[Auszug aus: C.F.W. Walther, Kirche und Amt, These VIII, C]
Ein jeder Christ ist bei seiner Seligkeit verbunden, sich zu den rechtgläubigen Gemeinden und ihren rechtgläubigen Predigern zu bekennen und resp. zu halten, wo er solche findet.
1. Beweis aus Gottes Wort.
Der Herr spricht: "Wer mich bekennet vor den Menschen, den will Ich bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will Ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater." Matth. 10,32.32.
Ferner: "Wer sich aber mein und meiner Worte schämet, des wird sich des Menschensohn auch schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit, und seines Vaters, und der heiligen Engel." Luk. 9,26.
Endlich schreibt sein heiliger Apostel: "So du mit deinem Munde bekennest Jesum, daß er der Herr sei, und glaubest in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Todten auferwecket hat; so wirst du selig. Denn so man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und so man mit dem Munde bekennet, so wird man selig." Röm. 10,9.10.
Hiernach kann der nicht selig werden, welcher zwar den Glauben an Christum und seine Wahrheit in seinem Herzen tragen, aber denselben nicht mit dem Munde bekennen will. Demnach ist jeder Christ bei seiner Seligkeit verbunden, sich öffentlich von denen loszusagen, von welchen er erkennt, daß sie Christi Wahrheit verfälschen, und sich öffentlich zu denen zu bekennen und zu halten, von welchen er erkennt, daß sie für Christum und seine ungefälschte Wahrheit zeugen.
Daher spricht der Herr ferner: "Wer euch höret, der höret mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich." Luk. 10,16.
"Wo euch jemand nicht annehmen wird, noch eure Rede hören, so gehet heraus von demselbigen Hause oder Stadt, und schüttelt den Staub von euren Füßen! Wahrlich, ich sage euch: Dem Lande der Sodomer und Gomorrer wird es erträglicher ergehen am jüngsten Gericht, denn solcher Stadt. Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, der wird eines Propheten Lohn empfangen. Wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, der wird eines Gerechten Lohn empfangen." Matth. 10,14.15.40.41.
Daher schreibt denn auch St. Paulus an den Timotheus: "Schäme dich nicht des Zeugnisses unseres Herrn, noch meiner, der ich sein Gebundener bin; sondern leide dich mit dem Evangelio, wie ich, nach der Kraft Gottes." 2.Tim. 1,8.
Gottes Wort sagt es aber auch ausdrücklich, daß ein Christ Gemeinschaft halten solle mit denen, die den rechten Glauben bekennen, und sich hüten müsse, Ursache zu Trennungen und Spaltungen zu geben, sei es durch Wort oder durch That. Denn also stehet geschrieben: "Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, durch den Namen unseres Herrn Jesu Christi, daß ihr allzumal einerlei Rede führet, und lasset nicht Spaltungen unter euch sein, sondern haltet fest aneinander, in Einem Sinn, und in einerlei Meinung. Denn mir ist vorgekommen, liebe Brüder, durch die aus Chloe's Gesinde von euch, daß Zank unter euch sei. Ich sage aber davon, daß unter euch einer spricht: Ich bin Paulisch; der andere: Ich bin Apollisch; der dritte: Ich bin Kephisch; der vierte: Ich bin Christisch. Wie? Ist Christus nun zertrennet? Ist denn Paulus für euch gekreuziget? Oder seid ihr in Pauli Namen getauft?" 1.Kor. 1,10-13.
Ferner: "Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist, durch das Band des Friedens. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoffnung eures Berufes. Ein Herr, Ein Glaube, Eine Taufe, Ein Gott und Vater (unser) aller, der da ist über euch alle, und durch euch alle, und in euch allen." (Eph. 4,3-6.
Endlich: "Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns; denn wo sie von uns gewesen wären, so wären sie ja bei uns geblieben; aber auf daß sie offenbar würden, daß sie nicht alle von uns sind." 1.Joh. 2,19.
Dieß alles sind Gründe, auf denen die Ermahnung des Apostels beruht: "Lasset uns ... nicht verlassen unsere Versammlung, wie etliche pflegen," (Hebr. 10,25. Und der Ausspruch des Herrn: "Höret er die Gemeinde nicht, so halte ihn als einen Heiden und Zöllner." Matth. 18,17.
So wird uns denn von den ersten Christen berichtet, nicht nur: "Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre," sondern auch: "und in der Gemeinschaft, und im Brotbrechen, und im Gebet. Alle aber, die gläubig waren geworden, waren beieinander ... Und sie waren täglich und stets bei einander einmütiglich im Tempel, und brachen das Brot hin und her in den Häusern, nahmen die Speise, und lobten Gott mit Freuden und einfältigem Herzen, und hatten Gnade bei dem ganzen Volk. Der Herr aber tat hinzu täglich, die da selig wurden, zu der Gemeine." Apost. 2,42.44.46.47.
1. Zeugnisse der Kirche in ihren öffentlichen Bekenntnissen.
Concordienformel: "Und nachdem gleich nach der Apostel Zeit, auch noch bei ihrem Leben falsche Lehrer und Ketzer eingerissen und wider dieselbige in der ersten Kirchen Symbola d. i.. kurze, runde Bekenntnisse gestellet, welche vor den einhelligen, allgemeinen Christlichen Glauben und Bekenntniß der rechtgläubigen und wahrhaftigen Kirchen gehalten, als nämlich: das Symbolum apostolicum, Symbolum Nicaenum und Symbolum Athanasii; bekennen wir uns zu denselben und verwerfen hiermit alle Ketzereien und Lehre, so denselben zuwider in die Kirche Gottes eingeführet worden sind. ... Zum dritten, dieweil in diesen letzten Zeiten der gütige Gott aus sondern Gnaden die Wahrheit seines Worts aus der gräulichen Finsterniß des Pabstthums durch den getreuen Dienst des theuren Mannes Gottes Dr. Luthers wieder ans Licht gebracht hat und dieselbige Lehr aus und nach Gottes Wort wider des Pabstthums und auch anderer Secten Verfälschung in die Artikel und Hauptstück der Augsburgischen Confession zusammengezogen ist, so bekennen wir uns auch zu derselben ersten ungeänderten Augsb. Confession, nicht derwegen, daß sie von unsern Theologis gestellet, sondern will sie aus Gottes Wort genommen und darinnen fest und wohl gegründet ist, allermaßen, wie sie An. 30. etc. in Schriften verfasset und dem Kaiser Carolo V. von etlichen christlichen Churfürsten und Ständen des röm. Reichs als ein allgemein Bekenntniß der reformirten Kirchen zu Augsburg übergeben, als dieser Zeit unserm Symbolo, durch welches unsere reformirte Kirchen von der Papisten und andern verworfenen und verdammten Secten und Ketzereien abgesondert worden, inmassen denn solches in der alten Kirchen herkommen und gebräuchlich gewesen, daß die folgende Synodi, Christliche Bischöfe und Lehrer sich auf das Nicänische Symbolum gezogen und darzu bekannt haben." (Summ. Begriff und Wiederholung. [Müller pg. 517.569.])
Hieraus ist deutlich zu ersehen, daß unsere Kirche, weit entfernt ist, sich durch ihre Trennung von dem Pabstthum von der wahren rechtgläubigen christlichen Kirche trennen zu wollen, damit vielmehr der wahren Kirche aller vergangenen Zeit hat treu sein wollen. Ja, sie hat sich dadurch so wenig von derselben absondern wollen, daß sie sich in der Augsburgischen Confession vielmehr auf ihre Uebereinstimmung nicht nur mit der Schrift, sondern auch mit der Kirche, und nicht nur mit dieser überhaupt, sondern auch mit der rechten römischen insonderheit berufen und also erklärt hat: "So denn dieselbige (unsere Lehre) in heiliger Schrift klar gegründet, und darzu auch gemeiner christlicher, ja römischer Kirchen, so viel aus der Väter Schrift zu vermerken, nicht zuwider noch entgegen ist, so achten wir auch, unsre Widersacher können in obangezeigten Artikeln nicht uneinig mit uns sein." (Schluß der 21 Artikel. [Müller pg. 47.]) wie aber immer die ganze spätere Kirche sich zur früheren bekennen soll, so soll sich auch jeder einzelne Christ immer zur rechtgläubigen Kirche bekennen und halten.
1. Zeugnisse der Kirche in den Privatschriften ihrer Lehrer.
Luther: "Ich sehe, daß eine gute Vermahnung Noth ist, zu thun an die, so jetzt der Satan anfähet zu verfolgen. Unter welchen etliche sind, die meinen, sie wollen der Fährlichkeit damit entlaufen, wenn man sie angreift, daß sie sagen: ich halt's nicht mit dem Luther, noch mit jemand, sondern mit dem heiligen Evangelio und mit der heiligen oder römischen Kirchen; so läßt man sie mit Frieden. Und behalten doch im Herzen meine Lehre für evangelisch und bleiben dabei. Wahrlich solch Bekenntniß hilft sie nicht, und ist eben so viel, als Christum verleugnet. Darum bitte ich, dieselben wollten sich ja wohl vorsehen. Wahr ist's, daß du ja bei Leib und Seel nicht sollt sagen: Ich bin Lutherisch oder Päbstisch; denn derselb ist keiner für dich gestorben, noch dein Meister, sondern allein Christus, und sollt dich (für einen) Christen bekennen. Aber wenn du es dafür hältest, daß des Luthers Lehre evangelisch, und des Pabsts unevangelisch sei, so mußt du den Luther nicht sogar hinwerfen; du wirfest sonst seine Lehre auch mit hin, die du doch für Christus Lehre erkennest. Sondern also muß du sagen: Der Luther sei ein Bube oder Heiliger, da liegt mir nichts an, seine Lehre aber ist nicht sein, sondern Christus selbst. Denn du siehest, daß die Tyrannen nicht damit umgehen, daß sie nur den Luther umbringen; sondern die Lehre wollen sie vertilgen, und von der Lehre wegen tasten sie dich billig an, und fragen dich, ob du lutherisch seiest. Hie mußt du wahrlich nicht mit Rohrworten reden, sondern frei Christum bekennen, es hab ihn Luther, Claus, oder Georg gepredigt. Die Person lasse fahren, aber die Lehre mußt du bekennen. Also schreibt auch St. Paulus an Timotheum 2. Tim. 1,8.: 'Schäme dich nicht des Zeugniß unsers Herrn, noch meiner, der ich um seinetwillen gebunden bin.' Wenn hie Timotheo genug gewesen wäre, daß er das Evangelium bekennte, hätte ihm Paulus nicht geboten, daß er sich sein auch nicht schämen sollte; nicht als der Person Pauli, sondern als der um des Evangelii willen gebunden war. Wo nun Timotheus hätte gesagt: Ich halte es nicht mit Paulo noch mit Petro, sondern mit Christo, und wußte doch, daß Petrus und Paulus Christum lehreten, hätte er doch Christum selbst damit verleugnet. Denn Christus spricht Matth. 10. von denen, die ihn predigen: 'wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; wer euch verachtet, der verachtet mich.' Warum das? Darum, daß sie seine Boten (die sein Wort bringen) also halten; darum ist's gleich, als (ob) er selbst und sein Wort also gehalten würden." (Meinung von beider Gestalt des Sacraments zu nehmen. 1522. XX. 136. 137.)
Derselbe: "Zudem, so ist dieser Artikel" (von der Gegenwart des Leibes und Blutes Jesu Christ im hl. Abendmahl) "nicht eine Lehre oder Aufsatz außer der Schrift, von Menschen erdichtet, sondern klärlich im Evangelio durch helle, reine, ungezweifelte Worte Christi gestiftet und gegründet, und von Anfang der Christlichen Kirchen in aller Welt bis auf diese Stunde einträchtiglich gegläubet und gehalten. Wie das ausweisen der lieben Väter Bücher und Schrift, beide griechischer und lateinischer Sprache, dazu der tägliche Brauch und das Werk mit der Erfahrung bis auf diese Stunde. Welches Zeugniß der ganzen heiligen Christlichen Kirchen (wenn wir schon nichts mehr hätten,) soll uns allein gnugsam sein, bei diesem Artikel zu bleiben und darüber keinen Rottengeist zu hören, noch zu leiden. Denn es gefährlich ist und erschrecklich, etwas zu hören oder zu gläuben wider das einträchtige Zeugniß, Glauben und Lehrer der ganzen heiligen Christlichen Kirchen, so von Anfang her nun über funfzehn hundert Jahr in aller Welt einträchtiglich gegolten hat. Wenns ein neuer Artikel wäre und nicht von Anfang der heiligen Christlichen Kirchen, noch bei der ganzen Christenheit in aller Welt so einträchtiglich gehalten, wäre es nicht so fährlich noch schrecklich, daran zu zweifeln, oder disputiren, ob es recht sei. Nun er aber von Anfang her und so weit die ganze Christenheit ist, einträchtiglich gehalten ist: wer nun daran zweifelt, der thut eben so viel, als gläubet er keine Christliche Kirche, und verdammt damit nicht allein die ganze heilige Christliche Kirche, als eine verdammte Ketzerin, sondern auch Christum selbst mit allen Aposteln und Propheten, die diesen Artikel, da wir sprechen: 'Ich gläube eine heilige Christliche Kirche,' gegründet haben und gewaltig bezeuget, nehmlich Christus Matth. 28,20.: 'Siehe, ich bin bei euch bis an der Welt Ende;' und St. Paulus 1. Tim. 3,19.: 'Die Kirche Gottes ist eine Säule und Grundfeste der Wahrheit.' Ew. F. Gnaden müssen bedenken, wo Sie solche Rottengeister würden zulassen und leiden, so sie es doch wehren und vorkommen können, würden Sie Ihr Gewissen gräulich beschweren und vielleicht nimmermehr wieder stillen können, nicht allein der Seelen haben, die dadurch verführet und verdammet würden, welche E. F. G. wohl hätten können erhalten, sondern auch der ganzen heiligen Kirchen halben, wider welcher so lang hergebrachten und allenthalben gehaltenen Glauben und einträchtig Zeugniß etwas zu lehren gestatten, so mans wohl könnte wehren, ein unträglich Last ist des Gewissens. Ich wollt lieber nicht allein aller Rottengeister, sondern aller Kaiser, Könige und Fürsten Weisheit und Recht wider mich lassen zeugen, denn ein Jota oder ein Tüttel der ganzen heiligen Christlichen Kirchen wider mich hören oder sehen. Denn es ist ja nicht so zu scherzen mit Artikeln des Glaubens, von Anfang her und so weit die Christenheit ist einträchtiglich gehalten, wie man scherzen mag mit päbstlichen oder kaiserlichen Rechten oder andern menschlichen Traditionen der Väter oder Concilien." (Sendbrief wider etliche Rottengeister an Marggraf Albrechten zu Brandenburg. Anno 1532. XX. 2096-98.)
Melanchthon: "Wir sollen wissen, daß es ein öffentliches Amt des Evangeliums und öffentliche Versammlungen geben müsse, wie Ephes. 4. Gesagt wird. Und zu diesem Haufen sollen wir uns schaaren, dieses sichtbaren Haufens Bürger und Glieder sollen wir sein, wie der 25. Ps. Gebietet: 'Ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt;' und Ps. 83.: 'Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth.' Diese und ähnliche Stellen reden nicht von einer Platonischen Idee, sondern von der sichtbaren Kirche, in welcher die Stimme des Evangeliums schallt und in welcher das Amt des Ev. Gesehen wird, durch welches sich Gott geoffenbart hat und durch welches er wirksam ist. Und wir sollen die Irrfahrer nicht loben, welche umher irren und sich keiner Kirche anschließen, weil sie nirgends ein solches Ideal finden, wo nichts in Sitten oder in Zucht vermißt würde; sondern wir sollen die Kirche suchen, in welcher die Artikel des Glaubens recht gelehrt und keine Abgöttereien vertheidigt werden und an diese sollen wir uns anschließen, ihre Lehre hören und lieben und unsere Anrufung und unser Bekenntniß mit ihren Gebeten und mit ihrem Bekenntniß verbunden. ... Wir sollen lernen sie unterstützen, damit keine Verwüstungen entstehen. Denn wo keine Versammlungen sind, da verstummt die Stimme des Evangeliums, wie die muhamedanischen Tyrannen an vielen Orten selbst nicht von den Ihrigen, gehalten werden. Wir sollen erkennen, daß solche teuflische Verwüstungen und Zerstreuungen ein erschreckliches und das höchste Uebel sei. Daher sollen wir auch Gott bitten, daß er seine Gemeinden erhalte, und wir selbst sollen sie nach allem unserem Vermögen befördern."
J. Gerhard: "Da außerhalb der Kirche keine Seligkeit ist und da derjenige Gott im Himmel nicht zum Vater hat, der die Kirche auf Erden nicht zur Mutter hat, daher ist es nöthig, daß wir gewiß seien, welchem Haufen der Name und die Definition der Kirche zukomme, damit wir uns an dieselbe anschließen, von der Kirche der Boshaftigen aber uns scheiden. Dieselbe Nothwendigkeit, diese Lehre (von der Kirche) zu kennen, legen uns die Disputationen der Papisten auf, welche auf diesen Artikel die hauptsächlichste Hoffnung des Sieges setzen und den Titel der katholischen Kirche für sich allein in Anspruch nehmen. ... Es gibt auch manche andere Irrthümer schwärmerischer Menschen über die Kirche, indem nehmlich die einen, das Amt des Wortes und der Sacramente verachtend, mit ihren Inspirationen (Eingebungen) und Offenbarungen prahlen und sich rühmen, daß sie die wahre Kirche Christi seien; indem andere, wenn sie an die Kirche denken, sich umsehen, wo der größere Haufe sei und wohin sich die Mächtigeren und Gelehrteren neigen, und dafürhalten, daß dieser Haufe die Kirche sei; indem noch andere den Heiden, welche außer der Kirche und ohne seligmachende Erkenntniß Christi sind, die Seligkeit zuschreiben; indem wieder andere sich fälschlich vorstellen, die Kirche sie der Zusammenfluß aller Secten, wenn dieselben nur den Namen Christen vor sich her tragen; indem wieder andere sich an keine Gemeinschaft anschließen, um keine Kirche sich bekümmern, sondern ihren besonderen Meinungen nachhängen und nichts destoweniger die Seligkeit hoffen; indem endlich manche wegen der Bösen, die der Kirche in diesem Leben beigemischt sind, sich von der Kirche trennen etc. Wegen dieser und anderer Verfälschungen ist es nöthig, daß die Lehre von der Kirche aus den Gründen der Schrift fleißig erklärt werde."
Hier. Kromayer: "Es ist nöthig, daß man die wahre Kirche suche. Dieß leugnen die Remonstranten, indem sie den Fußtapfen Socins folgen, welcher die frage, welches die Kirche sei und bei welchen die Kirche sei, für unnöthig, ja, fast für unnütz achtet, sonderlich darum, daß er desto besser und sicherer mit den Seinen versteckt bleiben und seine Glaubenssätze ausstreuen könne. Daß es uns aber geboten sei, nicht allein, nach der wahren Lehre zu forschen und dieselbe von der falschen zu unterscheiden, sondern auch, uns der wahren Kirche anzuschließen und mit ihr Gemeinschaft zu haben, dieß beweisen wir1) aus Matth. 7, 13. 14.: 'Gehet ein durch die enge Pforte' etc.; 2) aus Röm. 16,17.: 'Ich ermahne aber euch, l. Br., daß ihr aufsehet auf die, die da Zertrennung und Aergerniß anrichten neben der Lehre, die ihr gelernt habt, und weichet von denselbigen;' 3) aus 1. Joh. 4,1.: 'Ihr Lieben, glaubet nicht einem jeglichen Geist' etc.; 4) aus 2. Cor. 6,14. 15.: 'Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen' etc.; 5) aus Ephes. 4,3. ff.: 'Seid fleißig zu halten die Einigkeit' etc. ... Die Wahrheit ist (also) nicht nur zu erkennen, sondern auch mit den Bekennern derselben Gemeinschaft zu pflegen nach den Aussprüchen: Ephes. 4,3. und 1. Cor. 12,12. ff.: 'Gleichwie Ein Leib ist, und hat doch viele Glieder; alle Glieder aber Eines Leibes, wiewohl ihrer viele sind, sind sie doch Ein Leib: also auch Christus. Denn wir sind, durch Einen Geist, alle zu Einem Leibe getauft' etc. Ebr. 10,25.: 'Lasset uns nicht verlassen unsere Versammlung' etc."
Calov: "Ob man die wahre Kirche suchen müsse, um sich ihr anzuschließen?
Socinus in dem Tractat von der Kirche und der Sendung der Kirchendiener im ersten Capitel hält dafür, daß die Frage: 'welche und bei welchen die Kirche?' nicht nöthig, ja fast unnütz sei, und beweist daraus, daß die Kirche nicht nothwendiger Weise an den Kennzeichen erkennt werden müsse, weil es an sich nicht nothwendig sei, daß die wahre Kirche gesucht und erkannt werde; und dieß Letztere beweist er wiederum daraus, daß es zur Seligkeit genug sei, die Gebote Christi zu halten, Christus aber habe nirgends befohlen, die Kirche zu suchen. Wenn ihm nun entgegengehalten wird, daß doch Jedermann in der wahren Kirche Christi sein müsse, und daraus auch nothwendig folge, daß er die wahre Kirche Christi suche und erkenne, so leugnet er diese Folgerung, denn, behauptet er, sobald Jemand die wahre Lehre Christi habe, sei er thatsächlich in der wahren Kirche, oder, um es zu sein, habe er nicht nöthig zu forschen, welche die wahre Kirche Christi sei, da er es schon wisse; denn er wisse, wer die Andern seien, welche dieselbe heilsame Lehre Christi haben. - Obgleich wir nun allerdings bekennen, daß es nicht durchaus und absolut nothwendig sei, zu wissen, welche und bei welchen die wahre Kirche sei (so daß der Mensch nicht selig werden könne, er wisse es denn und gehöre gliedlich zur sichtbaren Kirche), wenn er nur der unsichtbaren Kirche angehört; welches na anderen Orten gegen die Papisten bewiesen wird: so können wir dennoch nicht ohne weiteres den Socinianern zustimmen, welche zu kalt und gleichgültig über die Nothwendigkeit und den Nutzen, nach der wahren Kirche zu forschen, urtheilen etc., als sei es in keiner Weise nothwendig, die wahre Kirche zu erkennen, um sich ihr anzuschließen, da es nicht nur nicht befohlen, sondern auch schier unnütz sei, darnach zu fragen. Diese Behauptung wird von Socinus ohne Zweifel zu dem Ende aufgestellt, daß er für sich und andere eine Ausflucht zur Hand habe, welche aus dieser Secte zu irgend einer Kirche sich nicht versammeln wollen oder nicht wohl können, und auch der Meinung sind, daß wenig darauf ankomme. Und dieß ist kein Wunder, da sie ja selbst die Sacramente, die sonst nirgens, als in der Kirche, ausgetheilt werden, für Nichts oder doch sehr gering achten, sie wenigstens nicht für Mittel der Seligkeit halten. Wir führen daher mit Wenigem gegen Socinus an: 1) die Namen der Kirche. Denn sie wird genannt der Leib Christi Eph. 1,23. 4,12.; das Himmelreich Matth. 3,2.; die Stadt Gottes Offbg. 3,12. 11,2.; das Haus Gottes 1. Tim. 3,15. Die Glieder dürfen also nicht getrennt sein vom Leibe, die Söhne des Reichs sollen, soweit es geschehen kann, im Reiche, die geistigen Bürger in der Stadt Gottes, die Hausgenossen Gottes in seinem Hause sein; nicht aber fern von dem Leibe, dem Reiche, der Stadt und dem Hause Gottes, daß sie sich nicht dazu sammeln sollten, soviel es möglich ist, auch der äußeren Gemeinschaft nach. 2) Das Vorbild der Arche Noä, welche ohne Zweifel die wahre Kirche bedeutet hat. Wie aber diejenigen allein, welche sich innerhalb der Arche Noä befanden, gerettet wurden, die übrigen aber in der Sündfluth umkamen, welche sich außerhalb der Arche befanden, so ist auch außerhalb der Kirche kein Heil und nur in ihr allein werden wir vor der Sündfluth des göttlichen Zorns erhalten. 12. Petr. 3,18. Aehnlich verhält es sich mit dem Vorbild der Israelitischen Wohnungen in Egypten, welche der Würgengel nicht berührte, während er außerhalb derselben alle Erstgeburt schlug, Exod. 12,13.; ferner mit dem Hause der Rahab, in welchem errettet wurden, die darein aufgenommen, während diejenigen, welche draußen waren, ausgerottet wurden. Josua 2,9. 6,21. Vgl. Cyprians Briefe. 3) Die Gleichnisse. Die Kirche wird einem Schafstalle verglichen Joh. 10., wie aber die Schafe, welche außerhalb des Schafstalls umherschweifen, eine Beute der Wölfe oder der Diebe werden, so ist auch uns der Untergang bereitet, wenn wir uns nicht mit der Kirche verbinden. Sie wird mit Jerusalem, verglichen Gal. 4,26. Ebr. 12,22. Offbg. 3,12. Wie nun nach Jerusalem kommen mußten, welche Gott einen öffentlichen Gottesdienst erwiesen und Opfer brachten Psalm 87,2., wo Gott sein Feuer und seinen Herd hatte, Jes. 31,9., so müssen auch wir uns der Kirche anschließen, damit wir Gott dienen. Die Kirche wird unsere Mutter genannt Gal. 4,26., daher müssen sich alle ihre Kinder zu ihr sammeln, daß sie an ihren Brüsten ernährt werden zum Leben. Vgl. Irenäus. 4) Den Befehl Christi Matth. 18,17.: 'Sag's der Kirche;' denn wenn man der Kirche Etwas sagen soll, so muß man nothwendig wissen, wo und welche die wahre Kirche sei, und man muß daher darnach forschen, welches die Kirche sein, keineswegs aber darf dieses für etwas Unnützes gehalten werden. 5) Den Befehl des Apostels Hebr. 10,25.: 'Laßt uns die Versammlung nicht verlassen.' Wenn man die Versammlung nicht verlassen soll, so muß man sich der heil. Versammlung und Kirche anschließen, und darum ist es auch nothwendig, zu untersuchen, wo sie sei. 6) Den allgemein angenommenen Grundsatz: "Außer der Kirche ist kein Heil," welcher bewiesen werden kann aus Eph. 2,12 fg. 4,16. 5,8. 1. Petr. 2,9. und 10. Offenb. 22,15. Wenn ordentlicher Weise außer der Kirche kein Heil ist, so muß man, um des Heils theilhaftig zu werden, die Kirche suchen, damit man, wenn nicht der That, doch dem Verlangen nach zu ihr versammelt werde, und so es geschehen kann, auch der äußern Gemeinschaft mit ihr sich erfreue; darf aber nicht versäumen, nach ihr zu forschen. 7) Die der Kirche anvertrauten Güter. Wem Gott seine geistlichen und himmlischen Güter anvertraut hat, damit sie ordentlicher Weise dort ausgetheilt werden, den aufzusuchen, darf nicht für unnütz oder weniger nothwendig gehalten werden. Der Kirche aber hat Gott sie anvertraut, nämlich das Wort, die Sacramente, die Schlüssel des Himmelreichs, die Gewalt zu lösen und zu binden, damit da die geistlichen Güter ausgetheilt werden; daher sind Wiedergeburt, Erneuerung, Erleuchtung, Vergebung der Sünden, Heiligung und die Gabe des h. Geistes der Kirche eigenthümlich gehörende Güter. Und wie nun dieselben in der Kirche sich befinden, so muß man auch allerdings nach der Kirche forschen, damit man zum Genuß derselben komme. 8) Die der Gemeinschaft der Heiligen gegebene Verheißung; denn ihr hat Christus insbesondere seine Gegenwart verheißen Matth. 18,20.: 'Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.' Es ist also nöthig, daß wir unter denen uns finden, welche in Christi Namen versammelt sind, nach ihnen forschen und uns zu ihnen halten, damit wir dieser besondern Verheißung theilhaftig werden können. 9) Das herzliche Verlangen der Frommen, welche, weit entfernt die Gemeinschaft mit der Kirche Gottes für gar nicht nöthig, ja fast für unnütz zu halten, sich herzlich und brünstig gerade nach derselben gesehnt haben. Psalm 26,8. 27,4. 42,3. 84. 'Wohl denen - sagt der Psalmist - die in deinem Hause wohnen, die loben dich immerdar.' 10) Die Uebereinstimmung der alten Väter, Irenäus: 'Der Wirkung des h. Geistes sind alle diejenigen nicht theilhaftig, welche sich nicht nur Kirche halten, denn wo die Kirche, daselbst ist auch der Geist, und wo der Geist des Herrn, da ist die Kirche und alle Gnade.' Vgl. Cyprian über die Einheit der Kirche. Augustin schreibt: ' De hat Gott nicht zum Vater, der nicht die Kirche zur Mutter hat.' Derselbe: 'Wer sich von der Kirche getrennt hat, der mag noch so löblich zu leben sich einbilden, wegen dieses Einen Verbrechens, daß er sich von der Gemeinschaft Christi losgerissen, wird er das Leben nicht haben, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm'."
Quenstedt: "Außer der sichtbaren Kirche ist keine unsichtbare zu suchen, sondern diese ist in jener eingeschlossen."
Also redet endlich hiervon die alte Kirche:
Ignatius: "Niemand täusche sich: wo einer nicht innerhalb des Altars ist, so kommt er um seinen Antheil am Brode Gottes. Denn wenn das Gebet des einen und anderen so große Kraft hat, wie viel mehr das, welches der Bischof mit der ganzen Kirche thut? Wer daher nicht in die Versammlung kommt, der steht schon in Selbstüberhebung und hat sich schon selbst gerichtet. Denn es stehet geschrieben: 'Gott widerstehet den Hoffärtigen.' Wir sollen uns daher in Acht nehmen, dem Bischof nicht zu widerstehen, damit wir Gott unterthan seien."
Derselbe: "Gleichwie denn der Herr ohne den Vater nichts gethan hat, dieweil er mit ihm eins war, weder in eigner Person, noch durch die Apostel: so sollt auch ihr ohne den Bischof und die Presbyter nichts ausführen. Versuchet auch nicht nach eurer Privatmeinung über das, was zweckgemäß sei, zu entscheiden. Sondern in Gemeinsamkeit Ein Beten, Ein Flehen, Ein Sinn, Eine Hoffnung in Liebe, in heiliger Freude! Einer ist Jesus Christus, über ihn geht nichts. So kommt denn alle als in Einem Gottes-Tempel zusammen, als zu Einem Altare, als zu Einem Jesus Christus, der von Einem Vater hergekommen und bei Einem (Vater) ist, zu dem er hingegangen. Laßt euch nicht irre machen durch irrgläubige Meinungen, nicht durch alte Fabeleien - Dinge, die nichts frommen."
Clemens Romanus: "Ihr daher, die ihr den Grund zu dem Aufstand gelegt habt, seid den Aeltesten in Gehorsam unterworfen und nehmet die Bestrafung zur Buße an, die Kniee eures Herzens beugend. Lernet euch unterwerfen und leget die ruhmräthige und stolze Vermessenheit eurer Zunge ab; denn es ist euch besser in der Heerde Christi klein und gutes Namens erfunden zu werden, als über das Maß von euch haltend, der Hoffnung desselben verlustig zu gehen."
Irenäus: "In der Kirche hat Gott die Apostel, Propheten, Lehrer und die ganze übrige Wirksamkeit des Geistes eingesetzt, dessen alle diejenigen nicht theilhaftig sind, welche sich nicht zur Kirche schaaren, sondern sie betrügen sich selbst um das Leben durch ihre böse Meinung und ihre überaus bösen Werke."




