Predigt am Sonntag Lätare
Zu der Zeit, da viel Volks da war und hatten nichts zu essen, rief Jesus seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert des Volks; denn sie haben nun drei Tage bei mir beharret und haben nichts zu essen; und wenn ich sie ungegessen von mir heim ließe gehen, würden sie auf dem Wege verschmachten. Denn etliche waren von ferne kommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hie in der Wüste, daß wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wieviel habt ihr Brots? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, daß sie sich auf die Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brote und dankete und brach sie und gab sie seinen Jüngern, daß sie dieselbigen vorlegten; und sie legten dem Volk vor. Und hatten ein wenig Fischlein; und er dankte und hieß dieselbigen auch vortragen. Sie aßen aber und wurden satt und huben die übrigen Brocken auf, sieben Körbe. Und ihrer war bei viertausend, die da gegessen hatten; und er ließ sie von sich. (Mark. 8,1-9)
Was sind wir Christen doch für glückliche Leute! Wir haben Trost in allen geistlichen Nöten. Wir haben einen Heiland, der uns beisteht und uns hilft in aller Not der Sünde, in den Anfechtungen des Teufels, der Welt und unseres eigenen Fleisches. Er steht uns bei in der dunklen Nacht des Todes und schenkt uns aus lauter Gnade das ewige Leben. Aber noch mehr: Wir Christen können auch in den Tagen irdischer Not und Trübsal ganz getrost sein, denn auch da erweist sich Jesus als der rechte Helfer. Dies, liebe Mitchristen, zeigt uns das heutige Evangelium.
Wir Christen dürfen getrost sein in aller Not!
1. denn unser HERR segnet das Brot, so daß es wider Erwarten tausende satt macht
2. und unser HERR segnet sein Wort, so daß es wider Erwarten die Kraft hat, alle Menschen selig zu machen.
Wir Christen dürfen ganz getrost sein, denn seht:
1. Unser HERR segnet das Brot, so daß es wieder Erwarten tausende satt macht.
Der erste Vers unseres heutigen Abschnittes beginnt mit den Worten: "Zu der Zeit, da viel Volks da war und hatten nichts zu essen..."
Wo war denn diese große Menschenmenge versammelt? Das erfahren wir aus den Worten der Jünger: "Woher nehmen wir Brot hier in der Wüste...?"
In die Einöde waren sie gegangen. Aber aus welchem Grund? Sie waren gekommen, weil sie Vertrauen zu Jesus gewonnen hatten, weil sie sein Wort hören wollten und um Heilung für ihre Kranken baten. Denn der Evangelist Matthäus berichtet vom selben Ereignis: "Und es kam zu ihm viel Volks, die hatten mit sich Lahme, Blinde, Stumme, Krüppel und viele andere und warfen sie Jesus vor die Füße; und er heilte sie, daß sich das Volk verwunderte, da sie sahen, daß die Stummen redeten, die Krüppel gesund waren, die Lahmen gingen, die Blinden sahen, und preisten den Gott Israels." (Matth. 15,30.31).
Jesus sah ihren Glauben, wie er ja jedem Menschen ins Herz sehen kann -auch dir und mir- und bestärkte ihr Vertrauen zu ihm. Er tat an ihnen die Zeichen, die von den Propheten geweissagt waren, daß der verheißene Heiland daran zu erkennen wäre. Denn so steht von der Ankunft des Messias geschrieben beim Propheten Jesaja: "Alsdann werden der Blinden Augen aufgetan werden, und der tauben Ohren werden geöffnet werden. Alsdann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch, und der Stummen Zunge wird Lob sagen..." (Jes. 35,5.6a).
Zu diesen Zeichen, an denen die Menschen ihren Heiland sicher erkennen solten, gehört auch das Wunder der Speisung so vieler Menschen durch so wenig Nahrung, denn es ist ein Zeichen der göttlichen Allmacht. Aber das ist nicht alles, was Gott uns hier durch sein Wort ins Herz predigen will. Er stellt uns vielmehr unseren Heiland vor Augen als den rechten Helfer in aller Not - eben auch in irdischer Not. Das Volk damals war in leibliche Not gekommen, weil es dem HERRn Christus nachgefolgt war.
Auch heute geschieht es, daß Christen in irdische Not kommen, weil sie im Glauben ihrem Heiland folgen. Vielleicht verliert ein Christ seinen Arbeitsplatz, weil er in Betrug nicht einwilligt oder weil er Gottes Wort bekennt. Oder ein junger Christ gerät in äußere Trübsal, weil er vor seinen Mitschülern und Lehreren seinen Glauben treu bekennt, sich von glaubensmengerischen, ökumenischen Gottesdiensten fernhält oder nicht mit den anderen säuft und hurt. Auch Spott kann beißen wie großer Hunger! Aus dem Bericht des Evangelisten nun erkennen wir, daß solch irdische Not uns nur in dem Maße trifft, wie es unser HERR und Gott zuläßt. Wir dürfen getrost sein: Jesus war es, der damals dort in der Wüste solche Not an dem Volk zuließ; und auch unsere Nöte müssen erstan Gottes Vaterherz vorbei.
"Kauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig? Noch fällt derselbigen keiner auf die Erde ohne euren Vater. Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählet. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser denn viele Sperlinge." (Matth. 10,29ff.).
Wie oft -und auch hier- lesen wir, wie Jesus spricht: "Mich jammert des Volks..." Sein Heilandsherz brennt in Liebe und Güte zu seinen Kindern! Hat er nicht auch schon an uns sein Wort reich erfüllt: "Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr dessen bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen." (Matth. 6,32ff.)
Der HERR meint nicht, daß wir die Hände faul in den Schoß legen sollen und denken: Er wird schon ein Wunder tun. So dachten manche und wollten ihn zum Brotkönig machen, aber Jesus ging weg und verbarg sich vor ihnen. Nein, denn "So jemand nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen." (2.Thess. 3,10). Schaffen und Vorsorge treffen, ist unsere Aufgabe. Haushalten und versorgen, das will unser himmlischer Vater. Er segnet die Arbeit, er segnet das Brot - und sei es nur wenig; und wüßten wir auch nicht, wie es morgen und übermorgen weitergehen soll. Anders aber: "Du wirst viel Samen auf das Feld säen, aber wenig einsammeln; denn die Heuschrecken werden's abfressen." (5.Mose 28,38). So drohte Gott Israel, ihn in ihren Herzen verlassen würden und wenn sie ihm nicht gehorchen wollten.
Es ist alles am Segen Gottes gelegen. Folgen wir ihm nach, wohin auch immer er uns führt: Er wird uns versorgen und ernähren - und wenn es durch Raben sein müßte wie beim Propheten Elia. Ja, Gott läßt Not zu, denn er will sich uns als der treusorgende Vater erweisen und läßt uns seine Herrlichkeit sehen. So war es auch damals. Als Jesus Jesus zu den Jüngern sprach: "Mich jammert des Volks, denn sie haben nun drei Tage bei mir beharret und haben nichts zu essen; und wenn ich sie ungegessen von mir heim ließe gehen, würden sie auf dem Wege verschmachten. Denn etliche waren von ferne gekommen."
Die Jünger wußten keinen Rat: "Woher nehmen wir Brot hier in der Wüste, daß wir sie sättigen?"
So fragen wir uns gerade in Zeiten irdischer Not oder Trübsal auch: Wie soll das weitergehen? Woher sollen wir etwas nehmen? Wer wird uns versorgen?
"Woher nehmen wir Brot hier in der Wüste, daß wir sie sättigen?"
"Wir" nicht. Wir Menschen meinen oft, wir könnten uns versorgen oder wir könnten unsere Zukunft bestimmen, daß wir nicht in Not geraten oder sonst irdischen Schaden nehmen. Doch es ist Gott der HERR, in dessen Hand wir stehen. Demütig wollen wir uns vor ihm beugen und aus gläubigem Herzen sprechen: "Wo der HERR nicht das Haus bauet, so arbeiten umsonst, die dran bauen. Wo der HERR nicht die Stadt behütet, so wachet der Wächter umsonst." (Ps. 127,1).
Gott kann sehr wohl allen Hochmut niederschlagen und Reichtum in Armut verkehren, wenn es ihm gut dünkt. Darum warnt Gottes Wort vor sündigem Sorgen, vor Geiz und Habgier und spricht, es sei Götzendienst (Eph. 5,5). Der Mensch soll nicht meinen, er sitze im Regiment und hätte Macht, sich zu versorgen, sich zu schützen; eine Weile läßt Gott den Hochmütigen gewähren: "Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und stolzer Mut kommt vor dem Fall." (Spr. 16,18). Der HERR, unter dessen Gnade wir stehen, spricht auch zu uns: "Der Wandel sei ohne Geiz; und lasset euch begnügen an dem, was da ist. Denn er hat gesagt: Ich will dich nicht verlassen noch versäumen." (Hebr. 13,5).
Dieser HERR der doch alles geschaffen hat, dem alles gehört, unser allmächtiger Gott und Vater in Jesus Christus, kann und will zur rechten Zeit alle Not und Trübsal wenden: "Und er fragte sie: Wieviel habt ihr Brots? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, daß sie sich auf die Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brote und dankte und brach sie und gab sie seinen Jüngern, daß sie dieselbigen vorlegten; und sie legten dem Volk vor. Und hatten ein wenig Fischlein; und er dankte und hieß dieselbigen auch vortragen. Sie aßen aber und wurden satt und huben die übrigen Brocken auf, sieben Körbe. Und ihrer war bei viertausend, die da gegessen hatten; und er ließ sie von sich."
Auch hierher gehört das Wort, das einst Jonathan sprach: "Es ist dem HERRn nicht schwer durch viel oder wenig zu helfen." (1.Sam. 14,6).
Er hat Elia versorgt und ihn auch mit der Witwe und ihrem Sohn zu Zarpath nicht umkommen lassen.
So wird er auch uns versorgen und uns aus allerlei irdischer Not helfen, wenn die Zeit dazu erfüllt ist - nach seinem Rat und Willen.
Wir Christen dürfen getrost sein in aller Not, denn unser HERR segnet das Brot, so daß es wider Erwarten tausende satt macht.
2. Unser HERR segnet sein Wort, so daß es wider Erwarten die Kraft hat, alle Menschen selig zu machen.
Das Wort Gottes erscheint unserem menschlichen Verstand so unscheinbar und so kraftlos. Aber wie mit dem wenigen Brot so ist es auch mit dem Wort Gottes. Wer nicht schon vorher von Jesus weggeht, dem hilft er an Leib und Seele! Seht, die Menschen waren in die Einöde gekommen.
Es gibt aber eine noch viel grausamere Wüste: die Einöde der Gottesferne, die Wüste des Unglaubens und Götzendienstes. Jesu Speisungswunder ist wie ein Fingerzeig auf ihn, den Heiland der Sünder. So steht nämlich auch beim Propheten Jesaja von dieser geistlichen Wüste geschrieben: "Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser; und die ihr nicht Geld habt, kommt her, kaufet und esset; kommt her und kaufet ohne Geld und umsonst beides, Wein und Milch! Warum zählt ihr Geld dar, da kein Brot ist, und eure Arbeit, da ihr nicht satt von werden könnet? Höret mir doch zu und esset das Gute, so wird eure Seele in Wollust fett werden." (Jes. 55,1ff). So spricht der kommende Messias durch den Propheten.
Der gekommene Messias hat diese seine Zusagen erfüllt und spricht: "Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel [ge]kommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt." (Joh. 6,51). Und so hat der Heiland sich selbst geopfert für unsere Sünden, "nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt." (1.Joh. 2,2). Durch den Glauben an ihn empfangen wir Anteil an seinem Opfer und werden reingewaschen durch sein Blut von allen Sünden (1.Joh. 1,7). Es ist ein unscheinbares Wort, zu ärmlich für unsere Vernunft - und doch macht es reich, macht selig, schließt den Himmel auf und trägt durch die dunkle Nacht des Todes in die ewige Herrlichkeit unseres himmlischen Vaters!
So sollen wir unseren von Sünde verödeten Verstand unter Gottes Wort zwingen und sprechen: "Es ist dem HERRn nicht schwer durch viel oder wenig zu helfen." (1.Sam. 14,6). Denn unser Heiland hat alle göttliche Kraft. Er ruft dir zu: "Wer den Sohn siehet und glaubt an ihn, hat das ewige Leben; und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage." (Joh. 6,40). Dazu hilf uns, HERR Christus, durch dein bitteres Leiden und Sterben. Amen.
Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an den Verfasser