Drei aufschlußreiche Zitate

Anmerkung: Was hier von den Reformierten (Reformierte Kirche, in mehreren Bundesländern mit den Lutheranern vereinigt zur "Evanglischen Landeskirche", z.B. in Hessen) gesagt ist, betrifft meistens auch alle aus der reformierten Kirche hervorgegangenen Sekten, die "Offenen Brüder", Baptistengemeinschaften, Schwärmer verschiedenster Prägung usw.

Die Reformierten glauben den Worten der Schrift nicht, sondern ihrer Vernunft

Die Heilige Schrift ist eindeutig

Gefühl oder Gottes Zusagen

 

 

 

 

 

Die Reformierten glauben den Worten der Schrift nicht, sondern ihrer Vernunft

Zwar sagt auch diese [Anm.: die Reformierte Kirche] im allgemeinen, dass die heilige Schrift die Quelle und Norm aller Lehre sei, aber tatsächlich setzt sie in gewissen Lehren zum Beispiel, in den Lehren von der Person Christi und vom Abendmahl an die Stelle der heiligen Schrift die menschliche Vernunft. In der Lehre von der Person Christi bestreiten die reformierten Lehrer die Mitteilung der Eigenschaften mit dem philosophischen Axiom: ,,Das Endliche ist des Unendlichen nicht fähig"; und da mag nun die heilige Schrift sagen: ,,Das Wort ist Fleisch geworden", Joh. 1, 14. ,,In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig", Kol. 2, 9. - die reformierten Lehrer bleiben dabei: ,,Das Endliche ist des Unendlichen nicht fähig". Gegen die wesentliche Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im heiligen Abendmahl führen die reformierten Lehrer das philosophische Axiom ins Feld: ,,Jeder wahre Leib ist an einem Ort räumlich und sichtbar zugegen". Ist daher keine lokale und sichtbare Gegenwart des Leibes Christi da, so ist der Leib Christi überhaupt nicht gegenwärtig. Mag nun die Schrift so viel sagen wie sie will, dass das Brot im heiligen Abendmahl der Leib Christi sei, sie bleiben dabei: ,,Jeder wahre Leib ist an einem Ort räumlich und sichtbar zugegen". So kommen die reformierten Lehrer in die Lage, dass sie, um ihre Vernunftprinzipien zu retten, die hellen Schriftworte in das gerade Gegenteil verkehren. Ja, nicht die demütige, gläubige Unterwerfung unter das Schriftwort, sondern der Rationalismus ist das Charakteristikum der reformierten Kirche, soweit sie von der lutherischen Kirche abweicht. Das haben einzelne reformierte Lehrer ganz grob ausgesprochen. So zum Beispiel Zwingli beim Kolloquium zu Marburg im Jahre 1529. Als Zwingli bewiesen wurde, dass auf Grund der Einsetzungsworte im heiligen Abendmahl Christi Leib und Blut gegenwärtig sei und genommen werde, da sagte er, Gott lege uns Menschen nicht so unbegreifliche Dinge zu glauben vor, ein Wort, worüber Melanchton dazumal noch von Herzen erschrocken war. Andre reformierte Lehrer haben geradezu gesagt, die Vernunft sei wenigstens das zweite oder sekundäre Prinzip in der Theologie. Die reformierte Kirche kann nicht eine Schwesterkirche der lutherischen Kirche genannt werden. Dass es eine reformierte Kirche neben der lutherischen Kirche gibt, ist nicht das Resultat einer ,,notwendigen geschichtlichen Entwicklung", wie man sich heutzutage ausdrückt, sondern ist das Resultat des Umstandes, dass die reformierte Kirche neben Gottes Wort in den Lehren, durch welche sie sich von der lutherischen unterscheidet, die menschliche Vernunft zu dem Prinzip der Theologie macht. Das rationalistische Prinzip, welches durch die Reformierten in der Theologie eingeführt ist, kommt zur vollständigen Ausbildung bei den Socinianern, Unitariern und den Neu-Protestanten, welche einfach sagen: Die heilige Schrift ist Quelle und Norm der Theologie insofern und soweit, als sie mit der menschlichen Vernunft übereinstimmt.

Diese Einführung der menschlichen Vernunft als Quelle und Norm der Theologie verurteilt Gottes Wort noch ganz speciell, indem es sagt, dass die menschliche Vernunft selbst dann, wenn die göttliche Offenbarung ihr vorgelegt ist, gar nicht fähig ist, dieselbe zu verstehen. So 1.Kor. 1,21: Dieweil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch törichte Predigt selig zu machen die, so daran glauben"; 1.Kor. 2,14: ,,Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich gerichtet sein." Der Apostel Paulus warnt ausdrücklich vor der menschlichen Vernunft als Quelle und Norm der Theologie, indem er sagt: 1.Kor. 2,4.5: ,,Mein Wort und meine Predigt war nicht in vernünftigen Worten menschlicher Weisheit, sondern in Beweisung des Geistes und der Kraft; auf dass euer Glaube bestehe nicht auf Menschen Weisheit, sondern auf Gottes Kraft." Die heilige Schrift sagt, dass die menschliche Vernunft, wenn es sich um die Beurteilung der geoffenbarten Wahrheit handelt, nicht um Rat zu fragen, sondern vielmehr gefangen zu nehmen unter dem Gehorsam Christi, 2 Kor. 10, 5. Ja, die Schrift sagt auch, dass, wenn dies nicht geschieht, wir uns durch Philosophie oder Menschenweisheit die geoffenbarte Wahrheit rauben lassen. Kol. 2, 8: ,,Sehet zu, dass euch niemand beraube durch die Philosophie und lose Verführung nach der Menschen Lehre und nach der Welt Satzungen, und nicht nach Christo.

Quelle: D. Franz Pieper, Vorträge über die vangelisch-lutherische Kirche - die wahre sichtbare Kirche Gottes auf Erden, Concordia Seminary, St. Louis, Mo., Seminary Press, 1916

 

Die Heilige Schrift ist eindeutig

Zweideutige Reden soll man nicht in der Schrift suchen, denn weder aus Unachtsamkeit noch aus Betrug können zweideutige Reden in der heiligen Schrift vorkommen. Die Worte der heiligen Schrift sind Worte des heiligen Geistes. Darum halten wir fest mit unserer Kirche: Der buchstäbliche Sinn ist nur einer. Reformierte haben behauptet, dass die Worte: ,,Esset" und ,,trinket" in den Worten der Einsetzung des heiligen Abendmahls einen doppelten Sinn hätten. Das ,,esset" heisse einmal ,,essen" in Bezug auf das Brot und dann heisse es auch ,,glauben" in Bezug auf den abwesenden, im Himmel sich befindenden Leib Christi. Das ist Torheit! In den Worten, ,,nehmet hin und esset", hat das Wort, ,,essen" nur einen Sinn, nämlich den des Essens mit dem Munde. Zum Essen mit dem Munde fordert der Herr seine Jünger auf, indem er ihnen das Brot reicht und spricht: ,,Das ist mein Leib, der für euch gegeben ist." Zum Glauben wird in den Einsetzungsworten auch aufgefordert, aber nicht in dem ,,esset", sondern in den Worten: ,,der für euch gegeben ist", und in den ,Worten: ,,solches tut zu meinem Gedächtnis." Nicht eins bedeuten heisst überhaupt nichts bedeuten.

Gewaltig schärft Luther ein, dass die Schriftworte immer nur einen Sinn haben, zum Beispiel, (XVIII, 1602 f):

  • ,,Der heilige Geist ist der allereinfältigste Schreiber und Redner, der im Himmel und Erden ist; darum auch seine ,Worte nicht mehr denn Einen einfältigsten Sinn haben können, welchen wir den schriftlichen oder buchstabischen Zungensinn nennen. Dass aber die Dinge, durch seine einfältige Worte einfältiglich bedeutet, etwas weiter und ander Ding und also ein Ding das andere bedeutet, da sind die Worte aus und hören die Zungen auf. Tun doch das alle andere Dinge, die nicht in der Schrift genennet werden; sintemal alle Gottes-Werke und Kreaturen eitel lebendige Zeichen und Worte Gottes sind, wie Augustinus sagt und alle Lehrer. Aber darum soll ,man nicht sagen, dass die SCHRIFT oder GOTTEs WORT mehr denn Einen Sinn haben. Dass ein gemalet Bild einen lebendigen Menschen bedeutet ohne Wort und Schrift, soll darum nicht machen, dass du sagest, das Wörtlein ,Bild‘ habe zween Sinn, einen schriftlichen (buchstäblichen), der das Bild, einen geistlichen, der den lebendigen Menschen bedeutet. Also obwohl die Dinge, in der Schrift beschrieben, etwas weiters bedeuten, soll nicht darum die Schrift zwiespältigen Sinn haben, sondern den einigen, auf welchen die Worte lauten, behalten und darnach den Spaziergeistern Urlaub geben, aus den Worten die manchfältige Deutung der angezeigten Dinge zu jagen und suchen; doch dass sie zusehen und sich selbst nicht verjagen noch versteigen, wie den Gemsensteigern geschieht, als auch Origeni geschehen ist. Es ist viel gewisser und sicherer, an den Worten und einfältigen. Sinn bleiben; da ist die rechte Weide und Wohnung aller Geister."
  • Quelle: D. Franz Pieper, Vorträge über die vangelisch-lutherische Kirche - die wahre sichtbare Kirche Gottes auf Erden, Concordia Seminary, St. Louis, Mo., Seminary Press, 1916

     

    Gefühl oder Gottes Zusagen

    Die Lehre der Reformierten führt zurück zur Werksgerechtigkeit

    Wie steht es nun bei den Reformierten und den reformierten Sekten in Bezug auf die Lehre von der Rechtfertigung? Viele Reformierte bekennen mit uns, dass ein Mensch nicht durch eigen Werke, sondern allein durch den Glauben an Christum, den Heiland der Menschen, gerecht und selig werde. Aber die Reformierten halten daneben irrige Lehren fest, deren notwendige Konsequenz es ist, dass sie die Menschen wieder von der Gnade auf die Werke führen. Die Reformierten lehren in ihren Bekenntnissen falsch von den Mitteln, durch welche Gott seine Gnade den Menschen mitteilt. Sie leugnen, dass das Wort des Evangeliums und die Sakramente Gnadenmittel seien, das heisst, die Mittel, durch welche Gott den Menschen die von Christo erworbene Gnade darbietet und an welche sich daher der Glaube der Menschen zu halten hat. Sie behaupten vielmehr, dass Gott ausser und neben dem Wort des Evangeliums und den Sakramenten durch eine innere heimliche Wirkung den Menschen seine Gnade mitteile. Wir fragen nun: Was ist die notwendige Konsequenz dieser falschen Lehre? Die, dass sie den nach der Gnade fragenden Suender auf sein Gefuehl, auf seine neue Geburt, auf seine subjektive Beschaffenheit, auf seine Werke verweisen müssen. Wir unsererseits, die wir festhalten, dass Gott durch das Wort des Evangelii und die Sakramente den Menschen die Gnade darreicht, verweisen den Suender, welcher zur Erkenntnis seiner Suenden gekommen ist und in der Angst seines Herzens fragt: "Will Gott mir gnaedig sein?" auf die objektive Gnade. Wir sprechen zu ihm: "Du moechtest Gnade haben? Wohlan! hier ist das Wort des Evangelii, hier ist die Taufe; da sagt Gott dir Gnade zu. An diese objektive Zusage halte dich". Die Reformierten dagegen heissen unter denselben Umstaenden denselben Suender in sich selbst hineinschauen. Sie lehren ihn, auf die Gnade Gottes zu schliessen aus seiner subjektiven Beschaffenheit, aus der inneren Umwandlung, die mit ihm vorgegangen ist, kurz, sie koennen, sofern sie konsequent sind, nicht anders als eine Rechtfertigung aus der gratia infusa lehren, nicht aus der gratia in verbo Dei revelata et oblata. So kommen die Reformierten auf dem Weg der Leugnung der Gnadenmittel wieder auf die papistische Lehre von der Rechtfertigung zurueck, und dies ist der eigentliche Gegensatz zwischen der lutherischen und der reformierten Kirche. Der gesetzliche Zug, welcher sich gerade bei den ernsten Reformierten findet, erklaert sich aus der reformierten Leugnung der Gnadenmittel, und die Wirkung bei den einzelnen Seelen ist die dass die Menschen entweder der Gnade Gottes nicht gewiss werden oder in Selbstgerechtigkeit ersticken. Nun gibt es ja unter den Reformierten viele, sehr viele liebe Christen, die der Gnade Gottes gewiss sind. Aber das kommt daher, dass diese im Widerspruch mit der eigentlichen Lehre ihrer Kirchengemeinschaft in einfaeltigem Glauben sich an das objektive Evangelium halten. Aber diese glueckliche Inkonsequenz kann uns nicht abhalten, die falsche reformierte Lehre von den Gnadenmitteln zu bekaempfen. Denn die legitime Frucht dieser falschen Lehre von den Gnadenmitteln ist eben nichts anders als die Leugnung der reinen Lehre von der Rechtfertigung, und in wie vielen Faellen bringt diese Lehre diese legitime Frucht auch tatsächlich zum Schaden, ja zum ewigen Verderben fuer die Seelen!

    Quelle: D. Franz Pieper, Die lutherische Lehre von der Rechtfertigung