Ökumene

“Ökumene” kommt aus dem Griechischen und bedeutet “was sich über die ganze Erde erstreckt” oder für sie Bedeutung hat.1 Das Wort wird in verschiedenen Zusammenhängen gebraucht:

1. Die gläubige Christenheit ist ökumenisch

In diesem Sinne hat die „eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen“ einen „ökumenischen Charakter“. Sie ist die Kirche im eigentlichen Sinn, die gesamte gläubige Christenheit. Zu ihr gehören alle, die durch den wahren Glauben an Jesus Christus, ihren Heiland, selig geworden sind und auch diejenigen, die es neben uns und nach uns noch werden. Weil aber nun keiner dem anderen ins Herz sehen, den darin verborgenen Glauben nicht wahrnehmen kann, und weil keiner die Zahl der Gläubigen vor und neben ihm feststellen kann, bekennen wir: “Ich glaube eine heilige christliche Kirche: die Gemeinde der Heiligen” und nennen sie unsichtbar.

Diese (für uns) unsichtbare Kirche ist in sich völlig einig in der Lehre, im Glauben und Bekennen. Keine Irrlehre findet sich in ihr, kein Heuchler gehört zu ihr. Sie ist zeit- und weltumspannend; sie ist „ökumenisch“ und im wahren Sinn des Wortes „kath-holisch“7. Christus spricht: Ich bitte aber nicht alleine für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an mich glauben werden, auf dass sie alle eins seien gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir, daß auch sie in uns eins seien, auf dass die Welt glaube, du habest mich gesandt“.

2. Bestimmte Synoden wurden “Ökumenisches Konzil” genannt

In der Kirchengeschichte kennen wir acht solcher “ökumenischen” Synoden2. Sie hießen so, weil sie im Gegensatz zu den nationalen und provinzialen Synoden einen allgemeinen Charakter hatten: Vertreter der gesamten Kirche waren zugegen, die Beschlüsse galten für alle Gemeinden. Hier bedeutet ökumenisch “allgemein geltend”.

3. Ökumenische Bekenntnisse

In dem Sinne der zwei ersten Punkte gebrauchte Nikolaus Selnecker das Wort “ökumenisch”. In seiner lateinischen Ausgabe des Konkordienbuches von 1580 nennt er die Bekenntnisschriften der evangelisch - lutherischen Kirche die “Ökumenischen Symbole”. Sie bringen in den Punkten, die sie behandeln, den einen Glauben der Christenheit zum Ausdruck - als Zusammenfassung der biblischen Wahrheit. Darum haben sie allgemeine, d.h. ökumenische, Geltung.

4. Ökumene im verbreiteten Sprachgebrauch: Äußere Einheit trotz innerer Gegensätze

Heute wird viel von Ökumene gesprochen: ökumenische Gottesdienste, ökumenische Trauungen, ökumenische Friedensgebete. Verstand man noch vor wenigen Jahren darunter ein Miteinander der sich in ihrer Lehre widersprechenden christlichen Konfessionen, so ist man heute sogar noch einen Schritt weiter: Unter Ökumene versteht man auch Veranstaltungen, interreligiöse Treffen, mit den anderen Religionen dieser Welt (Buddhisten, Moslems, Hindus u.s.w.).

In diesem Zusammenhang finden wir häufig das oben schon erwähnte Jesuwort aus Joh. 17,21 (und 23) zitiert: „... damit sie alle eins seien. Wie du, Vater in mir und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.” Die beklagenswerte fehlende Einheit der christlichen Kirchen zeigt sich äußerlich in den verschiedenen Konfessionen. Dass diese Zerissenheit überwunden werden möge, ist wohl der Wunsch aller Christen. Dies aber durch rein äußerliches Zusammenführen erreichen zu wollen, ohne die Gegensätze in der Lehre lösen zu können, widerspricht gerade diesem Wort Jesu: „damit sie alle eins seien“. Die Einigkeit seiner Gläubigen ist sein Wille. Er erklärt jedoch gleich, in welcher Qualität: „wie du, Vater in mir bist und ich in dir“. Im dreieinigen Gott selbst finden sich nicht Wahrheit und Lüge, Widerspruch und Klarheit gleichzeitig. Wenn Gott an anderer Stelle durch seinen Apostel befiehlt, falsche Lehre und die Gemeinschaft mit Irrlehrern zu fliehen3, dann kann hier nur eine Einigkeit gemeint sein, nämlich diejenige, die im einen Glauben zur gesamten Wahrheit des Wortes Gottes begründet ist und sich im einmütigen Bekenntnis nach außen dokumentiert. Die Bestätigung dafür erhalten wir in den Worten: „... so sollen auch sie in uns sein...“ und „... damit sie eins seien, wie wir eins sind...“.

Betrachten wir den letzten Punkt, so wird uns klar, warum das Wort „Ökumene“ inzwischen einen so bitteren Beigeschmack bekommen hat. Der kostbare Inhalt, nämlich die von Gott geschenkte Einigkeit in Glauben, Lehren und Bekennen, wurde herausgenommen. Statt dessen bekam das Wort eine andere Füllung: das glatte Gegenteil! Aus diesem Grund ist es nötig, dass wir unterscheiden, zwischen wahrer und falscher Ökumene. Mit „falscher Ökumene“ meinen wir die zu Unrecht gepriesene „Einheit in Vielfalt“ und den „Geist von Assisi“ (Friedensgebet der Religionen Januar 2002).

Unter „wahrer Ökumene“ verstehen wir, was in den Punkten 1 und 3 dargelegt ist. Alle äußere Einigkeit, die nicht auf dem Fundament der völligen Übereinstimmung in allen Lehren der Heiligen Schrift steht, ist gegen Gottes Willen, ja sie ist ihm ein Greuel: Denn des Priesters Lippen sollen die Lehre bewahren, dass man aus seinem Munde das Gesetz suche; denn er ist ein Engel des HERRN Zebaoth“ (Mal. 2,7); „Ich ermahne aber euch, liebe Brüder, dass ihr aufsehet auf die, die da Zertrennung und Ärgernis anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denselbigen! Denn solche dienen nicht dem HERR Jesu Christo, sondern ihrem Bauche; und durch süße Worte und prächtige Rede verführen sie die unschuldigen Herzen“ (Röm. 16,17.18).

Darum ist es keine belanglose Frage, ob wir hier oder da nicht ein wenig Toleranz üben sollten. Gott selbst erwartet, dass seine Christen nicht einmal den Anschein der Einigkeit geben, mit denen, die sein Wort verfälschen oder Verfälscher in ihrer Mitte dulden.4 Dagegen sollen wir durch äußere Gemeinschaft innere Einigkeit bekunden.5

Auch im Blick auf die eine heilige christliche Kirche gilt, was Paulus in 2.Kor. 5,7 schreibt: “Wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.” Hier glauben wir sie, dort werden wir sie schauen. Wir wissen, dass überall dort, wo Gottes Wort noch in seinen wesentlichen Punkten verkündet wird -und wäre es nur noch in den sonntäglichen Lesungen- wahre Christen zu finden sind.6 Darum wächst gerade deswegen, weil wir um der Verführung des Teufels willen auf Kirchengrenzen achten müssen, die Freude auf unsere himmlische Heimat. Dort wird es solche Grenzen nicht mehr geben. Dort werden wir mit allen unseren Glaubensgeschwistern aus allen Zeiten, Nationen, Sprachen, Kirchen u.s.w. vereint sein und den HERRn für solche Wohltat preisen. *

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Der V. Artikel. Vom Predigtamt.

 

1] Solchen Glauben zu erlangen, hat Gott das Predigtamt eingesetzt, Evangelium und Sakramente gegeben, 2] dadurch er, als durch Mittel, den Heiligen Geist gibt, welcher den Glauben, wo und wann er will, in denen, so das Evangelium hören, wirkt, 3] welches da lehrt, das wir durch Christus Verdienst, nicht durch unser Verdienst, einen gnädigen Gott haben, so wir solches glauben.

4] Und werden verdammt die Wiedertäufer und andere, so lehren dass wir ohne das leibliche Wort des Evangelii den Heiligen Geist durch eigene Bereitung, Gedanken und Werke erlangen.7

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1 In diesem Sinn deckt sich dieses Wort mit “katholisch”, vom griechischen “kath holon kosmon”. Gebraucht wird es in Matth. 24,14; Röm. 10,18.

2 Nicäa 325, Konstantinopel 381, Ephesus 431, Chalcedon 451, Konstantinopel 553 und ebd. 680, Nicäa 787 und Konstantinopel 869 n. Chr.

3 Röm. 16,17.18; Tit. 3,10.11

4 2.Joh. 11; Offbg. 18,4.5

5 Ps. 119,63.74; Matth. 10,32.33

6 Jes. 55,10.11

7Bente, F., Concordia Triglotta, (Milwaukee, Wisconsin: Northwestern Publishing House) 1997.