Andacht am
Tag des Erzengels Michael und aller heiligen Engel
Psalm
103,20.21: Lobet den HErrn, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die
ihr seinen Befehl ausrichtet, dass man höre die Stimme seines Worts. Lobet den HErrn, alle
seine Heerscharen, seine Diener, die ihr seinen Willen tut!
Liebe Gemeinde!
Die lutherische Kirche schafft seit alter Zeit durch Gedenktage Gelegenheit, besondere Dinge der Bibel zu bedenken. Der 29. September ist der „Tag des Erzengels Michael und aller heiligen Engel“. Gott der HERR offenbart uns etwas über seine unsichtbaren Boten: die heiligen Engel - die heiligen, denn es gibt auch unheilige Engel, die von Gott abgefallen sind und gegen ihn, sein Wort und gegen sein Reich kämpfen, auch gegen uns Christen. Doch er hat seinen Engeln befohlen, dass sie uns behüten (Ps. 91,11) und schützen (2.Kön. 6,15ff.).
Hören wir nun etwas über die
Engel Gottes,
(1) was Gott uns Wunderbares über
sie lehrt und (2) welchen Trost er uns damit gibt.
1. Was lehrt Gott uns Wunderbares in der
Bibel über die Engel?
Wir lesen: „Sind sie nicht allzumal dienstbare Geister...?“ (Hebr.
1,14). Oft lesen wir in der Heiligen Schrift, wie Engel den Menschen Gottes
Wort verkündigen: Der Engel Gabriel kündigt Maria die Geburt Jesu an
(Luk. 1,26), ein Engel predigt den Hirten die Weihnachtsbotschaft „Euch ist heute der Heiland
geboren!“ (Luk. 2,11), Engel sagen den Frauen am Ostermorgen „Er ist nicht hier; er ist auferstanden,
wie er gesagt hat“ (Matth. 28,6). Engel sind
keine Menschen aus Fleisch uns Blut, ja Christus sagt von den auferstandenen
Gläubigen: „In der Auferstehung werden sie weder
freien noch sich freien lassen, sondern sie sind gleich wie die Engel Gottes im
Himmel“ (Matth. 22,30). Sie traten auf Erden in
menschlicher Gestalt auf, wie wir das beim Besuch der beiden Engel in Lots Haus
zu Sodom sehen (1.Mose 19,1), doch bei anderen Gelegenheiten heißt es,
seine Gestalt sei wie der Blitz gewesen und sein Kleid weiß wie der
Schnee (Matth. 24,27). Daneben gibt es starke Engel, die einen besonderen
Dienst verrichten: Sie loben und preisen Gott den HERRn, wie Jesaja sah, dass
sie um den Thron Gottes standen und riefen: „Heilig, heilig, heilig ist
der HERR Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll!“ (Jes. 6,3).
Diese und andere mächtige Engel werden Cherubim (Ps. 80,2) und Seraphim
genannt, das sind Engelfürsten. Doch dürfen wir Engel nicht verehren
oder anbeten, nur Gott allein!
Vielmals offenbart uns Gottes Wort, dass
es Aufgabe dieser „dienstbaren Geister“ ist, den Gläubigen zu dienen.
Sie sind „...ausgesandt zum Dienst
um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit?“ (Hebr. 1,14). Was
wir über Engel erfahren, ist unserem Verstand unerklärlich und
wunderbar. Doch die Heilige Schrift lehrt uns von den Engeln, wie sie auch
sonst von hohen, unbegreiflichen Dingen redet. Wir erfahren, dass die Engel
schon da waren, als es noch keinen Menschen gab, als Sonne und Mond geschaffen
wurden, wie Gott zu Hiob spricht: „Wo
warst du, da ich die Erde gründete, ... da mich die Morgensterne miteinander
lobten und jauchzten alle Kinder Gottes?“ (Hiob 38,7). Ihre Zahl ist
sehr groß: Bei seiner Gefangennahme spricht Jesus: „Oder meinst du, dass ich nicht könnte meinen Vater bitten,
dass er mir zuschickte mehr denn zwölf Legionen Engel?“ (Matth.
26,53). Und als der Prophet Daniel den HERRn auf seinem Thron sitzen sieht,
beschreibt er: „Und von ihm her
ging ein langer feuriger Strahl. Tausend mal tausend dienten ihm, und
zehntausend mal zehntausend standen vor ihm“ (Dan. 7,10). Darum
spricht die Bibel von Gott auch als dem „HERRn der Heerscharen“,
hebräisch „HERR Zebaoth“.
Was wird das für ein
überwältigender Anblick sein, wenn der Tag kommt, an dem unser HERR
Christus wiederkommt in seiner Herrlichkeit „und alle heiligen Engel Gottes mit ihm“ (Matth.
25,31)! Doch noch mehr: Wozu ein Kriegsheer von vielen tausend Männern
kaum ausreichte, das verrichtete auf Gottes Befehl hin ein einziger Engel. Denn
als der Feind Israels, Sanherib, Jerusalem belagerte, wird berichtet: „Und in derselben Nacht fuhr aus der
Engel des HERRN und schlug im Lager von Assyrien hundertfünfundachtzigtausend
Mann. Und da sie sich des Morgens früh aufmachten, siehe, da lag alles
voller Leichname“ (2.Kön. 19,35).
Die Engel richten Gottes Befehle treu und
schnell aus, loben und preisen ihn - ohne müde zu werden; sein Wille
ist ihnen heilig. Darum lehrt der HERR Christus uns auch beten: „Dein Wille geschehe auf Erden wie im
Himmel“ (Luk. 11,2). So ist alles,
was die Schrift über die Engel und über ihre Schönheit, Weisheit,
Herrlichkeit, Treue, Liebe, Demut, Geduld, Freundlichkeit und Macht sagt, ganz
wunderbar.
Wir haben gehört, was Gott uns
Wunderbares über die Engel lehrt und hören nun noch,
2. welchen Trost er uns damit gibt.
Gott hat uns die Engel, die „dienstbaren Geister“ zu
unserem Schutz gegeben. Mit ihrer Stärke, ihrer Freundlichkeit und
Weisheit, mit ihrer Liebe dienen sie allen Christen auf der ganzen Welt und
schützen die Kirche. Das ist auch nötig, denn als die Morgensterne
Gott zujauchzten, geschah auch ein großer Abfall. Der gottlose König
von Babel steht hier wie ein Beispiel für den Teufel, auf den folgende
Worte aus dem Propheten Jesaja bezogen werden: „Wie bist du vom Himmel gefallen,
du schöner Morgenstern! Wie bist du zur Erde gefällt… Gedachtest du doch in deinem Herzen: Ich will in den Himmel
steigen und meinen Stuhl über die Sterne Gottes erhöhen; ich will mich setzen auf den Berg des Stifts, an der Seite
gegen Mitternacht; ich will über die hohen Wolken fahren und gleich sein
dem Allerhöchsten. Ja, zur Hölle fährst du, zur Seite der
Grube“ (Jes. 14,12-15, vgl. Luther in W2
III,659) Satan fiel mit einem Teil der heiligen Engel von Gott ab in Sünde
und Verdammnis: „Auch die Engel,
die ihr Fürstentum nicht behielten, sondern verließen ihre Behausung,
hat er behalten zum Gericht des großen Tages mit ewigen Banden in
Finsternis“ (Judas 6). Durch seine Verführung fielen später
auch Adam und Eva und mit ihnen die ganze Menschheit in Tod und Verderben.
Gebunden in seinem Reich ist der Mensch, solange er nicht durch den Glauben zu
dem gehört, der ihn erlöst hat, erworben und gewonnen von allen
Sünden, vom Tod und von der Gewalt des Teufels.
Wir sind durch Gottes Gnade aus dem Reich
des Satans errettet, aber bleiben in diesem Leben seinen listigen Versuchen
ausgesetzt, uns wieder in seine Gewalt zu bringen. Doch Gott der HERR sendet
uns zu Hilfe und Beistand starke, herrliche, unüberwindliche Mitstreiter,
die heiligen Engel. Wie oft traten Engel zwischen die Macht der Feinde und die
Kinder Gottes! So wie die heiligen Märtyrer um des Zeugnisses ihres
Glaubens willen angefochten wurden, so werden auch wir täglich angegriffen
und umkämpft und müssen kämpfen. In diesem Kampf stehen uns die „dienstbaren Geister“, die
heiligen Engel Gottes bei, schützen die Kleinen und die Großen und
richten Gottes Befehle aus. Ihre Kampfkraft und ihre Schutzwacht ist uns sicher
zugesagt.
Ein herrliches Beispiel finden wir im
Königebuch: „Und der Diener
des Mannes Gottes stand früh auf und trat heraus, und siehe, da lag ein [feindliches]
Heer um die Stadt mit Rossen und Wagen.
Da sprach sein Diener zu ihm: O weh, mein Herr! Was sollen wir nun tun? Er
sprach: Fürchte dich nicht, denn derer sind mehr, die bei uns sind, als
derer, die bei ihnen sind! Und Elisa betete und sprach: HERR, öffne ihm
die Augen, dass er sehe! Da öffnete der HERR dem Diener die Augen, und er
sah, und siehe, da war der Berg voll feuriger Rosse und Wagen um Elisa
her“ (2.Kön 6,15-17). Die heiligen Engel Gottes dienen uns
täglich, denn die Schrift sagt: „Der
Engel des HERRN lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen
heraus“ (Ps. 34,8). Nicht nur ein Engel steht dir in Gefahr zur
Seite, nein, Scharen starker Gottesdiener begleiten dich, räumen
Hindernisse aus dem Weg, wehren den listigen Anschlägen des Teufels und
wachen, so dass wir sprechen: „Ich
liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, HERR, hilfst mir, dass ich
sicher wohne“ (Ps. 4,9).
Besonders die Kinder und Schwachen im
Glauben stehen unter der Obhut der Engel, denn Jesus spricht: „Sehet zu, dass ihr nicht jemand von
diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen
allezeit in das Angesicht meines Vaters im Himmel“ (Matth. 18,10).
Und wenn es mit uns ans Sterben geht, dann tragen auch uns die heiligen Engel
hinüber zum HERRn, wie wir es bei Lazarus hören: „Es begab sich aber, dass der Arme starb und ward getragen von
den Engeln in Abrahams Schoß“ (Luk. 16,22). Uns soll nicht
grauen, wir sollen nicht verzagen, sondern immer in unserem Gedächtnis
halten: „Denn er hat seinen Engeln
befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass
sie dich auf Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein
stoßest“ (Ps. 91,11.12)
Dafür
wollen wir ihm danken, ihn loben und preisen bis wir dort in der Gemeinschaft
der himmlischen Heerscharen in das große Halleluja vor dem Thron des
dreieinigen Gottes einstimmen. Amen.
Pfarrer Martin Blechschmidt, Ev.-luth.
Immanuel-Gemeinde Steeden