Predigt am 8. Sonntag nach Trinitatis

Er sprach aber auch zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; der ward vor ihm berüchtiget, als hätte er ihm seine Güter umgebracht. Und er forderte ihn und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Tu Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannst hinfort nicht Haushalter sein. Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich tun will, wenn ich nun von dem Amt gesetzt werde; daß sie mich in ihre Häuser nehmen. Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn und sprach zu dem ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig?. Er sprach: Hundert Tonnen Öles. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, setze dich und schreib flugs fünfzig. Danach sprach er zu dem andern: Du aber, wieviel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreib achtzig. Und der Herr lobete den ungerechten Haushalter, daß er klüglich getan hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind klüger denn die Kinder des Lichts in ihrem Geschlechte. Und ich sage euch auch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. (Luk. 16,1-9)


In Christus herzlich geliebte Gemeinde!

"Und der HERR lobte den ungerechten Haushalter, daß er klüglich gehandelt hatte." Äußerst rührig und einfallsreich kümmern sich die Kinder dieser Welt um ihr irdisches Wohlergehen. Da wird nicht lange gefragt, der eigene Vorteil ist maßgebend. "Sollen wir Christen etwa auch so handeln?" Nein, denn Gottes Wort warnt uns vor Habgier und der HERR spricht: "Sehet zu und hütet euch vor dem Geiz! Denn niemand lebet davon, daß er viele Güter hat" (Luk. 12,15). Was aber beabsichtigt Jesus mit diese Gleichnis? Er spricht: "Denn die Kinder dieser Welt sind klüger den die Kinder des Lichts in ihrem Geschlecht" [d.h. "in ihrer Art" oder "unter ihresgleichen"].

Wir sollen nicht klug sein in der Art und Weise des raffinierten Verwalters, sondern auf eine andere Art.

Kurz gesagt: Der Herr Christus lehrt uns: Lernt an der falschen Klugheit wahre Weisheit!

1. Daß wir den Ernst der Lage erkennen,
2. uns nicht gedankenlos der Gegenwart hingeben,
3. sondern beizeiten an die Ewigkeit denken.

1. Jesus hilft uns, den Ernst der Lage zu erkennen

Jesus erzählt von einem schlechten Verwalter: "Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz". Eines Tages stellt er ihn deswegen zur Rede: "Was höre ich von dir? Tu Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannst hinfort nicht Haushalter sein"

Nun blieb bis zum Tag der Abrechnung noch so viel Zeit, daß der Verwalter einen listigen Plan ausführen konnte: "Was soll ich tun? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben mag ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich tun will, wenn ich nun von dem Amt gesetzt werde, daß sie mich in ihre Häuser nehmen. Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn und sprach zu dem ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Tonnen Öles. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, setze dich und schreib flugs fünfzig. Danach sprach er zu dem andern: Du aber, wieviel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreib achtzig."

Eigentlich war er als Verwalter dazu berechtigt. Es war seine Aufgabe, das Land seines Herrn gewinnbringend zu verpachten und die Pacht einzutreiben. So mußte z.B. ein Pächter, der 1000 Sack Weizen geerntet hatte, mit 100 Sack die Pacht bezahlen. Dem setzte der Verwalter die Pacht herunter, auf achtzig Sack Weizen. So machte er sich alle Pächter zu Freunden. Damit aber betrog er seinen Herrn gewaltig, denn er brachte ihn um den größtmöglichen Gewinn - er sollte ja sowieso abgesetzt werden. Dann aber konnte er mit Hilfe rechnen: Die Leute, denen er Gutes getan hatte, die würden ihm nun beistehen, daß er nicht verhungern muß.

Jesus Christus zeigt uns im Gleichnis Gott den HERRn. Er ist unermeßlich reich, denn: "Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdboden und was darauf wohnet" (Ps. 24,1). Er hat die Menschen als Verwalter über seine Güter gesetzt. Jedem Menschen ist etwas zugewiesen und von Gott anvertraut - nicht als freies Eigentum. Die Menschen sollen sein Eigentum nach seinem Willen gebrauchen - zu Gottes Ehre und zum Nutzen des Mitmenschen. Keiner darf nach eigenem Gutdünken damit umgehen. Die Menschen aber erweisen sich als untreue Haushalter. Gottes Gesetz klagt sie an. Sie stellen Gottes Güter nicht in den Dienst Gottes und des Nächsten, sondern in den Dienst des Teufels und der Sünde.

"Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein!" Dieser Ruf Gottes tritt an jeden einzelnen Menschen heran - in der letzten, in seiner Todesstunde; und dann folgt das Jüngste Gericht. Der Tod ruft einen jeden vor Gottes Thron. Da wird Rechenschaft gefordert. Der Verwalter im Gleichnis hat das schreckliche Urteil seines Herrn gehört. Er weiß, daß alles der Wahrheit entspricht; darum verteidigt er sich nicht. Vielmehr sucht er sogleich nach einem Ausweg: "Was soll ich tun?"

Was soll ich tun? Unvermutet hatte die Wahrheit ihn eingeholt, wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Er war darauf nicht vorbereitet. Leichtsinnig und sorglos hatte er dahingelebt, immer in der Sicherheit, er könne das Vertrauen seines Herrn nie verlieren. Da reißt ihn die plötzliche Anklage aus seiner Ruhe. Ebenso plötzlich und unvermutet trifft der Tod den Menschen, der kurz vorher noch so leichtsinnig und sicher lebte. Wenn ihm dann erst die Frage "Was soll ich tun?" in den Sinn kommt, ist es bereits zu spät.

 

2. Darum mahnt Jesus mit seinem Gleichnis, daß wir uns nicht gedankenlos der Gegenwart hingeben,

Die Lage ist ernst, denn "wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi..." (2.Kor. 5,10). Es ist für uns Menschen von größter Bedeutung die Mahnung des Wortes Gottes niemals zu vergessen: "Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden" (Ps. 90,12). Der untreue Verwalter im Gleichnis handelt klug, er ist Realist. Er täuscht sich nicht über seine ernste Lage hinweg wie so viele Menschen, deren Gewissen ihre Schuld vor Gott spürt, die aber jeden Gedanken Tod und Gericht weit von sich schieben. Doch so schändlich sein Verhalten auch war, in seiner Weise, gemäß seiner Art, hatte er klug gehandelt. Der Herr lobte diesen Mann, weil er so klug gehandelt hatte. Mit diesem Einfallsreichtum hätte er es noch zu etwas bringen können, wenn er das Vertrauen nicht so arg mißbraucht hätte. An dieser falschen Klugheit sollen wir wahre Weisheit lernen; das ist der Sinn des Gleichnisses Jesu.

Lernen - warum? Jesus sagt: "Denn die Kinder dieser Welt sind klüger als die Kinder des Lichtes in ihrer Art." Leider - müssen wir eingestehen! Die "Kinder dieser Welt" das sind die Menschen, die fern von Gott leben wollen. In ihnen herrscht nicht Gottes Geist, sondern der Geist der Welt und der Sünde. Sie leben nur für diese Welt, mit all ihrem Denken, Reden und Handeln. Darin gehen sie auf, weil sie hier ihren Himmel erhoffen und suchen, denn sie kennen nichts anderes. Ihre Devise heißt: "Laßt uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot." (1.Kor.15,32) Es gibt keinen Gott, kein Gericht; wir wollen das Leben genießen und sind nur uns selbst Rechenschaft schuldig.

Ihnen stellt der Herr Christus die "Kinder des Lichts" gegenüber. Das sind die wahrhaft herzensgläubigen Christen. Sie sind Kinder des Lichts, weil sie an das wahre Licht, den Herrn Jesus glauben und weil das Licht seines Geistes sie regiert. Sie sind erleuchtet vom Licht des Wortes Gottes. Sollten sie dann nicht auch an jedem neuen Tag als "Kinder des Lichtes" leben, in voller Hingabe an den Herrn?! Sollten sie nicht eifrig und immerzu beflissen sein, mit allem, was sie sind und haben, dem Reich Gottes zu dienen?! Sollten sie sich nicht unablässig darum sorgen, wie sie ihren Glaubensgeschwistern am besten dienen und wie sie noch andere zum rettenden Glauben führen können?!

Jesus klagt: "Die Kinder dieser Welt sind in ihrer Art klüger als die Kinder des Lichts!" Müssen wir das nicht traurig bestätigen? Müssen wir dem Herrn nicht bekennen: Du hast recht! In ihren Angelegenheiten und für ihre Sache entfalten die anderen viel mehr Energie! Atheisten und Sektierer dienen dem Teufel viel eifriger, als wir unserem Heiland! Schande und Trauer, daß ich oft so träge bin, zum Himmel zu kriechen, wo so viele mutwillig zur Hölle rennen! (Luther)

Gott der HERR möge durch seinen Heiligen Geist unsere Sinne täglich darauf richten, daß wir ernsthaft die Frage an uns richten: "Was soll ich tun?" Bezahlen können wir unsere Schuld nicht! Wenn der ewige Richter uns auffordert: "Gib Rechenschaft über deine Verwaltung!" Gib Rechenschaft über dein Leben!" - müssen wir verstummen.

3. Wir sollen beizeiten für die Ewigkeit sorgen

Auch wenn ein Mensch Gottes gute Gaben noch so mißbraucht haben mag, auch wenn ein Mensch sein Lebenlang dem Teufel gedient hätte, so ist doch noch Hoffnung und Hilfe für ihn - solange er noch hier in der Gnadenzeit lebt. Weil wir einen Heiland haben, einen Herrn, der von Sünde, Teufel und Verdammnis erlöst, der mit seinem eigenen Leiden und Sterben die Schuld bezahlt hat! Wer zu ihm flieht - ohne Zeit zu versäumen, der darf zu Gott kommen und findet den Himmel offen.

Darum versichert uns unser Gott und Heiland: "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen." (Joh. 5,39) "Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen." (Matth. 24,35). Auch für uns gilt: "Der Tod ist gewiß, die Stunde ungewiß!" Auch wir werden vor Gottes Richterthron einmal die Worte hören: "Gib Rechenschaft von deiner Verwaltung!" Dann dürfen wir uns getrost und mit aller Zuversicht auf unseren Jesus berufen: "Der, der hat ausgelöschet, was mit sich führt den Tod; der ist‘s, der mich rein wäschet, macht schneeweiß, was ist rot. In ihm kann ich mich freuen, hab einen Heldenmut, brauch kein Gericht zu scheuen, wie sonst ein Sünder tut."

In diesen herrlichen Genuß der Freiheit der Kinder Gottes kann jedoch nur derjenige gelangen, der so klug handelt wie der untreue Verwalter. er leugnete seine Schuld nicht. Er täuschte sich nicht darüber hinweg, sondern faßte die Folgen seines leichtsinnigen Lebens ins Auge und suchte eifrig nach einem Ausweg. Darum wollen wir als Kinder des Lichts "eifrig zum Himmel kriechen". So geschäftig, wie sich die Kinder der Welt um irdische Dinge bemühen, mit ebenso großer Hingabe wollen wir als Christen zu leben. Nimm Dir ein Beispiel an der falschen Klugheit der Kinder dieser Welt und lerne daraus wahre Weisheit!

Worin die außerdem besteht, lieber Christ, sagt dir dein Herr am Schluß des heutigen Predigttextes: "Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten." "Mammon" nennt Jesus die irdischen Güter, die über das hinausgehen, was wir zum täglichen Leben benötigen. Warum aber "ungerechter Mammon"? Um des weltweiten Mißbrauchs und der Ungerechtigkeit willen die damit getrieben wird, nennt der Herr ihn "ungerechten Mammon". Mit ihrem Geld und Gut, mit den so oft mißbrauchten Gaben Gottes sollen die Christen anders umgehen.

Sie sollen sich damit "Freunde machen" - aber wie? Eben dadurch, daß sie ihren irdischen Besitz zum Nutzen des Nächsten anwenden und zur Ehre ihres Herrn einsetzen. Sie sollen ihren rettenden Glauben durch Werke der Liebe tätig sein lassen (Gal.5,6). Wenn sie Armen und Notleidenden beistehen, werden sie von ihnen "aufgenommen in die ewigen Hütten". Wie sollen wir das verstehen? Nicht so, daß der Mensch sich nun doch durch gute Werke die Seligkeit erkaufen könnte, sondern ganz einfach: Die Armen und Notleidenden, denen du beigestanden, denen du ausgeholfen hast, die Einsamen, denen du von deiner Zeit geschenkt hast, die werden im Jüngsten Gericht als Zeugen deines Glaubens auftreten.

Solche Taten der Nächstenliebe und Barmherzigkeit, die aus dem wahren Jesus-Glauben geflossen sind, werden -wie Jesus im Matthäusevangelium selbst sagt- zum Erweis deiner Rettung genannt und von Gott in Ewigkeit belohnt werden. Da wird einer kommen und rühmen: Herr, der hat mir in meiner irdischen Not geholfen! Er hat mich besucht, mich gepflegt, mir zugehört. Er hat Gutes an mir getan, weil er von Herzen an Dich geglaubt hat! In diesem seligmachenden Glauben stärke der Herr uns alle und er lasse uns wachsen in den Werken der Liebe und Barmherzigkeit gegenüber allen Menschen! Amen. 


Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an den Verfasser