Epistel und Evangelium am Sonntag Rogate (lat.: Bittet!)
Epistel Jakobus 1,22-27 | Evangelium Johannes 16,23b-30 |
22 Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. 23 Denn so jemand ist ein Hörer des Worts und nicht ein Täter, der ist gleich einem Mann, der sein leiblich Angesicht im Spiegel beschauet; 24 denn nachdem er sich beschauet hat, gehet er von Stund' an davon und vergisset, wie er gestaltet war. 25 Wer aber durchschauet in das voll kommene Gesetz der Freiheit und darinnen beharret und ist nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Täter, derselbige wird selig sein in seiner Tat.
26 So aber sich jemand unter euch lässet dünken, er diene GOtt, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern verführet sein Herz, des Gottesdienst ist eitel. 27 Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor GOtt dem Vater ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich von der Welt unbefleckt behalten. |
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinen Namen, so wird er's euch geben. 24 Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei.
25 Solches hab' ich zu euch durch Sprichwörter geredet. Es kommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprichwörter mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. 26 An demselbigen Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will; 27 denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum daß ihr mich liebet und glaubet, daß ich von GOtt ausgegangen bin. 28 Ich bin vom Vater ausgegangen und kommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.
29 Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus und sagest kein Sprichwort. 30 Nun wissen wir, daß du alle Dinge weißt und bedarfst nicht, daß dich jemand frage. Darum glauben wir, daß du von GOtt ausgegangen bist. |
Vor seinem Leiden und Sterben hat Christus sehr ausführlich mit seinen Jüngern gesprochen und sie gelehrt. Dies geschah einerseits mit dem Ziel: Solches habe ich zu euch geredet, daß ihr euch nicht ärgert.(Joh. 16,1) , andererseits: Und nun hab' ich's euch gesagt, ehe denn es geschiehet, auf daß, wenn es nun geschehen wird, daß ihr glaubet. (Joh. 14,29). Wir nennen diesen Abschnitt (Joh. 14 bis 16) die „Abschiedsreden“ Jesu.
In unserem Evangelium gibt der HERR die große Zusage der Erhörung für die Bitten, die wir in seinem Namen an Gott den Vater richten. Solange Jesus bei den Aposteln war, hatte sie nicht ausdrücklich und bewußt in seinem Namen zu Gott gebetet, denn in Jesus war ja Gott direkt bei ihnen. Mit seinem Tod, seiner Auferstehung und vor allem nach seiner Himmelfahrt sollte das dann anders werden.
Durch ihn haben wir den direkten Zugang zu Gott. Wir sollen nicht meinen, wir benötigten einen Umweg (Katholiken: Maria), denn wir dürfen und sollen im Namen Christi, unseres Heilandes, d.h. im Glauben an ihn allezeit und an jedem Ort zu Gott beten – auch für Dinge, die uns gering erscheinen und dennoch große Sorgen bereiten. Darum spricht Christus, es sei nicht nötig, dass er für uns bitte... Und dennoch tritt er für uns ein, wie wir in Röm. 8,34 und Hebr. 7,25 lesen.Auch der Heilige Geist vertritt uns auf das Beste (Röm. 8,26.27). So spricht Christus hier also von der Zeit nach seiner Auferstehung und verheißt den Aposteln und uns, daß Gott der HERR uns hört und erhört.
Die Epistel führt von daher mitten hinein in das praktische Christenleben. Da haben wir allen Grund, unser Vater im Himmel oft um Hilfe anzurufen – z.B. damit wir auch heilig als Kinder Gottes nach seinem Willen leben, Anfechtungen bestehen und Versuchungen überwinden. In diesem Leben und Handeln als Kinder Gottes werden wir „selig sein“ (d.h. in Gott glücklich und froh). Wir werden darin nicht selig sein durch diese Tat, sondern in dieser Tat.




