Predigt am Pfingstmontag


Lied nach der Predigt: LKG 187,5-7

Kollektengebet: Allmächtiger HERR und Gott, wir bitten dich, du wollest deinen Heiligen Geist in unsre Herzen geben, daß derselbe uns nach deinem Willen regiere und führe, in allerlei Anfechtung und Unglück uns tröste und in deiner Wahrheit wider allen Irrtum uns leite, auf daß wir im Glauben fest bestehen, in der Liebe und allen guten Werken zunhemen und endlich selig werden: durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern HERRn. Amen.


Predigttext: "Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten" Apg. 10,44

 

Herzlich geliebte Brüder und Schwestern!

"Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten"

Wir preisen Gott für die Gabe des Heiligen Geistes!

1. denn Gott hilft unserem Unvermögen auf aus lauter Liebe und

2. stärkt uns in Schwachheit aus lauter Güte und Barmherzigkeit.

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1. Gott hilft unserem Unvermögen auf aus lauter Liebe

"Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde" (Joh. 3,16f.) - so sprach der HERR Christus zu Nikodemus, dem fragenden Pharisäer.

Es ist alles so einfach, Gott hat den Weg so fein geebnet: "Glaube an den HERRn Jesus, so wirst du... selig" (Apg. 16,31). Die geerbte Mauer unserer natürlichen Abneigung gegen Gott und der Wall unserer Sündenschuld könnten so leicht und schnell abgetragen werden: "Glaube an den HERRn Jesus!". In der Schutzburg des Heilandes könnten Existenzangst, die Not des Gewissens, die Unruhe des Herzens und die Furcht vor dem Älterwerden und dem unausweichlichen Tod versinken: "Glaube an den HERRn Jesus!". Die Ungewißheit darüber, was nach dem Tod kommt, wie der Mensch vor Gottes Gericht bestehen kann, könnten in einem Nu verfliegen: "Glaube an den HERRn Jesus, so wirst du.... selig!"

Aber zwischen uns Menschen und den Sohn Gottes und den Glauben an ihn schiebt sich die Hure "Vernunft", die Mißtrauische, Ungläubige, durch Sünde Verdorbene. Gottes Wort ist ihr lächerlich, der Glaube an Jesus Christus zu märchenhaft, der Weg zurück Gott zu einfach und kindisch. Was für eine überwindende Macht ist nötig, um die Hure "Vernunft" zu besiegen! -steht sie doch im Dienst eines mächtigen Fürsten, im Dienste des Teufels!

Doch auch hier kommt uns der gütige, barmherzige Schöpfer zu Hilfe: Wie er in die Not unserer Sünde, in den Kreislauf unserer Feindschaft zu ihm, den Retter, den Heiland, gesandt hat, so gibt er uns auch in der Not unseres Unglaubens seine Gnade zu erkennen: "Und nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch..." (Joel 3,1). Der mächtige Heilige Geist kann und will die Herzen der Sünder erfüllen. Er hat die Macht, die Hure Vernunft gefangen zu nehmen unter Gottes Wort und den seligmachenden Glauben in den zweifelnden Herzen anzuzünden. "Niemand kann Jesum einen HERRn heißen ohne durch den Heiligen Geist" (1.Kor. 13,3).

Aus lauter Liebe durchbricht Gott selbst wiederum einen Bannkreis, damit wir zu ihm kommen und genesen, ja ewig selig werden können. Damit wir den einzigen Heiland und Erlöser "unseren HERRn" nennen können, kommt der Heilige Geist zu uns. Damit wir "an ihn glauben und nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben" (Joh. 3,16), weckt der Heilige Geist in uns Glaube, Liebe und Hoffnung zu Christus. Wie aber empfangen wir ihn? "Was sollen wir tun?" - so fragten am Pfingstfest zu Jerusalem viele Menschen, als sie die Predigt des Petrus gehört hatten. Der Apostel antwortete: "Tut Buße, und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes" (Apg. 2,38). Und in unserem Text heißt es: "Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten" (Apg. 10,44). Der Heilige Geist kommt also durch das Wort Gottes zu uns Menschen, durch das verkündigte Wort und durch das Wort Gottes in der heiligen Taufe.

"Denn ohne Gottes Wort ist das Wasser schlicht Wasser und keine Taufe; aber mit dem Worte Gottes ist es eine Taufe, das heißt, ein gnadenreiches Wasser des Lebens und ein Bad der neuen Geburt im Heiligen Geist..."

An Gottes Wort hat sich der Heilige Geist gebunden, so kommt er zu uns. Wir können ihn nicht erkämpfen, nicht gewaltsam zu uns ziehen, denn er ist "eine Gabe" (Apg. 2,38), eine Gabe, die Gott schenkt aus lauter Güte und Barmherzigkeit.

So bekennen wir auch in unserer Augsburgischen Konfession: "Solchen Glauben zu erlangen, hat Gott das Predigtamt eingesetzt, Evangelium und Sacrament gegeben, dadurch er als durch Mittel, den heiligen Geist gibt, welcher den Glauben, wo und wenn er will, in denen, so das Evangelium hören, wirket, welches da lehret, daß wir durch Christus Verdienst, nicht durch unser Verdienst, einen gnädigen Gott haben, so wir solches gläuben" (CA V).

Blicken wir in das Haus des Cornelius: Er war ein römischer Hauptmann der italischen Abteilung und stand im Glauben an den Gott Israels und hoffte in diesem Glauben auf den Messias Israels. Darum erinnert Petrus auch die Anwesenden: "Von diesem [nämlich von Christus] zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden haben sollen" (Apg 10,43). Dem Cornelius gab Gott durch einen Engel bescheid, den Apostel Petrus zu sich zu rufen, denn nun sollte auch Cornelius und sein Haus erfahren, wie Gott der HERR die Verheißung vom Heiland erfüllt hatte. Den Apostel aber, der bis dahin den Kontakt mit Nichtjuden gescheut hatte, bereitete Gott durch eine besondere Erscheinung darauf vor. So kam Petrus in das Haus des Cornelius und verkündigte vor allen Anwesenden den Heiland Jesus als den verheißenen und gekommenen Messias. Weiter heißt es: "Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten"

Wir wissen, daß Cornelius mit den Seinen schon vorher an den HERRn Christus glaubte, denn wir lesen: "Es war aber ein Mann zu Cäsarea mit Namen Cornelius, ein Hauptmann von der Schar, die da heißt die welsche, gottselig und gottesfürchtig samt seinem ganzen Hause und gab dem Volk viel Almosen und betete immer zu Gott" (Apg. 10,1f.) - und doch fiel der Heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten, also auch auf ihn. Der Heilige Geist wirkt nicht nur einmal durch Gottes Wort an den Herzen der Menschen, nicht nur zweimal, sondern wieder und wieder. Das ist unser Glück!

2. Wir preisen Gott für die Gabe des Heiligen Geistes!

... denn Gott hilft nicht allein unserem Unvermögen auf aus lauter Liebe, sondern er stärkt uns auch in Schwachheit aus lauter Güte und Barmherzigkeit.

Darum bekennen wir nicht nur: "Der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen....", sondern auch: "Er hat mich mit seinen Gaben erleuchtet und im rechten Glauben bei Jesus Christus geheiligt und erhalten" Die meisten von uns sind als kleine Kinder getauft und im Glauben an den Heiland erzogen worden. Andere haben erst später zu ihrem HERRn gefunden. Aber alle verbindet die gleiche Erfahrung: In all den Jahren des Christen-Lebens gab es Zeiten, in denen wir bewußt und entschieden dem Heiland nachfolgten und auch solche, in denen wir innerlich viel zu weit von ihm entfernt waren (wenn das vielleicht auch äußerlich für andere nicht zu erkennen war).

Aus unserem Text erfahren wir, daß der Heilige Geist immer und wiederholt an denen wirkt, "die dem Wort zuhören". Der Heilige Geist ruft durch das Evangelium nicht nur zu Christus, erhält nicht nur in beständigem Glauben an ihn, sondern er ruft auch zurück, wenn jemand sich weit von Christus entfernt hat oder schon aus dem Glauben gefallen ist. Was für ein Trost steckt in dem Satz: "Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten" Gottes Wort ist immer kräftig. Durch Gottes Wort wirkt immer der Heilige Geist. Solange Gott dich also noch sein Wort hören läßt, ruft er dich zum Heiland; solange er dich durch sein Wort ruft, will er dich erhalten, stärken und zurückführen zum seligmachenden Glauben. Solange du das teure Evangelium hören, lesen, irgendwie vernehmen kannst, reicht dein Gott dir die Hand; solange ist Gnadenzeit.

Dem Heiligen Geist hatte es damals gefallen, seine Gegenwart mit außergewöhnlichen Zeichen zu erkennen zu geben: "Denn sie hörten, daß sie mit Zungen redeten und Gott hoch preiseten." (Apg. 10,46). Und auch als Petrus später davon berichtet, sagt er: "Indem aber ich anfing zu reden, fiel der Heilige Geist auf sie gleichwie auf uns am ersten Anfang" (Apg 11,15) - wie am Pfingstfest in Jerusalem. Auch wenn es dem Heiligen Geist gefällt, seine Gegenwart heute nicht mehr durch solche außergewöhnlichen Zeichen zu begleiten wie in den ersten Jahrzehnten der Kirche Christi, so hat er doch nichts von dem zurückgenommen, was für unsere Seligkeit nötig ist. Auch heute gilt nach wie vor, was wir mit den Worten unseres Bekenntnisses bezeugen (LKG, Anhang Seite 107, Art. 5): "Solchen Glauben zu erlangen, hat Gott das Predigtamt eingesetzt, Evangelium und Sacrament gegeben, dadurch er als durch Mittel, den heiligen Geist gibt, welcher den Glauben, wo und wenn er will, in denen, so das Evangelium hören, wirket, welches da lehret, daß wir durch Christus Verdienst, nicht durch unser Verdienst, einen gnädigen Gott haben, so wir solches glauben. Und werden verdammt die Wiedertäufer und andere, so lehren, daß wir ohne das leibliche Wort des Evangelii den Heiligen Geist durch eigene Bereitung, Gedanken und Werke erlangen" (CA V).

 

Womit aber können wir Gott für diese unaussprechlich herrliche Gabe preisen?

Antwort gibt uns unser Predigtvers: "Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten"

A) Wir preisen Gott, wenn wir seinem heiligen Wort zuhören.

Ist es nicht oft die geistliche Trägheit, die uns abhält, die Gelegenheiten auszunutzen, wo wir Gottes Wort hören können? Gott sei es geklagt, daß unsere leidige Faulheit daran schuld ist, wenn wir die Zeiten verstreichen lassen, in denen wir uns mit den anderen Christen der Gemeinde zusammensetzen und sein heiliges Wort im gegenseitigen Austausch durchforschen und ergründen könnten. Frage sich ein jeder, der die Möglichkeit hätte, warum er Gottesdienste ohne Not versäumt und die Bibelstunde nicht besucht. Nicht nur du, sondern wir alle haben allen Grund, uns zu fragen, wieviel Zeit Gott uns gibt, über wieviel Zeit wir verfügen und was wir damit tun.

B) Wir preisen Gott, wenn wir sein Wort auch in unserem Haus wohnen lassen (wie Cornelius).

Ein alter Spruch mahnt: "Geh ohn' Gebet und Gottes Wort niemals aus deinem Hause fort". Du weißt ja nicht, ob du dahin zurückkehren wirst oder ob es dieser Tag ist, an dem du dein Haus zum letzten Mal verläßt und dann vor deinen Gott treten wirst. Wie du keinen Tag ohne Gottes Wort und Gebet beginnen sollst, so laß auch keinen Tag ohne Gottes Wort und Gebet enden. Denn so betete David im Heiligen Geist: "Gott, du bist mein Gott; frühe wache ich zu dir. Es dürstet meine Seele nach dir, mein Fleisch verlanget nach dir, in einem trockenen und dürren Lande, da kein Wasser ist... Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich; wenn ich erwache, so rede ich von dir" (Ps 63,2.7).

C) Wir preisen Gott, wenn wir sein Wort anderen nahe bringen, damit auch sie des Heiligen Geistes teilhaftig werden.

Gott schenke uns Friede und Freude im Heiligen Geist. Er erwecke unsere Herzen, ihn zu loben: "Bei Gott ist mein Heil, meine Ehre, der Fels meiner Stärke; meine Zuversicht ist auf Gott" (Ps. 62,8). Amen. 


Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an den Verfasser