Original
Der Lutheraner, vol 6, March 19, 1850;
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Titel "Der Lutheraner"

 

Wie groß und verderblich der Irrthum derjenigen sei, welche den Predigern des Evangeliums die Macht absprechen, auf Erden Sünden zu vergeben.

C. F. W. Walther

Daß die christliche Kirche und daher auch die berufenen Diener derselben die Macht haben, auf Erden Sünden zu vergeben, das ist eine von den Lehren, durch welche sich unsere evangelisch - lutherische Kirche von allen andern sogenannten Kirchen merklich unterscheidet. Von jeher hat nemlich unsere Kirche diese Lehre nicht etwa zaghaft und verschämt, sondern mit großem Ernst und mit der freudigsten Entschiedenheit vor aller Welt bekannt. So heißt es unter anderem in dem urältesten kleinen Katechismus Lutheri, dem Haupt - Schul - und Hausbuch unserer Kirche: "Die Beichte begreift zwei Stücke in sich , eines, daß man die Sünde bekenne; das andere, daß man die Absolution oder Vergebung von dem Beichtiger empfange, als von Gott selbst, und ja nicht daran zweifele, sondern fest glaube, die Sünden seien dadurch vergeben vor Gott im Himmel". Und in demselben Büchlein wird dem Kirchendiener befohlen, die Frage an jeden Beichtenden zu richten: "Glaubest Du auch, daß meine Vergebung Gottes Vergebung sei?" worauf der Beichtende mit einem getrosten "Ja, lieber Herr" antworten sollte. Aber so soll in unserer Kirche nicht etwa allein die Jugend heimlich gelehrt werden. Nein, als die Lutheraner, aus Fürsten, Rechtsgelehrten und Theologen bestehend, einst im Jahre 1530 in Augsburg ihre Confession, das ist, ihr Glaubensbekenntniß, vor Kaiser und Reich im Namen unserer Kirche zu thun aufgefordert wurden, auch da verleugneten sie die Lehre von der Macht der Kirche, Sünden zu vergeben auf Erden, keinesweges, sondern bekannten dieselbe frank und frei als ein theures Kleinod der rechten evangelischen Lehre, vor aller Welt. Also heißt es nemlich unter Anderem im 25sten Artikel der Augsburgischen Confession, dieser Grundveste, diesem reinen Augapfel unserer Kirche: "Dabei wird das Volk fleißig unterrichtet, wie tröstlich das Wort der Absolution zu achten,

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denn es sei nicht des gegenwärtigen Menschen Stimme oder Wort, sondern Gottes Wort, der da Sünde vergibt, denn sie wird an Gottes Statt und aus Gottes Befehl gesprochen. Von diesem Befehl und Gewalt der Schlüssel, wie tröstlich, wie nöthig sie sei den erschrockenen Gewissen, wird mit großem Fleiß gelehret, darzu, wie Gott fordert, dieser Absolution zu glauben, nicht weniger, denn so Gottes Stimme vom Himmel erschölle, und uns dero fröhlich trösten, und wissen, daß wir durch solchen Glauben Vergebung der Sünden erlangen". (Concordienbuch, New Yorker Ausgabe Seite 41)

Hieraus ist deutlich zu ersehen, daß unsere Kirche in ihrem herrlichen Grundbekenntniß auf die Lehre von der Absolution ein so großes Gewicht legt, daß der, welcher sich von dieser Lehre lossagt, unmöglich auf den Namen eines Lutheraners Anspruch machen kann, sondern einen ganz anderen Geist, als unsere Väter, haben und auf einem ganz anderen Glaubensgrunde stehen muß.

Bekanntlich gehört aber diese Lehre zu denjenigen, welche gegenwärtig von fast allen Benennungen und besonders von der methodistischen Gemeinschaft verleugnet, verworfen, als falsch und gefährlich dargestellt und auf alle nur mögliche Weise bekämpft werden. Man erklärt diese Lehre unserer Kirche oder vielmehr des Wortes Gottes für ein Ueberbleibsel des Pabstthums, für eine Erfindung herrschsüchtiger Priester und für ein Ruhekissen fleischlicher, sicherer Menschen, die sich nicht bekehren wollen. Vielleicht mancher Schwache ist schon durch diese lästerlichen Reden gegen diese heilige Stiftung Gottes zweifelhaft und irre geworden! Was sollen wir nun thun? Sollen wir etwa erkennen, daß unsere Kirche in diesem Punkte von jeher irrig gewesen sei? sollen wir uns daher von ihr lossagen und eine neue Reformation des neunzehnten Jahrhunderts(*)

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(*) Es ist wahrhaft spaßhaft zu lesen, wie ein gewisser Herr Naseweis, genannt Lyon, in den letzten Nummern des methodistischen "Apologeten" zeigt, was alles der lutherischen Reformation fehle und wie sie nun endlich von den Methodisten und zu theuerst von Sr Allflugheit selbst zu Stande zu bringen sei. In der 589 Nummer verspricht er, zu entdecken, "was noch zu thun übrig bleibt, um die Kirche auf ihren Gottesfelsen zurückzustellen". Aus welchen letzteren Worten der liebe Leser ersiehet, mit welchem Dinge von Kirche es in dem Kopfe dieses allerneuesten Reformators und "zweiten Luthers" umgehet; es ist dies nemlich ein Luftschloß, bis dato ohne Grund, dem dieser große Baukünstler endlich einmal einen Felsengrund unterstellen will. Wieder ein Beweis, daß wir in dem Zeitalter des Fortschritts leben.

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Werk zu richten suchen? - - Das sei ferne! - - Geh mit mir, lieber Leser, in Gottes Wort, so wirst du finden, daß unsere Kirche auch in dieser Lehre auf dem unwandelbaren Grunde dieses göttlichen Wortes stehe und daß hingegen der Irrthum derjenigen, welche den Predigern des Evangeliums die Macht absprechen, auf Erden Sünden zu vergeben, groß und verderblich, ja, größer und verderblicher sei, als man denken möchte.

Dieß geht erstlich daraus hervor, daß damit den klarsten Worten unseres lieben HErrn JEsu Christi widersprochen wird. Dieß ist ganz unleugbar, denn also sprach Christus einst im letzten Jahre seines öffentlichen Lehramtes nach dem Berichte des Evangelisten Matthäus (Cap 16, 19) zu Petro: "Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben. Alles, was du auf Erden binden wirft, soll auch im Himmel gebunden sein; und alles, was du auf Erden lösen wirft, soll auch im Himmel los sein". Damit man aber nicht denken möge, als habe Christus diese Macht allein Petro gegeben, so setzte er nach dem Berichte desselben Evangelisten (Cap 18, 18) einige Tage nachher, als er gezeigt hatte, wie die Kirche oder Gemeinde den Bann ausüben müsse, hinzu: "Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein; und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein". Womit Christus deutlich anzeigt, daß die Gewalt, Sünden zu vergeben und zu behalten, nicht eine den Predigern neben der Gemeinde oder Kirche übertragene Gewalt, sondern, wie unser Katechismus sagt, "eine sonderbare Kirchengewalt", dh eine der Kirche und nur ihr und sonst seiner Gemeinschaft in der Welt eigenthümliche

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und außerhalb der Kirche nicht zu findende Gewalt sei. (*). Damit aber die lieben Jünger nicht denken möchten, als hätten sie durch die Untreue, die sie bei Christi letztem Leiden bewiesen hatten, die ihnen anvertraut gewesene Gewalt verloren, so wiederholte Christus jenen Auftrag nach seiner Auferstehung gegen sie noch einmal und sprach zu ihnen: "Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten". (Joh 20, 23)

Hiermit wird denn der Kirche und ihren Dienern die Macht, auf Erden Sünden zu vergeben und zu behalten, so klar und deutlich zugesprochen, daß es seines weiteren Beweises bedarf. Diejenigen, welche der Kirche dennoch diese Macht absprechen, begehen daher einen großen Frevel. Sie widersprechen dem Sohne Gottes ins Angesicht und erklären sein Wort für Lüge. Sie begehen noch einmal die Sünde, zu welcher einst Satan die ersten Menschen zu verführen trachtete, als er denselben zurief: "Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allerlei Bäumen im Garten?" (2 Mos 3, 1).

Die Worte des Sohnes sind so hell und gewaltig, daß sich daher oft auch die Schwärmer das Ansehen zu geben suchen, als glaubten auch sie, daß das Amt der Schlüssel nicht ausgestorben sei. (**). Aber laß dich, lieber Leser, durch solche trügliche Zugeständnisse nicht täuschen. Man spricht nemlich, hiermit habe Christus den Aposteln nur die Gewalt gegeben, die Bedingungen zu offenbaren, unter welchen ein Mensch Vergebung der Sünden erlangen oder davon ausgeschlossen sein solle. Aber wer hat je gehört, daß derjenige einem Menschen die Sünden vergebe, welcher demselben die Bedingungen darlegt, unter welchen er Vergebung erlangen könne? Das ist eine Schriftauslegung, wie sie nur bei den gemeinsten, geistlosesten Rationalisten gäng und gebe ist, die da

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(*). Es ist also eine Gottes Wort durchaus widerstreitende Lehre, nach welcher das Amt der Schlüssel, das freilich nach göttlicher Ordnung öffentlich von den Predigern verwaltet wird, als eine nicht in der Kirche, sondern in dem Predigtamte, als in einem besonderen Stande, liegende Gewalt dargestellt wird. Nach Gottes Wort hat vielmehr die Kirche alles: "Es ist alles euer", ruft Paulus den Corinthern zu. (I. 3,21). Alle Gewalt, welche der Prediger hat, ist daher aus dem Gesammtschatze der Kirche genommen und ihm erst von Gott durch die Kirche übertragen worden. Die papistische Lehre, daß das Amt der Schlüssel eine eigenthümliche Prediger – oder Priestergewalt sei, hat unsere Kirche daher immer entschieden verworfen. Damit zerfällt denn auch der Einwurf in Nichts, daß die Lehre von der Absolution von den lutherischen Predigern zu Vermehrung ihres Ansehens ersonnen sei und so fest gehalten werde.

(**). Unter anderen nehmen die hiesigen deutschen Methodisten diesen Schafspelz um, um damit die Lutheraner zu täuschen und zu sich zu locken. Sie haben einen Tractat herausgegeben über die Frage: "Ist das Schlüsselamt ausgestorben oder nicht"? In diesem elenden Wisch geht der Schreiber in der lügenhaften Entstellung der lutherischen Lehre von der Absolution so weit, daß er behauptet, wir Lutheraner lehrten, daß zu einem heilsamen Empfange der Absolution nicht der Glaube, sondern nur das Bekenntniß: "Meine Sünden sind mir leid und ich will mich bessern", nöthig sei. Wir Lutheraner können uns nur freuen, wenn wir sehen, wie die Schwärmer mit Lügen umgehen müssen, wenn sie nur mit einigem Scheine unsere Lehre angreifen wollen.

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auch sagen, Christus habe uns in so fern erlöset, als er uns die Bedingungen gelehrt habe, unter welchen wir aus unseren Sünden erlöset werden könnten; durch sein Blut habe er uns zB in diesem Sinne erlöset, als er durch sein geduldiges Bluten, Leiden und Sterben uns gezeigt habe, wie man die Tugend der Liebe und Geduld üben und dadurch sich selbst erlösen müsse. Das heißt aber das Wort Gottes nicht auslegen, sondern in dasselbe hinein – und es widerlegen, nicht erklären, sondern verkehren, nicht seinen süßen Trostkern aufschließen, sondern herausnehmen und verschließen, mit einem Worte, es für Spott und Scherz halten und mit Füßen treten.

Aber, spricht man, wo haben die Apostel absolvirt, wie die Prediger der lutherischen Kirche? - - Wir antworten: Wohl ist es wahr, daß man zur Zeit der Apostel keine Kanzeln hatte, von denen herab am Schlusse der Predigt der Absolutionsformel verlesen worden wäre, wie jetzt in den lutherischen Kirchen; wohl ist es wahr, daß man damals keine mit Gittern versehene Beichtstühle hatte, von welchen aus demjenigen, welcher communiciren wollte, die Hand auf das Haupt gelegt und auf die von ihm abgelegte Privatbeichte die Vergebung seiner Sünden gesprochen worden wäre: aber obgleich wir in der apostolischen Kirche diese Form, diese Art und Weise, diese Ceremonien der Schlüsselverwaltung nicht finden, so finden wir doch dieselbe Sache. Bedenke erstlich, lieber Leser, wenn der heilige Apostel Paulus an die Corinther schreibt: "Laßt euch nicht verführen: weder die Hurer, noch die Abgöttischen, noch die Ehebrecher, noch die Weichlinge, noch die Knabenschänder, noch die Diebe, noch die Geizigen, noch die Trunkenbolde, noch die Lästerer, noch die Räuber, werden das Reich Gottes ererben. Und solche sind euer etliche gewesen: aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiliget, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des HErrn JEsu, und durch den Geist unsers Gottes" - -: was ist das anderes, als eine offenbare Absolution, die Paulus hier den gefallenen, aber bußfertigen Corinthern spricht? (1 Cor 6,9-11). Ja, so oft die heiligen Apostel die Christen versichern: "Ihr seid alle Gottes Kinder, durch den Glauben an Christo JEsu - - Aus Gnaden seid ihr selig geworden - - Ihr waret weiland nicht in Gnaden, nun aber seid ihr in Gnaden". - - (Gal 3,26; Ephesians 2,8; 1 Pet 2,10).: was ist das anderes, als wenn der HErr zu dem Gichtbrüchigen sprach: "Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben"? (Matth 9,2). Bedenke ferner, wenn Ananias zu Saulo sprach: "Laß dich taufen und abwaschen deine Sünden" (Ap Gesch 22,16), was ist das anderes, als wenn Ananias gesagt hätte: Laß dich von mir absolviren? War es nicht ein Glück, daß es damals noch keine Methodisten gegeben hat? Würden diese nicht zu Ananias gesagt haben: Ei, du fleischlicher, blinder und unbekehrter Mensch, wie kannst du sagen, daß durch die Wassertaufe ein Mensch absolvirt und ihm die Sünden abgewaschen werden! Der Geist, der Geist muß das thun! - - Doch die lieben Apostel schreiben sich die Macht, Sünden zu vergeben

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Und zu behalten, auch ausdrücklich zu und sie haben dieselbe auch oft mit ausdrücklichen Worten und in der eigentlichsten Form geübt. Im 2 Briefe an die Corinther, im 2 Capitel, liest man, daß einst ein Blutschänder auf die Ermahnung des Apostels Paulus in seinem ersten Briefe (Capitel 5,1-5) von der ganzen Gemeinde in den Bann gethan und so hart "von vielen" in der Versammlung derselben gestraft worden war, daß dieser Sünder nun nicht nur in sich ging, sondern auch am Rande der Verzweiflung stand. Was thut nun der heilige Apostel? Er schreibt ua folgende Worte: "Es ist genug, daß derselbe von vielen also gestraft ist; daß ihr nun hinfort ihm desto mehr vergebet und tröstet, auf daß er nicht in allzu großer Traurigkeit versinke. Darum ermahne ich euch, daß ihr die Liebe an ihm beweiset. Welchem aber ihr etwas vergebet, dem vergebe Ich auch. Denn auch Ich, so ich etwas vergebe jemanden, das vergebe ich um euretwillen, an Christi Statt". 2 Cor 2,6-10. Kann es deutlicher ausgesprochen werden, daß der heilige Apostel wirklich an Christi Statt und im Namen der Gemeinde Sünden vergeben habe? - -

Dieses Zeugniß ist so klar, daß daher selbst viele Feinde der Absolution es nicht zu leugnen wagen, daß die heiligen Apostel wirklich die Macht, Sünden zu vergeben und zu behalten, gehabt und geübt haben. Aber, spricht man, wie will man beweisen, daß auch die jetzigen Prediger des Evangeliums diese Macht besitzen? Ruft nicht St Paulus selbst an einer andern Stelle aus: Sind sie alle Apostel"? (1 Cor 12,29). Hierauf diene zur Antwort: Es ist wahr, es ist ein großer Unterschied zwischen einem Apostel und einem jetzigen Diener der Kirche: die Apostel waren unfehlbar in der Lehre, die jetzigen Kirchendiener nicht; die Apostel hatten die Macht, Wunder zu thun und zu weissagen, die jetzigen Kirchendiener nicht; die Apostel waren unmittelbar von Christo, dem Sohne Gottes, berufen, die jetzigen Kirchendiener mittelbar durch Menschen; die Apostel hatten den Beruf, in alle Welt zu gehen, die jetzigen Kirchendiener sind beschränkt auf das Feld der "Heerde Christi, so ihnen befohlen ist". Allein was das Amt, das Evangelium zu predigen, und was damit zusammenhängt, betrifft, da findet kein Unterschied statt. Oder gilt das Wort des HErrn: "Prediget das Evangelium", nur den Aposteln? Gilt sein Befehl: "Taufet im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes", nur den Zwölfen? Gilt seine Ordnung: "Solches thut zu meinem Gedächtniß", nur den auserwählten Jüngern? - - Nein, Christus spricht ausdrücklich zu denselben von denen, welchen sie predigen würden: "Und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe! Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende". Matth 28,20. So gewiß daher jene Gebote, zu lehren, zu taufen und das heilige Abendmahl zu halten, die Christen oder die Kirche aller Zeiten angehen und so gewiß dieselbe alles halten soll, was den Jüngern befohlen war, so gewiß gilt auch der Kirche aller Zeiten bis an der Welt Ende der Befehl

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sammt der Verheißung: "Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten". Die außerordentlichen Gaben und Veranstaltungen, welche zur Gründung und ersten schnellen Ausbreitung der Kirche nötig und derselben daher in der Zeit der Apostel verliehen waren, sind allerdings großentheils erloschen; was aber die Mittel betrifft, Gnade, Vergebung der Sünden und die Seligkeit zu erlangen, diese sind der Kirche verblieben; wer daher behauptet, daß die Kirche keine Macht mehr habe, im Namen ihres HErrn und an seiner Statt durch ihre Diener Sünden zu vergeben, der leugnet damit, daß es noch eine Kirche in der Welt gibt. Es ist und bleibt dies also ein großer greulicher Irrthum. Mag man sich wenden und winden, wie man will: man begeht damit die erschreckliche Sünde, Christo, dem Sohne Gottes, in es Angesicht zu widersprechen und sein Wort Lügen zu strafen. - -

Doch dieser Irrthum ist auch darum so groß und verderblich, weil man dadurch zweitens die Vollkommenheit der Erlösung Christi leugnet.

Zwar wird auch von den schwärmerischen Sectenpredigern nicht selten die Wahrheit ausgesprochen, daß Christus alle Menschen vollkommen erlöset habe; aber dadurch darf man nicht sich blenden und überreden lassen, als ob dieselben diese Wahrheit wirklich glaubten und verkündigten. Es ist nur zu offenbar, daß sie dieswer Wahrheit, wenn sie dieselbe Einmal aussprechen, dagegen tausendmal durch ihre ganze Lehrweise von dem Weg zur Seligkeit derselben widersprechen und sie thatsächlich verleugnen. Denn was heißt das: Christus hat uns vollkommen erlöset? - - Das heißt: Christus hat für uns alles schon gethan und gelitten, was wir hätten thun und leiden sollen, um uns die Seligkeit zu erwerben; denn, spricht die Schrift, "Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. So einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben. Wie durch Eines Sünde die Verdammniß über alle Menschen gekommen ist, also ist auch durch Eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen gekommen". (2 Cor 5,21; 14; Römer 5,18). Als Christus, am Kreuze verscheidend, die Sündenstrafen aller Menschen abgetragen hatte, da hatten eigentlich schon wir Menschen alle die selben abgetragen; und als Christus von seinem Vater als ein vormaliger Schuldner durch die Auferweckung von den Todten von aller Schuld öffentlich und feierlich losgesprochen, absolvirt und gerechtfertigt wurde, da wurden eigentlich schon wir Menschen alle von Gott losgesprochen, absolvirt und gerechtfertigt; daher St Paulus schreibt: Christus "ist um unserer Sünde willen dahin gegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt". Römer 4,25.

Der Schatz der Gnade, der Vergebung der Sünden und der Seligkeit ist also bereits für alle erworben und der Kirche mit dem Wort und den heiligen Sacramenten zur Austheilung bereits

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übergeben. Wir Menschen sollen daher unsere Sünden nicht erst tilgen, Christus hat sie schon getilgt; wir sollen uns die Vergebung derselben nicht erst erkämpfen, Christus hat sie uns schon erkämpft; wir sollen Gott nicht erst versöhnen, Christus hat Gott schon mit uns versöhnt; wir sollen uns Gottes Gnade nicht erst erringen, Christus hat sie uns schon errungen; wir sollen uns eine vor Gott gültige Gerechtigkeit nicht erst verdienen, Christus hat sie uns schon verdient; wir sollen Tod und Hölle nicht erst überwinden, Christus hat schon beide für uns überwunden; wir sollen nicht erst durch die Erfüllung des Gesetzes uns die Seligkeit erwerben, Christus hat uns dieselbe schon dadurch erworben; wir sollen uns durch unsere Würdigkeit nicht erst den Eingang in den Himmel verschaffen, Christus hat uns denselben schon durch seine Würdigkeit verschafft; kurz, wir sollen das Werk unserer Erlösung nicht erst vollbringen, denn Christus hat schon alles vollbracht, hat den bitteren Kelch unserer verdienten Leiden bis auf den letzten Tropfen geleert, die Summe unserer Schuld vor Gott bis auf den letzten Heller bezahlt, den Willen Gottes bis auf den letzten Buchstaben erfüllt. - - Was folgt nun aber hieraus? - - Hieraus folgt, daß dies auch allen Menschen geprediget werden kann, ja, geprediget werden soll und muß, und daß das Evangelium eben darin besteht, daß man allen verkündigt: Seid fröhlich, ihr Sünder, Christus hat schon eure Sünden getilgt, Christus hat euch schon Vergebung eurer Sünden erkämpft, Christus hat euch schon mit Gott versöhnt, Christus hat euch schon Gottes Gnade errungen, Christus hat euch schon eine vor Gott gültige Gerechtigkeit verdient, Christus hat schon für euch Tod und Hölle überwunden, Christus hat euch schon durch seine Erfüllung des Gesetzes die Seligkeit erworben, Christus hat euch schon durch seine Würdigkeit den Eingang in den Himmel verschafft; kurz, Christus hat das Werk eurer Erlösung schon vollkommen vollbracht! Meinet darum nicht, daß ihr durch irgend ein Leiden, durch eure Reue, durch eure Buße, durch eure Thränen, durch euer Ringen und Kämpfen Gott erst versöhnen, erst zur Gnade bewegen oder für eure Sünden erst büßen müßtet; meinet nicht, daß ihr durch irgend ein gutes Werk, durch eure Besserung, Heiligung und eigene Gerechtigkeit bei Gott etwas verdienen und euch also selbst selig machen müßtet - - nein! - - es ist alles schon geschehen! - - ihr sollt nichts thun, als daß ihr das, was Christus für euch gelitten und gethan und euch bereits geschenkt hat, annehmet, daß ihr das euch aneignet, daß ihr euch dessen tröstet, darauf bauet und trauet, kurz, daran von Herzen glaubet, in diesem Glauben wandelt und bleibet, auf diesen Glauben sterbet und so endlich aus diesem Glauben in das Schauen übergehet und selig werdet. Es ist sonach klar, weil Christus alle Menschen schon vollkommen erlöset hat, so ist das Evangelium nichts anderes, als eine Predigt von der Vergebung der Sünden an alle Menschen auf Erden, wozu Gott selbst im Himmel sein Ja und Amen spricht; es ist mit einem Worte eine der

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Ganzen Welt durch Menschen vom Himmel gebrachte, mit Christi Blut und Tod besiegelte und durch Christi Auferweckung von Gott selbst auf das herrlichste und feierlichste nicht nur bestätigte, sondern schon einmal wirklich vollzogene allgemeine Absolution. Da aber das Evangelium kraft der geschehenen vollkommenen Erlösung Christi die Absolution aller Menschen ist, so kann auch natürlich gar nicht mehr die Frage sein, ob auch der oder jener von einem Prediger des Evangeliums eine gültige Absolution empfangen könne; denn was ich der ganzen Welt ankündigen soll, das kann ich natürlich auch jedem Einzelnen, der zur Welt gehört, ankündigen. Hierbei wird nun freilich mancher Leser denken: Wie? Sollen denn auch die Unbußfertigen absolvirt werden und sollte also auch eine einem Unbußfertigen gesprochene Absolution gültig sein? Hierauf antworten wir: Gültig und kräftig bleibt die Absolution, und wenn sie einem Judas gesprochen wird, denn auch der Judas ist bereits durch Christum vollkommen erlöset und in Christo bereits von Gott selbst gerechtfertigt und absolvirt: wäre es daher möglich (es ist aber unmöglich), daß ein Unbußfertiger, als solcher, die ihm gesprochene Absolution von Herzen glaubte, so würde er auch darin als solcher die göttliche Vergebung ergreifen; und schlägt ein Unbußfertiger in dem Augenblicke in sich und kommt er in dem Augenblicke zu einem Fünklein des Glaubens, da ihm die Absolution gesprochen wird, so hat er auch darin so gewißlich die göttliche Vergebung, so gewiß Christus für ihn gestorben und vom Vater an seiner Statt auferweckt worden ist. Eine andere Frage ist freilich, ob ein Prediger des Evangeliums einem offenbar Unbußfertigen die Absolution ertheilen solle. Auf diese Frage sagen wir nein; nicht darum, weil die einem Unbußfertigen gesprochene Absolution ungültig wäre, sondern weil sie derselbe doch verachten und von sich stoßen und damit also sich nur mehr versündigen und eine größere Verdammniß auf sich laden würde. Daher Christus seinen Dienern und den Haushaltern über seine Geheimnisse den Befehl gegeben hat: "Ihr sollt das Heiligthum nicht den Hunden geben und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, auf daß sie dieselbigen nicht zertreten mit ihren Füßen, und sich wenden und euch zerreißen". Matth 7,6. Da ist also stets das Heiligthum und die Perle der Vergebung, so oft ein Mensch absolvirt wird; sie ist da kraft der vollkommenen Erlösung Christi; nie, nie kann daher ein Mensch, wenn er absolvirt wird, in Zweifel sein, ob er wirklich absolvirt sei, in welchen Zustande er sich auch befinden möge; die Absolution thut alle Mal den Himmel auf, öffnet alle Mal das göttliche Vaterherz, breitet alle Mal die Arme der göttlichen Erbarmung vor dem Sünder aus: es kann sich dann allein darum handeln, ob der Absolvirte auch die erhaltene göttliche Vergebung angenommen habe oder nicht; und dieses richtet sich wiederum darnach, ob er daran geglaubt habe oder nicht. Daher schreibt denn Luther, wie wir anderwärts bereits erwähnt haben: "Darum

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muß man es recht verstehen, wenn Christus spricht: ""Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen"" etc, daß da nicht wird eingesetzet die Gewalt deß, der da spricht, sondern deren, die da gläuben". (Predigt über das Ev am Sonntag Quasimod. in der Kirchenpostille).

Was thun also diejenigen, welche den Predigern des Evangeliums die Macht absprechen, auf Erden Sünden zu vergeben? Sie sprechen ihnen damit nicht etwa nur einen Vorzug ab, den sie vermöge ihres Amtes zu haben vermeinten, nein, sie sprechen ihnen damit nichts Geringeres ab, als die Macht, das Evangelium in seinem wahren Sinne den Menschen zu predigen, und verleugnen somit die Vollkommenheit der Erlösung Christi. Ja, der Glaube daran und die rechte Erkenntniß davon ist es, die denen fehlt, welche die Macht, Sünden zu vergeben auf Erden, verwerfen. Wer von Herzen glaubt, daß Christus aller Menschen Sünden schon getilgt hat, wie kann der sich daran stoßen, daß einem Menschen, insonderheit wenn derselbe Christum annehmen zu wollen erklärt, zugerufen wird: Deine Sünde sind dir vergeben? Wer von Herzen glaubt, daß Christus allen Menschen Gnade erworben hat, wie kann der sich daran stoßen, daß einem Menschen, der daran zu glauben bekennt, auch versichert wird: Auch du hast Gnade gefunden? Wer von Herzen glaubt, daß schon alle Menschen durch Christi Tod versöhnt und durch seine Auferstehung gerechtfertigt sind, und daß Gott die Welt also geliebt habe, daß er ihr seinen lieben Sohn mit allem seinem Verdienste bereits "gegeben" und geschenkt hat, wie kann es den befremden, daß dies einem Menschen auch wirklich im Namen Gottes durch die Absolution zugesprochen und zugesichert, und daß von ihm nichts begehrt wird, als daß er dies im Glauben also annehme, als hörte er die Stimme Gottes vom Himmel selbst?

Erkenne hieraus, lieber Leser: eben darum, weil unsere Kirche den Artikel so lauter und rein und in seiner ganzen Fülle hat: daß Christus alle Menschen vollkommen erlöset hat und daß daher der Menschen vollkommen erlöset hat und daß daher der Mensch allein aus Gnaden durch den Glauben vor Gott gerecht und selig wird - - eben darum hat auch unsere Kirche die theure Lehre von der Absolution von Anfang an so fest gehalten. Und so lange diese Sonne, nemlich die Lehre von der Rechtfertigung allein durch den Glauben, in unsrer Kirche nicht untergeht und helle leuchtet, so lange wird sie auch den Trost der heiligen Absolution sich nicht nehmen lassen; wäre es aber möglich, daß jene Sonne in unserer Kirche einmal nicht mehr schiene, da würde freilich höllische Finsterniß auch über unsere Kirche hereinbrechen, die Lehre von der Absolution darin fallen und mit derselben die Lehre von der Vollkommenheit der Erlösung JEsu Christi. Dieselbe Bewandtniß aber, welche es mit der ganzen Kirche hat, die hat es auch mit jedem einzelnen Gliede derselben. Ist ein Lutheraner wohl gegründet in der Lehre von der Rechtfertigung, so wird alles Geschwätz der Schwärmer gegen die Kraft der

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Absolution ihm zu nichts weiter dienen, als zu einem klaren Beweise, wie blind und unwissend diese Schwärmer gerade in dem Grundartikel des christlichen Glaubens sind; ist hingegen ein sogenannter Lutheraner in der Lehre von der Rechtfertigung eines armen Sünders vor Gott selbst nicht zu Hause, fremd und unbefestigt, dann wird er freilich als ein Kind, das sich wägen und wiegen läßt von allerlei Wind der Lehre, durch Schalkheit der Menschen und Täuscherei, damit sie uns erschleichen zu verführen, sich leicht überreden lassen, die Absolution sei ein Ueberbleibsel des Pabstthums und eine Erfindung hochmüthiger Pfaffen zu Vermehrung ihres Ansehens.

Hier hast du aber, lieber Leser, auch auf es neue den Beweis dafür, wie wahr es ist, wenn Luther von der Lehre von Christo und dem Glauben schreibt: "Alle andern Stücke mögen bei falschen Christen und Heuchlern auch gleißen: wo das aber nicht bleibet, da ist es nicht möglich, daß man einigem Irrthum oder Rottengeist wehren möge. Das weiß ich fürwahr, und habe es versucht also viel, daß ich weder der Türken noch Jüden Glauben könnte verlegen (widerlegen), wo ich ohne dies Stück sollte handeln. Und wo auch Rotten aufkommen, oder anfahen, da habe du keinen Zweifel, daß sie gewißlich von diesem Hauptstück gefallen sind, unangesehen, daß sie mit dem Maule viel von Christo plaudern, und sich fast putzen und schmücken. Denn dies Stück lässet keine Rotten aufkommen; sintemal es nicht kann sein, der Heilige Geist muß auch da sein, der nicht Rotten läßt anfahen, sondern Eintracht gibt und erhält". (Auslegung des 117 Psalms gegen das Ende). - -

Doch, lieber Leser, noch Eins ist es, worauf ich dich aufmerksam machen und woran ich dir zeigen muß, wie groß und verderblich der Irrthum derjenigen sei, welche den Predigern des Evangeliums die Macht absprechen, auf Erden Sünden zu vergeben, es ist dies: daß sie damit, so viel an ihnen ist, den Christen den höchsten und nöthigsten Trost rauben.

Es scheint freilich, als bliebe, auch wenn die Absolution verworfen werde, den Menschen immer noch Trost genug; denn haben die Gegner der Absolution nicht auch das Evangelium? haben sie nicht auch die Taufe? haben sie nicht auch das heilige Abendmahl? - - Es ist wahr, sie haben dies; aber indem sie die durch Menschen gesprochene Absolution verwerfen, so nehmen sie den Trost, der in jenen Gnadenmitteln liegt, heraus. Denn was ist der Trost, der in dem Evangelio liegt, anders, als daß in demselben die Absolution enthalte3n ist, oder daß das gelesene oder gehörte Evangelium Vergebung der Sünden gibt Allen, die daran glauben? Was ist der Trost, der in der Taufe liegt, anders, als daß in derselben die Absolution enthalten ist, oder daß die Taufe "wirket Vergebung der Sünden, erlöset von Tod und Teufel, und gibt die ewige Seligkeit Allen, die es gläuben, wie die Worte und Verheißung Gottes lauten"? Was ist endlich der Trost, der in dem heiligen Abendmahle liegt, anders, als daß in demselben die Absolution enthalten ist,

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oder "daß uns im Sacrament Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit durch solche Worte: ""Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden"", gegeben wird"? Diesen Trost, als den rechten Kern, nehmen die Gegner der Absolution aus allen diesen Gnadenmitteln heraus, und lassen, so viel an ihnen ist, ihren Zuhörern nichts, als die leere Schale. Meine nicht, lieber Leser, daß hiermit den Predigern der Secten etwas aufgebürdet werde, dessen sie sich nicht schuldig machten. Es ist leider! nur zu wahr. Sprechen sie es nicht selbst ohne Hehl aus: Wer sich auf das bloße Wort verlasse, der habe einen todten Glauben, denn der Buchstabe sei todt, der Geist, der Geist müsse es thun, der mache allein lebendig? (*). Reden sie nicht eben so lästerlich von der heiligen Taufe? Sagen sie nicht: Was soll dir das Waschen mit Wasser helfen? das ist eine kraftlose Ceremonie; die Taufe des Geistes mußt du erfahren!? Und reden sie endlich nicht eben so verächtlich auch vom heiligen Abendmahle? Sagen sie nicht: was soll dir das mündliche Essen und Trinken des Leibes und Blutes Christi nützen? Fleisch ist kein nütze! (**). Das geistliche Abendmahl im Herzen, das du in der Stille deiner Kammer oder am Betaltar feierst, das, das macht es. - - Glaube daher nicht, daß es sich bei der Verwerfung der Absolution nur darum handle, ob ein Prediger die Worte sagen dürfe: "Ich vergebe dir deine Sünde an Christi Statt"; oder daß man nur die Anmaßung der Prediger, eine Art Mittler zwischen Gott und Menschen zu sein, und den hierarchischen Grundsatz abweisen wolle, daß die Macht, Sünden zu vergeben, ein Privilegium der Pfaffen und eine nur in ihrem Amte ruhende Gewalt sei und daß daher ein Laie, wenn er Vergebung erlangen wolle, dazu eines Predigers und seiner amtlichen Lossprechung bedürfe. Dieß lehrt wohl die Römische Kirche; es heißt zB in dem Römischen Katechismus: "Wie Niemand in einen (befestigten und hochgelegenen) Ort ohne Hilfe dessen, dem die Schlüssel anvertraut sind, eintreten kann; so begreifen wir wohl, daß auch Niemand in den Himmel eingelassen

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(*). Es ist eine greuliche und recht lästerliche Schriftverdrehung, das Wort Gottes einen todten Buchstaben zu nennen. Wenn der heilige Apostel schreibt: "Der Buchstabe tödtet, aber der Geist macht lebendig" (2 Cor 3,6), so lehrt der Zusammenhang, daß unter dem Buchstaben das Gesetz und unter dem Geist das Evangelium zu verstehen sei. Uebrigens ist hiernach auch das Gesetz kein todter, sondern ein tödtender Buchstabe; was aber tödten kann, muß lebendig und kräftig sein. Gottes Worte sind Geist und sind Leben, wer die in seinem Herzen trägt, der hat den Geist, wenn er ihn auch nicht fühlt; wer aber anstatt des Wortes Gottes nur eigene Gedanken im Herzen trägt, mag der auch immerhin seinem Gefühl nach ganz und gar voll Geistes sein, der ist doch ein blinder, todter, geistloser Mensch. Christus spricht: "Die Worte, die Ich rede, sind Geist und sind Leben". Johann 6,63.

(**). Wenn Christus spricht: "Der Geist ist es, der da lebendig macht, das Fleisch ist kein nütze", Johann 6,63, so meint er mit "das Fleisch" nicht Sein Fleisch, denn dieses ist wohl etwas nütze; ja, dies gibt, wie Christus kurz vorher gesagt hatte, "der Welt das Leben" (Johann 6,33.54). Christus straft mit dem Wort: "Das Fleisch ist kein nütze", die fleischlichen Gedanken der Capernaiten, welche meinten, Christus wolle sein Fleisch als eine Speise für den Leib zum Zerkauen und Verdauen geben.

(Seite 117, column 1).

wird, wenn nicht die Pforten von den Priestern geöffnet werden, deren Obhut der HErr die Schlüssel übergeben hat". (Th II, Capitel 5, Fr 36,37). Diese Lehre wird, wie Jedermann weiß, in der lutherischen Kirche als ein rechtes Stück des antichristischen Gräuels ernstlich verworfen und erklärt, daß die Kraft der Absolution nicht in dem Amte des Predigers, sondern in dem Worte Gottes stecke, daher es der Kraft und Gültigkeit der Absolution weder etwas gebe noch nehme, möge dieselbe nun ein berufener Prediger, oder sonst ein Christ sprechen. Daher heißt es in den Schmalkaldischen Artikeln: "Ueber das muß man je bekennen, daß die Schlüssel nicht einem Menschen allein, sondern der ganzen Kirche gehören und gegeben sind. - - Denn, gleichwie die Verheißung des Evangelii gewiß und ohne Mittel der ganzen Kirche zugehört, also gehören die Schlüssel ohne Mittel (*) der ganzen Kirche, dieweil die Schlüssel nichts anderes sind, denn das Amt, dadurch solche Verheißung Jedermann, wer es begehrt, wird mitgetheilt. Concordienbuch Seite 320). . . . Wie denn in der Noth auch ein schlechter Laie einen andern absolviren und sein Pfarrher werden kann, wie St Augustin eine Historie schreibet: daß zwei Christen in einem Schiffe beisammen gewesen, der eine (der schon ein getaufter Christ war) den anderen (der noch kein getaufter Christ war) getauft und darnach von ihm (dem durch ihn, den Laien, Neugetauften) absolvirt ist". (Seite 328). Daher heißt es ferner in der Apologie: "Die Gewalt nun der Schlüssel, die verkündiget uns durch die Absolution das Evangelium: denn das Wort der Absolution das Evangelium: denn das Wort der Absolution verkündiget mir Friede, und ist das Evangelium selbst". (Seite 161). Und an einer anderen Stelle: "Es ist am Tage und es können die Widersacher nicht leugnen, daß die Unsern von der Absolution, von den Schlüsseln also christlich, richtig, rein geprediget, geschrieben und gelehret haben, daß viel betrübte, angefochtene Gewissen daraus großen Trost empfangen, nachdem sie dieses nöthigen Stückes klar unterrichtet sein, nemlich, daß es Gottes Gebot ist, daß es der rechte Gebrauch des Evangelii ist, daß wir der Absolution glauben und gewiß bei uns dafür halten, daß ohne unser Verdienst uns Sünden vergeben werden durch Christum, daß wir auch so wahrhaftig, wenn wir dem Wort der Absolution glauben, Gott werden versöhnet, als hörten wir eine Stimme vom Himmel. Diese Lehre, welche fast (sehr) nöthig, ist vielen angefochtenen Gewissen fast tröstlich gewesen. Auch haben viel redliche verständige Leute, viel fromme Herzen im Anfang dieser unserer Lehre halben Dr Luthern hochgelobet und deß eine sondere Freude gehabt, daß der nöthige gewisse Trost wiederum wäre an Tag gebracht. Denn zuvor

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(*). Ohne Mittel heißt so viel als unmittelbar. In den Schmalkaldischen Artikeln wird also bekannt, daß die Kirche die Gewalt, zu absolviren, nicht etwa nur insofern habe, als die Prediger diese Gewalt haben und in die Kirche durch ihr Amt bringen. Nein, der Fall ist umgekehrt: die Kirche hat die Schlüssel unmittelbar von Christo; aber die Prediger haben dieselben mittelbar durch die Kirche, nemlich durch die Gemeinde, die ihnen den Beruf zur Predigt des Evangeliums in ihrer Mitte gegeben hat.

(Seite 117, column 2).

war die ganze nöthige Lehre von der Buße und Absolution unterdrückt, nachdem die Sophisten keinen rechten und beständigen Trost des Gewissens lehreten, sonder wiesen die Leute auf ihre eigenen Werke, daraus eitel Verzweifelung in erschrockene Gewissen kommt". (*). (Seite 152-153).

Warum handelt es sich also bei der Verwerfung oder Anerkennung der Kraft der Absolution? Es handelt sich hierbei um nichts Geringeres, als darum, ob das Wort Gottes nicht eine bloße Anweisung zum wahren Christenthum und ob die heiligen Sacramente nicht bloße kraftlose Ceremonien und symbolische Darstellungen abwesender Dinge, sondern ob beides, Wort und Sacrament, wirklich Gnadenmittel, das heißt, ob es die Werkzeuge, die Hände Gottes sein, mit welchen uns Gottes Gnade und Vergebung der Sünde angeboten, überreicht und versiegelt wird. Es handelt sich darum, ob sich der Mensch auf das in der heiligen Schrift gelesene oder durch Menschen ihm gepredigte Wort des Evangeliums und auf die mit den heiligen Sacramenten verbundenen Verheißungen wirklich verlassen könne, als auf Gottes Stimme selbst, auch wenn das eigene Herz und Gewissen in uns anders redet, wenn es Nein zu Gottes Verheißungen spricht und uns verdammt. Es handelt sich also hierbei mit einem Worte wirklich um den höchsten und nöthigsten Trost für uns sündige Menschen.

Mögen darum die Secten diesen Trost in unseren Tagen, als einen fleischlichen, verwerfen, laßt uns, liebe lutherische Glaubensgenossen, desto fester daran halten. Mögen falschgeistliche Menschen uns darob verachten, laßt uns darum nicht Gott verachten, der uns jene Mittel zur Mittheilung und Versicherung seiner Gnade verliehen hat. Mögen schwärmerische Geister sich auf das verlassen, was sie selbst thun, leiden und erfahren, auf ihr Beten, auf ihr Kämpfen und Ringen, auf ihre Selbstverleugnungen, auf ihre Gefühle und Empfindungen, auf gehabte Visionen oder himmlische Erscheinungen, auf ihre Buße und Heiligung: wir wollen uns verlassen auf das, was Gott für uns gethan hat und was er uns mit der Hand seines Wortes und seiner heiligen Sacramente, der heiligen Taufe und des heiligen Abendmahls, darreicht.

Wohl ist kein Zweifel, daß auch unter den Secten gar viele theure Kinder Gottes sind, die bei Gott in Gnaden stehen und einst selig werden; aber diese werden nicht durch das selig, womit sie sich abmühen, nicht durch ihre vielen Werke, nicht durch ihr Beten, Arbeiten, Laufen und Rennen, sondern allein dadurch, daß sie, in diesem Allem keine Ruhe findend, endlich doch vor Gott nackt und bloß sich ausziehen und sich allein

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(*) Hieraus ersieht der Leser: weit entfernt, daß die lutherische Lehre von der Absolution ein Ueberbleibsel des Pabstthums sein sollte, so ist sie vielmehr eine kostbare Frucht der Reformation. Was für eine ganz andere Lehre von der Absolution die papistische sei, haben wir bereits in einem Artikel des zweiten Jahrgangs des "Lutheraner" gezeigt: "Die heilige Absolution, gerettet gegen die Lästerungen der Methodisten", auf welchen Aufsatz wir den Leser in Betreff dieser und anderer in diese Materie einschlagenden Fragen verweisen.

(Seite 117, column 3).

verlassen auf das Wort der Gnade, die einst viele im Pabstthum, unter anderen ein St Bernhardus, gethan, die im letzten Stündlein alles Eigne, wenn es ihnen auch vorher noch so köstlich zu sein schien, von sich geworfen und sich lediglich der Gnadenstimme des Evangeliums getröstet haben und also wie Brände aus dem Feuer noch gerettet worden sind. Laßt uns aber, die wir unter dem Sonnenscheine der reinen Lehre wohnen, nicht so lange damit warten, bis wir, etwa erst in unserer letzten Stunde, alles eigene Thun, alle eigene Werke, alle eigene Gerechtigkeit und Würdigkeit wegwerfen und uns an das Wort und die heilige Sacramente doch endlich allein festhalten müssen, wenn wir nicht verzagen und verloren gehen wollen. Laßt uns schon jetzt den Anfang damit machen, diesen Ballast aus dem Schiffe unseres Herzens zu werfen, damit unser Schifflein in den Stürmen der Anfechtung und Todesnoth nicht sinke und untergehe. Warum wollten wir das, was wir jedenfalls thun müssen, so wir selig werden wollen, erst dann thun, wenn die höchste Noth uns dazu drängt und wenn es für uns vielleicht schon zu spät ist? Nein, laßt uns jetzt schon allein bauen auf das Wort, das in der öffentlichen Predigt allen Sündern Gnade verkündigt und in der heiligen Absolution dieselbe uns insonderheit zuspricht. Laßt uns jetzt schon allein bauen auf unsere Taufe, darin wir schon allein bauen auf unsere Taufe, darin wir schon längst in Gottes Gnadenbund aufgenommen worden sind; denn dieser Bund steht uns ewig fest. Laßt uns endlich jetzt schon allein bauen auf den in dem heiligen Abendmahle liegenden überschwänglichen Trost, so oft wir daran Theil nehmen; denn darin gibt uns Christus seinen wahren Leib und sein wahres Blut mit unserem Munde zu essen uns zu trinken, als unwidersprechliche himmlische Unterpfänder, daß auch wir Theil haben an seiner Erlösung. So, im Glauben geübt, werden wir Trost haben in aller Anfechtung, wenn unser eigenes Herz uns verdammt; so werden wir Trost haben in der Stunde des Todes, wenn unser ganzes Leben uns verklagt und Welt und Satan wider uns auftritt; so werden wir ein getrostes Herz haben selbst am Tage des Gerichts, wenn die Bücher aufgethan und die Todten werden gerichtet werden, nach der Schrift in den Büchern, nach ihren Werken. (Offb 20,12). Denn was Gott selbst versprochen hat, das wird, das muß er halten.

Ein Arzt ist uns gegeben,
Der selber ist das Leben,
Christus, für uns gestorben,
Hat uns das Heil erworben.

Sein Wort, sein Tauf`, sein Nachtmahl
Dient wider allen Unfall;
Der Heil`ge Geist im Glauben
Lehrt uns darauf vertrauen.

Durch ihn ist uns vergeben
Die Sünd’, geschenkt das Leben:
Im Himmel soll’n wir haben,
O Gott! wie große Gaben!

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© - Hinweis
Digitalisiert von Herrn Ron Lah, Lafayette, Indiana USA
*.htm- und *.doc-Dateien Pfr. Martin Blechschmidt - März 2001 - für den Druck vorgesehen im deutschsprachigen Raum