Andacht am Buß- und Bettag

Und da sich das Volk ungeduldig machte, gefiel es übel vor den Ohren des HERRN. Und als es der HERR hörete, ergrimmete sein Zorn und zündete das Feuer des HERRN unter ihnen an, das verzehrete die äußersten Lager. Da schrie das Volk zu Mose; und Mose bat den HERRN, da verschwand das Feuer. Und man hieß die Stätte Tabeera, darum daß sich unter ihnen des HERRN Feuer angezündet hatte. 4.Mose 11,1-3

Israel befand sich noch nicht lange auf dem Weg aus der ägyptischen Sklaverei in das verheißene Land Kanaan. Sie waren nun frei. Die grausame Bedrückung war beendet und sie hätten jubeln können. Aber schon bald murrte das Volk, es gehe ihm zu schlecht. Wieder und wieder lehnt Israel sich gegen Gott und seinen Diener, Mose, auf; und immer ist Gott gnädig und barmherzig, bringt sein Volk zur Buße und vergibt ihnen ihre Sünden.

Gleicht nicht auch das Leben der Christen dieser Reise Israels? Auch wir sind erlöst aus der Knechtschaft und wandern nach dem himmlischen Kanaan. Aberv auch wir sündigen immer wieder gegen unseren Gott, der uns in der heiligen Taufe zu seinen Kindern angenommen hat. Unser Christenleben ist ein ständiges Auf und Ab, Fallen und Aufstehen. Das Volk Gottes des Neuen Testamentes gleicht nur allzu sehr dem des Alten Testamentes.

Wir sehen es an der Ungeduld und am Murren gegen Gottes Führung

1. Das ist eine Sünde, die Gott auch mitunter an uns wahrnehmen muß

Nach einer Rast befand sich Israel seit 3 Tagen wieder auf der Reise. Unter der Wolkensäule, durch die Gott sie am Tage führte, zog das Volk dahin unter dem Schutz und Schirm des Allmächtigen. In der Wüste Paran hatte der HERR schon sein Volk wunderbar geführt. Doch nun am am dritten Tag wurde Israel ungeduldig und redete übel in den Ohren des HERRn. Das Volk klagte und murrte, wie Mose berichtet: "Und da sich das Volk ungeduldig machte, gefiel es übel vor den Ohren des HERRn...". Der Anlaß zu dieser Ungeduld, die sich in gereiztem Murren Bahn brach, wird hier im Text nicht angegeben, ist aber leicht zu erkennen. Israel hatte nämlich ein Jahr lang am Berg Sinai gelagert. Dort hatten es die Leute gut. Doch nun mußten sie weiter. Gott hatte sie in die Wüste geführt; es war beschwerlich. Darüber wurden sie ungeduldig, murrten, lehnten sich gegen Mose und Gott auf - wie es auch später noch oft geschah.

Wie häufig findet sich diese Sünde auch im neutestamentlichen Gottesvolk! Wie oft sind wir unzufrieden mit den Wegen und Führungen Gottes! Gott lenkt und leitet ja das Leben seiner Christen, aber eben nicht immer auf Wegen der Freude, des Glücks, der Kraft und Gesundheit! Ja, Gott führt auch uns in Wüsten: Da gibt es Trübsal, innere und äußere Nöte, Anfechtungen und Versuchungen, Schmerzen und Krankheit, Anfeindungen und Leid... Wie hart setzen uns solche Tiefen zu! - besonders dann, wenn wir vorher Ruhe, Friede und Glück genießen durften! Da werden auch die Christen nicht selten ungeduldig, klagen und murren gegen Gott - erst leise im Herzen, dann lauter. Wer unter uns sollte das nicht schon alles an sich selbst erfahren haben?

2. Dieses Murren erzürnt Gott den HERRn

Israel hatte sich gegen Gott aufgelehnt, obwohl Gott schon so oft gnädig an ihnen gehandelt hatte, obwohl er -trotz ihrer früheren Sünde Gnade vor Recht ergehen ließ, ja obwohl er in aller Treue zu seinen Verheißungen dieses halsstarrige Volk (wie der Prophet spricht) wieder und wieder aus dem Schmutz gehoben und geliebt hatte. Gott meinte es gut mit ihnen. Durch die Wüste - ja, aber ins verheißene herrliche Kanaan! Nun aber redet Israel so, als ob Gott Bosheit an ihnen verübt habe.

So ist auch heute das Klagen gegen Gott, das Murren gegen seine Führung eine schwere Schuld. Es läßt nämlich erkennen, wie die Herzen an Gottes Güte zweifeln, der es doch immer gut mit uns meint, der uns durch Trübsal ins Himmelreich führt. Ja, es ist Mißtrauen gegenüber Gottes Allmacht, gegenüber seiner Weisheit und Treue. Gottes Führung, der Sinn seiner Wege, die Güte, die sich auch durch scheinbar verworrene Pfade zieht wird durch die List und Tücke des Teufels plötzlich Zielscheibe unserer Klage.

"Und als es der HERR hörte, ergrimmte sein Zorn und zündete das Feuer des HERRn unter ihnen an, das verzehrte die äußersten Lager." Das Murren des Volkes war dem HERRn nicht verborgen, wie er die schwächsten Seufzer unserer Herzen hört, so liegen auch unsere bösen Gedanken und Regungen vor ihm offen. Gott sieht und hört die Sünden seiner Christen, die sie aus Schwachheit und Bosheit ihres Fleisches tun. Über Israel entbrannte sein Zorn: Ein Feuer brach aus und zerstörte die äußeren Teile des Lagers. Gott läßt uns durch Mose nichts weiter über dieses Feuer berichten. Es war aber ein "Feuer des HERRn", d.h. ein Feuer, das vom HERRn kam, das er zugelassen, das er geschickt hatte und das Israel auch als Strafe Gottes erkannte. Der HERR ist auch heute allen Sünden feind -und wären sie in unseren Augen noch so klein und bedeutungslos.

Auch die Sünde, gegen Gott zu murren, gegen seine Führungen Klage zu erheben, erweckt Gottes Grimm und Zorn, ja ruft seine Strafe über uns herab. Und wenn Christen sich nicht aus dieser Sünde herausführen lassen, darin steckenbleiben, dann verlieren sie das herzliche Vertrauen, den seligmachenden Glauben zu Gott und das Feuer seines ewigen Zornes kommt über sie. Das ist eine große Not.

3. Auch in dieser Sünde finden wir Rettung bei Jesus Christus, unserem Mittler - bei ihm allein!

Gott hatte sein murrendes Volk bestraft, aber es war eine gnädige, eine milde Strafe. Er wollte Israel nicht völlig verderben, sondern zur Umkehr bewegen. Über Gottes Antwort war Israel erschrocken und erkannte sein Unrecht: "Da schrie das Volk zu Mose; und Mose bat den HERRn, da verschwand das Feuer". Sie gingen zu Mose, der ihnen von Gott als Fürsprecher und Mittler gesetzt und gegeben war - als ein Vorbild auf Christus, wie Mose selbst zu Israel sprach: "Einen Propheten wie mich wird der HERR dein Gott dir erwecken..." (5.Mose 18,15).

Der HERR will auch seinem neutestamentlichen Volk Sünde zum Bewußtsein bringen. Sein Ziel ist, daß wir in uns gehen, uns prüfen und uns unser Unrecht klar wird. Ja, unsere Ohnmacht soll uns aufgehen, wie verderbt wir doch eigentlich sind, wie der alte Adam in uns sich aufbäumt, wie er unsere Herzen und Sinne zum Murren und Klagen über Gottes Wege verführen will. Wenn wir an Israel unser eigenes Bild erkennen und einsehen, wie tief Gott der HERR in unsere Herzen blickt, wie er unsere Gedanken und Sehnsüchte genau kennt, wie unser Zweifel an seiner Treue, unser Mißtrauen an seiner Güte vor ihm offenliegen, dann erkennen wir, wie wir ohne seine Barmherzigkeit verloren wären.

Damals ging Israel zu Mose. Uns hat Gott der HERR den Fürsprecher und Mittler gegeben, auf den Mose mit seiner ganzen Person weisen sollte: Jesus Christus. Mose bat für das Volk, obwohl er doch auch nur ein sündiger Mensch war; er flehte für Israel vor dem Angesicht Gottes um Gnade um des kommenden Heilandes willen. Wir rufen den gekommenen Erlöser an; er ist unser Beistand und Bürge vor dem Thron des lebendigen Vaters. Dann sieht Gott wieder auf das Opfer seines Sohnes und läßt seinen Zorn fahren. Denn in Christus "haben wir die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade" (Eph. 1,7).

"Und man hieß die Stätte Tabera, darum, daß sich unter ihnen des HERRn Feuer angezündet hatte." Jede solche Erfahrung ist auch für uns ein "Tabeera", d.h. Brandstätte. Das ist dann eine stete und ernste Erinnerung, daß wir uns vor dieser schweren Versündigung des Murrens und Klagens gegen Gott hüten. Wir sollen daran denken, was Gott spricht: "Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern soviel der Himmel höher ist denn die Erde, so sind auch meine Wege höher denn eure Wege und meine Gedanken denn eure Gedanken" (Jes. 55,8.9).

So wollen wir uns -auch wenn Nöte und Bedrängnisse kommen- vertrauensvoll in seinen Willen ergeben, denn er schwört: "Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen; aber mit großer Gnade will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig von dir verborgen; aber mit ewiger Gnade will ich mich dein erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser... Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer" (Jes. 54,7.8.10). Amen.

Pfr. Martin Blechschmidt