Predigt über Römer 8,12-14

 

Predigttext: So sind wir nun, liebe Brüder, Schuldner nicht dem Fleisch, dass wir nach dem Fleisch leben. Denn wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder. 

 

Im Namen unseres HERRn Jesu Christi, liebe Gemeinde!

Letzten Sonntag haben wir die Worte gehört: „Ich muss menschlich davon reden um der Schwachheit eures Fleisches willen: Wie ihr eure Glieder hingegeben hattet an den Dienst der Unreinheit und Ungerechtigkeit zu immer neuer Ungerechtigkeit, so gebt nun eure Glieder hin an den Dienst der Gerechtigkeit, dass sie heilig werden“ (Röm. 6,19)

Es war die Rede von der „Gerechtigkeit vor Gott“, wie wir Sünder Gott recht werden, und dass das die rechte Freiheit ist, wenn wir Gott dienen.

Dem gegenüber ist der natürliche Mensch dem Irrtum verhaftet, sobald er ein Christ werde verliere er seine Freiheit und lebe im Gefängnis der Gebote Gottes.

Er bedenkt nicht, dass er seinen Gott und Richter zum Feind hat und den Satan zum Herrn, der ihn zu zerstören sucht in Zeit und Ewigkeit.

Sobald ein Mensch sich von Christus überwinden und sich durch sein Gnadenwort das Herz abgewinnen lässt, ist er versetzt in den Stand des Friedens mit Gott.

Er ist Gott recht. Im Glauben hat er „die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt“, wie wir im Römerbrief lesen: „Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus“ (Röm. 5,1).

Er steht fortan unter dem Schutz und in der Fürsorge seines barmherzigen HERRn und darf, ja soll in aller Not zu ihm kommen und um Hilfe bitten.

Diesen Beistand, Jesu Stärke und die fortwährende Gnade Gottes braucht er auch, damit er gegen die taktisch ausgefeilten und mächtigen Angriffe des Teufels widerstehen kann: „Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge“ (1.Petr 5,8).

Es geht also hier darum, dass wir das neue geistliche Leben nicht wieder zu verlieren, sondern als Christen gegen die Versuche des Satans kämpfen, der uns aus Gottes Reich herauszureißen sucht!

Von diesem Kampf spricht der Apostel Paulus in dem Text, der heute erklärt wird: „So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben“.

Denn 1. wer nach dem Fleisch lebt, muss sterben.
2. wer durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, wird leben.

Zuerst müssen wir klären, was hier mit „Fleisch“ gemeint ist.

In seinem nächtlichen Gespräch mit Nikodemus sagt Jesus: „Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist“ (Joh 3,6).

Mit „Fleisch“ kann also zum einen nicht das Fleisch des Menschen gemeint sein, das verletzt werden kann und dann blutet.

Paulus lehrt: „Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben“.

„Fleisch“ bezeichnet hier etwas Schlechtes, die schlechte Art im Menschen.

Und wenn wir lesen: „Denn die da fleischlich sind, die sind fleischlich gesinnt; die aber geistlich sind, die sind geistlich gesinnt“ (Röm. 8,5), dann merken wir: Der Gegensatz zu „fleischlich“ ist „geistlich“.

„Fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott“ (Röm. 5,7).

In „Feindschaft gegen Gott“ befindet sich ein Mensch, der ohne Vergebung und ohne Glauben an Christus lebt.

Also ist mit „fleischlich“ in der Bibel gemeint, wenn jemand dem Reich des Satans zugehört und in Feindschaft zu Gott lebt.

Darum ruft Paulus den Christen zu: „Ihr aber seid nicht fleischlich“ (Röm. 5,9).

Und er mahnt: „Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben“.

„Nach dem Fleisch leben“ –damit sind also nicht nur sexuelle Verirrungen gemeint, sondern auch alle anderen sündlichen Dinge.

„Sünde“ ist alles Denken, Reden und Tun, was Gottes heilige Gebote missachtet, verletzt und übertritt.

Also wenn man Gott nicht „über alle Dinge fürchtet, liebt und ihm vertraut“ oder wenn man Gottes Wort verachtet, indem man keine tägliche Andacht liest, ohne dass man krank oder sonst wie in Not ist nicht zum Gottesdienst kommt oder (wenn man da ist) weghört.

Zu solchen Übertretungen gehört auch der Hass und Groll im Herzen gegen den Nächsten, unreine Wünsche, das wohlgefällige Betrachten unzüchtiger Dinge, den Mitmenschen schlecht machen oder fremdes Gut durch Diebstahl an sich nehmen, ja sogar fremdes Gut neidisch und in Habgier begehren.

Wenn ein Christ beginnt „nach dem Fleisch zu leben“, dann gewöhnt er sich an Sünden, verhärtet sich darin, beginnt sie zu lieben und verliert immer mehr den seligmachenden Glauben.

„Nach dem Fleisch leben“ heißt also „nicht nach dem Willen Gottes leben, sondern dem Teufel gehorchen“.

Mit “Fleisch” bezeichnet Gottes Wort das sündige Wesen des Menschen, die irdische Gesinnung, den mächtigen Hang zur Sünde, die Gleichgültigkeit und Feindschaft gegen Gott.

Nun spricht Gottes Wort: „So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben.“

 1. Wer nach dem Fleisch lebt, muss sterben

Der kann nicht selig werden. Der wird im ewigen Verderben sterben, d.h. der wird verdammt.

Man möchte fragen: Wer kann dann selig werden? Muss ein Mensch perfekt sein, völlig sündlos, damit er vor Gott bestehen kann?

Paulus schreibt vorher: „Ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich... Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich“ (Röm. 7,15ff).

Hier beschreibt der Apostel den Kampf, der sich in einem Kind Gottes abspielt: Es kommt immer wieder dazu, dass ein Christ etwas denkt, redet oder tut, womit er Gottes heiligen Willen missachtet oder verletzt.

Das will er nicht, aber das geschieht, weil er schwach ist.

Er sündigt nicht, weil er sich das vorgenommen hat, sondern weil der Teufel ihn überlistet und überrumpelt hat. Das ist der Unterschied!

„Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt…“ heißt also: „Wenn ihr euch der Sünde hingebt“ oder: „wenn ihr euch vornehmt zu sündigen“.

Darum schreibt Paulus auch: „dass wir hinfort der Sünde nicht dienen (Röm. 6,6) und „So lasst nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, und leistet seinen Begierden keinen Gehorsam. Auch gebt nicht der Sünde eure Glieder hin als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern gebt euch selbst Gott hin, …und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit“ (Röm. 6,12.13).

Lasst also die Sünde nicht herrschen und seid den sündlichen Sehnsüchten eures Körpers nicht gehorsam.

Dass wir aus Schwachheit in Sünde fallen, ist kein Wunder, denn wir sind wohl gerechtfertigt und Kinder Gottes, aber wir leben umgeben von Sünde und werden vom Teufel hart bedrängt.

Dass wir uns aber der Sünde hingeben, sie über uns herrschen lassen, das soll und darf nicht sein!

Es ist, als ob unsere Gliedmaßen Werkzeuge oder Waffen wären: Man kann sie in den Dienst der Sünde stellen oder auch Gott hingeben.

So kommt es auch, dass das Christenleben wiederholt als Kampf beschrieben wird: „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist …“ (1.Tim. 6,12).

„Nach dem Fleisch leben“ heißt also „aufhören gegen die Sünde zu kämpfen, sich ihr hingeben, sie immer mehr über sich herrschen lassen, die Gedanken an Gottes heilige Gebote unterdrücken, das Gewissen zum Schweigen bringen, sich Ausreden ausdenken.

Gott sieht ins Herz und erkennt, ob wir um unserer Schwachheit willen überrumpelt werden und sündigen ohne dass wir es wollen oder ob wir mit Wissen und Willen gegen ihn freveln.

Gott weiß, ob wir aus dringender Not versäumen, sein Wort zu hören oder in der Woche mit anderen zusammen zu lesen oder ob wir uns Ausreden ausdenken und uns vor unserem eigenen Gewissen zu rechtfertigen suchen.

Das meint Gottes Wort, wenn es uns mahnt: „So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben. Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben“.

In keiner Weise bist du der sündigen Natur in dir irgendetwas schuldig.

Darum sollst du ihr und ihren Wünschen auch nicht folgen.

Es steht nicht in unserer Willkür oder in unserem Gutdünken dies zu tun oder zu lassen.

Wollen wir Christen sein, so sind wir schuldig, nicht gemäß dem Fleisch zu leben, das in Sünden beharren will und sich der Ungerechtigkeit hingibt, sondern wir sind schuldig, gemäß dem Heiligen Geist zu leben, der uns zum Guten zieht.

Du bist dem etwas schuldig, der sich für dich hingegeben und geopfert hat; darum sollst du durch den Heiligen Geist, den er dir zur Hilfe gibt, die sündigen Begierden in dir bekämpfen und sie nicht zur Tat werden lassen.

„Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“

Ja, Kinder Gottes, Christenmenschen, lassen sich vom Heiligen Geist treiben – nämlich dahin treiben, das sie sagen: Nein, ich gebe nicht nach! Ich will nach dem Willen dessen leben, der mich erlöst hat von meiner Sünde, vor der ewigen Verdammnis und aus der Herrschaft des Teufels!

Ein Christ soll denken: Ich will ich mich vor der Sünde fürchten und mich vor ihr hüten, sonst treibt mich der Teufel wieder in das alte Gefängnis und ich stehe wieder unter Gottes Zorn und Ungnade.

Das schreibt der Apostel an die Galater: „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern  Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben“ (Gal. 2,20).

Ja, das soll unseren Sinn und unser Begehren bestimmen, das der HERR Christus uns geliebt hat bis in den Tod!

Sollen wir denn nun noch der Sünde dienen? Und ihr Gehorsam leisten?

Wo wir doch wissen, dass wir Gott damit beleidigen? Und unsere Seligkeit aufs Spiel setzen?

Das sei ferne! Das ja nicht!

„Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!“

Wir sehen nicht widerwillig auf Gottes Gebote, denn wir wissen, dass sie heilig, gerecht und gut sind (Röm. 7,12).

Wir sind ja nicht Diener des Teufels und der Sünde!

Wir stehen nicht außerhalb des Reiches Gottes und müssen uns nicht wie Sklaven fürchten vor seinem Gericht, wenn er Rechenschaft von uns fordert!

Wir sind erlöste Kinder Gottes! „Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden“.

Ja, wir leiden hier als Christen, denn wir tun uns selbst weh, nämlich dem alten Menschen in uns, der nicht leiden will um Christi willen, der sich ständig gegen Gottes Willen aufbäumt, der Ach und Weh schreit, wenn wir ihm die Tür vor der Nase zuschlagen und eben in seine sündigen Wünsche nicht einwilligen.

Dazu setzen wir uns dem Spott und dem Hohn mancher Leute aus, die unser Christsein verachten, die scheinbar im Leben weiterkommen, wenn sie sündigen, und uns um unseres zarten Gewissens willen belächeln.

Aber dieses Leiden um Christi willen ist wie nichts gegen das, was wir als Christen haben.

Das schreibt Paulus im nächsten Vers, der eigentlich nicht mehr zu unserem Predigttext gehört: „Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll… Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“ (Röm. 8,18).

...eben auch solches Leiden um Christi und um unserer Seligkeit willen.

 

2. Darum heißt es: “Wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben”.

Durch dieses Töten, d.h. durch den täglichen Kampf, „Nein!“ zu sagen zur Sünde und dem Willen Gottes zu folgen…, durch diesen Kampf kaufen wir Gott nicht unsere Errettung oder die Seligkeit ab.

Dadurch können wir uns vor ihm auch nichts verdienen.

Wir sind ja schon Kinder Gottes durch den Glauben an Jesus.

Wir Kinder Gottes kämpfen, damit wir vom Bösen nicht überwunden werden.

Das wird so bleiben bis wir im Himmel sind.

Dies beten wir auch im Lied: Lasst uns töten, weil wir leben, unser Fleisch, ihm sterben ab...” [LKG 251,3].

Dieses “Töten der Sünde oder eben der Taten des Fleisches durch den Geist”  geschieht so, dass wir Sünde und Schwachheit erst einmal erkennen.

Denn wenn Gott uns auffordert, nicht „nach dem Fleisch zu leben“ und „durch den Heiligen Geist die Taten des Fleisches zu töten“, so müssen wir ja wissen, wovor wir uns hüten sollen und was wir zu bekämpfen haben.

Dies lehrt uns Gottes Gesetz, also die heiligen 10 Gebote.

Fühlen wir, wie sich böse Sehnsüchte in uns regen und wir zu etwas getrieben werden, so sollen wir das an Gottes Gesetz messen.

Erkennen wir es anhand der 10 Gebote als falsch, dann dürfen wir dem nicht freien Lauf lassen, sondern sollen dem sofort den Riegel vorschieben.

Zwar sind wir mit Schwachheit behaftet, aber auch nur ein Stoßgebet zu unserem HERRn kann eine solche göttliche Stärke auf uns kommen lassen, dass wir nur noch staunen.

Das meint Jesus, wenn er sagt: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt“

Denn vielleicht hältst du es für unmöglich, von einer Sünde lassen zu können, die dich wie mit tausend Stricken gebunden hat, aber Jesus, dein Erlöser, will und kann dich dazu bringen, dass du sie überwindest!

Paulus spricht: “Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, da ihr ja nicht unter dem Gesetze seid, sondern unter der Gnade” (Röm. 6,14).

Darauf nun kommt alles an, dass wir unter der Gnade Gottes in Jesus Christus sind und auch bleiben!

Hat doch der Heiland nicht nur für Petrus, der ihn erst geliebt und dann verleugnet hat, am Kreuz gehangen und hat Christus doch nicht allein die Sünden des vorher so frommen David getragen, der dann in Ehebruch und Mord fiel!

Er hat doch auch für deine Schuld, für alle deine wiederholte Sünde, für deine Unlust und Faulheit zu Gottes Wort, für deine unreinen habgierigen oder neidischen Begierden und alle unzüchtigen Regungen, für Lügen und böse Worte sein heiliges teures Blut vergossen!

Darum suche nicht in dir, was dich Gott angenehm machen könnte, du erkennst in dir doch nur Sünde, Tod und Verdammnis!

Höre Jesu Wort: “Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus…” (Luk. 18,13.14).

Das schenke auch uns allen der gnädige und barmherzige Gott durch den Glauben an Jesus Christus. Amen.


Verfasser: Pfarrer Martin Blechschmidt, Steeden a.d. Lahn -- Zuschriften an den Verfasser