Predigt am 21. Sonntag nach Trinitatis

 

Predigttext: So ermahne ich dich inständig vor Gott und Christus Jesus, der da kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich: Predige das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre. Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren. Du aber sei nüchtern in allen Dingen, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, richte dein Amt redlich aus (2.Tim 4,1-5)

 

 

Herzlich geliebte Brüder und Schwestern in Jesu Christo!

“Ich danke Gott, dem ich diene von meinen Vorfahren her mit reinem Gewissen, wenn ich ohne Unterlaß deiner gedenke in meinem Gebet, Tag und Nacht. Und wenn ich an deine Tränen denke, verlangt mich, dich zu sehen, damit ich mit Freude erfüllt werde” (2.Tim 1,3-4), so beginnt der Apostel Paulus seinen Brief an Timotheus.

Timotheus war ein Schüler des Apostels und nun Gemeindepfarrer in Ephesus.

Aus seinem ersten Brief erfahren wir, wie sich eine Art Philosophie, die sich “Erkenntnis” nannte, in dieser Region ausbreitete und den schlichten seligmachenden Glauben zu zerstören suchte.

Paulus schreibt: “O Timotheus! Bewahre, was dir anvertraut ist, und  meide das ungeistliche lose Geschwätz und das Gezänk der fälschlich so genannten Erkenntnis, zu der sich einige bekannt haben und sind vom Glauben abgeirrt. Die Gnade sei mit euch!” (1.Tim 6,20-21).

Wir sehen: Schon damals kam es darauf an, daß Gemeinde Christi wirklich “Gemeinde Christi” bleibt, d.h. daß sie sich “im Namen Jesu versammelt”, Gottes Wort rein unter sich hat, lehrt, glaubt und bekennt.

Denn der HERR Christus hat seiner Gemeinde, und wäre sie noch so klein, eine ganz herrliche Verheißung gegeben: “Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen” (Matth. 18,20).

Was aber heißt das “in Jesu Namen versammelt sein”?

Das heißt, daß Menschen sich um Gottes Wort und die Sakramente versammeln, die Segnungen Jesu Christi zu empfangen, der gekommen ist, um “sein Volk selig zu machen von ihren Sünden” (Matth. 1,21).

Durch seine heiligen Gnadenmittel ist der HERR mitten “unter ihnen”, unter denen, die “versammelt sind in seinem Namen”.

Schon im Alten Bund hatte Gott der HERR eine ähnliche Verheißung gegeben: “Denn an welchem Ort ich meines Namens Gedächtnis stiften werde, da will ich zu dir kommen und dich segnen” (2.Mose 20,24).

Zu allen Zeiten, auch schon in den Tagen Adams, Abrahams Davids haben sich Sünder versammelt, um den Segen der Sündenvergebung zu empfangen.

So spricht David im Psalm: “Wo dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, so wäre ich vergangen in meinem Elend” (Ps. 119,92).

Denn Gott richtet in seinem “Gesetz”, d.i. sein heiliges, tröstendes Wort, unseren Blick aus allem Jammer unseres Lebens auf die ewige Freude, die er uns in Christus erworben hat.

Daran hängt alles, daß wir in aller Not unseres Lebens, in der Angst des Gewissens, aber auch beim Gedanken an unseren Tod von unserem HERRn und Gott Trost empfangen!

Aus diesem Grund ruft eben auch der Apostel Paulus dem Timotheus zu: “Predige das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre” (2.Tim. 4,2).

Auch wir wissen, wie wichtig das ist und stimmen dem Wort Davids zu: “Das ist mein Trost in meinem Elende, denn dein Wort erquickt mich” (Ps. 119,50).

Ja, sein Wort ist ein Schatz, und wir wollen es unverfälscht, rein und klar genießen.

“Indes erhalte uns dein Wort, wenn wir es kriegen; und dasselbe dein Wort ist unsers Herzens Freude und Trost…” (Jer. 15,16).

Und weil durch Gottes Wort und Sakrament göttliche Kräfte wirken, die unsere Gewissen reinigen, unsere Seelen heilen, uns vor der ewigen Verdammnis bewahren und uns selig machen, kann uns nichts dazu bewegen, auch nur das kleinste Stück davon aufzugeben.

So erging es auch Luther und allen denen, die sich um ihn scharten: Sie übergaben am 25. Juni 1530 auf dem Reichstag zu Augsburg das Bekenntnis zum reinen, unverfälschten Wort Gottes an den deutschen Kaiser.

Für sie alle bestand Lebensgefahr, als sie sich vor den Mächtigen zur wieder entdeckten Lehre des Wortes Gottes bekannten und die Irrtümer der falschen Lehrer verwarfen.

Von Gottes Wort darf nichts gestrichen und ihm darf auch nichts hinzugefügt werden, denn das Wort Gottes ist heilig und weist uns Sündern den Weg zum Himmel.

Um der Wahrheit des Wortes Gottes willen soll ein Christ alles aufgeben, wenn er vor der Wahl steht: Geld und Gut, leibliches Wohlleben, Ehre, irdische Sicherheit, ja sogar Verwandte und gute Freunde.

Denn Jesus Christus spricht: “Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes” (Luk. 9,62) und “Wer Vater oder Mutter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert” (Matth. 10,37).

Seht, so dürfen wir heute aus dem Gehorsam der Christen vor uns, aus ihrem Bekennermut und ihrem Gottvertrauen, reichen Segen schöpfen.

Denn wenn sie aus Furcht vor Menschen oder “um des lieben Friedens willen” aufgegeben und die Wahrheit verschwiegen hätten, ob dann das Evangelium noch bis zu uns gedrungen wäre? –ob wir dann wüßten und fröhlich glauben könnten, daß wir zum Frieden mit Gott gekommen sind allein durch die Gnade Jesu Christi, die wir im Glauben ergreifen?

Wir sehen aber auch an den bekennenden Christen vor uns: Gott der HERR hat noch keinen verlassen, der sich auf ihn verlassen hat! -im Gegenteil!

Aber es ist auch wie eine Regel im Reich Gottes, daß Gläubige so geführt werden, daß sie plötzlich vor solch tiefgreifenden Entscheidungen stehen.

Gott leitet oft so, daß Christen zum Bekenntnis gedrängt werden, daß sie eben dann auf der einen Seite Ruhe, Frieden, Freundschaft mit allen und auf der anderen Seite Unehre, Spott, Streit und oft keine irdische Absicherung mehr sehen.

Was sollen sie dann tun?

Sie sollen sich allein auf ihren HERRn und Gott verlassen; und der versichert ihnen: “Wahrlich ich sage euch, es ist niemand, der ein Haus verlässt oder Eltern oder Brüder oder Weib oder Kinder um des Reiches Gottes willen, der es nicht vielfältig wieder empfange in dieser Zeit und in der zukünftigen Welt das ewige Leben” (Luk. 18,29f.).

Es geht nicht darum, daß man Eltern, Brüder oder sogar seinen Ehepartner äußerlich verläßt, denn das ist ja gegen Gottes Willen, sondern es geht darum, daß in der Nachfolge Jesu innerliche Harmonie zerbricht, wenn man z.B. der einzige in der Familie ist, der dem HERRn nachfolgt, aber die nächsten Verwandten im Unglauben bleiben.

Das sehen wir auch in dem Brief, den der Apostel Paulus an Timotheus schreibt.

Timotheus war sehr verzagt und sehnte sich nach Ruhe und Frieden.

Paulus schrieb ihm: “Mich verlanget, dich zu sehen, wenn ich denke an deine Tränen…” (2.Tim. 1,4).

Vom Kampf um des Glaubens und um des Wortes Gottes willen aber kann und will der Apostel ihn nicht entbinden.

Er muß ihn bestärken: “Predige das Wort, stehe dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre! Denn es wird eine Zeit sein, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden, sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach dem ihnen die Ohren jucken; und werden die Ohren von der Wahrheit wenden und sich den Fabeln zukehren. Du aber sei nüchtern in allen Dingen, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, richte dein Amt redlich aus” (2.Tim. 4,2-5).

Auch uns kann und will der Apostel nicht vom Kampf um die reine Lehre und vom Bekenntnis derselben entbinden, denn das wäre zum Schaden unserer Seligkeit.

Es ginge uns darüber alles verloren: Der Trost im Elend dieser Welt, der Trost im Jammer unserer Sünde und die Gewißheit darüber, daß Christus mich, mich verlorenen Sünder in das Reich der ewigen Seligkeit bringen wird.

Würden wir auch nur an einem einzigen Wort der Heiligen Schrift den geringsten Zweifel zugestehen, in tiefen Anfechtungen, in der Not des Todes würde uns schließlich alles zweifelhaft.

Darum: “Predige das Wort, stehe dazu, es sei zu rechter Zeit oder zur Unzeit”.

Die “rechte Zeit” ist die Zeit, in der das Wort Gottes seinen Lauf nehmen kann, wo es nicht so viele Angriffe gibt und die falsche Lehre zurückgedrängt ist.

“Unzeit” ist die Zeit, in der man sich in Gefahr begibt, wenn man Gottes Wort lehrt, wo einem dafür Unehre, Leid und Spott zugefügt werden.

Auch in solcher “Unzeit”, in der Timotheus sich damals befand, sollte er das Werk eines “Predigers des Evangeliums” tun, nämlich Gottes Wort nach Gesetz und Evangelium in allen seinen Stücken lehren - ohne sich von Furcht vor Menschen, “um des lieben Friedens” oder um einer Freundschaft willen davon abbringen zu lassen.

Es ist ja nicht unser Wort, und wir können nicht frei darüber verfügen.

Der Prediger und Bischof einer Gemeinde ist ein Herold Gottes, der nur auszurichten hat, was sein HERR ihm aufträgt.

“Predige das Wort!” heißt also: Auch wenn es nur ganz wenige überhaupt hören wollen, auch wenn sich daran der Spott oder Haß der Menge erregt, auch wenn Gefahr für Leib und Leben besteht: Verkündige, was dir von deinem HERRn und Gott aufgetragen ist!

Bezeuge, daß “alle Schrift von Gott eingegeben ist” (2.Tim. 3,16), daß “keine Weissagung in der Schrift geschieht aus eigener Auslegung” (2.Petr. 1,20), bezeuge das ganze Wort Gottes, verkündige den Heiland in der Wahrheit als das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt - nicht als Revolutionär, nicht als Umweltschützer, nicht als einen Weisheitslehrer unter vielen.

Nenne Sünde weiterhin “Sünde”, weil Gott dich so lehrt – auch wenn die Obrigkeit es dir verbietet.

Was ist dann für die Gemeinde wichtig?

Zum einen, daß sie für ihren Hirten und Lehrer fleißig betet, damit er durch Gottes Kraft -entgegen dem Zeitgeist- standhaft bleiben kann, daß er das Wort Gottes ohne menschlichen Zusatz und ohne es zu verkürzen predigt.

Zum anderen indem sie kraft des Allgemeinen Priestertums aller Gläubigen sich selbst die Mahnung des Apostels annimmt: “Verkündigt das Wort es sei zur rechten Zeit oder zur Unzeit!”, haltet fest am Bekenntnis!

Zum dritten, daß sie nach dem Vorbild der Gemeinde zu Thessalonich leben, der Paulus schreibt: “Und darum danken wir auch Gott ohne Unterlaß dafür, daß ihr das Wort der göttlichen Predigt, das ihr von uns empfangen habt, nicht als Menschenwort aufgenommen habt, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort...” (1.Thess. 2,13)

Das ist wichtig, denn Paulus ermahnt ja den Timotheus noch: “Bemühe dich darum, dich vor Gott zu erweisen als einen rechtschaffenen und untadeligen Arbeiter, der da recht teile das Wort der Wahrheit” (2.Tim. 2,15).

“Recht teilen” (oder aus-teilen) soll er das “Wort der Wahrheit” nämlich in Gesetz und Evangelium.

Hier ist nicht das Wort eines Menschen, der ja selbst ein Sünder  ist, sondern das Wort Gottes!

Ich soll mich nicht Menschen beugen, sondern mich demütigen unter meinen HERRn und Schöpfer und ihm gehorsam sein.

Demgemäß spricht der Apostel: “Weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre!”

Die Lehre des Wortes Gottes soll das alleinige Mittel sein, durch das der Hirte einer Gemeinde die ihm Anvertrauten zu bessern sucht.

Die Lehre des Wortes Gottes soll das alleinige Mittel sein, durch das sich die Gläubigen gern und willig bessern lassen.

Durch Aufdecken der Sünde, durch Androhung des göttlichen Gerichtes werden wir vorbereitet wie ein Acker durch den mächtigen Pflug im Frühling.

Gott will den Trost seines Evangeliums in uns säen.

Auf dem harten Boden des durch Sünde verkrusteten Herzens kann der Same keine Wurzel schlagen.

Ja, Gott muß uns die Armut unserer Herzen zeigen, damit wir uns wieder sehnen nach dem Reichtum seiner Güte und Barmherzigkeit.

Anders kann uns das Wort nicht trösten: “Ihr kennt die Gnade unseres HERRn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf daß ihr durch seine Armut reich würdet” (2.Kor. 8,9).

Dies soll unser Trost sein und bleiben.

Uns und unseren Kindern soll das kostbare Wort Gottes erhalten bleiben.

Dafür sollen wir kämpfen, dafür haben auch unsere Vorfahren durch Gottes Kraft gekämpft.

Am 25. Juni jährt sich zum 475. mal der Tag der Übergabe des Bekenntnisses auf dem Reichstag zu Augsburg.

Wie die mutigen Bekenner damals, so wollen auch wir nach Jesu Wort handeln: “So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger und werdet die Wahrheit erkennen; und die Wahrheit wird euch freimachen” (Joh. 8,31f.).

Nach innen, zur Gemeinde hin, sollen wir um unserer Seligkeit willen das Wort mit Sanftmut annehmen als das Wort unseres Gottes.

Nach außen hin sollen wir am Bekenntnis zur reinen Lehre bleiben und uns von niemandem beirren lassen.

Das soll so sein und bleiben, weil der HERR, unser Gott es in seinem Wort befiehlt, weil er seine Verheißung darauf gelegt hat und weil wir das heilige Wort Gottes zu unserem ewigen Heil benötigen wie die Luft zum Atmen.

“Der Gott aber aller Gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, stärken, kräftigen gründen. Ihm sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit!” (1.Petr. 5,10f.). Amen.