Mitteldinge
Inhaltsverzeichnis
1Was versteht man unter Mitteldingen? 1
2Was ist nicht unter Mitteldingen zu verstehen? 1
3Es gibt Mitteldinge Beweis aus der Hl. Schrift 1
4Antithese der Pietisten 2
5In welchem Verhältnis stehen Mitteldinge zum Glaubensleben? 3
6Verschiedene Gruppen von Mitteldingen 4
7Auf kirchlichem Gebiet 4
8Mitteldinge dürfen in der Kirche nicht geboten werden 5
9Mitteldinge dürfen nicht verboten werden 6
10Das irrende oder zweifelnde Gewissen 6
11Mitteldinge, die zum Symbol oder zur Stütze der Lehre geworden sind 7
12Der Gebrauch von Mitteldingen, wenn dadurch jemand im Glauben beirrt wird 7
1Was versteht man unter Mitteldingen?
Mitteldinge sind Dinge, die in der Mitte liegen1, zwischen gebotenen und verbotenen Dingen. Es gibt Dinge, die Gott uns gebietet, die sollen wir auch tun. Es gibt Dinge, die er uns verbietet, die sollen wir lassen. Dazwischen gibt es ein weites Feld an Dingen, über die Gott in seinem Wort nichts sagt.
Mitteldinge werden auch als „Adiaphora“ (grch.) bezeichnet. Das hängt zusammen mit den griechischen Worten „pherein“ d.h. „tragen“ und „dia“ d.h. „durch“. Davor steht noch ein „a“ d.h. „un-“ oder „nicht“. Adiaphora sind also Dinge, die „undurchtragbar“ sind d.h. „die man nicht austragen kann“, nicht lösen kann, wo also jeder tun oder lassen kann, was er will.
2Was ist nicht unter Mitteldingen zu verstehen?
Man versteht unter Mitteldingen nicht, was in der Bibel ausdrücklich geboten ist. Viele denken, ob sie zur Kirche gehen oder nicht, ob sie Armen helfen oder nicht, das sei ihnen völlig freigestellt und sie könnten hier tun oder lassen, wie sie wollten. So halten auch viele für ein Mittelding, was doch Sünde ist (z.B. vorehelicher Geschlechtsverkehr, Glaubensmengerei).
3Es gibt Mitteldinge Beweis aus der Hl. Schrift
Dass es Mittedinge gibt, lehrt uns Gottes Wort:
So lasst euch nun von niemandem ein schlechtes Gewissen machen wegen Speise und Trank oder wegen eines bestimmten Feiertages, Neumondes oder Sabbats. Das alles ist nur ein Schatten des Zukünftigen; leibhaftig aber ist es in Christus. (Kol. 2,16)
Wir können z.B. Schweinefleisch essen, Alkohol trinken – ohne uns hierin von anderen ein schlechtes Gewissen machen lassen zu müssen. Allerdings soll unser Leben in keiner Weise gegen Gottes Willen verstoßen (Alkohol trinken – ja, Trunksucht – nein).
Wer isst, der verachte den nicht, der nicht isst; und wer nicht isst, der richte den nicht, der isst; denn Gott hat ihn angenommen. (Röm. 14,3, hier handelt es sich um den Genuss von Fleisch, das vorher als Götzenopfer verwendet, später auf dem Markt angeboten wurde)
Wer auf den Tag achtet, der tuts im Blick auf den Herrn; wer isst, der isst im Blick auf den Herrn, denn er dankt Gott; und wer nicht isst, der isst im Blick auf den Herrn nicht und dankt Gott auch. (Röm. 14,6, von gebotenen oder verbotenen Dingen kann so etwas nicht gelten, z.B. „Wer nicht stiehlt, der tut es im Blick auf den HERRn und der stiehlt, der tut es auch im Blick auf den HERRn...)
Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen. (1.Kor. 6,12)
Das sind Mitteldinge, die man tun könnte oder auch nicht, die man aber wegen persönlicher Gründe oder aus Gründen der Gesundheit vielleicht doch nicht gebraucht. Grundsätzlich ist alles erlaubt, was mit dem in den Geboten offenbarten Willen Gottes übereinstimmt. Allerdings soll ich mich durch den Gebrauch eines Mitteldinges nicht unter die Herrschaft einer gottwidrigen Sache begeben. So z.B. durch das Essen des vorher zum Götzenopfer verwendeten Fleisches in meinem privaten Haus soll ich mich nicht dazu bringen lassen, dieses auch im Götzentempel selbst zu genießen (vgl. 1.Kor. 8,9-13 und 1.Kor. 10,23).
Ich unterlasse also etwas, was mir frei steht aus freien Stücken, aus eigener Entscheidung, entweder um mich selbst davor zu bewahren, dass ich durch den Gebrauch in einen schließlich sündigen Lebenswandel verfalle (Alkohlgenuss und dann zum Säufer werden) oder um der Gesundheit willen (Zucker essen, aber als Diabetiker meiden), um einen in der Erkenntnis noch nicht so gereiften schwachen Mitchristen im Glauben irre zu machen oder um nicht falschen Anschein zu erwecken und so zu einer Sünde zu verführen, die ich gar nicht tue, er aber meint, ich tue sie und tut sie darum auch.
Wenn aber jemand meint, er handle unrecht an seiner Jungfrau , wenn sie erwachsen ist, und es kann nicht anders sein, so tue er, was er will; er sündigt nicht, sie sollen heiraten. (1.Kor. 7,36)
Wir leben umgeben von Mitteldingen. Vom Morgen bis zum Abend bewegt sich unser Handeln größtenteils in Mitteldingen. Wir haben Grund, Gott zu danken, dass er uns so viel Freiheit schenkt und uns nicht jede einzelne Handlung vorschreibt. Im Neuen Testament gibt es mehr Mittelding als im Alten Testament.
4Antithese der Pietisten
Es gibt keine Mitteldinge. Die extremen Pietisten verurteilen jedes Fröhlichsein und Lachen als fleischliches-sündiges Wesen.
Alle Handlungen des Christen fließen aus den Gnadenkräften. Was aus der Gnade fließt, ist gut, was nicht aus der Gnade fließt und „aus dem Fleisch“ kommt, ist sündig. (Damit behaupten sie, was sie erst noch beweisen müssten, nämlich, ob alle Handlungen eines Christen aus den Gnadenkräften fließen oder ob es nicht doch ein Gebiet gibt, wo Gott uns die Dinge völlig frei gestellt hat.)
Die Ehre Gottes müsste das Ziel aller Handlungen eines Christen sein (1.Kor. 10,31; Kol. 3,17). Darum könne es keine Mitteldinge geben. (Aber Essen und Trinken geschieht nicht an sich selbst zur Ehre Gottes, sonst würden mit Essen und Trinken alle Gottlosen Gott ehren. Essen und Trinken geschehen erst mit dem Dank an Gott zu Gottes Ehre (Röm. 14,6). Höchstens indirekt dienen Essen und Trinken, Schlafen oder Wachen zu Gottes Ehre – indem wir dadurch neue Kräfte sammeln, dass wir hier auf Erden weiter Gott ehren können.)
Was nicht aus dem Glauben geht, ist Sünde. Tanzen, Spielen, Kino, Theater kann man nicht im Glauben tun, also sei es Sünde.
a) Hier wird schon vorausgesetzt, dass man diese Dinge nicht im Glauben tun kann, was erst zu beweisen wäre. Frage an die Pietisten: Kann man teure Autos fahren aus dem Glauben heraus? Kann man Flugzeuge benutzen aus dem Glauben heraus?
b) Entscheidet der Status eines Menschen (ob er ein Christ ist oder nicht) darüber, ob etwas Sünde ist oder nicht? Ist Sünde nicht Sünde – ob einer Christ ist oder Heide?
c) Schlüsse von sündlichen Umständen , die zu einer Handlung hinzukommen, auf die Handlung selbst sind verkehrt. Z.B. Weil manche ihr Haus versichern, weil sie Gott misstrauen und meinen, er könne ihr Haus nicht bewahren, darum ist eine Feuerversicherung Sünde.
d) Die Pietisten haben nicht den Gegensatz vor Augen, was ist von Gott geboten und was dagegen verboten, sondern was ist gut und was ist böse. Aber bei der Frage, ob eine Handlung gut oder böse ist, lässt sich die Gesinnung eines Menschen nicht so ohne weiteres ausschalten. Z.B. Darf ein Christ sich die Haare färben oder sich schminken? Der Pietist sagt „Nein!“, denn der nimmt die Gesinnung hinzu und meint, dies sei einem Kind Gottes verboten, weil es aus Eitelkeit geschieht. Richtig dagegen wäre zu fragen, ob Gott in der Schrift schminken, Haare färben usw. verboten hat. Dies ist nicht der Fall.
Die Behauptung, man dürfe sonntags nicht duschen, weil dies der Eitelkeit des Fleisches dient, zeigt gleich mehrere Irrtümer:
- Hier wird eine von vornherein angenommene sündige Gesinnung (Eitelkeit, „Geilheit des Fleisches“) mit der an sich völlig wertfreien Handlung des Waschens verknüpft.
- Die logische Folge dabei: Waschen ist an sich grundsätzlich nichts Gutes.
- Dass es sonntags nicht geschehen soll, lässt den Gedanken zu, dass man in der Woche diese sündige Handlung, die die „Geilheit des Fleisches“ begünstigt, ruhig vornehmen kann, aber am Tag des Gottesdienstes nicht. Soll nicht jeder Tag ein Tag sein, an dem wir Christen Gott gefällig leben?
- Sich waschen oder duschen dient (unabhängig davon, welche Gefühle und Gesinnungen der einzelne dabei in sich hat) der Reinigung und Pflege des Körpers. Wieso sollte also ein Christ stinkend zum Gottesdienst gehen?
- Da wir uns doch kein Gewissen über bestimmte Feiertage usw. machen lassen sollen (Kol. 2,16) und der Sonntag kein von Gott für den Gottesdienst gebotener Tag ist, zeigt diese Behauptung auch eine falsche Sicht des Sonntages.
Darum ist die Defintion, „Mitteldinge liegen zwischen gut und böse zu ungenau. Richtiger ist: Mitteldinge liegen zwischen Gebot und Verbot. Dies ist uns in den 10 Geboten offenbart, die uns genügen sollen. Gäbe es keine Mittteldinge, würde ein Christ in so manche Seelenangst getrieben.
5In welchem Verhältnis stehen Mitteldinge zum Glaubensleben?
a) Mitteldinge haben an sich betrachtet (in abstracto) nichts mit dem Glaubensleben zu tun. Sie helfen nichts und schaden auch nichts im Blick auf das Seelenheil und die Seligkeit.
Wer sie lässt, lädt keine Schuld auf sich und wer sie tut auch nicht.
Vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts als Menschengebote sind. Matth. 15,9
Mitteldinge tun ist kein Gottesdienst und nicht nötig zur Seligkeit!
Im römischen Papsttum und in heidnischen Religionen will man Gott dienen, indem man Mitteldinge tut: Ehelosigkeit, Fasten, Wallfahrten, Baden in einem heiligen Fluss, Räucherstäbchen anzünden.
b) Mitteldinge sollen sollen in unserem Leben von christlichem Sinn durchdrungen sein.
Z.B. verrichtet ein Christ seine Arbeit aus dem Gehorsam gegenüber Gott und zu Ehre Gottes (Kol. 3,17).
So ist das Leben eines Christen ein beständiger Gottesdienst unter der Vergebung der Sünden. Tun wir Mitteldinge, aus Liebe zu Gott, und dem Nächsten, so sind es gottgefällige Handlungen – nicht weil Gott sie geboten hat, sondern weil sie im Glauben geschehen.
6Verschiedene Gruppen von Mitteldingen
Auf dem Gebiet der Erholung
Freizeitvergnügen, sportliche Betätigung,
Genuss von alkoholischen Getränken, Gebrauch weiterer Genussmittel,
Spiele, Konzerte, Tanz, Theater, Kino,
Antithese der Pietisten: Alle von der Berufsarbeit übrig bleibende Zeit soll man auf die Sorge für die Seele verwenden.
Auf politischem und gesellschaftlichem Gebiet
Politische Ausrichtung, Wahl einer bestimmten Partei oder der Mitgliedschaft in ihr (wenn ihr Programm nicht gegen Gottes Willen verstößt).
Betätigung in Vereinen, Wahrnehmung kommunaler oder staatlicher Aufgaben,
Anstreben eines Regierungsamtes,
7Auf kirchlichem Gebiet
Hier gelten folgende Grundsätze:
- Sie sind zu ordnen, denn Ordnungen sind nötig, um Chaos und Missverständnisse zu vermeiden.
- Sie sind so zu ordnen, dass sie dem Wort Gottes dienen und dem Wohl der Gemeinde (1.Kor. 14,26).
- Sie können wieder verändert werden, wenn sie ihr Ziel nicht mehr erreichen oder einer Verbesserung bedürfen.
- Sie brauchen nicht in allen Gemeinden gleich zu sein. Z.B. die Ordnung des Gottesdienstes („Zeremonien“ Augsbg. Konfession § 7).
- Sie werden von der Gemeinde selbst geordnet. Dieses Recht soll die Gemeinde nicht leichtfertig aus Trägheit aufgeben! Sie soll sich keinesfalls von anderen (auch nicht vom Pfarrer) etwas aufzwingen oder gebieten lassen. Doch kann das Eintreten des Pfarrers für eine gute Ordnung auch nötig werden.
- Sie werden geordnet durch freie Übereinkunft. Die Mehrheit entscheidet. Allerdings kann um der Liebe willen auch einmal die Mehrheit der Minderheit nachgeben.
- Sie sollen gehalten werden um der Liebe willen.
- Sie sollen nicht Gegenstand eines Streites sein. Um Mitteldinge willen soll man die Gemeinde nicht spalten. Allerdings können Mitteldinge auch den Charakter eines Bekenntnisses erlangen, nämlich dann, wenn dadurch die Lehre des Wortes Gottes verfälscht oder Falsches in die Gemeinde eingeführt werden soll (Zeit der Gegenreformation z.B. durch Kleidung der Pfarrer). Auch dann ist äußerste Vorsicht geboten, wenn man deswegen um Mitteldinge streitet, weil bei einer Partei die falsche Lehre über Mitteldinge herrscht (dies und jenes sei kein Mittelding). Dann gilt Röm. 16,17.18; Tit 3,10 u.a.).
- Mitteldinge sind sonst kein von Gottes Wort gerechtfertigter Grund, aus einer Gemeinde auszutreten oder eine andere Gemeinde zu gründen.
- Sie können nicht zum Gegenstand der Kirchenzucht gemacht werden. Die Übertretung einer menschlichen Ordnung ist an sich keine Sünde. Dies tritt erst dann ein, wenn sich bei der Verhandlung über Mitteldinge der Unglaube einer Seite zeigt oder ihr Hang zur falschen Lehre (z.B. kann der Streit über die die Kleidung des Pfarrers oder die Ablehnung, dass die Hostie beim Abendmahl mit der Hand empfangen wird, den Hang eines Teiles der Kontrahenten zu falschen Lehren der römischen Kirche zeigen).
Mitteldinge auf kirchlichem Gebiet sind z.B.
- Feier kirchlicher Feiertage
- zur ordentlichen Berufung eines Pfarrers hinzukommende Ordination
- Kreuzeszeichen
- Vorsteheramt, Küsteramt und andere Ämter
- welche und ob Instrumente in der Kirche
- knien oder stehen beim Gebet
- knien oder stehen beim Empfang des Heiligen Abendmahles
- formulierte oder freie Gebete
Hierher gehören auch apostolische Ordnungen
- Feier des Sonntages
- Ordination
- Konfirmation
- Anmeldung zum Heiligen Abendmahl
- Vorsteheramt
- Bedecken des Hauptes bei Frauen (apostol. Ordnung nach der Sitte der Zeit, vgl. 1.Kor. 11,16 )
- kirchliche Trauung
8Mitteldinge dürfen in der Kirche nicht geboten werden
a) nicht vom Pfarrer
b) nicht von der Gemeinde
c) nicht von der Synode
d) nicht von der Obrigkeit
So lasst euch nun von niemandem ein schlechtes Gewissen machen wegen Speise und Trank oder wegen eines bestimmten Feiertages, Neumondes oder Sabbats. (Kol. 2,16)
9Mitteldinge dürfen nicht verboten werden
Wir dürfen sie uns nicht zu Sünde machen lassen.
Warum sollte ich das Gewissen eines andern über meine Freiheit urteilen lassen? (1.Kor. 10,29)
Einer ist der Gesetzgeber und Richter, der selig machen und verdammen kann. Wer aber bist du, dass du den Nächsten verurteilst? (Jak. 4,12)
Wer Mitteldinge zur Sünde erklärt, setzt sich an Gottes Stelle. Einem solchen dürfen wir nicht nachgeben! Wir dürfen dem nicht folgen und dessen Meinung nicht tolerieren, der dem Wort Gottes etwas hinzusetzt. Würden wir seine Meinung als eine mögliche tolerieren, so ließen wir sie als gleichwertig neben Gottes Wort gelten und würden damit mitschuldig an den Gewissenskonflikten anderer.
Es hatten sich einige falsche Brüder mit eingedrängt und neben eingeschlichen, um unsere Freiheit auszukundschaften, die wir in Christus Jesus haben, und uns zu knechten. Denen wichen wir auch nicht eine Stunde und unterwarfen uns ihnen nicht, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch bestehen bliebe. (Gal. 2,4.5)
Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! (Gal. 5,1)
10Das irrende oder zweifelnde Gewissen
Viele machen sich in Mitteldingen ein falsches Gewissen. Daraus entsteht ein gesetzliches krankhaftes Christentum, das leicht zu Pharisäismus führt.
Wenn man erst einmal anfängt, sein Gewissen zu binden (wo Gott uns doch Freiheit lässt) – wo hört man dann auf? Gar nicht! Es wird immer gesetzlicher und man verwirft andere, die die Freiheit genießen, die Gott uns schenkt.
Heute bindet man sich, was Spielen oder Tanzen oder den Besuch eines Badestrandes betrifft, morgen im Rauchen, später im Gebrauch von Fernsehen, Rad oder Computer. Eine wahre Folterbank, die nichts mit Gottes Wort zu tun hat!
Selig ist, der sich selbst nicht zu verurteilen braucht, wenn er sich prüft. (Röm. 14,22)
Wer ein Mittelding für Sünde hält, soll die Heilige Schrift studieren und sich von ihr belehren lassen. Wer zweifelt soll die Sache nicht tun, die er für Sünde hält.
Wer aber dabei zweifelt und dennoch isst, der ist gerichtet, denn es kommt nicht aus dem Glauben. Was aber nicht aus dem Glauben kommt, das ist Sünde. (Röm. 14,23)
Ein Zweifler soll aber nicht in seinem Zweifel sitzen bleiben. Die rechte Behandlung des irrenden oder zweifelnden Gewissens besteht darin, dass man es wieder zurecht zu bringen sucht nach dem Maßstab des göttlichen Gesetzes. Es wäre falsch, seinen eigenen Irrtum zu hegen und zu pflegen, weil man (trotz der Belehrung aus der Schrift) eben dabei bleiben will und dies damit entschuldigt, dass man ja nichts gegen das eigene Gewissen tun soll.
Wer aus Gottes Wort über die christliche Freiheit belehrt wird, jedoch dem Wort Gottes hartnäckig widerspricht, und die uns in Christus geschenkte Freiheit mit Füßen tritt, indem er seine menschlichen Satzungen anderen aufs Gewissen bindet, sie unchristlicher Handlungen beschuldigt und verurteilt, stellt sich selbst auf die Seite der falschen Lehrer und damit außerhalb der Kirche Christi.
11Mitteldinge, die zum Symbol oder zur Stütze der Lehre geworden sind
Es können Verhältnisse eintreten, wo wir Mitteldinge nicht mehr frei gebrauchen können, wenn dadurch der Anschein gegeben wird, dass wir falsche Lehre billigen. Dann sollen wir durch den rechten Gebrauch der Mitteldinge den wahren Glauben bekennen.
Dies kann in verschiedenen Ländern oder Gegenden jeweils anders erforderlich sein.
a) Der Gebrauch der Hostie üben – gegenüber der reformierten Kirche.
b) Das Brot zu brechen vermeiden – gegenüber der reformierten Kirchenzucht.
c) Das Untertauchen vermeiden – gegenüber den Baptisten.
d) Die Formel bei der Absolution – gegenüber denen, die Sündenvergebung durch das Predigtamt verneinen.
e) Das Erfassen der Hostie durch die Hand des Kommunikanten – gegenüber der römischen Kirche, die einem Laien untersagt, den nach (gemäß ihrer falschen Wandlungslehre) gereichten Leib Christi anzufassen.
u.a.
12Der Gebrauch von Mitteldingen, wenn dadurch jemand im Glauben beirrt wird
Im Gebrauch der Mitteldinge soll die christliche Liebe walten. In Mitteldingen soll man auf den Schwachen Rücksicht nehmen. Wir der Schwache im Glauben dadurch irre, so hört das Mittelding auf, ein Mittelding zu sein.
Seht aber zu, dass diese eure Freiheit für die Schwachen nicht zum Anstoß wird! (1.Kor. 8,9)
Wenn ihr aber so sündigt an den Brüdern und verletzt ihr schwaches Gewissen, so sündigt ihr an Christus. (1.Kor. 8,12)
Den Schwachen im Glauben nehmet auf und verwirret die Gewissen nicht. (Röm. 14,1)
Wer sich hartnäckig gegen Schrift und Bekenntnis erhebt, ist kein Schwacher. „Den Halsstarrigen soll man alles zuwider tun.“
Eine Frau darf keine Hosen tragen.
Der Sonntag ist Gottes Gebot.
Ein Mann darf keine langen Haare haben, eine Frau keine kurzen.
Eine Frau muss beim Beten etwas auf dem Kopf tragen.
Ergänzung
Feier des Sabbats 2.Mose 20,8-11 aber Kol. 2,16
Feier des Sonntages Apg. 20,7; 1.Kor. 16,2 aber Kol. 2,16;
für beide Stellen: Gal. 4,8-11
Kol. 2,20.21
Röm. 14,5.6
1Lat.: res mediae




