Eine Predigt über die Heilsgewißheit
Ich bin ja doch dein liebes Kind - trotz Teufel, Welt und aller Sünd!
Es gibt für uns Menschen nichts Wichtigeres, als sich geborgen zu wissen. Aber schon im alltäglichen Leben müssen viele diese Geborgenheit entbehren, obwohl sich doch alle nach ihr sehnen. Im Blick auf die Ewigkeit wird die Zahl derer, die einen festen Trost ihr eigen nennen, noch kleiner. Selbst unter den Christen finden sich nicht wenige, die oft darüber klagen, daß die Gewißheit, einmal selig zu werden, zu oft dem Zweifel weicht.
Sie vermissen die lebendige Empfindung ihrer Rettung; sie suchen und forschen in sich selbst nach Trost und finden ihn nicht.
Wir finden mehrere Stellen dazu in der Heiligen Schrift. Einem dieser Gottesworte widmet sich diese Auslegung.
Bibeltext: Römer 8, 12-17
So sind wir nun, liebe Brüder, Schuldner nicht dem Fleisch, daß wir nach dem Fleisch leben. Denn wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist GOttes treibet, die sind GOttes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, daß ihr euch abermal fürchten müßtet, sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Derselbige Geist gibt Zeugnis unserm Geist, daß wir GOttes Kinder sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich GOttes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.
Als Friedrich Mykonius, der spätere Reformator Thüringens und langjährige Mitarbeiter Luthers in jungen Jahren sein Vaterhaus verließ, um seine Ausbildung anzutreten, soll sein Vater ihm gesagt haben: „Und sollten nur drei Menschen auf der ganzen Welt selig werden, so glaube fest und halte dafür, daß du einer von den dreien bist.“
Manch einer mag das für unbeschreiblichen Hochmut halten: „Wer kann das schon genau wissen? Sollte denn irgend ein Mensch das Recht haben, sich für einen Heiligen und Auserwählten halten zu dürfen?“
Doch Gott selbst bestärkt uns Christen in dieser Gewißheit, daß wir wirklich seine Heiligen, seine Auserwählten, ja seine geliebten Kinder sind: „Ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christus Jesus.“ (Gal.3,26).
Gläubige Christen sind Kinder Gottes. Sie sind nicht allein von Gott geschaffen wie alle Menschen, sondern auch durch seinen Heiligen Geist wiedergeboren. Weil sie nun Gottes Kinder sind, fürchten sie sich auch nicht vor Gott in einem „knechtischen Geist“, denn sie müssen Gottes Zorn über die Sünde nicht mehr fürchten. Ihnen ist vergeben. Auf ihnen ruht Gottes Wohlgefallen und sie werden trotz ihrer Verfehlungen und trotz ihrer Schwachheit von ihm als Gerechte und Heilige angesehen. Warum?
Weil sie im rettenden Glauben an Christus, Gottes Sohn stehen. Christen sind durch dieses Zutrauen Kinder Gottes. Das wissen sie ganz gewiß. Sie wissen, daß ihnen ihre Sündenschuld vergeben, daß Gott ihnen gnädig ist, daß sie zu den Heiligen und Auserwählten Gottes gehören. Sie wissen ganz gewiß, daß sie -wenn sie sterben müssen- selig sterben und in Gottes ewige Herrlichkeit eingehen.
Weil wahre Christen das so sicher wissen, bekennen sie es auch ohne irgendeine Scheu: „Wir wissen, daß wir aus dem Tod in das Leben gekommen sind; wir sind nun Gottes Kinder...“ (1.Joh. 3,14) oder „Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird.“ (Röm.5,1.2).
Ist es denn wirklich Hochmut, wenn ein Christ sich seiner Seligkeit so sicher ist wie der Vater von Friedrich Mykonius? „Und sollten nur drei Menschen auf der ganzen Welt selig werden, so glaube fest und halte dafür, daß du einer von den dreien bist.“
Es ist kein Hochmut, sondern das feste Vertrauen auf Gottes Wort und sein Handeln! Gott selbst spricht: „Ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christus Jesus. Denn wieviele von euch getauft sind, die haben Christus angezogen.“ (Gal.3,26.27).
Wenn jemand behauptet, der Christ könne sich nicht ganz sicher sein, daß er unter Gottes vergebender Gnade stehe und ganz gewiß selig werde, das klingt sehr demütig. In Wahrheit aber ist es die Verleugnung der Taufe, ja die Verleugnung des ganzen Evangeliums. Es ist ein „Nein!“ zur Wahrheit Gottes, Mißtrauen gegenüber seinem Wort und die Ablehnung Gnadenbotschaft. Denn in seinem Wort sagt Gott klar: Du bist mein Kind, wenn du nur im Glauben und Vertrauen an Jesus, deinen Erlöser stehst. Wer dennoch das Gegenteil behauptet macht Gott zum Lügner und nimmt ihm die Ehre.
Zweifel am Handeln Gottes sät der Teufel. Darum bestätigt Gott, was er in seinem Wort spricht, durch seinen Heiligen Geist im Herzen des Christen: „Derselbe Geist gibt Zeugnis unserem Geist, daß wir Gottes Kinder sind.“ (Vers 16).
In den Versen, die hier näher erläutert werden sollen, finden wir die einzigartige Tatsache: Das Zeugnis des Heiligen Geistes: Er bestätigt den Christen, daß sie wirklich Gottes Kinder sind. Lassen Sie mich dies anhand dreier Fragen erklären:
1. Worin besteht dieses Zeugnis?
2. Was dann, wenn der Christ dieses Zeugnis nicht immer empfindet?
3. Woran erkennt er dann doch, daß er Gottes Kind ist?
Wir wollen zuerst die Frage an unseren Text stellen:
1. Worin besteht das Zeugnis des Heiligen Geistes?
Kann sich denn wirklich nur derjenige seiner Kindschaft bei Gott sicher sein, der etwas ganz Besonderes erlebt hat, vielleicht eine göttliche Vision, eine wunderbare Krankenheilung oder einen ekstatischen Zustand? So jedenfalls fordern es manche und bringen damit andere in Ungewißheit und Zweifel, so daß sie sich nicht mehr sicher sind, ob sie sich als Kinder Gottes und Erlöste bezeichnen können, ja ob sie denn wirklich einmal selig werden.
Eins müssen wir festhalten: Der Heilige Geist wirkt am Menschen nicht ohne die Mittel, an die er sich selbst gebunden hat. Er wirkt durch das Mittel „Gottes Wort“ und durch die heiligen Sakramente, also durch die Mittel „Taufe“ und „Heiliges Abendmahl“.
Im Blick auf das Mittel „Gottes Wort“ schreibt der Apostel: „So kommt der Glaube aus der Predigt [wörtl. aus dem Hören], das Predigen aber durch das Wort Gottes.“ (Röm.10,17). und in der Apostelgeschichte lesen wir: „Der Heilige Geist fiel auf alle, die dem Wort zuhörten.“ (Apg. 10,44). Schließlich ruft Paulus auch den Galatern die Frage zu: „Habt ihr den Geist empfangen durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben?“ (Gal. 3,2). Darum wird das Predigtamt in der Heiligen Schrift auch genannt „das Amt, das den Geist gibt“. (2.Kor. 3,8).
Im Blick auf das Mittel „Taufe“ lesen wir: „Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig - nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit - durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im heiligen Geist, den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland, damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben des ewigen Lebens würden nach unsrer Hoffnung. Das ist gewißlich wahr.“ (Tit 3,4-8). Weiter: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ (Joh 3,5).
Worin aber nun das Zeugnis des Heiligen Geistes besteht, erklärt der Apostel mit folgenden Worten: „Ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, daß ihr euch abermals fürchten müßtet, sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater!“ Was heißt das?
Wenn einem Menschen Gottes unnachgiebiges Gesetz gepredigt wird, dann führt das zur Furcht vor Gottes Strafe. Gott verlangt völlige Reinheit in Gedanken, Worten und Werken. Wenn er seinen heiligen Willen offenbart, erkennt der Mensch, daß er verloren ist, denn: „Schrecklich ist`s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“ (Hebr. 10,31).
Die Predigt von Gottes heiligem Willen, die Verkündigung seines Gesetzes, verbunden mit der Erkenntnis, daß keiner vor ihm fliehen, keiner sich vor ihm schützen kann, sondern mit Seele und Leib seiner Allmacht ausgesetzt ist, nimmt alle Sorglosigkeit weg, versetzt den Menschen in Unruhe und Angst vor dem Gericht.
Bei einem Christen ist das anders. Denen, die das lebendige Zutrauen zu Jesus, dem Sohn Gottes, dem Heiland haben, schreibt der Apostel: „Ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, daß ihr euch abermals fürchten müßtet, sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater!“
Den „kindlichen Geist“ empfängt ein Mensch durch das barmherzige Handeln Gottes. Gott läßt ihm das Evangelium predigen, die fröhliche Nachricht von der Vergebung im Namen Jesu. Hört oder liest ein Mensch, daß Christus, Gottes Sohn, in die Welt gekommen ist, um die Sünder selig zu machen (1.Tim.1,15), um sie von ihren Sünden und Gottes Zorn zu erlösen und sie durch sein Leiden und Sterben mit Gott zu versöhnen und ihnen Gnade vor Gott und ewiges Leben zu erwerben, so wirkt der heilige Geist den Glauben daran in seinem Herzen.
Auf diese Weise empfängt der Mensch einen „kindlichen Geist“: „Ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christus Jesus.“ (Gal.3,26). Plötzlich kann der Mensch in völliger Gewißheit den lebendigen, allmächtigen Gott „Abba“, d.h. „lieber Vater“ nennen. Dieser Heilige Geist, der euch durch Gottes Wort vor Augen führt, wie lieb der Allmächtige euch hat, daß er seines einzigen Sohnes nicht verschonte, “dieser Geist gibt Zeugnis unserem Geist, daß wir Gottes Kinder sind“. Ein solcher Mensch hört auf, sich vor Gott knechtisch zu fürchten.
Der Heilige Geist versichert ihm durch Gottes Wort, daß auch ihm -wirklich ihm- die Gnade, die Vergebung, die Barmherzigkeit und Güte Gottes gelten. Hört oder liest er das Wort: „Jesus nimmt die Sünder an.“, dann sagt er sich in seinem Herzen: „Ich bin ein Sünder. Er nimmt auch mich an.“ Hört er: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden.“ (Mk. 16,16), dann heißt es in seinem Herzen: „Ich glaube an Jesus, ich bin getauft. Ich werde also ganz gewiß selig werden.“ Liest er in der Bibel: „Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist. Und derselbe ist die Versöhnung für unsere Sünde, nicht allein aber für die unsere, sondern auch für die der ganzen Welt.“ (1.Joh. 2,1.2), dann heißt es in seinem Herzen: „Christus ist mein Fürsprecher. Er ist die Versöhnung auch für meine Sünde. Ich bin in ihm gerecht vor Gott und werde ganz gewiß nicht verlorengehen.“
Worin besteht also das Zeugnis, das der Heilige Geist dem Geist des Christen gibt, daß er wirklich Gottes Kind ist? Es ist nichts neben oder außerhalb des Wortes Gottes, sondern die innerliche Überzeugung im Herzen des Menschen von dem, was Gottes Wort äußerlich von Gottes Gnade bezeugt. Es ist die Empfindung des Trostes, den Gott in seinem Wort gibt.
Im Zeugnis des Heiligen Geistes sichert Gott also im Herzen des Christen das zu, was in der heiligen Schrift geschrieben steht. Der Heilige Geist läßt spüren, daß das, was die Bibel sagt nicht nur wahr ist, sondern daß alles, was Gott darin zusagt dem Christen durch den Glauben wirklich geschenkt ist. Im Zeugnis des Heiligen Geistes am Herzen des Christen läßt Gott dich empfinden und schmecken, wie freundlich er dir ist, wie lieb er dich hat. Er drückt deinem Herzen das Siegel seiner Gnade auf.
Wer also das Zeugnis des Heiligen Geistes in seinem Herzen hat, dem ist es, als ob Gott ihm alle Worte seiner Barmherzigkeit ins Herz geschrieben hätte, der spürt, daß er Gottes Kind ist, der ist sich der Gnade Gottes so sicher, daß er -wie Luther sagt- jeden Augenblick bereit ist, tausendmal darüber zu sterben. Diese Empfinden, Schmecken und Fühlen ist mehr als das, was zur Seligkeit nötig ist. Nötig ist der bloße Glaube, der sich an die Tatsache klammert: Jesus, Gottes Sohn, ist auch für meine Sünde gestorben. Er, der wahre Gott und wahre Mensch, hat für mich genug getan. Dagegen ist das Zeugnis des Heiligen Geistes das liebliche Spüren, die hohe geistliche Freude, das Empfinden dieser Tatsache - also ein „Zusatzgeschenk“ Gottes.
2. Was dann, wenn der Christ dieses Zeugnis nicht immer empfindet?
Wir wissen es von den Berichten über die Gläubigen der Heiligen Schrift und kennen es auch aus eigener Erfahrung: Nicht immer kann ein Christ fröhlich singen: „Mein Herze geht in Springen und kann nicht traurig sein, ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet, ist mein HERR Jesu Christ, das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.“
Es gibt eben Zeiten, da springt das Herz nicht vor Freude, da klingt in uns kein fröhlicher Gesang, sehen wir im Glaubensleben nicht den Sonnenschein, empfinden keinen köstlichen Trost. Es gibt Zeiten, in denen wir das Zeugnis des Heiligen Geistes nicht empfinden, nichts von Gottes Liebe spüren, seine Güte nicht fühlen. Da möchte der Christ mit dem Psalmsänger rufen: „Meine Seele ist voll Jammers, und mein Leben ist nahe bei der Hölle.“ (Ps.88,4).
Zwar ist die Heilige Schrift voller gnädiger Verheißungen, in denen Gott allen, die sich nur auf Jesus verlassen, seine Gnade versichert, aber du liest oder hörst es und es läßt dich im Herzen kalt. Da sehnst du dich zurück in die Zeiten, in denen der Heilige Geist deinem Geist so kräftig Zeugnis gab, daß du wirklich Gottes Kind bist, in denen du es innerlich sozusagen „mit Händen greifen“ konntest, daß du dir Gottes Gnade so sicher warst, daß du meintest, nichts und niemand könne dir diese Gewißheit wieder rauben.
Nun aber ergeht es dir wie so manchem anderen Gläubigen auch. Was ist dann nötig? Zuerst ist es nötig, daß du weißt: Das Empfinden im Herzen ist nicht das Wichtigste. Das Fühlen ist nicht zu verweckseln mit dem seligmachenden Glauben. Vom Empfinden ist deine Rettung nicht abhängig. Gott schenkt es dir, wann er will und wann er es für nötig hält. Würde er nämlich seine Christen ohne Unterbrechung alles das spüren und fühlen lassen, was in seinem Wort Schwarz auf Weiß geschrieben steht, sie könnten sich leicht zu sicher werden. Sie könnten schließlich meinen, die Gefahr, wieder aus der Gnade zu fallen, bestehe für sie nicht.
Damit du aber nun im Eifer für die Rettung deiner Seele nicht nachläßt, das Elend deiner Sünde dir nie aus dem Blick kommt und das verlangen nach Gottes Erbarmen in dir erhalten bleibt, läßt Gott der HERR das innerliche Empfinden seiner Gaben zuweilen schweigen. Ja, Gott läßt dich stattdessen oft sogar deine geistliche Blindheit, deine Schwachheit, dein Elend, deine eigene innere Finsternis fühlen. Plötzlich findet sich in dir selbst nur noch das Zeugnis deines eigenen Herzens, das dich verdammt, verwirft, dir deine Unwürdigkeit vorhält und keinen Trost läßt.
Dann -eben auch dann- hat Gott Gutes mit dir vor! Er macht dich zu einem, der sich ohne alles Fühlen allein an Gottes geschriebenes Wort halten muß. In diesem Empfinden stehst du dann nicht allein. Es gab z.B. auch im Leben des Apostels Paulus solche Zeiten, in denen er nur noch die Faustschläge des Teufels spürte. Auch David kennt solche Situationen, wie er z.B. im Psalm schreibt: „Meine Seele liegt im Staub... (Ps.119,25) Verbirg dein Antlitz nicht vor mir.“ (Ps.27,9).
Auch der Apostel Johannes spricht ausdrücklich von einem Zustand, in dem der Christ von seinem eigenen Herzen verdammt wird (1.Joh. 3,19ff.), was nur dann geschehen kann, wenn das Zeugnis des Heiligen Geistes darin verstummt ist. Darum lautet unsere letzte Frage an den Text:
3. Woran erkennt ein Christ dann doch, daß er Gottes Kind ist?
Er darf dann weder seinem Herzen glauben noch denen, die behaupten, wenn er nichts mehr fühle, dann sei er vom Gläubigen wieder zum Ungläubigen geworden. Wir wissen aus dem Wort Gottes: Einem Christen kann das Empfinden der Liebe Gottes fehlen und er steht dennoch unter dem schützenden Schirm dieser Liebe! Ein Christ kann das schöne Fühlen der Gnade verloren haben und hat dennoch die vergebende Gnade seines Heilandes nicht verloren!
Dies deutet uns der Apostel mit den Worten an: „So sind wir nun, liebe Brüder, Schuldner nicht dem Fleisch, daß wir nach dem Fleisch leben. Denn wo ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ (Verse 12-14).
Ein Christ ist nicht ohne die alte gottfeindliche Natur des sündigen Fleisches. Das angeborene Wesen hängt ihm noch an, in ihm regen sich noch die bösen Sehnsüchte und Neigungen. Ist der Christ darum ein Ungläubiger, einer, dem Gott nicht mehr vergeben will? Nein! Denn der Unterschied zwischen einem Christen und einem Ungläubigen ist hier folgender: Während der Ungläubige seiner angeborenen gottfeindlichen Natur Raum gibt, ja sie über sich herrschen läßt und seine Sehnsüchte und Begierden ihn regieren, läßt sich der Wiedergeborene vom Heiligen Geist treiben.
„Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ Er kämpft mit Gottes Hilfe und Beistand gegen die Herrschaft der Sünde, aus deren Ketten er erlöst wurde. Hier finden wir das untrügliche Kennzeichen dafür, ob einer wirklich noch Gotteskind ist oder nicht, ob er das geistliche Leben noch in sich hat oder wieder in Sünden tot ist! So lange sich in einem Menschen noch der Kampf des Glaubens, der Kampf des Geistes gegen den alten Menschen findet, so lange sich im Menschen noch eine Kraft regt, die der Sünde widerstehen will und sie haßt, so lange ist auch noch Gottes Geist in ihm - und mit ihm Gnade, Glaube, Christus und Seligkeit.
„Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ - auch wenn sie in sich nichts anderes spüren als Sünde, Tod, Verdammnis und Gottes Zorn. Ja, wäre auch nur noch ein kleiner glimmender Docht statt des Glaubensfeuers in ihm und würde er einem geknickten Rohr gleichen, so heißt es doch von Gott: „Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen...“ (Jes. 42,3).
Darum wollen wir fleißig Gottes Wort hören, zu Hause lesen und in unsere Herzen einschließen, denn dadurch spricht Gott uns Vergebung, ewiges Leben und Seligkeit zu. Besonders in der Zeit der Anfechtung haltet euch nicht vom Tisch des HERRn fern, weil ihr eure Schwachheit spürt und euer Elend empfindet! Gerade dann kommt und nehmt seinen Leib, der für euch in den Tod gegeben ist und trinkt sein Blut, das zur Vergebung für eure Sünden vergossen wurde.
Diese Seelenspeise nährt, auch wenn ihr es in diesem Augenblick nicht schmeckt, denn es liegt nicht am Schmecken, sondern an der Kraft, die Gott hineingelegt hat (wie gewöhnliche Speise auch dann nährt, wenn der Mensch um einer Krankheit willen den Geschmack nicht empfindet). Auch wenn ihr meint, keine Kraft zum Beten zu haben: Selbst das armseligste Gebet dringt an Gottes Herz! Wir wandeln hier „im Glauben und nicht im Schauen“! (2.Kor. 5,7). Das Schauen, Schmecken, Fühlen, Empfinden wird Gott uns nach unserem Tod geben, wenn wir ihn sehen werden von Angesicht zu Angesicht.
Damit wir dahin gelangen, wollen wir uns an Gottes Wort erbauen, uns ermahnen, trösten und zurecht bringen lassen. Gottes Wort aber ruft uns zu: „Ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christus Jesus. Denn wieviele von euch getauft sind, die haben Christus angezogen.“ (Gal.3,26.27). Wenn du nur im Glauben bleibst, am Vertrauen an Jesus, deinen Heiland festhältst, dann bist du Gottes Kind „trotz Teufel, Welt und aller Sünd.“
„Sind wir Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir mit leiden, auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.“ (Vers 17). Darum: „Ich glaub, was Jesu Wort verspricht, ich fühl es oder fühl es nicht.“ Amen.
Pfarrer Martin Blechschmidt
Halleluja! Lobe den HErrn, meine Seele!
Ich will den HErrn loben, so lange ich lebe, und meinem GOtt lobsingen, weil ich hie bin.
Verlasset euch nicht auf Fürsten; sie sind Menschen, die können ja nicht helfen.
Denn des Menschen Geist muß davon, und er muß wieder zu Erde werden; alsdann sind verloren alle seine Anschläge.
Wohl dem, des Hilfe der GOtt Jakobs ist, des Hoffnung auf dem HErrn, seinem GOtt, stehet,
der Himmel, Erde, Meer und alles, was drinnen ist, gemacht hat; der Glauben hält ewiglich;
der Recht schaffet denen, so Gewalt leiden; der die Hungrigen speiset. Der HErr löset die Gefangenen.
Der HErr macht die Blinden sehend. Der HErr richtet auf, die niedergeschlagen sind. Der HErr liebet die Gerechten.
Der HErr behütet Fremdlinge und Waisen und erhält die Witwen; und kehret zurück den Weg der Gottlosen.
Der HErr ist König ewiglich, dein GOtt, Zion, für und für. Halleluja!
Ps 146,1-10




