Predigt am
16. Sonntag nach Trinitatis
über Offbg. 12,7-12
(Gedenktag des Erzengels Michael und aller heiligen Engel)
Kollektengebet: Allmächtiger, ewiger und barmherziger Gott, der du deine Engel zum Schutz und Schirm der Menschen wider Satans Tyrannei und Bosheit der Welt geordnet hast, wir bitten dich, du wollest solchen Schutz gnädig über uns erhalten. Hilf uns durch deinen Heiligen Geist, daß dein Wille -wie von den Engeln im Himmel- also auch bei uns auf Erden geschehe, auf daß wir hier zeitlich und dort ewiglich mit allen Engeln und Auserwählten dich loben und preisen, durch unsern HERRn Jesum Christum. Amen.
Lied nach der Predigt: Lutherisches Kirchengesangbuch (LKG) Nr. 203
Predigttext:
"Und es erhub sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen. Und der Drache stritt und seine Engel und siegeten nicht; auch ward ihre Stätte nicht mehr funden im Himmel. Und es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas, der die ganze Welt verführet; und ward geworfen auf die Erde; und seine Engel wurden auch dahin geworfen. Und ich hörete eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich und die Macht unsers Gottes, seines Christus worden, weil der Verkläger unserer Brüder verworfen ist, der sie verklaget Tag und Nacht vor Gott. Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses; und haben ihr Leben nicht geliebet bis an den Tod. Darum freuet euch, ihr Himmel, und die darinnen wohnen! Wehe denen, die auf Erden wohnen und auf dem Meer; denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, daß er wenig Zeit hat." (Offbg. 12,7-12)
Herzlich geliebte Brüder und Schwestern im Namen Jesu!
Vielerorts spricht die Heilige Schrift vom Dienst der heiligen Engel. Unser deutsches Wort kommt aus der griechischen Sprache: "angelos" - Bote, Diener, deutsch eben "Engel". Fragen wir Gottes Wort, wer oder was Engel sind, so wird uns gesagt: "Sie sind dienstbare Geister, ausgesandt um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit." (Hebr. 1,14). Sie sind erschaffen, sind Geschöpfe Gottes und gehören in sein unsichtbares Reich; darum werden sie "Geister, dienstbare Geister" genannt.
Geister sind sie also, die Gott dem HERRn dienen; darum spricht die Schrift: "Lobet den HERRN, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die ihr seinen Befehl ausrichtet, daß man höre auf die Stimme seines Wortes! Lobet den HERRN, alle seine Heerscharen, seine Diener, die ihr seinen Willen tut!" (Ps. 103,20.21). Engel richten also Gottes Befehle aus im Dienst an den Gläubigen. Ihre Aufgabe ist es, nach dem Willen des Höchsten die Gläubigen zu schützen und ihnen in Gottes Auftrag zur Seligkeit behilflich zu sein. Sie sorgen mit dafür, "daß man höre die Stimme seines Wortes". Sie sind ganz und gar dem ergeben, was ihr HERR will: Was er haßt, das hassen auch sie, seine Freude ist ihre Wonne. Wenn durch das Wort Gottes ein einziger Mensch von der Finsternis zum Licht bekehrt wird, dann nehmen die heiligen Engel daran großen Anteil, wie Jesus spricht: "Es wird Freude im Himmel sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut." (Luk. 15,10).
Der Dienst der heiligen Engel wäre nicht nötig, würde es nicht auch die "unheiligen", die bösen Engel geben mit ihrem Fürsten, den Satan. Er ist ein abgefallener Engel Gottes, der mit sich ein ganzes Heer von einstmals guten Engeln ins Verderben gerissen hat (Jud. 6). Seitdem kämpft er gegen Gott, gegen all das Gute, das Gott geschaffen hat. Er führte die Menschen in den Sündenfall und warf sich mit aller Macht dem Heiland entgegen, der gesandt war, ihn zu besiegen, ihm seine Macht über die Menschen zu nehmen. Seit Jesu Sieg am Kreuz von Golgatha ist er ein Besiegter.
Aber wie eine Schlange, der der Kopf zertreten ist, versucht er mit letzten Kräften zu retten, was für ihn zu retten ist: Er müht sich verbissen, die Erlösten wieder in den Sündendienst zu ziehen, mit dem er die anderen gefangenhält. Er streitet gegen die heilige Kirche Jesu Christi, bringt Obrigkeiten Gewaltige gegen sie auf, so daß tausende um des Glaubens willen ihr irdisches Leben hingeben mußten. Millionen ficht er täglich an mit List und Tücke, stellt uns Christen Fallen, hält uns längst vergebene Sünden wieder vor, damit wir unsicher werden und weckt in uns Lust auf neue Übeltaten. Ja, ihr Lieben, sind wir wieder und wieder hereingefallen auf seine Listen, dann will er uns davon überzeugen, daß unser Heiland uns gar nicht mehr liebe, uns nicht mehr haben wolle und wir sowieso ihm, dem verfluchten Lügner wieder verfallen wären!
Seht, der Kampf tobt immer noch. Wer ein Christ ist, steht darin, ob er will oder nicht. Und von diesem Kampf offenbarte der Heilige Geist dem Johannes im letzten Buch der Heiligen Schrift. Überhaupt ist die Offenbarung des Johannes ein Buch des Kampfes, denn darin zieht die Geschichte der Kirche unseres Heilandes an uns vorüber. In vielfältigen Bildern und Reden tritt uns die Wahrheit entgegen: "Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes gehen." (Apg. 14,22) und:"Wer nicht gekämpft trägt auch die Kron des ewgen Lebens nicht davon".
Unentwegt aber lesen wir auch darin von den Überwindern, die "überwunden haben durch des Lammes Blut", und wie Gott ihre Tränen abwischen und sie trösten wird in der ewigen Seligkeit. Das Reich, in dem wir Gläubigen hier im Glauben an unseren Erlöser leben, das Gnadenreich und das unsichtbare Reich, in dem unser himmlischer Vater wohnt, hängen eng zusammen - so eng, daß das Gnadenreich in der Offenbarung auch Himmelreich oder kurz "Himmel" genannt wird. Im Grunde genommen ist das Gnadenreich Christi hier und das Ehrenreich dort ein Ding und doch zwei Reiche. Hier sind wir noch angefochten; hier leben wir noch im Glauben und nicht im Schauen; dort aber werden wir ihn sehen von Angesicht zu Angesicht in ewigem Frieden. Wenn aber das Gnadenreich vollendet ist, gehen wir sogleich hinüber in das Ehrenreich. Dann wird die Decke weggezogen, die uns hier noch den Blick verschließt; dort werden wir weiter unter dem leben, dem wir schon hier dienten. Aus diesem Grund also, weil das Gnadenreich und das Ehrenreich Jesu Christi so eng zusammengehören, spricht Johannes in der Offenbarung vom Himmel und meint doch die Kirche Jesu Christi.
So ist das auch gleich im ersten Vers unseres Textes: "Und es erhob sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen.". Wer ist Michael? Michael heißt "Wer ist wie Gott?" oder "Gott gleich"; er ist eine Person, die den Namen hat "Gott gleich". Im Kolosserbrief lesen wir von unserem HERRn Jesus Christus: "Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor allen Kreaturen." (Kol. 1,15). Niemand sonst darf sich anmaßen, Gott gleich zu sein; "HERR, mein Gott, dir ist nichts gleich." (Ps. 40,6), lesen wir im Psalm. Das war ja auch der Vorwurf der Juden an Jesus, den sie für einen gewöhnlichen Menschen hielten: "Darum trachteten die Juden noch viel mehr danach, ihn zu töten, weil er nicht allein den Sabbat brach, sondern auch sagte, Gott sei sein Vater, und machte sich selbst Gott gleich." (Joh 5,18).
Michael ist unser HERR Jesus Christus. An anderen Stellen der Heiligen Schrift ist auch die Rede von einem "Erzengel Michael". Wir unterscheiden beide. Der Erzengel Michael ist ein Geschöpf Gottes, der Michael in der Offenbarung ist nicht dieselbe Person. Das wird noch klarer dadurch, daß es in unserem Text erst heißt: "Und es erhob sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen. Und der Drache stritt und seine Engel und siegten nicht...", dann aber weiter, nach dem Sieg: "Und ich hörte eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Reich und die Kraft und die Macht unsers Gottes, seines Christus worden, weil der Verkläger unserer Brüder verworfen ist, der sie verklaget Tag und Nacht vor Gott."
Also: Michael hat gegen den Drachen gekämpft und ihn überwunden. Das heißt nichts anderes als: Jesus Christus hat den Teufel besiegt. Der "Erzengel Michael" durfte nach Jud. 9 das Urteil der Lästerung gegen den Teufel nicht fällen. Der Michael hier, unser HERR, hat dem Satan nicht allein gelästert, sondern ihn überwunden. Nicht einem Engel ist nun das Reich und die Kraft und die Macht unseres Gottes, sondern seinem Christus! Jesus Christus ist Michael (der "Gott gleich") und Michael, die Person, die "Gott gleich" heißt, ist Jesus Christus.
Von ihm, Michael, seinen Engeln und ihrem Kampf lesen wir weiter: "Sie haben ihn [nämlich den Drachen, den Teufel] überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses; und haben ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod." Michael, unser HERR Jesus Christus, hat mit seinen Engeln gekämpft gegen den Teufel. Seine Engel haben durch "das Blut des Lammes" diesen Kampf siegreich vollendet; sie haben ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod. Wirkliche Engel sind Geisterwesen und sterben doch nicht! Sagt selbst, wer sind die "Engel", die unter Jesus Christus und kraft seines Blutes den alten Drachen überwunden haben "und durch das Wort ihres Zeugnisses"?
Von ihnen sprach Johannes schon vorher: "Ich sah ...die Seelen derer, die erwürget waren um des Wortes Gottes willen... Und sie schrieen mit großer Stimme und sprachen: HERR, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du und rächset nicht unser Blut an denen, die auf Erden wohnen?" (Offbg. 6,9f.). Sie haben Zeugnis gegeben und in ihrem Zeugnis den Tod erlitten, kraft des Blutes ihres HERRn Christi; und haben ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod! - weil sie ihren HERRn und Meister lieber hatten, darum gaben sie ihr irdisches Leben hin und sind eingegangen in das ewige Leben.
Michael ist Christus, der an der Spitze seiner Gemeinde als der Gute Hirte steht und die Seinen führt und ihnen beisteht imn Kampf. Er gibt ihnen Kraft durch sein Blut und macht ihr Herz gewiß, daß sie ihn bekennen und ihren Mund zum fröhlichen Zeugnis öffnen, ja lieber sterben als ihn zu verleugnen. Michael ist Christus, und die hier seine Engel [d.h. auch seine "Boten"] genannt werden, sind die heiligen Märtyrer.
Der Kampf und große Streit tobt "im Himmel", d.i. im Gnadenreich Christi. So schreibt auch der heilige Apostel Paulus: "Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel." (Eph. 6,12).
So wie die heiligen Märtyrer um des Zeugnisses ihres Glaubens willen angefochten wurden, so werden auch wir täglich angegriffen und umkämpft und müssen kämpfen.
In diesem Kampf stehen uns die "dienstbaren Geister", die heiligen Engel Gottes bei, schützen die Kinder und die Großen und richten Gottes Befehle aus. Ihre Kampfkraft und ihre Schutzwacht ist uns sicher zugesagt. Ein herrliches Beispiel finden wir im Königebuch: "Und der Diener des Mannes Gottes stand früh auf und trat heraus, und siehe, da lag ein Heer um die Stadt mit Rossen und Wagen. Da sprach sein Diener zu ihm: O weh, mein Herr! Was sollen wir nun tun? Er sprach: Fürchte dich nicht, denn derer sind mehr, die bei uns sind, als derer, die bei ihnen sind! Und Elisa betete und sprach: HERR, öffne ihm die Augen, daß er sehe! Da öffnete der HERR dem Diener die Augen, und er sah, und siehe, da war der Berg voll feuriger Rosse und Wagen um Elisa her." (2.Kön 6,15-17).
Dazu hat der HERR Christus seiner Kirche Verheißung gegeben: "...und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen." (Matth. 16,18). Am Ende aber, wenn der HERR die Seinen aus dem Reich der Gnade hier in das Reich der Herrlichkeit und Ehre dort führen wird, dann wird kein Anfechten mehr sein, kein Kampfesgetümmel um des Glaubens willen, kein Leid, keine Träne. Davon spricht Johannes weiter: "Auch ward ihre Stätte nicht mehr funden im Himmel".
Jesus Christus hat durch seinen Sieg am Kreuz bestätigt, was weit vorher schon festgesetzt war: Der Satan hat keinen Platz im Himmel; sein Fall ist endgültig, es gibt für den Bösen kein Zurück. Der Himmel ist und bleibt der Ort des Friedens, die ewige Zuflucht der Gläubigen in Christo. Das ist der Ausblick, das Ziel, unsere Freude. Dahin wollen wir kommen, in das Reich unserer Sehnsucht.
Bis dahin aber, liebe Mitchristen, heißt es kämpfen und nicht müde werden. Noch leben wir im Glauben und nicht im Schauen, als Erlöste, aber noch nicht Vollendete, auf der Erde und noch nicht im Himmel. Davon spricht dieser Vers: Und es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, der die ganze Welt verführet; und ward geworfen auf die Erde; und seine Engel wurden auch dahin geworfen." Das ist seit dem Fall des Teufels der durch Gott begrenzte Wirkungskreis des Satans, der unter der Maske der Schlange unsere Ahnen und mit ihnen die ganze Menschheit verführt hat.
Ein brausender Gesang ertönt im Himmel, im ewigen Reich Gottes, aber auch in der Kirche Christi, im Gnadenreich auf dieser Erde: "Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich und die Macht unseres Gottes, seines Christus worden, weil der Verkläger unserer Brüder verworfen ist, der sie verklaget Tag und Nacht vor Gott. Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses; und haben ihr Leben nicht geliebt bis an den Tod." Der Kernsatz dieser Worte ist: "Sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut." Wir haben zu kämpfen, aber wir können und werden überwinden.
Die Stärke, im täglichen Kampf des Glaubens zu bestehen und endlich auch zu überwinden und zur Volledung in der Seligkeit zu gelangen, reicht uns unser HERR Christus durch sein heiliges, teures Blut. Mit diesem Blut hat er unsere Sündenschuld bezahlt und der Anklage des Teufels die Grundlage entzogen. So halte dem Satan, wenn er dich anficht, entgegen: "Ich bin getauft, ich bin ein Christ." Laß dich stärken vom Wort des HERRn, iß sein Fleisch und trinke sein Blut im heiligen Sakrament - so ausgerüstet zum Kampf wirst du ganz gewiß überwinden!
"Darum freut euch, ihr Himmel, und die darinnen wohnen!" Im ewigen Himmelreich stehen die heiligen Cherubim und Seraphim vor dem Thron des lebendigen und allmächtigen Gottes und jubeln: "Heilig, heilig, heilig ist HERR Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll!" (Jes. 6,3). Und wir beten: "Mit ihnen laß auch unsere Stimmen uns vereinen und anbetend zu dir sprechen!" Ja, das schenke uns der HERR, der allmächtige Gott!
Nun, liebe Gemeinde, was sollten wir uns fürchten? Steht doch Michael, der HERR "Gott gleich" im Kampf an unserer Seite. Er sendet uns seine mächtigen Diener, unsere Brüder, die heiligen Engel, die dienstbaren Geister. Er hat uns sein Wort gegeben, die Quelle aller Erkenntnis der Seligkeit und das heilige Sakrament seines Leibes und Blutes. Er versichert uns: "Fürchte dich nicht, du kleine Herde; denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben." (Luk. 12,32). Darum laßt uns weitergehen und weiter kämpfen, an seinem Wort und am wahren Bekenntnis festhalten.
Er will und kann euch lassen nicht, setzt ihr auf ihn eur Zuversicht; es mögen euch viel fechten an; dem sei Trotz, ders nicht lassen kann. [LKG 87,5] Darum laßt uns den Satan verspotten und Gott Dank sagen: "Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg? ...Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern HERRn Jesum Christum." (1.Kor. 15,55.57). Dort aber wenn der brausende Jubel wieder erschallt, dann gebe Gott, daß auch unsere verklärten Stimmen mitsingen: "Heilig, heilig, heilig ist HERR Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll!" (Jes. 6,3). Amen.
Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an den Verfasser