1. Die Heilige Schrift ist Gottes Wort (Inspirationslehre)
2. Die Heilige Schrift ist das größte Heiligtum
3. Die Autorität der Heiligen Schrift
5. Das Licht zum Verständnis der Schrift: die rechte Unterscheidung von Gesetz und Evangelium
6. Gottes Wort ist uns zum Glauben gegeben - die Aufgabe der Heiligen Schrift
7. Gottes Wort - Gottes Gnadenmittel
8. Wir sollen das Wort Gottes heilig halten, gerne hören und lernen
1. Confessio Virtembergica von 1552
2. Die Nürnberger 23 Lehrartikel von 1528 zur Visitation
3. Die brandenburgisch-nürnbergische Kirchenordnung von 1533
1. Die Kurze Darlegung der Lehrstellung der Missouri-Synode (Brief Statement)
3. Das Wort sie sollen lassen stahn (The Word shall stand)
Auf den ersten Blick scheint es nicht viel zu sein, was die im Konkordienbuch zusammengestellten lutherischen Bekenntnisschriften (BS) über die Heilige Schrift Gottes lehren, denn keines der Bekenntnisse hat einen eigenen Lehrartikel entsprechend z.B. Denen über Rechtfertigung, Gesetz und Evangelium, Abendmahl. Das hat seinen historischen Grund in der Tatsache, daß es zur Zeit der Reformation unumstritten war, daß die Heilige Schrift Gottes Wort ist, die evangelisch-lutherischen Bekenntnisse aber eigentlich nur die Streitpunkte aufgreifen und zu ihnen die biblische Lehre bezeugen. In den Darlegungen zu den verschiedenen Lehrartikeln aber gibt es eine Fülle von Aussagen zur Heiligen Schrift, die es möglich machen, doch eine umfassende Darlegung der Lehre von der Heiligen Schrift in den evangelisch-lutherischen BS zu geben, wie es hier in den Grundzügen versucht wird.
Daneben aber gibt es sowohl regionale Bekenntnisschriften
lutherischer Kirchen (etwa die fränkischen Bekenntnisse und das Württembergische
Bekenntnis (Confessio Virtembergica), die weiter in Einzelartikeln darauf
eingehen, als auch Bekenntnisse und offizielle Lehrdokumente des Bekenntnisluthertums
aus jüngerer Zeit (z.B. Kurze Darlegung der Lehrstellung (Brief Statement),
Darlegung biblischer und bekenntnisgemäßer Grundsätze (Statement
on Scriptural and Confessional Principles), Hier stehen wir - unser evangelisch-lutherisches
Bekenntnis (Here we stand - Our Evangelical Lutheran Confession)), in denen,
gerade auch in Auseinandersetzung mit der bibelkritischen Irrlehre, die
alte Bibellehre bezeugt wird. Auf diese auch für den aktuellen Kampf
der christlichen Kirche wichtigen Dokumente soll in Exkursen im Anhang
eingegangen werden.
Und weil dem so ist, darum bekennt sich die
evangelisch-lutherische Kirche ,,zu den prophetischen und apostolischen
Schriften alten und neuen Testaments als zu dem reinen, lautern Brunnen
Israels, welche allein die einige wahrhaftige Richtschnur ist, nach der
alle Lehrer und Lehre zu richten und zu urteilen sind." (FC, SD, Summ.
3,4), d.h.: Nur aus der Heiligen Schrift als dem Wort Gottes darf die Lehre
der Kirche entnommen werden, sie, die Schrift, ist Richterin; alle Lehre,
die von etwas anderem entnommen wird, darf nicht kirchliche Lehre sein,
,,wie
geschrieben stehet: ,,Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und
ein Licht auf meinem Wege." Ps. 119. Und St. Paulus: ,,Wenn ein Engel vom
Himmel käme und predigte anders, der soll verflucht sein." Gal. 1."
(FC, Epit. Summ., 1) Deshalb weiß sie auch, was sie bittet, wenn
sie betet: Geheiliget werde dein Name, nämlich: ,,Wo das Wort Gottes
lauter und rein gelehret wird, und wir auch heilig als die Kinder Gottes
darnach leben. Das hilf uns, lieber Vater im Himmel. Wer aber anders lehret
und lebet, als das Wort Gottes lehret, der entheiliget unter uns den Namen
Gottes. Davor behüte uns, himmlischer Vater." (Kl. Katechismus,
III, 3-5) Weil es Gottes- und nicht Menschenwort ist, darum darf die Kirche
damit nicht spielen, sondern hat die heilige Verpflichtung, es rein, lauter,
unverfälscht zu lehren, andernfalls versündigt sie sich zutiefst,
ja, beleidgt aufs höchste die Majestät Gottes.
Was aber ist der Schlüssel zur Schrift? Das bekennt die evangelisch-lutherische Kirche in ihrem Kampf mit Rom über den Artikel von der Rechtfertigung oder wie man vor Gott fromm und gerecht wird: ,,Dieweil aber solcher Zank ist über dem höchsten, vornehmsten Artikel der ganzen christlichen Lehre, also daß an diesem Artikel ganz viel gelegen ist, welcher auch zu klarem richtigen Verstande der ganzen heiligen Schrift vornehmlich dienet und zu dem unaussprechlichen Schatz und der rechten Erkenntnis Christi den Weg weist, auch in die ganze Bibel allein die Tür auftut, ohne welchen Artikel auch kein arm Gewissen einen rechten beständigen Trost haben oder die Reichtümer der Gnaden Christi erkennen mag." (Apol. IV, 2) Die Rechtfertigungslehre, das ist, daß wir Vergebung der Sünden durch Christus ohne unser Verdienst allein durch den Glauben, allein aus Gnaden erlangen: das ist der Hauptartikel der christlichen Lehre, das macht die Kirche zur christlichen Kirche (nicht das Gesetz, das nicht zum Wesen der Kirche gehört, denn die Heiden haben es auch). Denn: ,,In der christlichen Kirche ist das kein geringer Artikel, sondern der allerhöchste und Hauptartikel, daß wir Vergebung der Sünden erlangen ohne unsern Verdienst durch Christus, und daß nicht unsere Werke, sondern Christus sei die Versöhnung für unsere Sünde." (Apol. XX, 79) ,,Paulus in der Epistel an die Römer behandelt vornehmlich dieses Stück, wie ein Mensch vor Gott fromm werde und schließt, daß alle, die da glauben, daß sie durch Christus einen gnädigen Gott haben, ohne Verdienst durch den Glauben gerecht werden. Und diesen gewaltigen Schluß, diese Proposition, in welcher gefasset ist die Hauptsache der ganzen Epistel, ja der ganzen Schrift, setzet er im dritten Kapitel mit dürren klaren Worten so: ,,So halten wir es nun, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben." Röm. 3,28." (Apol. IV, 87)
Aber nicht nur das: erst von diesem Artikel her können wir wirklich die Schrift Gottes verstehen, können Gesetz und Evangelium in ihrer Unterschiedenheit recht erkennen und dadurch auch die Aussagen der Schrift verstehen. (Wohl ist jeder Lehrartikel für sich aus seinem Sitz der Lehre zu verstehen; aber wir haben keine lineare Schriftauffassung, sondern Gott selbst hat Schwerpunkte gesetzt und von daher auch die verschiedenen Artikel der einen christlichen Lehre in eine geistliche Ordnung gebracht.)
Wer also den Christus für uns, die Rechtfertigungslehre,
nicht wirklich als Kern und Stern der Heiligen Schrift Gottes festhält,
lehrt und danach die gesamte Lehre ordnet, der hat eine andere, eine der
Schrift widersprechende Schriftauffassung, mag er auch sonst die Verbalinspiration
bekennen (hierin gehören z.B.: Entscheidungstheologie; keine klare
Unterscheidung zwischen Rechtfertigung und Heiligung; bedingte Absolution;
Verschiebung des Schwerpunktes von der Lehre auf das Leben, von Gott auf
den Menschen; jede Form der Mithilfe des Menschen bei seiner Bekehrung
und Bewahrung).
Darum werden die evangelisch-lutherischen BS nicht müde, diese notwendige Unterscheidung immer wieder zu betonen, denn davon hängt es ab, ob der Hauptartikel der Schrift, die Rechtfertigungslehre, der Christus für uns, rein erhalten bleibt. ,,Die ganze Schrift, beide, Alten und Neuen Testaments, wird in die zwei Stücke geteilt und lehret diese zwei Stücke, nämlich Gesetz und göttliche Verheißungen. Denn an etlichen Orten hält sie uns vor das Gesetz, an etlichen bietet sie uns Gnaden an durch die herrlichen Verheißungen von Christus; so, wenn im Alten Testament die Schrift verheißet den zukünftigen Christus und bietet ewigen Segen, Benedeiung, ewiges Heil, Gerechtigkeit und ewiges Leben durch ihn an; oder im Neuen Testament, wenn Christus, da er kommen ist auf Erden, im Evangelium verheißet Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und ewiges Leben." (Apol. IV, 5; s.a. IV, 102) ,,Denn Christi Wohltat und den großen Schatz des Evangeliums (welchen Paulus so hoch hebt) recht zu erkennen, müssen wir je auf einen Teil Gottes Verheißung und angebotene Gnade, auf dem andern Teil das Gesetz so weit voneinander scheiden wie Himmel und Erde." (Apol. III, 65)
Es hängt von dieser Unterscheidung ab, ob die Schrift wirklich so verstanden wird, wie Gott geredet hat, oder ob ihr ein anderes, gesetzliches, das Evangelium verdunkelndes Verständnis übergestülpt wird. Die Schrift ist kein bloßes äußeres Wort, sondern ist Gottes Wort zu unserer Errettung, Joh. 20,21; Röm. 1,16.17; 10,14-17. Dieses rechte Schriftverständnis hat seine Auswirkungen dann auch in den Artikeln von der Rechtfertigung, von der Buße, von der Bekehrung, vom Verständnis von Gnade und Glaube, von Taufe und Abendmahl, von der Kirche, vom Predigtamt, von der Gnadenwahl, von den letzten Dingen. Darum entfalten die evangelisch-lutherischen BS dies immer wieder neu: ,,Dies sind nun die vornehmsten zwei Werke, dadurch Gott in den Seinen wirket. Von den zwei Stücken redet die ganze Schrift, erstlich, daß er unsere Herzen erschrecket und uns die Sünde zeigt, zum anderen, daß er wiederum uns tröstet, aufrichtet und lebendig macht. Darum führt auch die ganze Schrift diese zweierlei Lehren. Eine ist das Gesetz, welche uns zeiget unseren Jammer, strafet die Sünde. Die andere Lehre ist das Evangelium; denn Gottes Verheißung, da er Gnade zusagt durch Christus, und die Verheißung der Gnade wird von Adam her durch die ganze Schrift immer wiederholet ... Denn durch den Glauben an das Evangelium oder an die Zusage von Christus sind alle Patriarchen, alle Heiligen von Anbeginn der Welt gerecht vor Gott worden, und nicht um ihrer Reue oder Leid oder einigerlei Werk willen." (Apol. XII, 53.54)
Diese rechte Unterscheidung von Gesetz und Evangelium betrifft dabei nicht nur, wie jemand zum seligmachenden Glauben an Christus kommt, sondern vielmehr alles, was mit seinem Christenleben zu tun hat, auch die Heiligung, weil sonst durch die Hintertür die falsche, den Kern der Schrift umstürzende oder verdunkelnde Lehre wieder eingeführt wird: ,,Es muß aber auch unterschiedlich erkläret werden, was das Evangelium zu dem neuen Gehorsam der Gläubigen tue, schaffe und wirke, und was hierinnen, so viel die guten Werke der Gläubigen anlanget, des Gesetzes Amt sei.
Denn das Gesetz saget wohl, es sei Gottes
Wille und Befehl, daß wir im neuen Leben wandeln sollen, es gibt
aber die Kraft und Vermögen nicht dazu, daß wirs anfangen und
tun können, sondern der heilige Geist, welcher nicht durch das Gesetz,
sondern durch die Predigt des Evangeliums gegeben und empfangen wird, Gal.
3, erneuert das Herz. Darnach gebrauchet der heilige Geist das Gesetz darzu,
daß er aus demselben die Wiedergebornen lehret und in den Zehn Geboten
ihnen zeiget und weiset, welches da sei der wohlgefällige Wille Gottes,
Röm. 12. ... und da sie in dem von wegen des Fleisches faul und nachlässig
und widerspenstig sind, strafet er sie darum durchs Gesetz. ... Darum,
so oft die Gläubigen straucheln, werden sie gestrafet durch den heiligen
Geist aus dem Gesetz und durch denselben Geist wieder aufgerichtet und
getröstet mit der Predigt des heiligen Evangeliums." (Konkordienf.,
Gründl. Darl., VI, 10-14)
Dabei aber stehen beide nicht beziehungslos nebeneinander, sondern, wie schon oben angezeigt, dominiert eindeutig das Evangelium als das eigentliche Werk Gottes gegenüber seinem fremden Werk. Denn darum recht eigentlich hat er uns sein Wort gegeben, weshalb wir auch bitten: ,,Dein Reich komme", nämlich: ,,Lieber Vater, wir bitten, gib uns erstlich dein Wort, daß das Evangelium rechtschaffen in der Welt gepredigt werde; zum andern, daß es auch durch den Glauben angenommen werde, in uns wirke und lebe, daß also dein Reich unter uns gehe durch das Wort und Kraft des heiligen Geistes und des Teufels Reich niedergelegt werde, daß er kein Recht noch Gewalt über uns habe, so lange, bis es endlich gar zerstöret, die Sünde, Tod und Hölle vertilget werde, daß wir ewig leben in voller Gerechtigkeit und Seligkeit." (Gr. Katechismus, III, II, 54) Es geht also um nichts anderes, als aus dem Reich der Finsternis in das Reich Christi versetzt zu werden: was eben durch das Evangelium - und durch das Evangelium allein - geschieht, Joh. 20,21; Apg. 5,14; Kol. 1,13. (Das Gesetz kann nur den Boden vorbereiten, indem es Sündenerkenntnis und Reue wirkt und soll später den Erlösten dienen, den Willen Gottes zu erkennen - aber Leben geben, den Glauben wirken und damit Christi Reich bauen, das kann es nicht, das kann allein das Evangelium, Röm. 1,16.17; 3,20; Gal. 2,216). Darum bekennt die evangelisch-lutherische Kirche auch: ,,In diesen Worten gedenket der Katechismus unsers freien Willens oder Zutuns mit keinem Wort, sondern gibet alles dem heiligen Geist, daß er durchs Predigtamt uns in die Christenheit bringe, darinnen heilige und verschaffe, daß wir täglich zunehmen im Glauben und guten Werken." (Konkordienf., Gründl. Darl., II, 38)
Das Zentrum der Heiligen Schrift, wie unter 4. dargelegt, ist der Christus für uns, die Rechtfertigung des Sünders, des Gottlosen, allein aus Gnaden, allein um Christi Gehorsam, Leiden und Sterben willen, allein durch den Glauben, vgl. Röm. 3; 4. Darum ist das die vornehmste Aufgabe der Schrift Gottes und des von Gott eingesetzten, nichts als die Schrift verkündigenden heiligen Predigtamtes: ,,... daß solch Verdienst und Wohltaten Christi durch Wort und Sakrament uns sollen vorgetragen, dargereicht und ausgeteilet werden." ,,... daß er mit seinem heiligen Geist durch das Wort, wenn es geprediget, gehöret und betrachtet wird, in uns wolle kräftig und tätig sein, die Herzen zu wahrer Buße bekehren und im rechten Glauben erhalten." (Konkordienf., Gründl. Darl., XI, 16.17) Durch das Evangelium den Glauben wecken und erhalten - das ist die Hauptaufgabe der Schrift, weshalb ja Paulus schreiben konnte an die Korinther, er habe nichts gewußt außer Jesus, den Gekreuzigten, 1 Kor. 2,2. Es sind die ewigen Güter, die himmlischen Güter, die Christus uns erworben hat, die Gott durch das Evangelium in Wort und Sakrament darreicht: ,,Dieselbe Gewalt der Schlüssel oder Bischöfe übet und treibet man allein mit der Lehre und Predigt Gottes Worts und mit Handreichung der Sakramente, vielen oder einzelnen Personen, darnach der Beruf ist. Denn damit werden gegeben nicht leibliche, sondern ewige Dinge und Güter, nämlich ewige Gerechtigkeit, der heilige Geist und das ewige Leben. Diese Güter kann man nicht erlangen als durch das Amt der Predigt und durch die Handreichung der heiligen Sakramente." (Augsb. Konf., XXVIII, 8.9; s.a. Apol., XII, 38-43)
Das ist das eigentliche oder Hauptwerk des
Wortes Gottes, weshalb richtig auch das Evangelium in Wort und Sakrament
als das (Kenn-)Zeichen der Kirche gilt: ,,Und dieselbige Kirche hat
doch auch äußerliche Zeichen, dabei man sie kennet, nämlich
wo Gottes Wort rein gehet, wo die Sakramente demselbigen gemäß
gereicht werden, da ist gewiß die Kirche, da sind Christen und dieselbige
Kirche wird auch genannt in der Schrift Christi Leib." (Apol., VII,
5) Danach aber hat Gottes Wort noch ein Werk an uns Christen, in dem wiederum
das Evangelium im Zentrum steht: die Heiligung, die aber auch ihren Kern
hat in der täglichen Vergebung der Sünden, im Trost der Gewissen.
,,Denn
jetzt bleiben wir halb und halb rein und heilig, auf daß der heilige
Geist immer an uns arbeite durch das Wort und täglich Vergebung austeile,
bis in jenes Leben, da nicht mehr Vergebung wird sein, sondern ganz und
gar rein und heilige Menschen ..." (Gr. Kat., II, 58)
Es ist also durch Wort und Sakrament, als
den Mitteln, wodurch der heilige Geist in uns kräftig ist und wahre
Buße, den Glauben und das neue Leben im Herzen wirkt. ,,So wollen
wir nun ferner aus Gottes Wort berichten, wie der Mensch zu Gott bekehret
werde, wie und durch welche Mittel (nämlich durch das mündliche
Wort und die heiligen Sakramente) der heilige Geist in uns kräftig
sein und wahre Buße, Glauben und neue geistliche Kraft und Vermögen
zum Guten in unsern Herzen wirken und geben wolle, und wie wir uns gegen
solche Mittel verhalten und dieselbigen gebrauchen sollen." (Konkordienf.,
Gründl. Darl., II, 48) Oder in andern Worten: ,,... daß solch
Verdienst und Wohltaten Christi durch sein Wort und Sakrament uns sollen
vorgetragen, dargereicht und ausgeteilet werden." (Konkordienf., Gründl.
Darl., XI, 16) Darum sind wir aufgerufen, Gottes Wort und die Sakramente
fleißig, oft zu gebrauchen. ,,Diese Predigt sollen nun alle die
hören, die da wollen selig werden." (Konkordienf., Gründl.
Darl., II, 52), denn es ist eben durch diese Mittel, daß Gott den
heiligen Geist gibt, den Glauben wirkt: ,,Solchen Glauben zu erlangen,
hat Gott das Predigtamt eingesetzt, Evangelium und Sakrament gegeben, dadurch
er als durch Mittel den heiligen Geist gibt, welcher den Glauben, wo und
wann er will, in denen, so das Evangelium hören, wirket, welches da
lehret, daß wir durch Christi Verdienst, nicht durch unser Verdienst,
einen gnädigen Gott haben, so wir solches glauben." (Augsb. Konf.,
V, 1-3; s.a. XXVIII, 8-11)
Denn was ist das Ziel? Gott will durch sein Wort , auch in der Predigt, als des Heiligen Geistes Werkzeug, Menschen zu sich bekehren, nämlich daß der Mensch durch die Predigt des Gesetzes ,,seine Sünde und Gottes Zorn erkennet und wahrhaftigen Schrecken, Reu und Leid im Herzen empfindet, und durch die Predigt und Betrachtung des heiligen Evangeliums von der gnadenreichen Vergebung der Sünden in Christus ein Fünklein des Glaubens in ihm angezündet wird, der Vergebung der Sünden um Christi willen annimmet und sich mit der Verheißung des Evangeliums tröstet; und wird so der heilige Geist (welcher dieses alles wirket) in das Herz gegeben." (Konkordienf., Gründl. Darl., II, 54)
Dadurch, daß wir täglich mit Gottes Wort umgehen, es in Herz und Mund tragen, soll ,,unser ganzes Leben und Wesen nach Gottes Wort" ausgerichtet werden. (Gr. Kat., III, 89) Denn er will eben durch dieses Wort ,,in uns den Glauben und seine himmlischen Gaben bewahren, von Tag zu Tag stärken und bis an das Ende erhalten", worum wir auch bitten sollen. (Konkordienf., Gründl. Darl., II, 16)
Wir verwerfen daher die folgenden Ansichten: 1) daß die Heilige Schrift nur in dem Sinne inspiriert sei, wie alle Christen ,,inspiriert" seien, um zu bekennen, daß Jesus Christus Herr ist; 2) daß der Heilige Geist nicht die tatsächlichen Wörter den biblischen Autoren eingegeben hätte, sondern sie nur mit besonderer Führung ausstattete; 3) daß nur solche Sachen in der Schrift durch den Heiligen Geist eingegeben seien, die sich direkt auf Jesus Christus und des Menschen Erlösung beziehen; 4) daß nichtkanonische Schriften der christlichen Tradition als ,,eingegeben" im gleichen Sinne wie die Heilige Schrift angesehen werden könnten; 5) daß Teile des neutestamentlichen Zeugnisses von Jesus Christus erfundene Zusätze enthielten, die ihren Ursprung in der frühen christlichen Gemeinschaft hätten und nicht wirkliche Tatsachen darstellten."
Damit wird die biblische Lehre von der Inspiration als Wörter- oder Vollinspiration der Schrift klar ausgedrückt. Das gleiche gilt einige Absätze später von der Irrtumslosigkeit der Schrift: ,,Mit Luther bekennen wir, daß ,,Gottes Wort nicht irren kann". Wir glauben, lehren und bekennen daher, daß, weil die Heilige Schrift das Wort Gottes ist, sie keine Irrtümer oder Widersprüche enthält, sondern daß sie in allen ihren Teilen und Wörtern die unfehlbare Wahrheit ist. Wir halten dafür, daß die Meinung, die Schrift enthalte Irrtümer, dem Grundsatz ,allein die Schrift` Gewalt antut, denn sie beruht auf der Annahme von irgendeiner Norm oder Kriterium für die Wahrheit über der Schrift ... Wir verwerfen daher die folgenden Ansichten: 1) daß die Schrift theologische wie auch tatsächliche Widersprüche und Irrtümer enthalte; 2) daß die Schrift irrtumslos nur in Sachen sei, die direkt die Evangeliumsbotschaft und Erlösung enthielten; 3) daß die Schrift nur funktional irrtumslos wäre, daß also die Schrift ,,irrtumslos" wäre nur in dem Sinne, daß sie ihr Ziel erreiche, das Evangelium von der Erlösung den Menschen zu bringen; 4) daß die biblischen Schreiber sich darin anpaßten, daß sie die irrtümlichen Ansichten ihrer Tage verwendeten und wiederholten (z.B. Die Behauptung, daß Pauli Aussage zur Rolle der Frau in der Gemeinde heute nicht bindend sei, da sie das kulturell bedingte Ergebnis dessen sei, daß der Apostel die Ansichten des damaligen Judentums als ein Kind seiner Zeit teilte); 5) daß Aussagen Jesu und der neutestamentlichen Schreiber hinsichtlich der menschlichen Autorschaft von Teilen des Alten Testamentes oder der Geschichtlichkeit von bestimmten alttestamentlichen Personen und Ereignissen nicht als wahr [richtig] angenommen werden müßten (z.B. Davids Autorschaft von Psalm 110, die Geschichtlichkeit Jonas oder der Sündenfall Adams und Evas)."
Aber in dieser Darlegung finden wir nicht nur die formale Darlegung zur Heiligen Schrift, sondern, und das ist wichtig, um die Schrift recht als Gottes Wort zu gebrauchen, auch das Zeugnis darüber, was Gottes Schrift uns gibt, wie sie zu verstehen ist:
,,Wir glauben, lehren und bekennen, daß das Evangelium der gnädigen Rechtfertigung des Sünders durch den Glauben an Jesus Christus nicht nur die Hauptlehre der Heiligen Schrift und eine grundlegende Voraussetzung für die Auslegung der Schrift ist, sondern das Herz und die Mitte unseres christlichen Glaubens und der Theologie (Materialprinzip). ... Das Evangelium, das das Zentrum unserer Theologie ist, ist das Evangelium, wovon die Schrift zeugt, wie auch die Schrift, aus der wir unsere Theologie ziehen, uns ständig zum Evangelium Jesu Christi weist. Wir verwerfen die folgenden Verfälschungen der Beziehung zwischen dem Evangelium und der Bibel (dem Material- und Formalprinzip): 1) daß die Annahme der Bibel an sich, anstatt des Evangeliums, das Herz und die Mitte des christlichen Glaubens und der Theologie und der Weg zur ewigen Erlösung sei; 2) daß das Evangelium, nicht die Schrift, die Norm sei, alle Lehre und Lehrer zu bewerten und zu beurteilen (so z.B., wenn eine Entscheidung über die Zulassung, Frauen zum Predigtamt zu ordinieren, auf der Grundlage des ,,Evangeliums" anstatt der Lehre der Schrift selbst gefällt wird); 3) daß die Geschichtlichkeit bestimmter biblischer Berichte (wie die Sintflut oder der Sündenfall) in Frage gestellt werden dürften, wenn das nicht dem Evangelium schade; 4) daß Christen nicht Dinge akzeptieren müßten, die zwar in der Schrift gelehrt werden, aber nicht Teil des ,,Evangeliums" seien."
Um den rechten Gebrauch von Gesetz und Evangelium
zu bekräftigen, heißt es: ,,Wir glauben, daß die beiden
Hauptlehren der Heiligen Schrift, Gesetz und Evangelium, dauernd und sorgfältig
in der Kirche Gottes bis zum Ende der Welt verkündigt werden müssen,
aber in gewissenhafter Unterscheidung (Konkordienf., Gründl. Darl.,
V, 24). Das Gesetz als Ausdruck von Gottes unwandelbarem Willen, muß
von der Kirche dazu verwendet werden, Menschen zur Erkenntnis ihrer Sünde
zu bringen, wie auch dazu, Christen über die guten Werke zu unterweisen
(Konkordienf., Gründl. Darl., V, 17-18).. Auf dem Evangelium aber
liegt das Schwergewicht im Amt des Neuen Testamentes, denn es ist die Botschaft,
daß ,,Gott ihnen alle ihre Sünden vergibt durch Christus, sie
um seinetwillen annimmt als Gottes Kinder, aus lauter Gnade, ohne irgendein
Verdienst von ihrer Seite, sie rechtfertigt und rettet." (Konkordienf.,
Gründl. Darl., V, 25)" (Die Texte sind entnommen aus: Christian
News Encyclopedia. Vol. 1. Übers. Durch Verf.]
,,Wir verwerfen und verdammen jegliche Tendenz, daß es die Christuszentriertheit der Schrift oder das Evangelium in ihr sei, die sie zum Worte Gottes mache, so, als ob die Schrift nicht Gottes Wort sei aufgrund dessen, daß er die Worte der Schrift einhauchte und ihr Urpsrung ist, sondern aufgrund dessen, daß sie Christus und das Evangelium bringe." (a.a.O. S. 16)
Weil die Heilige Schrift Gottes Wort ist, darum hat sie auch unbedingte Autorität: ,,Wir glauben, lehren und bekennen, daß, da unser Herr Jesus Christus und seine Apostel von der Schrift stets und einig sprachen und sich darauf bezogen mit äußerster Hochachtung und sie anerkennten als das gebietende Wort Gottes und die letzte Autorität, der wir alle unterworfen sein müssen, ist es die Pflicht der Kirche, auch heute unzweideutig auf derselben göttlichen Autorität der Schrift zu bestehen (Matth. 5,17.18; 22,42-44; Joh. 10,35; Röm. 9,17; Gal. 3,8) .... Wir glauben, lehren und bekennen, daß die Autorität der Schrift in Gott selbst liegt und daß die Schrift ihre Autorität oder Kraft besitzt, unseren Gehorsam und Unterwerfung genau deshalb zu fordern, weil Gott selbst es ist, der in der Schrift zu uns spricht und uns Dinge offenbart, damit wir sie annehmen. ... Was Gott uns offenbart, erheischt unsere Annahme." (a.a.O. S. 28 f)
Darum lehrt das Bekenntnis auch von der Inspiration: ,,Wir glauben, lehren und bekennen auf der Grundlage dessen, was die Schrift über sich selbst sagt (`Alle Schrift von Gott eingegeben`, 2 Tim. 3,16), daß jedes Wort der kanonischen Schrift ,,geistgehaucht" ist. Die Schrift als ein Ganzes und in allen einzelnen Abschnitten und in jedem Wort ist daher das inspirierte Wort Gottes. 2. Wir erklären, daß wir mit ,,Inspiration" das meinen, was die Schrift selbst darlegt, nämlich daß der Heilige Geist Gottes selbst auf bestimmte Weise die Wörter selbst, die die heiligen Schreiben schrieben, einhauchte (theopneustos, 2 Tim. 3,16), so daß, aufgrund dieser Handlung des Heiligen Geistes, die Gedanken und Worte, die die heiligen Schreiber niederschrieben (graphe), tatsächlich Gottes eigene Worte sind, wie wenn sie aus Gottes Munde selbst gekommen wären (Apol. IV, 107.108) [d.i.: als wenn nicht die heiligen Schreiber sie niedergeschrieben hätten, sondern Gott sie direkt zu uns redete, Anm. d. Übers.]. Die göttliche Inspiration bestätigt den göttlichen Ursprung oder sie ist bedeutungslos. Die Schrift ist Gottes Wort, weil sie von Gott gegeben ist." (a.a.O. S. 41 f)
Weil die Heilige Schrift Gottes Wort - und
nur Gottes Wort - ist, darum kann sie nichts anderes als absolut irrtumslos
sein. Jede andere Haltung stellt auch die Lehre von der Voll- oder Wörterinspiration
in Frage: ,,Nirgends und unter keinen Umständen deutet die Schrift
selbst an, daß wir irgend weniger als eine hundertprozentig faktisch
korrekte Information oder Wahrheit erwarten sollen. Im Gegenteil, Christus
und seine Apostel beziehen sich immer darauf und zitieren die Schrift auch
so, daß sie absolut vertrauenswürdig und faktisch richtig ist."
,,Wir glauben, lehren und bekennen, daß jedes Wort der Schrift, sowohl
vom Gesichtspunkte ihres menschlichen wie auch vom Gesichtspunkte ihres
göttlichen Charakters, keine wirklichen Irrtümer oder Widersprche
enthält in irgendeiner Sache, die sie behandelt." (S. 48) (Übers.
Durch Verf.)
Diese Lehre ist die authentische biblische Lehre, wie sie auch in der
Reformation und in ihrem Gefolge von der lutherischen Orthodoxie gelehrt
wurde. Die sich noch ,lutherisch` nennenden Kirchen in Deutschland und
Europa sind darum aufgefordert, gerade auch in diesem grundlegenden Lehrartikel
ganz zurückzugehen zur Heiligen Schrift und sich ihr völlig zu
unterwerfen. Dann allein ist eine Grundlage gegeben, daß die Kirche
erneuert werden kann.
Zur Verfügung gestellt von Herrn Roland Sckerl, Durmersheim - 2001-08