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Start Gottes- oder Menschengebot? Eine Macht auf dem Haupte

Eine Macht auf dem Haupte

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Ist es ein göttliches Gebot, dass die Frau beim Beten und im Gottesdienst eine Kopfbedeckung tragen sollen? 

Eine Macht auf dem Haupte… (1.Korinther 11,10)  

 

Vers 3: Ich lasse euch aber wissen, daß Christus ist eines jeglichen Mannes Haupt, der Mann aber ist des Weibes Haupt; GOtt aber ist Christi Haupt.  Nach Gottes Ordnung ist der Mann das Haupt der Frau. Hier ist zu beachten, was Gottes Wort zum Verständnis dieses Verhältnisses lehrt: Ihr Männer, liebet eure Weiber, gleichwie Christus auch geliebet hat die Gemeinde und hat sich selbst für sie gegeben… Also sollen auch die Männer ihre Weiber lieben als ihre eigenen Leiber.“ (Epheser 5,25.28). Die Heilige Schrift lehrt keineswegs, dass der Mann seine Frau wie ein Pascha regieren soll, sondern legt eine Rangordnung fest, die jedem der beiden seinen Platz, seine Pflichten und Rechte zuweist.

 Vers 4: Ein jeglicher Mann, der da betet oder weissaget und hat etwas auf dem Haupt, der schändet sein Haupt. Im Gegensatz zum Judentum (wo ein Mann den „Sabbatsmantel“ auf dem Haupt zu tragen hatte) sollen die Männer in Korinth nichts auf dem Haupt tragen – besonders wenn sie beten oder weissagen, sich also besonderer Geistesgaben zur Erbauung anderer bedienen. Bei den Griechen und überhaupt im Morgenland war die Bedeckung des Hauptes ein Zeichen der Unterordnung der Frauen unter die Männer.  1.Mose 24,65: …und sprach zu dem Knecht: Wer ist der Mann, der uns entgegenkommt auf dem Felde? Der Knecht sprach: Das ist mein Herr. Da nahm sie den Schleier und verhüllte sich. (Luther ursprünglich: „Da nahm sie den Mantel und verhüllte sich“) Die Korinther sollten dies unbedingt beachten, weil die Heiden immer und überall darauf lauerten, ob sie den Christen nicht etwas Böses nachsagen könnten, zum Beispiel, dass durch die christliche Lehre den Männern die Herrschaft über die Frau genommen werden könnte. Philipper 4,8: Weiter, liebe Brüder, was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohl lautet, ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, dem denket nach. (das heißt: „darauf seid bedacht!“) Kolosser 4,5: Wandelt weislich gegen die, die draußen sind, und schicket euch in die Zeit! Hieraus sieht man, dass an Orten und Zeiten, wo den Christen aus solchen Dingen kein Vorwurf mehr gemacht werden kann, dieses Wort seine Bedeutung verloren hat und die Gewissen nicht bindet! Es gilt immer und überall: Ich habe es zwar alles Macht („es ist alles erlaubt“); aber es frommet nicht alles („es dient nicht alles zum Guten“). Ich habe es alles Macht; aber es bessert nicht alles…“ (1.Kor. 10,23). Es ist dem Christen alles freigestellt, was die 10 Gebote Gottes nicht verletzt. Der Christ kann und soll für sich entscheiden, was „frommt“ oder was „bessert“ – das heißt was dem Glauben zuträglich ist und was ihn behindert. Was für den einen gut ist, kann unter Umständen für den anderen schlecht sein. Was dem einen nichts ausmacht, kann den anderen zur Sünde verführen (zum Beispiel der Genuss von Alkohol). Hier ist alles in das Gewissen und in die Entscheidung des einzelnen Gläubigen gestellt. An äußerlichen Zeremonien und Ordnungen des Gottesdienstes ist den neutestamentlichen Gläubigen hier alles freigestellt (Es gibt im Neuen Testament kein Zeremonialgesetz wie im Alten Testament).  Galater 3,24.25: Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christum, dass wir durch den Glauben gerecht würden. Nun aber der Glaube kommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. Römer 10,4: Denn Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubet, der ist gerecht.

Vers 5: Ein Weib aber, das da betet oder weissaget mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt; denn es ist ebensoviel, als wäre sie beschoren. Hier ist ausschließlich die Rede von Frauen, denen Gott besondere Geistesgaben gegeben hat. Sonst nämlich ist den Frauen untersagt, öffentlich zu lehren (wozu auch weissagen gehört). Ausnahmen sind zum Beispiel:  Joel 2,28 (3,1f.): Und nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Ältesten sollen Träume haben, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen. Apostelgeschichte 21,9: Derselbige (Philippus) hatte vier Töchter, die waren Jungfrauen und weissageten. 1.Korinther 14,34.35: Eure Weiber lasset schweigen unter der Gemeinde; denn es soll ihnen nicht zugelassen werden, daß sie reden, sondern untertan sein, wie auch das Gesetz sagt. Wollen sie aber etwas lernen, so lasset sie daheim ihre Männer fragen. Es stehet den Weibern übel an, unter der Gemeinde reden. 1.Timotheus 2,11.12: Ein Weib lerne in der Stille mit aller Untertänigkeit. 12 Einem Weibe aber gestatte ich nicht, daß sie lehre, auch nicht, daß sie des Mannes Herr sei, sondern stille sei. Ein geschorenes Haupt war eine Schande (vergleiche Jesaja. 3,17; 4.Mose 5,18 von möglichen Ehebrecherinnen). 

Vers 6: Will sie sich nicht bedecken, so schneide man ihr auch das Haar ab. Nun es aber übel stehet, daß ein Weib verschnitten Haar habe oder beschoren sei, so lasset sie das Haupt bedecken. Dieses Wort ist gesagt im Blick darauf, dass alles Beten und Weissagen dadurch geschändet würde, wenn eine Frau den Anschein erweckt, sie würde über den Mann herrschen (vgl. Vers 4). 

Verse 7 bis 9: Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, sintemal er ist GOttes Bild und Ehre; das Weib aber ist des Mannes Ehre. Denn der Mann ist nicht vom Weibe, sondern das Weib ist vom Manne. Und der Mann ist nicht geschaffen um des Weibes willen; sondern das Weib um des Mannes willen. Hier wird die Schöpfungsordnung Gottes erläutert, wie Gott nach dem Sündenfall den Mann der Frau zum Haupt gegeben hat. Die Frau soll nichts tun, was den Mann verunehren könnte. Epheser 5,22: Die Weiber seien untertan ihren Männern als dem HErrn. Titus 2,3-5: …den alten Weibern desselbigengleichen, daß sie sich stellen, wie den Heiligen ziemet, nicht Lästerinnen seien, nicht Weinsäuferinnen, gute Lehrerinnen, daß sie die jungen Weiber lehren züchtig sein, ihre Männer lieben, Kinder lieben, sittig sein, keusch, häuslich, gütig, ihren Männern untertan, auf daß nicht das Wort GOttes verlästert werde. Vers 10: „Darum soll das Weib eine Macht auf dem Haupt haben um der Engel willen. Unter der „Macht“ ist ein Schleier oder eine Decke zu verstehen. „Macht“ ist sie darum genannt, weil sie ein Zeichen davon war, dass der Mann die Macht über die Frau hat (vergleiche 1.Mose 3,16). Hier wird also der Name der Sache dem Zeichen gegeben. Die Sache beschreibt der Apostel in den Versen 3 bis 7. Der Apostel benutzt einen Ausdruck, der vielleicht in den dortigen griechischen Gegenden allgemein für diesen Schleier gebraucht wurde. Die Engel sind in den gottesdienstlichen Versammlungen anwesend, worauf Paulus auch in 1.Timotheus 5,21 seinen Blick richtet. Überhaupt nehmen die heiligen Engel Gottes Anteil an allem göttlichen und christlichen Geschehen, wie aus zum Beispiel aus diesen Bibelstellen ersichtlich ist:  Psalm 34,8: Der Engel des HErrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. Matthäus 18,10: Sehet zu, dass ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.  Lukas 15,10: Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln GOttes über einen Sünder, der Buße tut. Hebräer 1,14: Sind sie nicht allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit? So missfällt es den Engeln Gottes, wenn Gottes Schöpfungsordnung verachtet wird, das heißt, wenn eine Frau ihrem Mann nicht untertan sein will.  Man sieht klar und deutlich: Es kommt nicht auf den Schleier (die „Macht“) an, sondern auf das, was dieses Zeichen zum  Ausdruck bringt. Da dem neutestamentlichen Gläubigen kein äußerliches Gesetz gegeben ist, so darf auch hier kein Gesetz aufgerichtet werden. Denn Gottes Wort gebietet den Korinthern ein Zeichen für eine Sache, die allen Christen zur Pflicht gemacht ist: Die göttliche Über- und Unterordnung von Mann und Frau. Nicht das Zeichen ist allen Christen befohlen, sondern die Sache! Denn: „Ich habe Macht über alles…“ („Es ist alles erlaubt…“) 1.Korinther 3,22: Alles ist euer.  

Es ist wie mit der Fußwaschung. Vor seinem Leiden und Sterben sprach Christus: So nun ich, euer HErr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt ihr auch euch untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr tut, wie ich euch getan habe.“ (Joh. 13,15). Wir Christen sollen uns untereinander „die Füße waschen“, was heißt: Wir sollen einander dienen und nicht nach dem Sinn der Welt denken und handeln. Ein Christ, der in der Welt in hohem Ansehen steht, soll sich nicht zu fein dafür sein, einem „geringeren“ Bruder einen Dienst zu erweisen wie ein Knecht es tun würde. Ausdrücklich spricht Christus: „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr tut, wie ich euch getan habe.“ Es heißt also nicht, dass wir in der gemeinde beginnen, die Fußwaschung zu praktizieren (wie z.B. die Adventisten), sondern nach dem Beispiel Christi zu handeln.

Den Frauen zu gebieten, sie müssten auch heute einen Schleier oder eine Kopfbedeckung tragen, ist darum…  

a) ein falsches Verständnis dieses Bibelwortes, denn dann würde man Wert auf das Zeichen legen, das doch den Korinthern gesagt istund eben den Frauen, die im Gottesdienst öffentliche beten und „weissagen“ (besondere Geistesgaben). Hier spricht der Apostel von einer Ausnahme (die Gott durch die Gabe schafft), denn ansonsten gilt: „Eure Weiber lasset schweigen unter der Gemeinde; denn es soll ihnen nicht zugelassen werden, daß sie reden“ (1.Kor. 14,34). 

b) die Aufrichtung eines äußerlichen Gesetzes, obwohl uns im neuen Bund keine äußerlichen (oder gottesdienstlichen) Gesetze gegeben sind (vergleiche Kolosser 2,16: So lasset nun niemand euch Gewissen machen über Speise oder über Trank oder über bestimmte Feiertage oder Neumonde oder Sabbate…). Wollte jemand das Zeichen fordern, das doch lediglich eine bestimmte Sache zeigt (nämlich die Unterordnung der Frau), so würde er Gottes Wort (das Freiheit in allen äußerlichen Dingen schenkt) widersprechen und damit eine menschliche Satzung aufrichten (ein „knechtisches Joch“). 

c) ein Angriff auf die Freiheit der Kinder Gottes Die Über- und Unterordnung von Mann und Frau ist Gottes Gebot nach dem Sündenfall. Die Zeichen, die in der jeweiligen Zeit den Gehorsam gegenüber diesem göttlichen Gebot zum Ausdruck bringen, sind kein göttliches Gebot für alle Christen. Wie Paulus den korinthischen Christen zeigte, wie sie Gottes Ordnung bekennen sollen, so müssen die Christen in ihrer jeweiligen Zeit und an ihrem Ort prüfen, wie nun sie Gottes Ordnung auch äußerlich bezeugen können oder wie sei zeigen können, dass sie diese Ordnung nicht verletzen wollen. Apostelgeschichte 15,10: Was versucht ihr denn nun GOtt mit Auflegen des Jochs auf der Jünger Hälse welches weder unsere Väter noch wir haben mögen tragen? Galater 4,9-11: Nun ihr aber GOtt erkannt habt, ja vielmehr von GOtt erkannt seid, wie wendet ihr euch denn um wieder zu den schwachen und dürftigen Satzungen, welchen ihr von neuem an dienen wollt? Ihr haltet Tage und Monden und Feste und Jahrzeiten. Ich fürchte für euch, daß ich nicht vielleicht umsonst habe an euch gearbeitet. Galater 5,1: So bestehet nun in der Freiheit, damit uns Christus befreiet hat, und lasset euch nicht wiederum in das knechtische Joch fangen! Galater 5,7-9:  Ihr liefet fein. Wer hat euch aufgehalten, der Wahrheit nicht zu gehorchen? Solch Überreden ist nicht von dem, der euch berufen hat. Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig. Ich versehe mich zu euch in dem HErrn, ihr werdet nicht anders gesinnet sein. Wer euch aber irremacht, der wird sein Urteil tragen, er sei, wer er wolle. Kolosser 2,20-23: So ihr denn nun abgestorben seid mit Christo den Satzungen der Welt, was lasset ihr euch denn fangen mit Satzungen, als lebetet ihr noch in der Welt? Die da sagen: Du sollst das nicht angreifen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht anrühren, welches sich doch alles, unter Händen verzehret, und ist Menschengebot und - lehre; welche haben einen Schein der Weisheit durch selbsterwählte Geistlichkeit und Demut und dadurch, daß sie des Leibes nicht verschonen und dem Fleisch nicht seine Ehre tun zu seiner Notdurft. 

In einer Zeit, in der das Kopftuch in der Gesellschaft als Zeichen des islamischen Fundamentalismus gilt, sollten Christen nicht so tun, als lebten sie in Umständen wie die damaligen korinthischen Christen. Heutige Christen sollten bezeugen, dass Gottes Ordnung Gültigkeit hat und sie dem Mann untrtan sein wollen (auch wenn der zeitgeist das Gegenteil wünscht). Dazu gehört, dass Frauen nicht im Predigtamt stehen, Vorsteher der Gemeinde sein oder Stimmrecht in den beschließenden Versammlungen der Gemeinde haben können (1.Tim. 2,12; 1.Kor. 14,34) oder in anderer Weise dem Zeitgeist untertan sind, wenn sie damit gleichzeitig Gottes Wort verletzen. Es ist deutlich geworden, dass das Tragen eines Schleiers ein „Mittelding“ ist – das heißt eine Sache, die Gott allen Christen weder geboten noch verboten hat. Der Apostel nennt sie aber, weil sie unter gewissen Umständen ein Zeichen für eine bestimmte Sache sein kann. Für uns heute  ist die Sache wichtig und gültig aber nicht das Zeichen. 

Die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche (BSELK) nennen solche Mitteldinge (wie Haupt bedecken) als ein Adiaphoron (Mittelding), was ohne Sünde unbeachtet bleiben kann (vgl. Augsbg. Konfession „Von der Bischöfe Gewalt“, § 28, Abs. 53ff). Das heißt, dass auch nach den BSELK die „Macht auf dem Haupt“ keine göttliche Ordnung ist, und dass letztendlich niemand einem anderen „Verweltlichung“ vorwerfen kann, wenn dies in seiner Gemeinde (wie auch im öffentlichen Leben) nicht mehr im Gebrauch steht. 

„Was soll man denn halten vom Sonntag und dergleichen andern Kirchenordnungen und Zeremonien? Dazu geben die Unsern diese Antwort, daß die Bischöfe oder Pfarrer mögen Ordnungen machen, damit es ordentlich in der Kirche zugehe, nicht damit Gottes Gnade zu erlangen, auch nicht, damit für die Sünden genugzutun oder die Gewissen damit zu verbinden, solches für nötigen Gottesdienst zu halten und es dafür zu achten, daß sie Sünde täten, wenn sie ohne Ärgernis dieselben brechen. Also hat St. Paulus zu den Korinthern verordnet, daß die Frauen in der Versammlung ihr Haupt sollen decken; ebenso, daß die Prediger in der Versammlung nicht zugleich alle reden, sondern ordentlich, einer nach dem andern. Solche Ordnung gebührt der christlichen Versammlung um der Liebe und Friedens willen zu halten und den Bischöfen und Pfarrern in diesen Fällen gehorsam zu sein und dieselben sofern zu halten, daß einer den andern nicht ärgere, damit in der Kirche keine Unordnung oder wüstes Wesen sei; doch also, daß die Gewissen nicht beschwert werden, daß man's für solche Dinge halte, die not sein sollten zur Seligkeit, und es dafür achte, daß sie Sünde täten, wenn sie dieselben ohne der andern Ärgernis brechen; wie denn niemand sagt, daß die Frau Sünde tue, die mit bloßem Haupt ohne Ärgernis der Leute ausgeht.“ (Augsburgische Konfession, Artikel 28, Von der Bischöfe Gewalt)

 Zusatz: Langes oder kurzes Haar Dem dienen die weiteren Ausführungen des Apostels zur Bestätigung (1.Korinther 11,13-16): Richtet bei euch selbst, ob es wohl stehet, daß ein Weib unbedeckt vor GOtt bete. Oder lehret euch auch nicht die Natur, daß einem Manne eine Unehre ist, so er lange Haare zeuget, und dem Weibe eine Ehre, so sie lange Haare zeuget? Das Haar ist ihr zur Decke gegeben. Ist aber jemand unter euch, der Lust zu zanken hat, der wisse, daß wir solche Weise nicht haben, die Gemeinden GOttes auch nicht. 1. Dass die Korinther als einen praktischen Erweis des allgemeinen Anstandes innerhalb der Gesellschaft auch in der Gemeinde beachten sollen, zeigt Vers 13 mit den Worten: „Richtet (beurteilt) bei euch selbst…“. 2. Dass die Frau einen Schleier tragen soll, um als eine Christin Gottes Ordnung mit diesem Zeichen zu bestätigen, zeigt der Hinweis auf die Haartracht: „Oder lehret euch auch nicht die Natur, daß einem Manne eine Unehre ist, so er lange Haare zeuget, und dem Weibe eine Ehre, so sie lange Haare zeuget?“ 3. Die Gewohnheit der Frauen, das Haupt zum Zeichen des Gehorsams zu bedecken, bestätigt die dort verbreitete Sitte der Haartracht. Hier ist zu verstehen, das, was durch die Gewohnheit im Lande „zur Natur“ geworden ist und das, was sowieso in der Natur liegt. Der Mann hat oft dünneres Haar (und gewöhnlich auch Bartwuchs), die Frau dickeres und längeres – lässt man der Natur ihren Lauf. So widerspricht diese Eigenschaft des Haarwuchses dem Tragen eines Schleiers nicht, sondern bestätigt ihn gleichsam.  4. Der Apostel nennt langes Haar bei Männern und kurzes Haar bei Frauen nicht etwa „Sünde“, sondern „Unehre“ – nach dem landeüblichen Empfinden („Natur“). Wenn ein Christ verpflichtet wäre, als Mann kurze und als Frau längere Haare zu tragen, so müsste andererseits auch der ungehemmte Bartwuchs beim Mann gefordert werden. 5. Dass das Tragen von langen Haaren bei Männern an sich keine Sünde ist wird deutlich an den Nasiräern (die ein bestimmtes Gelübde getan hatten), denen es sogar befohlen war: 4.Mose 6,5: „Solange die Zeit solches seines Gelübdes währet, soll kein Schermesser über sein Haupt fahren, bis daß die Zeit aus sei, die er dem HErrn gelobet hat; denn er ist heilig und soll das Haar auf seinem Haupt lassen frei wachsen.“ und allgemein den Juden: 3.Mose 19,27: „Ihr sollt euer Haar am Haupt nicht rund umher abschneiden, noch euren Bart gar abscheren.5 Sie sollen auch keine Platte machen auf ihrem Haupte, noch ihren Bart abscheren….“  

Ist aber jemand unter euch, der Lust zu zanken hat, der wisse, daß wir solche Weise nicht haben, die Gemeinden GOttes auch nicht. So schreibt der Apostel auch an Timothus:  1.Timotheus 6,3-5: So jemand anders lehret und bleibet nicht bei den heilsamen Worten unsers HErrn JEsu Christi und bei der Lehre von der Gottseligkeit, 4 der ist verdüstert und weiß nichts, sondern ist seuchtig in Fragen und Wortkriegen, aus welchen entspringet Neid, Hader, Lästerung, böser Argwohn, 5 Schulgezänke solcher Menschen, die zerrüttete Sinne haben und der Wahrheit beraubt sind, die da meinen, Gottseligkeit sei ein Gewerbe. Tue dich von solchen! Die Lust, über äußerliche Dinge, die als Zeichen freigestellt sind, zu streiten und zu zanken, entspringt nicht dem Geist Christi. Darum haben diese Lust zum Zanken weder die Apostel noch die Gemeinden Christi. Vielmehr gönnen die Gemeinden Christi in äußerlichen Dingen und Gebräuchen einem jeden die Freiheit. Jeder soll sich nach den ihn umgebenden Unständen richten und tun, was er seinem Gewissen nach verantworten kann. Jakobus 3,17: Die Weisheit aber von oben her ist aufs erste keusch, danach friedsam, gelinde, lässet sich [etwas] sagen, voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ohne Heuchelei. 

Weil die rechtgläubigen Väter der lutherischen Kirche diese Textabschnitte richtig verstanden hatten, forderten sie auch von niemandem, diese oder jene Haartracht zu tragen. Manche von ihnen trugen sogar selbst langes Haar, wie zeitweise Luther oder auch Paul Gerhardt.  

Nach der üblichen jüdischen Sitte wird Christus auch selbst mit seinen Aposteln auf Gemälden mit langem Haar dargestellt.

 


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