Predigt am 4. Advent

Predigttext: Des andern Tages siehet Johannes Jesum zu ihm kommen und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt! Dieser ist’s, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, welcher vor mir gewesen ist; denn er war eher denn ich. Und ich kannte ihn nicht, sondern auf daß er offenbar würde in Israel, darum bin ich kommen, zu taufen mit Wasser. (Johannes 1,29-31)

 

Herzlich geliebte Gemeinde...

... im Namen unseres Heilandes Jesu Christi, "der uns liebt und uns erlöst hat von unseren Sünden mit seinem Blut" (Offbg. 1,5).

In der Fülle der Weissagungen, die alle den von Gott verheißenen Erlöser ankündigen, findet sich auch diese, wo Gott spricht: "Es ist noch ein Kleines dahin, daß ich Himmel und Erde und das Meer und Trockene bewegen werde. Ja, alle Heiden will ich bewegen. Da soll dann kommen aller Heiden Trost..." (Hag. 2,7).

Und eben vor Jesus Christus, der hier "Trost der Heiden genannt wird", sendet Gott der HERR einen Vorboten, Johannes den Täufer, von dem Jesaja weissagt: "Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem HERRN den Weg, macht auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott" (Jes. 40,3).

Auch in der letzten Verheißung, 400 Jahre vor Jesu Menschwerdung, verkündigt Gott durch den Propheten Maleachi: "Siehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der HERR, den ihr suchet, und der Engel des Bundes, des ihr begehret, siehe, er kommt! spricht der HERR Zebaoth" (Mal. 3,1).

Hier bei Maleachi wird der Vorbote mit dem Propheten aus alter Zeit, Elia, verglichen: "Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe denn da komme der große und schreckliche Tag des HERRN" (Mal. 5,5).

Und schließlich weist der HERR Christus selbst auf seinen Vorboten, auf Johannes den Täufer, und spricht: "Denn dieser ist‘s, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll...Er ist Elias, der da soll zukünftig sein" (Matth. 11,10.14).

Wie aber machte der Vorbote auf seinen HERRn aufmerksam?

Als Christus zu Johannes an den Jordan kam, um sich taufen zu lassen, wies der Täufer auf ihn und sprach: "Er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennt... Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!" (Joh. 1,29).

Damit spricht Johannes zwei Wahrheiten aus: 1. Jesus Christus ist das Lamm, dessen Blut uns vor dem Zorn Gottes bewahrt, 2. weil es die Sünden der Welt trägt.

Damit richtet Gottes Wort unseren Blick auf die Berichte und Trostworte der alttestamentlichen Zeit und zeigt, wie in Jesus Christus alle Gottesverheißungen erfüllt sind: "Denn alle Gottesverheißungen sind Ja in ihm und sind Amen in ihm Gott zu Lobe durch uns" (2.Kor. 1,20).

1. Jesus Christus ist das Lamm, dessen Blut uns vor dem Zorn Gottes bewahrt,

Der Apostel Paulus schrieb an die Gemeinde in Korinth: "Wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert" (1.Kor. 5,7).

Was bedeuten diese Worte?

In der korinthischen Gemeinde hatte es einen Fall schwerer Unzucht gegeben, aber die Korinther traten nicht entschieden genug dagegen auf (1.Kor. 5,1f.).

Der Apostel warnt davor, Sünde zu verharmlosen und vergleicht sie mit Sauerteig, der immer weiter um sich frißt.

Er fordert die Christen auf, den alten Sauerteig auszufegen, damit sie das Auferstehungsfest Jesu nicht in geduldeten Sünden, sondern würdig, d.h. bußfertig, begehen könnten: "Darum feget den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seid, gleichwie ihr ungesäuert seid [d.h. durch Christus von der Sünde erlöst]. Denn wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns gestorben. Darum laßt uns Ostern halten, nicht im alten Sauerteig, auch nicht im Sauerteig der Bosheit und Schalkheit, sondern in dem Süßteig der Lauterkeit und der Wahrheit" (1.Kor. 5,7.8).

Damit lenkt er den Blick auf den Aufbruch des alten Israel aus Ägypten:

Mose berichtet uns: "Der HERR aber sprach: ... Am zehnten Tage dieses Monats nehme ein jeglicher ein Lamm, ... Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, daran kein Fehler ist, ... Und ein jegliches Häuflein im ganzen Israel soll‘s schlachten gegen Abend. Und sollt von seinem Blut nehmen und beide Pfosten der Tür und die obere Schwelle damit bestreichen an den Häusern, darin sie es essen. Und sollt also das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot, und sollt es mit bitteren Kräutern essen... Also sollt ihr‘s aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an den Füßen haben und Stäbe in euren Händen, und sollt‘s essen, als die hinwegeilen; denn es ist des HERRN Passah. Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland, unter den Menschen und unter dem Vieh, und will meine Strafe beweisen an allen Göttern der Ägypter, ich, der HERR. Und das Blut soll euer Zeichen sein an den Häusern, darin ihr seid, daß, wenn ich das Blut sehe, an euch vorübergehe und euch nicht die Plage widerfahre, die euch verderbe, wenn ich Ägyptenland schlage." (2.Mose 12,1-13).

Das Blut des Lammes bewahrte die Kinder Jakobs vor dem rächenden Zorn Gottes.

An die Türpfosten gestrichen, war es ein Schutzwall, aber auch ein Unterscheidungszeichen zwischen dem Volk Gottes und den böswilligen Ägyptern.

Wie damals in Ägypten ein Passahlamm vom jeweiligen Hausvater ausgewählt werden sollte, "an dem kein Fehler ist", so hat Gott der Vater für uns ein Opferlamm bestimmt, an dem nicht der Makel der Sünde haftet.

Der Apostel Paulus ruft uns Christen zu: "Wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert" (1.Kor. 5,7).

Wir haben auch ein Opferlamm beim Aufbruch zur Reise in das himmlische Kanaan, das uns vor dem Zorn des lebendigen Gottes bewahrt, wenn er mit dem Schwert seiner Rache die Ungläubigen richtet.

Wir haben auch Blut, durch das wir geschützt sind vor dem Verderben, das jedem Sünder von Gott angedroht ist.

Das Blut des Lammes Jesus breitet sich um uns aus als ein Schutz - wie damals in Ägypten das Blut des Lammes.

Der Würgeengel ging an den Hütten der Israeliten vorüber; das Blut der Lämmer war das Schutzzeichen.

Am Morgen, als die Erstgeburt Ägyptens geschlagen war, lebte die Erstgeburt Israels noch.

Wie konnte ein Lamm sie erretten? Nun, es war Gottes Wille.

Das Lamm sollte als Hinweis gelten; Es war ein Vorbild für das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt trägt, das Sünder schützt und sie in die Barmherzigkeit Gottes einhüllt - ein Hinweis auf Christus!

Mose sprach damals zu den Kindern Israel: "Nehmt ein Büschel Ysop und taucht es in das Blut... bestreicht damit die Oberschwelle und die beiden Pfosten. Und kein Mensch gehe zu seiner Haustür heraus bis zum Morgen. Denn der HERR wird umhergehen und die Ägypter schlagen. Wenn er aber das Blut sehen wird an der Oberschwelle und an den beiden Pfosten, wird er an der Tür vorübergehen und den Verderber nicht in eure Häuser kommen lassen, um euch zu schlagen" (2.Mose 12,22.23).

Wer sich im Spiegel des Gesetzes Gottes als elenden Sünder erkannt hat, betet: "Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte; denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht" (Ps. 143,2).

Es gibt Hoffnung!

Gott sieht dein Herz an, ob die Tür deines Herzens mit dem Blut Jesu bestrichen ist.

Das heißt: Gott schaut in dein Herz, ob dort die Zuversicht auf den einzigen Heiland der Sünder wohnt: Jesus hat mich verlorenen und verdammten Menschen erlöst und gewonnen mit seinem heiligen teuren Blut.

Mose hatte damals gesprochen: "So sollt ihr‘s aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es essen als die, die hinwegeilen" (2.Mose 12,11).

Das lange Obergewand sollte mit einem Gürtel gerafft sein, damit es beim Wandern nicht stört; die Schuhe sollten sie schon anhaben, den Wanderstab in den Händen.

Warum?

Gleich nach der ersten Feier brachen sie auf zur Reise in das verheißene Land.

Das Lamm war ihre letzte Wegzehrung vor dem Aufbruch.

Das ist wieder ein Fingerzeig auf Christus.

Jesus sagt: "Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken" (Joh. 6,54).

Er bewahrt uns nicht allein vor dem Zorn Gottes, der jedem unversöhnten Sünder angedroht ist, sondern stärkt und versorgt uns mit allem, was wir benötigen, damit wir das himmlische Kanaan erreichen.

Jesus ist die Wegzehrung auf der reise in das gelobte Land der ewigen Seligkeit.

2. Jesus Christus ist das Lamm, dessen Blut uns vor dem Zorn Gottes bewahrt, weil es die Sünden der Welt trägt

Denn so sprach ja Johannes der Täufer, als Jesus zu ihm kam: "Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!"

Und der Apostel Paulus schreibt: "Wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert" (1.Kor. 5,7).

Damit erinnert Gott der HERR uns auch an die Opferbestimmungen des Alten Bundes: Für die Reinigung von Aussatz hatte Gott zum Schuldopfer ein Lamm bestimmt (3.Mose 14).

Hinweisend auf den Heiland weissagt Jesaja: "Da er gestraft und gemartert ward, tat er seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut" (Jes. 53,7).

Jesus Christus ist das Schuldopfer für unsere Sünde, die uns verunreinigt und uns zu Ausgestoßenen macht.

Schaut auf euer Leben, wie die bösen Gedanken, die niederträchtigen Worte und gottlosen Werke euch das Urteil sprechen!

Wie bohrt doch die Sünde in uns! -wie bäumt sie sich auf! -wie gärt sie in unserem Herzen!

Gott spricht das Urteil, denn: "Der HERR weiß die Ungerechten zu behalten zum Tage des Gerichtes, zu peinigen; allermeist aber die, so da wandeln nach dem Fleisch in der unreinen Lust und die Herrschaft verachten, türstig, eigensinnig, nicht erzittern, die Majestäten zu lästern, ...aber sie sind wie die unvernünftigen Tiere, die die von Natur dazu geboren sind, daß sie gefangen und geschlachtet werden..., haben Augen voll Ehebruchs, lassen sich die Sünde nicht wehren, ...haben ein Herz durchtrieben mit Geiz..." (2.Petr. 4,9ff.).

Gott der HERR hat nur den einen Weg geschaffen, auf dem wir Sünder seinem gerechten Zorn entrinnen können: "Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde" (1.Joh. 1,7).

Ja, das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht aus uns Feinden Gottes Kinder: "Denn ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christum Jesum" (Gal. 3,26).

Der Glaube, die lebendige Erkenntnis Jesu Christi und das herzliche Zutrauen auf sein Opfer reißt uns heraus aus dem schrecklichen Gericht des heiligen Gottes!

Jesus Christus ist das Lamm, dessen Blut uns vor dem Zorn Gottes bewahrt, weil es die Sünden der Welt trägt.

  • Er nimmt auf sich, was auf Erden wir getan, gibt sich dran, unser Lamm zu werden, unser Lamm, das für uns stirbet, und bei Gott für den Tod Gnad und Fried erwirbet.
  • Indem Gott uns durch die Predigt des Evangeliums zum Glauben erweckt, läßt er uns Christi Blut zum Schutz werden: "In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade" (Eph. 1,7).

    Gott reiht uns durch den Glauben an den Heiland ein in die Schar der Geborgenen, damit wir nicht mit den Ungläubigen und Frevlern dahingerafft und in alle Ewigkeit verdammt werden.

    Der Apostel Paulus schreibt: "Unter welchen wir auch alle weiland [d.h. früher] unseren Wandel gehabt haben in den Lüsten unseres Fleisches, und taten den Willen des Fleisches und der Vernunft und waren Kinder des Zorns von Natur gleichwie auch die andern; aber Gott, der da reich ist von Barmherzigkeit, [hat uns] durch seine große Liebe, ... da wir tot waren in den Sünden... lebendig gemacht... Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es" (Eph. 2,3-5.8).

    Wir sind erlöst, "nicht mit Gold oder Silber, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes" (1.Petr. 1,19). Es ist darüber hinaus kein anderes Opfer gültig.

    Johannes schreibt im Buch der Offenbarung: "Sie fielen vor dem Lamm nieder... und sangen ein neues Lied: Du bist würdig..., denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft" (Offbg. 5,9).

    Gott schenke uns durch seine Gnade, daß auch über uns im Himmel gesungen wird: "Sie haben den Verkläger, den Teufel, überwunden durch des Lammes Blut" (Offbg. 12,11).

    Mögen die Anfechtungen auch hart sein und die Versuchungen groß!

    Mögen doch Trübsale um des Glaubens an Christus willen kommen!

    Gottes spricht: "Denn ich halte dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht wert sei, die an uns soll offenbaret werden" (Röm. 8,18).

    Darum wollen wir das Ziel, unser himmlisches Kanaan, im Alltag nicht aus den Augen verlieren

    Denn wir wollen kraft des Opferlammes dorthin, wo Johannes schon hinblicken durfte: "Darnach sah ich, und siehe, eine große Schar, welche niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und Palmenzweigen in ihren Händen... Wer sind diese? Diese sind‘s, die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes.

    Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen. Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgend eine Hitze; denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen" (Offbg. 7,9.14-17).

    Dankbar wollen wir auch in der diesjährigen Adventszeit bekennen, wie treu Gott in seiner Barmherzigkeit all seine Verheißungen erfüllt hat.

    Aus lauter Liebe zu uns verlorenen Sündern! Darum:........

    Die ihr schwebt in großem Leide, sehet, hier ist die Tür zu der wahren Freude; faßt ihn wohl, er wird euch führen an den Ort, da hinfort euch kein Kreuz wird rühren.
    Wer sich fühlt beschwert im Herzen, wer empfindt seine Sünd und Gewissensschmerzen, sei getrost: hier wird gefunden, der in Eil machet heil die vergift'ten Wunden.
    Die ihr arm seid und elende, kommt herbei, füllet frei eures Glaubens Hände. Hier sind alle guten Gaben und das Gold, da ihr sollt euer Herz mit laben.

    Gebet: Hochgelobter Gott, allmächtiger HERR! Im Namen Jesu Christi, des Lammes, das die Sünde der Welt trägt, bitten wir dich: Führe uns aus aller Sünde und Not in das himmlische Kanaan, "denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet, nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit" (Dan. 9,18), durch Jesus Christus. Amen.


    Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an Pfarrer Blechschmidt