Predigt am Neujahrstag
Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN gehet auf über dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel, die Völker; aber über dir gehet auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheinet über dir. (Jes. 60,1.2)
Im Namen Jesu, herzlich geliebte Gemeinde!
Das Jesuskindlein wurde acht Tage nach seiner Geburt beschnitten; so hatte Gott es durch Mose geboten. Bei der Beschneidung erhielt das Kind den Namen JESUS, d.h. Helfer, Heiland oder Seligmacher - wie es Gott durch den Engel Gabriel dem Joseph gesagt hatte. Gerade heute, wo wir das Fest der Beschneidung und Namensgebung Jesu feiern, liegt auch ein neues Jahr vor uns wie ein noch unbeschriebenes Blatt. Einem jeden von uns hat der HERR Christus in der Taufe zugerufen: "Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöset; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!" und versichert: "Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, daß dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen" (Jes. 43,1f.). Darum dürfen wir uns getrost seinem mächtigen Schutz anvertrauen und in Zuversicht das neue Jahr beginnen, denn Gottes Wort erleuchtet das ungewisse Dunkel: "Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege" (Ps. 119,105).
Aber unser HERR Christus scheint uns als die Sonne der Gnade und Liebe, so dass wir getrost sein können
1. über allem, was hinter
uns liegt
2. über allem, was uns heute anvertraut ist und
3. über allem, was uns weiterhin begegnen wird.
Überblicken Kinder Gottes das zurückliegende Jahr oder auch ihr ganzes bisheriges Leben, dann sehen sie es mit anderen Augen als Kinder der Welt. Es gibt vieles, womit sie Gott ihren HERRn betrübt haben und so viel Sünden, die sie gern ungeschehen machen wollten. Unser Predigttext lässt uns bei einem solchen Jahresrückblick aufatmen:
1. Unser HERR Christus scheint uns als die Sonne der Gnade und Liebe, so dass wir getrost sein können - auch über allem, was hinter uns liegt
"Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir." (Jes. 60,2).
Eine große Dunkelheit erstreckt sich seit dem Sündenfall über unsere Welt und schließt alle Völker, d.h. jeden einzelnen Menschen ein. Es ist eine Dunkelheit, die mit keinem irdischen Licht -und sei es noch so hell- vertrieben werden kann: Es ist die Finsternis der Sünde, die sich über uns Menschen ausgebreitet hat, weil Sünde von Gott trennt und der angeborene Widerwille gegen unseren Schöpfer und von seinem Licht scheidet. Der Sohn Adams, der Brudermörder Kain, fasste diese schreckliche Dunkelheit, die auch sein armes Herz völlig durchdrungen hatte, in die Worte: "Meine Sünde ist größer, als dass sie mir vergeben werden könnte" (1.Mose 4,13). Auch die Zukunft lag in Finsternis vor ihm aus, denn sein böses Gewissen ließ ihn unstet und flüchtig werden. Seit dieser Zeit hat sich die Dunkelheit auf alle Menschen vererbt.
Es gab nie wieder eine Zeit, in der es nicht dunkel in der Vergangenheit und Gegenwart eines jeden Menschen war, der deswegen auch immer sorgenvoll in die Zukunft schaute. Das allgemeine Verderben durch die Sünde und vor allem ihre Folgen sind weit schrecklicher, als die meisten Menschen es annehmen. Schon ein Blick auf Vergangenheit und Gegenwart unserer Welt zeigt uns diese Wahrheit, die Gottes Wort in knappen Worten so beschreibt: "Wie sie es für nichts geachtet haben, Gott zu erkennen, hat sie Gott dahingegeben in verkehrten Sinn, so daß sie tun, was nicht recht ist, voll von aller Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier, Bosheit, voll Neid, Mord, Hader, List, Niedertracht; Zuträger, Verleumder, Gottesverächter, Frevler, hochmütig, prahlerisch, erfinderisch im Bösen, den Eltern ungehorsam, unvernünftig, treulos, lieblos, unbarmherzig" (Röm 1,28-31).
Aber Gottes Wort spricht auch von der Zukunft, von der Ewigkeit: "So werden auch der Himmel, der jetzt ist, und die Erde durch dasselbe Wort aufgespart für das Feuer, bewahrt für den Tag des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen" (2.Petr 3,7). Unser Text fasst es in die Worte: "Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker"
Und wir Christen leben mittendrin! Gibt es nicht auch in unserem Leben, das doch licht und hell sein sollte, viele dunkle Stellen? Liegen hinter uns nicht auch Gedanken, Worte oder sogar Taten von "Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Hass, Mord, Saufen, Fressen" (Gal. 5,19.20)? Ja, auch aus unseren Herzen sind sehr böse Gedanken aufgestiegen, Gedanken, die den Bruder oder die Schwester in Christus verachteten, Gedanken der Unzufriedenheit und des Murrens gegen Gott, Gedanken des Zweifels an Gottes Wort, des Kleinglaubens und Misstrauens. Wie oft wollten wir so gerne eine ganz bestimmte Schuld auslöschen, ganz bestimmte Worte einfach zurückholen, manche Gedanken nie gedacht haben!
Ja, die Sünden sind die erste Sorge eines Christen am ersten Tag des neuen Jahres! Mitten hinein in dieses Sorgen klingt Gottes Ruf: "Mache dich auf, werde licht!" Wie ein gleißender Lichtstrahl eines wunderbaren Morgens nach langen trüben Tagen dringt dieses Wort in unser Leben: "Mache dich auf, werde licht! denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRn geht auf über dir... über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir." Das ist der Prophetenruf, der auf die Menschwerdung Gottes weist. Sieben Jahrhunderte vor Christi Geburt wurden sie vom Gottesboten Jesaja verkündigt. Und wie der HERR Christus einst als unser Heiland in diese verlorene Welt getreten ist, so kommt er auch noch heute in seinem heiligen Wort zu uns. Er lässt es hell werden bei einem jeden, der seinem Wort glaubt; den ruft er zu sich und spricht: "Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wir das Licht des Lebens haben." (Joh. 8,12). Sein heiliges teures Blut, ist das Opfer zur Versöhnung aller deiner Sündenschuld - auch eines jeden Tages des vergangenen Jahres!
Darin besteht der Trost, dass wir Sünder Ruhe finden in IHM. Gott legt uns die Worte in den Mund: "Nun wir denn sind gerecht worden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern HERRN Jesus Christum" (Röm. 5,1) und tröstet uns: "So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist" (Röm. 8,1). Am Morgen des ersten Tages im neuen Jahr bekennen wir: "Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege" (Ps. 119,105).
2. Unser HERR Christus scheint uns als die Sonne der Gnade und Liebe, so dass wir getrost sein können auch über allem, was uns heute anvertraut ist und
Im Glauben an Christus hat Gott an uns bereits erfüllt, was er in alter Zeit zugesagt hat: "Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleische wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben; ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun." (Hes. 36,26.27).
Das betrifft das "Heute", unsere Gegenwart. Christus spricht ja: "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende" (Matth. 28,20). Er ist bei uns, beschützt und umsorgt uns und macht unsere Herzen froh: "Ich bin gekommen in die Welt als ein Licht, auf dass, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe." (Joh. 12,46). Allein mit ihm und damit, dass er uns beisteht, könne wir getrost in unseren Alltag treten: Nun "wandelt wie die Kinder des Lichts, die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit, und prüfet, was da sei wohlgefällig dem HERRN." (Eph. 5,9.10).
Denn Gottes Wort mahnt uns zum Krieg in unserem Alltag: "So lasset uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichtes." (Röm.13,12). Denn unser Feind, der Satan will aus uns wieder Kinder der Finsternis machen! Darum "verstellt er sich in einen Engel des Lichtes." (2.Kor. 11,14). Aus diesem Grund mahnt Gott: "und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, deckt sie vielmehr auf" (Eph. 5,11), denn "ihr seid allzumal Kinder des Lichtes und Kinder des Tages; wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis." (1.Thess. 5,5). Unser HERR weiß, was für ein harter Kampf sich täglich in uns abspielt, wie hart oft unsere Gegenwart ist und wie stark Anfechtungen sind! Er gibt er uns die Waffen des: "Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösewichtes; und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes." (Eph. 6,16.17).
"Glaubet an das Licht, dieweil ihr es habt, auf daß ihr des Lichtes Kinder seid." (Joh. 12,36). Uns in diesem Glauben zu erhalten, hat er uns sein Wort gegeben: "...ein Licht, das da scheint in einem dunklen Ort..." (2.Petr. 1,19). "Mache dich auf, werde licht! denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir." (Jes. 60,1).Weil dein HERR Jesus Mensch geworden ist, ja, weil er sein Gnadenlicht, seine Vergebung seine Stärke und Hilfe über dir aufgehen lässt, wird es hell und licht über allem, was hinter dir liegt, denn er ist der Trost über deiner Vergangenheit. Es wir auch licht in dir und in all dem, was dir heute anvertraut ist, denn er ist der Kraftquell deiner Gegenwart und...
3. Unser HERR Christus scheint uns als die Sonne der Gnade und Liebe, so dass wir getrost sein können über allem, was uns weiterhin begegnen wird.
Christus spricht: "Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wir das Licht des Lebens haben" (Joh. 8,12). Wir wissen nichts und können unser Leben nicht selbst in die Hand nehmen - noch viel weniger den Tod! -Wir wissen auch nicht, ob die Sonne des Jahres 2002 unseren Grabeshügel bescheinen wird. An der Hand dessen, der bei seiner Beschneidung nach Gottes Willen den Namen JESUS, HELFER und HEILAND erhalten hat, können wir festen Schrittes unseren weiteren Weg gehen. Wir werden ohne zu zagen unseren Fuß in diese Woche, in dieses Jahr setzen, obwohl wir wissen, dass noch manches finstere Tal kommen kann. Mag es kommen! "Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes gehen." (Apg. 14,22). Aber wir wandern einem ganz herrlichen Ziel zu: der himmlischen Heimat!
Darum lass dich von Sorgen nicht überwinden! Überwinde du sie in der Kraft des Lichtes und "befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn; er wird's wohl machen." (Ps. 37,5). Und wenn Trübsale und Ängste uns zu ersticken drohen, dann steht unser HELFER bei uns, denn er hat versprochen: "Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem ergötzt werden." (Jes. 66,13). Er stärkt uns in unserem Jerusalem, in unserem Zion - dort, wo wir sein heiliges seligmachendes Wort hören.
Darum: "Mache dich auf, werde licht! denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir." (Jes. 60,1.2). Amen.
Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an den Verfasser