Predigt am Sonntag Exaudi

Predigttext: Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir. Und auch ihr seid meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen.

Das habe ich zu euch geredet, damit ihr nicht abfallt. Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst damit. Und das werden sie darum tun, weil sie weder meinen Vater noch mich erkennen.

Aber dies habe ich zu euch geredet, damit, wenn ihre Stunde kommen wird, ihr daran denkt, daß ich's euch gesagt habe. Zu Anfang aber habe ich es euch nicht gesagt, denn ich war bei euch. (Johannes 15,26-16,4)


Im Namen Jesu Christi, herzlich geliebte Gemeinde!

Hinter uns liegt der Gedächtnistag an die Himmelfahrt Jesu, vor uns das Pfingstfest.

Als Sieger über die Macht der Sünde als unser Heiland und Herr, als ein König, dem "alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden" (Matth. 28,18) ist Jesus gen Himmel gefahren.

Noch bevor er in sein unsichtbares Reich zurückkehrte, sprach er zu den Jüngern: "Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen..." (Joh. 14,18), und er verhieß ihnen den Tröster und Beistand zu senden, nämlich den Heiligen Geist.

"Denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch; wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden." (Joh. 16,7).

Der HERR Christus bereitet also seine Jünger auf die Himmelfahrt vor und auf Pfingsten.

Darum wird seit der Zeit der alten Kirche gerade unser Predigttext dem Sonntag zwischen Himmelfahrts- und Pfingstfest zugeordnet.

Eine große Aufgabe stand vor den Aposteln, zu der Jesus sie mit den Worten berufen hatte: "Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur!" (Mark. 16,15).

Eine übermenschliche Aufgabe, die sie nicht ohne die Kraft Gottes erfüllen konnten.

Darum bestärkt und tröstet sie der HERR Christus und bereitet sie vor, denn sie und alle Christen werden, wenn sie den gekreuzigten Christus verkünden, auf Widerstand und Feindschaft stoßen, denn er ist -wie die der Apostel schriebt- den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit (1.Kor. 1,23) - d.h. aller Welt ein Dorn im Auge.

Deswegen spricht Christus: "Solches habe ich zu euch geredet, damit ihr euch nicht ärgert."

1. wenn ihr Feindseligkeiten erfahrt und

2. wenn ihr um meinetwillen leiden müßt.

3. Ich selbst stehe euch bei!

Der HERR Jesus Christus sieht im Voraus den frischen Mut, mit dem seine Jünger hinausgehen werden, um Juden und Heiden zum Reich des Erlösers zu laden.

Er sieht aber auch, wie schon sehr bald der erbitterte Widerstand des Satans das Zeugnis der Christen zu vernichten sucht.

1. Solches habe ich zu euch geredet, damit ihr euch nicht ärgert, wenn ihr Feindseligkeiten erfahrt.

Solange der HERR bei seinen Jüngern war, sie lehrte und schützte, mußte er selbst die Feindschaft erfahren, nun wird sie die Jünger treffen: "Solches aber habe ich euch von Anfang an nicht gesagt; denn ich war bei euch."

"Wärt ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch von der Welt erwählt habe, darum haßt euch die Welt. Gedenkt an mein Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Habe sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen..." (Joh. 15,19f.).

Groß ist diese Feindschaft, das sehen wir daran, wie sie sich äußert: "Sie werden euch in den Bann tun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tötet, wird meinen, er tue Gott einen Dienst damit."

Wörtlich heißt es: "Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen!"

"Synagoge" - das ist eigentlich der Versammlungsort der Juden, wo sie Gottes Wort hörten und beteten.

Im weiteren Sinne ist es die Gemeinschaft der Gläubigen.

Das Wort bedeutet also: Sie werden euch ausstoßen aus der Gemeinschaft der Gläubigen, aus der Gemeinschaft des Volkes Gottes. Ihr werdet ihr Urteil ertragen müssen, daß sie euch nicht mehr als Gläubige, sondern als Ketzer ansehen werden.

Wir erkennen aus diesem Wort Jesu, daß die Christen nicht allein mit der bloßen Feindschaft der ungläubigen Welt, sondern auch mit dem Haß und den Aktionen der falschgläubigen Kirche, der mächtigen Prälaten und angesehenen Irrlehrer zu rechnen haben.

Es ist ein Leichtes, diese Wahrheit an der Geschichte der Kirche nachzuweisen.

Der fromme Kirchenvater Athanasius wurde mehrmals in die Verbannung geschickt, Luther mußte Reichsacht und päpstlichen Bann erdulden und unser Steedener Pfr. Brunn wurde noch vor 150 Jahren mehrmals des Landes verwiesen.

Sie und die unzähligen anderen Bekenner und Märtyrer mußten dies um Christi willen leiden.

Wieviel Leid, Einsamkeit, aber auch körperliche Qualen hat der Satan schon über die Christen gebracht, nur weil sie den HERRn Christus und das Wort ihres Gottes in Ehren hielten!

Fing es nicht kurze Zeit nach dem Pfingstfest, nach der ersten Blüte der Gemeinde damit an, daß Stephanus um des Glaubens an Jesus willen gesteinigt wurde?

Nach seinem Tod "...erhob sich eine große Verfolgung über die Gemeinde in Jerusalem... Saulus aber suchte die Gemeinde zu zerstören..." (Apg. 8,1.3)

Ob Jesus nicht auch dies gemeint hat, als er sprach: "Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen." (Joh. 16,12).

Wie gut, daß wir nicht alles wissen, was noch kommen wird!

Wie gut, daß uns der HERR nur eine solche Last auflegt, die wir ertragen können, und daß, wenn er Lasten verteilt, er auch tragen hilft (1.Kor. 10,13; Ps. 68,20)!

Während uns Gott in unserem Land bisher vor blutigen Verfolgungen bewahrt hat, müssen Christen in anderen Ländern um ihre Existenz, ja um Leib und Leben bangen!

Die Gesinnung der Welt bleibt dieselbe; wenn sie sich nicht in Terror, Folter und Mord äußert, dann doch durch Bosheit, Spott und Verleumdung, auch in Benachteiligungen um des Bekenntnisses willen.

Es ist eine ganz "normale" Folge des Glaubens, daß der Christ in einen immer weiteren Abstand zur Welt gelangt.

Der Apostel Petrus schreibt: "Das befremdet sie, daß ihr euch nicht mehr mit ihnen stürzt in dasselbe wüste, unordentliche Treiben, und sie lästern..." (1.Petr. 4,4).

Jesus kündigt sogar an: "Ihr werdet gehaßt werden von jedermann um meines Namens willen... Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein." (Matth. 10,22.36).

Darum spricht er zu den Jüngern: "Solches habe ich zu euch geredet, damit, wenn die Zeit kommen wird, daß ihr daran gedenkt, daß ich’s euch gesagt habe."

"Solches habe ich zu euch geredet, damit ihr euch nicht ärgert."

Sich an Jesus ärgern - was heißt das?

Wörtlich heißt es auch "Anstoß nehmen" oder einfach "abfallen".

Wenn Christen Anfeindungen, Verfolgung, ja sogar den Tod um des Glaubens willen auf sich nehmen müssen, dann könnte es leicht geschehen, daß sie sich fragen: Vielleicht ist dies doch nicht die rechte Lehre, wenn dadurch so viele Probleme, ja eigentlich nur Böses kommt?

Gerade dann erweist es sich, daß du auf der richtigen Seite stehst, denn Christus sagt genau das voraus.

Der Teufel kämpft ja eben gegen die, die er zum Schweigen bringen will!

Darum spricht er: "Solches habe ich zu euch geredet, damit ihr euch nicht ärgert."

Das heißt: Rechnet damit! Wenn es eintrifft, dann wißt: Es mußte ja so kommen. Haben sie meinen HERRn verfolgt, dann kann es mir nicht anders gehen. Der Knecht ist nicht größer als sein HERR.

2. Solches habe ich zu euch geredet, damit ihr euch nicht ärgert, wenn ihr um meinetwillen leiden müßt.

Unser HERR spricht: "Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden." (Matth. 10,22b).

Aber eben dieses "Beharren" fällt den Christen nicht leicht.

Wo liegen dafür die Hindernisse?

Sie liegen in ihnen selbst.

Da ist die Schwachheit

Wir Christen haben ja noch Fleisch und Blut an uns, ein Herz, das schnell verzagt.

Weil wir auch in den Anfeindungen, die uns um des Glaubens willen treffen, viel zu sehr auf uns selbst vertrauen, wächst die Gefahr, daß wir aufgeben.

Neben der Schwachheit hindert uns die Scheu zum Leiden.

Erinnern wir uns: Als Jesus den Jüngern sein Leiden ankündigte, wie er hinauf nach Jerusalem gehen und dort von den Hohenpriestern dem Tod ausgeliefert würde, sprach Petrus: "Gott bewahre dich, HERR! Das widerfahre dir nur nicht!" (Matth. 16,21f.).

Als Jesus den Jüngern vor seiner Gefangennahme voraussagte, daß sie sich alle an ihm ärgern würden, sprach Petrus zwar: "Wenn sie auch alle Ärgernis nehmen, so will ich doch niemals Ärgernis nehmen an dir." (Matth. 26,33).

Was sagte ihm der HERR? "In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen." (Matth. 26,34).

Den guten Willen sehen wir: "Petrus aber sprach zu ihm: Und wenn ich mit dir sterben müßte, will ich dich nicht verleugnen. Das gleiche sagten auch alle Jünger." (Matth. 26,33).

Was geschah dann?

Petrus scheute sich vor dem Leiden und verleugnete Jesus (Matth. 26,69ff.), die anderen Jünger ergriffen alle die Flucht (Matth. 26,56).

Jesu Wort trifft die Wahrheit: "Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallt! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach." (Matth. 26,41).

Wer von uns wollte garantieren, daß er sich nicht über kurz oder lang an der Niedrigkeit des Reiches Christi hier auf Erden Anstoß nehmen könnte?

Wer wollte behaupten, daß zwar Petrus den HERRn verleugnet habe, ihm so etwas aber nicht passieren könnte?

"Wer meint, er stehe, mag zusehen, daß er nicht falle." (1.Kor. 10,12).

Wir wissen wohl, was für herrliche Schätze uns der Heiland durch seinen Tod erworben hat, daß wir die Vergebung der Sünden und den Zugang zur ewigen Seligkeit haben dürfen.

Dennoch wächst die Sehnsucht nach einem ruhigen, unbeschadeten Leben, nach Ehre und gutem Auskommen mit den Einflußreichen dieser Welt, gerade dann, wenn Kreuz und Leiden um Jesu willen an die Tür pochen.

"Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben!" (Offbg. 2,10).

Die Anfechtungen sind groß!

Groß ist die Gefahr, sich an Christus und seinem Wort zu ärgern, schließlich von ihm abzufallen und damit die ewige Seligkeit zu verlieren.

Obwohl wir uns nun vor falscher Sicherheit hüten sollen, haben wir doch keinen Grund, den Mut völlig sinken zu lassen, denn...

3. Solches habe ich zu euch geredet, damit ihr euch nicht ärgert. Ich selbst stehe euch bei!

Der HERR Christus sagt seinen Jüngern den Haß und die Feindschaft der Welt voraus, aber nicht daß sie sich fürchten sollen.

Den eigentlichen Grund gibt er mit den Worten an: "Solches habe ich zu euch geredet, damit ihr euch nicht ärgert."

Wenn dies nun eintreffen wird, dann sollen sie daran denken, daß es so sein muß, daß der Jünger nicht über seinen Meister ist, daß, wenn sie Jesus verfolgt haben, die Feindschaft gegen seine Christen einfach folgen wird.

Derselbe Petrus, der eben wegen solcher Feindschaft den Mut verloren hatte und eine Zeitlang abgefallen war, schreibt nun an die Christen: "Ihr Lieben, laßt euch durch die Hitze [der Verfolgung] nicht befremden, die euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas Seltsames, sondern freut euch, daß ihr mit Christus leidet, damit ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben mögt." (1.Petr. 4,12f.).

Als Paulus die Christen in Lystra, Ikonien und Antiochia besuchte, stärkte er die Seelen der Jünger und ermahnte sie: "Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen." (Apg. 14,22).

Und an die Korinther: "Unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig." (2.Kor. 4,17f.).

So ermahnt, kräftigt und leitet der HERR durch sein Wort, das er durch diese Apostel seinen Christen verkündigt.

Dieses Wort ist stärker als alle Gefahr, größer als die Feindschaft der Welt, mächtiger der mächtigste Feind!

Droht ein Kind Gottes in den Anfeindungen zu verzagen und fühlt nichts mehr als seine eigene Schwachheit, dann ruft ihm der Heiland zu: "Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." (2.Kor. 12,9).

Wird ein Christ um Jesu willen geschmäht, dann versichert ihm Gott in seinem Wort: "Selig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet um des Namens Christi willen, denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruht auf euch." (1.Petr. 4,14).

Fragt sich ein Christ, ob er denn noch im rechten Glauben stehe, wenn doch so viele böse Dinge auf ihn treffen, dann hört er das Wort: "Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen." (Röm. 8,28).

Trifft dich nun Leid und Not um deines Glaubens an den HERRn Jesus Christus willen, dann wisse: Dein HERR steht neben dir, wenn du es am wenigsten meinst. Es wird dir an Hilfe, Trost und Kraft nicht mangeln, denn er hat sie dir in seinem Wort zugesagt.

Du kannst getrost sprechen: "Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus." (Phil 4,13).

Ja, das vermagst du durch die Kraft, die Jesus dir schenkt, wenn du dich an sein Wort hältst.

Er läßt dann seinen Heiligen Geist kräftig an dir wirken, der dich tröstet in aller Trübsal.

Das hat Jesus vor seiner Himmelfahrt verheißen: "Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde, den Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir."

Er wird an unseren Herzen den HERRn Christus bezeugen und uns in Freude und Leid auf ihn weisen, damit wir an ihm bleiben.

Und er wird es sein, der unserem Zeugnis, das wir vor der Welt für Christus ablegen, die rechte göttliche Kraft schenkt.

Können wir nicht angesichts solch großer Zusagen Gottes trotz allem fröhlich einstimmen, wenn Paulus bekennt: "Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? ... Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, unserm HERRn." (Röm. 8,35.37ff.). Amen.


Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an Pfarrer Blechschmidt