Christus will, dass wir uns zu einer rechtgläubigen Gemeinde halten
C.F.W. Walther, Die Stimme unserer Kirche in der Frage von Kirche und Amt, Erlangen 1865 Verlag von Andreas Deichert
These VIII, Paragr. C
Ein jeder Christ ist bei seiner Seligkeit verbunden, sich zu den rechtgläubigen Gemeinden und ihren rechtgläubigen Predigern zu bekennen und resp.1 zu halten, wo er solche findet.
Beweis aus Gottes Wort.
Der Herr spricht: "Wer mich bekennet vor den Menschen, den will Ich bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will Ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater." Matth. 10,32.32.
Ferner: "Wer sich aber mein und meiner Worte schämet, dessen wird sich des Menschensohn auch schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit, und seines Vaters, und der heiligen Engel." Luc. 9,26.
Endlich schreibt sein heiliger Apostel: "So du mit deinem Munde bekennest Jesum, daß er der Herr sei, und glaubest in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Toten auferweckt hat; so wirst du selig. Denn so man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und so man mit dem Munde bekennet, so wird man selig." Röm. 10,9.10.
Hiernach kann der nicht selig werden, welcher zwar den Glauben an Christum und seine Wahrheit in seinem Herzen tragen, aber denselben nicht mit dem Munde bekennen will. Sonach ist jeder Christ bei seiner Seligkeit verbunden, sich öffentlich von denen loszusagen, von welchen er erkennt, daß sie Christi Wahrheit verfälschen, und sich öffentlich zu denen zu bekennen und zu halten, von welchen er erkennt, daß sie für Christum und seine ungefälschte Wahrheit zeugen.
Daher spricht der Herr ferner: "Wer euch höret, der höret mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich." Luc. 10,16.
"Wo euch jemand nicht annehmen wird, noch eure Rede hören, so gehet heraus von demselbigen Hause oder Stadt, und schüttelt den Staub von euren Füßen! Wahrlich, ich sage euch: Dem Lande der Sodomer und Gomorrer wird es erträglicher ergehen am jüngsten Gericht, denn solcher Stadt. Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, der wird eines Propheten Lohn empfangen. Wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, der wird eines Gerechten Lohn empfangen." Matth. 10,14.15.40.41.
Daher schreibt denn auch St. Paulus an den Timotheus: "Schäme dich nicht des Zeugnisses unseres Herrn, noch meiner, der ich sein Gebundener bin; sondern leide dich mit dem Evangelio, wie ich, nach der Kraft Gottes." 2. Tim. 1,8.
Gottes Wort sagt es aber auch ausdrücklich, daß ein Christ Gemeinschaft halten solle mit denen, die den rechten Glauben bekennen, und sich hüten müsse, Ursache zu Trennungen und Spaltungen zu geben, sei es durch Wort oder durch Tat.
Denn also stehet geschrieben: "Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, durch den Namen unseres Herrn Jesu Christi, daß ihr allzumal einerlei Rede führet, und lasset nicht Spaltungen unter euch sein, sondern haltet fest aneinander, in Einem Sinn, und in einerlei Meinung. Denn mir ist vorgekommen, liebe Brüder, durch die aus Chloe's Gesinde von euch, daß Zank unter euch sei. Ich sage aber davon, daß unter euch einer spricht: Ich bin paulisch; der andere: Ich bin apollisch; der dritte: Ich bin kephisch; der vierte: Ich bin christisch. Wie? Ist Christus nun zertrennt? Ist denn Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr in Pauli Namen getauft?" 1. Cor. 1,10-13.
Ferner: "Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist, durch das Band des Friedens. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoffnung eures Berufes. Ein Herr, Ein Glaube, Eine Taufe, Ein Gott und Vater (unser) aller, der da ist über euch alle, und durch euch alle, und in euch allen." Eph. 4,3-6.
Endlich: "Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns; denn wo sie von uns gewesen wären, so wären sie ja bei uns geblieben; aber auf daß sie offenbar würden, daß sie nicht alle von uns sind." Joh. 2,19.
Dies alles sind Gründe, auf denen die Ermahnung des Apostels beruht: "Lasset uns ... nicht verlassen unsere Versammlung, wie etliche pflegen." (Hebr. 10,25.
Und der Ausspruch des Herrn: "Höret er die Gemeine nicht, so halte ihn als einen Heiden und Zöllner." Matth. 18,17.
So wird uns denn von den ersten Christen berichtet, nicht nur: "Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre," sondern auch: "und in der Gemeinschaft, und im Brotbrechen, und im Gebet. Alle aber, die gläubig waren geworden, waren beieinander ... Und sie waren täglich und stets bei einander einmütiglich im Tempel, und brachen das Brot hin und her in den Häusern, nahmen die Speise, und lobten Gott mit Freuden und einfältigem Herzen, und hatten Gnade bei dem ganzen Volk. Der Herr aber tat hinzu täglich, die da selig wurden, zu der Gemeine." Apost. 2,42.44.46.47. (Ende der Abschrift aus C.F.W. Walthers Buch)
In den Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche und in den Lehrschriften Luthers finden sich zu diesem Thema zahlreiche Artikel. Angefügt sei hier ein Zitat von Philipp Melanchthon, dem Mitarbeiter Luthers:
"Wir sollen wissen, daß es ein öffentliches Amt des Evangeliums und öffentliche Versammlungen geben müsse, wie Ephes. 4. Gesagt wird. Und zu diesem Haufen sollen wir uns scharen, dieses sichtbaren Haufens Bürger und Glieder sollen wir sein, wie der 25. Ps. gebietet: „Ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt;“ und Ps. 83.: „Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth. Diese und ähnliche Stellen reden nicht von einer platonischen Idee, sondern von der sichtbaren Kirche, in welcher die Stimme des Evangeliums schallt und in welcher das Amt des Evangeliums gesehen wird, durch welches sich Gott geoffenbart hat und durch welches er wirksam ist. Und wir sollen die Irrfahrer nicht loben, welche umher irren und sich keiner Kirche anschließen, weil sie nirgends ein solches Ideal finden, wo nichts in Sitten oder in Zucht vermisst würde; sondern wir sollen die Kirche suchen, in welcher die Artikel des Glaubens recht gelehrt und keine Abgöttereien vertheidigt werden und an diese sollen wir uns anschließen, ihre Lehre hören und lieben und unsere Anrufung und unser Bekenntnis mit ihren Gebeten und mit ihrem Bekenntnis verbinden. ... Wir sollen lernen sie unterstützen, damit keine Verwüstungen entstehen. Denn wo keine Versammlungen sind, da verstummt die Stimme des Evangeliums, wie die muhamedanischen Tyrannen an vielen Orten selbst nicht von den Ihrigen, gehalten werden. Wir sollen erkennen, daß solche teuflische Verwüstungen und Zerstreuungen ein erschreckliches und das höchste Uebel sei. Daher sollen wir auch Gott bitten, daß er seine Gemeinden erhalte, und wir selbst sollen sie nach allem unserem Vermögen befördern." (Unterstreichungen M.B.)
Es ist Gottes Wille, dass wir falsche Lehrer fliehen und meiden (Röm. 16,17.18; Tit. 3,10). Es ist nicht Gottes Wille, Christen (wenn sie falschgläubige Gemeinschaften verlassen haben) als „Selbstversorger“ leben, wenn sie sich doch einer rechtgläubigen Gemeinde anschließen könnten.
Viele Bibelverse offenbaren uns hier den ausdrücklichen Willen Christi. Auch etliche Fakten zeigen uns, dass Christus unbedingt Gemeinde will und dass Christen sich unbedingt unter seinem Wort und Sakrament sammeln sollen – das heißt sich unter die Seelsorge rechtgläubiger Prediger begeben sollen.
1. Christus hat die Apostel eingesetzt und damit das Predigtamt gestiftet, welches das außerordentliche Amt der Apostel in Wortverkündigung, Sakramentsverwaltung und Seelsorge fortsetzt. (Matth. 28,18-20; Apg. 14,23; Tit 1,5).
2. Zu beachten ist hier auch die Ermahnung Hebr. 13,17: „Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen; denn sie wachen über eure Seelen, als die da Rechenschaft dafür geben sollen, auf daß sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn das ist euch nicht gut.“
und 1.Thess. 5,12: Wir bitten euch aber, liebe Brüder, daß ihr erkennet, die an euch arbeiten und euch vorstehen in dem HErrn und euch vermahnen. Habt sie desto lieber um ihres Werks willen und seid friedsam mit ihnen.
3. Christus hat die Beichte und Absolution eingesetzt (Joh. 20,23) und seiner Kirche befohlen. Was der HERR Matth. 18,15-182 spricht (evangelische Gemeindezucht), ist nur möglich, wenn Christen seinem Willen folgen und sich in Gemeinden sammeln.
4. Nach der Bekehrung des Saulus vor Damaskus wird er von Christus an das Predigtamt verwiesen (an Ananias in Damaskus, Apg. 9,6.17-19).
Ein überaus wichtiger Punkt ist also die Seelsorge, der sich all diejenigen entziehen, die sich nicht verbindlich als Glieder an eine rechtgläubige Gemeinde anschließen. Jeder Christ hat Ermahnung nötig und kann leicht irren 3. Darum hat Christus die gegenseitige Ermahnung, aber auch den gegenseitigen Trost mit Gottes Wort befohlen.
Und wie steht es mit dem Sakrament des Heiligen Abendmahles? Verwehrt sich jemand selbst aus nichtigen Gründen 4 die verbindliche Gliedschaft in einer rechtgläubigen Gemeinde, zeigt sich nicht darin auch ein leichtfertiger, ja fast verachtend erscheinender Umgang mit dem von Christus eingesetzten Sakrament seines Leibes und Blutes?
Vorbild für einen jeden Christen sollte daher die Gemeinde zu Jerusalem sein: „Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“ Apg. 2,42.
1respective, d.h. „genauer gesagt“
2Sündiget aber dein Bruder an dir, so gehe hin und strafe ihn [d.h. „weise ihn zurecht“] zwischen dir und ihm allein. Höret er dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Höret er dich nicht, so nimm noch einen oder zwei zu dir, auf daß alle Sache bestehe auf zweier oder dreier Zeugen Mund. Höret er die nicht, so sage es der Gemeinde. Höret er die Gemeinde nicht, so halt ihn als einen Heiden und Zöllner. Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein. (Matth. 18,15-18)
3Darum wer, sich lässet dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. (1.Kor. 10,12)
4siehe oben bei Melanchthon: „... welche umher irren und sich keiner Kirche anschließen, weil sie nirgends ein solches Ideal finden, wo nichts in Sitten oder in Zucht vermisst würde...“




