Letzter Sonntag nach Trinitatis - Ewigkeitssonntag
Lied nach der Predigt: Lutherisches Kirchengesangbuch 369 (Herzlich tut mich erfreuen...)
Kollektengebet: Gnädiger Gott, lieber himmlischer Vater, von dem alle gute und alle vollkommene Gabe herabkommt: Wir danken dir, daß du uns bis hierher mit deinem Wort gespeist, mit deinem Heiligen Geist regiert und deine christliche Gemeinde gnädig behütet hast. Wir bitten dich, du wollest uns auch weiterhin in deiner Gnade erhalten und mit deiner Güte bei uns wohnen - um Jesu Christi, deines lieben Sohnes willen. Amen.
Predigttext: Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus dem Bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren töricht, und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen nicht Öl mit sich. Die klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen samt ihren Lampen. Da nun der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig und entschliefen.
Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt; gehet aus ihm entgegen! Da stunden diese Jungfrauen alle auf und schmückten ihre Lampen. Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öle; denn unsere Lampen verlöschen! Da antworteten die klugen und sprachen: Nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche. Gehet aber hin zu den Krämern und kaufet für euch selbst! Und da sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit. Und die Tür ward verschlossen. Zuletzt kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euer nicht.
Darum wachet! Denn ihr wisset
weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird. (Matthäus
25,1-13)
Ewigkeitssonntag - der letzte Sonntag im Kirchenjahr. Wir Christen lenken unseren Blick auf den kommenden Herrn Christus. Hatten wir am letzten Sonntag besonders über die Zeichen der letzten Zeit nachgedacht, die den bevorstehenden Jüngsten Tag ankündigen und damit das Ende der Welt, so geht es heute um die noch ausstehende Wiederkunft des Herrn Christus und darum, wie wir uns darauf vorbereiten sollen.
Diese Frage hatte schon die Jünger Jesu tief bewegt. Darum antwortete ihnen der Herr mit seiner Rede über die Endzeit. Damit nun allen Christen die Frage der Vorbereitung auf Jesu Wiederkunft beantwortet wird, erzählt Jesus Christus dazu ein einprägsames Gleichnis:
"Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen."
Jesus verdeutlicht sein Kommen an damals üblichen Gebräuchen. Noch heute haben besonders arabische Völker solche Gewohnheiten. Jesus erzählt, wie zehn noch unverheiratete Mädchen, die Freundinnen der Braut, am späten Abend aufbrechen, um dem Bräutigam zu begegnen, der mit seinen Freunden die Braut heimholen kommt. Sie führten Öllampen mit sich, um sich in der Dunkelheit auch gut zurechtfinden zu können. Die genaue Ankunftszeit des Bräutigams kannten sie nicht. Darum mußten sie wachsam sein, damit sie ihn nicht verfehlten.
Damit deutet der Herr Christus auf sein Kommen am Ende der Tage hin. Er selbst ist der Bräutigam. Die Jungfrauen bedeuten verschiedene Gemeinden und Personen, die sich öffentlich zu Jesus und seinem Evangelium bekennen. Die fünf Törichten sind nicht etwa Ungläubige, denn auch sie haben Christus als den Bräutigam erkannt und wollen ihn empfangen. Sie nehmen ihre Lampen. Die Lampen stellen das Bekenntnis und den äußeren Lebenswandel dar. Sie haben auch Öl, das für den seligmachenden Glauben steht.
Dann also gehen sie ihm entgegen, nicht unbewußt, denn sie laufen, was auf die Hoffnung der Christen hinweist, die das ewige Leben erwarten. Auf die Seligkeit gehen die Christen bewußt zu und bemühen sich, den Bräutigam auch wirklich zu treffen.
"Aber fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug."
Damit zeigt uns der Herr, daß es in der Gesamtheit aller, die sich äußerlich zu ihm bekennen, solche gibt, die zwar selbst meinen, sie wären gut auf das Kommen des Herrn Jesus vorbereitet, es aber in Wirklichkeit gar nicht sind. Das sind diejenigen, die sich nach ihren Gutdünken und nach ihren Vorstellungen auf das Zusammentreffen mit ihm einstellen.
Die Klugen sind nicht durch sich selbst zu dieser Klugheit gekommen. Es sind Menschen, die sich nach dem Vorbild des Königs Salomo von Gottes Wort haben klug machen lassen. So bekennt auch David im Psalm: "Dein Wort macht mich klug" Ps 119,104. Dieses Wort Gottes, das Evangelium von Jesus Christus, hatten die törichten Jungfrauen nicht recht zu Herzen genommen.
"Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit. Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen."
Die Lampen ohne Öl sind die guten Werke und der äußerlich tadellose Lebenswandel. Die Lampen sind schön geputzt und glänzen ordentlich. Das sind Christen, die man im Gottesdienst trifft, die mithelfen, Bedürftigen spenden, auch beten und singen, die Lehre des Woretes Gottes vielleicht ziemlich gut kennen, aber von denen Gott sagen muß: "Dieses Volk naht mir mit seinem Munde und ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir." Jes 29,13.
Es fehlt das Öl. Das ist der Glaube, der Herzensglaube. "Ohne Glaube ist's unmöglich, Gott zu gefallen" Hebr 11,6.
"Kopf- und Maulglaube" ist dem Herrn ein Greuel! Wenn die reine Lehre nur im Gehirn gespeichert ist und nur der Mund sie hersagen kann, aber die Herzen fern vom Herrn sind - das "ist Kopf- und Maulglaube". Herzen, die für Luther schlagen, aber nicht für Jesus Christus, sind taubes Gestein. Der Kampf um die reine Lehre aus Spaß am Streiten, ist eine Lampe ohne Öl.
Der warme, brennende, leuchtende Glaube, die herzliche Zuversicht auf den wahren einzigen Heiland, die brauchen wir! Allein der Heilige Geist kann dieses köstliche Geschenk machen und uns entzünden und zum Brennen bringen - in Liebe zu Jesus. Noch ist nicht Mitternacht, noch ist Zeit! Das wertvolle Öl ist im Wort Gottes noch zu haben!
Ohne Öl sind noch so schön hergerichtete Lampen völlig nutzlos; ohne Glaube sind die schönsten guten Taten wertlos vor Gott - wenn sie in der Beurteilung von Menschen auch noch so bestechend erscheinen.
In der Heiligen Schrift wird der Heilige Geist, der den Glauben im Menschen anzündet, öfters mit Salböl verglichen. Öl durchdringt alles, wohin es geträufelt wird. Öl brennt mit heller Flamme. So ermahnt Christus die Christen auch an anderer Stelle, ihren Glauben vor anderen zu bekennen mit den Worten: "Laßt euer Licht leuchten vor den Leuten..." Mt 5,16.
Jede der Jungfrauen mußte sich selbst um ihr Öl kümmern. So ist es auch mit dem Glauben: Keiner kann für den anderen, jeder muß für sich selbst auf den Herrn Christus vertrauen. Jesus macht uns mit ernsten Worten darauf aufmerksam, daß es sehr darauf ankommt, womit wir Menschen uns in unserem Leben erfüllen lassen.
So viele geben sich in ihrem Leben den bösen Sehnsüchten und Angeboten dieser Welt ganz und gar hin. Ein Leben lang hat es den Anschein, als würde das für ewig ohne Konsequenzen bleiben. Die Törichten spotten so oft in dieser Welt über die Vorsorge der Klugen und meinen, sie würden sich durch Hoffen und Warten auf den wiederkommenden Herrn nur das Leben freudlos machen. Doch der Bräutigam wird kommen; und dann wird sich herausstellen, ob es klug oder töricht war, Gottes Wort ins Herz zu schließen, daran fest zu bleiben und nicht auch nur ein Stückchen- davon abzuweichen. Durch menschliche Irrtümer verunreinigtes Gotteswort weckt Zweifel und wird kraftlos. So brennt auch mit Wasser vermischtes Öl nicht.
"Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein."
Wir hatten gehört alle "schliefen ein". Wundert uns das? Mit diesen Worten führt Jesus uns die Realität vor Augen, die auch uns betrifft und die wir oft beseufzen. Es gibt Zeiten, in denen wir oft an den kommenden Bräutigam Christus denken und wirklich auch im wachen Glauben stehen - und ihn hellwach, voller Freude, ja herzlich begrüßen möchten.
Doch im Christenleben gibt es auch dunkle Tage: Tage der Sünde, Tage der Zweifel, Tage der geistlichen Trägheit. Keiner von uns kann wohl von sich sagen, er brenne an jedem Tag in lodernder Flamme für den Herrn Christus. Manchmal gleicht unser Glaube nur noch enem glimmenden Docht. Es ist ein großer Trost für uns, wenn Christus sagt: Die klugen Jungfrauen wurden auch schläfrig und schliefen auch ein - sind aber dann dennoch in die Seligkeit des Hochzeitsfestes gekommen.
Es ist der Irrtum, den der Teufel in unsere Herzen streut: Christus nehme nur perfekte Christen an. Der Himmel wird einst voller früherer Sünder sein, die sich täglich von der Vergebung ihres Heilandes haben erneuern lassen. Der Himmel wird einst vom Jubel derer erfüllt sein, die hier seufzten: Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben! Der Himmel wird einst Saal der Freude derjenigen sein, die hier täglich flehten: Gott, sei mir Sünder gnädig! Erkenne nur, daß du vor Gott ein elender Sünder bist, beschmutzt in Gedanken, Worten und Werken! Dann ergreife im Glauben sein Opfer, laß dich reinigen von deiner Schuld; und komme zu ihm, denn er ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.
Obwohl alle Jungfrauen schläfrig wurden und schließlich einschliefen, besteht dennoch ein großer Unterschied zwischen ihnen. Bei den einen ist es ein Schlaf der Schwachheit, und nachher sind sie traurig darüber. Bei den anderen ist es ein Schlaf der falschen Sicherheit. Sie hielten sich für gut vorbereitet und nickten ein - ihnen fehlte aber das so wichtige Lampenöl. Schläfrigkeit ist dann so verhängnisvoll, wenn das Öl des Glaubens fehlt.
Der Bräutigam läßt auf sich warten. Davon spricht auch der Apostel Petrus in seinem zweiten Brief: "Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß jedermann zur Buße finde." 2Petr 3,9.
"Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!"
Der Herr Christus wird zu einer Zeit kommen, in der es niemand auch die Christen nicht- für möglich hält: unverhofft, "wie ein Dieb in der Nacht". Wie gut, daß ein lautes Rufen durch die schläfrigen Gemeinden und Christen gehen wird! Der Bräutigam Christus wird durch lautes Rufen und Predigen seines Wortes die Müdigkeit vertreiben und uns zu sich rufen, damit wir ihn gewiß finden. "Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel..." 1Thess 4,16.
Darum braucht kein Christ an seinem so oft schläfrigen Glaubensleben zu verzagen. Wo die Sehnsucht ist, diesem Bräutigam mit der brennenden Lampe des Glaubens zu begegnen und wo sich Christen dieses herzliche Vertrauen zu Jesus haben stärken lassen, besteht keine Gefahr für die ewige Seligkeit. Schwachheit schließt nicht vom Himmel aus, sondern der Unglaube, ein taubes Herz ohne Liebe zu Jesus, ohne Sehnsucht auf den Bräutigam.
Nicht aufgrund ihrer Schläfrigkeit wurden die fünf törichten Jungfrauen von der Hochzeit ausgeschlossen. Die Ungläubigen, die Namens- und Scheinchristen, die im Grunde genommen keinen Heiland für sich wollten, die ihm nicht vertrauten, werden in die ewige Verdammnis gestoßen werden.
"Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig. Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen."
Erst jetzt bemerkten die törichten, wie unvorbereitet sie doch eigentlich waren. Nur noch wenige Augenblicke und sie würden dem Bräutigam gegenüberstehen! Wo sie alle voller Freude ihm entgegenlaufen sollten, scheuen sich fünf - mit Recht. Lampen ohne Öl brennen nicht: Ein noch so christlich scheinendes Leben nützt vor Gott gar nichts, wenn das Wichtigste, der Glaube fehlt!
"Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; geht aber zum Kaufmann und kauft für euch selbst."
Nein! Das ist ein Donnerschlag für alle, die sich bisher auf ihr eingebildetes Christsein verlassen hatten. Wer im Grunde genommen auf sich selbst oder auf andere Menschen vertraut, wird letztendlich vor Gott nie bestehen können. Der vertrauende Glaube an den Heiland der Sünder und die Zuversicht, daß er durch seinen Tod am Kreuz den allmächtigen Gott versöhnt hat, kann man nicht mehr bekommen, wenn der Jüngste Tag bereits angebrochen ist, wenn Jesu Wiederkunft bereits geschieht. "Gebt uns von eurem Öl!" Was für ein Ansinnen! Hat doch der Bräutigam Jesus Christus immer und immer wieder durch die Verkündigung das Öl des Glaubens angeboten und ausgeteilt. Die klugen Jungfrauen suchen nach einem Ausweg: "Geht aber hin zum Kaufmann!" Um Mitternacht sind die Läden üblicherweise geschlossen. Es gibt ein "Zu spät"!
"Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen."
Sie sehen ihn kommen. Mit dem rettenden Glauben im Herzen -ohne Furcht- gehen sie die letzten Schritte. Wenn schließlich der Tod ein irdisches Menschenleben beendet, vertrauen die Gläubigen darauf, daß die Kraft ihres lebendigen Herrn in ihnen auch noch diesen letzten Feind überwinden kann. Nur noch wenige Schritte, und der Herr wird sie aufnehmen in den nur für sie geschmückten Hochzeitssaal. Ihr früherer Ungehorsam, ihre Sünden, ihre geistliche Schläfrigkeit - alles ist vergeben und vergessen, ausgelöscht vom Vergebungsblut Jesu.
Mit den brennenden Lampen des Glaubens stehen die wahren Christen vor der Tür des ewigen Lebens. Ihr himmlischer Bräutigam öffnet lachend. Er breitet seine Arme aus, wie er sie schon am Kreuz segnend ausbreitete, aber jetzt nur um sie zu umfangen und hinein zu führen in die ewige Freude. Er feiert mit ihnen, er wischt ab alle Tränen von ihren Augen. Sie dagegen können sich gar nicht satt sehen an ihm. Glück, Freude, Seligkeit ohne Ende!
"Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht."
Jesus warnt im Wort der Heiligen Schrift: "Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel." Mt 7,21. Der freundliche Bräutigam gegenüber den Gläubigen ist auch der abweisende Herr gegenüber den Törichten. Hier in diesem Leben heißt es noch: "Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte." Ps 103,8, dort wird mancher andere Worte hören: "Ich kenne euch nicht!... Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!" Mt 25,41.
Wir haben die Predigt vom Himmelreich. Laßt sie uns achten und ehren, lieben und annehmen! Laßt den Herrn Christus in euren Herzen regieren. Du, der du zu lange wieder der Sünde gedient hast: Laß den Herrn Christus dein Herz wieder regieren! Und wenn dein Glaube jetzt nur einem glimmenden Docht gleicht, dann verzweifle nicht! Laß dich füllen! Laß dich von dem, der dich herzlich lieb hat, zu neuer brennender Liebe erwecken! Er löscht den glimmenden Doch nicht aus, sondern stärkt und stützt. Er will nicht, daß du verloren gehst! Er steht davor und ruft: "Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an." Offb 3,20.
Es wird eine Zeit kommen, in der wir voller Dankbarkeit unseren kostbaren Glauben in unseren Herzen umschließen. Dann werden viele auch danach schreien, aber es wird zu spät sein! "Darum wachet! Denn ihr wißt weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird." Amen. ¦
Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an den Verfasser