Christen bekennen sich zu Christus und seinem Wort
Das Bekenntnis ist Frucht am Baum des wahren Glaubens
Das Bekenntnis zum Heiland Jesus Christus und zu seiner Lehre ist eine Folge des rechten Glaubens und hängt untrennbar mit ihm zusammen. So ruft David im Psalm: „Ich glaube, darum rede ich“ (Psalm 116,10).
Umgekehrt ist die Lästerung über Christus und sein Wort der Ausfluss des Unglaubens. Was ein Mensch über Gott und göttliche Dinge denkt und redet, ist immer von der Einstellung seines Herzens abhängig. Das Bekenntnis gegen oder für Christus erwächst aus Unglaube oder Glaube, aus Hass oder Liebe, aus einem misstrauenden oder vertrauenden Herzen wie die Frucht am Baum.
Christus sprach zu den Pharisäern: „Setzt entweder einen guten Baum, so wird die Frucht gut; oder setzt einen faulen Baum, so wird die Frucht faul; denn an der Frucht erkennt man den Baum. Ihr Otterngezücht, wie könnt ihr Gutes reden, dieweil ihr böse seid? Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus seinem guten Schatz des Herzens, und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus seinem bösen Schatz. Ich sage euch aber, dass die Menschen müssen Rechenschaft geben am Jüngsten Gericht von einem jeglichen unnützen Wort, das sie geredet haben. Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden und aus deinen Worten wirst du verdammt werden“ (Matthäus 12,33-37).
Sprechen wir davon, dass ein Christ seinen HERRn und dessen heiliges Wort bekennt oder auch bekennen soll, so dürfen wir dabei niemals dem Irrtum verfallen, das gute und rechte Bekenntnis könne irgendwie losgelöst vom seligmachenden Glauben sein. Wohnt in meinem Herzen die rechte glaubende Zuversicht zum Heiland der Sünder, ist mein Herz angefüllt von der kostbaren Wahrheit, dass Christus mein Erlöser ist, meine Schuld vor Gott bezahlt, meine Last getragen und mir den Himmel geöffnet hat, so wird auch eintreten, was Christus spricht: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“.
Darum spricht Christus zu den Aposteln: „Darum, wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater“ (Matthäus 10,31.32).
Das Bekennen, von dem Jesus hier spricht, kann nicht getrennt vom rechten seligmachenden Glauben betrachtet werden. Oder anders gesagt: Es gibt nicht wahre Christen, die bekennen und solche, die verleugnen. Es gibt nur Gläubige und Ungläubige, Kinder Gottes und Kinder des Unglaubens, solche, die rufen: „Ich glaube, darum rede ich!“ und solche, die sprechen: „Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche!“ (Lukas 19,14).
Es ist etwas in den Christen, das sie am Bekennen hindern will
Manchmal wollten Christen lieber schweigen, weil sie den Widerspruch oder auch den Spott anderer fürchten. Hinter der Scheu steckt der alte Adam, d.h. der Rest des alten sündigen Wesens in uns. Er scheut sich vor dem Bekenntnis, will nicht von den Klugen und Geachteten in der Welt verspottet werden und sucht allerlei Ausflüchte, redet sich heraus oder lenkt einfach ab.
Freilich soll man „die Perlen auch nicht vor die Säue werfen“ (Matthäus 7,6), z.B. einer spottenden Gruppe das Evangelium sagen, obwohl man weiß, wie jedes weitere Wort sie zu größerer Lästerung reizt. Christus fordert auch nicht, sich freiwillig in Folter und Tod zu stürzen, wie er spricht: „Wenn sie euch aber in einer Stadt verfolgen, so flieht in eine andere“ (Matthäus 10,23). Es gibt also sehr wohl Umstände, in denen das Bekenntnis schweigen und der Christ sogar fliehen kann. Hier gilt es im Lesen des Wortes Gottes und im Gebet das Richtige zu wählen.
Dennoch gibt es auch Situationen, in denen ein Christ schweigt, obwohl er bekennen sollte. Da legt sich eine lähmende Scheu auf ihn und er schämt sich seines HERRn. Auch der Apostel kennt solche Tage, an denen ihm die Knie weich wurden und er wohl lieber geschwiegen hätte, wie er an die Thessalonicher schreibt: „…als wir zuvor gelitten hatten und geschmäht gewesen waren zu Philippi, wie ihr wisst, waren wir dennoch freudig in unserm GOtt, bei euch zu sagen das Evangelium GOttes mit großem Kämpfen“ (1.Thessalonicher 2,2) und an die Korinther: „Und ich war bei euch mit Schwachheit und mit Furcht und mit großem Zittern“ (1.Kor. 2,3).
Christen sollen die Umstände abwägen, dürfen schweigen und auch fliehen – jedoch nicht weil sie sich Christi oder des Evangeliums schämen, sondern um das Evangelium nicht in den Schmutz ziehen zu lassen und um dem Reich Gottes noch weiter dienen zu können. Hier muss jeder Christ prüfen, was das Beste ist (Römer 12,1.2) und sich Rat holen von seinen Glaubensgeschwistern in Christus.
Es soll uns immer bewusst bleiben: Die lähmende Bekenntnisscheu, dass sich ein Christ schämt, ein Kind Gottes zu sein, weil andere das lächerlich finden, verursacht der Teufel. Sein Ziel ist es, um weltlicher Ehre oder anderer Dinge willen die Christen zum Schweigen zu bringen.
Bekenntnisscheu schadet dem Reich Christi
Das Heil unseres Mitmenschen soll uns am Herzen liegen. Darum spricht Christus: „Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Matthäus 5,16). Wir sollen das Licht unseres Glaubens leuchten lassen, damit durch Wort und Lebenswandel auch andere Sünder zu Christus gezogen werden und bei ihm ihr irdisches und ewiges Heil finden. Würden die Christen das Bekenntnis aus Scheu und Scham schweigen lassen, woher sollten die Ungläubigen die Wahrheit über den Heiland der Sünder erfahren?
Dem Teufel und unserem alten Adam wollen wir entgegenhalten, dass Gott uns ausdrücklich zum Bekennen auffordert: „Seid aber allezeit bereit zur Verantwortung jedermann, der Grund fordert der Hoffnung, die in euch ist“ (1.Petrus 3,15; siehe auch 1.Petrus 2,9).
Als Petrus dreimal gefragt wurde, ob er auch zu Jesus gehöre und er seinen HERRn dreimal verleugnete und beim dritten Mal aus Angst vor dem Tode anfing, sich zu verfluchen und zu schwören: „Ich kenne den Menschen nicht“ (Matthäus 26,74), da war der seligmachende Glaube aus dem Herzen des Petrus gewichen. In diesem Augenblick galt auch ihm Christi Wort: „Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater“.
Gott der HERR hilft uns in unserem Versagen
Das war eine schreckliche Schuld, die der Apostel auf sich geladen und ein furchtbarer Zustand, in den Petrus sich gebracht hatte. Als Christus ihm vergeben und ihn wieder angenommen hatte, da brach sich der Glaube seines Herzens in Dankbarkeit Bahn. Petrus verkündigte am heiligen Pfingstfest in Jerusalem den Messias und Erlöser so mächtig, dass man sich im Blick auf den Bericht von der Verleugnung nur wundern kann. Freilich, Gott der HERR hatte damals über seine Apostel auch seinen Heiligen Geist ausgegossen. Doch derselbe Geist befähigt jeden Christen zum Zeugnis für Christus und das Wort der Wahrheit.
Blicken wir auf die Märtyrer, die Gläubigen, die um des Bekenntnisses zu Christus willen Folter und Tod erleiden mussten, so fragen wir vielleicht zaghaft, ob wir solche Qualen ertragen könnten. Doch wir wollen bedenken, dass nicht sie, nicht ihre Stärke solch große Dinge bewirken konnten. Gott, dessen Kraft in den Schwachen mächtig ist (2.Korinther 12,9), hat allen seinen Kindern zugesagt: „So nehmet nun zu Herzen, dass ihr nicht sorgt, wie ihr euch verantworten sollt. Denn ich will euch Mund und Weisheit geben, welcher nicht sollen widersprechen mögen noch widerstehen alle eure Widerwärtigen“ (Lukas 21,14.15). Gott der HERR möge uns davor bewahren, dass wir unseren Erlöser ausdrücklich verleugnen, oder dass wir schweigen, wo wir bekennen sollten.
Gottes Zusagen und sein ausdrücklicher Wille sollen alles Zögern und alle Scheu in uns besiegen. Gott spricht: „Stärket die müden Hände und erquicket die strauchelnden Kniee! Saget den verzagten Herzen: Seid getrost, fürchtet euch nicht! Sehet, euer GOtt, der kommt zur Rache; GOtt, der da vergilt, kommt und wird euch helfen“ (Jes. 35,3.4).
Auch uns gilt Christi Zusage: „Wenn sie euch aber führen werden in ihre Schulen und vor die Obrigkeit und vor die Gewaltigen, so sorget nicht, wie oder was ihr antworten oder was ihr sagen sollt. Denn der Heilige Geist wird euch zu derselbigen Stunde lehren, was ihr sagen sollt“ (Lukas 12,11.12). Auf diese Zusagen bauen und vertrauen wir.
Fordert man von mir den Grund
dessen, das ich hoff’ und glaube,
öffne selber mir den Mund,
dass ich bei der Wahrheit bleibe
und ein gut’ Bekenntnis tu’;
gib dazu mir Kraft und Mut.
Lass mich bis an meinen Tod
meinen Jesus recht bekennen
und mich in der letzten Not
seines Leibes Gliedmaß nennen;
leb’ und sterb’ ich nur auf ihn,
weiß ich, dass ich selig bin.
Benjamin Schmolck




