Predigt am 15. Sonntag nach Trinitatis
Kollektengebet: Allmächtiger, ewiger und gerechter Gott, wir danken dir herzlich, daß du uns deinen heiligen Willen, was wir tun und lassen sollen, im gesetz geoffenbart hast, und wir bitten dich demütig, du wollest um jesu Christi vollkommenen Gehorsams willen uns alle dagegen begangenen Sünden gnädig verzeihen und uns mit deinem Heiligen Geist stärken und leiten, daß wir hier in neuem Gehorsam dir zu dienen anfangen, bis wir vollkommen heilig in jenem Leben vor dir wandeln: durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern HERRn. Amen.
Lied nach der Predigt: Lutherisches Kirchengesangbuch (LKG) Nr. 248,1-6
Predigttext:
Niemand kann zweien Herren dienen. Entweder er wird einen hassen und den andern lieben, oder wird einem anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn die Speise und der Leib mehr denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Wer ist unter euch, der seiner Länge eine Eile zusetzen möge, ob er gleich darum sorget? Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist als derselbigen eins. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute stehet und morgen in den Ofen geworfen wird, sollt er das nicht viel mehr euch tun, o ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allem trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr des alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Darum sorget nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe. (Matthäus 6,24-34)
Liebe Gemeinde, im Namen unseres HERRn Jesu Christi!
"Das ist ein reiches Evangelium und lange Predigt wider den Geiz; denn unser Herrgott darum sonderlich fein dist, daß sonst kein Laster ist, welches das Evangelium mehr hindert und den Christen mehr Schadens tut. Und dennoch sehen wir, daß die ganze Welt darin ersoffen ist." (Luther)
Unser Evangelium beginnt mit den Worten: "Niemand kann zweien Herren dienen. Entweder er wird einen hassen und den anderen lieben oder wird einem anhangen und den anderen verachten." Diese allgemeingültige Tatsache wendet unser HERR Christus nun an: "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon." Was ist das "Mammon"? Das Wort bezeichnet zusammenfassend den Wert irdischer Güter. So deckt es sich mit unserem deutschen Wort "Besitz", schließt aber eben nicht nur das unbedingt Nötige in sich, sondern auch alles das, was über das hinausgeht, was wir unbedingt zum täglichern Leben brauchen.
Er nennt "Mammon" also das Gut, das man zum Erhalten der irdischen Existenz nicht unbdeingt benötigt, das man zum Vorrat hinterlegt. Diesem "Mammon" stellt Jesus nun Gott gegenüber. Er nennt den Besitz, als wären Geld und Gut eine Person wie Gott eben eine Person ist: "Niemand kann zweien Herren dienen... Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon." Es gibt in der Tat nicht wenige Menschen, die diesem so genannten "Mammon" dienen, sich ihm unterwerfen, als wäre er ein Herr. Ja, indem sie den Erwerb von Geld und Gut in ihrem Leben zur absoluten Hauptsache machen, erheben sie den "Mammon" zum Herren über sich selbst. Ob es sich nun um Geld und Besitz handelt oder um bestimmte Menschen oder auch um Dinge in Politik und Gesellschaft: Wer davon etwas so hoch erhebt, daß er meint, sich dem mit allen Kräften unterwerfen zu müssen und dem zu dienen, der räumt diesem einen Platz ein, der eigentlich allein Gott zusteht.
Aus diesem Grund lesen wir in Gottes Wort: "Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer oder Unreiner oder Geiziger (welcher ist ein Götzendiener) Erbe hat an dem Reich Vhristi und Gottes." (Eph. 5,5). Gott sieht also die Gier nach Geld und Gut als Götzendienst an, der vom Reich Gottes ausschließt - wenn wir uns nicht bußfertig davon reinigen lassen durch das Blut Jesu Christi. Habgier und Geiz sind Götzendienst; dies deckt sich mit dem Wort des HERRn: "Niemand kann zweien Herren dienen... Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon."
Das aber weiß der böse Feind auch! Der Teufel hält ja die Menschen seit dem Sündenfall eben mit Sünde, mit Denken, Reden und Tun gegen Gott, in seiner Gewalt. Es ist sein beständiges Bestreben, jeden einzelnen Menschen davon abzuhalten, allein seinem Schöpfer zu dienen, ihn zu ehren und sich ihm ganz und gar hinzugeben. Dazu bedient er sich eben auch der Dinge, die Gott geschaffen hat, an denen wir uns erfreuen, die wir aber nicht zu hoch bewerten sollen. Spricht Gott nicht im ersten Gebot: "Du sollst keine anderen Götter haben neben mir"?
Genau darauf aber zielt der Feind ab, nämlich daß Menschen sich einen anderen Gott suchen, einen Ersatzgott. Dem sollen sie dienen, dem sollen sie sich unterwerfen, ihm zuliebe alles einsetzen und sich in allem nach ihm richten. Einer von solchen Ersatzgöttern heißt eben "Mammon". Die einen, nämlich die Ungläubigen, hält der Satan in solchem Götzendienst gefangen, die anderen, nämlich die Christen, die Kinder Gottes, versucht er damit zu überlisten. So wie der Teufel auch in anderer Hinsicht Christenherzen von Gott abzuziehen versucht, um sie an irdische Dinge zu hängen, so treibt er auch durch den MAMMON sein gefährliches Spiel. So sind wir also in großer Gefahr, sonst würde unser Heiland nicht warnen: "Sehet zu und hütet euch vor dem Geiz! Denn niemand lebt davon, daß er viele Güter hat." (Luk. 12,15).
Als Jesus vom Teufel in der Wüste versucht wurde, ließ der Böse seine Maske fallen. Es ist sehr bemerkenswert, daß er dem HERRn zuerst alle Herrlichkeit der Welt vor Augen führte und dann sprach: "Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest." (Matth. 4,9). Christus sollte sich, von Habgier getrieben, dem Teufel unterwerfen. Der Satan weiß also, daß Habgier und Geiz gefügig machen. Was aber sprach Jesus in dieser Versuchung? "Heb dich weg von mir, Satan! Denn es stehet geschrieben: Du sollst anbeten Gott, deinen HERRn, und ihm allein dienen."
"Dienen" - das spricht Jesus auch am Anfang unseres Predigttextes: "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon." Es geht also nicht darum, daß man keinen Besitz haben dürfte. Jesus tritt eben nicht für Kommunismus ein. Er sagt nicht: "Ihr könnt nicht Gott haben und den Mammon", sondern: "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon." Dem Mammon dienen heißt: Sein Herz an Geld und Gut hängen, sich davon in Denken, Reden und Handeln ständig bestimmen zu lassen und dafür in weitere Sünden einzuwilligen, wie Betrug, Diebstahl und Ungerechtigkeit. Dies ist leider in unserem Volk weit verbreitet: frisierte Steuererklärungen, erschlichene Vergünstigungen, Diebstahl in der Firma, Schwarzarbeit u.v.a.m.
Wer meint, dies alles sei doch eigentlich nur gerecht, weil der Staat ja mit zu hohen Steuern selbst ungerecht sei, der irrt. Das ist nicht recht, sondern widerspricht dem Wort Gottes, der im Blick auf die Obrigkeit spricht: "Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht allein um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen. Deshalb zahlt ihr ja auch Steuer; denn sie sind Gottes Diener, auf diesen Dienst beständig bedacht. So gebt nun jedem, was ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt." (Röm 13,5-7).
Wer als Christ Steuern hinterzieht, wer Schwarzarbeiter beschäftigt oder selbst Schwarzarbeit verrichtet, tut das ja eigentlich darum, weil er meint, er müsse mehr haben als er es auf ehrliche Weise bekommen kann. Das ist Habgier. Habgier rechnet nicht mit Gottes Fürsorge, sondern der Mensch meint, Gott könne ihm nicht genug geben, er müsse sich schon selbst darum kümmern. "Geiz ist eine Wurzel alles Übels, welches hat etliche gelüstet und sind vom Glauben irregegangen und machen sich selbst viel Schmerzen. Aber du, Gottesmensch, flieh solches!... Kämpfe den guten Kampf des Glaubens..." (1.Tim. 6,10f.).
Seht, liebe Christen, der Mammonsdienst ist ein sehr trauriger! Er macht schon in diesem Leben unglücklich und bringt mit sich ängstliche, kleingläubige, vergebliche Sorge, vermehrt die Unruhe und Plage des Lebens. Wer dem Mammon dient, wird irgendwann seinem Gott nicht mehr dienen können, denn beides miteinander geht nicht. Ein solcher Götzendienst schließt vom Reich Gottes aus und führt schließlich ins Verderben. "Das Wenige, das ein Gerechter hat, ist besser, denn das große Gut vieler Gottloser." (Ps. 37,16).
Warum? Im Psalm lesen wir: "Siehe, das sind die Gottlosen; die sind glücklich in der Welt und werden reich. Soll es denn umsonst sein, daß ich mein Herz rein hielt und meine Hände in Unschuld wasche? Ich bin doch täglich geplagt, und meine Züchtigung ist alle Morgen da. Hätte ich gedacht: Ich will reden wie sie, siehe, dann hätte ich das Geschlecht deiner Kinder verleugnet. So sann ich nach, ob ich's begreifen könnte, aber es war mir zu schwer, bis ich ging in das Heiligtum Gottes und merkte auf ihr Ende. Ja, du stellst sie auf schlüpfrigen Grund und stürzest sie zu Boden. Wie werden sie so plötzlich zunichte! Sie gehen unter und nehmen ein Ende mit Schrecken." (Ps. 73,12-19). Weil das der Preis ist für götzendienerisches Leben, warnt unser Heiland uns davor mit ernsten Worten.
Aber er offenbart uns auch das viel: den rechten Gottesdienst
Er ruft als der gute Hirte den Schafen seiner Weide zu: "Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn die Speise und der Leib mehr denn die Kleidung?" Was will er damit sagen? Nun dieses: Hat Gott, euer himmlischer Vater euch nicht das Leben geschenkt? Ist das nicht unendlich mehr als das, womit ihr es erhaltet? Hat euer Schöpfer euch nicht einen kunstvoll gestalteten Leib gegeben? Ist der nicht mehr wert als das, womit ihr ihn bekleidet?
Darum sollen wir uns keine unnötigen und ängstlichen Sorgen machen. Hat Gott uns das Größere gegeben, wird er uns auch das Geringere bescheren, was wir für Leib und Leben benötigen. "Sehet die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie?" Ja, schaut nur in die Natur! Gott der HERR, der auch das Kleinste umsorgt und beschenkt, wird doch euch, für die er seinen lieben Sohn geopfert hat, nicht unversorgt lassen! "Wer ist unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum sorget?" Denkt an eure Körpergröße: Wie viele Menschen wünschten sich ein paar Zentimeter mehr - und kommen doch nicht dazu, selbst wenn sie sich die größten Sorgen darum machen? Oder denkt an die Länge eures Lebens: Kann etwa jemand sein Leben verlängern, wenn Gott ihm das Ende setzt? Könnt ihr nicht einmal das, was für euren himmlischen Vater eine Kleinigkeit ist, meint ihr, ihr könntet seine Aufgabe übernehmen, nämlich euch über Jahrzehnte hinweg mit allem Nötigen zu versorgen?
"Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist als derselbigen eins. So denn Gott das Gras auf dem felde also kleidet, das doch heute stehet und morgen in den Ofen geworfen wird, sollte er das nicht vielmehr euch tun, o ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr des alles bedürfet."
Ein einziger ergiebiger Blick in die Natur predigt uns: Laßt das ängtsliche Sorgen, die kleingläubige Unruhe sein! Laßt Gott haushalten! Ihr sollt arbeiten und schaffen - aber so, daß ihr dabei bedenkt: Mein Gott und Vater ist es, der mir durch meine Mühe und Arbeit das Nötige darreicht. Sorgt der Schöpfer für die Geschöpfe - wie wird dann erst der Vater für seine Kinder sorgen! Wäre das nicht schon unter Menschen ein untreuer, böser Vater, der zwar die Haustiere füttert und die Blumen gießt, aber seine Kinder verhungern läßt!
Liebe Mitchristen, wir erkennen sehr wohl, was unser HERR Christus uns damit sagen will: Faul und träge sein, sollen wir nicht, denn "wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen." (2.Thess. 3,10). Wir sollen nur das eine zu Herzen nehmen: Wenn Gott seinen Segen abziehen würde, könnten wir tun und schuften wie wir wollten, wir würden in irdischer Not versinken. Wenn Gott der HERR aber zu unserer Mühe seinen Segen gibt, dann dürfen wir im Schweiße unseres Angesichts sehen, wie treu und fürsorgend er ist. Und Jesus sprach zu ihnen: "Als ich euch ausgesandt habe ohne Geldbeutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr da je Mangel gehabt? Sie sprachen: Niemals." (Luk. 22,35). Was ist also der rechte Gottesdienst, von dem der HERR in unserem heutigen Evangelium spricht? Er ruft uns zu: "Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen." Der Sorge um die Seligkeit sollen wir alles andere unterordnen. In unserem Leben soll uns das eine bestimmen, daß wir die Gnade Gottes in Jesus Christus im Glauben ergreifen und ein gerechtes und heiliges Leben führen. Durch sein Wort will Gott unseren Blick an jedem neuen Tag auf das Kreuz Jesu lenken, damit wir getrost sind und zu uns sprechen: "Hat Gott auch seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben, wie sollte er uns in ihm nicht alles schenken?" (Röm. 8,32).
Ja, es ist der Heiland selbst, der an unserer Statt die Schuld gebüßt und uns das ewige Leben erworben hat, der uns stärkt: "Darum sorgt nicht für den anderen Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe." Unser lieber himmlischer Vater verheißt: "Der HERR kennt die Tage der Frommen, und ihr Gut wird ewiglich bleiben. Sie werden nicht zuschanden in der bösen Zeit, und in der Teuerung werden sie genug haben." (Ps. 37,18f.).
"Wie sollte es also möglich sein, daß der sollte Hungers sterben, der Gott mit Treue dient und sein Reich fördert? Es müßte kein Brot mehr auf Erden sein, wenn ein Christ Hungers sterben sollte, ja Gott müßte zuvor selbst Hungers gestorben sein." (Luther)
"Darum fliegen die Vöglein vor unseren Augen vorüber, ...daß wir vor ihnen unseren Hut ziehen sollten und sagen: Mein lieber Herr Doktor, ich muß bekennen, daß ich die Kunst nicht kann, die du kannst. Du schläfst die Nacht über in deinem Nestlein ohne alle Sorge; am Morgen fliegst du wieder aus, bist fröhlich und guter Dinge, setzt dich auf einen Baum und singst , lobst und dankst Gott. Danach suchtst du dein Körnlein und findest es. Pfui, was hab ich alter Narr gelernt, daß ich's nicht auch tue, der ich doch so viel Grund dazu habe!" (Luther, Hauspostille, XIII,2367)
Wenn nun kleingläubige Sorgen uns wieder einnehmen wollen, dann laßt uns den Blick auf unseren Jesus richten und dies Wort zu Herzen nehmen: "Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch!" (1.Petr.5,7). Amen.
Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an den Verfasser