Predigt am Sonntag Reminiszere (2. Sonntag in der Passionszeit)

Und sie gingen gen Kapernaum; und bald an den Sabbaten ging er in die Schule und lehrete. Und sie entsetzten sich über seine Lehre; denn er lehrete gewaltiglich und nicht wie die Schriftgelehrten. Und es war in ihrer Schule ein Mensch, besessen mit einem unsaubern Geist, der schrie und sprach: Halt, was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus von Nazareth? Du bist kommen, uns zu verderben. Ich weiß, wer du bist, der Heilige Gottes.

Und Jesus bedräuete ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm! Und der unsaubere Geist riß ihn und schrie laut und fuhr aus von ihm. Und sie entsetzten sich alle, also daß sie untereinander sich befragten und sprachen: Was ist das? Was ist das für eine neue Lehre? Er gebeut mit Gewalt den unsaubern Geistern, und sie gehorchen ihm. Markus 1,21-27


In einem unserer Lieder singen wir: Wer sich mit Christus [dem] verbindet, den Satan flieht und haßt, der wird verfolgt und findet ein hohe schwere Last zu leiden und zu tragen, gerät in Hohn und Spott; das Kreuz und alle Plagen die sind sein täglich Brot. (LKG 237,11).

Auf den ersten Blick klingt das sehr pessimistisch - und dennoch kann ein Christ ein Lied davon singen.

Wenn ein Mensch sich aus der Gewalt des Teufels erlösen läßt, durch den Glauben zu Christus gehört und ihm täglich nachfolgt, dann weiß er, was "Anfechtungen" sind. Der Satan wehrt sich mit allen Mitteln gegen seinen Bezwinger.

"Was willst du von uns, Jesus von Nazareth? Du bist gekommen, uns zu vernichten. Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes!" (Mk 1,24) - so schreit der Satan den Herrn Christus an. So lesen wir ja auch im Jakobusbrief: "Du glaubst, daß nur einer Gott ist? Du tust recht daran; die Teufel glauben's auch und zittern." (Jak 2,19). Ja, der Teufel zittert vor unserem Herrn Christus, denn: "Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre." (1.Joh 3,8).

Gott der HERR hat "Gnade vor Recht ergehen lassen", seinen Sohn gesandt, "daß er die Werke des Teufels zerstöre"! Sonst gäbe es für keinen Menschen die geringste Hoffnung, aus der Gewalt des Satans freizukommen. Denn seit dem Tag, als es dem Teufel gelungen war, Eva zum Abfallen von Gott zu bewegen, hat er nicht mehr abgelassen, sein Verführungswerk fortzusetzen. Es ist ihm gelungen, sich in der Welt festzusetzen - wie sich ein Eroberer eines fremden Landes bemächtigt und seine Herrschaft aufrichtet. Ein zahlloses Heer böser Geister steht in seinem Dienst, verführt die Menschen auf dem gesamten Erdkreis zur Sünde, daß sie Gott nicht glauben und dem Willen des Bösen gehorchen. So stürzen sie sich selbst ins Verderben, geraten unter Gottes Zorn und Gericht und der Teufel freut sich darauf, sie nach ihrem Tod endgültig mit sich in die ewige Verdammnis reißen zu können.

Unter allen Geschöpfen ist niemand, der ihnen helfen kann. So lehrt die Schrift von der Gewalt Satans. Ist das nicht eine schreckliche Tatsache?! Je eingehender wir das bedenken, um so wunderbarer leuchtet das Evangelium in diese grausame Finsternis: "Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre!" (1.Joh 3,8).

Heute erfahren wir, wie Jesus Menschen für sich gewinnt, den Teufel und sein Reich angreift und den Sieg erringt. Wir hören:

1) Die Waffen Jesu

2) die Gegenwehr des Teufels

3) der Sieg Jesu.

 

(1) Richten wir unseren Blick zunächst auf die Waffen Jesu

"Und sie gingen hinein nach Kapernaum; und alsbald am Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte." Jesus hatte sein Wirken in Galiläa begonnen. In Kapernaum ließ er sich nieder und -wie es seine Gewohnheit war- ging er am Sabbat in die Synagoge und lehrte. Er war ja der große Prophet, von dem Mose weissagt: "Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, erwecken aus dir und aus deinen Brüdern; dem sollt ihr gehorchen." (5.Mose 18,15).

Was aber berichtet der Evangelist Markus: "Und sie entsetzten sich über seine Lehre; denn er lehrte gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten." Die Predigt der Schriftgelehrten war eine trockene Erörterung des Gesetzes, voller Menschensatzungen. Sie rief nicht zurück zum Herrn, war Hoffnung, ohne Trost für gequälte Gewissen. Das war keine Nahrung für die Seelen! Bei einer solchen Lehre konnte man in Sünden sicher dahinleben; lediglich äußerliche Frömmigkeit wurde gefordert. Unter der Leitung der Schriftgelehrten waren die Menschen in Israel, wie Jesus einmal sagte, "wie Schafe, die keinen Hirten haben" (Matth 9,36).

Völlig anders war Jesu Predigt. Da spürten die Menschen nicht mit ihrem Gefühl, sondern der Heilige Geist wirkte mächtig an ihren Herzen. Darum erkannten sie: Jesus hat "Worte des ewigen Lebens", er hat unsere Seligkeit zum Ziel; er meint es gut mit uns! Er spricht in heiligem Eifer um unsere Seelen!

Was aber hat unser HERR Christus gepredigt? Wir wissen, was er kurz vorher in Judäa verkündigte: "Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!" (Mk 1,15).

"Die Zeit ist erfüllt!" - es ist soweit! Der verheißene Retter ist erschienen! ICH BIN ES! "Tut Buße!" - erkennt eure Sünden, kehrt um! Seht: Euer Weg führt euch in die Verdammnis! "Glaubt an das Evangelium!" - verlaßt euren Weg! Glaubt es: Der Vater hat mich gesandt, daß ihr mir glaubt, mir vertraut, mir folgt! Es ist der Wille des Vaters: Wer an mich glaubt, soll nicht verlorengehen, sondern selig werden! So etwa sprach der HERR zum Volk. Das war gewaltig, davon wurden die Herzen und Gewissen ergriffen und zur Umkehr getrieben. Mit eindringlichen Worten warb Jesus um sie - so wie er immer wieder auch um dich und mich wirbt! Sein Herz brennt von der Sehnsucht, daß alle erkennen mögen: Er ist der Heiland und kann vor dem Fluch bewahren. Er bietet Hilfe, neues Leben und die ewige Seligkeit an - allen, die ihm glauben und ihre Zuversicht auf ihn setzen!

ALLEIN durch den Glauben kann auch heute jeder von der Finsternis zum Licht, aus der Gewalt des Bösen in die herrliche Freiheit der Kinder Gottes gelangen! Ist das nicht ein mächtiger Angriff auf das Reich des Teufels?

Womit aber greift Christus das Reich des Teufels an? Mit dem bloßen Wort Gopttes. So haben wir es auch im heutigen Evangelium gehört: Unentwegt hielt Jesus dem Feind Gottes Wort vor; da mußte er kleinbeigeben Das Wort aus seinem Mund, das niedergeschriebene Wort seiner Apostel ist so mächtig, weil es das Wort des lebendigen Gottes ist! Darum kann jeder Christ in der Kraft des starken Herrn den Kampf gegen die Herrschaft des widergöttlichen Tyrannen aufnehmen - und siegen! Gottes Wort beweist auch heute seine Kraft. Es zeigt, wie schrecklich es ist, in Sünden zu leben, den Begierden des Fleisches zu folgen, Gottes Wort zu verfälschen, zu mißbrauchen - und dann immer noch zu meinen, das könne doch keinem schaden!

Wer wollte diesen ernsten Bußruf überhören? Wer wollte sich weiter Sünde aufladen und den Zorn Gottes auf sich häufen auf den Tag des Zorns? Wer sollte sich selbst um die ewige Seligkeit bringen wollen? Nein! Jesus Christus ist gekommen, "daß er die Werke des Teufels zerstöre!" Was für ein Mut strömt aus dieser Quelle in unsere Herzen: Unser HERR hat schon den Bösen besiegt! Der Satan ist ein überwundener Feind, der nur noch mit gebrochener Kraft seine Herrschaft verteidigt!

JESUS ist der Stärkere; wenn Du zu ihm gehörst, wirst auch Du zum Sieg gelangen! Dein HERR überwand ihn in der Wüste und ging aus allen Versuchungen als Sieger hervor! Er überwand ihn am Ölberg, als er allen Anfechtungen zum Trotz seinen Willen in den Willen des Vaters fügte! Und er hat ihn überwunden am Stamm des Kreuzes, als er mit seinem heiligen, teuren Blut die Schuld der Sünder bezahlte und dem Satan das Recht an den Menschen nahm.

Überall, wo dieser Sieger, der Sohn Gottes, unser Heiland verkündigt wird, wird das Reich des Teufels zerstört. Da wird Menschen gepredigt: Ihr braucht ihm nicht zu gehorchen; ihr dürft euch dem Retter anschließen - dann seid ihr endgültig frei! Darum: Wendet euch zu ihm! Bekennt eure Sünden! Er wird sich auch über euch erbarmen! Denkt daran, wie er das Flehen der Maria Magdalena (Mk.16,9) erhört und sieben böse Geister aus ihr trieb.... und sich über Zachäus (Luk.19,1-10) erbarmt hat, den der Teufel durch den Götzen "Habgier" so fest an sich gebunden hatte! -- So predigen alle Boten Jesu in der ganzen Welt.

Was für ein ständiger Angriff ist das auf das Reich des Teufels! Da werden gebundene Menschen aus seinen Klauen gerissen, indem sie dem Ruf zur Buße folgen und sich im Glauben an Jesus klammern. Der Teufel mit seinem ganzen Heer ist nicht mächtig genug, sie in seiner Gewalt zu halten! Denn sie sind nicht mehr "Kinder des Verderbens", sondern Kinder Gottes: "Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?" rufen sie und danken ihm für ihre Erlösung von Herzen. Der allmächtige Vater aber versichert ihnen: "Ihr seid... das Volk des Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die Tugenden des, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht." (1.Petr 2,9).

Der Satan ruht nicht, er wehrt sich. Auch in unserem heutigen Text hören wir von der...

2) Gegenwehr des Teufels

"Und alsbald war in der Synagoge ein Mensch, besessen von einem unreinen Geist; der schrie: Was willst du von uns, Jesus von Nazareth? Du bist gekommen, uns zu vernichten. Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes!"

Als der HERR in der Synagoge so gewaltig predigt und es schon den Anschein hatte, er werde seine Absicht erreichen, da hörte man plötzlich einen furchtbaren Schrei. Ein Mensch fiel, dem Herrn ins Wort, unterbrach ihn und rief: "Halt! Was willst du von uns, Jesus von Nazareth?" Schweige! Laß uns in Ruhe! "Du bist gekommen, uns zu vernichten. Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes!"

Woher kam dieses Geschrei? Ein Besessener war da, den der Teufel antrieb, daß er Jesus so anschreien mußte. Es fällt auf, daß es z.Z. Jesu in Israel so viele Besessene gab - kein Wunder, denn hier sollte der Messias erscheinen! Viele machte der böse Geist, der sich ihrer bemächtigt hatte, rasend; anderen band er Ohren, Zunge oder mißbrauchte andere Glieder des Leibes für seine Zwecke oder trieb sie zu Lästerungen. Es ist falsch, diese Erscheinungen aus natürlichen Ursachen zu erklären. Es ist falsch, zu behaupten, dies alles wären Nervenkranke, Geistesgestörte oder Epileptiker gewesen, deren Krankheit man den bösen Geistern zuschrieb. Die Heilige Schrift macht immer einen Unterschied zwischen gewöhnlichen Krankheiten und dämonischer Besessenheit. Wie sollten Geistesgestörte gerade das gewußt haben, was sonst den Menschen verborgen war: daß Jesus "der Heilige Gottes" ist und das Reich Satans "vernichten" will?!

Der Teufel weiß das sehr wohl! Der Mensch in unserem Text war von ihm besessen. Ein großer Irrtum wäre es, wollte man sagen, es gebe heute keine Besessenen mehr. Auch heute gibt es Menschen, die -sobald nur von Jesus die Rede ist- der Teufel dazu zwingt, in Flüche, Lästerung oder unzüchtige Reden auszubrechen. Darum hat der HERR seinen Christen auch (Mk.16,17) die Macht gegeben, durch sein Wort und Gebet Teufel auszutreiben. Dies geschieht nicht durch seltsame Handlungen, sondern überall und ständig dort, wo Gottes Wort verkündigt wird und die Sakramente, die heilige Taufe und das heilige Abendmahl nach Gottes Willen verwaltet werden.

Denn auch heute noch hat der Teufel großes Interesse daran, Jesus zum Schweigen zu bringen, seinen Boten das Wort zu nehmen. Er erkennt die Gefahr, die seinem Reich durch das Evangelium droht. Er zögert dann nicht, der Gefahr zu begegnen. Er wehrt sich gegen den Stärkeren, der da über ihn kommt. Alle höllischen Geister und alle Menschen, die noch in seinem Reich sind, müssen helfen, das Werk des Herrn Jesus zu behindern. Am liebsten wäre es ihm, könnte er die Prediger des Wortes zum Schweigen bringen. Wie oft ist ihm dies auch schon gelungen! Er greift jeden Christen gezielt an, hält vom Wort ab, streut Zweifel, macht uns träge, weckt Lust auf Sünde, lenkt die Gedanken vom Wichtigsten ab auf nebensächliche Dinge (Geldsorgen, Ehrsucht), sät Streit, nährt Antipathien unter den Christen und entzweit sie durch falsche Lehre.

Dahinter steckt kein anderer als der Satan! So ist es auch, wenn ein Mensch vom Wort Gottes ergriffen wird, Buße tun will - aber zögert und lange Zeit nicht dahin kommt. Es ist, als ob eine unsichtbare Macht ihn in seinem Sündenleben festhält und ihn nicht zur Ruhe kommen läßt. Da zeigt sich ist die Gewalt des Satans! Daß es doch jeder erkennen möge: Dies alles kommt nur daher, daß Christus da ist und ihn retten will - der Teufel sich aber gerade dagegen wehrt!

3) der Sieg Jesu.

"Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm. Und der unreine Geist riß ihn und schrie laut und fuhr aus von ihm. Und sie entsetzten sich alle, so daß sie sich untereinander befragten und sprachen: Was ist das? Was ist das für eine neue Lehre? Er gebietet auch den unreinen Geistern, und sie gehorchen ihm!"

Zwar hatte der unreine Geist die Wahrheit gesprochen: "Du bist der Heilige Gottes!" - aber Jesus läßt sich vom Teufel nicht dienen! Der Satan muß weichen - auch wenn er sich noch so festgesetzt hat, daß ein Mensch ihm selbst mit seinen den Gliedmaßen dienen muß! Jesus behält den Sieg - auch wenn ein Mensch noch so fest gebunden, vielleicht sogar besessen ist. Jesus ist der Stärkere, darum gibt es Hoffnung für alle und für jeden!

Darüber können sich die Leute nur wundern: "Er gebietet auch den unreinen Geistern, und sie gehorchen ihm!" Was der Satan auch versucht, es wird ihm nichts gelingen, wenn wir persönlich und unsere Gemeinde an allen Lehren des Wortes Gottes festhalten. ER hat sein Reich gegründet, baut und erhält es bis an den Jüngsten Tag. Wir dürfen in seinem Reich leben und es ausbreiten helfen. Sollte das auch noch so schwierig erscheinen, sollte es auch sehr mühselig werden: Jesus ist der Stärkere und behält den Sieg! Seht, wie mitten in der Stadt Jerusalem, wo es dem Teufel gelang, Jesus an das Kreuz zu bringen, kurze Zeit später eine Gemeinde von 5.000 Seelen zu finden ist!

Sie bekennen ihn alle als ihren Herrn! Wie oft hat sich das bisher schon im Großen und Kleinen wiederholt! Wie oft ist der HERR an unzähligen Orten auf dieser Erde in das Reich des Satans eingebrochen und hat da seine Kirche gebaut! Gott öffnet uns neu die Augen darüber, welcher Kampf sich da in uns und um uns herum abspielt. Wollen wir nicht alle (gerade darum) ganz bewußt und neu unserem Jesus "in seinem Reich dienen"? Zuerst wollen wir -trotz der Kämpfe, die wir ausfechten müssen- selbst fest und unbeweglich bei Gottes reinem Wort bleiben. So gut wir es nur vermögen wollen wir auch zur Ausbreitung des Reiches Christi beitragen. Vielleicht erkennt mancher unter uns nun viel deutlicher, wo das herkommt, daß er in letzter Zeit so träge war zum Beten, so unlustig, Gottes Wort zu lesen oder zu hören.

Siehst du, daß all dies mit dem Feind Christi zusammenhängt, daß genau das der Kampf ist, der sich zwischen Christi und des Teufels Reich abspielt - und in dem auch du "Kind Gottes" stehst? Du siehst aber auch aus Gottes Wort: Dein Herr Christus hat diesen Feind bezwungen. Im Glauben an ihn steht dir ungeahnte Macht bereit, einen Sieg nach dem anderen zu erringen! Gib seinem Wort in Deinem Herzen Raum!

"Des Herren Rechte, die behält den Sieg und ist erhöhet.
Des Herren Rechte mächtig fällt, was ihr entgegenstehet.
Tod, Teufel, Höll' und alle Feind' durch Christi Sieg gedämpfet seind,
ihr Zorn ist kraftlos worden." Amen.
 


Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an den Verfasser