt, aber auch daß er der Erlöser - nicht allein Israels, sondern der ganzen sündigen Menschheit sein würde, war von Anfang an von Gott zugesagt.
Das wird auch im Römerbrief bekräftigt, wo Paulus schreibt: Denn ich sage: Christus ist ein Diener der Juden geworden um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verheißungen zu bestätigen, die den Vätern gegeben sind; die Heiden aber sollen Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht: Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen. [Ps. 18,50] Und wiederum heißt es: Freuet euch, ihr Heiden, mit seinem Volk! [5.Mose 32,43] Und wiederum: Lobet den HERRN, alle Heiden, und preist ihn, alle Völker! [Ps. 117,1] Und wiederum spricht Jesaja: Es wird kommen der Sproß aus der Wurzel Isais, und wird aufstehen, um zu herrschen über die Heiden; auf den werden die Heiden hoffen [Jes. 11,10] (Röm. 15,8-12).
Darum hat Christus sich gleich zu Beginn seiner Wirksamkeit dem Mischvolk aus Juden und Heiden, nämlich in Galiläa, angenommen, ja dort hat er begonnen, sich als Heiland der Sünder zu offenbaren.
Der wahre Mensch und Gott, der seiner menschlichen Natur nach herkommt von Abraham, Isaak und Jakob, der Preis des Volkes Israel, der Sproß aus dem Stamm Isais ist der Trost der Heiden.
Darum heißt es schon in alter Zeit: Denn so spricht der HERR Zebaoth: Es ist noch ein Kleines dahin, daß ich Himmel und Erde und das Meer und Trockene bewegen werde. Ja, alle Heiden will ich bewegen. Da soll dann kommen aller Heiden Trost (Hag. 2,7.8)
Auf diese und alle anderen Verheißungen Gottes ist Jesus Christus das JA und das AMEN (2.Kor. 1,20).
So ist auch das Wirken Christi zuerst in Galiläa ein JA des Heilandes:
Ich bin der Heiland aller Menschen - auch deiner
Zwei Dinge bekräftigen es:
1. die Erüllung einer wichtigen Verheißung
2. und seine Predigt.
(1)
Du erkennst dich durch Gottes Wort als einen Sünder, von Sündern geboren, als einen Heiden aus einem heidnischen Volk?
Jesus spricht zu dir: Ja, ich bin auch dein Heiland!
So hatte es auch der Engel in Bethlehem verkündigt: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird (Luk. 2,10).
Darum geht Christus auch diesen Weg, wie der Evangelist berichtet: Als nun Jesus hörte, daß Johannes gefangengesetzt worden war, zog er sich nach Galiläa zurück. Und er verließ Nazareth, kam und wohnte in Kapernaum, das am See liegt im Gebiet von Sebulon und Naftali, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 8,23; 9,1): »Das Land Sebulon und das Land Naftali, das Land am Meer, das Land jenseits des Jordans, das heidnische Galiläa, das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen am Ort und im Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen«.
Als Jesus 30 Jahre alt war, kam er zu Johannes an den Jordan und ließ sich von ihm taufen (Luk. 3,21ff.).
Johannes wies auf ihn: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt! (Joh. 1,29)
Und Gott der HERR bestätigte seinen menschgewordenen Sohn: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe (Matth. 3,17).
Danach fastete der HERR 40 Tage und 40 Nächte in der Wüste.
Dann, als er hörte, daß Johannes der Täufer vom König Herodes gefangengesetzt worden war, ging er nach Galiläa.
Damit war die Zeit für Jesus gekommen, seinen Heilandsdienst anzutreten, denn der Dienst seines Vorboten war beendet.
Er machte Kapernaum zu seinem Wohnort.
In dieser Gegend wohnten in alter Zeit die beiden israelitischen Stämme Sebulon und Naphtalie.
Diese Stämme wurden in die babylonische Gefangenschaft getrieben, und Heiden besiedelten die Gegend um Kapernaum.
Als nun die Juden aus der Gefangenschaft zurückkehrten, ließen sich viele wieder in dieser Region nieder und wohnten neben den Heiden.
Darum wurde die Provinz Galiläa, d.h.: Kreis der Heiden genannt.
Was für Juden ein Greul war, betrieben die Galiläer mit Vorliebe, nämlich Schweinezucht.
Dort wohnte Jesus in der Stadt Kapernaum, wo reger Handels- und Geschäftsverkehr pulsierte.
Gerade dort begann Jesus zu predigen: den frommen Juden, den Fischern und Händlern, aber auch den verachteten Zöllnern, Schweinezüchtern und weitgereisten Geschäftemachern.
Allein die Tatsache, daß Jesus aus dem galiläischen Nazareth stammte, veranlaßte den späteren Jünger Natahanel zu der Bemerkung: Was kann aus Nazereth Gutes kommen? (Joh. 1,46).
So drang die Kunde von Jesus auch in die weiter entfernten Orte der Heiden und viele Menschen suchten ihn auf.
Unter ihnen war z.B. die Phönizierin, die sich mit inständigen Bitten an ihn wandte (Mark. 7,24), und zu der Jesus dann sprach: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde (Matth. 15,28).
Wären wir damals nach Israel gekommen, so hätten auch wir vor den Pharisäern als verachtete Heiden gegolten.
Sie hätten einen großen Bogen um uns gemacht, sich vor jedem Kontakt mit uns vorgesehen, um nicht unrein zu werden.
Wir hätten keinen Schritt in den Tempel wagen dürfen; man hätte uns höchstens einen bescheidenen Platz im Vorhof angewiesen!
Aber der Heiland wäre auch zu uns gekommen!
Er hätte auch uns eingeladen: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken (Matth. 11,28).
Erhätte auch uns ermutigt: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen (Joh. 6,37)
Er hätte sich nicht geschämt, mit uns zu sprechen und sich vor uns nicht geekelt!
Er hätte sich von den Selbstgerechten, den Schriftgelehrten und Pharisäer nicht beirren lassen, hätte mit uns gegessen und uns gelehrt!
Es war kein Versehen, es war kein Irrtum, daß Jesus zu Juden und Heiden gleichermaßen kam!
Es war Gottes gnädiger Rat von Anfang an.
Denn es heißt weiter in unserem Text: ... auf das erfüllet würde, was da gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht: Das Land Sebulon und das Land Naphthali, am Wege des Meeres, jenseit des Jordans, und das heidnische Galiläa, das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und die da saßen am Ort und Schatten des Todes, denen ist ein Licht aufgegangen.
Gott der Herr zeigt uns daran, daß vor ihm kein Ansehen der Person gilt.
So lehrt der Apostel auch im Brief an die Gemeinde zu Ephesus (die aus Christen aus den Heiden und aus den Juden bestand): Christus ist gekommen, hat verkündigt im Evangelium den Frieden euch, die ihr ferne wart, und denen, die nahe waren; denn durch ihn haben wir den Zugang alle beide in einem Geiste zum Vater (Eph. 2,17f.).
Und den Heidenchristen ruft er zu: So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem HERRN, auf welchem auch ihr mit erbaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist (Eph. 2,19ff.).
Erkennt also neu aus Gottes Wort Gottes gnädigen Ratschluß, daß seine Barmherzigkeit und Treue noch kein Ende hat, sondern daß sie alle Morgen neu ist (Klagel. 3)!
Kein
See kann sich so ergießen,
kein Grund mag so grundlos sein.,
kein Strom so gewaltig fließen,
gegen Gott ist alles klein,
gegen Gott und seine Huld,
die er über unsre Schuld
alle Tage lässet schweben
durch das ganze Sündenleben.
Erkenne es neu, der du von Zweifeln und Kleinglaube geplagt wirst: Jesus ist auch dein Heiland!
Erkenne es neu, der du unter großen Anfechtungen der Sünde und Versuchungen zum Bösen zu leiden hast!
Erkenne es neu, der du dich als elenden Sünder erkennst - und doch so gern selig werden willst: Jesus ist auch dein Heiland!
Nun,
so ruh und sei zufrieden,
Seele, die du traurig bist!
Was willst du dich viel ermüden,
da es nicht vonnöten ist?
Deiner Sünden großes Meer,
wie
dir's scheinet, ist nicht mehr
(gegen Gottes Herz zu sagen)
als was wir mit Fingern tragen.
Daß Jesus im heidnischen Galiläa zu wirken begann, ist nichts anderes als sein göttliches JA über jeden, wirklich jeden Sünder: Es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind! (Jes. 8,23).
Das Volk, das im Finsteren wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finsteren Lande, scheint es hell! (Jes. 9,1)
Wo wären wir, wenn der Heiland nicht auch für uns Heiden erschienen wäre und sich uns nicht in seinem Evangeliumswort offenbart hätte?
Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn! (Jes. 53,6).
Wie von Gott lange Zeit vorher schon bestimmt war, in welchem Ort sein Sohn Mensch werden sollte, so hatte Gott auch beschlossen und verheißen, wo die Worte zum ewigen Leben zuerst verkündet werden und göttliche Wunder zu deren Bestätigung geschehen sollten.
Damit sollte aller Welt gezeigt werden: Jesus ist der Retter für Juden und Heiden, der Heiland aller Menschen!
(2)
Dies wird nun zum anderen noch bestätigt durch die Predigt Jesu in Galiläa: Von der Zeit an fing Jesus an, zu predigen und zu sagen: Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!
Der Evangelist faßt Jesu Predigt in diesem einen Satz zusammen: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!
Und ein anderer berichtet: Jesus kam nach Galiläa und predigte...: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium! (Mark. 1,15).
Die Zeit, von der Gott durch die Propheten geredet hat, ist nun endlich da: Gottes Sohn ist vom Himmel gekommen, um die Welt mit sich selbst zu versöhnen und ruft Sünder in sein Reich!
Ich bin der Messias, der Heiland, auf den die Väter gewartet haben!
Ich bin der Trost der Heiden, der den Schaden des Sündenfalles heilt.
Tut Buße! Kehrt um von euren sündigen Wegen! Bekehrt euch zu Gott, eurem Schöpfer!
Ja, ...das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!
Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht habt, damit euch die Finsternis nicht überfalle. Wer in der Finsternis wandelt, der weiß nicht, wo er hingeht (Joh 12,35).
Nahe ist euch das Himmelreich, nahe im Wort des Evangeliums.
Denn so schreibt der Apostel: Die Gerechtigkeit aus dem Glauben spricht so (5. Mose 30,11-14): »Sprich nicht in deinem Herzen: Wer will hinauf gen Himmel fahren?« - nämlich um Christus herabzuholen - oder: »Wer will hinab in die Tiefe fahren?« - nämlich um Christus von den Toten heraufzuholen -, sondern was sagt sie? »Das Wort ist dir nahe, in deinem Munde und in deinem Herzen.« Dies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen (Röm. 10,6-8).
Das heißt: Glaube dem, was Gottes Wort dir sagt.
Christus ist vom Himmel gekommen, um hier auf Erden die Erlösung zu vollbringen und Christus ist von den Toten auferstanden als der Erste, damit alle, die an ihn glauben zum ewigen Leben auferstehen.
Ja, er ist um unsrer Sünden willen dahingegeben und um unsrer Rechtfertigung willen auferweckt (Röm. 4,25).
Darum sprich nicht: Wer will hinauf gen Himmel, wer hinab in die Tiefe? - sondern nimm das Wort Gottes an zu deiner Seligkeit.
Ja, das Wort ist dir nahe!
Und Jesus spricht: ...das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!
Auf welche Weise sollte Gott der HERR uns noch näher kommen?
Wie sollte er uns noch deutlicher machen, daß die Tür zu seinem Reich jetzt in der Zeit der Gnade weit weit offen steht?
Wie sollte er uns noch eindringlicher bekräftigen, daß Jesus der Heiland eines jeden, wirklich eines jeden Sünders ist?
Jesus begann zu wirken im Galiläa der Heiden; damit erfüllte er Gottes Zusage von seinem gnädigen barmherzigen Willen zu uns Verlorenen.
So wollen wir uns durch sein Wort wiederum zu ihm ziehen lassen und beten:
Mein
Gott, öffne mir die Pforten
solcher Gnad und Gütigkeit,
laß mich allzeit allerorten
schmecken deine Süßigkeit!
Liebe mich und treib mich an,
daß
ich dich, so gut ich kann,
wiederum umfang und liebe,
und ja nun nicht mehr betrübe
Amen.
Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an Pfarrer Blechschmidt