August 19 to 24, 1908 in St. Paul congregation, New Ulm, Minn. Paster Joh Bading, President, Synodical Conference.
... Die Vormittagssitzungen wurden zu Lehrverhandlungen, denen ein Referat Dr. Franz Piepers über "Das herrliche Gut der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft" zugrunde lag, verwendet; die Nachmittagssitzungen widmete man den vorliegenden Geschäften. - - Anwesend und zu Sitz und Stimme berechtigt waren folgende Personen: ---
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Lehrverhandlungen.
Das herrliche Gut der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft.
(Referent: Dr. F Pieper).
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I.
Alle Christen stehen in innerer, unsichtbarer Gemeinschaft miteinander, weil sie allesamt durch Wirkung des Heiligen Geistes an Christum als ihren Heiland glauben und durch diesen Glauben mit Christo als dem einigen Haupt der Kirche und untereinander zu einem geistlichen Leibe verbunden sind. In dieser Gemeinschaft stehen auch die Christen, welche sich in irrgläubigen Kirchengemeinschaften befinden (unitas ecclesiae interna sive fidei in Christum).
II. .
Es ist Gottes Wille und Ordnung, daß die, welche in ihrem Herzen an Christum glauben, auch in äußere, sichtbare Gemeinschaft miteinander treten, indem sie vor allen Dingen zu Ortsgemeinden sich verbinden, in welchen das Evangelium rein gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden, und darüber hinaus auch die Christen, die an andern Orten den rechten Glauben bekennen, als Glaubensbrüder anerkennen und behandeln (unitas ecclesiae externa sive professionis fidei). Zweck dieser äußeren Gemeinschaft ist die Predigt des Evangeliums in der Welt, die Ausbreitung der Kirche und die gegenseitige Erquickung und Stärkung im Glauben.
III. .
Weil viele Christen aus Schwachheit in der Erkenntnis Christi Befehl, sich nur zu seinem Wort zu halten, nicht gehorsam werden, sondern wider Christi Verbot mit Irrlehrern Gemeinschaft machen, so sondern sie sich dadurch von der von Gott geordneten glaubensbrüderlichen Gemeinschaft ab, und es kommt diese nur unter den Christen zur Betätigung, die sich nach Christi Ordnung in der Kirche halten, das heißt, die reine Lehre des göttlichen Wortes bekennen und die Irrlehrer meiden.
IV. .
Je trauriger es ist, daß so viele Christen in irrgläubigen Lagern sich aufhalten und dadurch Zertrennung und Aergernis in der Kirche anrichten und aufrecht erhalten helfen, um so fleißiger und aufrichtiger sollen die Christen, welche durch Gottes Gnade im rechtgläubigen Lager sich befinden, glaubensbrüderliche Gemeinschaft miteinander halten und alle Störung derselben sorgfältig meiden, Gott zu Ehren und der Welt und der Kirche zu höchstem Nutzen.
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Thesis I.
Alle Christen stehen in innerer, unsichtbarer Gemeinschaft miteinander, weil sie allesamt durch Wirkung des Heiligen Geistes an Christum als ihren Heiland glauben und durch diesen glauben mit Christo als dem einigen Haupt der Kirche und untereinander zu einem geistlichen Leibe verbunden sind. In dieser Gemeinschaft stehen auch die Christen, welche sich in irrgläubigen Kirchengemeinschaften befinden (unitas ecclesiae interna sive fidei in Christum).
Die erste These weist auf die Grundlage oder notwendige Voraussetzung der äußeren glaubensbrüderlichen Gemeinschaft hin. Es ist dies die innere, unsichtbare Gemeinschaft, in welcher alle Christen durch den Glauben an Christum miteinander stehen. Weil alle an Christum als ihren Heiland glauben, Kinder Gottes und Erben des ewigen Lebens und Glieder an dem einen Leibe Christi sind, darum können und sollen sie hier in der Welt auch glaubensbrüderliche Gemeinschaft miteinander pflegen. Es hat freilich zu allen Zeiten Leute gegeben, die äußerlich die glaubensbrüderliche Gemeinschaft mitgemacht haben, ohne in der inneren, unsichtbaren Gemeinschaft der Kirche zu stehen. Aber das ist dann nur ein äußerliches Getue, bewußte Heuchelei oder Selbstbetrug. Dadurch entsteht eine häßliche Karikatur der wahren glaubensbrüderlichen Gemeinschaft. Die äußere glaubensbrüderliche Gemeinschaft hat stets eine innere Voraussetzung, eine Voraussetzung im Herzen: das ist der Glaube, der Glaube an Christum, die Gemeinschaft am Evangelium. Die Gott berufen hat zur Gemeinschaft seines Sohnes, die können auch glaubensbrüderliche gemeinschaft untereinander pflegen. "In Christo" müssen die sein, die christliche oder die glaubensbrüderliche Gemeinschaft recht miteinander pflegen wollen. Sonst wird Heuchelei und Judasfreundschaft aus der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft. Eph 4: Die ein Leib und ein Geist etc sind, ermahnt der Apostel, die Einigkeit im Geist zu halten durch das Band Des Friedens.
In der inneren, unsichtbaren Gemeinschaft stehen nun aber alle Christen trotz ihrer großen äußeren Verschiedenheiten. Es gibt unter den Christen, was ihr natürliches Leben in dieser Welt anlangt, große Verschiedenheiten. Die Christen sind verschieden nach Geschlecht und Alter, nach irdischem Besitz und Bildung. Es gibt unter ihnen Mann und Weib, Greise und Kinder, Arme und Reiche , Gebildete und Ungebildete. Sie sind verschieden nach der Rasse:es gibt weiße, schwarze, gelbe, kupferfarbige etc Christen. Sie sind geschieden nach dem Ort, wo sie sich aufhalten: sie leben in der Wüste und auf dem Meer, in den Wäldern und auf den Prairien, in den Städten und auf dem Lande. Durch Ozeane und hohe Gebirge sind sie voneinander getrennt. Sie leben unter ganz verschiedenen bürgerlichen Verhältnissen: sie leben in Republiken und Monarchien; sie sind Fürsten und Untertanen, Arbeitgeber und Arbeiter; sie sind Demokraten und Republikaner etc. Aber es gibt unter ihnen eine gewaltige, wunderbare Einheit bei aller äußeren Verschiedenheit: sie haben einen Glauben.
Und was ist das für ein Glaube? Es ist nicht der Glaube, wonach man überzeugt ist, daß es einen Gott gibt. Diesen Glauben haben auch die Heiden. Es ist auch nicht der Glaube der alten und neuen Rationalisten, der Unitarier etc, die zwar noch von Christo reden, aber Christi Gottheit und stellvertretende Genugtuung leugnen und darum das Wesen des Christentums in die Moral oder Sittlichkeit setzen. Es ist auch nicht der Glaube der Römischen, die Christum als Gott und Menschen bekennen, dabei aber nicht allein durch den Glauben an Gottes Gnade in Christo, sondern auch durch die sogenannte eingegossene Gnade, das heißt, durch eigene Werke, selig werden wollen. Es ist auch nicht der Glaube der arminianischen Sektenleute und der synergistischen Lutheraner, die zwar Christi Gottheit, sein gottmenschliches Werk und zum Teil auch den Glauben an Christum als einziges Mittel zur Erlangung der Seligkeit bekennen, aber dabei wieder aus dem Glauben selbst ein teilweises Menschenwerk machen und des Gesetzes Werke, das gute Verhalten, eine geringere Schuld etc. mit zum Grunde der Seligkeit machen. Es ist auch nicht der Kopfglaube derer, die sich äußerlich in der rechtgläubigen Kirche befinden und vom Glauben recht reden können, ohne daß das Herz Christum, den Sünderheiland, ergreift oder umfängt (fides acquisita).
Nein, der Glaube, welcher die innere, unsichtbare Einheit der christlichen Kirche macht, ist der vom Geist gewirkte Glaube an Christum; der Glaube, welcher zur Erlangung der Gerechtigkeit und Seligkeit nur Christum in seiner stellvertretenden Genugtuung zum Gegenstand hat; der Glaube, welcher den Christus außer uns in der Verheißung des Evangeliums ergreift; der Glaube, welcher allein auf Gottes Barmherzigkeit in Christo vertraut. Mit andern Worten: Es ist der Glaube an die christliche Lehre von der Rechtfertigung, den der Apostel mit den Worten beschreibt: "So halten wir es nun, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben", Römer 3,28. Nur dieser Glaube, der allein vom Heiligen Geist ohne menschliche Mitwirkung im Herzen erzeugt wird, macht einen Menschen zu einem Gliede der christlichen Kirche, wie es heißt Apost 5,14: "Es wurden aber je mehr zugetan" (nämlich zur Gemeine oder Kirche), "die da glaubeten an der HErrn"
Dieser Glaube ist der große Gleichmacher in der christlichen Kirche. Durch diesen Glauben sind alle gerechtfertigt vor Gott, wie geschrieben steht Gal 2,16: "Wir wissen, daß der Mensch durch des Gesetzes Werke nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an JEsum Christum". Durch diesen Glauben sind alle gleiche Kinder Gottes. Gal 3,26: "Ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christum JEsum". Durch diesen Glauben haben alle den Geist empfangen. Gal 3,2: "Habt ihr den Geist empfangen durch des Gesetzes Werke, oder durch die Predigt vom Glauben?" Durch diesen Glauben haben alle Frieden mit Gott und die Hoffnung des ewigen Lebens. Römer 5,1-2: "Nun wir denn sind gerecht worden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern HErrn JEsum Christ. . . . und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben soll". Durch diesen Glauben sind vor Gott alle Unterschiede des Geschlechts, Alters, Standes, der Volksgenossenschaft, der Bildung etc aufgehoben.
Der Heilige Geist wird gleichsam nicht müde, dies in der Heiligen Schrift immer wieder einzuschärfen. Nachdem der Apostel Paulus Gal 3 den Christen zugerufen hat: "Ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christum JEsum", V 26, fährt er fort: "Hier ist kein Jude noch Grieche, hie ist kein Knecht noch Freier, hier ist kein Mann noch Weib; denn ihr seid allzumal einer in Christo JEsu" V 28. Noch ausführlicher ist die Aufzählung Kol 3, wo der Apostel von den Gliedern der Kirche sagt: "Da nicht ist Grieche, Jude, Beschneidung, Vorhaut, Ungrieche, Scythe, Knecht, Freier, sondern alles und in allen Christus", V 11. Durch den Glauben an das Evangelium werden die, die der Abstammung nach Heiden sind, "Abrahams Same", "Abrahams Kinder". Gal 3,7: "So erkennet ihr ja, daß, die des Glaubens sind, das sind Abrahams Kinder" und Gal 3,29: "Seid ihr Christi, so seid ihr ja Abrahams Same". In den Weissagungen des Alten Testaments ist von einer großen Versammlung der Völker auf dem Berg Zion und in Jerusalem die Rede, z.B. Iesaia 2,60 und öfter. Durch den Glauben an das Evangelium sind die Völker, ohne daß sie den Ort veränderten, zu dem Berge Zion gekommen; wie der Hebräerbrief die alttestamentlichen Weissagungen von der Versammlung der Völker noch ausdrücklich auslegt, Hebr 12,22: "Ihr seid kommen zu dem Berge Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem". Wie wir auch im Liede, dem Heiligen Geist zu Ehren singen:
Zu dem Glauben versammelt haft
Das Volk aus aller Welt Zungen:
Das sei dir, HErr, zu Lob gesungen - -
und abermal:
Hält in einem Sinn gar eben.
Alle Christen auf der ganzen Erde haben wirklich einen Sinn trotz ihrer verschiedenen Anschauungen in irdischen Dingen. Sie haben, insofern sie Christen sind, genau dieselben Gedanken in bezug auf sich selbst und in bezug auf Gott. Von sich selbst halten sie, daß sie vor Gott verdammungswürdige Sünder seien; und von Gott halten sie, daß er ihnen um Christi willen gnädig sei. In ihrer aller Herzen glüht auch die himmlische Flamme der Liebe, denn der Glaube ist durch die Liebe tätig oder wirksam, Gal 5,6.
Mit der unsichtbaren Einheit des Glaubens, der Gedanken und der Gesinnung ist, wie Luther es ausdrückt, auch die unsichtbare Einheit des Seins verbunden. Durch den Glauben sind alle ein Leib, nämlich der geistliche Leib, dessen Haupt Christus ist. "Wir viele sind ein Leib", sagt der Apostel 1 Kor 10,17 und 1 Kor 12,27: "Ihr seid der Leib Christi" ; Kol 1,18: "Er (Christus) ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeine". Das ist die wunderbare innere, unsichtbare Gemeinschaft der christlichen Kirche.
Luther: "Die Christenheit heißt eine Versammlung aller Christgläubigen auf Erden, wie wir im Glauben beten: Ich glaube in den Heiligen Geist, eine Gemeinschaft der Heiligen. Diese Gemeine oder Versammlung heißt aller derer, die im rechten Glauben, Liebe und Hoffnung leben, also daß der Christenheit Wesen, Leben und Natur sei nicht eine leibliche Versammlung, sondern eine Versammlung der Herzen in einem Glauben, wie Paulus sagt Eph 4,5: Eine Taufe, ein Glaube, ein HErr. Also, ob sie schon sind leiblich voneinander geteilt tausend Meilen, heißen sie doch eine Versammlung im Geist, dieweil ein jeglicher predigt, glaubt, hofft, liebt und lebt wie der andere, wie wir singen vom Heiligen Geist: Zu dem Glauben versammelt haft das Volk aus aller Welt Zungen. Das heißt nun eigentlich eine geistliche Einigkeit, von welcher die Menschen heißen eine Gemeine der Heiligen, welche Einigkeit allein genug ist, zu machen eine Christenheit, ohne welche keine Einigkeit, es sei der Stätte, Zeit, Person, Werke, oder was es sein mag, eine Christenheit macht". (St Louis XVIII, 1013 f.).
Luther (St Louis XII, 898): "Es ist nicht mehr denn eine einige Kirche oder Gottesvolk auf Erden, die da hat einerlei Glauben, Taufe, einerlei Bekenntnis Gottes des Vaters und Christi etc und bei solchem einträchtiglich miteinander hält und bleibt. In dieser muß ein jeder sich finden lassen und derselben eingeleibt sein, wer da will selig werden und zu Gott kommen; und wird außer ihr niemand selig".
Derselbe: "Die Christen sind ein besonder, berufen Volk und heißen nicht schlecht ecclesia, Kirche oder Volk, sondern sancta, catholica, christiana, ein christlich, heilig Volk, das da glaubet an Christum, darum es ein christlich Volk heißt, und hat den Heiligen Geist, der sie täglich heiliget nicht allein durch die Vergebung der Sünden, so Christus ihnen erworben hat, wie die Antinomer narren, sondern auch durch Abtun, Ausfegen und Töten der Sünden, davon sie heißen ein heilig Volk. Und ist nun die heilige christliche Kirche so viel als ein Volk, das Christen und heilig ist, oder wie man auch zu reden pflegt, die heilige Christenheit, item, die ganze Christenheit". (XVI, 2778).
Im Großen Katechismus beschreibt Luther die christliche Kirche also: "Ich glaube, daß da sei ein heiliges Häuflein und Gemeine auf Erden eiteler Heiligen unter einem Haupt, Christo, durch den Heiligen Geist zusammenberufen in einem Glauben, Sinn und Verstand mit mancherlei Gaben, doch einträchtig in der Liebe, ohne Rotten und Spaltung". (Müller, 457, § 51).
Ferner sagt Luther im Großen Katechismus von allen Menschen, die nicht an Christum glauben: "Was außer der Christenheit ist, es seien Heiden, Türken, Juden oder falsche Christen und Heuchler, ob sie gleich nur einen wahrhaftigen Gott glauben und anbeten, so wissen sie doch nicht, was er gegen ihnen gesinnet ist, können sich auch keiner Liebe noch Gutes zu ihm versehen, darum sie im ewigen Zorn und Verdammnis bleiben. Denn sie den HErrn Christum nicht haben, dazu mit keinen Gaben durch den Heiligen Geist erleuchtet und begnadet sind". (460, § 66).
Über das Wesen des Glaubens führt Luther aus (St Louis IX, 19f), daß wir die passiva justitia ergreifen (apprehendere), umfangen (amplecti) müssen. Er nennt aber die christliche Gerechtigkeit justitia passiva, weil wir sie nicht tun, hervorbringen (efficere), sondern empfangen. Die passiva justitia ist Christus oder die im Evangelium dargebotene Gerechtigkeit. Die passiva justitia ist die justitia des Glaubens, insofern sie nicht durch Werke, sondern durch den Glauben erlangt wird. "Die zwei können nicht zugleich stehen, sondern sind stracks widerwärtig: glauben, daß uns allein um Christi willen Gnade und ewiges Leben geschenkt wird, und doch daneben bei uns eigen Verdienst desselben suchen und vorgeben". (St Louis XI, 978).
Apologie: "Die Widersacher (Papisten) wollen wähnen, der Glaube sei dieses, daß ich wisse und gehört habe die Historien von Christo; darum lehren sie, ich könne wohl glauben, ob ich gleich in Todsünden sei. Darum von dem rechten christlichen Glauben, davon Paulus an allen Orten so oft redet, daß wir durch den Glauben vor Gott fromm werden (justificari), da wissen oder reden sie gar nichts von. Denn welche vor Gott heilig und gerecht geachtet werden, die sind ja nicht in Todsünden. Darum der Glaube, welcher vor Gott fromm und gerecht macht, ist nicht allein dieses, daß ich wisse die Historien, wie Christus geboren, gelitten etc. (das wissen die Teufel) auch), sondern ist die Gewißheit oder das gewisse, starke Vertrauen im Herzen, da ich mit ganzem Herzen die Zusage Gottes für gewiß und wahr halte, durch welche mir angeboten wird ohne mein Verdienst Vergebung der Sünde, Gnade und alles Heil durch den Mittler Christum". (Müller, 95, § 48). - - Dies nennt die Apologie die fides specialis im Gegensatz zu der fides historica.
Die Apologie fährt a.a.O. fort: "Und damit daß niemand wähne, es sei allein ein bloß Wissen der Historien, so setze ich das dazu, der Glaube ist, daß sich mein ganzes Herz desselben Schatzes annimmt, und ist nicht mein Tun, nicht mein Schenken, noch Geben, nicht mein Werk oder Bereiten, sondern daß ein Herz sich des tröstet und ganz darauf verläßt, daß Gott uns schenkt, und gibt, und wir ihm nicht, daß er uns mit allem Schatz der Gnaden in Christo überschüttet". Im lateinischen Text heißt es kurz so: "Ne quis suspicetur tantum notitiam esse, addemus ampliu: est velle et zccipere ablatam promissionem remissionis peccatorum et justificationis."
Luther: "Es ist alles in der Christenheit dazu geordnet, daß man da täglich eitel Vergebung der Sünden durchs Wort und Zeichen hole, unser Gewissen zu trösten und aufzurichten, solange wir hier leben. ... Außer der Christenheit aber, da das Evangelium nicht ist, ist auch keine Heiligkeit da sein kann. Darum haben sich alle selbst herausgeworfen und gesondert, die nicht durchs Evangelium und Vergebung der Sünden, sondern durch ihre Werke Heiligkeit suchen und verdienen wollen". (Großer Katechismus Müller, 458, § 55-56).
Luther (zu Gal 5, 15): "Vor der Welt haben solche Stände" (wie Vater und Sohn, Lehrer und Schüler, Herr und Knecht) "und Werke wohl einen Unterschied; aber diese äußere Ungleichheit hindert die Einigkeit des Geistes nicht, nach welcher Einigkeit sie allesamt einerlei Glauben und Meinung von Christo haben, nämlich die, daß wir allein durch ihn Vergebung der Sünden erlangen und gerecht werden. Danach, soviel den äußeren Stand und Wandel betrifft, richtet keiner den andern, sagt keiner, daß des andern Stand und Werk geringer, die seinen aber besser seien, sondern einer lobt des andern Tun mehr denn das seine, ungeachtet, obgleich das seine besser ist, sondern aus einem Munde und Geist bekennen sie, daß sie beide einen Christum zum Heiland haben, bei dem kein Ansehen ist weder der Person noch der Werke".
Aus den Verhandlungen.
Im Anschluß an diese Darlegung des Referenten wurden von verschiedenen Rednern noch folgende Gedanken weiter ausgeführt:
Die glaubensbrüderliche Gemeinschaft kommt nur durch den Glauben zustande. - - Der Heilige Geist wirkt zwar auch durch das Gesetz Erkenntnis der Sünde, aber dadurch wird noch niemand ein Glied der Kirche, sondern liegt noch im Tode. - -
Die viele Unionsmacherei heutigestags kommt aus der Meinung, daß die innere Gemeinschaft ein Ding der Unmöglichkeit sei, da doch jeder Mensch seine Eigentümlichkeiten habe. Da heiße Einigkeit im Glauben fordern: den Menschen in eine Zwangsjacke stecken.
Dieses Verzweifeln an der inneren Gemeinschaft kommt daher, daß man den Glauben für ein Werk des Menschen hält. Da er aber doch Gottes Werk ist, warum sollte die Glaubenseinigkeit unmöglich sein?
Die Unionsmacherei führt dazu, auch einen toten Glauben noch gelten zu lassen. - -
Obwohl nur der persönliche Glaube an Christum die Gemeinschaft bringt, so wäre es doch verkehrt, nun zwischen Glaube und Theologie, Evangelium und Dogma zu scheiden und Theologie und Dogma für unwesentlich zu erklären. Daher schließt der "Glaube an Christum" auch z.B. den Glauben an die Dreieinigkeit ein; auch die Taufe ist nicht auszuschließen. - -
Es ist wichtig zu betonen, daß hier bei Einigkeit im Glauben an die Rechtfertigung nicht sowohl die Lehre von der Rechtfertigung verstanden wird, als vielmehr das persönliche Vertrauen auf die Rechtfertigung; wie die Apologie sagt, die Vergebung der Sünden verlange fides specialis. - -
Wenn Luther sagt, das Vertrauen auf Christum genüge, eine Kirche zu machen, so sagt er das im Gegensatz zu den Römischen, die auch Einheit unter dem Papst und dgl. für nötig halten.
Der Referent.
"In dieser Gemeinschaft stehen auch die Christen, welche sich in irrgläubigen Gemeinschaften befinden". Irrgläubige Gemeinschaften nennen wir die Gemeinschaften, in denen Gottes Wort noch laut wird, aber nicht rein und lauter, sondern unter Beimischung von Irrtümern. Solche Gemeinschaften sind die römische und die griechische Kirche, die reformierte Kirche und die zahlreichen reformierten Sekten; auch die lutherisch sich nennenden Gemeinschaften, welche tatsächlich nicht bei dem reinen Bekenntnis der Kirche der Reformation bleiben, wie zu unserer Zeit die Ohioer und Iowaer, die das "allein aus Gnaden" (sola gratia) leugnen.
Auf die Frage, wie der Glaube an Christum, den Sünderheiland, in irrgläubigen Gemeinschaften möglich sei, ist zu antworten: Insofern sie Irrtümer lehren, ist der Glaube an Christum unmöglich. Irrtümer können nicht Glauben, sondern immer nur Unglauben erzeugen. Die römische Kirche verflucht in ihrem offiziellen Bekenntnis, in den Beschlüssen des Tridentinischen Konzils, alle, die durch den Glauben an Christum ohne eigene Werke selig werden wollen. Die ganze große Maschinerie der Papsttums ist auf Werklehre gestellt. Wer daher die offizielle Lehre des Papsttums ist auf Werklehre gestellt. Wer daher die offizielle Lehre des Papsttums glaubt, glaubt nicht an Christum, den Sünderheiland, sondern verwirft ihn und ist nicht unter der Gnade, sondern unter dem Fluch des Gesetzes, wie geschrieben steht: "Die mit des Gesetzes Werken umgehen, die sind unter dem Fluch", Gal 3,10. - - Die reformierten Sekten sind teils calvinistisch, das heißt, sie leugnen die allgemeine, auf alle Menschen sich erstreckende Gnade Gottes in Christo, teils arminianisch, das heißt sie schreiben dem Menschen noch Kraft und Wirkung zur Erlangung der Seligkeit zu. Beiderlei Irrtümer sind derart, daß sie es nicht zum Glauben an Christum kommen lassen, wo sie das Herz beherrschen. - - Und wenn die synergistischen Lutheraner lehren, daß bei denen, die bekehrt und selig werden, eine geringere Schuld, ein geringeres Widerstreben sich finden müsse, wodurch sie sich vor den Verlorengehenden auszeichnen, so ist auch bei dieser Lehre der Glaube an Christum unmöglich. Glaube an Christum kann da nicht entstehen, wo das Herz noch von dem Gedanken beherrscht wird: Ich bin noch besser als viele andere. Glaube an Christum kann nur da entstehen, wo man sich schlechthin der Verdammnis schuldig gibt.
Aber neben der offiziellen Irrlehre wird in den irrgläubigen Gemeinschaften auch noch die göttliche Wahrheit, das Evangelium von Christo dem Gekreuzigten, daß er aller Sünder Heiland sei, laut. Durch Wirkung des Heiligen Geistes halten die zerschlagenen Seelen sich an das Evangelium von Christo und nicht an die vorgetragene Irrlehre. So berichtet Luther, daß im Papsttum einfältige Seelen die Messe mitmachen, sie auch ein Opfer nennen, aber darauf für ihre Person nicht vertrauen, sondern für ihre Person allein an Christi Verdienst sich halten. Dieselbe Erfahrung machen wir im Verkehr mit einzelnen Katholiken, die zB in unsern Hospitälern Aufnahme finden. Sie sprechen sich bei einer Unterredung dahin aus, daß die Werklehre für andere, bessere Leute sei; sie aber seien solche Sünder, die sich allein auf Gottes Barmherzigkeit in Christo verlassen müßten. Sie lassen also theoretisch noch die Werklehre stehen - - für andere; theoretisch noch die Werklehre stehen - - für andere; praktisch - - sie für ihre Person - - trösten sich der Gnade Gottes in Christo.
So weist Luther in seiner Schrift gegen Erasmus darauf hin, daß es Lehrer gibt, die theoretisch den freien Willen verteidigen, aber in der Praxis, wenn sie vor Gottes Angesicht stehen, des freien Willens und aller ihrer Werke und Vorzüge vergessen. - - Bei den Schwärmern, die das Vertrauen auf das äußere Wort und die Sakramente als bloß äußeres Christentum und Überbleibsel aus dem Papsttum verwerfen, geschieht es immerfort, daß die zerschlagenen Seelen unter ihnen sich dennoch an den Trost halten, der in dem äußeren Wort des Evangeliums ausgesprochen ist. Mit den Sakramenten, die sie infolge der schwärmerischen Irrlehre für bloße äußere Zeremonien halten, wissen sie in der Regel nichts anzufangen. Aber sie halten sich im Glauben an die Verheißung des Evangeliums, die sie in der Predigt hören und in der Bibel lesen. So gibt es durch die Treue des Heiligen Geistes in irrgläubigen Gemeinschaften an Christum gläubige Leute.
Durch diesen Glauben sind sie mit Christo verbunden und Glieder seines geistlichen Leibes. Sie stehen in der inneren, unsichtbaren Gemeinschaft, die alle an Christum Glaubenden miteinander verbindet. Wir müssen festhalten: Wer in seinem Herzen durch Wirkung des Heiligen Geistes an Christum als seinen Heiland glaubt, der ist ein Glied der christlichen Kirche, wenn er sich auch äußerlich in einer irrgläubigen Gemeinschaft befindet. Wer in seinem Herzen nicht an Christum als seinen Heiland glaubt, der ist kein Glied der christlichen Kirche und wird nicht selig, wenn er auch der äußeren Gemeinschaft nach in der rechtgläubigen Kirche ist. Es gibt schlechterdings kein anderes Eintreten in die christliche Kirche und kein anderes Bleiben in der christlichen Kirche als durch den Glauben an Christum, den einigen Mittler zwischen Gott und den Menschen. Es heißt Johann 1,12-13: "wie viele ihn (Christum) aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben, welche nicht von dem Geblüt, noch von dem Willen des Fleisches, noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind". Und den gläubig gewordenen Heiden, die den Juden gegenüber stolz werden wollten, ruft der Apostel warnend zu: "Sie sind ausgebrochen um ihres Unglaubens willen; du stehest aber durch den Glauben. Sei nicht stolz, sondern fürchte dich! . . . Schaue die Güte und den Ernst Gottes: den Ernst an denen, die gefallen sind, die Güte aber an dir, sofern du an der Güte bleibest; sonst wirst du auch abgehauen werden", Römer 11,20-22.
Konkordienformel: "Was denn die condemnationes - - - betrifft, so - - - gesetzt werden müssen, - - - ist unser Wille und Meinung nicht, daß hiermit die Personen, so aus Einfalt irren und die Wahrheit des göttlichen Wortes nicht lästern, viel weniger aber ganze Kirchen innerhalb oder außerhalb des heiligen Reiches deutscher Nation gemeinet, - - - sintemal wir uns ganz und gar keine Zweifel machen, daß viel frommer und unschuldiger Leute auch in den Kirchen, die bisher sich mit uns nicht allerdings verglichen, zu finden sind". (Vorrede zum Konkordienbuch von 1580. Müller, 16). - - Die Konkordienformel schärft ein, daß nach Gottes Ordnung und Willen die Kirche in allen Artikeln und Lehren einträchtig sein soll; dennoch bekennt sie daneben, daß es auch in irrgläubigen Gemeinschaften Diener Christi gibt.
Luther: "Müssen wir doch bekennen, daß die Schwärmer die Schrift und Gottes Wort haben in andern Artikeln; und wer es von ihnen hört und glaubt, der wird selig, wiewohl sie unheilige Hetzer und Lästerer Christi sind". (Brief von der Wiedertaufe von Jahre 1528. St Louis XVII, 2675). - - "Ich sage, daß unter dem Papst die rechte Christenheit ist, ja der rechte Ausbund der Christenheit (non solum christiani, sed praestantissimi christiani sub papa reperiuntur) und viel frommer großer Heiligen. . . . Höre du selber, was St Paulus sagt 2 Thess 2,4: Der Endechrist wird im Tempel Gottes sitzen. Ist nun der Papst (wie ich nicht anders glaube) der rechte Endechrist, so soll er nicht sitzen oder regieren in des Teufels Stall, sondern in Gottes Tempel. Nein, er wird nicht sitzen, da eitel Teufel und Ungläubige oder gar kein Christus und Christenheit ist; denn er soll ein Widerchrist sein, darum muß er unter den Christen sein. Und weil er daselbst sitzen und regieren soll, so muß er Christen unter sich haben. Es heißt ja Gottes Tempel, nicht Steinhaufe, sondern die heilige Christenheit, 1 Kor 3,17, darinnen er regieren soll. . . . Wir schwärmen nicht also wie die Rottengeister, daß wir alles verwerfen, was der Papst unter sich hat; denn so würden wir auch die Christenheit, den Tempel Gottes, verwerfen, mit allem, das sie von Christo hat; sondern das fechten wir an und verwerfen, daß der Papst nicht bleiben lassen will bei solchen Gütern der Christenheit,die er von den Aposteln geerbt hat, sondern tut seinen Teufelszusatz dabei und drüber und braucht solcher Güter nicht zur Besserung des Tempels Gottes, sondern zur Verstörung, daß man seine Gebote und Ordnung höher hält denn Christi Ordnung; wiewohl in solcher Verstörung Christus dennoch seine Christenheit erhält".
Gerhard: "Indessen bleiben" (unter der Herrschaft eines verderbten Predigtamtes) "doch immer einige übrig, welche den Grund des Glaubens behalten; und Gott zeugt auch durch ein verderbtes Predigtamt Söhne und Töchter, die zur unsichtbaren, allgemeinen (catholica) Kirche gehören. Wir unterscheiden also zwischen dem inneren Glanz der Kirche, welcher in Glaube, Hoffnung, Liebe und den innerlichen Gaben des Heiligen Geistes besteht, und dem äußeren, welcher - - - in der Lauterkeit und Reinheit der öffentlich erschallenden Lehre, in dem unverderbten Predigtamte besteht". (Locus de ecclesia, § 86). - -
Über die Notwendigkeit der Sakramente fügte der Referent noch hinzu, daß es verkehrt sei zu lehren, die Wiedergeburt werde nur durch die Taufe gewirkt; sie ist auch Wirkung des Wortes des Evangeliums, wie aus 1 Petr 1,23 erhellt. Wo man aber den Glauben hat, da ist man wiedergeboren und ein Glied der Kirche auch ohne die Taufe. - - Die Sakramente gehören in dem Sinne zu den Fundamentalartikeln, daß Gott auch Taufe und Abendmahl uns zum Fundament oder zu Stützen unsers Glaubens gegeben hat. Aber nicht nur die Sakramente, sondern auch und zunächst das Wort des Evangeliums. Viele in den Sektenkirchen wissen mit Taufe und Abendmahl nichts anzufangen; da sie sich aber an das Wort des Evangeliums halten, sind sie Glieder der Kirche. - - Wozu dann außer dem Evangelium noch Taufe und Abendmahl? - - Wozu dann auser dem Evangelium noch Taufe und Abendmahl? Weil Gott so überaus gnädig ist und uns auf mehrfache Weise die Vergebung der Sünden darreicht. (Vgl Schmalkaldischen , Seite 319).
Thesis II.
Es ist Gottes Wille und Ordnung, daß die, welche in ihrem Herzen an Christum glauben, auch in äußere, sichtbare Gemeinschaft miteinander treten, indem sie vor allen Dingen zu Ortsgemeinden sich verbinden, in welchen das Evangelium rein gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden, und darüber hinaus auch die Christen, die an andern Orten den rechten Glauben bekennen, als Glaubensbrüder anerkennen und behandeln (unitas ecclesiae externa sive professionis fidei). Zweck dieser äußeren Gemeinschaft ist die Predigt des Evangeliums in der Welt, die Ausbreitung der Kirche und die gegenseitige Erquickung und Stärkung im Glauben.
Von einem vornehmen Heiden, der zum Christentum sich bekehrte, wird berichtet, daß er sich der äußeren Gemeinschaft mit den Christen weigerte. Er weigerte sich, zu den öffentlichen Versammlungen der Christen zu kommen. Auf eine Erinnerung, daß dies Christenpflicht sei, antwortete er mit der spöttischen Frage, ob das Christentum an den Kirchenwänden hafte. Er kam jedoch bald zu einer besseren Erkenntnis.
Allerdings haftet das Christentum nicht an den Kirchenwänden. Es besteht nicht in der äußeren, sichtbaren Gemeinschaft, die die Christen miteinander pflegen. Es besteht lediglich in dem vom Heiligen Geist gewirkten Glauben an Christum. (Vgl den Ausdruck der Apologie, daß die Kirche keine "äußerliche Polizei" sei). Aber der Glaube an Christum, der im Herzen ist, soll sich darin äußern, daß er in Gemeinschaft mit denen tritt, die auch den christlichen Glauben bekennen. Gottes Wille und Ordnung, nicht bloß eine menschliche Entschließung. Jeder Christ soll freilich auch für sich in seinem Herzen dem HErrn singen und spielen, Kol 3, 16; aber die Christen sollen dies auch in Gemeinschaft miteinander tun. Jeder Christ soll freilich auch für sich Gottes Wort lesen und betrachten; aber die Christen sollen auch das öffentliche Predigtamt unter sich aufrichten und Gottes Wort in öffentlicher Predigt gemeinschaftlich hören aus dem Munde von Personen, die tüchtig und dazu bestellt sind, auch andere zu lehren. Aus der Heiligen Schrift lernen wir: Wenn durch die Predigt der Apostel eine Anzahl Menschen an einem Orte gläubig geworden waren, so ordneten sie sich hin und her in den Gemeinden Älteste, das heißt, Pastoren, Apost 14, 23, und zum Anhören des von den Pastoren gepredigten Wortes sollen die Christen sich versammeln. Der Apostel Paulus schreibt an Titus, Kapitel 1, 5: "Derhalben ließ ich dich in Kreta, daß du solltest vollends anrichten, da ich es gelassen habe, und besetzen die Städte hin und her mit Ältesten, wie ich dir befohlen habe".
Kurz, der Zusammenschluß der Christen eines Ortes zu Ortsgemeinden und die Aufrichtung des öffentlichen Predigtamtes ist nicht dem freien Belieben der Christen überlassen, sondern von Gott geboten. Daß Ortsgemeinden sich noch weiterhin zu größeren kirchlichen Gemeinschaften, z.B. zu Synoden, zusammenschließen, das ist nicht göttliche, sondern menschliche (kirchliche) Ordnung. Das muß nicht so sein. Aber daß die Christen eines Ortes eine Gemeinde bilden und das öffentliche Predigtamt unter sich aufrichten und gebrauchten, das muß so sein; das ist Gottes Wille und Ordnung. Die christliche Ortsgemeinde ist die von Gott gestiftete christliche Gemeinschaft, in der sich jeder Christ des Ortes finden lassen soll. Deshalb finden wir auch in der Schrift die Mahnung (Hebr 10, 25): "Lasset uns nicht verlassen unsere Versammlung, wie etliche pflegen".
Und die Ortsgemeinden, zu denen sich die Christen zusammenschließen, müssen eine bestimmte Beschaffenheit haben, was das Bekenntnis anlangt. Es müssen orthodore, das heißt, rechtgläubige, Gemeinden sein, oder wie unser Bekenntnis es ausdrückt, Gemeinden, "in denen das Evangelium rein gepredigt und die Sakramente laut des Evangeliums gereicht werden". Die christliche Kirche hat ja kein eigenes Wort zu lehren und zu bekennen. Gottes Wort, wie es ihr in der Heiligen Schrift vertraut ist, ist ihre Lehre und ihr Bekenntnis, und da darf sie nichts dazutun noch davontun. Christus spricht zu denen, die an ihn glauben: "So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger", Joh 8, 31. Predigerund Zuhörer haben in bezug auf diesen Punkt klaren Befehl. Die Prediger unter den Christen sollen nur Gottes Wort predigen; 1 Petr 4, 11: "So jemand redet, daß er es rede als Gottes Wort". Und die Zuhörer sollen sich nur zu solchen Predigern halten, die Gottes Wort rein vortragen. Die anders lehren, sollen sie isolieren und von ihnen weichen; Römer 16, 17: "Ich ermahne aber euch, lieben Brüder, daß ihr, aufsehet auf die, die da Zertrennung und Ärgernis anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denselbigen". Irrgläubige Gemeinschaften, das heißt, Gemeinschaften, in denen Menschenwort mit Gottes Wort gemischt wird, sind von Gott verbotene Gemeinschaften und bestehen nur unter Gottes Zulassung, nicht nach Gottes Willen und Ordnung. Rechtgläubigkeit das heißt, das Bleiben an Christi Wort, ohne zu Christi Wort hinzuzutun oder davonzutun, ist die von Gott gewollte und geordnete äußeren Gemeinschaft sich finden zu lassen, ist Christi Wille und Befehl an all seine Christen. Daß Christen sich auch zu Römischen, zu reformierten Sekten, zu Ohioern und Iowaern halten, geschieht gegen Christi Willen und Ordnung, so gewiß; diese Gottes Wort nicht rein und lauter lehren. Christi Willen und Ordnung entspricht nur die Gliedschaft in rechtgläubigen Ortsgemeinden. Diese Gliedschaft sollen alle Christen suchen, beziehungsweise festhalten. Das heißt die von Gott gebotene äußere glaubensbrüderliche Gemeinschaft pflegen.
Aber Christen haben in bezug auf die Pflege der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft Pflichten über die Ortsgemeinde hinaus. Es ist, wie schon erwähnt wurde, nicht göttliche Ordnung, daß Ortsgemeinden sich mit andern Ortsgemeinden zu größeren kirchlichen Körperschaften, wie unsere Synodn sind, verbinden. Diese Verbindungen sind ein Ding der christlichen Freiheit. Die Ortsgemeinde ist der einzige von Gott gestiftete Verein in der Christlichen Kirche. Alle andern Vereine und Verbindungen sind nur menschliche Ordnung. Wir lassen uns die Synodalverbindung nicht zu einer göttlichen Ordnung machen. Aber eins ist noch göttliche Ordnung über die Verbindung in der Lokalgemeinde hinaus: dies, daß wir die Christen, die an andern Orten den rechten Glauben bekennen, als Glaubensbrüder anerkennen und behandeln. Der Apostel Paulus schreibt an Timotheus (2 Timotheus 1, 8): "Schäme dich nicht des Zeugnisses unsers HErrn , noch meiner, der ich sein Gebundener bin". Hiernach soll Timotheus auch den von ihm örtlich getrennten und in Rom gefangenen Paulus als Glaubensbruder anerkennen und behandeln, weil Paulus ein rechter Prediger des Evangeliums war. Christus wird hier auf Erden in den Bekennern seines Wortes bekannt und verleugnet. Hätte jemand zu Timotheus etwa so geredet: "Du darfst zwar das Evangelium von Christo predigen, aber mit Paulus darfst du nichts zu tun haben; den darfst du nicht als Glaubensbruder anerkennen; von dem mußt du dich lossagen" etc - - hätte jemand so oder ähnlich zu Timotheus geredet, und Timotheus hätte der Rede Folge gegeben, so hätte Timotheus in Paulus Christum selbst verleugnet.
Vergleiche Luther über das Bekenntnis zu seinem (Luthers) Namen: "Ich sehe, daß eine gute Vermahnung not ist, zu tun an die, so jetzt der Satanas anfähet zu verfolgen, unter welchen etliche sind, die meinen, sie wollen der Fährlichkeit damit entlaufen, wenn man sie angreift, daß sie sagen: Ich halt es nicht mit dem Luther, noch mit jemand, sondern mit dem heiligen Evangelio und mit der heiligen Kirche, so lässet man sie mit Frieden, und behalten doch im Herzen meine Lehre für evangelisch und bleiben dabei. Wahrlich, solch Bekenntnis hilft sie nicht, und ist ebensoviel, als Christum verleugnet. Darum bitte ich, dieselben wollten sich ja wohl vorsehen. - - Wahr ist es, daß du ja bei Leib und Seel` nicht sollst sagen: Ich bin lutherisch oder päpstisch, denn derselben ist keiner für dich gestorben noch dein Meister; sondern allein Christus; und sollst dich einen Christen bekennen. Aber wenn du es dafür hältst, daß des Luthers Lehre evangelisch und des Papsts unevangelisch sei, so mußt du den Luther nicht so gar hinwerfen; du wirfest sonst seine Lehre auch mit hin, die du doch für Christus` Lehre erkennest. Sondern also mußt du sagen: Der Luther sei ein Bube oder heilig, da liegt mir nichts an; seine Lehre aber ist nicht sein, sondern Christi selbst".
So sollen nun auch wir innerhalb der Synodalkonferenz Fleiß anwenden, uns zueinander als Glaubensbrüdern zu bekennen. Wenn darum zB eine rechtgläubige Synode angegriffen wird, so muß eine andere rechtgläubige Synode das als einen Angriff auf sich selbst empfinden und demgemäß reden und handeln.
Augsburgische Konfession (Art VII): "Es wird auch gelehret, daß allezeit müsse eine heilige christliche Kirche sein und bleiben, welche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut des Evangelii Gereicht werden". (Müller, 40) Dazu bemerkt Carpzov richtig, daß hier die Kirche definiert werde, wie sie in Wirklichkeit und in ihrem natürlichen Zustande sein müsse. ("Definitur hoc in loco ecclesia, non prout saepe esse solet, sed prout in re et naturali suo statu esse debet, quando sc non premitur a persecutoribus nec turbatur ab haereticis". Isag p 306) Es ist unnatürlich, daß Christen, anstatt Christo allein, auch Irrlehren folgen. Sowohl der Christen innere Art, weil sie wiedergeboren sind, als auch Christi Befehl bringt auf reine Lehre citra arrores admixtos.
Luther: "Die Kirche Gottes auf Erden, wenn man von der äußerlichen Gemeinschaft redet, ist eine Sammlung derer, so die rechte Lehre des Evangelii von Christo hören, glauben und bekennen, und haben bei ihnen den Heiligen Geist, der sie heiliget und in ihnen wirket durchs Wort und Sakrament, unter welchen gleichwohl etliche sind falsche Christen und Heuchler, die doch dieselbe Lehre einhelliglich halten und Gemeinschaft der Sakramente und andere der Kirche äußerliche Ämter haben". (Erl 14, 211)
Konkordienformel: "Unter die rechten freien adiaphora oder Mitteldinge nicht sollen gerechnet werden solche Zeremonien, die den Schein haben, oder dadurch Verfolgung zu vermeiden, den Schein fürgeben wollten, als wäre unsere Religion mit der papistischen nicht weit voneinander, oder wäre uns dieselbe ja nicht hoch entgegen, oder wann solche Zeremonien dahin gemeinet, also erfordert oder aufgenommen (werden), als ob damit und dadurch beide widerwärtigen Religionen verglichen und Ein Corpus worden, oder wiederum ein Zutritt zu dem Papsttum und ein Abweichen von der reinen Lehre des Evangelii und wahrer Religion geschehen oder gemächlich daraus erfolgen sollte. Denn in diesem Fall soll und muß gelten, das Paulus schreibet 2 Kor 6: Ziehet nicht am fremden Joch". (Müller, 698, § 5) - - Es ist also auch schon der Schein der kirchlichen Gemeinschaft mit Irrgläubigen zu meiden.
Luther: "Der erste Artikel, darinnen denen, die die zu Augsburg überreichte Bekenntnis und Apologie (oder deren Verteidigung) unterschrieben haben, Friede zugesagt und Freiheit von aller Gefahr versprochen wird, wenn sie nur hinfort nichts Neuerliches anfingen, und die, welche, durch göttliche Gnade erleuchtet, die wahre Lehre des Evangeliums annehmen wollten, nicht aufgenommen und gehegt würden, ist keineswegs zu billigen. Denn es geht den Glauben und das Bekenntnis an. Und wenn man einwenden wollte, der Kaiser handele jetzt mit dem Kurfürsten von Sachsen und dessen Religionsverwandten, nicht aber mit denen, die künftig dazu treten möchten, und der Kurfürst von Sachsen habe nicht für andere zu sorgen und er oder seine Mitverwandten habe nichts für Untertanen anderer Herrschaften, sondern nur über seine eigenen zu sprechen. . . . Es stehet geschrieben Gal 6, 16: Soviel nach dieser Regel einhergehen etc, durch welchen Spruch niemand ausgeschlossen wird. Sind demnach alle, die nach der Lehre des Bekenntnisses und der Apologie glauben und leben, nach solchem Glauben und Lehre unsere Brüder, und geht uns ihre Gefahr so sehr an als die unsrige. Wir können sie auch als Glieder der wahren Kirche nicht verlassen, sie mögen sich zu uns fügen, wann sie wollen, sie mögen es in der Stille oder öffentlich tun, mögen unter uns oder in der Fremde leben. Das sagen und bekennen wir. Drittens, wenn Christus Joh 17 für alle, die an der Apostel Lehre glauben würden, betet, warum sollen wir denn die, für welche Christus gebetet hat, verlassen und nicht in acht nehmen? Viertens, da der HErr spricht: Die Pforten der Hölle werden die Kirche nicht überwältigen, und doch solche Pforten nicht ruhen, so folgt notwendig, daß die Lehre an keine gewisse Zeit, Ort oder Person gebunden sei, sondern stets währen und bleiben werde für alle die, welche entweder schon glauben oder noch künftig glauben werden". (St L XVI, 1537 ff)
Aus den Verhandlungen
Die innere Einheit der Kirche ist ein Glaubensartikel. Die Kirche ist unsichtbar, da jeder einzelne bloß von sich weiß, daß er durch den Glauben mit Gott verbunden ist, und nur Gott alle die Seinen kennt. Die äußere Einheit dagegen gründet sich auf das Bekenntnis.
Obwohl der Glaube an Christum, den Heiland, genug ist zur inneren Einheit der Kirche, so genügt doch das bloße Bekenntnis zu Christo nicht zur äußeren Verbindung, weil die Schrift fordert, daß wir an der ganzen Rede JEsu bleiben und allen Rat Gottes verkündigen sollen, Wenn nun einer aus Schwachheit nicht alles bekennt, so sprechen wir ihm darum den Glauben nicht ab; aber diese Schwachheit darf nicht zur Regel gemacht werden, gleichwie ein verkrüppelter Mensch immer noch ein Mensch ist, aber doch nicht als Krüppel die Merkmale für eine richtige Definition vom normalen Menschen geben kann. Es gilt, nichts zu Gottes Wort hinzutun, aber auch nichts davontun. Keine Lehre ist sozusagen für vogelfrei erklärt.
Es hat etwas Bestechendes, wenn man sagt: Bei der verschiedenartigen Veranlagung der Menschen hat jede Kirchengemeinschaft in ihrer eigentümlichen Lehrstellung einen besondern Beruf. Aber über die Lehrstellung der Kirche hat niemand zu bestimmen als Gott in seinem Wort. Gott hat aber bestimmt, daß seine Kirche nur sein Wort lehren und bekennen soll. Darum haben allein solche Kirchengemeinschaften eine Existenzberechtigung. Falschgläubige Kirchen aber verbinden sich eben zu dem Zweck, ihre falsche Lehre zu treiben; darum sind sie als falschgläubige Kirchen von Gott verbotene Existenzen. Auch Luk 9, 49, wo JEsus dem, der in seinem Namen Teufel austrieb, ohne ihm mit dem andern Jüngern zu folgen, nicht gewehrt haben will, bestätigt nicht die Anerkennung von irrgläubigen Kirchen. Denn dieser Mann handelte eben im Namen JEsu.- -
Rufen gewisse äußere Unterschiede in Stand, Veranlagung, Bildung etc manchmal einen gewissen Widerwillen gegen äußere Verbindung mit solchen Menschen hervor, so hilft doch darüber hinweg das Bewußtsein von dem herrlichen Gut der inneren Gemeinschaft, daß auch der mir unsympathischste Mensch, sofern er ein Christ ist, doch ein Glied an dem Leibe Christi ist. - -
Das Bekenntnis zu denen, die die rechte Lehre bekennen, ist nicht eine Forderung über das Evangelium hinaus, sondern liegt in der Natur der Sache, ist eine Frucht des Evangeliums. Durch das Evangelium wirkt Gott neues Leben, ein Leben, das sich eben so äußert, daß wir reden und bekennen, und zwar reden, was Gott nach seinem Wort von uns geredet haben will. Da kann nicht zweierlei Rede richtig sein. Und sich zu Andersredenden halten, oder sich von Gleichredenden zurückziehen, heißt darum die Wahrheit verleugnen. Es ist dem Glauben einfach unmöglich, den andern, der denselben Glauben hat, totzuschweigen.
Der Referent.
Zweck der äußeren, von Gott geordneten Gemeinschaft. - - Was sollen die tun die in ihrem Herzen an Christum gläubig geworden sind? Soll jeder das Geheimnis des Glaubens in sich verschließen und für sich allein durch die Welt wandern, bis Gott ihn aus der Welt in den Himmel nimmt? Christus gibt die Instruktion: "Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht, und was ihr höret in das Ohr, das predigt auf den Dächern", Matth 10,27. Die Christen sollen ihren Glauben bekennen. Damit nicht unordentliches Wesen entstehe, hat Christus, auch die Art und weise geordnet. Die Christen eines Ortes sollen eine Ortsgemeinde bilden und sich um das von Christo geordnete Predigtamt scharen. Wozu? Der Prophet Iesaias redet Kapitel 40,9 die Kirche des neuen Testaments so an: "Zion, du Predigerin, steige auf einen hohen Berg. Jerusalem, du Predigerin, hebe deine Stimme auf mit Macht, hebe auf und fürchte dich nicht; sage den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott!" Hier ist die Kirche nach ihrer äußeren Gemeinschaft, nach ihrem Auftreten in der Welt beschrieben. Sie soll vor allen Dingen dadurch in der Welt in äußere Erscheinung treten, daß sie das Evangelium von Christo verkündigt. Und zwar als Gemeinschaft, mit vereinten Kräften und mit großem Mut, was durch das Steigen auf einen hohen Berg und durch das Aufheben der Stimme mit Macht ausgedrückt ist. Jeder Christ soll freilich auch in seinem Kreise und in seiner Umgebung das Evangelium verkündigen. Aber von allem Anfange an finden wir auch, daß die Predigt des Evangeliums in der Welt Gemeinschafts - oder Gemeindesache ist. So erhält Apost 13 die Gemeinde zu Antiochia Befelhl vom Heiligen Geist, Barnabas und Saulus als Missionare auszusenden. Durch die Predigt des Evangeliums wird die Kirche Christi in der Welt ausgebreitet, und so wird die Kirche auf Erden die geistliche Mutter der einzelnen Christen, wie es Gal 4,26 von ihr heißt: "Das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; die ist unser aller Mutter".
Aber die äußere Gemeinschaft der Christen hat auch den Zweck der gegenseitigen Erquickung und Stärkung im Glauben. Wenn die Glieder einer Familie oder einer ganzen Verwandtschaft zusammenkommen, wenn Volksgenossen oder Landsleute sich im fremden Lande treffen, so begrüßen sie einander, haben einander viel zu erzählen, haben gemeinschaftliche Interessen zu besprechen; der Verkehr ist eine Quelle der Ergötzung und Erquickung. Noch inniger als Landsleute und leibliche Verwandte sind die Christen miteinander verbunden. Sie sind hier auf Erden in einem fremden Lande. Gott hat sie aus der Welt herausgerufen und in das Reich seines lieben Sohnes versetzt. In ihrem Herzen wohnt der eine Heilige Geist, ja die ganze heilige Dreieinigkeit. Sie haben einen Heilige Geist, ja die ganze heilige Dreieinigkeit. Sie haben einen HErrn und Heiland, einen Glauben, eine Hoffnung; sie haben dieselbe Arbeit, dieselben Interessen und ziele: sie wollen das Evangelium in der Welt ausbreiten und für ihre Personen sich von der Welt unbefleckt erhalten, indem sie allesamt den schmalen Weg zum Himmel wandern. So grüßen sie einander als Kinder Gottes, wo sie einander sehen oder voneinander hören. Der Apostel Paulus sendet einen glaubensbrüderlichen Gruß "der Gemeine Gottes zu Korinth, den Geheiligten in Christo JEsu, den berufenen Heiligen, samt allen denen, die anrufen den Namen unsers HErrn JEsu Christi an allen ihren und unsern Orten", 1 Kor 1,2. Die Grußpartien in der Heiligen Schrift hat mancher schon für etwas Überflüssiges gehalten und deshalb zB im Hausgottesdienst den größten Teil des 16 Kapitels des Römerbriefs überschlagen, weil er nur Grüße enthält. Aber auch die Teile der Heiligen Schrift, welche Grüße enthalten, sind erbaulich und von großer Wichtigkeit. Sie lehren uns die Pflege der christlichen Gemeinschaft und machen uns so des Segens der christlichen Gemeinschaft teilhaftig. - - Die römische Christengemeinde war nicht durch den Dienst des Apostels Paulus entstanden. Rom war nicht sein persönliches Arbeitgebiet gewesen. Aber die Gemeinde lag ihm gerade so am Herzen wie die von ihm gestifteten Heidengemeinden. Er schreibt: "Mich verlanget, euch zu sehen". Am Ende des Briefes füllt er ein halbes Kapitel (Kap 16,3-15) mit Grüßen. Dem jungen Exegeten kommen bei Römer 16, 3-16) wohl manchmal dieselben törichten Gedanken wie bei den Geschlechtsregistern - überflüssig? Aber es ist ein herrliches Beispiel, wodurch uns die glaubensbrüderliche Gemeinschaft als von Gott gewollt und als ein herrliches Gut ad oculus demonstriert wird. - - Wir leben in der Zeit der Unions und Reunions. Fast alle die desselben Handwerks und Geschäftes sind, haben regelmäßige Zusammenkünfte, deren Zweck die Besprechung gemeinschaftlichen Interessen und auch das Vergnügen ist.
Wieviel aber haben Christen stets miteinander zu besprechen! Wenn die Kinder dieser Welt zusammenkommen, so reden sie von dem, was ihr Herz erfüllt. So auch die Christen. Die Christen haben einander stets viel zu sagen. In der Kirche geht allezeit viel vor, was sie interessiert. Die Kirche erlebt erstlich stets Siege. Sie gewinnt fortwährend Seelen und neues Gebiet. Das ist interessanter Gesprächsstoff für Christen. Daß in Rom eine Christengemeinde entstanden war, war Gegenstand des Gesprächs in der ganzen zivilisierten Welt, wie wir aus Römer 1,8 ersehen. Die Kirche hat auch fortwährend Not. Sie wird fortwährend von außen und von innen angefochten. Wenn Christen zusammenkommen, geht ihnen der Stoff für ihre Unterhaltung nicht aus. - - Und welche Quelle geistlichen Vergnügens und geistlicher Stärkung fließt in gegenseitiger Aussprache für die Christen! Als Paulus und Barnabas auf ihrer Reise nach Jerusalem in den christlichen Gemeinden von der Bekehrung der Heiden berichteten, "machten sie große Freude allen Brüdern", Apost 15,3. Wie die christliche Gemeinschaft im Glauben stärkt, lehrt uns der Apostel Paulus in Wort und Beispiel. Als er gefangen nach Rom geführt wurde und in die Nähe Roms kam, zogen die Christen dieser Hauptstadt aus und gingen dem Apostel entgegen bis nach Appifer und Tretabern, zwei Vororten südlich von Rom. Welchen Eindruck machte das auf den Apostel? Es heißt Apost 28,15: "Da die Paulus sah, dankte er Gott und gewann eine Zuversicht" (Kühnheit). Das wird uns über den Apostel Paulus berichtet. Er selbst schreibt ausdrücklich Römer 1,11-12: "Mich verlanget, euch zu sehen, auf daß ich euch mitteile etwas geistlicher Gabe, euch zu stärken, das ist, daß ich samt euch getröstet werde durch euren und meinen Glauben, den wir untereinander haben". - - Wollte Gott, daß die Christen recht eifrig die glaubensbrüderliche Gemeinschaft pflegten und deren Segen einernteten! Es bedarf auch in bezug auf diesen Punkt der fortgehenden Belehrung und Ermahnung.
Luther führt aus, daß Christus will, daß die Gläubigen auch äußerlich zusammentreten und den Glauben bekennen und lehren: "Daß Christus zu dem ersten Stück: wer da glaubet`, dazusetzt und meldet von der Taufe, das geht auf den Befehl von dem äußerlichen Amt in der Christenheit, wie er Matth 28,19 solches auch in die beiden Stücke zusammenfasset: "Lehret alle Heiden und taufet sie" etc. Und zeigt erstlich, daß dennoch der Glauben, davon dies Evangelium predigt, nicht muß heimlich und verborgen bleiben, als wäre es genug, daß ein jeder wollte hingehen, wenn er das Evangelium hört, und für sich allein glauben, und nicht dürfte vor andern seinen Glauben bekennen, sondern auf daß es offenbar wäre nicht allein, wo das Evangelium gepredigt, sondern auch angenommen und geglaubt werde, das ist, wo die Kirche und Christi Reich in der Welt stehe, will er uns zusammenbringen und halten durch dies göttliche Zeichen der Taufe.
Denn wo es ohne das wäre und wir sollten zerstreut sein ohne äußerliche Sammlung und Zeichen, so könnte die Christenheit nicht ausgebreitet noch bis ans Ende erhalten werden. Nun aber will er uns durch solche göttliche Sammlung also zusammenbinden, daß das Evangelium immer weiter und weiter gehe und durch unser Bekenntnis auch andere herzugebracht werden. . . . Und ist sehr fein von Christo geordnet, daß er in seinem Reich, so in alle Welt und unter alle Kreaturen gehen soll, nicht viel und mancherlei Weise, wie zuvor bei den Juden gewesen, und wie so mancherlei Unterschied der Land und Leute, Völker und Sprachen sein müssen, sondern ohne alle Zeremonien und äußeren Ordnungen das einfältigste und allergemeinste Zeichen dazu nimmt, welches allenthalben einerlei und gleich ist" (nämlich die Taufe); "wie auch die Predigt einerlei ist, hier und an allen Orten, und alles, was in der Welt ist, groß und klein". (St Louis XI, 982 ff.). - - Zu Johann 17,21 ("Daß sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir, daß auch sie in uns eins seien, auf daß die Welt glaube, du habest mich gesandt") sagt Luther" "Das ist die Frucht, so durch und aus solcher Einigkeit soll folgen, nämlich, daß Christi Wort weiter ausgebreitet und in der Welt angenommen werde als Gottes Wort, darin eine allmächtige, göttliche, unüberwindliche Kraft und Seligkeit steht".
Aus den Verhandlungen.
In den Besprechungen wurde noch hervorgehoben, daß die Organisation innerhalb der christlichen Gemeinde alles deckt. Man sage den Gemeinden das Wort, und sie werden dadurch willig, alles zu geben, was der HErr bedarf.
Ferner wurde darauf hingewiesen, daß der Zweck der äußeren Gemeinschaft auch sei: die Ehre Gottes, wie dies eben der Endzweck aller göttlichen Einrichtungen sei. Wie der Heiland persönlich nur die Ehre Gottes im Auge hat, so will er auch in und durch die Gemeinde Gott preisen. Ist doch Verkündigung des Evangeliums eben Verkündigung der Ehre Gottes.
Thesis III.
Weil viele Christen aus Schwachheit in der Erkenntnis Christi Befehl, sich nur zu seinem Wort zu halten, nicht gehorsam werden, sondern wider Christi Verbot mit Irrlehrern Gemeinschaft machen, so sondern sie sich dadurch von der von Gott geordneten glaubensbrüderlichen Gemeinschaft ab, und es kommt diese nur unter den Christen zur Betätigung, die sich nach Christi Ordnung in der Kirche halten, das heißt, die reine Lehre des göttlichen Wortes bekennen und die Irrlehrer meiden.
Wer anders lehrt in der Kirche, als der Kirche zu lehren aufgetragen ist, als in der Kirche göttliche Ordnung, göttliches Recht ist, der zerschneidet dadurch das Band der brüderlichen, kirchlichen Gemeinschaft; und wer sich zu einem Anderslehrenden hält, sondert sich dadurch von der von Gott geordneten glaubensbrüderlichen Gemeinschaft ab. Auch Christen machen sich aus Schwachheit in der Erkenntnis dieser Sünde teilhaftig. 2 Sam 15 wird berichtet, wie Absalom ein sehr böses Ding gegen seinen Vater David vornahm. Unter dem Vorwand, er wolle zu Hebron einen Gottesdienst tun, zog er von Jerusalem nach Hebron, um von dort aus eine Gegenregierung aufzurichten. Was Absalom vornahm und ins Werk setzte, war Revolution, eine offenbar gottlose Tat. Und doch, was lesen wir 2 Sam 15,11? "Es gingen aber mit Absalom zweihundert Mann, von Jerusalem berufen; aber sie gingen in ihrer Einfalt und wußten nichts um die Sache". Sie erkannten nicht das Sündliche der Tat Absaloms. Sie machten Revolution mit, ohne die Gottlosigkeit ihrer Tat zu erkennen.
So geht es auch in der christlichen Kirche. Es stehen Männer auf, die böse Dinge gegen Christum und seine Kirche vornehmen. Sie lehren anders, als Christus zu lehren befohlen hat. Sie lehren statt Christi Wort eigenes Wort. Das heißt aber Revolution in der christlichen Kirche anrichten. Christus will nur sein Wort in der Kirche gepredigt haben. Dadurch regiert er seine Kirche und bleibt er der einige HErr in seiner Kirche. Wer eigenes Wort in der Kirche lehrt, will Christum vom Herrscherthron stoßen. Man sollte nun meinen, daß alle Christen sich entsetzt von den Leuten, die neben Christi Wort eigene Lehre führen, abwenden würden. Die ganze Heilige Schrift ist an sich schon eine Warnung vor der Irrlehre; und der Heilige Geist wird auch nicht müde, es als etwas Ungeheuerliches, als eine Abnormität hinzustellen, Menschenwort neben Gott Wort zu treiben. Dahin gehen ja auch die Mahnungen Christi und seiner Apostel. Christus selbst mahnt Matth 7,15: "Sehet euch vor vor den falschen Propheten", und Matth 24,24: "Es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun. . . . Siehe, ich hab es euch zuvorgesagt. Darum wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste, so gehet nicht hinaus; siehe, er ist in der Kammer, so glaubet nicht". Und wie oft und klar mahnen und warnen die Apostel Christi! Paulus spricht zu den Ältesten von Ephesus Apost 20,30: "Aus euch selbst werden aufstehen Männer, die da verkehrte Lehren reden, die Jünger an sich zu ziehen". Derselbe Apostel mahnt im Brief an die Römer alle Christen, daß sie aufsehen sollen auf die, die da Zertrennung und Ärgernis anrichten neben der Lehre, die sie von den Aposteln gelernt haben, und heißt sie von den Anderslehrenden weichen.
Bei Jeremias heißt es Kapitel 23,28: "Wie reimen sich Stroh und Weizen" - - das heißt, Menschenwort und Gottes Wort - - "zusammen? spricht der HErr". So ein Gemengsel von Stroh und Weizen soll in der Kirche Gottes nicht verkündigt werden. Gott droht daher den Propheten, die ihr eigenes Wort in Gottes Wort hineinmengen, Jeremias 23,31 also: "Siehe ich will an die Propheten, spricht der HErr, die ihr eigen Wort führen und sprechen: Der HErr hat es gesagt". Und seinem Volke ruft er nicht nur zu Jer 23,16: "Gehorchet nicht den Worten der Propheten, so euch weissagen. Sie betrügen euch,denn sie predigen euch ihres Herzens Gesicht", sondern er befiehlt auch seinem Volke, ohne Schonung die Propheten mit dem Tode zu bestrafen, die etwas anderes als Gottes Wort lehren und dadurch von Gottes Wort abwendig machen, 5 Moses 13,1-5. - - Im Neuen Testament geht Gott nicht also mit leiblichen Strafen um. Aber auch im Neuen Testament sind Lehrer, die etwas anderes als Gottes Wort in der Kirche lehren, verbotene Existenzen, mit denen die Christen nichts zu schaffen haben, sondern sie wie eine Pest meiden sollen. Der Apostel Paulus tritt den Irrlehrern entgegen, wo sie sich nur regen. Zu Ephesus waren offenbar einige Lehrer, denen der Apostel in bezug auf die Reinheit der Lehre nicht recht traute. Er schreibt daher an Timotheus (1 Tim 1,4), etlichen zu gebieten, "daß sie nicht anders lehren". Ja, im Anfange des Galaterbriefes spricht er über die Lehrer, die ein anderes Evangelium lehrten, zweimal den Fluch aus, Gal 1,6-10. - - Wie die ganze Schrift eine Offenbarung der Lehre Christi ist, so ist die ganze Schrift auch zugleich eine Polemik gegen die Irrlehrer, das heißt, gegen die, die etwas anderes als Gottes Wort lehren. Etwas anderes als Gottes Wort in der Kirche lehren, achten viele, sonderlich in unserer indifferentistischen Zeit, für etwas Geringes, ja für etwas Natürliches. Nach der Heiligen Schrift aber ist das, wie gesagt, eine Abnormität, eine Ungeheuerlichkeit. Der Heilige Geist wird sozusagen nicht müde, es als Abnormität und Ungeheuerlichkeit zu bezeichnen.
Hiernach sollte man, wie bereits erinnert, meinen, daß kein Christ sich zu Irrlehrern halten, sondern sie sorgsam meiden werde. Aber was geschieht? Wie jene zweihundert Mann von Jerusalem mit Absalom nach Hebron gingen und die Revolution mitmachten in ihrer Einfalt und nicht um die böse Sache wußten, so gehen auch Christen aus Schwachheit in der Erkenntnis in die revolutionären Lager, indem sie Irrlehrern folgen, anstatt die Irrlehrer zu fliehen. Wie bringt der Teufel das fertig? Auf verschiedene Weise. Die reine Lehre verlästert er und die falsche Lehre schmückt er mit Gottes Wort. Durch Lüge und Verleumdung sucht er ein Vorurteil gegen die rechtgläubige Kirche zu erwecken. So verlästern zB die Römischen die rechtgläubige Kirche: durch unsere Rechtfertigungslehre, daß Gott ohne des Gesetzes Werke allein durch den Glauben rechtfertige, beförderten wir den Sündendienst; die Calvinisten: unsere Lehre von der allgemeinen Gnade mache Gott zu einem ohnmächtigen Götzen, weil tatsächlich doch nicht alle Menschen selig würden; die Synergisten (Iowaer und Ohioer): nach unserer Lehre von einer Bekehrung allein aus Gottes Gnadenwirkung wolle Gott nicht alle Menschen bekehren und selig machen und dgl m. Dadurch erwecken die Irrlehrer ein Vorurteil gegen die rechtgläubige Kirche. In vielen Fällen werden Christen auch dadurch im Lager der Irrgläubigen festgehalten, daß man sich auf die "Liebe" beruft. Es sei lieblos, daß man alle abweichende Lehre verurteilt, und die Liebe sei doch das höchste aller Gebote. So geschieht es, was Römer 16,18 geschrieben steht: "Durch süße Worte und prächtige Reden verführen sie die unschuldigen Herzen". Die rechte Lehre verlästern sie und der falschen Lehre suchen sie den Schein der Schriftmäßigkeit zu geben. Als Mittel dazu müssen dienen: Verdeckung durch menschliche Erklärung, Anführung von Schriftstellen, die nicht von der Sache handeln, und dgl.
Wie haben wir uns gegen die, welche im irrgläubigen Lager sich befinden, und denen wir doch das Christentum nicht abzusprechen wagen, zu stellen? Wir haben ihnen zu bezeugen, daß sie sich von der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft abgesondert haben. Irrlehre verkündigen und festhalten, ist Trennung in der Kirche machen. Und wer zu Irrlehrern sich hält, macht die Trennung mit und sondert sich ab von der von Gott geordneten glaubensbrüderlichen Gemeinschaft. Es wird freilich ganz allgemein gegen die Rechtgläubigen der Vorwurf erhoben, daß sie Trennung in der Kirche anrichteten, weil sie mit irrgläubigen Kirchen nicht Gemeinschaft halten wollen. Aber die Missetäter, die die kirchliche Gemeinschaft zertrennen, sind die, die anders lehren als das Wort Gottes und die zu Anderslehrenden sich halten. Also die Tatsache, daß in den irrgläubigen Gemeinschaften liebe Kinder Gottes sich befinden, soll unser Urteil und Verhalten gegen irrgläubige Gemeinden nicht ändern. Nicht wir sollen zu jenen, sondern jene sollen zu uns treten. Das ist Gottes Wille und Ordnung. Damit die Christen Gottes Willen und Ordnung. Damit die Christen Gottes Willen und Ordnung erkennen und sich danach halten, halten wir mit unserm Zeugnis gegen alle falsche Lehre und die dadurch angerichtete Trennung an. Auf keinen Fall dürfen wir zu falschgläubigen Gemeinschaften übergehen, auch nicht etwa unter dem Vorwand, daß wir nur mit den Kindern Gottes im falschen Lager in Verbindung treten wollen. Würden wir zu ihnen fallen, so würden wir damit durch die Tat die falschgläubige Gemeinschaft als gleichberechtigt mit der rechtgläubigen anerkennen.
Zu unserer Zeit besonders will man die "Parität" in die christliche Kirche einführen, das heißt, die Orthodoxie soll nicht allein berechtigt sein, es soll als Rechtszustand in der christlichen Kirche gelten, daß die Bekenner und die Leugner der Schriftlehre einander als gleichberechtigt in der christlichen Kirche anerkennen. Drüben in Deutschland haben sich Vereinigungen gebildet, deren ausgesprochener Zweck es ist, den Vertretern der sogenannten liberalen Theologie kirchliche Gleichberechtigung in den Staatskirchen zu sichern. De facto sind die Irrlehrer schon fast allgemein gleichberechtigt; sie wollen aber auch de jure gleichberechtigt sein. Und sogenannte positive Theologen, die noch an den Grundwahrheiten des Christentums festhalten wollen, haben sich bereit erklärt, auf diesen Pakt einzugehen. (So kürzlich Seeberg in Berlin). Das ist eine schriftwidrige und unmögliche Stellung. Der Götze Dagon kann nicht neben der Lade Gottes stehen, sondern muß vor ihr umfallen, 1 Sam 5. Das Christentum ist seinem Wesen nach sehr inklusiv: Christus ist der Heiland aller Menschen, er hat alle mit seinem Blut erkauft; aber eben darum ist das Christentum auch streng exklusiv. Christus leidet keinen Heiland neben sich, sondern spricht Johann 8,24: "So ihr nicht glaubet, daß ich es sei, so werdet ihr sterben in euren Sünden". So erkennt Christus auch kein Menschenwort neben seinem Wort in der christlichen Kirche als gleichberechtigt an, sondern spricht Johann 8,31-32: "So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger und werdet die Wahrheit erkennen; und die Wahrheit wird euch frei machen". Seiner Kirche gab er den Befehl: "Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe", Matth 28,20. Den Begriff Parität kennt Christus nicht. Wer dem Irrglauben Parität zugesteht, kann selbst nicht mit Ernst Christi Wort glauben.
Schmalkaldische Artikel: "Weil nun dem also ist, sollen alle Christen auf das fleißigste sich hüten, daß sie solcher gottlosen Lehre, Gotteslästerung und unbilliger Wüterei sich nicht teilhaftig machen, sondern sollen vom Papst und seinen Gliedern oder Anhang als von des Antichrists Reich weichen und es verfluchen, wie Christus befohlen hat: Hütet euch vor den falschen Propheten! Und Paulus gebeut, daß man falsche Prediger meiden und als einen Greuel verfluchen soll. Und 2 Kor 6 spricht er: Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen; denn was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? etc. Schwer ist es, daß man von so viel Landen und Leuten sich trennen und eine sondere Lehre führen will. Aber hie stehet Gottes Befehl, daß jedermann sich soll hüten und nicht mit denen einhellig sein, so unrechte Lehre führen, oder mit Wüterei zu erhalten gedenken". (Müller, 336, § 41 f.).
So ist nach unserm Bekenntnis die glaubensbrüderliche Gemeinschaft auf diejenigen beschränkt, die die reine Lehre des göttlichen Wortes bekennen und die Irrlehrer meiden.
Apologie: "Den VIII Artikel lassen ihnen die Widersacher ganz gefallen, da wir sagen, daß auch Heuchler und Gottlose in der Kirche finden werden, und daß die Sakramente nicht darum ohne Kraft seien, ob sie durch Heuchler gereicht werden; denn sie reichen es an Christus Statt und nicht für ihre Person, wie der Spruch lautet: Wer euch höret, der höret mich. Doch soll man falsche Lehrer nicht annehmen oder hören, denn dieselbigen sind nicht mehr an Christus Statt, sondern sind Widerchristi. Und Christus hat von denen klar befohlen: Hütet euch vor den falschen Propheten; und Paulus zu den Galatern: Wer euch ein ander Evangelium predigt, der sei verflucht"! (Müller, 162, § 47-48).
Gegen Luther wurde unter andern von den Sakramentierern der Vorwurf erhoben, daß er "allzu steif und hartnäckig" sei und "alle Liebe und Einigkeit in der christlichen Kirche zertrenne" damit, daß er in dem Artikel vom heiligen Abendmahl nichts nachlassen wollte. "Hilf, Gott, wie mußten wir hören, daß wir keine christliche Liebe hätten, die Diener Christi verachteten, die Kirchen betrübten und verwirreten etc; und waren keine Sünder auf Erden denn wir allein und keine Heiligen im Himmel denn die Schwärmer allein; bei denen war eitel Feuer der Liebe, bei uns eitel Eis der Unbarmherzigkeit". (Erl 32,402 f.). Er antwortete darauf (Auslegung des Galaterbriefes zu Kapitel 4,17) mit dem kräftigen Ausdruck: "Verflucht sei die Liebe und Einigkeit, welche zu erhalten man Gottes Wort in Mißverstand kommen lassen soll"! (Maledicta sit caritas et concordia, propter quam conservandam periclitatur verbum Dei).
Aus den Verhandlungen.
In den Besprechungen wurde hervorgehoben, daß in unserer Zeit unter den Gemeinschaften, die die Christen meiden müssen, auch die Logen zu nennen sind. - -
Bei der Polemik sollen wir bedenken, daß auch wir den alten Adam noch an uns haben; daher sollen wir nicht in hochfahrender Weise über den Gegner herfallen, vielmehr, wie mit Ernst und Entschiedenheit, so auch in Demut und Freundlichkeit unter herzlichem Gebet zu Gott ihm begegnen. Wir sollen auch nicht durch bloßes Disputieren den Gegner zu überwinden suchen, sondern vor allen Dingen durch klare Bezeugung der Wahrheit. Wir sollen uns auch bemühen, sein Vertrauen zu gewinnen, indem wir auf das Wahre hinweisen, das sich noch bei ihm findet, um ihn von da aus weiter zu führen und zur Überzeugung zu bringen.
Das Führen von Menschenlehre neben dem Worte Gottes ist eine Abnormität; es ist gegen die Natur des Evangeliums. Das Evangelium ist die frohe Botschaft, worin der barmherzige Gott dem zur ewigen Verdammnis verurteilten Sünder den Weg des Lebens zeigt. Da liegt es in der Natur der Sache, daß der sich seiner Rettungslosigkeit Bewußte nicht anfängt zu spintisieren, ob der im Evangelium gewiesene Weg auch der richtige sei, sondern er greift einfach zu ohne alles Grübeln. (Ein Ertrinkender greift auch nach einem Strohhalm). - -
Wir haben heute besondere Ursache, in bezug auf die Reinheit der Lehre wachsam zu sein. Die Geschichte zeigt, wie Luther hervorhebt, daß die Predigt des Evangeliums selten länger als eines Menschen Gedenken an einem Orte rein geblieben ist. Wir haben nun 60 Jahre die reine Predigt gehabt. - - Es sind drei Dinge, die besonders zu falscher Lehre führen: die Selbstgerechtigkeit, menschliche Klugheit und das Nachdrucklegen auf kirchenregimentliche Dinge. Letzteres ist es, woher uns besonders Gefahr droht. Darum sollten wir uns alle ja recht um die Lehre bekümmern, daß wir in der Lehre recht gegründet werden. Dann können wir auch über die Reinheit der Lehre wachen.
Der Referent.
Gegen die vorliegende These werden mancherlei Einwürfe erhoben, z.B.: "Man kann sich zu Irrlehrern äußerlich halten, ohne ihre Irrlehre im Herzen zu billigen. Man nimmt aus den Predigten der Irrlehrer nur das an, was sie noch recht lehren". So reden manche zu unserer Zeit und handeln auch demgemäß. Wenn keine rechtgläubige Gemeinde am Ort ist, schließen sie sich irrgläubigen Gemeinschaften an. Darauf ist zu sagen: Angenommen, daß dies möglich wäre - - wiewohl es nicht möglich ist - - , so haben doch Christen ausdrücklichen Befehl, von allen zu weichen, welche eine andere als die apostolische Lehre führen. Römer 16,17: "Ich ermahne aber euch, lieben Brüder, daß ihr aufsehet auf die, die da Zertrennung und Ärgernis anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denselben"! Hier ist zweierlei ausgesagt: erstlich, was die tun, die eine andere als die apostolische Lehre vortragen: sie richten damit Spaltungen und Ärgernisse innerhalb der christlichen Kirche an. Zum andern ist hier gesagt, wie sich die Christen gegen die Leute, die dies tun, verhalten sollen: sie sollen von ihnen weichen, sich nicht zu ihnen halten, sondern von ihnen halten oder trennen . Gottes Befehl an die Christen lautet nicht bloß dahin, daß sie den Irrlehrern nicht im Herzen zustimmen sollen, sondern ganz ausdrücklich dahin, gerade auch äußerlich von ihnen zu weichen. Gerade die äußere kirchliche Gemeinschaft mit den Irrlehrern ist den Christen verboten.
Weiterer Einwurf: "Manche sind Irrlehrer nur aus Schwachheit in der Erkenntnis, und die Schwachen in der Erkenntnis soll man aufnehmen, nicht sich von ihnen absondern". Wir nehmen die Schwachen im Glauben auf, die sich nicht zu Lehren aufwerfen, und suchen sie durch Unterricht von der Schwachheit zu heilen. Aber als Lehrer nehmen wir auch die nicht an, die nur aus Schwachheit in der Erkenntnis Irrlehre vortragen. Gottes Ordnung in der Kirche ist, daß nur solche das Lehramt verwalten, die Gottes Wort ohne Beimischung von Menschenlehre verkündigen etc. Wer noch aus Schwachheit irrt, gehzort nicht auf die Kanzel, sondern unter die Kanzel.
Thesis IV.
Je trauriger es ist, daß so viele Christen in irrgläubigen Lagern sich aufhalten und dadurch Zertrennung und Ärgernis in der Kirche anrichten und aufrecht erhalten helfen, um so fleißiger und aufrichtiger sollen die Christen, welche durch Gottes Gnade im rechtgläubigen Lager sich befinden, glaubensbrüderliche Gemeinschaft miteinander halten und alle Störung derselben sorgfältig meiden, Gott zu Ehren und der Welt und der Kirche zu höchstem Nutzen.
Die Tatsache, daß sich viele Christen im irrgläubigen Lager aufhalten und sich äußerlich dadurch von uns absondern, ist eine traurige Tatsache. Warum? Wir haben uns schon vorgeführt, daß Christen nicht in jenes Lager gehören, daß sie da in einer Gesellschaft sind, die sich für Christen nicht geziemt. Christen sollen nach Gottes willen und Ordnung sich dahin halten, wo das Evangelium rein gelehrt und die Sakramente dem göttlichen Worte gemäß gereicht werden. Ferner, irrgläubige Gemeinschaft ziemt sich auch deshalb nicht für jene Christen, weil sie, insofern sie Christen sind, im Glauben und in der Gesinnung mit uns einig sind. In ihrem Herzen glauben sie die Rechtfertigung aus Gnaden um Christi willen; und sie sind so gesinnt, daß sie auch zu der rechtgläubigen Kirche sich halten würden, wenn sie recht unterrichtet wären.
Angesichts dieser Tatsachen sollte auch unsere öffentliche Polemik (z.B. in unsern kirchlichen Zeitschriften) stets so eingerichtet sein, daß sie geeignet ist, die Kinder Gottes aus dem irrgläubigen Lager herauszuführen. Sie sollte klar belehrend, entschieden und geistlich sein. Auch unser Privatverkehr mit Irrgläubigen soll danach angetan sein, die Irrgläubigen in die Gemeinschaft der rechtgläubigen Kirche zu führen. Nicht nur die Pastoren, sondern alle rechtgläubigen Christen sollten nicht nur den Ungläubigen, sondern auch den Irrgläubigen gegenüber das Rechte reden können. Die apostolische Mahnung 1 Petr 3,15: "Seid allezeit bereit zur Verantwortung jedermann, der Grund fordert der Hoffnung, die in euch ist" gilt nicht bloß den Pastoren, sondern allen Gemeindegliedern. Es wird in dieser Beziehung von den Christen, die durch Gottes Gnade im rechtgläubigen Lager sich befinden, viel versäumt. Nur zu leicht sind sie, wenn sie von dem rechten Glauben Rechenschaft geben sollen, mit der Rede bei der Hand: "Ich bin kein Gelehrter; geht zu unserm Pastor".
Zum Bekennen und Verteidigen der christlichen Lehre ist nicht große Gelehrsamkeit erforderlich. Im Kleinen Katechismus Luthers steht die ganze christliche Lehre samt deren Begründung aus Gottes Wort. Bei allem Kampf und Streit um die christliche Lehre braucht man nur an Christi Worten zu bleiben, wie sie lauten. Christi Worte sind klar. Unser Heiland hat uns keine Rätsel aufgegeben. Wir müssen uns aber davor hüten, daß man uns nicht eine menschliche Auslegung an die stelle des Wortes Gottes setzt. Denn Papisten, Reformierte und alle Irrgläubigen setzen beständig Deutungen (Glossen) an Stelle des Wortes Gottes. Welche Mißhandlungen hat sich zB das lichthelle Wort Christi: "Das ist mein Leib" von den Reformierten gefallen lassen müssen, um den klaren Sinn der Worte zu beseitigen und hinwegzudeuten! (Vgl Luther, zB Erl 32,404-406, wo er die Deutung von sieben "Heiligen Geistern", dazu die Ausflucht eines achten "jungen Heiligen Geistes" aufzählt). Der Einwurf also, es handele sich zwischen uns und den Anderslehrenden nicht um das Bleiben an Gottes Wort, sondern um verschiedene Auffassung und Auslegung des Wortes, hat keine Berechtigung. Man stelle sich nur einfach unter und nicht über Gottes Wort, wie diejenigen tun, die durch ihre Auslegung Gottes Wort hinwegdeuten. Freilich, um bei Gottes Wort bleiben zu können, müssen unsere Christen fleißig Gottes Wort lernen und fleißig mit Gottes Wort umgehen, den Katechismus fleißig in ihren Familien treiben, passende Bücher und Zeitschriften lesen etc.
Aber Papsttum und mancherlei andere Sekten werden, wie die Schrift voraussagt, bis an den Jüngsten Tag in der Kirche bleiben. So wird auch die traurige Tatsache bleiben, daß Christen in irrgläubigen Gemeinschaften gefangen gehalten werden und wir ihrer glaubensbrüderlichen Gemeinschaft beraubt bleiben. Um so fleißiger sollen die Christen, die in der rechtgläubigen Kirche sind, miteinander die glaubensbrüderliche Gemeinschaft pflegen, sowohl innerhalb der Gemeinde als auch über die einzelne Gemeinde hinaus.
Innerhalb der Gemeinde soll die glaubensbrüderliche Gemeinschaft gepflegt werden, indem man vor allen Dingen regelmäßig die öffentlichen Gottesdienste besucht. Besuch der öffentlichen Gottesdienste ist Gottes Wille und Ordnung, wie wir gesehen haben. Mangelhaftes Besuchen der öffentlichen Gottesdienste ist die gefährlichste und schädlichste Vernachlässigung der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft. In einer Gemeinde, in der das herrschend ist, was man mit einem groben Ausdruck "Kirchenbummelei" genannt hat, steht es schlecht. Ein noch so reges sogenanntes Vereinsleben kann die göttliche Ordnung des öffentlichen Gottesdienstes nicht ersetzen. Auch die Gemeindeversammlungen, in denen die Ortsgemeinden die ihnen aufgetragenen Geschäfte ausrichten, sind Gottes Ordnung und gehören zur Pflege der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft. Auch sollen die Christen eines Ortes fleißig und gern untereinander christlich verkehren. Bürgerlichen Verkehr haben die Christen auch mit Weltleuten. Das ist keine Sünde. Aber ihre Erquickung finden die Christen im Verkehr mit den Glaubensbrüdern. Mit Weltleuten verkehren sie, um ehrliche weltliche Geschäfte zu besorgen etc. Anders verkehren sie mit Glaubensbrüdern. Ihre Glaubensbrüder sind die Leute, mit denen sie Hand in Hand auf dem schmalen Wege durch diese arge Welt in das ewige Leben wandern. Der ärmste Glaubensbruder steht ihnen näher als der reichste und angesehenste Weltmensch.
Aber die glaubensbrüderliche Gemeinschaft greift, wie wir gesehen haben, über die Gemeinde hinaus. In der Gemeinde würde es überaus armselig stehen, die kein kirchliches Interesse über ihre eigenen Pfähle hinaus hätte. Jede Ortsgemeinde soll für das Wohl und Wehe der Schwestergemeinden ein lebendiges Interesse haben. Das ist göttliche Vorschrift, daß die, welche denselben Glauben bekennen, sich auch von Herzen und aufrichtig als Glaubensbrüder anerkennen, füreinander beten, sich über die Erfolge und das Wohlergehen der Schwestergemeinden und Schwestergemeinschaften von Herzen freuen, das das Leid gemeinschaftlich tragen, Angriffe auf einen Teil der rechtgläubigen Kirche als gegen die ganze rechtgläubige Kirche gerichtet ansehen und abwehren etc.
Solche Gemeinschaft ist etwas überaus Herrliches. Welche Freude, wenn wir bei deutschen, Englischen, Negern, Indianern, Juden etc dieselbe Lehre und denselben Glauben finden! Welche Freude bereitet es uns innerlich, wenn wir uns zueinander bekennen dürfen! Und wie betrüben wir den Heiligen Geist in unserm Herzen, wenn wir einander verleugnen und preisgeben! Es ist schon häßlich, wenn man einen persönlichen Freund verleugnet; aber der Gipfel unwürdiger Gesinnung ist es, wenn man einen Glaubensbruder verleugnet.
Das bringt uns auf die Störungen der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft in der eigenen Mitte. Der Teufel sucht fortwährend die glaubensbrüderliche Gemeinschaft zu stören, sowohl in der Gemeinde als auch über die Gemeinden hinaus, zwischen den Schwestergemeinden, Schwestersynoden etc. Die Störung vollzieht sich auf mancherlei Weise, aber immer nur aus fleischlichen Gründen. Der Heilige Geist stört nicht die Gemeinschaft, die er geschaffen hat. Das tut der Teufel, indem er sich hinter das Fleisch steckt: das ist sein Bundesgenosse, der zwar bei den Christen in Ketten liegt, aber noch nicht tot ist. Einmal vollzieht sich die Störung so, daß man sich von den öffentlichen Gottesdiensten oder von den Gemeindeversammlungen fernhält, oder sich auch ganz von der Gemeinde trennt, weil man gegen den Pastor der Gemeinde oder einen Teil der Gemeinde, oder auch die ganze Gemeinde etwas hat, also aus persönlicher Erbitterung. Man spricht das auch offen aus, und anstatt die Sache nach Gottes Wort zum Austrag zu bringen, trennt man sich. In vielen Fällen aber fängt der Teufel die Sache schlauer und gefährlicher an. Obwohl auch fleischliche Gründe, verletzter Stolz und persönliche Verbitterung zugrunde liegen, so will man doch diesen Grund sich und andern nicht gestehen, sondern sucht einen Grund in der Lehre. Man beschuldigt, weil das besser und anständiger klingt, seine Gemeinde oder seine Synode der falschen Lehre, und um einen sachlichen Gegensatz zu gewinnen, stellt man selbst eine falsche Lehre auf und sucht Anhänger zu gewinnen. So sind die meisten Trennungen in der Kirche entstanden von der apostolischen Zeit an bis auf unsere Tage. Der Teufel richtet nicht nur einen Stank in der christlichen Kirche an, sondern sucht auch den Schein zu erwecken, daß er dies aus großer Gewissenhaftigkeit, aus Sorge für die Kirche und die Reinheit der Lehre getan habe; wie sich leicht nachweisen läßt an den Novatianern, Arianern, Nestorianern, Papisten, Reformierten (Zwingli konnte nicht neben Luther zur Geltung kommen), Ohioern, Iowaern.
Es gibt keinen edlen Grund für die Trennung und das sich getrennt Halten von der rechtgläubigen Kirche. Alle Gründe lieben auf dem Gebiet des Fleisches. Der edelste Grund, den die Schrift angibt, ist noch die Unwissenheit. Wie der Apostel Paulus von sich sagt: "Ich habe es unwissend getan im Unglauben", 1 Tim 1,13. Dieser Grund für das sich getrennt Halten von der rechtgläubigen Kirche und für den Kampf gegen die rechtgläubige Kirche hat statt bei vielen, die in irrgläubigen Gemeinschaften aufgewachsen und sozusagen mit der Muttermilch falsche Deutungen gewisser Schriftworte eingesogen haben. Wer aber einmal in der Erkenntnis der rechten Lehre gestanden hat, wird bei genauer Prüfung finden, daß er aus offenbar fleischlichen Gründen auf falsche Lehre geraten ist und Trennung in der christlichen Kirche angerichtet hat. Sonderlich in unserer Zeit meint man zwar, daß auch bei aufrichtig christlicher Gesinnung durch ernstliches Forschen in der Schrift verschiedene Lehrrichtungen in der christlichen Kirche aufkommen können. Aber das ist ein Irrtum, der darin seinen Grund hat, daß man die Schrift nicht für das klare Wort Gottes hält. So gewiß die Schrift klar ist, so gewiß bleibt jeder bei der rechten Lehre, solange er in aufrichtig christlicher Gesinnung die Schrift liest und sich dem Schriftwort in einfältigem Glauben untergibt.
Achten wir doch darauf, was die Schrift über die Motive derer sagt, die anders lehren als GottesWort und dadurch Trennung in der Kirche anrichten. St Paulus schreibt Römer 16,18 von denen, die Zertrennung und Ärgernis anrichteten neben der Lehre der Apostel: "Solche dienen nicht dem HErrn JEsu Christo, sondern ihrem Bauche, und durch süße Worte und prächtige Reden verführen sie die unschuldigen Herzen". - - Hören wir auch, was Luther über diesen Punkt zu Eph 4,1-6 sagt: "Denn es ist auch das allergrößte und schädlichste Ärgernis der Kirche, Zwietracht und Trennung der Lehre anrichten; welches auch der Teufel zum höchsten treibet. Und kommt gemeiniglich von etlichen hoffärtigen, eigensinnigen und ehrsüchtigen Köpfen, die da wollen etwas Sonderliches sein, um ihre Ehre und Ruhm streiten; können es mit niemand gleich halten; meinen, es wäre ihre Schande, wenn sie nicht sollten gelehrter und größeres Geistes (den sie doch gar nicht haben) gerühmet werden denn andere; niemand die Ehre gönnen, ob sie gleich sehen, daß er größere Gaben hat; item, aus Neid, Zorn, Haß oder Rachgier widerandere suchen, Rotterei zu machen und die Leute an sich zu hängen". (Erl 9,290 f.).
Wollen wir vor der erschrecklichen Sünde der Störung der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft bewahrt bleiben, so gilt es, daß wir über unser fleischliches, rachsüchtiges, stolzes, eigensinniges Herz wachen. Niemand sei hier sicher. Wer da sagt: Das kann bei mir nicht vorkommen, kennt sein böses Herz noch nicht recht. Die Erfahrung lehrt: Leute, die nicht bloß heuchlerisch, sondern aufrichtig die reine Lehre bekannten und die falsche Lehre bekämpften, wurden persönlich erbittert. Sie gaben dieser Stimmung nach, und bald darauf wurden sie Verteidiger der Irrlehre und Bekämpfer der reinen Lehre.
Wann liegt Störung, resp Aufhebung der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft zwischen Schwestergemeinden und und Schwestersynoden vor? Eine ganz grobe Störung der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft schließt es in sich, wenn eine Gemeinde einen von einer andern Gemeinde rechtmäßig Gebannten aufnimmt. Ebenso schließt es eine grobe Störung der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft in sich, wenn eine Gemeinde sich weigert, andern Gemeinden oder auch einzelnen Christen, die in bezug auf einen verhängten Bann Bedenken bekommen haben, Einblick in das Kirchenzuchtsverfahren zu gewähren. Ebenso ist es eine grobe Störung der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft, wenn eine Gemeinde einen falschen Bann verhängt und gar noch aufrecht erhalten will. - - Man möchte hier einwerfen, daß diese Störung der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft sich kaum vermeiden lasse, da doch auch Christen oft schwer über einen Bann einig werden könnten. Darauf ist zu sagen: Christen, die nach Gottes Wort urteilen, können in jedem Fall über die Bannwürdigkeit einer Person einig werden. Der HErr deutet nicht Zweifel an, sondern drückt Gewißheit für die urteilenden und handelnden Christen aus, wenn er Matth 18 sagt: "Halte ihn als einen Heiden und Zöllner". Aber gibt es nicht manche Fälle, in denen es auch für ruhig urteilende Christen zweifelhaft bleibt, ob jemand aus Schwachheit oder aus Bosheit sündigt? Allerdings. Solche Fälle kommen nicht selten vor. Aber die Christen sind auch in bezug auf solche zweifelhaften Fälle einig, nämlich darin, daß in zweifelhaften Fällen nie ein Bann zu verhängen sei. Uneinigkeit im Urteil liegt - - unter Voraussetzung, daß man beiderseits die christliche Lehre vom Bann und von der Kirchenzucht kennt - - fleischlicher Gemeindepatriotismus oder Synodalpatriotismus zugrunde. Man schreibe nicht Gottes Wort die Schuld zu, als ob dieses nicht auch für die kirchliche Praxis unsers Fußes Leuchte und ein klares Licht auf unserm Wege sei. - - Eine grobe Störung schließt es ferner in sich, wenn eine Gemeinde einer andern Gemeinde oder eine Synode einer andern Synode Glieder zu entziehen sucht. Man berufe sich nicht darauf, daß jede Gemeinde und jede Synode Sonderinteressen habe. Darauf ist zu sagen: In der christlichen Kirche gibt es keine Sonderinteressen. Alle Christen und alle christlichen Gemeinden bilden einen geistlichen Leib, und das Wohl und Wehe des einen Gliedes geht den ganzen Leib an. Alle Glieder des geistlichen Leibes haben nur ein Interesse, nämlich das Interesse, daß der Leib Christi erbaut werde. Alles Sonderinteresse, das sich nicht diesem allgemeinen Interesse unterordnet, ist fleischlicher Gemeinde - oder Synodalpatriotismus. Über das gemeinsame Interesse aller Glieder am Leibe Christi belehrt uns sehr ausführlich der Apostel Paulus 1 Kor 12,12-27. - - Das hat die Synodalkonferenz auch in die Bestimmungen aufgenommen, die das Verhältnis der Synoden zueinander regeln sollen. (Vgl Synodalhandbuch, Seite 165). - - Ebenso versteht es sich von selbst, daß eine Störung der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft vorliegt, wenn eine Gemeine oder Synode jemand, der sich an sie wendet, als Bruder aufnimmt, wenn derselbe das brüderliche Verhältnis zu einer Schwestergemeinde oder Schwestersynode abgebrochen und noch nicht wiederhergestellt hat. - - Endlich, wenn jemand einzelne Gemeindeglieder, seine ganze Gemeinde oder seine ganze Synode öffentlich angreift, so hat er ihnen dadurch die Glaubensbruderschaft gekündigt.
Welch ein herrliches Gut die christliche Gemeinschaft und eine wie schwere Sünde die Störung derselben sei, führt Luther zu Johann 17,11 und 21 so aus: "So hat nun ein Christ den Trotz, daß er weiß, wo ihn der Teufel angreift, so greift er nicht einen Finger, sondern den ganzen Leib an, das ist, alle Christen in der Welt, ja Gott und Christum dazu. Gerade als im Leibe, wo die kleinste Zehe getreten wird, da wischt der ganze Leib auf, und sehen die Augen sauer, die Nase rümpft sich, die Hände greifen zu, und ein jeglich Glied fraget und sorget, was ihm widerfahren sei. Denn das gehört zu solcher Einigkeit, daß kein Stück oder Teil sei, das für sich allein lebe und fühle, und nicht aller anderer, das ist, des ganzen Leibes, Leben und Fühlen habe. Wo nun das geringste Glied der Christenheit leidet, so bald fühlet es und regt sich der ganze Leib, daß sie allzumal zulaufen, klagen und schreien; so höret es und fühlet es dann unser Haupt, Christus. Und ob er wohl ein wenig inne hält, doch wenn er beginnt sauer zu sehen und die Nase zu rümpfen, so wird er auch nicht scherzen. Denn so spricht er durch den Propheten Sacharja, Kapitel 2: "Wer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an". . . . Des lesen wir ein fein Exempel in St Pauli Historia. Da er die Christen verfolgete und Stephanus hatte helfen umbringen, meinte (er), er hätte auch eine Zehe herausgerissen. was sagt aber Christus im Himmel dazu? Er spricht nicht: Warum klemmst du meine Zehe, oder verfolgest mein armes Häuflein? sondern also spricht er: "Saul, Saul, was verfolgest du mich? Es wird dir schwer werden, wider den Stachel zu löcken" etc, Apost 9,5, gerade als hätte er seine eigene Person angegriffen. Warum? Darum, daß man kein Glied am Leibe kann anrühren, das Haupt muß es fühlen, ja am ersten fühlen. Denn von dem Haupt kommt und geht alle Kraft, daß der Leib fühlen und empfinden kann. Das ist, sage ich, der höchste Trost in allen Leiden der Christen, wo sie vom Teufel angefochten oder von der Welt angegriffen werden, daß sie nicht allein leiden, sondern die ganze Christenheit auf Erden, ja alle Engel im Himmel samt Christo und dem Vater selbst sich ihres Leidens annehmen und mittragen, und ihnen nichts widerfahren kann, es muß ihnen allen widerfahren. Wer solches weiß und glaubt, der kann allerlei Unglück tragen und überwinden; gleich als wiederum kein Ding das Leiden oder Anfechtung so schwer und unerträglich macht, denn wo das Herz fühlet, es leide ganz allein, und kein Exempel oder Mitgenossen desselbigen Leides sieht, als sei es allein verlassen und ausgeschälet; wie denn alle Leiden der Christen scheinen in unsers Fleisches Augen. Darum muß sich der Glaube an dies Wort halten wider sein eigen Fühlen und der Welt Schreien, welche, wenn sie einen Christen angreifet, meint sie, sie habe ihn gedämpft, daß ihm niemand helfen noch retten könne; wie sie über Christum selbst rühmte und jauchzte, als er am Kreuze hing. Siehe, das ist die Einigkeit der Christen, die Christus mit diesen Worten angegeben hat. Aber dazu kann man auf keine andere Weise kommen denn dadurch, daß uns Gott (wie er gesagt hat) in seinem Namen erhalte, das ist, so wir bleiben in dem Wort, das wir von Christo empfangen haben. Denn das Wort hält uns zusammen, daß wir alle unter einem Haupt bleiben und an ihm allein hangen, keine andere Heiligkeit noch etwas, das vor Gott gelten soll, suchen denn in ihm. Summa, durch das Wort werden wir Christo eingeleibt, daß alles, was er hat, unser ist, und wir uns seiner annehmen können als unsers eigenen Leibes, wiederum auch er alles, was uns eiderfährt, sich annehmen muß, daß uns weder Welt, Teufel noch kein Unglück schaden noch überwältigen kann. Denn es ist keine Gewalt auf Erden so groß, die wider diese Einigkeit etwas vermöge. Aber damit gehet der Teufel um, daß er uns dies Band zertrenne und durch seine Schalkheit und Tücke vom Wort reiße. Wo das geschieht, so hat er schon gewonnen. Denn außer dem Wort ist keine Einigkeit mehr, sondern eitel Spaltung, unzählige Sekten und Rotten, welche er durch seine Netze und Stricke, das ist, Menschenlehre, untereinanderwirft, da ein jeglicher sonderliche Heiligkeit sucht in eigenen Werken etc. . . . Wie könnte sich nun jemand etwas Seligeres wünschen, denn daß er in diese Gemeinschaft oder Bruderschaft kommen und ein Glied werden möchte dieses Leibes, der da heißt die Christenheit? Welche ist ein solcher Leib, der sich Gott mit allen seinen Gütern zu eigen hat gegeben. Summa, eine gewaltige Frau und Kaiserin im Himmel und auf Erden, der beide Teufel und Welt, Tod und Hölle muß zu Füßen fallen, wenn sie ein Wort spricht. Denn wer will einem Menschen, der solchen Trotz hat, abbrechen oder schaden? Sintemal er weiß, wenn er das kleinste Leiden hat, so muß schreien beide Himmel und Erden, alle Engel und Heiligen. Greifet ihn eine Sünde an, die das Gewissen will erschrecken, beißen, drücken und mit dem Teufel, Tod und Hölle drohet, so sagt Gott mit dem ganzen Haufen: Liebe Sünde, laß mir ihn ungebissen, Tod, ungewürget, Hölle, ungefressen. Aber da gehöret Glaube zu; denn es scheinet vor der Welt Augen und Vernunft gar anders, ja eben das Widerspiel". (St L VIII, 806 FF 831)
Wir meiden nun sorgfältig alle Störung der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft, pflegen sie vielmehr nach Kräften "Gott zu Ehren und der Welt und der Kirche zu höchstem Nutzen" über den herrlichen Endzweck der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft der Christen und die Schädlichkeit der Störungen derselben spricht sich die Schrift an vielen Stellen aus. Christus erfleht im hohenpriesterlichen Gebet für seine Kirche, "daß sie in uns" (im Vater und im Sohn) "eins seien, auf daß die Welt glaube, du habest mich gesandt", Johann 17, 21. Und in demselben Gebet: "Ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, daß sie eins seien, gleichwie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf daß sie vollkommen seien in eins, und die Welt erkenne, daß du mich gesandt hast und liebest sie, gleichwie du mich liebest", Johann 17, 22-23. Es macht einen gewaltigen Eindruck auf die Welt, wenn die Christen einmütig in Wort und Wandel das Heil in Christo bezeugen. Darüber berichtet die Apostelgeschichte, Kap 4, 32-33: "Der Menge aber der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. . . . Und mit großer Kraft gaben die Apostel Zeugnis von der Auferstehung des HErrn JEsu, und war große Gnade bei ihnen allen". Kap 5, 12-14: "Sie waren alle in der Halle Salomonis einmütiglich. Der andern aber wagte keiner, sich zu ihnen zu tun, sondern das Volk hielt groß von ihnen. Es wurden aber immer mehr hinzugetan, die da glaubeten an den HErrn, eine Menge Männer und Weiber".
Sieht hingegen die Welt unter den Christen Uneinigkeit, so wird sie dadurch geärgert und in ihrem Unglauben gestärkt. Dasselbe ist zu sagen von den Irrgläubigen. Sehen sie Einigkeit und herzliche Brüderlichkeit in der rechtgläubigen Kirche, so kann das ein Mittel werden, daß sie auf das Zeugnis der Wahrheit achten und dadurch in das Lager der rechtgläubigen Kirche hinübergeführt werden. Sehen sie dagegen, daß die sich untereinander beißen und fressen, welche sich der Rechtgläubigkeit rühmen, so nehmen sie daraus Veranlassung, Gottes Ehre und Gottes Wort zu schänden und sich von der rechtgläubigen Kirche getrennt zu halten. Will jemand sich überzeugen von dem Ärgernis, das durch Störung der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft augerichtet wird, so achte er nur auf den Jubel der Römischen über die Uneinigkeit der Protestanten; Luthers Klage über den Abfall der Sakramentierer; die Schadenfreude der Landeskirchlichen über die Uneinigkeit der Freikirchen; den Jubel der Generalsynodisten, Iowaer, Ohioer, wenn sie Zwietracht innerhalb der Synodalkonferenz zu bemerken meinen.
Und welcher Schade würde durch Störung der glaubensbrüderlichen Gemeinschaft in unserer eigenen Mitte gestiftet! Gal 5, 15: "So ihr euch untereinander beißet und fresset, so sehet zu, daß ihr nicht untereinander verzehret werdet!
Was aber nötig ist, die Einigkeit zu erhalten, ist: "Haltet fest an der Demut", 1 Petr 5, 5.
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Auf Beschluß wurden die Besprechungen der vierten These aus dem Protokoll weggelassen. Das Referat wurde angenommen und dem Herrn Thesensteller der herzliche Dank der Synodalkonferenz votiert.
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(Synodical Conference, 1908, New Ulm, Mn; Franz Pieper- essayist; SC08_S.DOC; started 1/7/97 - by Ron Lah; mentioned in 1956 Synodical Conference essay "Voice of Lutheran Confessionalism", page 39-40, 33)
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