Predigt am 1. Sonntag nach Trinitatis
1.Petrusbrief 4,4/ 2,24.25
Das befremdet sie, daß ihr euch nicht mehr mit ihnen stürzt in dasselbe wüste, unordentliche Treiben, und sie lästern Jesus Christus hat unsre Sünde selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.
Wer dem Herrn Jesus nachfolgt und sich von seinem Wort leiten lässt, ist im Urteil von Menschen, die sich nach weltlichen Maßstäben richten, etwas beschränkt. Davon spricht auch der Apostel Paulus: "Wir sind Narren um Christi willen " 1Kor 4,10. "Das befremdet sie, daß ihr euch nicht mehr mit ihnen stürzt in dasselbe wüste, unordentliche Treiben, und sie lästern "
Auch wir sind, indem wir dem Heiland nachfolgen, in den Widerspruch zum Wesen und Handeln der Welt gekommen. Der Abstand vergrößert sich sogar, je mehr wir im Chritssein wachsen, je mehr wir in der Heiligung zunehmen. Gerade deshalb haben wir zu kämpfen, leiden mitunter auch darunter. Wir stehen oft in der Gefahr, diesen Abstand zu verkleinern: manches sei gar keine so große Sünde, wir hätten das irrtümlicherweise nur gedacht. Oder wir lassen den Toleranzgedanken in unser Denken -auch in Dingen des Glaubens und der Lehre- einbrechen.
Aus diesem Grunde gibt es im Neuen Testament so viele Mahnungen in dieser Richtung, z.B. im Epheserbrief: "So sage ich nun und bezeuge in dem Herrn, daß ihr nicht mehr leben dürft, wie die Heiden leben in der Nichtigkeit ihres Sinnes." Eph 4,17 oder im Römerbrief: "Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene." Röm 12,2.
Der Gegensatz zwischen Christ und Welt kann sich im schlimmsten Fall sogar noch viel härter auswirken, wie der Herr spricht: Oft bleibt es nicht beim Lästern, denn Jesus spricht: "Wenn euch die Welt haßt, so wißt, dass sie mich vor euch gehaßt hat. Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum haßt euch die Welt. Gedenkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen." Joh 15,18-20. Und Paulus schreibt: "Alle, die fromm leben wollen in Christus Jesus, müssen Verfolgung leiden!" 2Tim 3,12.
Wir wissen, dass solche Schwierigkeiten um des Glaubens willen eigentlich eine Ehre für uns sind - erinnert euch an das Leiden des Petrus und Johannes: "Sie gingen aber fröhlich von dem Hohen Rat fort, weil sie würdig gewesen waren, um seines Namens willen Schmach zu leiden." Apg 5,41. Andererseits machen sowohl jungen als auch älteren Christen solche Missklänge und Gegensätze im Leben arg zu schaffen. Christus, unser guter Hirte ruft uns allen deswegen zu: "In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!" Joh 16,33. Nun, Jesus stellt das einfach so fest:
1. In der Welt habt ihr Angst...!
"Angst" heißt nach dem Grundtext "Druck" oder "Bedrückung". Jesus spricht hier speziell von Dingen, die für uns Christen "bedrückend" und "beängstigend" sind. Er setzt hinzu "Welt", "in der Welt habt ihr Angst".
Sein Apostel Johannes schreibt später: "Wir wissen, daß wir von Gott sind, und die ganze Welt liegt im Argen. Wir wissen aber, daß der Sohn Gottes gekommen ist und uns den Sinn dafür gegeben hat, daß wir den Wahrhaftigen erkennen Kinder, hütet euch vor den Abgöttern!" 1Joh 5,19ff.
Nun hatten wir gehört: "Das befremdet sie, daß ihr euch nicht mehr mit ihnen stürzt in dasselbe wüste, unordentliche Treiben, und sie lästern..." Das ist das Beängstigende, Bedrückende! -das Wesen einer Welt, die sich von Gott entfremdet hat, die mit ihm verfeindet ist - und wir sind eben durch den Glauben an Christus Gottes Kinder und Freunde! Das Wesen einer Welt, die sich selbst von der Quelle des Lebens abgeschnitten hat, nicht nach Gottes gutem Willen, sondern nach ihren verdorbenen Grundsätzen lebt. Eine Welt, die sich unter die Herrschaft des Teufels begeben hat.
Darum ist sie von Gottfeindlichkeit und Sünde gekennzeichnet, "voll von aller Ungerechtigkeit, Habgier, Bosheit, voll Neid, Mord, Hader, List, Niedertracht, Verleumder, Gottesverächter, Frevler, hochmütig, prahlerisch, erfinderisch im Bösen, den Eltern ungehorsam, unvernünftig, treulos, lieblos, unversöhnlich, unbarmherzig." -wie es im Römerbrief heißt, Röm 1,29-31.
Aus dieser Welt hat uns der Heiland durch sein Evangelium herausgerufen, wie es im Alten Testament durch den Propheten angekündigt ist: "Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun." Hes.36,26.27.
Er hat uns dem Wesen der Welt entfremdet, indem er uns durch Wort und Sakrament seinen Heiligen Geist geschenkt hat: "Auch ihr wart tot durch Übertretungen und Sünden, in denen ihr früher gelebt habt nach der Art dieser Welt...Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat auch uns...in das himmlische Wesen versetzt." Eph.2,1.4.
Damit stehen wir als Christen im krassen Gegensatz zum Wesen der Welt; und das hat Folgen, wie wir gehört haben: "Das befremdet sie, daß ihr euch nicht mehr mit ihnen stürzt in dasselbe wüste, unordentliche Treiben, und sie lästern." Nun kann es gar nicht anders sein: Befremden und Lästern muss das Wesen eines Christen bei denen auslösen, die nach der Art dieser Welt leben. Der Herr hat in unsere Herzen die Sehnsucht gepflanzt, nach seinem Willen zu leben und keinen Missklang aufkommen zu lassen - die Welt empfindet Gottes Willen als unnötigen Zwang.Wir Christen lieben Gottes Wort von Herzen, freuen uns über die Stimme unseres guten Hirten - die Welt verlästert das Wort des Herrn Jesus! Der Gegensatz ist einfach zu krass!
Bei Kopfschütteln und Spott bleibt es oft nicht - wie die Geschichte der Kirche Jesu Christi zeigt. Darum spricht der Herr: "Wenn euch die Welt haßt, so wißt, dass sie mich vor euch gehaßt hat Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen."
Darum sagt er auch: "In der Welt habt ihr Angst...!" Er weiß es und kennt es selbst! Er redet Angst nicht weg; er nimmt unsere Furcht sehr ernst. Er weiß auch, dass wir oft in der Gefahr stehen, die schmerzenden Gegensätze auszugleichen. Besonders dann, wenn sich zwischen uns und Verwandten oder Freunden Abgründe auftun, weil wir an Jesus glauben! Wir stehen aber auch dann vor folgenschweren Entscheidungen, wenn es scheint, als würden wir in das Wesen der Welt einwilligen müssen, um unsere Existenzgrundlage nicht zu verlieren, um eine Arbeitsstelle zu bekommen oder um Ansehen vor anderen zu behalten. Auch hier weiß Jesus: "In der Welt habt ihr Angst!" - nämlich Angst davor, etwas nicht zu haben, was man doch meint zu brauchen. Viele meinen: Man kann doch nicht immer gegen den Strom schwimmen!
Gottes Wort sagt: "Und stellt euch nicht dieser Welt gleich!" Willigt nicht in ihr Wesen ein, dem ich euch entrissen habe! Gleicht Gegensätze nicht aus, die es doch nur gibt, weil ihr durch mich Gottes Kinder seid! Euer Vater im Himmel weiß, was ihr benötigt. Er will euch -wenn ihr klar und treu seid- reich beschenken. Gott spricht: "Seid nicht geldgierig, und laßt euch genügen an dem, was da ist. Denn der Herr hat gesagt: Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen." Hebr 13,5.
"Da fing Petrus an und sagte zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Jesus sprach: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker verläßt um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der nicht hundertfach empfange: jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker mitten unter Verfolgungen - und in der zukünftigen Welt das ewige Leben." Mk 10,28-30.
Auch unsere früheren Glaubensgeschwister, die ersten Christen, standen diesen Problemen gegenüber. Die Angst vor blutigen Verfolgungen lastete wie ein Druck auf ihnen und viele von ihnen starben um ihres Glaubens willen.
Ihnen schrieb der Apostel Petrus: "Ihr Lieben, lasst euch die Hitze nicht befremden, die euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas Seltsames, sondern freut euch, dass ihr mit Christus leidet, damit ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben mögt. Selig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet um des Namens Christi willen, denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruht auf euch." 1Pt 4,12-14.
Worin unterschieden sie sich denn vom Wesen der Welt, wofür sie dann geschmäht und verfolgt wurden? Das "wüste, unordentliche Wesen der Welt" bestand zur Zeit der ersten Christen hauptsächlich in drei Dingen:
Zuerst in zügelloser sexueller Begierde und üppigem Leben. Die römisch geprägte Gesellschaft kannte in der Blüte der Wirtschaft keine Tabus mehr. "Brot und Spiele", Luxus und Vergnügungen bestimmten das Leben. Jeder wollte es zu etwas bringen und am reichen Leben teilnehmen.
Dazu war das Zweite nötig: Immer auf den eigenen Vorteil bedacht sah jeder zu, wie er so schnell wie möglich zu genügend Besitz gelangen könnte: Ungerechtigkeit, Haß und Lieblosigkeit waren an der Tagesordnung. Darin unterschieden sich die Christen von anderen gewaltig. Von ihnen lesen wir: "Die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Auch keiner sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Äcker oder Häuser besaß, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen und man gab einem jeden, was er nötig hatte." Apg 4,32.34.35.
Zum Dritten unterschieden sich die Christen von anderen darin, dass sie Gottes Wort nicht verachteten, sondern in allen Ehren hielten. Sie galten lieber für gutgläubige Narren, als dass sie Menschenmeinung oder philosophische Thesen auch nur über ein Gotteswort gestellt hätten! Ist das heute so anders? Ist das nicht auch für uns wichtig, was Gott der Herr vor vielen hundert Jahren den Gläubigen zurief: "Du sollst der Menge nicht auf dem Weg zum Bösen folgen." 2Mose 23,2.
Gilt nicht einerseits auch von dir: "Das befremdet sie, daß ihr euch nicht mehr mit ihnen stürzt in dasselbe wüste, unordentliche Treiben, und sie lästern"? Und ist nicht auch das andere wahr: "In der Welt habt ihr (deswegen oft) Angst"? Nun aber bleibt der Herr nicht bei diesen Worten, sondern fügt ihnen hinzu:
2. Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden
Das Wesen der Welt hat dein Herr besiegt! Er hat dem Fürsten der Welt, dem Teufel, der alten Schlange, den Kopf zertreten. Er hat durch seinen Tod den Tod überwunden und dir durch sein Opfer am Kreuz den Himmel aufgeschlossen! Jesus hat "dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium." 2Tim 1,10.
Das Wesen dieser Welt ist gekennzeichnet von Habgier, aber Geld verfällt, Besitz geht verloren, wer heute geehrt wird, wird morgen schon verlacht! "Das Wesen dieser Welt vergeht." 1Kor 7,31. Weil wir Jesus zum Heiland haben und durch den Glauben Gottes Kinder sind, haben wir Anteil am "unvergänglichen Wesen" der unsichtbaren Welt: Wir sind Geheilte und Geheiligte! Unser zweiter Predigtvers spricht davon: "Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen."
Hat er uns nicht viel schlimmere Wunden geheilt, als die Welt sie uns durch ihren Spott oder durch Haß und Verfolgung je reißen kann?! Wie wäre es um uns bestellt, wenn wir noch immer nicht "bekehrt wären zu dem Hirten und Bischof unserer Seele"? Wir hätten keinen Heiland, keinen, der uns aus dem Kreislauf der Sünde befreit. Unsere Gewissen wären bedrückt von der Last aller Schuld seit unserer Geburt. Wir würden noch immer die bange Frage stellen: "Was muss ich nur tun, um zum ewigen Leben zu gelangen?"
"Durch seine Wunden seid ihr heil geworden!" In Christus ist uns die wichtigste Frage beantwortet, "Denn Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt." 2Kor 5,21. "Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden." Mk 16,16. Gott hat uns in Jesus in seine Obhut genommen; ihm ist nicht verborgen, mit welchen Problemen, Sorgen und Befürchtungen wir oft kämpfen. Er weiß, dass wir vor den abgrundtiefen Gegensätzen und ihren Folgen oft Angst haben.
Darum tröstet er unsere Herzen: "Seid getrost! Fürchtet euch nicht!" Seid dennoch guten Mutes! Ich habe für euch den Teufel und die Welt überwunden! Es ist bereits vollbracht! Alles, was euch feindlich gegenübersteht, weil ihr Gottes Kinder seid durch den Glauben an mich, kann euch nicht überwältigen und wird euch nicht schaden können! Ich bin euer treuer Hirte und beschütze euch! "Niemand kann euch aus meiner Hand reißen! Darum fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben!" Luk 12,32.
"Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht fest im Glauben und wißt, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen!" 1Pt.5,7-9.
Wie unsere früheren Mitchristen durch den Glauben an den Heiland inzwischen in die ewige Seligkeit gerettet sind, so ist auch "unser Glaube der Sieg, der die Welt überwunden hat". 1Joh 5,4. Darum, liebe Mitchristen: "Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene." Röm 12,2. "Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen."
Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an den Verfasser