Predigt am 3. Sonntag nach Trinitatis
Lied nach der Predigt: LKG 225
Kollektengebet: HERR, Gott, lieber himmlischer Vater, der du aus lauter väterlicher Liebe zu uns armen Sündern deinen Sohn geschenkt hast, damit wir an ihn glauben und durch den Glauben das ewige Leben haben, wir bitten dich: Gib deinen Heiligen Geist in unsere Herzen, daß wir in solchem Glauben beharren bis an unser Ende - durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen.
Predigttext: Es nahten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn hörten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen.
Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, so er der eines verliert, der nicht lasse die neunundneunzig in der Wüste und hingehe nach dem verlorenen, bis daß er's finde? Und wenn er's gefunden hat, so legt er's auf seine Achseln mit Freuden. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, vor neunundneunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen.
Oder welches Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der einen verliert, die nicht ein Licht anzünde und kehre das Haus und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freuet euch mit mir; denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut. (Lukas 15, 1-10)
Liebe Brüder und Schwestern im HERRn Christus!
Wiederholt lesen wir in der Heiligen Schrift, wie der HERR Jesus Christus sich auch über die Verachtetsten und Ärmsten erbarmt hat, ja wie er sich auch nicht scheute, in ihre Häuser einzukehren, um mit ihnen zu essen und dort das Wort des Lebens zu verkündigen. Nach dem er den Zöllner Levi, den späteren Evangelisten Matthäus in seine Nachfolge berufen hatte, heißt es: "Und es begab sich, da er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viel Zöllner und Sünder und saßen zu Tische mit Jesus und seinen Jüngern."
Wiederholt aber lesen wir dann auch enttäuschende Worte. Da fragen die Pharisäer die Jünger Jesu: "Warum ißt euer Meister mit den Zöllnern und Sündern?" (Matth 9,11) oder sie murrten: "Dieser nimmt die Sünder an und ißt mit ihnen."
"Gleich und gleich gesellt sich gern!" - so dachten sie wohl. Was entgegnet Jesus? Weist er den Vorwurf, ein Freund der Sünder und Verachteten zu sein, weit von sich? Verläßt er sie, um vielleicht wiederzukommen, wenn es keiner sieht? Weit gefehlt!!! Er entkräftet nicht einmal die Vorwürfe, sondern bestätigt sie, indem er drei Gleichnisse erzählt: -- Vom verlorenen Schaf -- Vom verlorenen Groschen -- Vom verlorenen Sohn. Damit bekräftigt er, worüber sich die einen ärgern, die anderen aber von Herzen freuen: Ja, ich nehme die Sünder an! Ich will nicht anders, ich kann nicht anders, denn "des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist." (Luk.19,10).
Der allmächtige Gott hat es damals so gefügt, daß die böswilligen Pharisäer und Schriftgelehrten einen Satz aussprachen, der zu den trostreichsten der ganzen Heiligen Schrift gehört:
"Jesus nimmt die Sünder an! "
So spricht der HERR selbst:
Ich bin gekommen, (1) zu suchen
(2) und selig zu machen, was verloren ist.
1 Jesus nimmt die Sünder an
Er ist gekommen zu suchen, was verloren ist. Ein Freund der offenbaren Sünder zu sein, das war und ist keine besondere Ehre in den Augen der Selbstgerechten. Die Pharisäer waren ehrlich bemüht, einen tadellosen Lebenswandel zu führen.
Sie lebten jedenfalls äußerlich fromm "nach dem Gesetz". Aber sie hatten sich von Gottes Wort entfernt, ihre Frömmigkeit bestand in oberflächlichem, ja oft selbsterdachtem Kult - sie hofften darum auch auf einen Messias, der ihre Werke würdigt. Als sie dem Messias, Jesus von Nazareth, begegneten, verschlossen sich ihre Herzen in Verachtung, denn er sprach: "Ich bin gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist." Verlorene Sünder, die einen Heiland brauchen- das wollten sie nicht sein!
Aber die Herzen derer, die nach Vergebung, nach Befreiung, nach Leben und Seligkeit hungerten, öffneten sich weit, als sie Jesu Worte hörten. Denken wir nur daran, wie der HERR Christus im Haus eines Pharisäers namens Simon war. Eine stadtbekannte Sünderin trat ein, salbte ihn, fiel weinend zu Jesu Füßen nieder und trocknete mit ihrem Haar die Füße Jesu. Das war das Zeichen ihrer Reue und ihrer Bereitschaft IHM nachzufolgen. Der Pharisäer Simon dachte: "Wenn Jesus ein Prophet wäre, dann wüßte er, wer und was für eine Frau das ist! ER wußte es und ließ sie gewähren!!!
Und wieder erfahren wir aus dem Neuen Testament, wie sie ihn einen "Freund der Zöllner und Sünder" nannten, um ihn zu schmähen. Der HERR aber schämte sich nicht! Er verrhält sich so, daß auch solche Menschen den Mut finden, sich ihm zu nähern! Wenn andere einen tief in Sünde Gefallenen meiden, wenn sie ihn schon längst aufgegeben haben und sagen: "Der ist verloren! Bei dem hat es keinen Sinn!" -- dann ruft der Heiland: "Ich bin gekommen, zu suchen, was verloren ist."
"Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, so er der eines verliert, der nicht lasse die neunundneunzig in der Wüste und hingehe nach dem verlorenen, bis daß er's finde?... Oder welches Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der einen verliert, die nicht ein Licht anzünde und kehre das Haus und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde?" (V.4.8).
Er will damit sagen: Ihr Menschen handelt ja auch so - z.B. wenn es um ein Schaf oder um ein Geldstück geht. Hat ein Hirte 100 Schafe und eins von ihnen ist plötzlich verschwunden, dann ist ihm an dem einen besonders viel gelegen. Dann läßt er die 99 anderen für eine Zeit in der Steppe allein grasen und sucht das eine. Sie gehören ja zu ihm, sie warten auf ihn. Für sie besteht zur Zeit keine so große Gefahr wie für das einzelne!
So auch eine Hausfrau: Sie sucht und sucht, sie kehrt alles um, fegt und leuchtet in jeden Winkel. Man könnte denken, der eine Groschen hätte für sie in diesem Moment mehr Wert als die übrigen neun! Sie weiß ihr übriges Vermögen in Sicherheit, sucht aber ganz emsig nach dem verlorenen Geldstück.
Mit diesen Gleichnissen sagt Jesus: Was wundert ihr euch, daß ich die verlorenen Sünder so eifrig suche und ihnen nachgehe bis ich sie finde? Alle sind sie meine Schafe. Alle sind sie mein Eigentum. Alle habe ich sie teuer erkauft mit meinem Blut! Darum kann mich nichts und niemand zurückhalten. Ich suche auf allen Bergen, auch in den tiefsten Tälern, in Abgründen und Sümpfen dieser sündigen Welt nach ihnen. Mein Hirtenherz kann nicht anders! Ist doch ein Mensch, den ich geschaffen habe, unendlich wichtiger, wertvoller als ein 1.000 Schafe oder 10.000 Groschen!!! Denn ich, der Sohn Gottes, bin gekommen, zu suchen, was verloren ist. Wie ein Hirte sein Schaf vor dem Wolf rettet, so will ich auch den Verachtetsten aus Ketten des Teufels, aus den Bindungen der Sünde reißen!
In Jesu Herz brennt Erbarmen und herzliche Liebe zu allen Menschen - auch zu denen, die in ihrem Leben sehr sehr tief gefallen sind. Jesus ist ganz anderes als ein Mensch: Sieht ein Mensch einen anderen in Sünden und Verderben fallen, dann denkt er oft ganz heimlich: Der verdient keine Liebe. Dem soll geholfen werden? Der braucht sich doch nicht zu wundern, wenn man ihn verachtet und meidet; der ist doch selber dran schuld! Wie schnell gibt man die Hoffnung auf! Wie schnell meint man, jedes weitere Wort sei doch vergeblich! Ganz anders Jesus! Sieht er einen Menschen tief in Sünde fallen und die Ketten des Bösen ihn immer stärker binden, dann brennt sein Herz immer heftiger vor Erbarmen und Liebe. Und er denkt: Er ist doch mein Eigentum.
Nicht Haß und Unglück, nicht Teilnahmslsoigkeit hat er verdient, sondern gerettet muß er werden! Denn es gibt ja für einen Menschen kein größeres Unglück, als hilflos weiter auf dem Weg der Erbsünde zu leben und immer tiefer in Gottlosigkeit und Sünde zu versinken. Dem HERRn bricht es das Herz, wenn er einen Menschen der Sünde dienen, ihn schnurstracks in die Hölle laufen sieht! Der HERR weiß: Wenn er sich nicht über den Menschen erbarmt, dann gibt es wirklich keine Hoffnung, keine Rettung mehr! Darum sucht er! Darum tritt er ihm mit seiner Gnade in den Weg. Er läßt ihn sein Wort hören: das Gesetz, durch das Sünde erkannt und Gottes Strafe angedroht wird - und das Evangelium von der Gnade. So lockt der HERR durch sein Wort und die Botschaft vom Kreuz und läßt bis heute verkündigen, daß alle, die sich hilfesuchend unter das Kreuz der Vergebung stellen, gerettet werden vor der ewigen Verdammnis.
Und wenn das nicht fruchtet, dann hält er dem Sünder den Schrecken des Gesetzes vor und läßt ihm sagen: Wenn du dich nicht bekehrst, so wirst du sterben in deinen Sünden! "Welche Seele sündigt, die soll sterben." (Hes 18,4) und "aufwachen zur ewigen Schmach und Schande" (Dan 12,2). Auch durch Schicksalsschläge, durch Leid, Krankheit oder den Tod ruft der HERR Sünder zur Umkehr.
Ja, Jesus ist anders als ein Mensch: Er ist ja gekommen, um zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Wird jemand von anderen schwer beleidigt und wenden diese dann immer verwerflichere Methoden in ihrem Haß an, dann freut sich der Mensch, wenn seine Feinde plötzlich in Not kommen. Schließlich haben sie es auch nicht anders verdient - der Mensch empfindet dabei gewöhnlich eine gewisse Genugtuung. Ganz anders Jesus! Er ist es ja, der mit einer jeden Sünde in Gedanken gedacht, als Wort gesprochen oder in der Tat verübt, maßlos beleidigt wird, denn er ist der wahrhaftige Gott.
Und sogar dann, wenn ein Mensch den HERRn so sehr verachtet, daß er sein Evangelium verwirft, verschmäht, mißbraucht, verspottet, verfolgt, verliert der HERR Christus immer noch nicht die Liebe zu ihm. Wie hat ganz Jerusalem mit seinen Einwohnern, mit seinen Pharisäern, Schriftgelehrten, Sadduzäern und dem Hohen Rat den HERRn beleidigt, geschmäht und dann ans Kreuz schlagen lassen! Und wie hat der HERR --obwohl er wußte, was sie ihm antun würden-- über diese Stadt heiße Tränen vergossen!
Nicht voller Zorn.- und Rachegedanken sehen wir ihn vor dieser Stadt, sondern traurig und betrübt: "Und als er nahe hinzukam, sah er die Stadt an und weinte über sie und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dient! Aber nun ist's vor deinen Augen verborgen." (Luk 19,41.42). Mehr noch als Vater oder Mutter ihr Kind liebhaben können, liebt uns unser HERR Christus! Können schon Eltern ihr Kind in ihrer Liebe einfach nicht aufgeben, auch wenn es gottlos und und noch so ungehorsam geworden ist, können schon Eltern ihre Herzen nicht verleugnen und verschließen vor ihrem Kind, das ihnen trotzig weggelaufen ist und sich durch eigene Schuld in Not gebracht hat... so kann Gott der HERR erst recht keinen einzigen Menschen aufgeben, der nichts mehr oder gar nichts von ihm wissen will. Gott sucht ihn sein Lebenlang, geht ihm nach in der Gnadenzeit, ob er sich nicht doch noch bekehren lassen will.
Darum lesen wir in der Heiligen Schrift: "Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselben vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen." (Jes 49,15). Gott der HERR macht uns seine vollkommene Liebe zu den Verlorenen deutlich, indem er sie uns an der unvollkommenen Liebe der Eltern zu ihren Kindern zeigt: Liebende Eltern werden nicht in den Chor der Verächter einstimmen, auch wenn ihr Kind zum Alkoholiker, Rauschgiftsüchtigen, Dieb oder Mörder geworden ist. Sie werden seine böse Tat nicht loben, ja sie werden alles Arge hassen, aber ihr Kind dennoch lieben. Sie werden ihr Kind wieder zur Umkehr rufen, ihm ins Gewissen reden, bei Gott für dieses Kind bitten -- auch wenn sich alle anderen vor ihm ekeln, nichts mehr mit ihm zu schaffen haben wollen und es von sich stoßen.
"Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn und mein trautes Kind? Denn ich gedenke noch wohl daran, was ich ihm geredet habe; darum bricht mir mein Herz gegen ihn, daß ich mich sein erbarmen muß, spricht der HERR." (Jer 31,20). So sucht Gott alle Sünder durch Christus zu gewinnen. Darum geht er ihnen nach, wohin immer sie auch gelaufen sind in ihrem Ungehorsam und Trotz. Er will sie heilen von den ekelhaften Geschwüren der Sünde. Auch wenn es scheint, als wären sie schon unrettbar in den Fängen des Teufels - es ist sein größter Wunsch, seine größte Freude, sie doch noch selig zu machen -- wenn sie es nur wollten!
Jesus Christus will auch den in unseren Augen größten Sünder mit seiner Vergebung erquicken, ihn mit seiner Gerechtigkeit überkleiden und ihn triumphierend mit sich in die Seligkeit tragen. Wer du auch bist - mag deine Sünde auch noch so schrecklich sein - magst du sie auch noch so lang mit dir herumschleppen: Auch wenn viele vielleicht schon die Hoffnung aufgegeben haben, auch wenn viele denken, an dir sei jedes Wort Verschwendung, auch wenn du darum keine Freunde hast: Einen Freund hast du noch! Den Freund der Zöllner und Sünder, den Freund der Verachteten und Verstoßenen!
Du hast ein böses Gewissen? Dir geht es oft nicht glücklich im Leben? Darum denkst du, Christus wolle dich nicht? Du meinst, er strafe dich um deiner Sünde willen und lasse dich deinen Ungehorsam büßen? Aber darin liegt doch der Beweis, daß er dich lieb hat! Gerade weil dir bange ist, weil du deine Schuld siehst, darfst du erkennen, daß er dir nachgeht und dich immer noch sucht! Durch Leiden und Freude, durch Gesetz und Evangelium lockt er dich! Jetzt, wo du die Predigt seines Wortes hörst, ruft er dich: Kehre doch um! Komm doch zu mir! Ich nehme dich an
Denn: Jesus nimmt die Sünder an
2. Er ist gekommen (nicht allein um) zu suchen, sondern auch um selig zu machen, was verloren ist.
Wer zu Jesus kommt mit der Erkenntnis "Ich bin ein elender sündiger Mensch", wird von ihm freundlich aufgenommen. Das bezeugt die ganze Heilige Schrift in vielfältiger Weise. Nun könnte man denken: Wenn Jesus so ein großer Freund der Sünder ist, dann dürfte doch eigentlich kein einziger Mensch verlorengehen. Auf irgendeine Weise müßten doch schließlich alle ins ewige Leben kommen. Doch es heißt ja: Jesus nimmt die Sünder an -- eben nur die Sünder! -- eben nur solche, die sich als Sünder erkannt haben im Spiegel der Gebote Gottes, -- eben nur solche, die sich vor Gott schuldig bekennen.
Daran aber fehlt es den meisten Menschen. Sie meinen, wie sie vor anderen als Sünder unerkannt bleiben, so könnten sie auch vor Gott ihre Übertretungen verbergen. Die meisten Menschen gehen an Jesus vorbei, weil sie sich für schon gut genug halten. Sie legen den falschen Maßstab an sich an: Nicht Gottes Gesetz, sondern die Meinung der Masse. Sehen sie einen, von dem sie meinen, er habe ärger gesündigt, dann sagen sie: So schlimm bin ich nicht! Jesus ist der Freund der SÜNDER, Selbstgerechte wollen ihn nicht. Er ist gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist; er sagt: "Ich bin gekommen zu rufen die Sünder zur Buße, und nicht die Gerechten." (Luk 5,32).
Ein Kranker, der sich jedoch für gesund hält, wird niemals nach dem Arzt rufen. Darum blieben die selbstgerechten Pharisäer Jesus fern. Die Zöllner und offenbaren Sünder kamen in ihrer Not zu ihm, flehten ihn an und er erbarmte sich über sie. Wie gern er sein Herz solchen Menschen gegenüber öffnet, bezeugt er mit den Worten: "Und wenn er's gefunden hat, so legt er's auf seine Achseln mit Freuden. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, vor neunundneunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen..."
Wie dumm wäre das verlorene Schaf, würde es dem suchenden Hirten ausweichen und zu verstehen geben, er möge es doch wieder allein lassen, es wüßte schon den Weg und käme ganz gut allein zurecht. Wie sich ein Hirte über das vor Angst blökende Schaf freut, das sich retten läßt, wie er es voller Freude auf seine Achseln nimmt und an sich drückt, ... "Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, vor neunundneunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen."
Auch du darfst dich wieder zu ihm wagen! Nimm getrost Platz unter all den anderen, die sich schon um IHN gesammelt haben. Du mußt nicht erst besser werden, um zu IHM kommen zu dürfen, denn er ist der Arzt, der dich heilen will. "Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen." (Joh.6,37). Er nimmt dich an so wie du bist - aber er läßt dich nicht wie du bist! Wer von Kleinglaube und Zweifel geplagt wird, "wer sich fühlt beschwert im Herzen, wer empfindt seine Sünd und Gewissenschmerzen, sei getrost hier wird gefunden, der in Eil machet heil die vergift'en Wunden".
Denn Jesus ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Dafür sei ihm Dank von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an den Verfasser