Himmelfahrt
Lied zur Predigt: Gott fähret auf gen Himmel (LKG Nr. 178)
Kollektengebet: (vor der Epistellesung)
Herr Jesu Christe, du Sohn des Allerhöchsten, der du nun nicht mehr auf Erden arm und elend bist, sondern zur Rechten deines Vaters, ein gewaltiger Herr über alles, was da ist im Himmel und auf Erden, der du auch alles erfüllest und regierest: Wir bitten dich, du wollest uns deinen Heiligen Geist senden, fromme Kirchendiener geben, ihnen deine Gaben schenken und sie bei deinem Wort erhalten, dem Satan und aller Tyrannei wehren, dein Reich auf Erden mächtig beschützen, bis daß alle Feinde zu deinen Füßen liegen, und wir durch dich Sünde, Tod und alles überwinden. Amen.
Predigttext:
"Daß ihr erkennen möget.... welche da sei die überschwengliche Größe seiner Kraft an uns, die wir glauben nach der Wirkung seiner mächtigen Stärke, welche er gewirket hat in Christo, da er ihn von den Toten auferwecket hat und gesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Fürstentümer, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was genannt mag werden, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Und hat alle Dinge unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt zum Haupt der Gemeinde über alles, welche da ist sein Leib, nämlich die Fülle des, der alles in allen erfüllet." (Eph. 1,19-23)
In Christus herzlich geliebte Gemeinde!
Gerade das heutige Fest der Himmelfahrt Jesu Christi bestätigt, was wir im Buch der Psalmen lesen: "Herrliche Dinge werden in dir gepredigt, du Stadt Gottes." (Ps 87,3).
Der HERR Christus hatte 40 Tage nach seiner Auferstehung die Jünger am Ölberg in Jerusalem versammelt.
Er erinnerte sie, wozu er sie berufen hatte und sprach: "Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde." (Apg 1,8).
"Nachdem der Herr Jesus mit ihnen geredet hatte, wurde er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes." (Mk 16,19).
Vor allem um der Bedeutung für uns selbst willen feiern wir das heutige Fest.
Christus hatte ja gesagt: "Und ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen." (Joh 12,32).
In der Himmelfahrt Jesu dürfen wir nämlich unsere eigene Erhöhung erkennen, in seiner Herrlichkeit die Herrlichkeit seiner Gemeinde, ja jedes einzelnen Gläubigen.
Es geht in unserem Text um die Herrlichkeit der Gemeinde Jesu im Licht seiner Himmelfahrt.
1. Jesus Christus ist zur Rechten Gottes erhöht
und zum Haupt der Gemeinde gesetzt.
2. Die Gemeinde wird als sein Leib gebaut und hat Anteil an
seiner Herrlichkeit.
Zuerst einmal werden unsere Gedanken durch die Worte unseres Textes auf die Tatsache gelenkt:
1. Jesus Christus ist zur Rechten Gottes erhöht und zum Haupt der Gemeinde gesetzt.
Gott hat Christus "eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel", so schreibt der Apostel Paulus hier im Brief an die Epheser.
Damit sagt er dasselbe, was wir auch in der Evangelienlesung gehört hatten: "Nachdem der Herr Jesus mit ihnen geredet hatte, wurde er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes." (Mk 16,19).
Gleich weiter heißt es: Er hat ihn gesetzt... "über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles."
Jesus von Nazareth, der Sohn Marias, der zu Bethlehem geboren wurde, am Kreuz gestorben war, den hat Gott auferweckt von den Toten und ihn zu seiner Rechten im Himmel gesetzt.
Das ist geschehen am Tag seiner Himmelfahrt.
Gott hat den erhöht, der so tief erniedrigt war, der von einer armen Frau geboren wurde, in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, der, als er lehrte verachtet und verspottet wurde, der von Menschenhänden grausam gequält schließlich den schmählichen Tod am Kreuz starb wie ein Verbrecher.
Den hat Gott gesetzt "über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen".
Damit sind nicht nur die Mächtigen auf Erden gemeint, sondern alle Mächte in dieser sichtbaren und in der unsichtbaren Welt: auch die unzählige Menge der heiligen Engel, das unüberschaubare Heer der teuflischen Geister.
Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß. [LKG 65,1].
Er herrscht über die gewaltigen Engelfürsten, Cherubim und Seraphim, die ohne Unterlaß vor dem Thron Gottes mit gewaltiger Stimme sprechen: "Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!" (Jes 6,3).
Er herrscht über den Teufel, der in der Heiligen Schrift "Fürst der Welt" genannt wird (Joh 16,11) und auch die Mächtigsten der Menschen mit seinen starken Fesseln binden kann.
Alles, was es Großes und Gewaltiges gibt auf Erden und auch in der unsichtbaren Welt, alles das beherrscht Jesus Christus.
Nun aber ist die Frage: Beherrscht er nicht all das schon von Ewigkeit her?
Ist er nicht "Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrhaftiger Gott vom wahrhaftigen Gott... mit dem Vater in einerlei Wesen"?
Ja, aber er ist auch ein Mensch; Gott ist in Jesus Mensch geworden.
Er ist wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich.
Gott hat ihn gesetzt "über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen" - das ist von seiner menschlichen Natur gesagt.
Erhöht worden ist der Mensch, zur Rechten Gottes gesetzt worden ist der Mensch.
Aufgrund der persönlichen Vereinigung dieser beiden Naturen sprach Jesus einst zu Nikodemus: "Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn." (Joh 3,13).
Schon damals, als er auf Erden wirkte "war ihm gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden" (Mt 28,18).
Aber er, der wahre Gott, hatte ja Menschengestalt angenommen, war zum Knecht geworden, war gehorsam geworden bis zum Tode am Kreuz (Phil 2).
Am Tage seiner Himmelfahrt aber wurde offensichtlich: Unumschränkt war der wahre Mensch, der um unsretwillen erniedrigte wahre Gott wieder in göttlicher Majestät und Herrlichkeit.
Jesus von Nazareth, unser Bruder, unser Freund, unser Heiland, unser Fleisch und Blut ist über alle Mächte in dieser und jener Welt eingesetzt zum König und Herrscher.
Mit seiner Himmelfahrt ist das erfüllt, was er vor seinem Leiden gebetet hatte: "Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war." (Joh 17,5).
Eigentlich, liebe Mitchristen, sind das alles fast zu hohe Geheimnisse für uns, und wir können auch nicht alles völlig verstehen, was Gott uns in seinem Wort dazu sagt.
Wenn das so ist, dann sprechen wir einfach die Worte Gottes nach und richten unseren Blick dahin, wohin wir einmal durch den Glauben an den Erlöser Jesus Christus gelangen werden.
Dort wird uns alles verständlich und klar sein, was wir hier nur vertrauend nachsprechen konnten - die kleine Kinder die Worte ihrer Eltern.
Das aber können wir fassen: Jesus, unser Heiland und Bruder ist -eben auch als wahrer Mensch- verherrlicht, sitzt zur Rechten Gottes in gleicher Ehre, Majestät und Herrlichkeit.
Wir haben einen HERRn und Meister, einen Freund und Bruder, der stärker ist als alles, was es gibt - auch stärker als die mächtigsten bösen Mächte!
Kann es einen größeren Trost, eine gewaltigere Freude für uns geben?
Sind wir nicht oft verzagt?
Erscheinen uns die Versuchungen und Anfechtungen des Teufels nicht oft zu übermächtig?
Halten uns nicht oft genug auch irdische Sorgen und Nöte gebunden, daß wir gar nicht mehr zu rechter Freude finden können?
Und die kleine Schar der rechtgläubigen Kirche - macht uns das nicht auch oft zu schaffen?
Darum betont der Apostel Paulus es so: "Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles."
Wir erfahren tagtäglich in den Nachrichten, wie ein Reich mit dem anderen in dieser Welt um die Vorherrschaft kämpft.
Weltweiter Einfluß, Macht, Ruhm - darum geht es seit dem Sündenfall.
Wie stolz ist ein Volk, wenn es weiß: Auf unseren König hört die ganze Welt, seine Meinung ist gefragt, sein Unmut gefürchtet. Unter seinem Schutz sind wir sicher.
Wir gehören als Christen in das Reich Jesu.
Dieses Reich unterscheidet sich von jedem anderen Reich in dieser Welt: Es nicht ein Reich der Leistung, sondern ein Reich der Gnade, wird nicht mit Waffen zusammengehalten, sondern durch das Wort Gottes.
Der Gipfel aller Bestrebungen ist nicht Wohlstand und Weltherrschaft, sondern der Friede mit Gott und das Ziel, die ewige Seligkeit.
Aber wir stolz können wir sein!
Unser König herrscht über alles; mehr Schutz, mehr Fürsorge, mehr Zuwendung kann es nicht geben, als wir sie in Jesus haben!
Auch wenn die Gemeinde Jesu in den Augen der Welt ein jämmerliches Häuflein ist: Sie ist dennoch herrlich und prächtig - im Licht der Himmelfahrt Jesu Christi!
Und noch eines:
2. Die Gemeinde wird als sein Leib gebaut und hat Anteil an seiner Herrlichkeit.
In unserem Predigttext lesen wir: "Wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde, mit der er in Christus gewirkt hat. Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel..."
Die mächtige Wirkung, daß Menschen an Christus gläubig, daß sie also überhaupt Christen geworden sind, kommt davon her, daß Christus zur Rechten Gottes erhöht und das Haupt der Gemeinde ist.
"Gott hat Christus gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles."
Damit hat Gott gesetzt und beschlossen, daß die Gemeinde Jesu in dieser Welt besteht, und daß sie gebaut wird als der Leib dessen, der alles in allen erfüllt.
Das war der Zweck des Ratschlusses Gottes zu unserer Erlösung: "Saget unter den Heiden, daß der HERR König sei und habe sein Reich, so weit die Welt ist, bereitet, daß es bleiben soll." (Ps 96,10).
Das war es, was Gott der HERR in seiner Gnade und Güte über uns verlorene Menschen beschlossen hatte: Er wollte durch seinen Sohn Jesus Christus Menschen in sein Reich sammeln, die an ihn glauben, ihm dienen, ihn lieb haben und wieder mit ihm versöhnt sind.
Darum weissagte auch der Prophet Jesaja: "Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge leben, und des HERRN Plan wird durch seine Hand gelingen." (Jes 53,10).
Das Fest der Himmelfahrt Jesu versichert uns: "Der HERR ist König und herrlich geschmückt; der HERR ist geschmückt und hat ein reich angefangen, so weit die Welt ist, und zugerichtet, daß es bleiben soll." (Ps 93,1).
Dieses Reich, zu dem auch wir gehören, kann niemand zerstören; Jesu Macht kann niemand brechen.
So geschieht es auch heute, daß durch die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus, durch die Stärke des Heiligen Geistes im Wort, der Widerstand des Unglaubens gebrochen, die Feindschaft zu Gott besiegt wird.
Die Gemeinde Jesu, die Kirche Christi auf Erden lebt, weil Christus lebt.
Sie ist herrlich, weil Christus herrlich ist.
Sie wird gebaut und vollendet, weil Christus zur Rechten Gottes sitzt und alles regiert.
Zum Schluß schreibt der Apostel: "... welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt."
Die Kirche Jesu Christi ist sein Leib, er ist ihr Haupt.
Sie seine "Fülle".
Das heißt: Die Gemeinde kann ohne Christus nicht sein und er nicht ohne sie.
Jesaja weissagte: "Weil seine Seele gearbeitet hat, wird er seine Lust sehen und die Fülle haben." (Jes 53,11).
Seine Gemeinde ist seine Lust; seine Freude ist, daß sie als sein Leib gesammelt und gebaut wird.
Der Sohn Gottes bedarf der Gemeinde nicht.
Das heißt: Wäre er nicht als Versöhner der Menschen und Heiland der Sünder in die Welt gekommen, und es gäbe keine Kirche, ihm würde an seiner Vollkommenheit nichts fehlen.
Nun aber hat er sich in seiner Liebe und Gnade mit seiner Gemeinde so eng verbunden, wie das Haupt eben mit dem Leib verbunden ist.
So kommt es, daß Christus im Blick auf seine Gemeinde spricht: "...und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen." (Mt 16,18).
So sehr auch der Satan sich müht, das Werk Christi zu zerstören: Die Gemeinde wird bestehen und in die ewige Herrlichkeit eingehen, als ob es gar keinen Teufel gäbe, der das zu verhindern suchte.
Hältst du dich nun an Christus, der (auch als wahrer Mensch) zur Rechten Gottes erhöht ist, schöpfst du aus seiner Macht und bittest ihn in deinen Anfechtungen und in den Versuchungen des Teufels: "Ich glaube, HERR, hilf meinem Unglauben!" (Mk 9,24) - dann wirst du ganz gewiß "aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, daß sie offenbar werde zu der letzten Zeit." (1Petr 1,5).
"Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit." (Kol 3,4). Amen.
Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an den Verfasser