Predigt am Fest der heiligen Dreieinigkeit (Trinitatis)


Lied nach der Predigt: LKG 314,1-4

Kollektengebet: Allmächtiger, ewiger Gott, der du uns gelehrt hast,in rechtem Glauben zu wissen und zu bekennen, daß du in drei Presonen gleicher Macht und Ehren ein einiger, ewiger Gott und dafür anzubeten bist, wir bitten dich, du wollest uns bei solchem Glauben allezeit fest erhalten wider alles, was dagegen uns mag anfechten: der du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen


Predigttext: [Der aaronitische Segen]

"Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: Also sollt ihr sagen zu den Kindern Israel, wenn ihr sie segnet: Der HERR segne dich und behüte dich! Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig! Der HERR hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Denn ihr sollt meinen Namen auf die Kinder Israel legen, daß ich sie segne." (4.Mose 6,23-27)

Im Brief an Timotheus ruft der Apostel Paulus erstaunt aus: "Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis…" (1Tim 3,16). Der Ratschluß Gottes zu unserer ewigen Rettung, aber auch die unergründliche Tiefe seines barmherzigen Wesens würden uns völlig unbekannt sein, wenn er uns nichts davon offenbart hätte. Darum sprechen die Apostel und Evangelisten vom "Geheimnis". Dieses Geheimnis wird öffentlich bekannt, wenn Menschen die Heilige Schrift lesen oder von anderen die Botschaft Gottes hören. So schreibt der Apostel an die Korinther: "Auch ich, liebe Brüder, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu verkündigen." (1Kor 2,1).

Schon das Evangelium ist ein kostbares Geheimnis, das Gott uns aus lauter Liebe "verraten" läßt in der Predigt seines Wortes: "Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Wohlgefallen und hat dasselbige hervorgebracht durch ihn…" (Eph 1,9). Lesen wir aber in der Heiligen Schrift weiter und kommen an Orte, an denen Gott uns etwas über sein Wesen offenbart, dann steigen weitere, fast unergründliche Geheimnisse vor uns auf.

Dann erkennen wir: Völlig begreifen können wir das alles nicht. Wir stehen vor unserem allmächtigen Gott und können seine unfaßbar gewaltige Gegenwart nur anbeten und ihn dafür preisen, daß er sich über uns erbarmt hat, uns lieb hat und uns in das ewige Leben ruft: "O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!" (Röm 11,33).

Und dennoch Gott schenkt uns Schritt für Schritt tiefere Einblicke, indem er uns durch seinen Heiligen Geist lehrt und die Augen öffnet.

Wie gedankenlos und zugleich töricht würden wir handeln, wenn wir die tägliche Andacht daheim nicht hielten oder aus lauter Bequemlichkeit die Predigt des Wortes Gottes am Sonntag versäumten.

Denn der Heilige Geist Gottes ist es, der uns durch das Wort Gottes zu unserem Heiland führt, uns aber in unserem Leben auch stückweise tieferes Verstehen des Wesens Gottes schenkt. Auch in unserem heutigen Predigttext gewährt uns der lebendige und allmächtige HERR einen solchen Einblick in die Tiefen seiner Gottheit:

 

Der HERR, unser Gott, ist der dreieinige Gott

Er offenbart sich seinem Volk in drei Personen. Er legt seinen barmherzigen Namen über uns.

 

1. Der HERR, unser Gott, ist ein dreieiniger Gott, denn er offenbart sich seinem Volk in drei Personen

Im Neuen Testament tritt Gott uns sehr deutlich entgegen als der eine Gott, der sich uns Menschen in drei Personen zuwendet – als Gott der Vater, als Gott der Sohn und als Gott der Heilige Geist. So befiehlt Jesus den Jüngern: "Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." (Matth 28,19). Und der Apostel Petrus schreibt am Anfang seines ersten Briefes: Petrus, ein Apostel Jesu Christi… nach der Vorsehung Gottes des Vaters, durch die Heiligung des Geistes, zum Gehorsam und zur Besprengung des Blutes Jesu Christi…" (1Petr 1,1.2).

Aber auch schon im Alten Testament lehrt der eine Gott uns von den drei Personen seines Wesens. Gleich im Bericht über die Schöpfung der Welt lesen wir: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde… und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser…. Und Gott sprach…" (1Mose 1,1-3). Gott, der Geist und das Wort. Das Wort ist Gott der Sohn, denn im Evangelium Johannes erfahren wir: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort… Alle Dinge sind durch dasselbige gemacht, und ohne dasselbige ist nichts gemacht, was gemacht ist… Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit." (Joh 1,1-3.14).

So erkennen wir aus mancher Stelle des Alten Testamentes Hinweise auf die Dreieinigkeit Gottes, die uns im Neuen Testament in voller Klarheit entgegentritt. Jesaja, der Prophet, sah den HERRn sitzen auf einem hohen und erhabenen Stuhl. Seraphim, die starken Engelfürsten umstanden seinen Thron und riefen mit lauter Stimme: "Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll." (Jes 6,3). So finden wir auch in den Psalmen viele Stellen, wo die drei Personen des einen Gottes genannt werden. Zum Beispiel betet der König David den Messias an und spricht: "Du liebest Gerechtigkeit und hassest gottloses Wesen; darum hat dich, Gott, dein Gott gesalbet mit Freudenöl…" (Ps 45,8). Christus ist Gott, und Gott der Vater hat ihn gesalbt mit dem Heiligen Geist, der mit köstlichem Salböl verglichen wird. Und David betet in einem anderen Psalm: "Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir." (Ps 51,13).

Und nun auch hier in unserem Text vom Segen, mit dem Aaron das Volk Israel segnen sollte, wird uns die Dreieinigkeit Gottes vor Augen gestellt: "Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: Also sollt ihr sagen zu den Kindern Israel, wenn ihr sie segnet:

Der HERR segne dich und behüte dich!
Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig!
Der HERR hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Denn ihr sollt meinen Namen auf die Kinder Israel legen, daß ich sie segne."

Nun könnte man meinen, dieser Segen ginge ja nur das damalige Volk Israel an, denn es steht ja ausdrücklich hier: "Denn ihr sollt meinen Namen auf die Kinder Israel legen, daß ich sie segne." Zu den Kindern Israel sprach Gott der HERR: "Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern… Ihr sollt mir ein priesterliches Königreich und ein heiliges Volk sein." (2Mose 19,6).

Im Neuen Bund aber läßt Gott der HERR durch seine Apostel den Gläubigen in Christus, also auch uns, sagen: "Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die Tugenden des, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht." (1Petr 2,9).

"Kinder Israels" (Jakobs), "Kinder Abrahams" sind in Gottes Augen schon immer die gewesen, die "seinen Bund halten" und, wie Paulus schreibt, "wandeln in den Fußtapfen des Glaubens, den Abraham hatte, als er noch nicht beschnitten war." (Röm 4,12).

Obwohl in uns nicht das Blut des Vaters Abrahams fließt, sind wir doch durch die Gnade Gottes seine Kinder durch den Glauben Heiland, der auch im Herzen Abrahams wohnte. Durch ihn ist Abraham vor Gott gerecht geworden, und auch wir sind "alle Gottes Kinder durch den Glauben an Jesus Christus" (Gal 3,26).

Wir bekennen also: Der HERR, unser Gott, ist ein dreieiniger Gott, denn er offenbart sich seinem Volk in drei Personen. Unter "sein Volk" dürfen auch wir uns zählen und den Segen, mit dem Aaron damals das alte Bundesvolk segnen sollte, auch auf uns heute beziehen. Was aber verbirgt sich hinter den Worten des "aaronitischen Segens", der zum festen Bestandteil auch unserer Gottesdienste geworden ist?

 

2. Der dreieinige Gott legt seinen barmherzigen Namen über uns.

Wir haben aus Gottes Wort das tiefe Geheimnis seines dreieinigen Wesens vernommen und bekennen in kindlichem Vertrauen die drei Artikel unseres Glaubens. Wir bekennen, daß Gott der Vater uns erschaffen, Gott der Sohn uns erlöst hat und Gott der Heilige Geist uns zu Jesus ruft, uns heiligt und im rechten einigen Glauben erhält. Hören wir nun die Worte des aaronitischen Segens, so läßt Gott der heilige Geist uns auch hier die Tiefen der Gottheit (1Kor 2,10) erkennen:

Der HERR segne dich und behüte dich!
Der HERR lasse sein Angesicht
leuchten über dir und sei dir gnädig!
Der HERR hebe sein Angesicht auf dich und
gebe dir Frieden.

Der eine Gott, der sich uns Menschen in drei Personen zu erkennen gibt, segnet, behütet, läßt sein Angesicht leuchten und gibt Frieden.

 

Der dreieinige Gott segne und behüte dich. Segen, das ist etwas geben, jemanden beschenken. Der HERR beschenke dich und behüte das Geschenkte und dich. Genau das bekennen wir im ersten Artikel unseres Glaubens: "Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden." Was heißt das?

"Ich glaube, daß mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen , mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Frau und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit allem, was not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorget, in allen Gefahren beschirmt und vor allem Übel behütet und bewahrt; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohne alle mein Verdienst und Würdigkeit. Für das alles ich ihm zu danken, zu loben, zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin. Das ist gewißlich wahr."

Der dreieinige Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Das "Angesicht leuchten lassen" heißt soviel wie: Gott der HERR möge sich dir gegenüber freundlich erweisen. Obwohl du vor ihm nur Staub und Asche bist, möge er nicht zornig sein über deine Sünden, sondern dich gnädig ansehen. Fröhlich und getrost sollst du sein und ihm von Herzen vertrauen, daß er dein gnädiger Gott sei, der dich lieb hat.

Das geschieht, wenn Gott so freundliche und barmherzige Worte spricht wie die: "Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Scharlach, soll sie doch wie Wolle werden." (Jes 1,18). "Mir hast du nicht für Geld köstliches Gewürz gekauft, mich hast du mit dem Fett deiner Opfer nicht gelabt. Aber mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten. Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht." (Jes 43,24-25).

So läßt Gott in dem, der sich am Kreuz im heißen Kampf für uns abgemüht hat, um unsere Schulden vor Gott zu büßen, "sein Angesicht leuchten". Das Licht der Vergebung und Barmherzigkeit Gottes leuchtet durch Gott den Sohn, Jesus Christus, in die Finsternis unserer Sünde und ruft uns zu: "Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe." (Joh 12,46). Genau dies alles bekennen wir im zweiten Artikel unseres Glaubens: "Ich glaube an Jesus Christus, Gottes eingebornen Sohn, unsern Herrn…" Was heißt das?

"Ich glaube, daß Jesus Christus, wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Mensch, von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr, der mich verlornen und verdammten Menschen erlöst hat, erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tod und von der Gewalt des Teufels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben; damit ich sein eigen sei und in seinem Reich unter ihm lebe und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie er ist auferstanden vom Tode, lebet und regieret in Ewigkeit. Das ist gewißlich wahr."

Und im nicänischen Glaubensbekenntnis sprechen wir von Jesus, er sei: "…Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftiger Gott vom wahrhaftigen Gott". Nichts anderes heißt es, wenn wir hören: "Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig!"

Und schließlich sprach Aaron im Segen zum Volk noch diese Worte: "Der HERR hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden." Gott der HERR läßt uns die Gnadensonne in seinem lieben Sohn Jesus Christus scheinen. Doch immer noch haben wir eine Wegstrecke in dieser Welt vor uns, bis wir in der ewigen Seligkeit bei ihm sind. Dort werden wir allen Anfechtungen und Versuchungen des Teufels entkommen sein. Hier aber gibt es (im Bild gesprochen) noch viel Unwetter, Unfriede und Kämpfe des Glaubens. Der Gebetswunsch "Der HERR hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden" bedeutet also, daß nun die dritte Person der ewigen Gottheit, der Heilige Geist, uns mitten in den Unwettern der Anfechtung im Frieden mit Gott erhalten möge.

Einerseits sollen wir durch die Kraft des Heiligen Geistes getrost und zuversichtlich bleiben, nämlich indem Gott sein gnädiges Angesicht nicht allein über uns leuchten, sondern auch die Sonne seiner Güte ständig wieder durch die dunklen Wolken der Anfechtungen brechen läßt. Sein Friede soll den Sieg behalten, sein Friede soll in unseren Herzen regieren und uns im Glauben an ihn die Gelassenheit geben, nach der wir uns in aller Unruhe dieser sündigen Welt sehnen. Und eben dies alles bekennen wir im dritten Artikel unseres Glaubens, z.B. mit den Worten: "Ich glaube an den Heiligen Geist" Was heißt das?

"Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten; gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt und bei Jesus Christus erhält im rechten, einigen Glauben; in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen täglich alle Sünden reichlich vergibt und am Jüngsten Tage mich und alle Toten auferwecken wird und mir samt allen Gläubigen in Christus ein ewiges Leben geben wird. Das ist gewißlich wahr."

Dies schließen die Worte in sich: Der HERR segne dich und behüte dich! Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig! Der HERR hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Wird also der heilige Name Gottes in unseren Gottesdiensten auf uns gelegt, hören wir den Segen, den damals Aaron über das alte Bundesvolk gesprochen hat, dann heißt das nichts anderes als: "Es segne dich Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der Heilige Geist." Amen. 


Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an den Verfasser