PREDIGT AM PFINGSTSONNTAG
Lied nach der Predigt: LKG 186
Kollektengebet: HERR, Gott, lieber Vater, der du an diesem Tag deiner Gläubigen Herzen durch deinen Heiligen Geist erleuchtet und gelehrt hast, gib uns, daß wir durch denselben Geist rechten Verstand haben und zu aller Zeit seines Trostes und seiner Kraft uns freuen: durch deinen Sohn, Jesum Christum, unsern HERRn. Amen.
Predigttext: Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle einmütig beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden erfüllt vom Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. Apostelgeschichte 2,1-4
Lieber Gemeinde, im Namen Jesu Christi, unseres HERRn!
"So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Auf ihm werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist." (Eph.2,19-22). Der "heilige Tempel in dem Herrn", die "Wohnung Gottes im Geist", das ist die Kirche unseres Herrn Jesus Christus. Sie besteht aus den Gläubigen des Alten Bundes, die voller Sehnsucht auf das Kommen des Heilandes hofften und aus denen, die seit seinem Eintreffen durch das Wort der Apostel und Propheten zum seligmachenden Glauben an ihn gekommen sind.
Es ist ein kostbarer und herrlicher Bau in Gottes Augen, zusammengefügt aus lebendigen Bausteinen, aus Menschen, die dem "Wort vom Kreuz" seines Sohnes Vertrauen schenkten und sich von ihrem Heiland aus dem Verderben dieser Welt herauslieben ließen. Sie wurden dafür gehaßt, verfolgt und viele von ihnen grausam getötet. Dennoch brach dieser Bau nicht zusammen. In den schlimmsten Zeiten war er am schönsten und wurde noch größer!
Wodurch aber ist dieser lebendige, heilige Tempel gebaut worden? Einzig und allein durch die Verkündigung der Frohen Botschaft! Was für gewaltige Leute hatte Gott denn dazu eingesetzt? Es waren schwache, einfache Menschen wie Du und ich! Sie bauten nicht aus eigener Kraft, predigten nicht ihre Weisheit, sondern bekannten: "Wir sind Gottes Mitarbeiter; ... ihr seid Gottes Bau..." (1.Kor.3,9)
Am heiligen Pfingstfest wollen auch wir uns daran erinnern lassen: Gott der Heilige Geist ist der eigentliche Baumeister seiner Kirche. Wir dürfen seine Mitarbeiter sein - wie die Apostel, aber doch anders. Ihnen aber waren noch besondere Aufgaben zugedacht. Sie sollten den Grund der neutestamentlichen Kirche legen helfen; sie sollten inspirierte Schreiber der Heiligen Schrift sein und durch sie legte der HERR den Grund für das geordnete Predigtamt. Darum bestätigte Gott zu Pfingsten die Apostel als besondere Zeugen durch zwei Wunder und erleuchtete sie mit drei Gaben. Betrachten wir nun anhand unseres Bibelwortes:
DAS PFINGSTWUNDER DES HEILIGEN GEISTES
1) Wie Gott seine besonderen Boten bestätigt und 2) wie er sie für das große Werk ausgerüstet hat.
1. Wie Gott seine besonderen Boten bestätigte.
Bei seiner Himmelfahrt rief der Herr Christus seinen Jüngern zu: "Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde." "Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker... tauft sie... und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe." (Apg.1,8/ Matth.28,19.20). Das heißt doch: Reißt die Herzen der Menschen von ihren Götzen los! Besiegt durch euer Zeugnis von mir das Reich des Teufels! Predigt das Wort vom Kreuz, das für die Juden skandalös und für die klugen, selbstgerechten Menschen der reinste Unsinn ist! Führt mir die verlorene Menschheit zu, damit sie mich als Heiland und Herrn lieben lernen! Was mögen die Jünger bei diesen Worten ihres Herrn wohl gedacht haben? Ob sie sich an die großen Propheten des Alten Testamentes erinnerten, die doch auf so wenige offene Ohren im kleinen Land Kanaan gestoßen waren?
Und sie sollten dasselbe Werk, an allen Nationen dieser Welt tun?! Was hatten sie denn für Möglichkeiten? Wie sollten sie denn die Worte setzen? Wie sollten sie denn diesen Auftrag auch nur im mindesten erfüllen können? Aus diesem Grund hatte Christus ihnen einen größeren Beistand verheißen. Vor aller Welt sollte es offenkundig werden, daß die christliche Kirche nicht von Menschenhand gebaut, sondern ein Werk Gottes, des Heiligen Geistes ist. Darum wählte Gott einfache Fischer, Teppichweber und Zöllner zu seinen Mitarbeitern.
Nicht große Gelehrte, sondern schlichte, von vielen verachtete Menschen, die ihre Weisheit nicht in hohen Schulen, sondern in der Schule des Geistes Gottes gelernt hatten. Der Herr Jesus hatte ihnen gesagt, sie sollten in Jerusalem auf die Kraft des Heiligen Geistes warten. Das hatten sie auch getan; aber in dieser Zeit wagten sie nicht, anderen Menschen von Jesu Tod und seiner Auferstehung zu erzählen. Sie trafen sich, wie Lukas erzählt im Obergemach eines Hauses mit den christusgläubigen Frauen, mit Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.
Dann kam das alttestamentliche Pfingstfest, an dem sich Juden und Gläubige aus vielen Ländern in Jerusalem versammelten, um an die Gesetzgebung Gottes auf dem Sinai zu denken. "Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie (die Apostel) alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen." Plötzlich und schnell, gegen 9.00 Uhr morgens, wie wir später erfahren, wurden die in einem Haus Versammelten von einem Getöse und Brausen eines seltsamen Windes überrascht. Auch andere Menschen wurden darauf aufmerksam und kamen, um diese eigenartige Erscheinung zu erleben.
Gott der Herr wollte nicht in der Stille handeln. Das Brausen war seine Einladung: "Kommt her und seht an die Werke des Herrn; seid still und erkennt, daß der Herr Gott ist!" Die Menschen sollten sich um seine Apostel versammeln, sollten erkennen, daß diese Menschen jetzt ausgerüstet werden zum Dienst an der Welt im Auftrag der allerhöchsten Majestät, als Boten des allmächtigen Gottes! Darum heißt es: "Das Brausen kam vom Himmel." und zwar für alle offensichtlich! Es war wie das Brausen "eines gewaltigen Windes". Damit hatte Christus schon vorher die Wirkung des Heiligen Geistes verglichen, z.B. als er in der Nacht mit Nikodemus sprach: "Der Wind bläst, wo er will und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist." (Joh.3,8). Jesus hatte seine Jünger angehaucht und dabei gesprochen: "Nehmt hin den Heiligen Geist!" (Joh.20,22). So hatte es auch der Prophet Elia erfahren, als ihm vor der Offenbarung des HERRn der starke Wind und das stille, sanfte Sausen begegnete (1.Kön.19,11f.).
Was wollte Gott wohl durch den Pfingstwind andeuten? Getragen vom Wind des Geistes Gottes sollten nun die Apostel getrost in alle Welt gehen. Das Schiff der kleinen Christenschar sollte auslaufen und von Küste zu Küste, von Insel zu Insel segeln und den verlorenen Menschen durch die Kraft Gottes den Weg zum ewigen Leben zeigen. Das Wehen dieses Windes "erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen". Ein natürlicher Wind hätte ganz Jerusalem erfüllt. Dieser Wind aber war Vorbote der Ausgießung des Heiligen Geistes und bewegte sich nur bei denen, die Gott in besonderer Weise ausrüsten wollte.
Schon einmal hatte Gott ähnlich gehandelt: Bei der Einweihung des Tempels, den Salomo erbaut hatte. "Als die Priester herausgingen, aus dem Heiligen, erfüllte die Wolke das Haus des HERRn, so daß die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRn erfüllte das Haus des HERRn." (1.Kön.8,10.11) Buchstäblich wurden die Apostel nun mit dem Heiligen Geist getauft. Aber so gewaltig das Brausen auch war, nichts wurde dadurch zerstört, nichts beschädigt. So sollte das Evangelium die gesamte Welt bewegen, aber nicht zum Verderben, nicht zu ihrem Schaden, sondern zu ihrem ewigen Heil!
"Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden unter ihnen." Wir wissen, daß vom Himmel gefallenes Feuer schon z.Z. des Alten Testamentes ein Zeichen der Gnadengegenwart Gottes war. Denken wir nur daran, wie Gott dadurch selbst die Stiftshütte eingeweiht hat (2.Mose 40,38) oder wie er das Opfer Elias bestätigte (1.Kön.18,38) oder wie er mit Mose aus dem brennenden Busch sprach (2.Mose 3,3.4). Zu Pfingsten aber hatten die "Zungen zerteilt, wie von Feuer" noch eine andere Bedeutung. Die Zungen wiesen darauf hin, auf welche Art und Weise das Reich Gottes in dieser Welt gebaut werden sollte: Nicht durch Waffengewalt, nicht Überwältigung der Ungläubigen zwingenden Mitteln, sondern durch Zungen, durch die einfache und schlichte Verkündigung des Evangeliums in der Kraft des Geistes!
Jesus sprach einmal: "Ich bin gekommen, daß ich ein Feuer anzünde auf Erden; was wollte ich lieber als daß es schon brennte." (Luk.12,49). Dieses Feuer begann nun in aller Öffentlichkeit zu brennen: "Ihr werdet meine Zeugen sein ...bis an das Ende der Erde."
2. Wie Gott seine Boten für das große Werk ausgerüstet hat.
Zu diesem gewaltigen Werk wurden die Apostel nun in besonderer Weise ausgerüstet, denn es heißt: "Und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist." Das heißt nun nicht, daß die Apostel erst an diesem Tag den Heiligen Geist empfangen haben. Sie glaubten ja schon vorher an den Heiland, wie Petrus im Namen aller Jünger sprach: "Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens und wir haben geglaubt und erkannt, daß du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!" (Joh.6,68.69).
Ein solches Bekenntnis kann kein Mensch ohne den Heiligen Geist ablegen, "denn niemand kann Jesus Christus den Herrn heißen ohne durch den Heiligen Geist." (1.Kor.12,3). Wir lesen ja auch nicht: "Sie empfingen alle den Heiligen Geist." sondern "Sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist." In dem Augenblick, wo der brausende Wind sie umwehte und die feurigen Zungen über ihnen erschienen, ergossen sich die Wundergaben des Heiligen Geistes in ihre Seelen. Da wurden Zweifel besiegt, Unklarheiten ausgelöscht und sie sahen Gottes Rettungswerk das Wirken und Predigen des Herrn in völlig klarem Licht. Alle jüdischen Vorurteile über das Reich Gottes, die ihnen seit ihrer Jugend anhafteten, verschwanden. In einem Augenblick wurden aus Ungelehrten vom Geist Gottes Erleuchtete, aus schlichten Handwerkern die Lehrer aller Menschen, Lichter der Welt, Verfasser der Heiligen Schrift.
Da wurde das Wort des Herrn erfüllt: "Ich will euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Gegner nicht widerstehen noch widersprechen können." (Luk.21,15) und: "Wer euch hört, der hört mich. Sorgt nicht, wie oder was ihr reden sollt; denn es soll euch zu der Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt. Denn ihr seid es nicht, die da reden, sondern eures Vaters Geist ist es, der durch euch redet." (Matth.10,20). Durch dieses Wunderwirken des Heiligen Geistes konnten sie nun auch auftreten und sagen: "Wir reden nicht mit Worten, die menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der heilige Geist lehrt." (1.Kor.2,13)
Nun konnten sie sagen: "Wenn jemand euch Evangelium predigen würde, anders, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht!" (Gal.1,8). Was für eine göttliche Gewißheit gehört dazu! Sie waren sich nun ihrer Erleuchtung bewußt und sagten, daß auch das Geringste, was sie lehren, nicht Menschenweisheit, nicht Menschenwort, sondern ewiges, irrtumsloses Gotteswort ist! Nun wissen auch wir, daß zwar Himmel und Erde vergehen werden, aber nichts von dem, was die heiligen Apostel des Herrn geredet oder geschrieben haben!
Diese übermenschliche Gewißheit, diese hohe Erleuchtung aber war nicht das einzige, womit sie ausgerüstet wurden. "Und sie fingen an, zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen." Und was haben sie da gepredigt!? Petrus sprach z.B.: "So wisse nun das ganze Haus Israel gewiß, daß Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat!" (Apg.2,36). Damit erklärte er ganz Jerusalem, ja das ganze Volk Israel zu Mördern des Messias! Wie konnte er wagen, diese Wahrheit vor einer solchen Menge der Gegner Jesu beim Namen zu nennen?! Konnte er nicht deswegen schon am selben Tag festgenommen und angeklagt werden?! Oder hatte sich inzwischen der Hohe Rat bekehrt?! Nein! Aber derselbe Jünger, der Wochen zuvor Christus vor einer Magd verleugnet hatte, predigte ihn jetzt in der Kraft des Heiligen Geistes vor aller Welt! Und alle Apostel, die aus Gethsemane geflohen waren, stimmten mit ihm in dieses Bekenntnis ein! Ohne diese Ausrüstung hätten diese Männer niemals den Grund der weltweiten Kirche Christi legen können! In Menschenaugen wehrlos standen sie wie Schafe mitten unter reißenden Wölfen und begannen "zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen."
Das war ein außerordentliches, herrliches Wunder: Ohne daß sie diese Fremdsprachen gelernt hatten, konnten sie diese fließend sprechen! Diese Gabe der Sprachen war das SIEGEL Gottes, mit dem er seine Apostel als seine bevollmächtigten Zeugen stempelte. Darüberhinaus hatten die Apostel auch die Macht, im Namen Jesu Kranke zu heilen, Teufel auszutreiben, tödliches Gift ohne Schaden zu trinken, Tote lebendig zu machen. (Markus 16,15ff). Ja, Gott befähigte sie sogar dazu, daß Kranke gesund wurden, wenn sie nur vom Schatten dieser Gottesboten überschattet wurden oder wenn man Kranke mit ihren Schweißtüchern bedeckte.
Solche Gaben hat Gott seiner Kirche in ihrer Anfangszeit gegeben, aber nicht versprochen, sie zu wiederholen, wie es die Schwärmer behaupten, die Pfingsten nachäffen wollen. Sind ihre vermeintlichen Gotteswunder dann noch vermischt mit falscher, dem Wort Gottes widersprechender Lehre, dann steht ein anderer als Gott dahinter. Wer behauptet, in einer lebendigen Gemeinde müsse auch die Gabe des Zungenredens auftreten, widerspricht dem Wort des Apostels, der klar sagt, daß es dies in der letzten Zeit nicht mehr geben wird (1.Kor.13,8). Und eben das will Gott der Herr auch heute bei uns erreichen: Daß wir uns felsenfest auf das geschriebene Wort seiner Apostel und Propheten verlassen, darauf unser Vertrauen setzen, daran unseren Glauben nähren und die Hoffnung auf die Seligkeit stärken lassen.
Sooft wir ihr Wort lesen, wollen wir an die Ausgießung des Heiligen Geistes denken und ihr Wort willig annehmen, denn es ist das Wort unseres Gottes und Heilandes. Dann werden auch wir die Kraft des Heiligen Geistes, seinen Trost schmecken, seine Freude empfinden. Ja, er wird unsere Zweifel besiegen, unsere Schwachheit stärken und wir werden in seiner Kraft fähig sein, andere Menschen zum Heiland zu führen. Dazu helfe uns der allmächtige Gott! Amen.
Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an den Verfasser