Predigt am 4. Sonntag nach Trinitatis


Lied nach der Predigt: LKG 327, 1-4 (Lobe den Herren, o meine Seele)

Kollektengebet: Allmächtiger, ewiger Gott, himmlischer Vater: Wir bitten dich, du wollest dich gnädig über dein Volk erbarmen und uns an Leib und Seele regieren und schützen - durch Jesum Christum, deinen Sohn, unserenen Herrn. Amen.


Predigttext: Und es ging hin ein Mann vom Hause Levi und nahm eine Tochter Levis. Und das Weib ward schwanger und gebar einen Sohn. Und da sie sah, daß es ein fein Kind war, verbarg sie ihn drei Monden. Und da sie ihn nicht länger verbergen konnte, machte sie ein Kästlein von Rohr und verklebte es mit Ton und Pech und legte das Kind drein und legte ihn in das Schilf am Ufer des Wassers.

Aber seine Schwester stund von ferne, daß sie erfahren wollte, wie es ihm gehen würde. Und die Tochter Pharaos ging hernieder und wollte baden im Wasser; und ihre Jungfrauen gingen an dem Rande des Wassers. Und da sie das Kästlein im Schilf sah, sandte sie ihre Magd hin und ließ es holen. Und da sie es auftat, sah sie das Kind; und siehe, das Knäblein weinete. Da jammerte es sie, und sprach: Es ist der ebräischen Kindlein eins.

Da sprach seine Schwester zu der Tochter Pharaos: Soll ich hingehen und der ebräischen Weiber eine rufen, die da säuget, daß sie dir das Kindlein säuge? Die Tochter Pharaos sprach zu ihr: Gehe hin! Die Jungfrau ging hin und rief des Kindes Mutter. Da sprach Pharaos Tochter zu ihr: Nimm hin das Kindlein und säuge mir s, ich will dir lohnen. Das Weib nahm das Kind und säugete es.

Und da das Kind groß ward, brachte sie es der Tochter Pharaos, und es ward ihr Sohn; und hieß ihn Mose, denn sie sprach: Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen. (2.Mose 2,1-10)


Liebe Gemeinde!

Wie oft haben wir um so viele Dinge gebangt und Gott der HERR hat sie dann auf ganz wunderbare Weise gelenkt, Sorgen von uns genommen und alles so gefügt, daß wir einfach nur staunen konnten. Haben wir nicht oft schon erlebt, was Gottes Wort uns versichert: "Des HERRn Rat ist wunderbar und führet es herrlich hinaus" (Jes. 28,29). Wenn wir es nur fest glauben könnten, ja wenn wir nur zu allen Zeiten und all unsere Sorgen "auf ihn werfen könnten"! Unser himmlischer Vater zeigt uns an vielen Beispielen in der Heiligen Schrift, wie er in ganz ausweglos erscheinenden Lebenslagen, ja wenn gar kein Rat und keine Hilfe mehr zu sehen ist, plötzlich seine Hilfe und seinen Rat hervortreten läßt.

Ganz herrliche Berichte darüber finden wir im Alten Testament, das "zuvor", das heißt vor der Menschwerdung Christi, vor der Zeit des Neuen Testamentes geschrieben ist: "Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben" (Röm. 15,4). Trost in unserem himmlischen Vater und Hoffnung auf seine Hilfe in leiblichen und geistlichen Nöten lehrt uns auch die Geschichte Moses, des Mannes Gottes.

Erinnern wir uns heute an Moses Geburt und wie der HERR ihn bewahrt hat.

1. Erkennet doch daß der HERR seine Heiligen wunderlich führet! Der HERR höret, wenn ich ihn anrufe (Ps. 4,3) Moses Eltern vertrauten dem HERRn gingen seine Wege.

2. HERR, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind so sehr tief (Ps. 92,6) Unserem Gott fehlt es nicht an Mitteln und Wegen, wie wir an Moses Rettung sehen.

* * *

1. Erkennet doch daß der HERR seine Heiligen wunderlich führet! Der HERR höret, wenn ich ihn anrufe (Ps. 4,3)
Moses Eltern vertrauten dem HERRn gingen seine Wege.

Gottes Wort zeigt uns das alte Ägypten, wo die Kinder Jakobs (der auch Israel hieß) lebten. Wie sind die Nachkommen Abrahams überhaupt nach Ägypten gekommen? Wie wir weit vor unserem Text lesen, hatte Jakob, der Enkelsohn Abrahams, 12 Jungen, einer davon war Joseph. Joseph wurde von seinen Brüdern gehaßt und schließlich als Sklave nach Ägypten verkauft. Gott der Herr hielt seine schützende Hand über ihn und führte den jungen Mann wunderbare Wege, so daß er zuletzt zum wichtigsten Politiker neben Pharao aufstieg. Joseph hatte von Gott soviel Weisheit empfangen, daß die in fruchtbaren Jahren gesammelten Staatsreserven in den 7 Dürrejahren noch hungernden Menschen aus dem Ausland verkauft werden konnten. Unter ihnen kamen auch seine Brüder nach Ägypten, die nach mehreren Begebenheiten und dem Schock des Wiedersehens mit dem früher verhaßten Joseph, ihren Vater Jakob nach Ägypten holten und dort seßhaft wurden.

Die Nachkommen Jakobs nannte man "Kinder Israels". Sie waren in Ägypten um Josephs willen sehr geachtet. Seit dieser Zeit waren an die 400 Jahre vergangen; und es heißt: "Da nun Joseph gestorben war und alle seine Brüder und alle, die zu der Zeit gelebt hatten, wuchsen die Kinder Israel und zeugeten Kinder und mehreten sich; und wurden ihrer sehr viel, daß ihrer das Land voll ward. Da kam ein neuer König auf in Ägypten, der wußte nichts von Joseph; und sprach zu seinem Volk: Siehe, des Volks der Kinder Israel ist viel und mehr denn wir. Wohlan, wir wollen sie mit Listen dämpfen, daß ihrer nicht so viel werden. ... Und die Ägypter zwangen die Kinder Israel zu Dienst mit Unbarmherzigkeit... Da gebot Pharao all seinem Volk und sprach: Alle Söhne, die geboren werden, werfet ins Wasser und alle Töchter lasset leben" (2.Mose 1,6-10.13.22).

Mitten in diesen wirren und für die Nachkommen Israels so furchtbaren Zeiten "ging hin ein Mann vom Hause Levi und nahm eine Tochter Levis. Und das Weib ward schwanger und gebar einen Sohn. Und da sie sah, daß es ein fein Kind war, verbarg sie ihn drei Monate. Und da sie ihn nicht länger verbergen konnte, machte sie ein Kästlein von Rohr und verklebte es mit Ton und Pech und legte das Kind drein und legte ihn in das Schilf am Ufer des Wassers." (V. 1-3)

Amram - so heißt der Vater des Mose - aus dem israelitischen Stamm Levi, nahm ein Mädchen, ebenfalls aus dem Stamm Levi, zur Frau. Er heiratete eine gottesfürchtige, fromme Frau aus seinem Volk. Jochebed gebar ihrem Mann zwei Söhne und eine Tochter: Mose, Aaron und Mirjam. Alle drei Kinder wurden in der Furcht und Liebe zu Gott erzogen und dienten dem Herrn ihr Leben lang. Die Eltern Moses waren gottesfürchtige Leute: Sie erduldeten ihre Sklaverei in Ägypten in der Kraft ihres Gottes. Doch ihr Kind auf des Königs Befehl hin umbringen lassen, ... das konnten und wollten sie nicht: "Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen" (Apg. 5,29). Amram und Jochebed wußten: "Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn, und Leibesfrucht ist ein Geschenk." (Ps. 127,3)

Sie kannten und vertrauten auf die Zusagen des allmächtigen Gottes und wußten: Gott der Herr wird uns aus der Sklaverei Ägyptens erlösen und wird uns einen Führer berufen. So hatte Gott es dem Erzvater Abraham offenbart, so hinterließ es auch Joseph 400 Jahre zuvor, durch Gottes Geist erleuchtet, seinen Brüdern. So vollbrachten sie durch Gottes Hilfe ihre Glaubenstat, wie auch der Hebräerbrief bestätigt. "Durch den Glauben ward Mose, da er geboren war, drei Monate verborgen von seinen Eltern, weil sie sahen, daß er ein schönes (d.h. von Gott gegebenes) Kind war, und fürchteten sich nicht vor des Königs Gebot" (Hebr. 11,23).

"Und da sie ihn nicht länger verbergen konnte, machte sie ein Kästlein von Rohr und verklebte es mit Ton und Pech und legte das Kind drein und legte ihn in das Schilf am Ufer des Wassers" (Vers 3). Dies ist das Wesen des Glaubens! Der Glaube hält sich allein an Gottes Veheißungen. Darum kann er hoffen, auch wenn nichts mehr zu hoffen ist. Amram und Jochebed konnten keine Mittel und Wege mehr sehen und doch vertrauten sie, daß der lebendige Gott seine Zusagen dennoch erfüllen würde. Ja, er würde auch ihren drei Monate alten Sohn beschützen und bewahren können. So darf auch unser Glaube auf dem felsenfesten Wort und den trostvollen Verheißungen unseres Gottes ruhen: "Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen!" (Ps. 50,15).

2. HERR, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind so sehr tief (Ps. 92,6)
Unserem Gott fehlt es nicht an Mitteln und Wegen, wie wir an Moses Rettung sehen.

Wie eine Sackgasse begann das Leben des Mose, doch durch Gottes wunderbare Fügung wurde die Glaubenstat der Eltern zum Segen für viele. Denn während das geknechtete Volk Israel nur noch die Übermacht der Bedrücker vor Augen sieht, ist schon der berufene Diener Gottes geboren: Mose. Zunächst aber liegt er als hilfloser Säugling in einem Papyruskörbchen am Ufer des Nils. "Aber seine Schwester stand von ferne, daß sie erfahren wollte, wie es ihm gehen würde. Und die Tochter Pharaos ging hernieder und wollte baden im Wasser; und ihre Jungfrauen gingen an dem Rande des Wassers. Und da sie das Kästlein im Schilf sah, sandte sie ihre Magd hin und ließ es holen. Und da sie es auftat, sah sie das Kind; und siehe, das Knäblein weinte. Da jammerte es sie, und sprach: Es ist der hebräischen Kindlein eins. Da sprach seine Schwester zu der Tochter Pharaos: Soll ich hingehen und der hebräischen Weiber eine rufen, die da säuget, daß sie dir das Kindlein säuge? Die Tochter Pharaos sprach zu ihr: Gehe hin! Die Jungfrau ging hin und rief des Kindes Mutter. Da sprach Pharaos Tochter zu ihr: Nimm hin das KIndlein und säuge mir's; ich will dir lohnen. Das Weib nahm das Kind und säugete es" (Verse 4-9).

Wie handgreiflich hat Gott der Herr doch sein heiliges Wort an Amram, Jochebed und Mose zur wunderbaren Wirklichkeit werden lassen: "Ich bin bei ihm in der Not; ich will ihn herausreißen und zu Ehren machen" (Ps 91,15). "Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen. Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren, und hört ihr Schreien und hilft ihnen" (Ps 145,18+19). Nach seinem Ratschluß hatte Gott den Mose schon von Anfang an dazu berufen, sein auserwähltes Volk aus Ägypten zu führen. Gott war es, der Mose am Leben erhielt. Gott war es, der dem Mädchen Mirjam, der Schwester des Mose, die richtigen Worte zur richtigen Zeit eingab, so daß sie geistesgegenwärtig zur Tochter Pharaos sagte: "Soll ich hingehen und von den hebräischen Frauen eine rufen,... daß sie das Kindlein säuge?"

Unser Gott und Herr fügte alles so, daß der Säugling wieder zu seiner eigenen Mutter kam und im Haus seines Vaters aufgezogen wurde. So wurde die Tochter des grausamen Tyrannen Pharao eine Dienerin Gottes, ohne es zu wissen. So sorgt Gott für die Seinen und hilft ihnen aus ihrer Not - auch wenn sie seine Wege oft nicht verstehen können und Gottes Wille oft unerklärlich für sie ist. Und was die Personen, Mächte und Dinge betrifft, die uns Angst machen: Wer will, ja, wer könnte der Weisheit Gottes widerstehen? Seine Gedanken sind höher als unsere Gedanken und seine Wege höher als unsere Wege (Jes. 55,9). Letztendlich aber ist sein Rat auch für uns Kleingläubige wunderbar und er führt es herrlich hinaus!

Weil wir dies aus der Heiligen Schrift wissen und es auch schon selbst erfahren haben, können wir uns ganz getrost seinen Fügungen anvertrauen. Wenn wir ihn in seiner Weisheit auch nicht verstehen, so wollen wir wie Kinder an sein Vaterherz rühren: Herr, stärke uns den Glauben! Wie schwer mag es den Eltern ums Herz gewesen sein, als sie keinen anderen Ausweg mehr sahen, als ihr Kindlein am Ufer des Nils allein der Fürsorge Gottes zu überlassen?! Wie aber werden sie vor heller Freude gejubelt haben, als Pharaos Tochter selbst den hilflosen kleinen Mose in die Arme seiner Mutter legte und ihr befahl, das Kind zu versorgen?!

"Gelobt sei der Herr täglich! Er legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch!" (Ps. 68,19). So konnte Mose wohlbehalten und mit Erlaubnis von höchster Stelle im Haus seiner gottesfürchtigen Eltern heranwachsen. Dort hörte er Gottes Wort. Dort lernte er beten und auf den kommenden Messias zu vertrauten, dort lernte er seinen Gott und Heiland lieben und seine Eltern konnten ihm Zeugnis geben von Gottes großen Wegen, wie er retten kann und denen beisteht, die ihm vertrauen.

"Und da das Kind groß ward, brachte sie es der Tochter Pharaos, und es ward ihr Sohn; und hieß ihn Mose, denn sie sprach: Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen" (Vers 10). Was aber hatte das zu bedeuten? Auch die Aufnahme in das Haus Pharaos war Gottes Fügung. Mose sollte eine solche Erziehung genießen, die ihn zu einem klugen und mit den Taktiken der Ägypter vertrauten Mann werden ließen, der Israel herausführen sollte. In der Apostelgeschichte (7,22) lesen wir: "Und Mose ward gelehrt in aller Weisheit der Ägypter und war mächtig in Werken und Worten." So mußte, durch Gottes Macht gelenkt, der Pharao selbst mit seinem Reichtum und der Gelehrsamkeit seiner Diener den versorgen und unterrichten, der am Roten Meer den Befehl gab, daß sich die Fluten über den Feinden des Gottesvolkes schlossen.

Luther schreibt dazu: So wunderbar sind unseres Herrn Gottes Gerichte. Hätten sie es aber an Pharaos Hof gewußt, sie hätten Mose hunderttausendmal denTod gewünscht. Aber Gott spricht: Ich will dir sagen; Pharao soll bei seinem eigenen Brot und mit seinen Gütern seinen eigenen Feind auferziehen und eine Schlange im Busen nähren... Das heißt ...alle Anschläge und Tyrannei des Pharao zuschanden gemacht. MIt diesem herrlichen Beispiel göttlicher Gnade und Güte gegen die Gläubigen sollen wir uns auch trösten.

Der Gott des Amram, der Jochebed und des Mose ist auch unser Gott. Auch heute noch führt und regiert der Herr sein auserwähltes Volk, die Christenheit, und jeden einzelnen seiner Gläubigen ganz wunderbar. Da toben die Feinde, der Teufel und die ungläubige Welt gegen Christi Reich, sind voller Spott und Zorn und wollen es zerstören. Doch auch heute hält Gott der Herr seine starke, schützende Hand über seine Erlösten und will aus der Saat der Tränen und so mancher Bedrückung eine Freudenernte machen. Darum wollen wir ihm von Herzen vertrauen, ihm in allen Dingen gehorsam sein und ihm zutrauen, daß er uns dann noch helfen kann, wenn wir überhaupt keinen Ausweg mehr sehen.

Unsere Anliegen, Sorgen und Nöte wollen wir in ein Schilfkörblein legen; d.h. in ein Gebet einbetten und sagen: Lieber Gott, ich kann keinen Ausweg erkennen, keine Hilfe finden, keine Lösung sehen! Hilf mir nach deiner großen Barmherzigkeit! "Weg hast du allerwegen; an Mitteln fehlt dir's nicht, dein Tun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht..."

"Ihn, ihn laß tun und walten, er ist ein weiser Fürst und wird sich so verhalten, daß du dich wundern wirst, wenn er, wie ihm gebühret mit wunderbarem Rat das Werk hinausgeführet, das dich bekümmert hat."

"Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten..." (Ps. 50,15). Hat er doch in unserer größten Not sein Vaterherz geöffnet und seinen lieben Sohn, unseren Herrn Jesus Christus zur Versöhnung für unsere Sünden gesandt, damit wir armen Sünder durch seinen Tod und Auferstehung gerechtfertigt und Erben des ewigen Lebens werden! Wie sollte er uns nicht auch in den Sorgen und Nöten unseres Lebens helfen und uns erretten wollen? Er ruft uns heute zu: "Ich will dich nicht verlassen noch versäumen!" (Hebr. 13,5). Amen. 


Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an den Verfasser