Predigt am 3. Advent
Predigttext: Ich will mich mit dir verloben in Ewigkeit; ich will mich mit dir vertrauen in Gerechtigkeit und Gericht, in Gnade und Barmherzigkeit; ja, im Glauben will ich mich mit dir verloben; und du wirst den HERRN erkennen. Hosea 2,19.20
Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe! Wer ist derselbe König der Ehren? Es ist der HERR Zebaoth; er ist der König der Ehren.Ps. 24,9-10
Der Prophet Hosea verkündigte Gottes Wort um 740 vor Christi Geburt. Im Deutschen würde "Hosea" einfach "Gotthilf" heißen. Dieser Name war ein Hinweis auf das Gotteswort, das er predigte, denn Israel hatte sich weit von seinem Gott entfernt und trieb Götzendienst. Wie eine schwarze Gewitterwolke schwebte Gottes Zorn über den Kindern Jakobs. So war es Gottes Wille, daß Hosea mit seiner ganzen Person zur Predigt wurde: Gott-hilf.
Der HERR sprach zu ihm: "Geh hin und nimm ein Hurenweib und Hurenkinder, denn das Land läuft vom HERRn weg der Hurerei nach" Hos 1,2.
Das tat Hosea; er nahm eine Hure, die ihm drei Kinder gebar:
eine Tochter LO-RUHAMA (d.h. "ohne Gnade"), denn wo jemand die Sünde liebt und festhält, vertreibt er die Gnade Gottes aus seinem Herzen.
und einen Sohn LO-AMMI (d.h. "nicht mein Volk") "...denn ihr seid nicht mein Volk, so will ich auch nicht der Eure sein!" Hos. 1,9.
Wenn Gott in seinem Zorn so spricht und bittere Strafe androht, dann meint er es dennoch gut. "So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daß der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe. So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben, ihr vom Hause Israel?"Hes. 33,11. Hinter dem Zorn Gottes leuchtet seine Liebe, die er auch gegenüber uns viel lieber offenbaren möchte als seinen Zorn - es liegt an uns. "Denn nicht von Herzen plagt und betrübt er die Menschen"Klgl. 3,33.
Wir Menschen aber sind oft so selbstsicher und verstockt, daß wir aus dem Morast neuer Schuld aus eigener Kraft nicht mehr herauskommen, ja daß sich in uns nur noch eine ganz winzige Stimme hören läßt, die uns zur Umkehr mahnt. Dann kann uns nur noch Gott selbst helfen - und er will es auch. So war das auch damals bei Israel: Gott wollte die Menschen zur Umkehr bewegen; darum sandte er sein bewegendes Wort durch die Propheten. Gott tat den entscheidenden ersten Schritt und sprach durch Hosea zu Israel: "Ich will mich mit dir verloben... Ja im Glauben will ich mich mit dir verloben." Im Schatten der Sünde, auch unserer eigenen, erkennen wir die Barmherzigkeit Gottes, und wir begreifen dann wohl auch wieder: Wenn Gott uns Vergebung der Sündenschuld verkündigen läßt, dann kann der Grund dafür niemals in uns liegen - weder in eigener Frömmigkeit noch in guten Taten. Denn Gott spricht: "Wenn ich zu dem Gerechten spreche: Du sollst leben! und er verläßt sich auf seine Gerechtigkeit und tut Böses, so soll aller seiner Gerechtigkeit nicht mehr gedacht werden, sondern er soll sterben um des Bösen willen, das er getan hat" Hes. 33,13. Damals aber öffnete der HERR durch den Propheten dem alten Israel einen Ausweg aus der schier hoffnungslosen Lage.
Auch uns schenkt er noch Gnadenzeit. Damals wie heute liegt der Schatz, aus dem allein unsere Schuld an Gott bezahlt werden kann, im Heiland der Sünder, Jesus Christus, und seinem Blut, das er zum Lösegeld gegeben hat. Denn so bezeugt es der Apostel: "Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade" Joh 1,16. Und weiter lesen wir im Neuen Testament: "In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade" Eph 1,7. Er rief damals und spricht heute auch zu uns:
1. Ich will mich mit dir verloben!
2. Und du wirst den HERRn erkennen!
1.
"Ich will mich mit dir verloben in Ewigkeit!", so sprach also Gott zur Gemeinde der Gläubigen - des damaligen Israel und so spricht er auch heute zur weltweiten Gemeinde Jesu. Wie aber stand es damals um die Braut, bevor sie zu solchen Ehren erhoben wurde? Sie war zur Hure geworden: Israel trieb Götzendienst. Grundsätzlich ist das bei jedem Menschen so: Ganz egal, unter welchen Umständen, ganz gleich in welchem Land einer das Licht der Welt erblickt, heißt er: LO-RUHAMA ("ohne Gnade"), LO-AMMI ("nicht mein Volk"). Aber selbst wenn ein Mensch durch die heilige Taufe zu einem Kind Gottes geworden ist, wenn einer im lebendigen Glauben gestanden, seinen Erlöser von Herzen lieb hat, kann es mit ihm wieder dahin kommen, daß er zurückfällt in das alte gottferne Leben, daß er den rettenden Glauben verliert und sich wieder ganz den Sünden hingibt. So kleben Herzen plötzlich wieder an Dingen, die Gott geschaffen hat - nicht mehr an ihm. Sehnsüchte und Begierden strecken sich nach irdischen Dingen, und darüber vergessen wir, für unsere Seele zu sorgen. Man gewöhnt sich wieder an Böses und das Gewissen schlagen wir tot. So stand es damals um Israel. Sie hatten den HERRn ihren Gott vergessen. Wäre es nicht recht und billig gewesen, wenn er dieser Hure den Abschied gegeben und sich eine andere, bessere, treuere gesucht hätte?
Gott handelte wider Erwarten: "HERR, HERR, Gott; barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue, der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde..." 2.Mose 34,6. In unfaßbar großer Langmut und Liebe, trachtete ER danach, wie er das Volk als seine Braut zurückgewinnen könnte. "Darum siehe, ich will ihr den Weg mit Dornen versperren und eine Mauer ziehen, daß sie ihren Pfad nicht finden soll. Und wenn sie ihren Liebhabern nachläuft und sie nicht einholen kann, und wenn sie nach ihnen sucht und sie nicht finden kann, so wird sie sagen: Ich will wieder zu meinem früheren Mann gehen; denn damals ging es mir besser als jetzt. Darum siehe, ich will sie locken... und freundlich mit ihr reden." Hos.2,8.9.16. Gottes erbarmende Liebe tat das schier Undenkbare! Er warb um die Hure und versprach ihr ewige Treue:"Ich will mich mit dir verloben in Ewigkeit!" Hätten nicht auch ein wenig Hilfe, "Freundschaft" genügt? - Nein! Er sagt "verloben"!
Ist im Alten Testament die Rede von "verloben", dann besteht zum heutigen Verständnis ein grundsätzlicher Unterschied: Heute geht man ja oft mit Menschen um wie mit einer Tageszeitung: Heute benutzt man sie, da ist sie aktuell - aber schon morgen gibt es eine neue. Im Rechtsgefüge Israels wurde "Verlobung" mit Verheiratung gleichgesetzt. Verlobungszeit war Wartezeit, in der der Bräutigam das "gemeinsamen Nest" gründete. Der HERR rief nicht nur damals sein altes Bundesvolk, sondern ruft auch heute! Er ruft in seinem Wort. Er ruft durch sein Sakrament. Anfechtungen und Sünden dringen täglich auf dich ein. Darum ruft der HERR, will dich reinigen, stärken, festigen.
Prüfe dich: Ist aus deinem Herzen die brennende Liebe zu Christus einem mehr teilnahmslosen Christentum gewichen? Unser Christenleben ist täglicher Kampf gegen das Böse, auch in uns, und ein "Sich-neu-verbinden" mit dem HERRn. Erinnere dich wie Gott in diese Welt durch die alten Propheten das Kommen des Heilandes hineinrief! Was für ein Jubel, als es endlich so weit war: "Euch ist heute der Heiland geboren!" Luk. 2,11. Und nun ruft in unserer Leben wieder und wieder: "Ich will mich mit dir verloben in Ewigkeit, ...in Gerechtigkeit und Recht, in Gnade und Barmherzigkeit. Ja im Glauben will ich mich mit dir verloben... anstatt daß man zu ihnen sagt: >Ihr seid nicht mein Volk<, wird man zu ihnen sagen >Kinder des lebendigen Gottes<!" Hos 2,1.
Gott selbst besiegelte diesen Liebesbund mit seinem Blut: "Ihr kennt die Gnade unseres HERRn Jesus Christus: obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich würdet." 2.Kor. 8,9. "Christus hat unsere Sünden selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden"1.Petr. 2,24. Das hat der Heiland alles für dich getan! Sein Opfer ist für einen jeden von uns gültig, selbst wenn einer dem Herrn in seinem Herzen so entfremdet wäre, daß sein Glaube nur einem gerade noch glimmenden Docht gliche - oder sogar schon erstorben sei. "Die Güte des HERRN ist's, daß wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß." Klgl. 3,22-23. Es ist Gottes Güte, wenn uns in Zeiten, wo wir ihn fast vergessen, große Probleme entstehen, wenn Not kommt und uns Trübsal drückt.
Wir ahnen schon, warum dann alles so schwer ist, wenn wir Wege gehen, die von Gott wegführen: Dann hat er uns "den Weg mit Dornen versperrt", hat "eine Mauer gezogen", damit wir in uns gehen und uns von seiner vergebenden Liebe zurückgewinnen lassen! Darum verschließe dich nicht, wenn Jesus dir sagt: "Ich will mich mit dir verloben!" Denn es gibt nichts Wichtigeres als das, was er dem anfügt:
2. "Und Du sollst den HERRn erkennen!"
Wer sich selbst noch nicht erkannt hat, kann auch Jesus nicht erkennen, d.h.: Er wird IHN nicht als seinen HERRn anerkennen wollen. Es ist genau so wie bei einem Mädchen, das seinem Verlobten untreu geworden ist und sich mit einem anderen eingelassen hat. Wenn sie nicht irgendwann einsieht, daß sie untreu und lieblos gehandelt hat, wird sie auch nicht begreifen, was Vergebung ist. Solange ein Mensch das falsche Bild über sich selbst behält, wird er nie verstehen können, wozu es einen Heiland gibt! -und wozu er diesen Heiland braucht! Er wird weiterhin nur vorwurfsvolle Fragen stellen: >Warum läßt Gott so viel Unrecht zu?< oder >Muß ich das wirklich alles glauben?<. So meinen viele: Mir gehts doch gut - wozu Jesus?
Wer so redet, hat noch nicht begriffen, wie Gott über ihn denkt! Wer den Sohn Gottes im Todeskampf am Kreuz hängen sieht und dann gelangweilt fragt "Wozu?", der weiß noch nicht, daß über ihm das vernichtende Gottesurteil schwebt: LO-RUHAMA - "ohne Gnade!" und LO-AMMI - "nicht mein Volk!" Doch: "Du wirst den HERRn erkennen!" Hast du dir die Augen über dich selbst öffnen lassen und erkannt, wie hilflos verloren du vor ihm bist, dann stehst du kurz davor, "den HERRn zu erkennen". Es ist eine wohlgemeinte Aufforderung, die Gott uns allen durch Jeremia zuruft: "Laßt uns erforschen und prüfen unsern [Lebens-] Wandel und uns zum HERRN bekehren! Laßt uns unser Herz samt den Händen aufheben zu Gott im Himmel! Wir, wir haben gesündigt und sind ungehorsam gewesen, darum hast du nicht vergeben" Klgl. 3,40-42
Du wirst Jesus als den einzigen Heiland und Erlöser erkennen, als deinen Heiland! Du wirst ehrfürchtig und dankbar vor Jesus stehen, der um deiner Sünde willen gestorben und um deiner Gerechtigkeit willen auferweckt ist. Du wirst einstimmen in den Jubel der Erlösten und sagen: Ja, ich erkenne meinen Jesus neu! Er weiß alles über mich, meine Schuld ist ihm nicht verborgen; er weiß, wie tief ich gefallen bin, wie weit ich von Gott entfernt war. Aber er hat mich dennoch nicht von sich gestoßen. Mit seinem Blut hat er bezahlt; hat um mich geworben, hat mich zurückgeholt. Oft war es nur ein kleiner Schritt zur gänzlichen Untrue, aber seine Treue war größer! Er hat mich bewahrt, gehalten und die Wege ins Verderben mit Dornen versperrt!
Über einen solchen Menschen, der Jesus einfach in sein Herz kommen läßt und ihn darin bewahrt, sagt die Heilige Schrift: "Wie ein junger Mann eine Jungfrau freit, ... und wie sich ein Bräutigam freut über die Braut, so wird dein Gott sich über dich freuen." Jes 62,5. Er legt dir das "JA" in den Mund; darum hörst du auch jetzt seine freundliche Einladung! Auch für dich hat er die Wohnung bereitet! Für dich ist Platz im Vaterhaus, im Himmelreich! Zweiflle nicht, denn er spricht: "Ich will mich mit dir verloben... Und du sollst den HERRn erkennen... Und ich will mich erbarmen über LO-RUHAMA, und will sagen zu LO-AMMI: >Mein Volk!< Und er wird sagen >Du bist mein Gott!<... Und es soll geschehen, anstatt daß man zu ihnen sagt: >Ihr seid nicht mein Volk!<, wird man zu ihnen sagen: >Kinder des lebendigen Gottes!<... "Denn ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christus Jesus" Röm. 9,25.26/ Gal. 3. Er will, daß auch du auf seine Frage "Hast du mich lieb?" mit dem tief gefallenen Petrus antworten kannst: "HERR, du weißt alle Dinge; du weißt, daß ich dich lieb habe!" Joh. 21,17. Dann gehörst du durch Gottes Gnade wieder zu Gottes Volk!
Denn während Gott im Alten Testament die Juden meinte, wenn er sprach: "Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein." 2.Mose 19,6, ruft Gott im Neuen Testament den Christen zu: "Ihr seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums... die ihr einst >nicht ein Volk< wart, nun aber >Gottes Volk< seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid." 1.Petr. 2,9f. Möge es auf diese Weise in uns allen "ADVENT" sein! -daß wir den, der an die Tür unseres Herzens klopft, voller Dank einlassen: Komm, o mein Heiland Jesus Christ, meins Herzens Tür dir offen ist.Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns führ und keit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr. Amen.
Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an Pfarrer Blechschmidt