Lehrverhandlungen.
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Die Leitung derselben übernahm Herr Professor Pieper nach von ihm selbst verfaßten Thesen. Er begann mit etwa folgenden Worten.
Dieser District will zum Gegenstand der diesjährigen
Lehrverhandlungen die Lehre von der Absolution machen. Nicht als
ob diese Lehre unter uns streitig wäre, sondern es gibt andere Gründe
genug, welche uns bewegen können, dieselbe einmal in öffentlicher
Synodalversammlung zu eerwägen. Der Papst hat ja aus der Absolution
ein Zerrbild gemacht; die uns umgebenden Secten glauben gar keine Absolution
und betrachten es als ein Ueberbleibsel des Pabstthums, wenn wir eine Lehre
von der Absolution bekennen. So finden sich denn auch in unserer Mitte
hie und da Bedenken, ob es wirklich Gottes Wort und Willen gemäß
sei, wenn Menschen an Gottes Statt und auf seinen Befehl anderen Menschen
die Sünden vergeben. Die Betrachtung dieser Lehre ist endlich auch
deshalb so wichtig, weil bei derselben zu Tage kommen muß, ob man
das richtige Verständniß des Evangeliums habe. Alle Einwände,
welche gegen die Absolution erhoben werden, offenbaren schließlich
Mangel an Erkenntniß des Evangeliums.
Thesen über die Absolution.
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Thesis I.
Da im Christentum alles auf die Gewißheit der Vergebung der Sünden ankommt, so gibt das Evangelium "nicht einerlei Weise, Rath und Hilfe wider die Sünde; denn Gott ist überschwänglich reich in seiner Gnade: erstlich durch es mündliche Wort, darin gepredigt wird Vergebung der Sünden in alle Welt; zum andern, durch die Taufe; zum dritten, durch es heilige Sacrament des Altars; zum vierten, durch die Kraft der Schlüssel, und auch per mutuum colloquium et consolationem fratrum" (durch gegenseitige Unterredung und Tröstung der Brüder). . Schmalkalden Artikel Th 3. Art. 4.
Thesis II.
"Weil die Absolution oder Kraft der Schüssel
auch eine Hilfe und Trost ist wider die Sünde und böses Gewissen,
im Evangelio durch Christum gestiftet" (Schmalkalden Art. Th 3, Art 8),
so hat die treu - lutherische Kirche trotz alles Widerspruchs immer darauf
gedrungen, daß sowohl die allgemeine als besonders auch die Privatabsolution
nicht abkomme, sondern in der Kirche im Schwange gehe.
(Seite 9 von Original).
Thesis III.
Der Anstoß, welchen man an der Absolution genommen hat, hat seinen Grund erstlich darin, daß man nicht glaubt oder sich doch nicht gegenwärtig hält, daß Gott durch Christi Werk mit der ganzen Sünderwelt vollkommen versöhnt, die Absolution oder Vergebung der Sünden für jeden Sünder bereits vorhanden und schon proclamirt sei.
Thesis IV.
Man stößt sich ferner deshalb an der Absolution, weil man nicht glaubt oder sich doch nicht gegenwärtig hält, "daß Gott" - der ja freilich allein aus eigener Machtvollkommenheit Sünde vergeben kann - "keine andere Weise hat, die Sünde zu vergeben, denn durch das mündliche Wort, so er uns Menschen befohlen hat" (Luther).
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Thesis I.
Da im Christentum alles auf die Gewißheit der Vergebung der Sünden ankommt, so gibt das Evangelium "nicht einerlei Weise, Rath und Hilfe wider die Sünde; denn Gott ist überschwänglich reich in seiner Gnade: erstlich durch es mündliche Wort, darin gepredigt wird Vergebung der Sünden in alle Welt; zum andern, durch die Taufe; zum dritten, durch es heilige Sacrament des Altars; zum vierten, durch die Kraft der Schlüssel, und auch per mutuum colloquium et consolationem fratrum" (durch gegenseitige Unterredung und Tröstung der Brüder). . Schmalkalden Artikel Th 3. Art. 4.
Die erste Thesis ist, wie aus dem Inhalt erhellt, einleitender Natur. In derselben soll auf Zweierlei hingewiesen werden: einmal auf die Wichtigkeit der Gewißheit der Vergebung der Sünden für das geistliche Leben, sodann darauf, wie Gott auf alle Weise dafür gesorgt habe, daß wir Menschen der Vergebung der Sünden gewiß werden.
Will man einen Christen nach seiner inneren
Herzensstellung kurz beschreiben, so kann man sagen: Ein Christ ist ein
Mensch, welcher der Vergebung seiner Sünden gewiß ist; oder:
Ein Christ ist ein Mensch, welcher glaubt, daß er einen gnädigen
Gott im Himmel habe. Ein Christ ist auch noch ein Sünder. Die Worte:
"Sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhms, den sie an Gott haben
sollten", erleiden Anwendung, wie auf Juden und Heiden, so auch auf Bekehrte
und Unbekehrte. Aber das ist nun der große Unterschied: Ein Unchrist
hat noch keine Vergebung der Sünden, sondern geht mit bösem Gewissen
unter dem - - mehr oder minder
(Seite 10 von Original).
Bestimmt empfundenen - Gefühl des Zornes Gottes dahin. Der Christ dagegen spricht zwar auch: Ich bin ein Sünder, aber setzt auch zugleich hinzu: Gott ist mir Sünder gnädig; meine Sünde ist mir vergeben.
Die Dewißheit der Vergebung der Sünden macht recht eigentlich das Wesen der Heilserkenntniß aus. Wir lesen vom Amt Johannis des Täufers Luc. 1, 77. Die merkwürdigen Worte: " Und Erkenntniß des Heils gebest seinem Volk, die da ist in Vergebung ihrer Sünden." Hiernach hat man nur dann die Er kenntniß des Heils, das in Christo erschienen ist, wenn man erkennt, daß man in Christo Vergebung der Sünden habe. Was heißt das eigentlich, wenn ein Christ spricht: "Mein JEsus"? Was JEsus heißt, wissen wir aus der Erklärung des Engels, der aus Gottes Befehl die Geburt JEsus verkündigte. JEsus heißt soviel als: der sein Volk selig macht von ihren Sünden. Spricht also jemand: "Mein Jesus", so heißt das soviel als: Ich glaube, daß JEsus mich selig gemacht hat von meinen Sünden. Luther schreibt (St. L. Ausg. XII, 540): "Das ist die rechte heilsame Lehre vom christlichen Glauben, nämlich daß er sein müsse eine solche gewisse Versicherung und Zeugniß im Herzen, so da gar nicht daran zweifele, daß wir durch Christum Gottes Kinder sind, Vergebung der Sünde und ewiges Leben haben."
Die Gewißheit der Vergebung der Sünden ist der Mittel punkt, das Herz des geistlichen Lebens des Christen. Steht es hier gut, so ist es mit dem geistlichen Leben wohl bestellt und ein lebendiges geistliches Leben da; fehlt es hier, so ftockt die ganze geistliche Lebensbewegung. Die Gewißheit der Vergebung der Sünden schafft zunächst das herrlichste StUck des Gottesdienstes, das Lob Gottes. Sie läßt uns singen:
Allein Gott in der Höh' sei Chr'
Und Dank für seine Gnade,
Darum daß nun und nimmermehr
Uns rübren kann kein Schade.
Die Gewißheit der Vergebung der Sünden
.
.
(Seite 29 von Original)
.
.
Thesis III.
Der Anstoß, welchen man an der Absolution genommen hat, hat seinen Grund erstlich darin, daß man nicht glaubt oder sich doch nicht gegenwärtig hält, daß Gott durch Christi Werk mit der ganzen Sünderwelt vollkommen versöhnt, die Absolution oder Vergebung der Sünden für jeden Sünder bereits vorhanden und schon proclamirt sei.
Die ersten Gegner, gegen welche im "Lutheraner" die Lehre von der Absolution vertheidigt worden ist, stellten folgende Lehre vom Heilswege auf: "Die Prediger hätten nur die Autorität, die Bedingungen der Versöhnung und der Vergebung der Sünden durch den Glauben an JEsum zu predigen." . "Die Schlüsselgewalt sei nichts anderes, als die Darlegung der Bedingungen, unter welchen Gott die Menschen selig macht oder verdammt." ("Luth." 2,62b). . Der Sinn dieser Worte ist: Gott will zwar Sünde vergeben, aber nicht aus Gnaden um Christi willen sondern unter gewissen vom Menschen zu leistenden Bedingungen; der Mensch muß zuvor auch noch etwas thun, damit Gott bewogen werde, ihm die Vergebung der Sünden zukommen zu lassen.
Stände es so zwischen Gott und Menschen, wäre das die richtige Lehre vom Heilswege, dann gäbe es keine Absolution, und wir wären die thörichtsten Menschen, wenn wir von der Absolution redeten, wie wir davon reden. Denn wie könnte ich dann einem Bruder die Absolution sprechen? Weiß ich denn, ob er geleistet hat, was nöthig ist? Und wie könnte jemand die Absolution begehren? Kann er denn je gewiß wissen, ob er geleistet hat, was nöthig ist, um der Vergebung der Sünden theilhaftig zu werden?
So hängt denn alles an der Frage: Wie
steht es mit dem Werk Christi? Ist durch dasselbe allen Menschen vollkommene
Vergebung der Sünden erworben? Nur wer das Werk Christi als ein vollkommenes
erkennt und glaubt, wird die Lehre von der Absolution verstehen und annehmen.
(Seite 30 von Original).
Und weil die reine Erkenntniß des Werkes Christi, des Evangeliums, so selten ist, hat auch die Absolution so viele offene und heimliche Gegner. Alle Secten mit einander, die gegen die Absolution sind, wissen nicht recht, was Evangelium ist. Nicht nur der Pabst lehrt so vom Heilsweg, daß er die Vergebung der Sünden auf Menschenwerk stellt, auch die sogenannten protestantischen Kirchengemeinschaften lehren fast allesammt: Christus hat mit seinem Werk nur soviel zuwege gebracht, daß er Gott geneigt gemacht hat, dem Menschen die Sünde wirklich werde, das Seine auch dazu thun durch Neue und sittliches Verhalten.
Das ist aber eine ganz falsche Meinung vom Heilswege und kein Evangelium. Christus hat mit seinem Leben, Leiden und Sterben die Vergebung nicht bloß möglich gemacht, sondern vollkommen für jeden einzelnen Menschen erworben. Christus hat die Menschen werklich erlöst, nicht bloß Bedingungengeschaffen, unter denen sie bei ihrer eigenen Mithilfe erlößt werden können. Durch Christum ist Gott wirklich mit der ganzen Sünderwelt versöhnt; kein Mensch braucht noch irgend etwas zu thun, um sich Gottes Herz zu gewinnen. Das ist Lehre der heiligen Schrift.
2 Cor 5,18-19: "Got hat uns mit ihm selber versöhnt durch JEsun Christ. . . . Gott war in Christo, und versöhnete die Welt mit ihm selber." .. - - Wie steht hiernach Gottes Herz zu uns? Wie steht es mit der Versöhnung auf Seiten Gottes? Sie ist geschehen, schon damals, als der Sohn Gottes im Fleisch erschien und auf Golgatha starb. Daher heißt es auch Römer 5,10 ausdrücklich: "Wir sind Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren."
2 Cor 5,14: "Wir halten, daß, so Einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben." . Wir wissen aus der Schrift: Der Tod ist der Sünde Sold (Römer 6,23). . Auf die Sünde steht als Strafe der Tod. Nun wird hier zweierlei ausgesagt: (1.) daß Einer, Christus, diese Strafe für Alle erlitten habe; (2.) daß Gott das so ansehe, als ob Alle diese Strafe gezahlt hätten, als ob Alle gestorben wären. Wer daher meint, er habe noch irgend etwas bei Gott gut zu machen, der redet gegen dies Wort der heiligen Schrift.
Und die Schrift geht noch Weiter. Sie sagt auch, daß Gott bereits die ganze Sünderwelt und jeden einzelnen Sünder von der Sünde absolvirt oder losgesprochen habe. Das ist nach der Schrift erstlich beim Tod Christi geschehen.
2 Cor 5,19: "Gott war in Christo, und versöhnete
die Welt mit ihm selber, und rechnete ihnen ihre Sünde nicht zu."
. "Die Sünden nicht zurechnen" heißt rechtfertigen, von Sünden
losprechen, wie Römer 4,8 ausdrücklich erklärt wird. Dieses
Absolviren geschah in Bezug auf die Welt, als Gott die Welt durch Christum
mit sich selber versöhnete durch den Tod Christi. Das kann gar nicht
anders sein. Indem Gott die
(Seite 31 von Original).
Sünde der Welt auf Christum legte, sie Christo zurechnete und Christum sterben ließ, nahm er zugleich der Welt ihre Sünde ab, absolvirte er die Menschen von ihren Sünden. - - Sodann ist die allgemeine Absolution aller Menschen geschehen durch die Auferstehung Christi.
Römer 4,25: "Welcher ist um unserer Sünden willen dahingegeben, und um unserer Gerechtigkeit willen auferwecket." . Die Dahingabe Christi in den Tod geschah zur Bezahlung unserer Sünden, seine Auferweckung geschah zu unserer Gerechtsprechung. Also schon damals, am ersten Ostermorgen, als Christus von den Todten auferstand, erklärte Gott durch die Auferweckung Christi der ganzen Sünderwelt, daß sie nun gerechtfertigt sei.
Römer 5,18: "Wie durch Eines Sünde die Verdammniß über alle Menschen kommen ist; also ist auch durch Eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen kommen." . Hier stellt der Apostel zwei Dinge einander gegenüber, die für alle Menschen von großer Bedeutung sind: Adams Sünde und Christi Gerechtigkeit. Wie nun That sache ist, daß durch Adams Sünde alle zum Tode verdammt sind, so ist auch Thatsache, daß durch Christi Gerechtigkeit über alle Menschen ein Urtheil zum Leben gekommen ist.
Ist hiernach die Versöhnung aller Menschen geschehen und vollendet, so hat auch das Predigtamt nicht die Aufgabe, bloße Bedingungen der Versöhnung anzugeben, sondern die vollendete "Versöhnung zu predigen". . Es soll ermahnen, zu bitten: "Lasset euch versöhnen mit Gott" (2Cor 5,18-20), das ist: Glaubet, daß die Versöhnung da sei, nehmet die geschehene Versöhnung an; glaubet, daß Gottes Herz in Liebe den Sündern entgegenschlägt. Nachdem Christi Werk geschehen ist, ist Gott ein Grunnen, aus welchem immerfort Absolution gqullt.
Wenn dies festgehalten wird, wie kann dann noch jemand sich daran stoßen, daß Menschen im Namen Gottes durch das Evangelium andern Menschen die Vergebung der Sünden sprechen? Es wird ja nur wiederholt, was Gott durch Christum bereits gethan und durch die Auferweckung Christi öffentlich erklärt hat. Man kann also wahrlich nur dann der Lehre von der Absolution widersprechen, wenn man Christi Werk nicht gelten läßt und die Vergebung der Sünden noch auf Menschenwerke stellt. Wollen wir daher die Widerrede wider die Absolution zum Schweigen bringen, so gibt es kein anderes Mittel als dies: Man male die Größe des Werkes Christi vor Augen und zeige, was für Thatsachen bereits feststehen, daß nämlich für jeden Menschen bereits Vergebung der Sünden vorhanden und proclamirt sei, und daß in der Absolution nun die bereits vorhandene und proclamirte Vegebung nur dargereicht und zugesprochen werde.
Damit fällt denn auch der Einwurf hin:
Der Absolvirende wisse nicht, weder, wie es in Gottes, noch auch,
wie es in des zu Absolvirenden Herzen aussehe. Wie es in Gottes Herzen
aussieht, weiß ich aus dem Evangelium ganz genau; nämlich, daß
Gott durch Christum mit jedem
(Seite 32 von Original).
Sünder vollkommen versöhnt sei. Aber ich soll auch dem Menschen in es Herz sehen können! Das ist aber nicht nöthig. Will jemand Vergebung der Sünden haben, so mag der Fall noch so böse sein: wir haben immer noch in der Absolution das Mittel, der Sünde Herr zu werden. Es gibt ja keine Sünde, die nicht bereits gesühnt wäre. Darum kann ich jedem armen Sünder die Absolution sprechen; es gehört eben zur Absolution nicht Würdigkeit des Menschen, sondern für uns Sünder, für Unwürdige ist die Vergebung erworben, da wir noch Feinde waren.
Das ist ja wahr: einem Menschen, der offenbar unbußfertig ist, soll ich die Absolution nicht sprechen. Nicht als ob die Absolution für ohn nicht da wäre, und an sich nicht kräftig sei - - wenn in dem bis dahin Unbußfertigen ein Fünklein des Glaubens plötzlich angezündet würde, würede er sofort Vergebung aller seiner Sünden empfangen - - sondern darum soll ich einem Solchen die Absolution nicht sprechen, weil derselbe die Perle doch nur zertreten würde, und weil ich einem offenbar Unbußfertigen nach Gottes Ordnung zunächst Gottes Zorn und nicht Gnade verkündigen soll.
Halten wir fest, daß die durch Christum
geschehene Versöhnung eine vollständige ist, so sehen wir auch
sofort ein, warum die papistische Lehre von der Ohrenbeichte durchaus falsch
sei. Der Pabst fordert zur Absolution die Ohrenbeichte, dh, eine namentliche
Aufzählung der Sünden mit ihren Umständen. Dadurch soll
der Priester in Stand gesetzt werden, sich über jeden Fall gehörig
zu informiren, um nach Befund das Urtheil sprechen und die gehörigen
Strafen auflegen zu können. Aber das ist ein Greuel und schlägt
dem Evangelio und Werk Christi in es Angesicht. Der Pabst offenbart sich
auch gerade hierin als den rechten Widerchrist. Hiermit leugnet er auf
eine besonders eclatante Weise, daß Christus bereits für alle
Sünden vollkommen genuggethan habe. Hat Christus bereits für
alle Sünden genuggethan, ist Gnade für alle Sünder erworben,
so ist nicht mehr ein "richterliches Urtheil", sondern nur noch die Gnadenexecution
am Platze. Und wozu eine namentliche Aufzählung aller Sünden?
Mögen die Sünden, welche gebeichtet werden können, beschaffen
sein, wie sie wollen, \und ihre Zahl noch so groß sein: wir wissen,
für alle Sünde ist Vergebung da durch das Werk Christi; es können
uns gar keine Sünden gebeichtet werden, die nicht durch das Evangelium
vergeben würden. Die Papisten gebrauchen ein Gleichniß, um die
Nothwendigkeit der Ohrenbeichte zu erweisen. Sie sagen, der Priester gleicht
einem Arzt. Soll ein Arzt die richtige Medicin geben, so muß
er genau orientirt sein über die Krankheit. So muß auch der
Priester durch die Ohrenbeichte sich über die geistliche Krankheit
genau informiren, um die richtige geistliche Arzenei geben zu können.
Das Gleichniß hinkt aber sehr. Ein Prediger, als geistlicher Arzt,
hat nur eine Medicin für alle Krankheiten, und das ist das
Evangelium von Christo JEsu. Der Prediger hat nur so viel zu erkunden,
ob
(Seite 33 von Original).
jemand ein armer Sünder sei, das heißt, Vergebung der Sünden begehre. Darnach kommt er mit der geistlichen Generalmedicin, dem Evangelium.
So ist auch unsere Weise bei der Absolution zu verstehen. Ehe wir absolviren, leben auch wir den Beichtenden die Fragen vor, ob sie ihre Sünden erkennen, an Christum glauben und den Vorsatz haben, ihr Leben zu bessern. Damit treten wir nicht als Richter auf und machen wir die Absolution nicht zu einer durch Menschenwürdigkeit bedingten. Durch diese Fragen wollen wir uns einzig und allein darüber vergewissern, daß wir Leute vor uns haben, welche bußfertig sind und Vergebung der Sünden haben wollen. Daß wir Fragen in diesem Sinne vorlegen, ist begründet in Gottes Wort. Gottes Wort sagt, nämlich, daß wir den armen Sündern das Evangelium predigen sollen, den Unbußfertigen dagegen, welche noch gar nicht Vergebung der Sünden haben wollen, Buße und den Zorn Gottes. Wenn jemand diese Fragen vor der Absolution in einem andern Sinn auffassen wollte, so führte er falsche Lehre, und zwar eine sehr schlimme Art von falscher Lehre. Er würde gröblich Gesetz und Evangelium vermischen. Wenn jemand zB in einer Beichtrede so redete, als ob die Absolution sich auf die Reue und den Vorsatz, sich zu bessern, gründete, dann wäre die ganze Rede von Anfang bis an es Ende falsch. Sie würde dem HErrn Christo die Ehre und den Gewissen allen Trost rauben. Das Gewissen wird nicht eher ruhig, als bis es ganz und ausschließlich in der Gnade ruht.
Stellt ein Sünder die Zuversicht der
Vergebung auch noch auf seine Reue und den Vorsatz, sich zu bessern, so
kommt das Herz noch nicht zur Ruhe, denn diese Dinge sind kein Fundament,
worauf Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit stehen könnte.
Hier ist darum sehr große Vorsicht nöthig. Es ist wahr: niemand
kann die Absolution annehmen, der nicht Reue und Glauben hat. Das predigen
wir auch, und müssen wir auch predigen. Aber man hüte sich sorgfältig,
von Reue und Glauben so zu reden, als ob sie ein Werk wären, auf welches
sich die Absolution gründete. Geschieht das, so muß das Gewissen
sofort fragen: Ist Reue genug da, so daß Gott bewogen wird,
mir die Vergebung zukommen zu lassen? Und je aufrichtiger es ein armer
Sünder meint, desto mehr wird ihm die Unzulänglichkeit seiner
Reue auf es Gewissen fallen, und mit dem Trost und Segen der Absolution
ist es aus. Hier ist ein überaus zarter Punkt. Der Verstand kann kaum
so fein scheiden, daß dem Gewissen des armen Sünders genügt
wird. Ein in es Auge eingedrungenes Staubkörnlein trübt das ganze
Auge. Wird nur irgend etwas von einem Werk in das Evangelium gemischt,
so kann das recht aufgeweckte Gewissen nicht zur Ruhe kommen, der arme
Sünder kann der Vergebung seiner Sünden nicht mehr gewiß
werden. Schließlich kommt nichts darauf an, ob einer viel oder wenig
Werke zum Grund der Seligkeit macht. Die Wirkung ist
(Seite 34 von Original).
immer dieselbe. Luther sagt, wenn die Vergebung auch nur auf einem gläubigen Vaterunser stände, so wäre kein Mensch derselben gewiß. Warum? Weil es keinen Menschen gibt, der ein durchaus andächtiges und vollständig gläubiges Vater unser beten kann. Es handelt sich hier um einen Irrthum, den wir Christen in der Praxis freilich nur zu oft begehen. Wem ist es nicht schon so ergangen, daß er zweifelte, ob Gott ihm wohl Vergebung zukommen lassen wolle, weil die Reue so wenig genugsam sei?
Luther: "Es ist gar ein ungereimt lästerlich Ding, daß man bei den Schlüsseln so heftig hat allein auf Reu und Werk getrieben, so man doch Schlüssel und unser Werk sollte scheiden so weit, als Himmel und Erde von einander. Denn es muß auch die Vernunft, so sie den Text ansieht, bekennen, daß die Schlüssel mit keinem Werk umgehen, heißen und gebieten nichts, sondern dräuen und verheißen; nun ist Dräuen und Verheißen ja nicht Gebieten." . (E A 31,181. Volksbibl 3,138)
Derselbe: "Darnach denke, daß die Schlüssel oder Vergebung der Sünden nicht stehet auf unserer Reue oder Würdigkeit, wie sie lehren und verkehren; denn das ist ganz pelagianisch, türkisch, heidnisch, jüdisch, wiedertäuferisch, schwärmerisch und endechristisch (antichristisch): sondern wiederum, daß unsere Reue, Werk, Herz und was wir sind, sollen sich auf die Schlüssel bauen, und mit ganzem Erwägen getrost darauf verlassen, als auf Gottes Wort, und bei Leibsverlust und Seelenverlust ja nicht zweifeln, was dir die Schlüssel sagen und geben, es sei so gewiß, als rede es Gott selber: wie er es denn gewißlich selbst redet; denn es ist sein Befehl und Wort und nicht eines Menschen Wort oder Befehl. Zweifelst du aber, so lügenstrafest du Gott, verkehrest seine Ordnung, und bauest seine Schlüssel auf deine Reue und Würdigkeit. Reuen sollst du, das ist wahr; aber daß darum die Vergebung der Sünden sollte gewiß werden und des Schlüssels Werk bestätigen, das heißt den Glauben verlassen und Christum verleugnet. Er will dir die Sünde nicht um deinetwillen, sondern um seine selbst willen aus lauter Gnaden, durch den Schlüssel, vergeben und schenken." (Volksbibl 3,121.)
Es scheint ein hartes Wort zu sein, daß,
wer bei der Absolution mit auf seine Reue baut, Christum verleugnet; und
doch ist es wahr. Was nämlich leugnet ein Solcher offenbar? Dies,
daß unser Heiland mit seinem Blut Frieden gemacht und Gott mit uns
versöhnt habe. Sonst könnte er gar nicht meinen: meine Reue muß
so und so tief sein usw, sonst kann ich die Vergebung der Sünden nicht
erlangen. Reue genug ist dann in unseren Herzen, wenn wir als arme Sünder
Vergebung der Sünden haben möchten; wenn wir nicht durch
unsere Werke selig werden wollen, sondern das Seufzen in unseren Herzen
ist: O Gott,sei mir Sünder gnädig! Steht es so, dann hat der
Heilige Geist Reue in uns gewirkt.
(Seite 35 von Original).
Der Widerspruch gegen die Absolution wird freilich nicht aufhören. Es ist das Aergerniß am Evangelio. Der Apostel Paulus erfuhr diesen Widerspruch ebenfalls. Wenn er predigte: "Wo die Sünde mächtig worden ist, da ist doch die Gnade viel mächtiger worden" (Römer 5,20), so wurde ihm Shuld gegeben, er befördere ein Leben in Sünden; nach solcher Lehre könnte man "in der Sünde beharren, auf daß die Gnade desto mächtiger werde". . (Römer 6,1). . Was hat aber der Apostel Paulus gethan? Er ist bei der Preidgt des Evangeliums von der freien Gnade Gottes in Christo geblieben, hat dann aber auch gezeigt, daß das lautere Evangelium nicht ein Leben in Sicherheit und Sünden bewirke, sondern vielmehr Quell und Wurzel der Heiligung sei. "Wie sollten wir in der Sünde wollen leben, der wir abgestorben sind?" . (Römer 6,2). . "Die Sünde wird nicht herrschen können über euch, sintemal ihr nicht unter dem Gesetze seid, sondern unter der Gnade." (V. 14.) . - - Wollen wir die Sünde brechen und ein heiliges Leben in Schwang bringen, so müssen wir immer fröhlich, frisch und frei predigen, was uns durch den Apostel vorgegeben ist: "Ist die Sünde mächtig geworden, so ist doch die Gnade viel mächtiger geworden." . Wenn das im Glauben in es Herz gefaßt wird, so wird dadurch ein neues, geistliches Leben, Haß wider die Sünde usw gewirkt. Wer freilich der Gnadenabsolution des Evangeliums nicht glaubt, bei dem werden wir auch kein geistliches Leben wirken; aber auch die nicht, welche mit des Gesetzes Werken umgehen; dieselben werden aus dem Sünder höchstens ein zwiefaches Kind der Hölle, einen selbstgerechten Pharisäer machen. - -
Wir haben gesehen: die Absolution steht auf der Vollkommenheit des Werkes Christi. Die das Werk Christi nicht als vollkommen gelten lassen, haben darum keine Absolution. Die Papisten halten scheinbar sehr hoch von der Absolution. Nennen sie doch die Buße ein Sacrament und verfluchen sie doch alle diejenigen, welche die Buße nicht so nennen wollen. Sie sagen, zur Buße gehöre als äußere Materie die Beichte (und zwar die Ohrenbeichte), die Reue und die Genugthuung. Zu dieser äußeren Materie komme dann, wenn der Priester dieselbe nach gehöriger Untersuchung in Ordnung gefunden habe, das Wort der Absolution; so sei das Sacrament fertig. Das ist ein furchtbarer Greuel. So kommt die Absolution, anstatt auf Christi Verdienst, gänzlich auf Menschenwerke zu stehen, auf die Ohrenbeichte, von der der Mensch niemals wissen kann, ob sie die gehörige Beschaffenheit habe, auf die Genugthuung, von welcher Keiner wissen kann, ob sie genugsam sei. (*). . Also gerade dadurch, daß die Papisten die Buße zu einem Sacrament in ihrem Sinne machen, heben sie die Absolution vollkommen auf. Denn die Absolution wird dadurch ungewiß und eine ungewisse Absolution ist gar keine Absolution.
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(*). Deshalb hat auch Luther nie aus der
papistischen Beichte Trost empfangen.
(Seite 36 von Original).
Aber auch die Synergisten haben keine Absolution. Sie gehen ja nicht so weit wie der Pabst; sie sagen aber: Wenigstens etwas müsse der Mensch aus dem Seinen dazu thun, damit er bekehrt werde und also die Rechtfertigung überkomme. Ist dies richtig, dann sind alle Verheißungen des Evangeliums bedingte, und zwar durch Menschenwerk bedingte, wie denn auch unsere Gegner im letzten Streit ausdrücklich den Satz verfochten haben; die Verheißungen des Evangeliums seien durch das menschliche "Verhalten" bedingte Verheißungen. Dann aber gibt es keine Absolution mehr, sondern nur noch eine Beschreibung, wie ein Mensch durch sein "Verhalten" in den Himmel kommen könne. Darum müssen wir festhalten: Die Absolution steht und fällt damit, daß man lehrt, Christus habe mit seinem Verdienst aller Menschen Sache bei Gott so vollkommen gut gemacht, daß auch nicht das geringste Menschenwwerk, mag man es nun Werk oder Verhalten nennen, noch erfordert wird, damit Gott dem Menschen Vergebung der Sünden zu Theil werden lasse.
Luther sagt ja an einer Stelle im Nürnberger Gutachten, daß die Verheißungen des Evangeliums bedingt seien durch den Glauben. Er denkt dabei aber, wie aus seinen eigenen Worten hervorgeht, keineswegs an eine Leistung von Seiten des Menschen. Setzt Luther doch sofort hinzu: "Uns ist (die Absolution) darum nicht ein Fehlschlüssel. Der Glaube bauet nicht auf unsere Würdigkeit, sondern ist nur soviel, daß einer die Absolution annimmt und Ja dazu spricht." . Luther braucht hier also das Wort "Bedingung" im Sinn "von Mittel der Aneignung". . In unserer Zeit ist nun der Ausdruck "Bedingung" zweideutig geworden; unter Bedingung versteht man gewöhnlich die Forderung einer Leistung, und diesen Gedanken erzeugt das Wort auch zunächst. Genau geredet ist der Glaube das Mittel, wodurch die Vergebung und Absolution angeeignet wird. Wenn es heißt: "Wer da glaubt, wird selig werden", so ist auch hier nicht eigentlich eine Bedingung, sondern die Art und Weise, der Weg der Erlangung der Seligkeit, beschrieben.
In der Apologie, Artikel 11, heißt
es in Bezug auf die Tröstlichkeit der Absolution, sobald alles Menschenwerk
ferngehalten wird: "Es ist am Tage und es können die Widersacher nicht
leugnen, daß die Unsern von der Absolution, von den Schlüsseln,
also christlich, richtig, rein gepredigt, geschrieben und gelehrt haben,
daß viel betrübte, angefochtene Gewissen daraus großen
Trost empfangen, nachdem sie dieses nöthigen Stücks klar unterrichtet
sein, nämlch daß es Gottes Gebot ist, daß es der rechte
Brauch des Evangelii, daß wir der Absolution glauben und gewiß
bei uns dafür halten, daß ohne unser Verdienst uns Sünde
vergeben werde durch Christum, daß wir auch so wahrhaftig, wenn
wir dem Wort der Absolution glauben, Gotte werden versöhnt, als höreten
wir eine Stimme vom Himmel. Diese Lehre, welche sehr nöthig, ist vielen
angefochtenen Gewissen sehr tröstlich gewesen. Auch haben viel redliche,
verständige
(Seite 37 von Original).
Leute, viele fromme Herzen im Anfang dieser unserer Lehre halben Dr Luthern hoch gelobet und deß eine sondere Freude gehabt, daß der nöthige, gewisse Trost wiederum wäre an den Tag gebracht. Denn zuvor war die ganze nöthige Lehre von der Buße und Absolution untergedruckt (antea tota vis absolutionis erat oppressa doctinis operum = vorher war die ganze Kraft der Absolution unterdrückt durch die Lehre von den Werken), nachdem die Sophisten keinen rechten beständigen Trost des Gewissens lehreten, sondern weiseten die Leute auf ihre eigenen Werke, daraus ditel Verzweiflung in erschrockenen Gewissen kommt." (Müller, Seite 165).
Nach Artikel 12 der Augsburgischen Confession heißt der Absolution glauben: glauben, "daß die Sünde vergeben und durch Christum Gnade erworben sei".
Luther sagt im Großen Katechismus: "Darum sollen solche Leute (die nicht lose Leute sind und gerne fromm wären) lernen, daß die höchste Kunst ist, daß man wisse, daß unser Sacrament (des Abendmahls) stehet nicht auf unsere Würdigkeit; denn wir lassen uns nicht taufen, als die würdig und heilig sind, kommen auch nicht zur Beichte, als seien wir rein und ohne Sünde, sondern das Widerspiel, als arme, elende Menschen, und eben darum, daß wir unwürdig sind; es wäre denn ein solcher, der keine Gnade und Absolution begehret, noch sich dächte zu bessern. Wer aber gerne wollte Gnade und Trost haben, soll sich selbst treiben und niemand davon schrecken lassen und also sprechen: Ich wollte wohl gerne würdig sein, aber ich komme auf keine Würdigkeit, sondern auf dein Wort, daß du es befohlen hast, als der gerne dein Jünger wäre; meine Würdigkeit bleibe, wo sie kann. Es ist aber schwer. Denn das liegt uns immer im Wege und hindert, daß wir mehr auf uns selbst, denn auf Christus Wort und Mund sehen. Denn die Natur wollte gerne so handeln, daß sie gewiß auf sich selbst möchte fußen und stehen, wo nicht, so will sie nicht hinan." . (Müller, Seite 508.)
Thesis IV.
Man stößt sich ferner deshalb an der Absolution, weil man nicht glaubt oder sich doch nicht gegenwärtig hält, "daß Gott" - der ja freilich allein aus eigener Machtvollkommenheit Sünde vergeben kann - "keine andere Weise hat, die Sünde zu vergeben, denn durch das mündliche Wort, so er uns Menschen befohlen hat" (Luther).
Wir haben in der dritten These gesehen, daß
man an der Absolution zunächst deshalb Anstoß nimmt, weil man
die Größe des Werkes Christi nicht kennt. Aber eine Hauptursache
des Widerspruchs liegt dann freilich
(Seite 38 von Original).
auch noch anderswo. Das ist auch die Ursache, weshalb wir, die wir die rechte Lehre haben und kein Wort dagegen sagen, die Absolution so oft ohne Segen gebrauchen. Diese Ursache ist der Enthusiasmus. Enthusiasmus nennt man erstliche die falsche Lehre, daß Gott uns seinen Willen kundthue und Gnade und Geist zu Theil werden lasse ohne das äußere Wort Gottes; sodann die falsche Praxis, daß jemand sich Gedanken von Gott und Gottes Willen gegen sich macht ohne das äußere Wort. Dieser These ist daher ebenso wichtig, als die vorige. Wenn und auch zugegeben wird, daß durch Christum die ganze Menschheit mit Gott vollkommen vesöhnt ist, so wird der Widerspruch gegen die Absolution doch nicht verstummen, wenn man nicht zugleich mit uns völlig einig ist über die Art und Weise, wie Gott den Menschen nun seine gnädige Gesinnung kundthue. Es gilt die Frage zu beantworten: Wohin habe ich zu sehen, wenn ich wissen will, wie Gott gegen mich gesinnt ist? Muß ich zur Beantwortung dieser Frage in mein eigenes Herz blicken, wie die Schwärmer behaupten, oder auf das hören, was der Pabst oder die Welt urtheilt? Wir sagen: Die Antwort auf die Frage: Wie sit Gott gegen mich gesinnt? ist einzig und allein aus dem äußeren Wort Gottes zu erholen, wie es in der Schrift geoffenbart und von Menschen aufgeschrieben vorliegt, und wie es jetzt im Verkehr mit Menschen an uns kommt durch die öffentliche Predigt oder durch den Zuspruch des Bruders. Einzig und allein auf diese Weise will Gott mir die Frage beantworten, wie er gegen mich gesinnt sei.
Hält man das nicht fest, glaubt man das nicht von ganzen Herzen, hat man nicht daran durch die Praxis sich gewöhnt, so wird man die Absolution oft ohne Segen gebrauchen. Man irrt dann mit seinen Gedanken bei der Absolution umber und denkt: Ich höre wohl, wie ein Mensch mich absolvirt, aber wer weiß, was Gott im Himmel dazu sagt? Steht es aber so, daß ich mich ganz allein an das äußere Wort Gottes halte, das ich höre, und bin ich überzeugt, daß ich auf Erden gar nicht anders Gottes Stimme und Urtheil über mich erfahren kann, als auf diese Weise, dann wird mir die Absolution überaus köstlich sein.
Weil dieser Punkt von großer Wichtigkeit
ist, so wollen wir bei demselben noch etwas stehen bleiben. Wir Menschen
haben in diesem Leben Gott nur in seinem Wort. Es ist wahr: Gott
ist allgegenwärtig, exfüllt Himmel und Erde, er ist auch im kleinsten
Grashalm. Er durchdringt auch alles mit seiner Wirksamkeit, in ihm leben,
weben und sind wir. Aber so ist Gott uns gar nicht faßbar. In Bezug
auf unser geistliches Leben ist Gott uns nur faßbar, wo er, wie Luther
sagt, "sich uns anbindet". Und das geschieht durch sein geoffenbartes Wort.
Außer diesem Wort ist und bleibt uns Gott für das geistliche
Leben fern, unerreichbar fern. Wir werden nimmermehr auf selbsterdachten
Wegen zu Gott in den Himmel dringen. Gott hat aber in seinem geoffenbarten
Wort eine Leiter auf die Erde heruntergestellt. Sonst wohnt Gott in einem
Lichte, dazu kein Mensch kommen kann.
(Seite 39 von Original)
Das lehrt die Schrift. Tritt ein Mensch mit Gottes Wort an uns heran, so tritt nach der Schrift damit Gott selbst an uns heran. Matth 10, 40 heißt es: "Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf." Das ist gesagt von den mit Gottes Wort kommenden Jüngern JEsu. Weiter: wenn wir Menschen, die mit Gottes Wort kommen, abweisen, so weisen wir nach der Schrift Gott ab, und die Strafe über die, welche Menschen, die mit Gottes Wort kommen, abweisen, ist die der Gottesverächter. So heißt es Matth 10, 14 f: "Und wo euch jemand nicht annehmen wird, noch eure Rede hören; so gehet heraus von demselbigen Hause oder Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen. Wahrlich, ich sage euch, dem Lande der Sodomer und Gomorrer wird es träglicher ergehen am jüngsten Gericht, denn solcher Stadt." Treten darum Menschen an uns heran mit dem Wort der Absolution, dann tritt Gott mit seiner Absolution an uns heran. Wer diese Absolution zurückweist, weist damit Gottes Absolution zurück.
Es ist ja durchaus wahr: Gott allein kann Sünde vergeben. Jef 43, 25 2 Mos 34,6 7 Mich 7, 18 19 Luc 5, 21. Das muß feststehen und das lassen auch wir feststehen. Gott allein vergibt Sünde aus eigener Machtvollkommenheit. Wie im letzten Grunde nur an Gott gesündigt wird, so kann auch nur Gott die Sünde vergeben. Freilich, wir sündigen auch, wenn wir gegen Gebote der menschlichen Obrigkeit, die nicht gegen Gottes Wort sind, angehen, aber nur deswegen, weil Gott gesagt
(Seite 40 von Original)
hat: Jedermann sei unterthan der Obrigkeit (Röm 13,1). Hätte Gott dies nicht gesagt, so würden wir durch Uebertretung der Gebote der weltlichen Obrigkeit auch nicht sündigen. Wie so im letzten Grunde nur gegen Gott gesündigt wird, so kann auch im letzten Grunde nur Gott Sünde vergeben. Du selbst kannst dir die Sünde nicht vergeben: das kann auch kein Pabst, kein Raiser und kein König, kein Engel, überhaupt keine Kreatur. Vergibt Gott dir nicht, dann bleibt deine Sünde dir unvergeben. Du magst dich selbst noch so viel absolviren, Menschen mögen dir nach ihren eigenen Gedanken noch so oft sagen, du könnest getrost sein; Pabst und Kaiser mögen dich um die Wette selig sprechen: absolvirt Gott dich nicht, so bist und bleibst du ein verdammter Sünder. Diese Wahrheit bekennen wir bei unsrer Lehre von der Absolution auf das allerentschiedenste. Es gibt leider Viele, die absolviren sich ohne Gott durch eigene, selbstgemachte Gedanken. Nein, das gilt nicht. Allein von Gott mußt du Vergebung haben.
Aber so wahr es einerseits ist, daß Gott allein Sünde vergibt, so wahr ist es andererseits, daß er dies einzig und allein durch sein Wort, das er durch Menschen redet, thut. Wohl spricht Christus von sich Offenb 1, 18: "Ich habe die Schlüssel der Hölle und des Todes" und wird Christus dargestellt Kap 3, 7: als der da hat die Schlüssel Davids, der aufthut und niemand schließt zu, der zuschließt und niemand thut auf; wohl wird hier also Christus als der eigentliche Herr der Schlüssel dargestellt. Aber diese Schlüssel hat der Herr nun zur Verwaltung seiner Gemeinde übergeben. Er spricht zu dem gläubigen Petrus: "Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben. Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein; und Alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein", und Matth 18 zu allen Christen mit einem Schwur: "Wahrlich, was ihr auf Erden binden werdet" 2c, und Joh 20: "Welchen ihr die Sünden erlasset" 2c. Damit hat Christus uns Alle an die Schlüssel, die er auf Erden gelassen hat, gewiesen. Wir sollen die Absolution in seinem Wort, das er der Kirche gegeben hat, hören. Diese Absolution in seinem Wort, das er der Kirche gegeben hat, hören. Diese Absolution ist seine Absolution.
Wir Lutheraner halten darum einerseits fest: Christus allein ist Herr der Schlüssel, aber andererseits schärfen wir ebenso entschieden ein: Christus verwaltet die Schlüssel nicht unmittelbar selbst, auch nicht durch Engel, sondern durch Menschen, durch seine Kirche. Wer darum Vergebung haben will, muß sie empfangen durch die Schlüssel, die Christus auf Erden seiner Kirche gelassen hat. Und die Kirche handhabt die Schlüssel durch es Wort. Ein Mensch wird daher nie Vergebung der Sünden anders, als durch das äußere Wort erlangen. Diese durch es äußere Wort ergehende Absolution ist Christi Absolution.
In diese Weise Christi gilt es sich zu schicken.
Gott ist uns hier auf Erden gegenwärtig in seinem Wort. Es ist wahrhaftig
so: Jedesmal,
(Seite 41 von Originl)
wenn wir die Bibel aufschlagen, redet Gott mit uns; jedesmal, wenn wir in die Kirche gehen und Gottes Wort hören, so schallt des gnädigen und barmherzigen Gottes Stimme in unsere Ohren; wenn wir uns die Absolution sprechen lassen, so spricht wirklich Gott selbst zu uns. Wenn wir, Prediger wie Hörer, uns das gegenwärtig halten könnten, was für ein geistliches Leben sollte unter uns entstehen! Wir würden ein neues geistliches Pfingsten feiern.
Luther: "Wie du Gott glaubst, so hast du ihn. Suchest du Gott droben in der Höhe, so hast du einen fernen Gott; glaubest du ihn im Sacrament, so hast du einen nahen Gott. Zwischen fern und nah ist ein Unterschied. Es ist ein Unterschied zwischen einem Erbe, das einem über das Meer zukommen soll, dabei ist noch Sorgen und Bangen, und einem Erbe, das man im Haufe hat, dabei ist fröhlich Besitzen und Genießen." (Volksbibl 2, 120).
Derselbe: "Wollte Gott, wir könnten
uns einmal dahin gewöhnen und unsere Herzen darauf richten, daß
man des Predigers Wort ansähe als Gottes Wort . . . Wenn man das könnte
glauben, so wären wir wohl zufrieden. Aber der Mangel ist in der ganzen
Welt, und auch in uns, daß wir diese Gabe nicht erkennen, noch auch
den Geber; und mir fehlet es selbst auch noch dran, ich hab es nicht so
tief und stark, als ich es gerne wollte. Denn Fleisch und Blut verhindert
es, welches nur den Pfarrherr und Bruder ansieht und die Stimme des Vaters
hört, und kann sich nicht entschwingen, daß einer sagte: Daß
ich höre das Wort, da höre ich einen Donnerschlag und sehe die
ganze Welt voll Blitzes. Aber wir thun es nicht, und das ist eine erschreckliche
Plage, und die Schuld ist Fleisches und Blutes, welches nicht betrachtet,
daß das mündliche Wort und Predigtamt sollte ein solcher Schatz
sein, der theurer und besser wäre, denn Himmel und Erde. Sonst gedenken
die Leute also: Wenn ich könnte Gott reden hören in seiner Person,
ich wollte laufen, daß mir die Füße bluten sollten. Darum
ist man vor Zeiten zur Eichen, gen Nach, in es Grimmthal hin und wieder
gelaufen, daß St Maria an denselbigen Orten den Leuten helfen sollte.
Da that man es und lief dahin. Wenn damals einer gesagt hätte: Ich
weiß einen Ort in der Welt, da redet Gott, und wenn man dahin kömmt,
höret man Gott selbst reden; und wenn ich daselbst hin kommen wäre
und hätte gesehen einen armen Prediger taufen und predigen, und man
sagte dann: Allhier ist der Ort, da redet Gott durch den Prediger, er führet
Gottes Wort, da sollt ich wohl sagen: Ho! Ich hab mir wehe gethan, ich
feh nur einen Pfarrherr. Wir wollten gern, daß Gott in seiner Majestät
mit uns redete; aber das rathe ich dir nicht, laufe dahin nicht. Ja, es
lernet sich wohl. Wenn er in seiner Majestät redete, so würdest
du wohl sehen, was sich für ein Laufen erhaben sollte, wie denn auch
am Berge Sinai geschah (da doch allein die Engel redeten, noch rauchte
und zitterte der Berg). Aber du hast nun das Wort Gottes in der Kirche,
in den Büchern in
(Seite 42 von Original)
deinem Haufe, und das ist gewißlich Gottes Wort, als wenn Gott selbst redete. . . . Das Haben wir angefangen zu erkennen, daß wir und unsere Zuhörer wissen, sie hören nicht einen Menschen sondern Gott, der solche Dinge mit uns redet, die da bringen einen ewigen Schatz. . . Lieber, laß das einen Schatz. . . Lieber, laß das einen Schatz sein, daß Gott mit dir in dein leiblich Ohr redet, und fehlet allein daran, daß wir diese Gabe nicht erkennen, Denn ich höre wohl die Predigt, aber wer redet? Der Pfarrherr? Nicht also, du hörest nicht den Pfarrherr. Die Stimme ist wohl sein, aber das Wort das er führet und redet, das redet mein Gott. . . Wenn wir es nun dafür hielten, so würden wir gerne zur Kirche gehen und Predigt hören und allein dem lieben Gott zuhören. . . Aber dieweil wir dem göttlichen Wort keine Ehre anlegen, auch nach unser selbst eigenen Herrlichkeit nichts fragen, derhalben so hören wir das Wort nicht, und wird keiner gerne gehöret, er habe denn eine gute helle Stimme. . . Der redet ebensowohl Gottes Wort, ebensowohl Gottes Wort, der übel redet, als der, so wohl reden kann. Der Vater redet ebensowohl das Wort als Gott, und dein Nächster redet sowohl Gottes Wort, als der Engel Gabriel, Es ist sein ander Wort, das ein Schüler redet, und das der Engel Gabriel führet, allein daß einer kann es besser fürbringen, denn der andere. Laß die Schüsseln ungleich sein, etlich sind silbern, andere zinnern oder von Thon geglafuret, irdische Gefäße: aber einerlei Speife wird in Silber, Zinn 2c angericht, und schmecket das Wildpret, so wohl gewürzt und zugericht ist, ebensowohl aus einem hölzernen Becken, als aus einem filbernen. . . Also halte auch von der Taufe und Absoultion. Das laß deinen Trost sein."(E A 47, 221 ff)
Die Augsburgische Confession sagt: "Dabei wird das Volk fleißig unterrichtet, wie tröstlich das Wort der Absolution sei, wie hoch und theuer die Absolution zu achten; denn es sei nicht des gegenwärtigen Menschen Stimme und Wort, sondern Gottes Wort, der die Sünde vergibt; denn sie wird an Gottes Statt und auf Gottes Befehl gesprochen. Von diesem Befehl und Gewalt der Schlüssel, wie tröstlich, wie nöthig sie sei den erschrockenen Gewissen, wird mit großem Fleiß gelehret; dazu, wie Gott fordert, dieser Absolution zu glauben nicht weniger, denn so Gottes Stimme vom Himmel erschölle." (Art 25).
Apologie: "Darum sollen wir das Wort der Absolution nicht weniger achten noch glauben, denn wenn wir Gottes klare Stimme vom Himmel hörten." (Art 12).
Luther macht daher darauf aufmerksam, daß,
wenn jemand die Absolution nicht glaube, er Gott nicht glaube: "Wenn ich
sage: deine Sünden sind dir vergeben in Gottes Namen, und du glaubst
es nicht, so thust du ebensoviel, als wenn du sagst: Wer weiß, ob
es wahr sei, und ob es sein Ernst sei; damit lügenstrafst du Gott
und sein Wort. Darum wäre es besser, du wärest weit vom Wort,
wenn du es nicht glaubst. Denn Gott will es nicht geringer achten, wenn
ein Mensch sein
(Seite 43 von Original)
Wort predigt, denn als hätte er es selbst gethan." (EA 11, 335 St L XI, 733 ff)
Die Nürnbergischen Katechismuspredigten schärfen ein, daß die Vergebung der Sünden nicht auf müßigen Gedanken, die wir selbst uns machen, stehe, sondern auf Gottes Wort: "Das sollt ihr wissen, daß es gar nichts tauge, wenn jemand nach der Taufe wieder in grobe und schwere Sünde fällt, daß er es wollt verachten und also dahin gehen und sich lassen bedünken, es wäre ihm vergeben. Denn ein solcher loser Dünkel ist viel zu schwach dazu, daß er des Teufels Anfechtung in Todesnöthen sollte Widerstand thun, sondern man muß Gottes Wort und Werk haben, die da anzeigen und bezeugen, daß uns die Sünde vergeben sei. . . Wenn nun jemand nach der Taufe schwerlich gesündigt hat, und sicht ihn in seinem Gewissen an, daß er zweifelt, ob er in Gottes Gnade oder Ungnade sei, wie denn gemeiniglich geschieht, so soll er nicht auf seine bloßen Gedanken trauen, daß er wollte gedenken: Ei, ich will mich lassen gedünken, es sei mir vergeben; denn solches Gedünken ist kein rechter Glaube und kann auch in der Anfechtung nicht bestehen; denn der Glaube muß allweg Gottes Wort und Werk haben, darauf er gründe. Nun redet aber Gott nicht mit uns vom Himmel herab, sondern er hat die Schlüssel zum Himmel und die Gewalt, die Sünde zu vergeben, den Dienern der Kirche gelassen und befohlen, darum soll er zu derselben einem gehen und seine Sünde und Anliegen bekennen und klagen, und ihn bitten, daß er nach dem Befehl Christi ihm Vergebung seiner Sünde verkündigen wolle. Wenn das geschieht, so soll er fröhlich und tröstlich glauben, daß ihm seine Sünden wahrlich auch im Himmel vergeben seien. Und ein solcher Glaube kann in aller Anfechtung bestehen, denn er hat Gottes Wort und Werk allenthalben für sich. Denn er weiß ja, daß ihm der Diener seine Sünde hat vergeben, und weiß, daß er dasselbige zu thun von Gott Befehl hat. Er weiß auch, daß Gott zugesaget hat, wem sie die Sünden vergeben auf Erden, dem sollen sie auch vergeben sein im Himmel. Darum, meine lieben Kindlein, solget dieser Lehre, und wenn euch eure Sünden anfechten, so sucht und holt Vergebung bei denen, die von Christo Befehl haben, daß sie den Leuten ihre Sünde vergeben sollen, so könnt ihr Friede und Ruhe in eurem Gewissen haben. Wer aber das nicht thun, sondern muthwilliglich verachten will, der wird Vergebung der Sünden nicht finden an den Orten, da sie Gott nicht hingelegt und zugesagt hat; darum verachtet es nicht, denn es ist Gottes Befehl und Ordnung, und der Heilige Geist ist dabei und wirkt ohne Zweifel mit, daß es uns zur Seligkeit dienstlich sei."
Luther schreibt zu Joh 20: "Dan ist eine
große, mächtige Gewalt, die niemand genugsam preisen kann, die
einem sterblichen Menschen, Fleisch und Blut, gegeben wird über Sünde,
Tod und Hölle und über alle Dinge. Der Pabst rühmet sich
auch im Geistlichen Recht, daß ihm Christus hat Gewalt.
(Seite 44 von Original)
walt gegeben über alle weltlichen und himmlischen Dinge, welches wohl recht wäre, wenn sie es recht verstünden. Denn sie ziehen es auf es leiblich Regiment. Das will Christus nicht, sondern er gibt geistliche Gewalt und Regiment und will soviel sagen: Wenn ihr ein Wort sagt über einen Sünder, soll es gesagt sein im Himmel und soviel gelten, als wenn es Gott im Himmel selbst redet; denn er ist in eurem Munde, drum ift es auch soviel, als sagte er es selbst. Nun ist es ja wahr: wenn Christus ein Wort sagt, dieweil er ein Herr ist über Sünde und Hölle, und zu dir spricht: deine Sünden sollen hin sein, so müssen sie hinweg, und kann nichts dawider. Wiederum: wenn er sagt: deine Sünden sollen dir nicht vergeben sein, so bleiben sie unvergeben, daß weder du, noch kein Engel, noch Heiliger, noch keine Kreatur die Sünde vergeben kann, wenn du dich auch zu Tode marterft. Eben die Gewalt stehet bei einem jeglichen Christen auch, sintemal Christus uns alle seiner Macht und Gewalt theilhaftig gemacht hat; und da regieret er nicht leiblich, sondern geistlich, und seine Christen (regieren) auch geistlich, denn er spricht nicht: Die Stadt, das Land, das Bisthum oder Königreich sollst du haben und regieren, wie der Pabst thut, sondern also sagt er: Solche Gewalt sollt ihr haben, daß ihr Sünde erlaßt und behaltet. Darum betrifft diese Gewalt das Gewiffen, also daß ich kann in Kraft des Wortes Gottes ein Urtheil sprechen, da das Gewissen an hafte, daß dawider und über das seine Kreatur nicht kann, weder Sünde noch Welt noch Teufel; das ist eine rechte Gewalt. . . . Darum sollen wir Gott danken, daß wir nun erkennen die große Kraft und Herrlichkeit, die uns durch Christum gegeben ist in dem schlechten Wort. . . . Siehe, wie großen, überschwänglichen Trost wir haben, daß Gott dieselbige Kraft, die er in Christo übet, auch in uns erwecket und hat uns gleiche Gewalt gegeben. Wie er ihn in ein himmlisch Wesen gesetzt hat, über all Gewalt, Macht und Kraft und alles, was man nennen mag, also hat er uns auch in dieselbige Gewalt gesetzt, daß diejenigen, so da glauben, alle Gewalt haben über Himmel und Erde. Das haben wir in dem Wort, das er hinter sich gelassen; und sind so kräftig, daß ebensoviel gilt, wenn wir sie sprechen, als wenn er selbst auf Erden ginge und spräche sie in der Majestät und Herrlichkeit, darinnen er jetzt ist. Und dies ist die Kraft, die wir haben aus seiner Auferstehung und Himmelfahrt: da gibt er uns Macht, daß wir mögen todt und lebendig machen, dem Teufel geben und nehmen." (Erl Ausg 11, 331-333 St L XI, 731 f)
Auf diese Weise nun, daß Gott Sünde
vergibt durch das äußere Wort Gottes, das wir in der Predigt
und in der Absolution hören, wollen sich die Schwärmer nicht
einlassen. Sie sagen, das sei viel zu äußerlich, es müsse
mehr innerlich und geistlich zugehen. Nicht durch das äußere
Wort müsse mehr innerlich und geistlich zugehen. Nicht durch das äußere
Wort müsse man den Willen Gottes erfahren, sondern durch den Geist,
der im Innern Zeugniß ablegt. Der Schwärmer Weigel schrieb:
"Ich habe den
(Seite 45 von Original)
Absolvirer in mir, und darf nicht durch eines Anern Hand oder Maul absolvirt werden." (Gespr von Chr). Er wollte sich auf die Absolution durch Menschen nicht einlassen. Dagegen schreibt Luther: "Laß dich nicht irren das pharisäische Geschwätz, damit sich etliche selbst närren, wie ein Mensch möge Sünde vergeben, so er doch die Gnade nicht geben kann, noch den Heiligen Geist. Bleibe du bei den Worten Christi, und sei du gewiß, daß Gott keine andere Weise hat, die Sünde zu vergeben, denn durch das mündliche Wort, so er uns Menschen befohlen hat. Wo du nicht die Vergebung im Wort suchst, wirst du umsonst gen Himmel gassen nach der Gnade oder, wie sie sagen, nach der innerlichen Vergebung." (XIX, 1175 Volksbibl 3, 124 f).
Es liegt hier ein sonderlicher Kunstgriff des Satans vor. Es ist ja wahr: ohne den Heiligen Geist kann niemand die Vergebung der Sünden, die Absolution und Gottes Urtheil über sich glauben. Niemand kann JEsum einen HErrn heißen ohne durch den Heiligen Geist (1 Cor 12,3). Das müssen wir ja betonen, damit wir den Schwärmern den Einwand abschneiden, wir Lutheraner wollten nur ein todtes, äußeres Formenwesen. Nein, das wollen wir nicht. Wie wir sagen: Allein Gott vergibt die Sünde aus eigener Machtvollkommenheit, so sagen wir auch: Niemand kann die Vergebung seiner Sünden glauben, außer durch Wirkung des Heiligen Geistes. Aber das äußere Wort des Evangeliums, auch das Wort der Absolution, ist eben das Werkzeug des Heiligen Geistes, wodurch er kommt und wirkt. Das Wort Gottes, das wir hören, ist Geist und Leben (Joh 6, 63). Christus sagt von dem Wort der Apostel, das wir nun in der Schrift haben und durch die Kirche hören: "Ihr seid es nicht, die da reden, sondern eures Vaters Geist ist es, der durch euch redet (Matth 10, 20). Und 2 Cor 3, 6 8 heißt es von dem Predigtamt, daß es sei ein Amt nicht des Buchstabens, sondern des Geistes, ein Amt, das den Geist gibt. Wollen wir also das Zeugniß des Heiligen Geistes von der Vergebung unserer Sünden haben, dann müssen wir uns auf diese äußere Weise des Worts, das durch Menschen an uns kommt, einlassen; und wer sich auf diese "äußere Weise" nicht einlassen will, wird nie zum Zeugniß des Heiligen Geistes kommen; der schließt sich selber ab vom Heiligen Geist, weil er Mittel und Werkzeug leugnet, wodurch der Geist zeugt. Darum liegt hier ein sonderlicher Runstgriff des Satans vor.
Gegen Weigel, welcher den Lutheranern den
Vorwurf macht, daß sie das Zeugniß des Heiligen Geistes verwürfen,
schreibt Nic Hunnius: "Wer hat jemals in unsern Kirchen solches vernommen,
daß man das innere Zeugniß des Heiligen Geistes verwerfe, und
nicht gestehe, daß der Herr Christus durch den Glauben in unswohnen
und des Satans Werk zerstören müsse? Dies thut er (Weigel) selbst,
indem er das äußere Zeugniß verwirft, aus welchem das
innere erwächst und herkommt. Denn es kommt aus dem Gehör göttlichen
Wortes, Röm 10, 18, nicht aus dem,
(Seite 46 von Original)
so Gott (nach Weigels Auslegung) ohne Mittel in's Herz reden soll." (Betr d Weigel Theol Wittenb 1622 Seite 213)
Zwingli und Calvin waren ebenfalls Gegner der Absolution aus enthusiastischen Grundsätzen. Zwingli machte besonders den Einwurf: Das Wort thut es nicht, sondern der Glaube. Er sagt: "Es ist eine große Kühnheit, daß man gelehrt hat, durch die Schlüssel werde ein Mensch gewiß gemacht, da er doch nur durch den Glauben innerlich gewiß wird. Vergeblich sagst du: du bist frei; denn du kannst ihn durch dein Wort nicht mehr gewiß machen, als du aus einer Fliege einen Elephanten machst, wenn du sagst: du bist ein Elephant." (Vergl Gerh Loci VI § 117 de absol).
Hier offenbart sich Zwingli als einen echten Schwärmer. Ja, wenn ein Mensch sich unterfangen würde, in seinem eigenen Namen einem andern Menschen zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, so würde er so wenig etwas wirken, als wenn er zu einer Fliege sagte: Werde ein Elephant. Nun aber hat Gott gesagt: "Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen"; "ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben"; und darum ist der Menschen Sagen hier Gottes Werk und Gottes Wort. Wenn Zwingli sagt, der Glaube thue es, nicht das Amt der Schlüssel oder äußere Wort, so ist das überaus thöricht. Der Glaube muß doch etwas haben, woran er sich halte; es kann gar kein Glaube da sein, wenn nicht win äußeres Wort da ist, das er ergreise. Daher schreibt
Luther: "Nun sind sie so toll, daß sie von einander scheiden den Glauben und das Ding, daran der Glaube haftet und gebunden ist, ob es gleich äußerlich ist. Ja, es soll und muß äußerlich sein, daß man es mit Sinnen fassen und begreisen und dadurch in es Herz bringen könne, wie denn das ganze Evangelium eine äußerliche mündliche Predigt ist. Summa, was Gott in uns thut und wirket, will er durch solche äußerliche Ordnung wirken. Wo er nun redet, ja, wohin und wodurch er redet, da soll der Glaube hinsehen und sich daran halten." (Gr Rat M, Seite 489).
Ja, wenn wir die Frage, wie Gott gegen uns
gesinnt sei, beantwortet haben wollen, sollen wir nicht unser Herz befragen,
auch nicht darauf warten, was der Heilige Geist mir ohne das Evangelium
innerlich zuspricht, wie die Schwärmer sagen, sondern wir sollen Gottes
Wort vor uns nehmen und hören, wie es in der Schrift steht oder durch
Menschen an uns kommt. Da soll ich mein Urtheil holen. Dann hat mein Glaube
den Gegenstand, worauf er sich sicher gründen kann. Diese Weise hat
Gott in großer Gnade geordnet. Wären an unser Herz, an die "unmittelbare
Einsprache" des Heiligen Geistes gewiesen, dann würde ein Mensch nie
der Vergebung seiner Sünden gewiß werden können. Das Urtheil
des Herzens ist sehr oft das Urtheil des alten Adam. Und von dem "Geist",
von welchem
(Seite 47 von Original)
so viel gerühmt wird, daß er innerlich die Vergebung zuspreche, ist zu merken, daß wir gar nicht wissen, ob es der böse oder der Heilige Geist sei, wenn wir nicht aus dem äußeren Wort gewiß werden, was die Stimme des Heiligen Geistes sei. - -
Hält man fest, daß Gott durch sein äußeres Wort, das durch Menschen an uns kommt, mit uns handele, so erledigt sich eine Reihe von Einwendungen, welche gegen die Absolution erhoben werden.
Man hat gesagt: Durch die Absolution werde in Gottes Amt gegriffen, die Absolution sei eine Gotteslästerung. Aber Gott hat ja diese Art und Weise der Vergebung der Sünden durch Menschen selbst befohlen. Gott allein thut auch Wunder, nämlich aus eigener Machtvollkommenheit. Gott wird in der Schrift beschrieben, daß er sei der Gott, der allein Wunder thut. Und doch haben auch Menschen Wunder gethan, Moses, Elias, Elisa, die Apostel usw. War damit in Gottes Amt gegriffen? Nein, es gefiel Gott dem Herrn in diesem Fall, sein Werk, seine Wunder, durch Menschen zu thun. So thöricht es nun wäre, zu sagen: Moses, Elias 2c waren Gotteslästerer, so thöricht ist es, wenn es für Gotteslästerung ausgegeben wird, wenn wir die Absolution sprehen. Gott hat uns die Absolution eben befohlen und aufgetragen. Ja, umgekehrt: wenn jemand sich nicht auf diese von Gott geordnete Weise einlassen und sich ein Sonderliches anrichten will, dann greift er in Gottes Amt. Heimliche Weisen in es Werk setzen, und heimliche Wege, der Vergebung gewiß zu werden, die von Gott nicht befohlen sind, finden wollen, heißt in Gottes Amt greifen.
Melanchthon: "Der ist ein Ungläubiger, welcher denkt, daß das Evangelium, wenn es auf Einzelne applicirt wird, ungewiß sei. Dem ist nicht entgegen, daß Manche schreien: Menschen können nicht Sünde vergeben; denn da es feststeht, daß Menschen den Befehl haben, das Evangelium zu predigen, so steht es fest, daß Menschen den Auftrag haben, Sünden zu vergeben. Und eben dieselben bekennen, daß sie die Sünden insgemein vergeben, wenn sie öffentlich das Evangelium predigen. Oder wenn sie leugnen, daß sie dann Vergebung der Sünden verkündigen, so verstehen sie weder, was Evangelium, noch was Vergebung der Sünden sei." (Corpus Ref Vol XII p492)
Man hat ferner gesagt: Es werde dadurch,
daß Menschen die Absolution sprechen, "eine neue Mittlerschaft zwischen
Gott und den Menschen aufgerichtet, und der 'Priesterstolz" genährt".
Hier ist zu beachten, was ja aus dem Gesagten hervorgeht, daß die
Absolution nach unserer Lehre keineswegs in der Person des Predigers oder
dessen, der die Absolution spricht, sondern einzig und allein in dem Worte
Gottes, das der Absolvirende bringt, liegt. Dieser Einwurf hätte einen
Schein der Berechtigung, wenn wir auch nur ähnlich lehrten, wie die
Papisten. Dieselben binden die Kraft der Absolution an ihre "geschmierten
Pfassen". So steht im Römischen Katechismus: "Wie niemand in einen
befestigten
(Seite 48 von Original)
und hochgelegenen Ort ohne Hülfe dessen, dem die Schlüssel anvertraut sind, eintreten kann, so begreifen wir wohl, daß auch niemand in den Himmel eingelassen wird, wenn nicht die Pforten von den Priestern geöffnet werden, deren Obhut der Herr die Schlüssel übergeben hat." (II, 5 Fr 43). Das ist eine greuliche, antichristische Lehre. Auf diese Weise wird wirklich eine Mittlerschaft zwischen Gott und Menschen aufgerichtet, die nach Gottes Willen nicht da sein soll. Aber nicht die Priester, nicht eine besondere Klasse von Menschen, sondern die Kirche hat im Wort die Gewalt zu absolviren. Es ist Lehre der lutherischen Kirche, daß in der Absolution die Vergebung der Sünden gegeben werde durch Gottes Wort, mag es gesprochen werden vom Pastor, von einem Bruder, oder von wem es will. Luther sagt: "Wenn ein Stein oder Holz mich könnte absolviren im Namen der christlichen Kirche, wollte ich es annehmen." (LuW 7, 180). Um hervorzuheben, wie gar die Absolution im Worte Gottes liege, wurde noch bemerkt: Wir werden auch absolvirt durch einen Spruch, den wir in der Schrift lesen oder den wir an der Wand eingerahmt hängen sehen. So oft mir zB die Worte: "Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von allen Sünden" vor Augen kommen, tritt mir in denselben auch die Vergebung der Sünden entgegen; nehme ich sie gläubig auf, so habe ich Vergebung. So sehr liegt die Vergebung im Worte, nicht in der Person eines Menschen. Ja, Luther sagt (XIX, 1551), wenn der Teufel einmal in menschlicher Gestalt in die christliche Gemeinde einschliche, in der Gestalt des absolvirenden Predigers, so würde er, wenn er nur Gottes Wort vor die Leute brächte, mit all seiner List der Kraft der Absolution nichts nehmen.
Der Einwurf: "Der Mensch zwar spreche durch die Absolution los von Sünden, aber man wisse nicht, was Gott dazu sage", fällt auch sofort hin, wenn wir nur festhalten, daß Gott keine andere Weise hat, die Sünde zu vergeben, denn durch das mündliche Wort, welches er uns Menschen befohlen hat. Darum kann gar kein Zweifel mehr darüber sein, was Gott dazu sagt, wenn Menschen von Sünden durch sein Wort lossprechen. Der Menschen Sagen ist hier Gottes Sagen. Es gibt nicht zwei Absolutionen, eine auf Erden und eine andere im Himmel. Gott im Himmel absolvirt nur durch das Wort, das er auf Erden gelassen hat.
Luther geht auf diesen Punkt ein, wenn er
schreibt: "Merke hie, daß er gewiß, gewiß zugesagt, es
solle gebunden und los sein, was wir auf Erden binden und lösen, hie
ist kein Fehlschlüssel. Er spricht nicht: Was ich im Himmel binde
und löse, das sollt ihr auf Erden auch binden und lösen, wie
die Lehrer des Fehlschlüssels narren. Wann wollten wir erfahren, was
Gott im Himmel binde oder lösete? Nimmermehr, und wären die Schlüssel
vergebens und kein nütze. Spricht auch nicht: Ihr sollt wissen, was
ich im Himmel binde und löse; wer wollt es oder könnt es wissen?
Sondern so spricht er: Bindet ihr und löset auf Erden,
(Seite 49 von Original)
so will ich mit binden und lösen im Himmel; thut ihr der Schlüssel Werk, so will ich es auch thun; ja, wenn ihr es thut, so soll es gethan sein, und ist nicht noth, daß ich es euch nachthue. Was ihr bindet und löset (spreche ich), das will ich weder binden noch lösen, sondern es soll gebunden oder los sein ohne mein Binden und Lösen; es soll einerlei Werk sein meines und eures, nicht zweierlei; einerlei Schlüssel meine und eure, nicht zweierlei; thut euer Werk, so ist meines schon geschehen; bindet und löset ihr, so hab ich schon gebunden und gelöset. Er verpflichtet und verbindet sich an unser Werk, ja, er besiehlet uns sein selbst eigen Werk; warum sollten wir es denn ungewiß machen, oder umkehren und vorgeben, er müsse vorhin binden und lösen im Himmel? Gerade als wäre sein Binden und Lösen im Himmel ein anders, denn unser Binden und Lösen auf Erden, oder als hätte er andere Schlüssel droben im Himmel, denn diese auf Erden, so er doch deutlich und klärlich saget, es seien des Himmels Schlüssel und nicht der Erde Schlüssel. . . . Es kommen aber solche Gedanken von zweierlei Schlüsseln daher, daß man Gottes Wort nicht für Gottes Wort hält, sondern weil es durch Menschen gesprochen wird, so siehet man es eben an, als wären es Menschenworte, und denkt, Gott sei hoch droben und weit, weit, weit von solchem Wort, das auf Erden ist, gaffet darnach gen Himmel hinauf und dichtet noch andere Schlüssel." (XIX, 1174).
Man spricht ferner wohl: "Ich weiß nicht, ob der zu Absolvirende glaube." Es handelt sich nicht um den Fall, daß jemand offenbar ungläubig ist. Einem Solchen spreche ich die Absolution nicht. Es handelt sich um den Fall, daß man jemand der Liebe nach für einen Christen halten muß, der doch im Herzen ungläubig ist. Hier ist zu sagen: Die Absolution ist Absolution, obwohl der Glaube des zu Absolvirenden nicht dazu kommt. Der Glaube des zu Absolvirenden macht nicht die Absolution, sondern empfängt sie nur. Die Absolution wird dadurch nicht unrecht, daß sie nicht recht gebraucht, das heißt, nicht im Glauben angenommen wird. Und wenn sie in dem Augenblick, in welchem sie empfangen wird, nicht geglaubt wird, so kann sie doch später geglaubt und zum rechten Trostgrund werden. Ja, auch wenn wir wirklich glauben, so können wir doch darauf, daß wir glauben, nicht bauen. Wir müssen einzig und allein darauf bauen, daß Gott befohlen habe, mir die Absolution zu sprechen.
Luther gebraucht mancherlei Gleichnisse,
um diesen Punkt einzuschärfen. Er spricht zB: "Die Absolution ist
wahrhaftig gewiß und ewig, wenn du auch gleich daran nicht glaubest;
wie denn auch wahrhaftig die Sonne am Himmel scheint und leuchtet und die
rechte Sonne ist, ob du sie gleich nicht siehest, oder du in Keller kröchest,
daß du sie nicht sehen könntest; welches denn nicht der Sonne,
sondern deine Schuld ist. . . . Also - - die Absolution ist ganz gewiß.
Glaubest du denn der Absolution
(Seite 50 von Original)
nicht, so ist es nicht ihre Schuld, sondern deine. Warum nimmst du sie nicht an?" (EA 44, 167 f). Und anderswo: "Ein König gibt dir ein Schloß; nimmst du es nicht an, so hat der König darum nicht gelogen und gefehlet, sondern du hast dich betrogen und ist deine Schuld; der König hat es gewiß gegeben." (W XIX, 1175 f)
Man spricht endlich auch, der Absolvirende könne ja auch ungläubig sein. Darauf antwortet Luther: "Es solgt weiter, daß die Vergebung der Schuld auch nicht stehet weder in Pabsts, Bischofs, Priesters, noch in irgend eines Menschen Amt oder Gewalt auf Erden, sondern allein auf dem Wort Christi und deinem eigenen Glauben. Denn er hat nicht wollen unsern Trost, unsere Seligkeit, unsere Zuversicht auf Menschenwort oder That bauen, sondern allein auf sich selbst, auf seine Worte und That. Die Priester, Bischöfe, Päbste sind nur Diener, die dir das Wort Christi vorhalten, darauf du dich wagen und setzen sollst mit festem Glauben, als auf einen festen Fels, so wird dich das Wort behalten, und müssen deine Sünden also vergeben werden. Darum auch die Worte nicht um der Priester, Bischöfe, Pabsts willen, sondern die Priester, Bischöfe, Pabst um des Worts willen zu ehren sind, als die deines Gottes Wort und Botschaft dir bringen, du seiest los von Sünden." (Walch X, 1482. St L X, 1235).
Also wir werden mit unserm Glauben immer
gegründet auf das Wort der Absolution und nie etwa auf die Person,
die die Absolution spricht. Luther sagt: "Gott bleibt Gott auch in der
Hölle." So bleibt das Wort auch ein kräftiges Wort in dem Munde
des Vösewichts. Es kann auch ein Prediger ein Heuchler sein. Stände
nun die Absolution auf seiner Person, dann könnte ein Christ nie gewiß
sein, ob ihm Vergebung der Sünden dargereicht werde. Darum aber hat
Christus es so eingerichtet, daß die Vergebung allein in seinem Worte
liegt. - - "Christus bleibt fromm", spricht Luther ferner, "auch unter
seinen Kreuzigern; ein Gulden bleibt ein Gulden auch in des Diebes und
Räubers Hand, wenn der Gulden selbst nur ein rechter Gulden ist, nach
des Königs oder Fürsten Münze geschlagen. Ist er aber ein
falscher Gulden, wider des Königs Ordnung geschlagen, so wird er nimmermehr
ein rechter Gulden, wenn gleich der König selbst oder gleich der Engel
Gabriel damit kaufen wollte." (W XIX, 1547). Die Absolution aber, welche
wir nach Gottes Wort lehren, ist eine rechte Absolution; sie ist eine Münze,
in Gottes Münze geschlagen, weil Gott gesagt hat: "Welchen ihr die
Sünden erlasset, denen sind sie erlassen" 2c. Damit ist dieser Art
und Weise der Predigt des Evangeliums der göttliche Stempel aufgedrückt.
Bringt aber jemand nicht das richtige reine Evangelium, dann absolvirt
er auch nicht. Die Absolution ist nicht geschlagen in Gottes Münze.
So haben Papisten und Synergisten keine Absolution, weil sie die Absolution
auf Menschenwerk gründen. Eine solche Absolution gibt es aber nicht.
Aber wenn bei uns ein Christ oder auch ein
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Kind das Evangelium in den Mund nimmt und absolvirt, so gilt es, weil eben Gottes Wort in dem Munde des Christen oder des Kindes ist.
Daß die Absolution ordentlicher Weise nur durch den Prediger verwaltet wird, kommt von der Ordnung Gottes her, "daß niemand in der Kirche öffentlich lehren oder predigen, oder Sacramente reichen soll ohne ordentlichen Beruf." (Augsb Conf Art 14). Die Kraft der Absolution aber liegt allein im Wort, wie Gottes Wort ausdrücklich bezeugt, zB Joh 15, 3: "Ihr seid jetzt rein um des Worts willen, das ich zu euch geredet habe."
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Digitalisiert von Herrn Ron Lah, Lafayette, Indiana USA
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2001 - für den Druck vorgesehen im deutschsprachigen Raum