Eine Auslegung zu Matthäus 2,10.11
(Zwei Verse aus dem Bericht über
die Weisen aus dem Morgenland)
"Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe" Mt 2,10-11.
Sieben Jahrhunderte vor Christi Geburt weissagte der Prophet Jesaja: Mache dich auf, werde licht! denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRn geht auf über dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir (Jes 60,1.2). Als dann der Sohn Gottes sein Gnadenwort verkündigte, als er seine Gottheit mit Zeichen und Wundern erwies war die Weissagung erfüllt - und es gilt bis heute: ... das wahre Licht scheint jetzt (1Joh 2,8).
Es begann damit, daß der Engel den Hirten zurief: Euch ist heute der Heiland geboren! (Luk 2,11). Seitdem ruft Gott unser Schöpfer uns sündige, mit ihm verfeindete Menschen aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht (1Petr 2,9). Er läßt uns hören, wonach wir uns sehnen, nämlich Ich will euch erquicken und Kommt zu mir, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! (Matth 11,28f.). Er verheißt uns Schutz vor dem ewigen Verderben in der Hölle und zeigt uns den Weg zum ewigen Leben im Himmel (1Petr 1,9). Er bietet uns an ein Leben unter seinem Schutz, in seinem Frieden, geborgen und getragen von seiner väterlichen Allmacht.
Man kann sich kaum vorstellen, daß auch nur ein Mensch dieses kostbare Angebot ausschlagen -oder sich auf dem Weg dorthin aufhalten- ließe. Und doch geschieht das Unvorstellbare: Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen... Die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht... (Joh 1,5; 3,19). Es liegt am Feind! Der Teufel entläßt Menschen nicht kampflos aus seinem Reich; und die er schon verloren hat, versucht er wieder in seinen Bann zu ziehen.
Es gibt etwas im Menschen, auch noch im Christen, das sehr empfänglich auf die listigen Verlockungen des Feindes reagiert. Wir nennen die Kämpfe des Satans gegen Gottes Reich und gegen alle, die zu Jesus kommen und bei ihm bleiben wollen, Anfechtungen, weil da eben gefochten wird, weil der Satan ankämpft gegen Christus und Christen.
Wie wir Anfechtungen überwinden können, die uns hindern, zu Jesus zu kommen
Worin diese Anfechtungen bestehen
Wir wissen wenig über diese sternenkundigen Männer, die wahrscheinlich aus dem babylonischen Reich kamen, wohin Jahrhunderte zuvor Gottes Wort mit dem gefangenen Volk Israel gelangt war. Der Evangelist Matthäus berichtet uns, was von ihnen zu wissen am wichtigsten ist: Sie waren Astronomen, die ganz gewiß in hohem Ansehen standen.
Doch sie kamen nicht nach Jerusalem, um wissenschaftliche Vorträge zu halten, um nun im Land der Juden geehrt zu werden. Vielmehr wollten sie einen anderen ehren. Sie kamen auch nicht, um reich zu werden (sie waren es was ihre Geschenke zeigen). Die weite Reise hatten sie zurückgelegt, um durch wertvolle, sichtbare Geschenke ihren Dank zu bezeugen - ihren Dank für das kostbare, unsichtbare Geschenk, das sie in ihren Herzen bewahrten und vom Heiland empfangen hatten.
Am Ziel ihrer Reise stand nur das Eine: Sie wollten zum neugeborenen König der Juden, ihn anbeten als ihren Gott und HERRn; ihn wollten sie sehen; er sollte ihr König und sie wollten Bürger in seinem Reich sein.
Warum aber kamen sie nicht gleich zum Ziel?
Jerusalem - wo sonst sollte ein neugeborener König zu finden sein, wenn nicht in der Hauptstadt, im Palast, umgeben von Glanz und Pracht, wie es einem edlen Kind zusteht? Indem sie sich aber nach diesen vernünftigen Überlegungen richten, gehen sie fehl.
Menschliches Denken - führt zum falschen Ziel!
Was für die Weisen aus dem Morgenland damals gefährlich war, ist auch für die heutigen Menschen ein Hindernis auf dem Weg zu Christus: Die menschliche Vernunft. Hätten die Weisen auf ihre Vernunft gehört, wäre aus ihrer weiten Reise lediglich eine Stadtbesichtigung mit Empfang bei Herodes geworden: Jesus hätten sie nie gefunden. Die menschliche Vernunft ist zwar eine gute Gabe Gottes, taugt aber seit dem Sündenfall lediglich noch für die alltäglichen Dinge des Lebens. Um göttliche Dinge zu ergründen, zu erkennen und zu beurteilen, ist sie durch Sünde unbrauchbar geworden. Sie gleicht einem Kompaß, der einem starken, künstlichen Magnetfeld ausgesetzt ist und die richtige Marschstrecke nicht mehr anzeigt.
Wer Jesus, den Heiland finden will, wer sich nach Erlösung und Frieden in Herz und Gewissen sehnt, wer den fleischgewordenen Sohn Gottes und Retter der sündigen Menschen mit den Augen seines Herzens umfangen will, darf ihn nicht unter irdischer Pracht, menschlicher Weisheit und vergänglichem Reichtum suchen.
Der Sünderheiland will sich dort finden lassen, wo alle Zutritt haben, und sich keiner seiner Schäbigkeit wegen schämen muß. Damit die Hirten getrost eintreten, damit die Weisen und Klugen dieser Welt ihre Macht und Ehre hinter sich lassen, ließ er sich damals im armen Städtchen Bethlehem finden - und heute eben oft auch in Dürftigkeit und geringen Verhältnissen, in denen aber seine göttliche Majestät und herzerquickende Gnade verborgen ist. Die Bibel sagt uns also mit diesem Bericht: Wollt ihr den HERRn Jesus finden, den Heiland der Sünder, dann hört auf das Wort Gottes allein und folgt ihm - auch wenn eure Vernunft diesen Weg nicht anerkennt!
Menschliches Denken konzentriert sich auf das Leben hier, Irdisches ist ihm am wichtigsten. Herodes hörte etwas vom neugeborenem König der Juden und hat dabei nur einen Gedanken: Wie kann ich meine gegenwärtige Macht sichern? Auf Befehl des Herodes bringen die Schriftgelehrten den Weisen die Botschaft: In Bethlehem soll der Messias geboren werden. So wie sich nun bei Herodes alles nur ums Irdische und Gegenwärtige dreht, so meint er nun auch, der von Gott versprochene Erlöser habe ebenfalls nur irdische Aufgaben und Interessen.
Menschliches Denken hindert daran, Gottes Wort in seiner tiefen Wahrheit zu erfassen und zu verstehen.
Weder der König Herodes noch seine Gelehrten nehmen Gottes Wort ernst. Sie bleiben, währenddessen die Weisen weiterziehen. Wir sehen daraus, wie wirksam der Teufel durch die menschliche Vernunft jemanden davon abhalten kann, zum Heiland der Sünder vorzudringen. Er versucht ja auch uns den Blick zu verengen, uns nur Irdisches sehen zu lassen, damit unsere Gedanken und Sinne vom HERRn abgewendet werden.
Wie wir solche Anfechtungen überwinden können, die uns daran hindern, zu Jesus zu kommen
Wer auf Gottes Wort hört und ihm folgt, findet zu Jesus; wer seine Vernunft unter dieses Wort gefangen nimmt und sich nicht nach Menschen richtet, kommt ans Ziel wie die Weisen, die Gott durch sein Wort sicher geführt hatte. Zeigt Gott uns nicht an den Weisen ein Vorbild des Glaubens? Wie geradlinig folgen sie dem, was ihnen aus dem Propheten Micha vorgelesen wird! Sie ärgern sich nicht, wo sie doch nach so langer Reise wieder aufbrechen müssen und alle Bequemlichkeit der Hauptstadt, ja auch den Tempel mit all seiner Pracht zurücklassen müssen!
Gott verweist sie weg von Glanz und Prunk - in ein lächerlich kleines, armseliges Dorf! Schon wieder nimmt Gott hier menschliches Denken unter seine Zucht! Gott läßt seinen Sohn eben nicht unter den Großen, den geistlichen Machthabern, nicht unter den von allen bestaunten Prälaten der hochmütigen Tempelkirche finden!
Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis daß er kam und stand oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut. (Matth 2,9.10). Die Weisen verlassen Jerusalem - auf einmal ist auch der Stern wieder da. Gott bestätigt sein Wort und sie finden endlich ihren Heiland, den sie finden wollten! So kamen sie denn auch zu Jesus Christus, in Bethlehem von der Jungfrau Maria geboren, und damit zum wahrhaftigen Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren.
Sie fanden den, der sie verlorene und verdammte Menschen erlöst hat, erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tod und von der Gewalt des Teufels. Durch den Glauben waren sie Bürger seines Reiches, gehörten zum Volk Gottes und als solche fielen sie vor dem Heiland nieder und beteten ihn an. Gott hatte sie - Männer eines heidnischen Volkes - durch sein Wort zu Christus geführt, der ihnen durch den Glauben das schenkte, worin sie arm waren.
Wie fröhlich und dankbar müssen diese Menschen in der Nähe des Heilandes gewesen sein, nicht nur äußerlich, ihre Herzen waren durch den Glauben dem Christuskind verbunden. Es war ihr Weihnachtsfest. Das Weihnachten der Heiden. Unser Weihnachtsfest, denn das erste Mal kamen Nichtjuden zum menschgewordenen Gottessohn, Nichtjuden wie wir!
Wir erkennen aus diesem Bericht sehr deutlich, wie meschliches Denken einerseits durch die sündige Natur verdorben ist, um göttliche Dinge, ja göttliches Handeln, auch nur stückweise zu erkennen. Andererseits ist deutlich, wie gut der Teufel diesen Umstand im Kampf gegen Christus und sein Reich zu benutzen weiß. Hier hilft nur, die Vernunft gefangen zu nehmen unter Gottes heiliges Wort -und zwar in allen Dingen- und darüber lieber den Spott menschlichen Denkens zu ertragen. Anders können wir weder zu Jesus, unserem Heiland kommen, noch bei ihm bleiben. Vergebung der Sünden, Gott zum liebenden Vater und das ewige Leben zum Ziel zu haben, eine größere Seligkeit gibt es nicht!
Dabei erhalt uns lieber HERR, daß wir nichts anders suchen mehr! Amen.
Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an den Verfasser