Predigt am Erntedankfest (17. Sonntag nach Trinitatis)
Kollektengebet: HERR, Gott himmlischer Vater, wir danken dir von ganzem Herzen, daß du das Jahr mit deinem Gut gekrönet und uns die Ernte treu behütet hast. Wir bitten dich, gib daß wir deine irdischen Gaben zum Heil unserer Seele gebrauchen, damit dein Segen bei uns bleibe und wir erfüllt werden mit Früchten der Gerechtigkeit zur Ernte des ewigen Lebens, durch deinen lieben Sohn, Jesum Christum, unsern HERRn. Amen.
Lied nach der Predigt: Lutherisches Kirchengesangbuch (LKG) Nr. 210 "Das Feld ist weiß..."
Predigttext: Von Elim zogen sie aus; und die ganze Gemeinde der Kinder Israel kam in die Wüste Sin, die da liegt zwischen Elim und Sinai, am fünfzehnten Tage des zweiten Monats, nachdem sie aus Ägypten gezogen waren. Und es murrte die ganze Gemeinde der Kinder Israel wider Mose und Aaron in der Wüste und sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des HERRN Hand, da wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten die Fülle Brot zu essen; denn ihr habt uns ausgeführt in diese Wüste, daß ihr diese ganze Gemeinde Hungers sterben lasset.
Da sprach der HERR zu Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen, und das Volk soll hinausgehen und sammeln täglich, was es des Tages bedarf, daß ichs versuche, obs in meinen Gesetzen wandle oder nicht. Des sechsten Tages aber sollen sie zurichten, was sie einbringen, und es wird zwiefältig soviel sein, als sie sonst täglich sammeln. Mose und Aaron sprachen zu allen Kindern Israel: Am Abend sollt ihr innewerden, daß euch der HERR aus Ägyptenland geführt hat, und des Morgens werdet ihr des HERRN Herrlichkeit sehen; denn er hat euer Murren wider den HERRN gehört. Was sind wir, daß ihr wider uns murrt?
Weiter sprach Mose: Der HERR wird euch am Abend Fleisch zu essen geben und am Morgen Brots die Fülle, darum daß der HERR euer Murren gehört hat, daß ihr wider ihn gemurrt habt. Denn was sind wir? Euer Murren ist nicht wider uns, sondern wider den HERRN. Und Mose sprach zu Aaron: Sage der ganzen Gemeinde der Kinder Israel: Kommt herbei vor den HERRN, denn er hat euer Murren gehört. Und da Aaron also redete zu der ganzen Gemeinde der Kinder Israel, wandten sie sich gegen die Wüste; und siehe, die Herrlichkeit des HERRN erschien in einer Wolke.
Und der HERR sprach zu Mose: Ich habe der Kinder Israel Murren gehört. Sage ihnen: Gegen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden, und innewerden, daß ich der HERR, euer Gott, bin. Und am Abend kamen Wachteln herauf und bedeckten das Heer. Und am Morgen lag der Tau um das Heer her. Und als der Tau weg war, siehe, da lags in der Wüste rund und klein wie der Reif auf dem Lande.
Und da es die Kinder Israel sahen, sprachen sie untereinander: Man hu? (Das heißt: Was ist das?); denn sie wußten nicht was es war. Mose aber sprach zu ihnen: es ist das Brot, das euch der HERR zu essen gegeben hat. Das ists aber, was der HERR geboten hat: Ein jeglicher sammle, soviel er für sich essen mag, und nehme einen Gomer auf ein jeglich Haupt nach der Zahl der Seelen in seiner Hütte. Und die Kinder Israel taten also und sammelten, einer viel, der andere wenig. Aber da mans mit dem Gomer maß, fand der nicht darüber, der viel gesammelt hatte, und der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte; sondern ein jeglicher hatte gesammelt, soviel er für sich essen mochte.
Und Mose sprach zu ihnen: Niemand lasse etwas übrig bis morgen. Aber sie gehorchten Mose nicht. Und da etliche ließen davon übrig bis morgen; da wuchsen Würmer darin und es ward stinkend. Und Mose ward zornig auf sie. Sie sammelten aber alle Morgen, soviel ein jeglicher für sich essen mochte. Wenn aber die Sonne heiß schien, zerschmolz es. Und des sechsten Tages sammelten sie des Brots zwiefältig, je zwei Gomer für einen. Und alle Obersten der Gemeinde kamen hinein und verkündigtens Mose. Und er sprach zu ihnen: Das ists, was der HERR gesagt hat: Morgen ist der Sabbat der heiligen Ruhe des HERRN; was ihr backen wollt, das backt, und was ihr kochen wollt, das kocht; was aber übrig ist, das lasset bleiben, daß es behalten werde bis morgen. Und sie ließens bleiben bis morgen, wie Mose geboten hatte; da wards nicht stinkend und war auch kein Wurm darin.
Da sprach Mose: Esset das heute, denn es ist heute der Sabbat des HERRN; ihr werdets heute nicht finden auf dem Felde. Sechs Tage sollt ihr sammeln; aber der siebente Tag ist der Sabbat, an dem wird nichts da sein. Aber am siebenten Tage gingen etliche vom Volk hinaus, zu sammeln, und fanden nichts. Da sprach der HERR zu Mose: Wie lange weigert ihr euch, zu halten meine Gebote und Gesetze? Sehet, der HERR hat euch den Sabbat gegeben; darum gibt er euch am sechsten Tage zweier Tage Brot. So bleibe nun ein jeglicher in dem Seinen, und niemand gehe heraus von seinem Ort des siebenten Tages. Also feierte das Volk am siebenten Tage.
Und das Haus Israel hieß es Man. Und es war wie Koriandersamen und weiß und hatte den Geschmack wie Semmel mit Honig. Und Mose sprach: Das ists, was der HERR geboten hat: Fülle ein Gomer davon, es zu behalten auf eure Nachkommen, auf daß man sehe das Brot, damit ich euch gespeist habe in der Wüste, da ich euch aus Ägyptenland führte. Und Mose sprach zu Aaron: Nimm ein Krüglein und tu ein Gomer voll Man darein und laß es vor dem HERRN, daß es behalten werde auf eure Nachkommen. Wie der HERR dem Mose geboten hatte, also ließ es Aaron daselbst vor dem Zeugnis, daß es behalten werde. Und die Kinder Israel aßen Man vierzig Jahre, bis daß sie zu dem Lande kamen, da sie wohnen sollten; bis an die Grenze des Landes Kanaan aßen sie Man. Ein Gomer aber ist der zehnte Teil eines Epha. (2.Mose 16,1-36)
Herzlich geliebte Brüder und Schwestern in Jesu Christo unserem HERRn!
Gott der HERR hat jedem einzelnen seiner Gläubigen eine feste Zusage gegeben: "Ich will dich nicht verlassen noch versäumen." (Hebr. 13,5). Nur fällt es uns oft schwer, ihn darin beim Wort zu nehmen. Unsere Herzen sind oft zu mißtrauisch, zu schwach und kleingläubig. Am liebsten wollten wir Gottes Hilfe für Gegenwart und Zukunft mit den Augen schon vorher sehen, mit den Händen greifen, bevor die Not eintrifft.
Das betrifft nicht allein das bloße tägliche Brot, sondern auch weitere Umstände, in Familie, Gemeinde und Kirche. Wir fragen auch hier oft (bildlich gesprochen): "Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden?" (Matth. 6,31). Und doch gilt auch an dieser Stelle: "Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen." (Matth. 6,33). Wertvolle Berichte aus alter Zeit hat darum Gott der Heilige Geist bis auf uns in den heiligen Schriften überliefern lassen und zeigt uns: "Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben." (Röm. 15,4) eben auch Hoffnung und Trost in all den Dingen des Lebens, die uns Sorgen bereiten. Es heißt in allem: "Alle Sorge werfet auf ihn; denn er sorgt für euch." (1.Petr. 5,7).
Sehr deutlich sehen wir aus unserem Predigttext einerseits die Sorge und das Bangen kleingläubiger Christen, andererseits die wunderbare Hilfe des Höchsten. Gerade erst waren die Kinder Israel aufgebrochen: Gott der HERR hatte sie nach beschwerlichem Weg in die Oase Elim geführt. Das ist Gottes Art: hat er als der gute Hirte seine Herde auch wieder durch öde Gegenden geführt und durch finstere Täler, so gönnt er seinen Schafen schließlich Ruhe und Frieden am frischen Quell und auf der saftigen Weide seiner himmlischen Güter. Wie wir singen: "Er kennt die rechten Freudenstunden und weiß wohl, wann es nötig sei".
Denken wir nur an den Propheten Elia, den der HERR unter einem Wacholder ruhen ließ, ihm Speise und Trank verschaffte und ihn dann weitersandte (1.Kön. 19,4). Auch Israel durfte ruhen - in der Oase Elim. Gottes Wort berichtet: "Da waren zwölf Wasserbrunnen und siebzig Palmbäume; und lagerten sich daselbst ans Wasser." (2.Mose 15,27). Kaum aber hatten sie Elim verlassen, um ihren Weg ins verheißene Kanaan fortzusetzen, "murrte die ganze Gemeinde der Kinder Israel wider Mose und Aaron in der Wüste..." Statt auf Gottes Verheißung zu bauen, der ja geschworen hatte, sie in ein Land zu bringen, wo "Milch und Honig fließt" (2.Mose 3,17) und sich an den bisherigen Wohltaten Gottes zu trösten, versündigte sich das Volk.
Gott der HERR aber lehrte es durch seine wunderbaren Güter täglich neu zu bitten: Unser täglich Brot gib uns heute. Auch uns stellt Gottes Wort in dieser Begebenheit klar vor Augen:
Gott ist es, der uns das tägliche Brot gibt.
1. Zuerst lehrt uns Gott in seinem Wort, daß auch wir wieder neu erkennen: ER ist es, der uns das tägliche Brot gibt.
Gottes Wort lehrt uns: "Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen." (Röm. 8,28) auch leibliche Not und Entbehrung. Ja, wenn Gottes Volk die Wege geht, die der HERR ihm vorzeichnet, auf denen er führt, so erlebt es nicht selten auch harte Zeiten. Darin prüft Gott die Herzen, ob sie ihn beim Wort nehmen und sprechen: Du hast doch gesagt: Ich will dich nicht verlassen noch versäumen! Nun, HERR, hilf uns! Da stellt er sich oft schlafend wie beim Sturm auf dem Schiff (Mark. 4) oder taub wie bei der kanaanäischen Frau (Matth. 15). Und dennoch läßt er seine Kinder seine Herrlichkeit sehen und hilft, denn wenn die Not am größten ist, ist Gott am nächsten.
"Denn des HERRN Wort ist wahrhaftig; und was er zusagt, das hält er gewiß." (Ps. 33,4).
"Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!
Denn so du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, daß dich die Ströme nicht sollen ersäufen; und so du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen.
Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige in Israel, dein Heiland." (Jes. 43,1ff).
Die Kinder Gottes müssen also mitunter "ins Feuer" und "durch Wasser" gehen. Da prüft dann der HERR, ob wir uns zuversichtlich allein auf sein Wort verlassen und spricht: "Ich bin bei ihm in der Not" (Ps. 91,15). So also lehrt der Vater im Himmel seine Kinder auf das einmal gegebene Wort zu bauen und zu trauen, darum zögert er auch hin und wieder und läßt auch uns auf sichtbare Hilfe zuweilen länger warten. In all dem sollen wir mit Israel neu erkennen: Gott der HERR ist es, der uns das tägliche Brot gibt.
Täglich neu ließ Gott der HERR Brot vom Himmel fallen und am Abend Wachteln kommen.
Das waren Wunder Gottes, keine natürlichen Erscheinungen. Das erkannte auch Israel: Das Himmelsbrot nannten sie "Man" oder "Manna" übersetzt: "Was ist das?" denn sie kannten es nicht.
Es war nicht Korinadersamen, aber es sah so aus, und es schmeckte wie Semmel mit Honig (2.Mose 16,31).
Ein "Gomor", etwa 2 Liter pro Kopf und Tag sollten vom Manna gesammelt werden. Sammelten sie mehr, um Vorrat für den nächsten Tag zu haben, so verdarb es. Ja, es war ein großes Wunder, das der HERR die vierzig Jahre während der Wüstenwanderung tat. Aber es ist ein ebenso großes Wunder, das unser Gott täglich auch heute tut, daß er die Menschen nährt und kleidet, wie geschrieben steht: "Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. Du tust deine Hand auf und erfüllst alles, was lebt, mit Wohlgefallen." (Ps. 145,15.16).
Allerdings hat Gott die Ordnung gegeben, daß wir arbeiten sollen. Durch unsere tägliche Berufsarbeit will Gott uns unser tägliches Brot geben und "wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen" (2.Thess. 3,10). Die Ungläubigen, die Kinder der Welt, meinen, durch ihre Arbeit und Geschicklichkeit brächten sie ihren Unterhalt, ihre Güter zustande. Sie wollen nicht erkennen, daß es der Segen ihres Schöpfers ist, unter dem sie stehen, "denn er läßt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte" (Matth. 5,45). Nur erkennen es die einen nicht und die anderen sprechen: An Gottes Segen ist alles gelegen.
So soll es also bei uns Christen stehen: Treu, gewissenhaft und fleißig wollen wir in unserem irdischen Beruf arbeiten, denn so dienen wir unserem Nächsten am besten. Aber die Nahrung, die Kleidung und alles, was nötig ist für dieses irdische Leben, erwarten wir nicht von unserer Geschicklichkeit, sondern von unserem Vater im Himmel. Wir Christen und Kinder Gottes aber sollen zu Herzen nehmen: "Gott gibt tägliches Brot, zwar auch ohne unsere Bitte, allen bösen Menschen; aber wir bitten in diesem Gebet, daß er's uns erkennen lasse und mit Danksagung empfangen unser tägliches Brot."
Darauf also kommt es an:
2. Wir wollen Gott täglich danken, denn das ist sein Wille
Am Ende unseres Textes lesen wir: "Und Mose sprach zu Aaron: Nimm ein Krüglein und tu ein Gomer voll Man darein und laß es vor dem HERRN, daß es behalten werde auf eure Nachkommen. Wie der HERR dem Mose geboten hatte, also ließ es Aaron daselbst vor dem Zeugnis, daß es behalten werde."
Zum Zeugnis und zur Erinnerung an die Nachkommen sollte ein Krug voller Manna aufbewahrt werden. Das Volk selbst und auch die Kindeskinder sollten es nicht vergessen, was für große Wohltaten der HERR in den Zeiten der Not erwiesen hatte. Aber schon bald kam die Zeit, daß die Kinder Israel sich daran gewöhnten, ja sogar murrten und das Manna eine "magere Speise" nannten (4.Mose 21.5).
Wie oft vergessen auch wir Gottes wunderbare Hilfe in so mancher Not und sind nicht zufrieden mit dem, was Gott uns gibt! Weil Gott uns reichlich und täglich versorgt und wir uns zu schnell daran gewöhnen, vergessen wir, was für eine hohe Gabe das "tägliche Brot" ist. Wir nehmen es oft hin, als müßte es so sein und als sei es unser Verdienst. Denken wir nur an die 10 Aussätzigen, von denen nur der eine, der Samariter, umkehrte und Gott die Ehre gab. Es ist Gottes Wille, daß wir uns vor Undankbarkeit hüten. Darum ermahnt er uns zum Dank: "Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen" (Ps. 50,15). "Das ist ein köstlich Ding, dem HERRN danken, und lobsingen deinem Namen, du Höchster." (Ps. 92,1). "Die zum HERRN riefen in ihrer Not, und er errettete sie aus ihren Ängsten... die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut." (Ps. 107,6.8).
Darum, liebe Mitchristen wollen wir Gott täglich bitten, uns zur rechten Dankbarkeit für alle seine Gaben zu erwecken. Wir wollen aber unseren Dank auch mit der Tat erweisen. Aber wie? Nun, zuerst in dem wir nicht ängstlich sorgen. Wie undankbar wäre ein Kind Gottes, das doch die Zusagen seines Vaters im Himmel kennt, wenn es ihm für die Zukunft nicht zutrauen würde, daß er seine Verheißungen wiederholt wahr macht!
Und auch du, liebe Gemeinde, hat dich dein Vater nicht auch in irdischen Angelegenheiten reich beschenkt? Sollt er das nicht auch in Zukunft tun können? Ja, wir beweisen unseren Dank besonders dann, wenn wir uns alle miteinander vor mißtrauischem Sorgen hüten selbst wenn wir keine Mittel sehen und sich ein Ausweg nicht zeigt. Denn so sprach einst der fromme Jonathan: "Vielleicht wird der HERR etwas durch uns ausrichten; denn es ist dem HERRN nicht schwer, durch viel oder wenig zu helfen." (1.Sam. 14,6).
Und zuletzt bedenkt: Jeden Tag sollten die Israeliten das Manna sammeln, aber der Sabbat sollte Ruhetag bleiben. Darum sammelten sie am sechsten Tag zweimal soviel. Damit gibt Gott auch uns die wichtige Lehre, nicht daß wir den Sonnabend als den Sabbat halten müßten, sondern daß wir über allem Irdischen das rechte Manna, das Wort Gottes, nicht vergessen. Unsere Hauptsorge soll nicht sein, daß wie wir hier in dieser Welt durchkommen oder wie viel irdische Güter wir erlangen und anhäufen können, sondern wir sollen eben am ersten trachten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit.
Denn "was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse?" (Matth. 16,26). Der Mensch kann nichts geben, um sich vor dem ewigen Verderben zu bewahren. Unser Heiland hat sein teures Blut vergossen und sich selbst dahingegeben, damit "alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben" (Joh. 3,16). Denn "das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde" (1.Joh. 1,7). Ja, gerade weil eben Gott seine Liebe zu uns Sündern in seinem lieben Sohn so klar gezeigt hat, vertrauen wir darauf, daß er auch alle anderen Zusagen in derselben Treue erfüllt.
Und darum sorgen wir nicht ängstlich für den anderen Morgen, denn "es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe" (Matth. 6,34). Gott hat "auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?" (Röm. 8,33). Amen.
Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an den Verfasser
1. Das Feld ist
weiß; vor ihrem Schöpfer neigen die Ähren sich, ihm Ehre
zu bezeigen. Sie rufen: "Kommet, lasst die Sicheln klingen,
vergesst auch nicht das Lob des Herrn zu singen!"
2. Ein Jahr, Allgütger, ließest du es währen, bis uns gereift
die Saat, die uns soll nähren. Nun du sie gibest, sammeln wir
die Gabe; von deiner Hand kommt alle unsre Habe.
3. Wenn du, Herr, sprichst dein göttliches "Es werde",
füllt sich mit reichen Gaben bald die Erde. Wenn du dich
abkehrst, müssen wir mit Beben in Staub uns wandeln, können wir
nicht leben.
4. Wir, dein Gesinde, wollen gern ertragen im Schweiß des
Angesichts der Arbeit Plagen; nur segne, Vater, unsrer Hände
Werke, schenk uns Gesundheit, neue Kraft und Stärke.
5. Wir wollen kindlich zu Gott Hoffnung hegen und auch den Armen
spenden von dem Segen; gab er uns wenig, uns dabei bescheiden;
gab er uns reichlich, unnütz nichts vergeuden.
6. Sein sind die Güter, wir nur die Verwalter. "Tu
Rechnung", spricht der Ewge zum Haushalter. Wie reife Garben
wird nach kurzen Tagen der Tod uns mähen und zum Grabe tragen.
7. Zur Ernte reift der Leib. Hilf vom Verderben, lass täglich,
Herr, durch Buße in uns sterben Lust und Begierde; mehr in uns
den Glauben, lass nicht den Feind uns Lieb und Hoffnung rauben.
8. Am End nimm, Jesu, in die Himmelsscheuern auch unsre Seelen,
Ruhtag dort zu feiern. Die hier mit Tränen streuen edlen Samen,
werden mit Freuden droben ernten. Amen.
Nach einem masurischen Lied des Berhard Rostock
(Rostkowski) 1738; deutsch: Lyck (Ostpreußen) 1858