Predigt am Sonntag Invokavit

Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführt, auf daß er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden. Und er antwortete und sprach: Es stehet geschrieben: Der Mensch lebet nicht vom Brot alleine, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes gehet.

Da führete ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellete ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es stehet geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl tun, und sie werden dich auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum stehet auch geschrieben: Du sollst Gott, deinen HERRN, nicht versuchen.

Wiederum führete ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigete ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit

und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Heb’ dich weg von mir, Satan! Denn es stehet geschrieben: Du sollst anbeten Gott, deinen HERRN, und ihm allein dienen. Da verließ ihn der Teufel; und siehe, da traten die Engel zu ihm und dieneten ihm. (Matthäus 4,1-11)


Worin besteht der wahre Glaube? Ein bekannter Lehrer der luth. Kirche kannte darauf nur eine Antwort: "DER GLAUBE IST EIN STETER UND UNVERWANDTER BLICK AUF CHRISTUS." (M. Luther)

Und doch ist Glaube an Jesus nicht der Blick auf das große Vorbild, dem es nachzueifern gilt, damit Gott uns gnädig ist! Schauen wir auf Jesus Christus, dann sehen wir unseren Stellvertreter, unseren Heiland, unseren Erlöser: "Führwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen... Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt." (Jes 53,4.5)

Wer mit dieser Wahrheit der Heiligen Schrift auf den gekreuzigten Jesus blickt, ist offen für den Segen, den Gott für uns schuldige Menschen bereithält. Wer die Worte vom Leiden, Sterben und Auferstehen des Sohnes Gottes hört und dieses eine begriffen hat: "Jesus für mich!", der hat sein Leben nicht vergeblich gelebt, sondern heißt "ein Kind Gottes", "Erbe des ewigen Lebens" und gehört zu den glücklichsten Menschen dieser Welt. Das ist die Hauptsache der ganzen Bibel:

JESUS FÜR MICH!

Unter diesem Thema wollen wir unseren heutigen Textabschnitt bedenken.

JESUS FÜR MICH!

1) ...auch in der Wüste.
2) ...auch in der Versuchung

 

1. Auch für mich war Jesus in der Wüste.

"Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. Und da er 40 Tage und 40 Nächte gefastet hatte, hungerte ihn." Der menschgewordene Sohn Gottes war zu Johannes an den Jordan gekommen, um sich von ihm taufen zu lassen. Auf wunderbare Weise hatte Gott der Vater dort vor allen Anwesenden bestätigt: "Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe" Matth 3,17. Sichtbar ruhte der Heilige Geist auf Jesus.

Doch bevor der Herr sein Heilandswirken in Galiläa begann, "wurde er vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde". Es sollte zu einem Kampf kommen. Auf den ersten Seiten der Heiligen Schrift wird uns berichtet, wie unsere ersten Eltern den Kampf gegen diesen Feind verloren haben und seiner Verführung erlagen. Ihr Ungehorsam gegen Gottes Willen brachte sie selbst, ihre Kindeskinder und damit die ganze Menschheit unter die Herrschaft des Teufels und der Sünde. Verloren war nicht nur der Kampf, sondern die herrliche Gemeinschaft mit Gott, ja auch das ewige Leben.

Nun "war die Zeit erfüllt". Gott hatte seine Zusage eingelöst und den Retter gesandt. Gottes Sohn war in unsere Welt getreten - ein Mensch, jedoch ohne Sünde. Was heißt das? Es heißt: der einzige Mensch außerhalb der Macht Satans (denn der Teufel hält die Menschen durch Sünde in seiner Gewalt). Der wahre menschgewordene Gott, Jesus, ist der einzige, der uns den Bannkreis der Sündenmacht durchbrechen und die darin Gefangenen herausführen kann. Darum sollte Jesus mit uns Menschen leben, im reinen Gehorsam gegen Gott - vom Teufel versucht, von Sünde angefochten, ohne zu erliegen!

Dazu sollte er stellvertretend die Strafe für den Ungehorsam der Menschen leiden, ihren Tod sterben und auf diese Weise und Sündern den Weg zum ewigen Leben bahnen. Das ist der Ratschluss Gottes zur Rettung der Sünder vor der ewigen Verdammnis! Nun sollte der Kampf der Versuchung stattfinden, in dem Jesus den Versucher besiegen sollte. Das hat Jesus nicht für sich getan, sondern für dich und für mich! Wir gehören zum Menschengeschlecht und sind "vom Teufel Besiegte". Darum ist Gott Mensch geworden, damit der Teufel gegen ihn den Kampf aufnimmt! Gott ging für duch und mich in den Kampf, um an unserer Statt den Sieg gegen unseren Bezwinger zu erringen!

Von Gottes Geist wurde Jesus deshalb in die Wüste geführt. Mit Fasten und Beten bereitete sich Jesus in der Wüste auf seinen Heilandsdienst vor. Dort war er einsam. 40 Tage und 40 Nächte hatte er nichts zu sich genommen, "es hungerte ihn".

"Er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt" Phil 2,7. Vielleicht warst du schon sehr einsam, hast Schmerzvolles erlebt und fühltest dich unverstanden. Du hättest am liebsten allen, die dir ihre Anteilnahme bekundeten zugerufen: "Ihr habt ja gar keine Ahnung! Was wisst ihr schon, wie mir zumute ist!" Ja, oft sind nicht einmal unsere liebsten Menschen in der Lage, solche Situationen zu verstehen, in denen wir vor Schmerz nur noch laut schreien könnten. Jesus fühlte wie wir Schmerz, Hunger, Armut, Leid und Tod. Er weiß, wie es uns geht, wenn wir ganz tief unten sind, wenn wir innerlich oder äußerlich Grenzen des Unerträglichen spüren! Ja, im Hebräerbrief heißt es sogar: "Daher mußte er in allem seinen Brüdern gleich werden, damit er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, zu sühnen die Sünden des Volkes. Denn worin er selber gelitten hat und versucht worden ist, kann er helfen denen, die versucht werden" Hebr 2,17.18.

Wir haben einen, der fähig ist wirklich tief mitzuleiden mit unserer Schwachheit, der "versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde" Hebr 4,15. Die letzten drei Worte an diesem Bibelvers sind entscheidend: "...doch ohne Sünde". Wir häufen ständig neue Sünde auf uns, wenn wir in Einsamkeit murren, in Leiden an Gottes Liebe zweifeln, in Mangel seine Fürsorge in Frage stellen. Wir werden vom Teufel unentwegt zum Hadern mit Gott versucht und fühlen sehr wohl, wie sich böse Gedanken in uns zum Widerstand gegen unseren Schöpfer regen. Der Heiland Jesus Christus hat diese Leiden alle freiwillig auf sich genommen und ohne Murren vollendet. Er wollte uns aus der Knechtschaft des Teufels und dem Kreislauf der Sünde befreien, sein sündloses Leben zu unserer Rettung vor Gottes ewigen Richterstuhl legen.

Das hat der dreieinige Gott aus bloßer Liebe zu uns getan, wie geschrieben steht: "Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben,nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben Joh 3,16. Auch du sollst ihn als deinen Heiland erkennen und im Vertrauen zu ihm aufsehen: Für mich war Jesus dort in der Wüste, damit ich an seiner Seite aus der Wüste meines Ungehorsams gegen Gott, aus dem Bannkreis der Sünde ausbrechen kann! Hörst du eben den Bericht von der Versuchung Jesu, so wisse:

2. Für mich ist das alles geschehen!

"Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden" Der Teufel trat zum menschgewordenen Gott: Du bist doch Gottes Sohn; aus welchem Grund musst du dann Mangel leiden? Was hungerst du? Nun beginnt tobt der Kampf! Gott stellt sich seinem Feind, dem Verführer der Menschheit, in unserer Gestalt zum Kampf. Der Teufel wagt es, dem Herrn des Himmels und der Erde entgegenzutreten. Er versucht ihn, weil er ihn als verletzlichen Mensch vor sich sieht, ihn zum Fall, wie es ihm bei unseren ersten Eltern gelang - und so oft auch bei uns.

Das kennen wir, wie er uns Mangel in unserem Leben vor Augen stellt und uns damit zum Murren gegen Gott und zum Zweifel im Gottvertrauen verführen will! Ja, Jesus hatte die Macht, aus Steinen Brot zu machen, zu essen und zu trinken - aber er wollte nicht. Was wäre denn dabei gewesen? Wäre er der Aufforderung gefolgt, so hätte er sich dem Willen des Feindes gebeugt, dann hätte Gott getan, was der Teufel ihm einflüsterte! Doch in seiner Weisheit durchschaute der Herr Christus die List des Satans und antwortete ihm mit einem Bibelwort: "Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das durch den Mund Gottes geht"

Das gesegnete und glückliche Menschenleben hängt nicht allein vom Brot ab. Der Wortwechsel zwischen Teufel und Jesus dreht sich um eine Grundsatzfrage: Sind Wohl und Wehe, Glück und Unglück des Menschen in seinem Leben von materiellen Dingen oder von Gottes Willen und Befehl abhängig? Braucht der Mensch nur Brot, ein Dach über dem Kopf, Gesundheit, Wohlstand, gute Freunde um ein erfülltes Leben zu haben? Jesus bringt dem Satan zum Schweigen. Er hat ihm mit einem Wort des Alten Testamentes (5Mose 8,3) das Maul gestopft. Nur auf diese Weise kannst nun auch du der Verführung zu Misstrauen und Murren gegen Gott begegnen. Flüstert der Satan dir ein, dein Gott würde dich in irdischer Hinsicht nicht gut genug versorgen, dein materielles Wohlergehen sei ihm gleich -und er treibt dich in Sorgen und schlaflose Nächte, dann halte dir das vor Augen: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Das Geld kann dir nicht helfen, wenn Gott es nicht segnet! Du könntest eine Menge haben - und dabei doch totunglücklich und verzweifelt sein. Umgekehrt kann Gott durch wenig große Wunder tun! -wenn du ihm nur vertraust und dich ja vor dem Murren hütest!

Lass dich von diesem Irrtum nicht einfangen: Hauptsache ich bin materiell gut versorgt; dann ist mein Leben abgesichert. Wie oft vergessen wir über den Sorgen des täglichen Lebens den, der allein die Macht hat, durch seinen Befehl und Willen unser irdisches Leben zu erhalten?! Wie oft aber hat Gott der Herr an uns schon bewiesen, dass er sehr wohl unser äußeres Leben trotz manchen Mangels erhalten kann! Es ist ihm ein Kleines, seine Kinder auf wunderbare Weise zu versorgen, wie das Volk Israel 40 Jahre in der Wüste mit Manna oder unseren Heiland 40 Tage und Nächte durch sein bloßes Wort. Darum sollen wir nach dem Vorbild Jesu in solchen Anfechtungen dem Teufel das Wort Gottes entgegensetzen. Doch nicht nur mit der Versuchung zum Kleinglauben gegenüber Gottes Fürsorge erstritt der Herr für uns den Sieg.

"Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt." Auch diese Versuchung ist uns wohlbekannt. Es ist die Versuchung zum falschen Glauben. Jesus ließ es mit sich geschehen, dass der Teufel ihn auf den äußersten Vorsprung des Jerusalemer Tempeldaches stellte. Der Teufel gibt sich fromm, missbraucht aber Gottes Wort! Aber damit nicht genug! Er verstümmelte den Vers aus Ps 91 und ließ den Zusatz "auf allen deinen Wegen" einfach weg. Er meinte: Wenn du Gottes Sohn bist, dann kannst du doch alles wagen; was du auch tust, sein Schutz ist dir gewiss! Seine Allmacht muss dir dienen, probier es doch!

So versucht der Teufel auch uns. Er erinnert uns an die Gnadenzusage Gottes, an seine Allmacht, an sein Versprechen, uns zu behüten. Er verschweigt uns das rechte Verständnis dieser Zusagen "auf allen deinen Wegen". Es ist Tatsache: Gott will uns behüten, bewahren und uns seine göttliche Kraft genießen lassen in allen Nöten, die uns treffen, wenn wir unsere Wege in seiner Nachfolge gehen. Doch wir haben nicht das Recht, durch waghalsige Vorhaben, Gott auf die Probe zu stellen, ihn sozusagen zu wunderbarer Hilfe zu zwingen. Darum antwortet Jesus: "Wiederum steht auch geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen".

Nachdem der Teufel zwei Angriffe vergeblich geführt hat, greift er unseren Stellvertreter zum dritten Mal an: "Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche dieser Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest". In einem Augenblick stellt er dem Herrn alle Reiche dieser Welt, ihre Ehre, Pracht, Schönheit, ihren Reichtum, Lust und Freude vor Augen. Nach dem Bericht des Evangelisten Lukas (4,6.7) sprach der Verführer noch: "Alle diese Macht will ich dir geben und ihre Herrlichkeit; denn sie ist mir übergeben, und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du mich anbetest, so soll sie ganz dein sein". Er verschweigt, dass Gott, der Stärkere ist und dass Gott ihn als "Fürsten der Welt" eine Zeitlang duldet. Doch mit dem Ansinnen, der menschgewordene Gott solle ihn anbeten, sich ihm unterwerfen, reißt sich der Teufel vollends die fromme Maske vom Gesicht. Was wollte der Teufel? Er wollte die Ehre, die allein Gott zusteht für sich. Er beanspruchte die Macht Gottes und bot zum Tausch vergängliche Ehre, irdische Freude und Herrlichkeit! Jesus gab ihm die einzig richtige Antwort: "Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott und ihm allein dienen!"

Auch unsere Herzen versucht der Teufel mit irdischem Besitz, Ruhm, vergängliche Ehre und dergleichen von Gott wegzuziehen. Nicht dass uns Freude an Besitz oder Ansehen verboten wäre; doch alles dafür hingeben, Gott die ihm zustehende Anbetung aufsagen, sein Herz an diese Dinge hängen und die Herrlichkeiten dieser Welt an Gottes Stelle setzen - das heißt: den Teufel anbeten.

"Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm" Für uns ist der Herr Christus freiwillig in diesen Kampf gegangen. Für uns hat er dort in der Wüste und schließlich am Kreuz den Sieg errungen. An seinem Sieg dürfen wir uns trösten! Aus seiner Kraft dürfen wir täglich schöpfen! Darum kämpfe mit den Waffen des Wortes Gottes gegen den unterlegenen Feind, bis du durch den Glauben an deinen Heiland endlich das schauen wirst, was er dir als dein Stellvertreter erkämpft und mit seinem teuren Blut erkauft hat!

Wir beten: Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben; in deinen Fesseln ist die Freiheit uns gegeben. Dein Kreuz ist unser Trost, die Wunden unser Heil, dein Blut das Lösegeld, der armen Sünder Teil. AMEN. 


Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an den Verfasser