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Start Gottes- oder Menschengebot? Anmerkungen zu einem "Offenen Brief"

Anmerkungen zu einem "Offenen Brief"

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Zu „Ein offener Brief“ von Herrn XY, F....dt

Wie gleich aus dem Anfang des Briefes zu erkennen ist, geht es dem Schreiber um ein ernsthaftes christliches Leben. Sein Anliegen und das der Gemeinde F....dt ist, der Verweltlichung der Christen entgegen zu wirken. Dies ist lobenswert, denn das fortschreitende Abirren von Gottes Wort und dem christlichen Leben muss jedem auffallen, der die Entwicklung der Gemeinden landauf landab beobachtet. Darum trifft wohl auf Herrn XY und die Gemeinde F....dt das Wort des Apostels zu: „Denn ich gebe ihnen das Zeugnis, dass sie eifern um GOtt...“ (Röm. 10,2a).

Im ersten Abschnitt (vor den Punkten 1-6) ist viel Richtiges zu lesen, dem wir nur zustimmen können. Uns liegt der ernsthafte Umgang mit Gottes Wort und der Erweis des seligmachenden Glaubens im Alltag am Herzen. Doch den weiteren Ausführungen können wir nicht zustimmen, ja wir halten diese geradezu für falsch. Wir wollen zeigen, wo Herr XY und die Gemeinde F....dt irren und über sich das Urteil ziehen: „Denn ich gebe ihnen das Zeugnis, dass sie eifern um GOtt, aber mit Unverstand.“ (Röm. 10,2).

Bei der Darlegung dessen, was in diesem Brief und im Glauben der Verfasser anti-evangelisch und widerbiblisch ist, wird es wenig hilfreich sein, über die in den Punkten 1-6 aufgezeigten Einzelheiten zu diskutieren (Haare färben, Haare schneiden usw.). Da der gesamte Ansatz des Briefes der Lehre des Wortes Gottes nicht gerecht wird, verweisen wir schon hier auf diverse Einzeldokumente zu den verschiedenen Themen 1.

1. Das Anliegen des Herrn XY gipfelt ja in den Punkten 1-6. Alle „die den Herrn Christus wirklich lieb haben“ sollen flehen und beten, für die „verweltlichten Brüder, Schwestern und Jugendlichen“, damit diese wieder „einfältig zum Bösen“ [...dass ihr weise seid aufs Gute, aber einfältig aufs Böse, Röm. 16,19] werden. Was dieses „Böse“ ist und was (wenn man es tut) sowohl eine Mitgliedschaft in der Gemeinde ausschließt, als auch aktive Verkündigung oder auch nur das Vortragen eines Gedichtes sind:

1. Öffentliches Baden, sich also durch Entblößen zu entheiligen (hier geht es nicht einmal um FKK, sondern um baden in Badebekleidung 2. am Fernseher sitzen 3. wenn Frauen sich die Haare schneiden lassen (auch nur einen Pony) 4. wenn Frauen das Haupt nicht bedecken 5. sich schmücken oder schminken, die Haare färben (selbst das Überdecken grauer Haare ist verboten!) oder wenn Jugendliche sich die Haare gelen 6. Herrenbekleidung oder Krawatten tragen bei Frauen (Hosen), zu kurze Röcke .

2. Hier wird die Frage wichtig, was eigentlich „Sünde“ ist. Die von Herrn XY aufgezählten Dinge sind jedenfalls keine Sünden und noch weniger solche Sünden, die jemanden als Ungläubigen kennzeichnen. Denn nur ein Ungläubiger oder einer, der Christsein vorgibt aber letztendlich als Heuchler und Scheinchrist entlarvt wird, kann aus der Gemeinde ausgeschlossen werden oder nicht Glied der Gemeinde sein.

Der Katechismus lehrt uns gemäß dem Wort Gottes, was Sünde ist. Zuerst finden wir da die 10 Gebote Gottes. „Sünde“ ist jedes Übertreten in Gedanken, mit Worten oder mit Werken, was Gott verbietet und das Unterlassen dessen, was er als seinen Willen uns zu tun befiehlt.

Darum heißt es auch in der Anleitung zur Beichte (Kleiner Katechismus Luthers):

Vor Gott soll man sich aller Sünden schuldig geben, auch die wir nicht erkennen, wie wir im Vaterunser tun; aber vor dem Beichtvater sollen wir allein die Sünden bekennen, die wir wissen und fühlen im Herzen.

Welche sind das?

Da sieh deinen Stand an nach den Zehn Geboten, ob du Vater, Mutter, Sohn, Tochter bist; in welchem Beruf und Dienst du stehst; ob du ungehorsam, untreu oder faul, zornig, zuchtlos oder streitsüchtig gewesen bist; ob du jemand Leid angetan hast mit Worten oder Werken; ob du etwas gestohlen, versäumt oder Schaden getan hast.“

3. Man sieht aus dem Brief, wie doch in der Brüdergemeinde die Antwort auf die Frage „Bin ich ein Christ?“ vorrangig aus den äußeren Werken gegeben wird. Denn ein Glied dieser Gemeinde wird, sobald er sich fragt, ob er ein Christ ist, forschen, ob er denn auch nicht öffentlich gebadet, kein TV gesehen oder sich nicht die Haare gefärbt hat. Hat er es nicht getan, wird er sich selbstzufrieden zurücklehnen und mit dem Pharisäer sprechen: „Ich danke dir Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute...“ und auch nicht wie solche, die sich in Badehosen entheiligen...

Von eigener Sündenerkenntnis ist im Brief keine Rede. Das kommt wohl daher, dass der Schreiber eine verschobene Vorstellung davon hat, was eigentlich Sünde ist.

Vielleicht wird in der Brüdergemeinde das Evangelium noch verkündet. Dies kann jedoch nicht in lutherischer Weise sein, denn sonst würde das rechte Verhältnis zwischen Gesetz und Evangelium beachtet (abgesehen davon, dass die im Brief genannten 6 Punkte kein Gesetz Gottes, sondern Menschenlehre sind). Wenn vielleicht das Evangelium noch bruchstückhaft verkündet wird, so erleidet es doch Verfälschung und Verzerrung, wenn ihm dann solche Forderungen (wie im Brief) angefügt werden. Darum lesen wir im Neuen Testament: "Befleißige dich, GOtt zu erzeigen einen rechtschaffenen, unsträflichen Arbeiter, der da recht teile das Wort der Wahrheit" (nämlich in Gesetz und Evangelium, 2.Tim. 2,15). Und Luther nennt den Prediger, der dies gelernt hat einen "rechten Meister der Heiligen Schrift". Die Kernfrage zum Brief ist erst einmal: Was ist eigentlich Sünde?

4. Bevor wir darauf noch näher eingehen, wollen wir fragen: Was ist das Kennzeichen eines wahren Christen?

Woran erkennt man einen wahren Christen? Ein wahrer Christ wird in der Heiligen Schrift auch ein „Kind Gottes“ genannt: „Denn ihr seid alle GOttes Kinder durch den Glauben an Christum JEsum“ (Gal. 3,26) und „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, GOttes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben“ (Joh. 1,12).

Schon aus diesen beiden Versen ist ersichtlich: Das erste und wichtigste Kennzeichen eines wahren Christen ist der Glaube an Jesus Christus. Durch diesen Glauben sind Sünder „Gottes Kinder“. Die Macht, Gottes Kinder zu werden haben sie nicht in sich selbst, sondern sie ist ihnen von Gott gegeben, der sie zu seinen Kindern gemacht hat.

Ein Kind Gottes glaubt an Christus als an seinen Heiland und hat in ihm und durch in Vergebung der Sünden und steht bei Gott in Gnaden. Ein wahrer Christ weiß, wie wahr Jesu Wort ist, dass aus dem Herzen „arge Gedanken kommen“ (Matth. 15,19) und dass in ihm, das heißt „in seinem Fleisch nichts Gutes wohnt“ (Röm. 7,18). Darum stellt er sich auf die Seite des Zöllners und ruft: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ (Luk. 18,13). Ja, er bekennt mit dem Apostel Paulus: „Nicht daß ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's auch ergreifen möchte, nachdem ich von Christo JEsu ergriffen bin“ (Phil. 3,12).

Die Sündenerkenntnis ist neben dem Glauben an den Heiland der Sünder ein herausragendes Kennzeichen eines wahren Christen. Allerdings kommt die Sündenerkenntnis aus dem Gesetz und nicht aus Regeln der Kleidung oder der Haartracht oder der Frage, welche Badekleidung angemessen oder unangemessen ist. „Aus dem Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde“ (Röm. 3,20).

Ein wahrer Christ bezieht die Erkenntnis seiner Sünde aus Gottes Gesetz, also aus den 10 Geboten.

 

5. Nun gehen wir auf die Frage, was Sünde ist noch näher ein. Oben hatten wir gesagt: „Sünde“ ist jedes Übertreten in Gedanken, mit Worten oder mit Werken, was Gott verbietet und das Unterlassen dessen, was er als seinen Willen uns zu tun befiehlt.

Dass es Sünde ist, Gottes heiligen Willen mit Worten und Werken zu übertreten, ist gut zu verstehen – und in Gedanken? Herr XY spricht davon mit keinem Wort. Er zitiert in seinem Brief eingangs das Bibelwort: „Ich ermahne euch, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit GOttes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und GOtt wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gotteswille.“ (Röm. 12,1+2).

Hier ist von „Erneuerung des Sinnes“ die Rede. Genau darum geht es im Glaubensleben! Es kommt nicht darauf an, dass ich an anderen Dinge sehe, die mir im Widerspruch zum Christsein zu stehen scheinen, sondern dass ich meinen Sinn erneuern lasse. Jeder Christ soll seinen eigenen Sinn von Gottes Wort erneuern lassen.

Die Sünde beginnt im Herzen: „Denn aus dem Herzen kommen arge Gedanken: Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerung. Das sind die Stücke, die den Menschen verunreinigen...“ (Matth. 15,19f).

6. Darum muss der Sinn erneuert werden. Da lebt einer zwar nicht in Ehebruch, aber er fällt unter das Wort Christi: „Ihr habt gehöret, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen. Ich aber sage euch: Wer ein Weib ansiehet, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.“ (Matth. 5,27f.). Wohlgemerkt: Christus spricht hier von wirklichen Sünden, also von der Übertretung der 10 Gebote. Herr XY spricht dagegen von Äußerlichkeiten, die Gott in seinem Wort nicht als Sünde bezeichnet. Freilich können auch Dinge, die Gott nicht ausdrücklich „Sünde“ nennt, jemandem zur Sünde werden. Zum Beispiel ist Sport treiben keine Sünde, kann aber dann Sünde hervorbringen, wenn man dadurch fortwährend den Gottesdienst versäumt. Hier wird wieder deutlich, wie der Sinn des Christen, das Denken und Sehnen seines Herzens erneuert werden muss. Es wäre unrecht, würde man schließen: Den Christen muss Sport untersagt werden. Vielmehr ist es wichtig, Gottes Willen aus dem 3. Gebot zu erkennen und dann das eigene Leben danach einzurichten.

Dieser christliche Sinn, der hier erneuert werden soll, ist in erster Linie der, wie ihn Paulus beschreibt: „Nicht daß ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber

nach, ob ich's auch ergreifen möchte, nachdem ich von Christo JEsu ergriffen bin“ (Phil. 3,12). Es ist ein ständiges Erneuern, ein ständiger Kampf des Glaubens (1.Tim. 6,12), den jeder Christ für sich selbst führen muss! Das einzig legitime Motiv dafür ist nicht die Angst vor der Hölle, sondern die Liebe zu Christus und die Freude auf den Himmel!

7. Es ist ja das Evangelium von Christus, dass er mich verlorenen und verdammten Menschen mit seinem heiligen teuren Blut erlöst hat, erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels. Diese frohe Botschaft verwandelt mein Herz in einen See voller Dank und Liebe zu diesem meinem Heiland! So erneuert der Heilige Geist meinen Sinn, dass ich aus lauter Gegenliebe nun dem nachfolge, was Jesus Christus mir sagt und vor dem fliehe, wovor er mich warnt. So sollen wir uns (wie Paulus schreibt) verändern, indem wir uns durch Gottes Gnadenwort den Sinn erneuern lassen. Hier erfährt unser Herz einen kräftigen Nachschub an Liebe, die Gott selbst in uns anzündet. Da ist ein elender Sünder von den Retterarmen des Heilandes ergriffen und will nun so gern vollkommen sein nach dem Willen seines HERRn. Weil er aber erkennt, dass er das nicht schaffen kann, jagt er dieser Vollkommenheit nach.

Unsere Sinne erneuern, das können wir nicht selbst. Das ist ein Wunder, das Gott in uns wirkt. Herr XY will auch etwas verändern. Er erhofft aber den größten Erfolg dadurch, dass er den Gläubigen droht und ihnen das Wort aus Jakobus 4,4 und Philipper 3,18+19 entgegenschleudert. Herr XY will die Aufgabe des Heiligen Geistes selbst übernehmen und greift dabei zu einem völlig ungeeigneten Mittel: zum Drohen und (würde er die 10 Gebote zitieren, aber nicht einmal das tut er) zum Gesetz. Wäre er (wie es der Name seiner Gemeinde sagt) wirklich evangelisch und dazu noch lutherisch, so könnte er anders sprechen. Aber in seiner Selbstgerechtigkeit und Missachtung der 10 Gebote setzt er Christen, die sich die Haare färben wollen mit Ehebrechern gleich (Zitat Jakobus 4,4).

8. Er zitiert auch ein schönes Wort aus Jakobus (Jak. 5,19+20). Aber in diesem Vers geht es um wirkliche Sünde und darum, umzukehren zur Wahrheit, nämlich zur Wahrheit des Wortes Gottes. Was Herr XY als Sünde sieht, sind lauter Äußerlichkeiten, dazu noch solche Äußerlichkeiten, die in Gottes Wort freigestellt sind. Bei der wahren Buße, wie sie im Glauben an Christus geschieht, wird der „Sinn“ erneuert, das Herz zu Christus gezogen.

Herr XY schreibt am Ende seines Briefes das Wort des Apostels Paulus: „Denn die göttliche Traurigkeit wirket zur Seligkeit eine Reue, die niemand gereuet; die Traurigkeit aber der Welt wirket den Tod.“ (2.Kor. 7,10). Die „göttliche Traurigkeit“ ist allerdings eine Traurigkeit und Reue im Herzen des Christen, die Gott durch sein Wort wirkt, nicht eine Traurigkeit, die der Pharisäer durch seine Satzungen hervorbringt. Herr XY erhofft eine „Umkehr in den Gehorsam des Glaubens“. Er meint allerdings die Umkehr in den Gehorsam des Glaubens an seine Satzungen.

Denn er predigt Umkehr nicht etwa im Rahmen der 10 Gebote, sondern will dem einzelnen Gläubigen Entscheidungen abnehmen, die ihn nichts angehen. Ähnlich richteten die Pharisäer Satzungen auf, mit denen sie das Befolgen des göttlichen Willens sicherstellen wollten (am Sabbat nicht arbeiten, darum nicht mehr als 1000 Schritte gehen). Damit aber legten die Pharisäer den Menschen nicht nur unerträgliche Lasten auf und setzten sich an Gottes Stelle, sondern schadeten auch sich selbst. Sie meinten, wenn sie sich vor äußerlichen Sünden hüteten und ihre eigenen Regeln befolgten, so sei Gott mit ihnen auch zufrieden. Sie merkten nicht, wie sie in ihrer eigenen Selbstgerechtigkeit ertranken und den einzigen verachteten, der ihnen da heraushelfen kann. Christus sagt ihnen:

Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr verzehntet die Minze, Till und Kümmel und lasset dahinten das Schwerste im Gesetz, nämlich das Gericht, die Barmherzigkeit und den Glauben. Dies sollte man tun und jenes nicht lassen. 24 Ihr verblendete Leiter, die ihr Mücken seihet und Kamele verschlucket!

Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr die Becher und Schüsseln auswendig reinlich haltet, inwendig aber ist's voll Raubes und Fraßes. Du blinder Pharisäer, reinige zum ersten das Inwendige am Becher und Schüssel, auf daß auch das Auswendige rein werde!

Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr gleich seid wie die übertünchten Gräber, welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller Totenbeine und alles Unflats. Also auch ihr; von außen scheinet ihr vor den Menschen fromm, aber inwendig seid ihr voller Heuchelei und Untugend.

Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr der Propheten Gräber bauet und schmücket der Gerechten Gräber und sprechet: Wären wir zu unserer Väter Zeiten gewesen, so wollten wir nicht teilhaftig sein mit ihnen an der Propheten Blut. So gebt ihr zwar über euch selbst Zeugnis, daß ihr Kinder seid derer die, die Propheten getötet haben. Wohlan, erfüllet auch ihr das Maß eurer Väter! Ihr Schlangen, ihr Otterngezüchte, wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen? (Matth. 23,23-33).

Es sind solche, „die sich selbst vermaßen, dass sie fromm wären, und verachteten die andern“ (Luk. 18,9). Ja, er fragt diese heiligen Leute (die sich selbst für heilig hielten und von anderen als heilige Männer bestaunt wurden): „Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?“

9. So müssen sich von Christus nicht allein die Pharisäer, nicht allein die Vertreter des römischen Papsttums fragen lassen, sondern auch Herr XY. Denn er führt die Leute (wie die Pharisäer und wie das Papsttum) zur Werkgerechtigkeit (Gott recht sein durch gute Werke). In Anfechtung und Todesnot finden Menschen, die so lehren und so gelehrt werden, keinen Trost, denn sie gründen ihr Heil auf sich selbst, auf ihre Frömmigkeit, auf ihre Werke und nicht allein auf Christus! Das ist falsche Lehre und schwere Sünde. Hier gilt: „Denn ich gebe ihnen das Zeugnis, dass sie eifern um GOtt, aber mit Unverstand. Denn sie erkennen die Gerechtigkeit nicht, die vor GOtt gilt, und trachten, ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten, und sind also der Gerechtigkeit, die vor GOtt gilt, nicht untertan. Denn Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht.“ (Röm. 10,2-4).

Ein Christ, der unter solchem Lug und Trug geknechtet wird, soll dem Wort Gottes folgen:

Gehet aus von ihr, mein Volk, dass ihr nicht teilhaftig werdet ihrer Sünden, auf dass ihr nicht empfanget etwas von ihren Plagen...“ (Offbg. 18,4).

In einer solchen Gemeinde wie der zu F....dt darf kein Christ bleiben, sondern muss sich und seinen seligmachenden Glauben in Sicherheit bringen - dorthin, wo Gottes Wort lauter und rein gelehrt wird. Der Teufel wird gerade in den schweren Zeiten der Anfechtung tiefe Glaubenszweifel streuen. Auch wenn man in "sicheren" Zeiten meint, den falschen gesetzlichen Lehren widerstehen zu können, so wird das Herz dann sich bange fragen und in Zweifel am Heil fallen, wenn der Satan einem die Sünde vor Augen hält und flüstert, sie sei größer als dass Christus sie noch vergeben wollte; einmal sei es auch mit Gottes Gnade und Geduld vorbei!

Dann braucht man einen biblisch fundierten Seelsorger und keine solch blinden Führer! Darum mahnt Gottes Wort: "Einen ketzerischen Menschen (und genau das ist hier der Fall) meide, wenn er einmal und abermal ermahnet ist, und wisse, daß ein solcher verkehrt ist und sündiget, als der sich selbst verurteilet hat." (Tit. 3,10f.)

1 Zu speziellen Themen des Briefes siehe die Dokumente „Eine Macht auf dem Haupte“, „Schmuck in der Bibel“ und „Darf eine Frau Hosen anziehen?“. Generell zu „Mitteldingen“ siehe das Dokument gleichen Namens.


Sieben generelle Anmerkungen zu „Offener Brief aus F...dt“

(Punkte, die außer acht gelassen sind)

 

1. Die Heilige Schrift allein ist Quelle der Erkenntnis für jegliche Glaubenssätze sowohl für die Lehre als auch für das Leben.

Die Heilige Schrift ist das den heiligen Schreibern vom Heiligen Geist eingegebene Wort Gottes. Davon darf nichts weggenommen und dem darf nichts hinzugefügt werden. Die christliche Gemeinde lebt aus dem und durch das Wort Gottes. Gott selbst spricht durch die Heilige Schrift mit uns und sagt uns zuerst, wie verloren wir sind (Gesetz) und was Gott eigentlich von uns fordert (Gesetz) und zeigt, dann den Heiland und was Gott durch ihn für uns getan hat (Evangelium). Er ruft uns zum vertrauenden Glauben an Christus und schenkt uns Vergebung der Sünden und ewiges Leben.

Nichts anderes darf in der Kirche gelehrt werden, als was Gott durch sein Wort lehrt. Eine andere Quelle der Erkenntnis gibt es nicht – weder in dieser Welt allgemein, noch speziell in einem Menschen und sei er noch so ein berühmter christlicher Lehrer. Was Gott uns nicht verbietet, bleibt unverboten und was Gott uns zu halten lehrt ist verbindlich.

2. Das Evangelium vom Heiland der Sünder ist die Hauptlehre der christlichen Kirche. Ihr dient das Gesetz auf die Weise, die Gott ihm bestimmt hat.

Was mit den Worten Joh. 3,16 gesagt wird, ist die Hauptlehre der ganzen Heiligen Schrift. Sie durchzieht alle ihre Bücher vom 1. Buch Mose an (1.Mose 3,15). Allein das Evangelium vom menschgewordenen Sohn Gottes ist es, das uns elenden Sündern den Weg zur Versöhnung mit Gott und damit die Bewahrung vor der ewigen Verdammnis zeigt. Das Gesetz Gottes (10 Gebote) offenbart uns den heiligen Willen des Allmächtigen, zeigt uns aber nur unsere Verschuldungen in Gedanken, Worten und Werken. „Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde“ (Röm. 3,20), mehr nicht! Das Gesetz Gottes ist auch Gottes heiliges Wort, aber es hat nicht die Kraft, uns auch nur einen Millimeter Gott näher zu bringen (Gal. 3,21). Das Gesetz treibt uns aber, indem es uns unsere Sünde und Gottes Zorn offenbart, in die offenen Heilandsarme Jesu (Gal. 3,24.25). Das allein ist seine Aufgabe.

3. Die Vermischung von Gesetz und Evangelium ist höchst gefährlich, weil dadurch das Evangelium verfälscht wird.

Wer das Evangelium zwar verkündigt, dieser Verkündigung jedoch Forderungen anhängt (Nun müsst ihr aber auch...), handelt gesetzlich und erweckt den Eindruck, dass die Frohe Botschaft allein nicht ausreicht, sondern die guten Werke nun noch den Rest zur wirklichen Erlösung bringen müssen.

Hier traut man dem Heiligen Geist nicht über den Weg, der doch die Kinder Gottes durch das Wort der Schrift anleitet, in den Schranken der heiligen und guten Gebote Gottes das Leben zu führen.

Man möchte selbst Hand anlegen und mit Strenge erreichen, was an sich der Heilige Geist verrichten will. Oft folgen hier „Ausführungsbestimmungen“, die dem eigenen Geschmack und Gutdünken folgen, aber nicht im Wort Gottes zu finden sind, bzw. die Gott der HERR von uns gar nicht fordert.

Wer aus dem Evangelium Gesetz macht oder aus dem Gesetz Evangelium, verfälscht das Wort Gottes, handelt wie das antichristliche Papsttum und stürzt die Gläubigen entweder in Verzweiflung oder erzieht sich hart gewordene Pharisäer.

4. Sünde ist jede Verletzung des heiligen Willens Gottes, wie er in den 10 Geboten offenbart ist.

Eingangs hatten wir gesagt: Was Gott uns nicht verbietet, bleibt unverboten und was Gott uns zu halten lehrt ist verbindlich. Was also in den 10 Geboten als Verstoß gegen Gottes heiligen Willen gelehrt wird, ist Sünde (auch was wie eine Erklärung der 10 Gebote z.B. in den apostolischen Schreiben genannt wird, z.B. 1.Kor. 6,9+10). Wie der einzelne Gläubige sein spezielles Leben danach einrichtet, ist in sein Gewissen gestellt. Gott gibt keine Einzelanweisungen.

5. Wer in der Christenheit neue Gesetze oder besondere Regeln neben dem Wort Gottes aufrichtet, sie für allgemein verbindlich erklärt und danach „richtet und verdammt“ (d.h. auch die Seligkeit abspricht), der handelt sektiererisch.

Dies hängt eng mit der 1. Anmerkung zusammen, in der festgestellt ist: Die Heilige Schrift allein ist Quelle der Erkenntnis für jegliche Glaubenssätze sowohl für die Lehre als auch für das Leben. Christus spricht: „Richtet nicht, verdammt nicht!“ (Luk. 6,37). Allerdings sollen wir gemäß dem Wort Gottes richten (z.B. falsche Lehre), beurteilen und verwerfen (z.B. falsche Propheten, Matth. 7,15). Aber eben nicht nach eigenem Gutdünken, sondern nach Gottes Wort. Jesu Worte bedeuten also: „Richtet ihr nicht! Verdammt ihr nicht!“ Denn wenn wir nach Gottes Wort urteilen, so urteilt ja Gott und wir sprechen nur nach, was er uns lehrt.

Wer nun innerhalb der Christenheit einem anderen Buße, Glaube, Bekehrung und Seligkeit abspricht und hier nach eigenen Regeln und eigenem Denken urteilt, der verstößt gegen Gottes Willen und richtet und verdammt in einer Weise, die Christus verbietet.

6. Wer sich „lutherisch“ nennt, muss auch die Bekenntnisschriften der lutherischen Kirche als Regel und Richtschnur für die Lehre anerkennen, weil sie mit der Heiligen Schrift auf das genaueste übereinstimmen.

Der gesamte Brief ist in keiner Weise „lutherisch“ zu nennen, denn hier werden Regeln verbindlich gemacht, die in der lutherischen Kirche niemals den Charakter göttlicher Gebote hatten.

Als Beispiel folgende Aussage der Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche:

Die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche (BSELK) nennen solche Mitteldinge (wie Haupt bedecken) als ein Adiaphoron (Mittelding) 1, was ohne Sünde unbeachtet bleiben kann (vgl. Augsbg. Konfession „Von der Bischöfe Gewalt“, § 28, Abs. 53ff). Das heißt, dass auch nach den BSELK die „Macht auf dem Haupt“ keine göttliche Ordnung ist, und dass letztendlich niemand einem anderen „Verweltlichung“ vorwerfen kann, wenn dies in seiner Gemeinde (wie auch im öffentlichen Leben) nicht mehr im Gebrauch steht.

„Was soll man denn halten vom Sonntag und dergleichen andern Kirchenordnungen und Zeremonien? Dazu geben die Unsern diese Antwort, daß die Bischöfe oder Pfarrer mögen Ordnungen machen, damit es ordentlich in der Kirche zugehe, nicht damit Gottes Gnade zu erlangen, auch nicht, damit für die Sünden genug zu tun oder die Gewissen damit zu verbinden, solches für nötigen Gottesdienst zu halten und es dafür zu achten, daß sie Sünde täten, wenn sie ohne Ärgernis dieselben brechen. Also hat St. Paulus zu den Korinthern verordnet, daß die Frauen in der Versammlung ihr Haupt sollen decken; ebenso, daß die Prediger in der Versammlung nicht zugleich alle reden, sondern ordentlich, einer nach dem andern.

Solche Ordnung gebührt der christlichen Versammlung um der Liebe und Friedens willen zu halten und den Bischöfen und Pfarrern in diesen Fällen gehorsam zu sein und dieselben sofern zu halten, daß einer den andern nicht ärgere, damit in der Kirche keine Unordnung oder wüstes Wesen sei; doch also, daß die Gewissen nicht beschwert werden, daß man's für solche Dinge halte, die not sein sollten zur Seligkeit, und es dafür achte, daß sie Sünde täten, wenn sie dieselben ohne der andern Ärgernis brechen; wie denn niemand sagt, daß die Frau Sünde tue, die mit bloßem Haupt ohne Ärgernis der Leute ausgeht.“ (Augsburgische Konfession, Artikel 28, Von der Bischöfe Gewalt)

7. Wo man sich zwar „lutherisch“ nennt, aber mit der Lehre und der Praxis im Gemeindeleben die biblisch-lutherische Lehre verletzt, verleugnet oder verwirft, von dort sollen wir fliehen und uns dorthin halten, wo das Wort Gottes und die heiligen Sakramente dem Willen Gottes gemäß im Gebrauch stehen.

Titus 3,10f.: „Einen ketzerischen Menschen meide, wenn er einmal und noch einmal ermahnt ist, und wisse, dass ein solcher ganz verkehrt ist und sündigt und sich selbst damit das Urteil spricht.“

Römer 16,17.18: „Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, dass ihr euch in Acht nehmt vor denen, die Zwietracht und Ärgernis anrichten entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, und euch von ihnen abwendet. Denn solche dienen nicht unserm Herrn Christus, sondern ihrem Bauch; und durch süße Worte und prächtige Reden verführen sie die Herzen der Arglosen.“

Zu speziellen Themen des Briefes siehe die Dokumente „Eine Macht auf dem Haupte“, „Schmuck in der Bibel“ und „Darf eine Frau Hosen anziehen?“. Generell zu „Mitteldingen“ siehe das Dokument gleichen Namens.

Zu finden sind diese Dokumente auch unter www.lutheraner-steeden.de

1Siehe das Dokument "Mitteldinge"

 

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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 10. März 2010 um 06:15 Uhr
 

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