Predigt für den 2. Sonntag nach Trinitatis
Predigttext:
Dies ist das Geschlecht Noahs.
Noah war ein frommer Mann und ohne Tadel und führte ein göttliches
Leben zu seinen Zeiten und zeugte drei Söhne Sem, Ham und
Japheth. Aber die Erde war verderbt vor Gottes Augen und voll
Frevels. Da sah Gott auf die Erde, und siehe, sie war verderbt;
denn alles Fleisch hatte seinen Weg verderbt auf Erden. Da sprach
Gott zu Noah: Alles Fleisches Ende ist vor mich gekommen; denn
die Erde ist voll Frevels von ihnen; und siehe da, ich will sie
verderben mit der Erde. (1.Mose 6,9-13)
Im Namen unseres HERRn Jesus Christus, liebe Gemeinde!
Das Buch Jesus Sirach gehört zu denen, "die der Heiligen Schrift nicht gleichzusetzen, aber nützlich und gut zu lesen sind". Einmal mahnt Sirach: "Laß dich nicht klüger dünken denn die Alten, denn sie haben`s auch von ihren Vätern gelernet. Denn von ihnen kannst du lernen, wie du sollst antworten, wo es not ist" (Sirach 8,11f.). Und im Blick auf Gottes Wort spricht er: "Wer sich darauf geben soll, daß er das Gesetz des Höchsten lerne, der muß die Weisheit aller Alten erforschen und in den Propheten studieren. Er muß die Geschichten der berühmten Leute merken und denselben nachdenken, was sie bedeuten und lehren..." (Sirach 39,1f.).
Die Berichte der Heiligen Schrift aus alter Zeit sind sehr wichtig für uns, weil unser HERR Christus selbst spricht: "Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben." (Joh. 5,46). Im Neuen lesen wir über das Alte Testament: "Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben." (Röm. 15,4).
Gott selbst erinnert uns also an den untrennbar engen Zusammenhang zwischen Altem und Neuem Testament, zwischen den Jahrtausenden, in denen die Gläubigen sich an die Verheißungen Gottes klammerten und auf den geweissagten Messias harrten und der Zeit der Erfüllung.
Der HERR Christus selbst lehrt uns unsere Zeit an längst vergangenen Tagen und ihren Umständen zu beurteilen und verstehen, wenn er z.B. spricht: "Gleichwie es zur Zeit Noah's war, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes. Denn gleichwie sie waren in den Tagen vor der Sintflut, sie aßen, sie tranken, sie freiten und ließen sich freien, bis an den Tag, da Noah zu der Arche einging. und achteten's nicht, bis die Sintflut kam und nahm sie alle dahin, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes." (Matth. 24,37ff.).
Zum einen sollen wir also unsere Zeit anhand solcher Berichte beurteilen, "denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben", zum anderen liegt darin der reiche Trost Gottes verborgen, denn es heißt weiter: "...damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben." (Röm 15,4). Wie Gott der HERR vor tausenden Jahren den frommen Lot errettet und Noah mit den Seinen bewahrt hat, so sollen wir uns heute Gottes gnädiges Handeln an ihnen uns zum Trost dienen lassen.
Unser heutiger
Predigttext erinnert uns an Noah: "Noah war ein frommer
Mann und ohne Tadel zu seinen Zeiten; er wandelte mit Gott."
Noah war vor der Sintflut der einzige Gerechte auf der ganzen verderbten Erde.
Im ersten Vers unseres Abschnittes heißt es: "Dies ist die Geschichte von Noahs Geschlecht. Noah war ein gerechter Mann und war untadelig inmitten seiner Geschlechter." (wörtl.). Aus diesem Grund lesen wir vorher auch: "Aber Noah fand Gnade vor dem HERRn."
Kurz und knapp beschreibt uns Gottes Wort das bisherige Leben dieses Mannes - aber inhaltsreich! "Fromm" bzw. "gerecht" war Noah. Diese Worte beschreiben uns sein Verhältnis zu Gott: "Er wandelte mit Gott." Unser Text berichtet nämlich: "Und er zeugte drei Söhne: Sem, Ham und Japhet."
Auf den ersten Blick scheint das sehr nebensächlich zu sein. Das ist aber keineswegs so, wenn wir auf die näheren Umstände achten. Noah wußte, daß das Menschengeschlecht vernichtet werden sollte. Er hätte ja auch (wie viele heute) sagen können: "In diese Welt setze ich keine Kinder! Wer weiß, ob sie im Glauben bleiben bei all dieser Bosheit, die so überhand genommen hat"
Dennoch heiratete Noah und zwar im "forgeschrittenem Alter", nämlich als er 500 Jahre alt war. Vor unserem Text wird berichtet, wie die Gläubigen (die Kinder Gottes) die Ungläubigen (Töchter der Menschen, 1.Mose 6,2) zu Ehefrauen nahmen und dadurch vom Glauben abfielen, so erfahren wir, aus welchem Grund auf Noahs Eheleben hingewiesen wird: Lebten seine Mitmenschen in Unkeuschheit und Unzucht, so fiel sein Leben durch das Beachten des 6.Gebotes auf. Noah führte also einen solchen Lebenswandel, daß er sich immer bewußt war, er müsse einmal Rechenschaft geben über sein Denken, Reden und Handeln. Noah war auch kein vollkommener Mensch, hatte er doch auch Erbsünde und damit das alte, verdorbene Wesen Adams an sich, das so sehr zum Bösen geneigt ist! Und dennoch wird er "fromm" und "gerecht" genannt.
"Gerecht" kann ein sündiger Mensch gegenüber Gott nur sein, wenn er von Herzen an Gott glaubt, denn der Prophet lehrt: "Siehe, wer halsstarrig ist, der wird keine Ruhe in seinem Herzen haben; den der Gerechte lebet seines Glaubens." (Hab. 2,4). Daß es einen Gott gibt, ein höheres Wesen, glaubten sicherlich auch noch viele seiner Zeitgenossen; dieses Wissen haben sogar die Teufel, wie Jakobus schreibt: "Du glaubst, daß ein einiger Gott ist? Du tust wohl daran; die Teufel glauben`s auch und zittern." (Jak. 2,19). Dieser "Glaube", dieses bloße Wissen kann nicht selig machen!
Was aber glaubte Noah denn, daß er "fromm" bzw. "gerecht" genannt wird? Noah glaubte an Jesus Christus, an den verheißenen Heiland der Sünder, an den Messias, den "Gesalbten Gottes". Denn Noah kannte die Verheißung, die Gott der HERR dem Adam und seiner Frau gegeben hatte, die Verheißung des Messias, des Retters von Sünde und Tod, der der Schlange den Kopf zertreten sollte, wie Gott der HERR gegenüber Adam und Eva gesprochen hatte (1.Mose 3,16).
Mit dieser
Hoffnung und der Liebe zum kommenden Heiland im Herzen wurde auch
Noah willig, keinem anderem als dem wahren Gott zu dienen,
seinen Namen nicht zu mißbrauchen und sein Wort gerne zu hören.
Noah war "gerecht", weil er an den
glaubte, den Gott allen Menschen geschenkt hat, damit sie durch
den Glauben an diesen "Retter von allem Sündenelend"
überhaupt "Gott recht" werden können.
Woher aber kannte er Christus?
Adam war ca. 125 Jahre vor Noahs Geburt gestorben. Noah hatte mit seinem Großvater Metuschelach und dem frommen Lamech (die beide Zeitgenossen Adams waren) eine Zeitlang zusammengelebt. Diese Männer hatten ihren Kindern das Wort Gottes weitergegeben; und Noah kannte es nicht nur, sondern traute und gehorchte diesem Wort. Er glaubte an den kommenden Heiland und war dadurch gerecht. Durch diesen Glauben hatte er Vergebung der Sünden, Leben und ewige Seligkeit.
So lesen wir auch im Hebräerbrief: "Aber ohne Glaube ist`s unmöglich, Gott zu gefallen... Durch den Glauben hat Noah Gott geehrt und die Arche zubereitet zum Heil seines Hauses, da er einen göttlichen Befehl empfing von dem, das man noch nicht sah, durch welchen er verdammte die Welt und hat ererbt die Gerechtigkeit, die durch den Glauben kommt." (Hebr.11,6.7)
Diesen seinen Glauben und das Wort Gottes behielt er nicht nur im Herzen, sondern bekannte ihn auch vor den Menschen seiner Zeit. Dafür erntete er Hohn und Spott! Gott der HERR hatte ihm offenbart, daß 120 Jahre später das Strafgericht der Sintflut über die Menschheit hereinbrechen werde (1.Mose 6,3). Mit Gott und seinem Wort ist nicht zu scherzen! "Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten!" (Gal. 6,7). "Unser Gott ist ein verzehrend Feuer!" (Hebr. 12,29). Aber die Menschen zu Noahs Zeit wollten Gottes Wort nicht hören.
Es herrschten Tyrannen, wie wir lesen, die Gottes Wort verachteten und verspotteten, die die Gläubigen unterdrückten, Mord und Blutvergießen anrichteten. Jesus beschreibt diese Epoche, wie wir hörten, so: "...sie aßen, sie tranken, sie freiten und ließen sich freien, bis an den Tag, da Noah zu der Arche einging. und achteten's nicht, bis die Sintflut kam und nahm sie alle dahin..." Ihre Gedanken kreisten nur um das irdische Leben, um Wohlstand und gute Tage, Spaß haben, nach dem Arbeitsstreß die Ruhe genießen, ja nicht stören lassen! -auf Noahs Warnung wollte keiner achten!
Durch den Glauben stand Noah mitten in diesem gottlosen Treiben allein mit seiner Frau, seinen Söhnen und Schwiegertöchtern (1.Mose 7,7). Es scheint uns, er sei wie ein Fels in der Brandung gewesen, aber welche Traurigkeit über gottlose Freunde, gedankenlose Verwandte muß in ihm gewesen sein! So gut er konnte, warnte er wohl die Menschen, rief sie zur Umkehr und predigte ihnen, es sei nicht mehr viel Zeit! - aber sie verlachten ihn!
"Willst du allein fromm und gerecht sein? Meinst du, du seist unser Lehrer? Du allein weißt wohl die Wahrheit? Du bist vermessen und hochmütig! Eine Flut soll kommen, die auch die Gipfel der Berge verdecken wird? Du mußt uns schon mit glaubhafteren Argumenten überzeugen!"
Ob es damals auch schon Gelehrte, Naturforscher und Wissenschaftler gab, die ihre gottlosen, aber vernünftigen Theorien verbreiteten - wie in unseren Tagen? Wie viele angesehene Persönlichkeiten mögen sich gegen Noah erhoben und die Leute beruhigt haben: "Wir sehen keine Anzeichen für eine Sintflut! Wo soll das viele Wasser herkommen?!" Noah aber ließ sich nicht beirren: "Glaubt es nur! Die große Flut wird kommen! Gott der HERR hat beschlossen, alles Leben zu vernichten um eurer großen Bosheit willen und weil ihr euren Schöpfer verachtet!"
Man mag sich
fragen: Spricht die Heilige Schrift hier von einer Zeit vor 5.000
Jahren oder von unserer? Wie reagieren die Menschen, wenn ihnen
Gottes Wort vom Jüngsten Tag gesagt wird? Jesus spricht, wenn er
an Noah erinnert: "Denn wie es in den Tagen Noahs war...
vor der Sintflut... und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut
kam und raffte sie alle dahin-, so wird es auch sein beim Kommen
des Menschensohnes." (Matth. 24,38.39).
Was zeigt uns Gottes Wort an Noahs?
Sollen wir daraus nicht lernen, wie zu jeder Zeit Menschen in der tosenden Brandung des Unglaubens bestehen können? -allein gegründet auf die Wahrheit Gottes? Ja, gewiß: Wenn sie allein auf Gottes irtumsloses Wort gegründet sind und der HERR Christus durch den Glauben mit seiner göttlichen Stärke in ihren Herzen wohnt, dann werden sie bestehen, auch wenn sie in sich selbst gar nicht stark, sondern schwach sind!
Gottes Wort will
uns führen und halten, damit wir diese letzte Zeit der Welt
unbeschadet an unserem Glauben überstehen! Mit seiner Familie
war Noah damals der einzige gläubige Mensch.
Diesen Glauben Noahs stellt uns die Schrift zum Vorbild hin.
Sein Glaube bestand für sich selbst und kam nicht ins Wanken - auch wenn er sich nicht an hunderte oder tausende Mitgläubige anlehnen konnte. Unser Glaube soll einem Schiff gleichen, das nicht nur in ruhigem Gewässer und schönem Wetter unbeschadet dahingleitet, sondern auch dann auf Kurs bleibt, wenn die Wellen gegen die Planken schlagen und die Wogen über das Deck hereinbrechen!
So soll unser Glaube nicht einem Baum gleichen, der nur deswegen nicht umfällt, weil er mitten im Wald steht und andere Bäume ihn vor dem Sturm schützen und stützen! Der Apostel Paulus betete für die Christen in Ephesus: "daß (Gott) euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, daß Christus durch den Glauben wohne in euren Herzen und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid." (Eph. 3,16.17)
Sind wir in der Liebe Jesu Christi verwurzelt, steht unser Glaube allein auf Gottes festem Wort, dann werden wir überwinden wie Noah. Wir sind ja getauft: Gott der HERR hat einen Bund mit uns geschlossen, einen Bund der Treue! Bleiben wir in lebendiger Verbindung, im lebendigen Glauben, so sind wir geborgen in IHM. Der Apostel Petrus schreibt: "...zur Zeit Noahs, da man die Arche baute, in welcher wenig, das ist, acht Seelen, behalten wurden durchs Wasser, welches nun auch uns selig macht in der Taufe, die durch jenes bedeutet [d.h. angedeutet] ist..." (1.Petr. 3,20.21).
Nun, liebe Gemeinde, wir sollten uns das noch einmal ganz aufmerksam durchdenken: In der Arche ließ Gott acht Seelen übrig bleiben. Acht Seelen waren es noch, während alle anderen Menschen im Irrtum waren und schließlich dem Gottesgericht verfielen. Und was spricht Christus? "Denn wie es in den Tagen Noahs war, ...so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohnes."
Und wir? Wundern wir uns, daß auch heute so wenige auf der ganzen Welt übrigbleiben? -daß immer mehr faule Kompromisse schließen? Christus spricht sehr ernste Worte, und eben nach diesen Worten sollen wir unsere Zeit, uns seltsam anmutende Umstände und eben alle Dinge, die wir kaum fassen können, beurteilen: "Doch wenn des Menschen Sohn kommen wird, meinst du, daß er auch werde Glauben finden auf Erden?" (Luk. 18,8).
"Dann werden sich viele ärgern und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. Und es werden sich viel falsche Propheten erheben und werden viele verführen. Und dieweil die Ungerechtigkeit wird überhandnehmen, wird die Liebe in vielen erkalten. Wer aber beharret bis ans Ende, der wird selig." (Luk. 24,10-13).
Und darum allein geht es! Wie St. Apostel schreibt: "Also, meine Liebsten, wie ihr allezeit seid gehorsam gewesen, ...schaffet , daß ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern" (Phil. 2,12). Nun, wir wissen aus Gottes Wort sehr wohl, daß wir uns unsere Seligkeit nicht durch gute Werke, ja auch überhaupt nicht durch eigenes Tun schaffen können.
Vielmehr: Seid bestrebt, daß ihr durch die Kraft der Gnade Gottes selig werdet! Mit äußerster Sorgfalt hütet euch vor allem, wodurch ihr euren Glauben verlieren könntet! Davor habt Angst! Ja, zittert und bebt, fürchtet euch davor, euer Vertrauen auf Gottes Wort zu verlieren und die Zuversicht auf euren Heiland!
Und darum schenkt Gott uns in seinem Wort Trost und Stärke, denn es ist eine gefährliche Zeit, in der wir leben. Darum: "Schaffet!", d.h. "Seht zu!" -daß ihr eure Seligkeit nicht verliert! Davor zittert! Er hat uns Jesus Christus den Heiland geschenkt, der für die Sünden aller Menschen mit seinem Blut bezahlt hat: Ergreife die Erlösung in Christus: "Glaube an den HERRn Jesus, so wirst du selig!" (Apg. 16,31).
Er hat uns sein gewisses Wort gegeben, das uns lehrt und mit dem er seine Gemeinde baut und erhält. Was wollen wir mehr? "Ich will rühmen Gottes Wort, ich will rühmen des HERRn Wort. Auf Gott hoffe ich und fürchte mich nicht; was können mir die Menschen tun?" (Ps. 56,11.12).
Gott schenke, daß wir Noah ähnlich werden, ja daß wir ihm im Glauben gleichen, denn Jesus sagt: "Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden." (Matth.24,13) "Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben." (Offbg.2,10) Amen.
Email an den Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden