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Predigt am 11. Sonntag nach Trinitatis

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Predigt am 11. Sonntag nach Trinitatis

Vom Pharisäer und Zöllner (Lukas 18,9-14)

Er sagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und verachteten die andern, ein solch Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stund und betete bei ich selbst also: Ich danke dir, GOtt, daß ich nicht bin wie die andern Leute: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich habe. Und der Zöllner stund von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel sondern schlug an seine Brust und sprach: GOtt, sei mir Sünder gnädig!

Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertiget in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöhet, der wird erniedriget werden; und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet werden.

 

Im Namen Jesu Christi, liebe Brüder und Schwestern!

In diesem Gleichnis geht es nicht um Gläubige auf der einen und um Gottlose auf der anderen Seite.

Vielmehr zeigt uns Christus zweierlei Leute unter denen, die Gott dienen wollen, die in die Kirche gehen, singen beten, Gottes Wort hören, die sich also zu Gottes Volk zählen.

Auf der einen Seite stehen, die den äußerlichen Schein haben, dass sie die Frömmsten und die Heiligsten sind, auf der anderen Seite stehen, die kein großes Ansehen haben.

Die einen suchen Gott recht zu sein in ihrem Tun in guten Taten, in fasten und beten, die anderen erkennen sich als Sünder und bitten Gott um Gnade.

Kurz, in diesem Gleichnis macht Christus zweierlei Gerechtigkeit deutlich: Die eine, die vor der Welt und in den Augen der Menschen viel gilt, aber vor Gottes Gericht nicht helfen kann, die andere, die von der Welt nicht erkannt wird, die aber Gott gefällt.

Die eine ist die des hochmütigen selbstgerechten Pharisäers, die andere die des demütigen betrübten Zöllners.

Hier lehrt Christus, wie ein Mensch vor Gott gerecht und vor dem ewigen Verderben gerettet wird.

Er warnt uns vor geistlichem Hochmut und lobt die Demut vor Gott.

Die Demut ist die wichtigste Tugend, um in den Genuss der Gnade Gottes zu kommen, denn Gottes lehrt: „Haltet fest an der Demut; denn Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade” (1.Petr. 5,5).

 

1. Gott widersteht den Hoffärtigen, denn er urteilt nicht nach dem, was vor Augen ist.

2. Gott gibt den Demütigen Gnade, denn der HERR sieht das Herz an.

 

1. Gott widersteht den Hoffärtigen, denn er urteilt nicht nach dem, was vor Augen ist.

Er sagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, dass sie fromm wären, und verachteten die anderen, ein solches Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner” (Verse 9 u. 10).

Bei dem Namen „Pharisäer” dachten die Juden sogleich an fromme und geehrte Leute - bemüht, Gottes Gesetz zu halten und ihm zu dienen.

Hörten sie „Zöllner” dachten sie an einen, der offenbar in Sünden und Lastern lebt, der Gott nicht dient und in Geldsachen belügt und betrügt.

Aber zum Schluss spricht Christus: Der Zöllner „ging hinab gerechtfertigt in sein Haus, nicht jener” (Vers 14), also der Pharisäer war vor Gott nicht gerechtfertigt, war bei Gott nicht in Gnaden, hatte keinen Frieden mit Gott.

Seine Sünde war nicht vergeben, er war nicht rein gewaschen; er war noch ein Kind des Zorns.

Er gehörte zu denen, „die sich selbst vermaßen, dass sie fromm wären”.

Es gibt also Leute, die sich „vermessen”, die den falschen Maßstab an sich anlegen.

Er „maßte sich selbst an, dass er fromm wäre”.

Er hatte ein Maß an sich angelegt, und war mit dem Ergebnis zufrieden, denn sein Maß sagte ihm, er sei bei Gott in Gnaden; er sei Gott ganz bestimmt recht; er habe wirklich Friede mit Gott.

Woran aber hatte er sich gemessen? Was war sein Fehler?

Er war doch in den Tempel gegangen und hatte damit das Gebot beachtet, dass ein Mensch Gottes Wort hören und beten soll.

Er spricht: „Ich danke dir Gott!” und zeigt damit, wie er doch für alles in seinem Leben Gott zu danken hat.

Dann redet er weiter: „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner”.

Er hatte nicht geraubt, nicht in Unzucht gelebt und sich vor Lug und Trug gehütet; und weiter: „Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich habe“.

Ja, er sorgte auch für die Kirche, denn er gab den Zehnten an den Tempel nicht nur von seinem Hauptverdienst, sondern „von allem”, was er einnahm.

So reinigt der Pharisäer sein Gewissen, denn er macht eine Bestandsaufnahme seines Lebens und meint, er könne zufrieden sein.

So tritt der Pharisäer vor unsere Augen als einer, der doch alle Gebote Gottes zu erfüllen scheint.

Im Denken der Welt ist er das Beispiel eines frommen, heiligen, gottesfürchtigen Mannes, der anderen als gutes Vorbild dienen kann.

Es möchte einer denken: Ja, wenn es von solchen Leuten mehr in der Kirche gäbe, dann stünde es besser, dann hätte sie nicht so viel Not; und es würde in den Gemeinden landauf landab nicht an Geld und Pfarrern fehlen!

Aber Gott urteilt anders! Aber was fehlt ihm?

Wovon hören wir aus seinem Munde kein Wort?

Richtig! Von ihm hören wir dieses eine nicht: „Gott, sei mir Sünder gnädig!”

Gottes Wesen ist Liebe und Gnade, Sanftmut und Geduld, Barmherzigkeit und Güte, wie geschrieben steht: „Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte” (Ps. 103,8).

Wenn aber Gottes Wesen gegenüber den sündigen Menschen lauter Geduld, Barmherzigkeit und Liebe ist, ein Sünder sich aber diesem Wesen Gottes entzieht, dann ist es, als ob er Gott ganz und gar verleugnete.

Denn Gott spricht: „Sie sind alle abgefallen und allesamt untüchtig. Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer (Ps. 14,3).

Wenn ein sündiger, in Sünden geborener Mensch sich nie und nimmer als Sünder erkennen will und sich in seiner Hoffart und Selbstgerechtigkeit sonnt, so verleugnet er nicht nur Gott in seinem Wesen, sondern er macht Gott auch zum Lügner.

Denn wenn Gottes Wort spricht: „Denn es ist hier kein Unterschied; sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten...” (Röm. 3,23), so trifft Gottes Urteil alle und nimmt keinen aus.

Wie kann dann einer sagen: „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute”, wo Gott doch urteilt: „Alle sind Sünder!”, und er spricht: „Ich aber nicht!”.

Und noch mehr! Sagt Gottes Wort: „Es ist hier kein Unterschied; sie sind allzumal Sünder...”, und einer spricht: „Ich aber nicht!”, so verachtet er auch Gottes Wort.

So gibt ein solcher Mensch zwar äußerlich vor, er diene Gott mit allem Ernst, aber durch seine Hoffart verleugnet er ihn.

Er gibt vor, er liebe und achte Gottes Wort, aber er verleugnet dieses Wort das ihn doch mit allen anderen unter die Sünder rechnet.

Ihm fehlt die rechte Selbsterkenntnis und darum auch der rechte Glaube und damit auch die rechte Liebe zu Gott und seinem Nächsten.

Er weidet sich an den Sünden der anderen Leute; und je tiefer er andere in Schuld sinken sieht, desto besser kommt er sich selbst vor.

Wo Hoffart ist, kann keine Vergebung der Sünden sein.

Wo Hoffart ist, da ist Vermessenheit und Trotz, aber keine wahre Gottesfurcht.

Darum sucht der Hoffärtige nur sich selbst, nicht Gott und tritt seinen Nächsten im Grunde genommen mit Füßen.

Wo Hoffart ist, ist keine christliche Liebe, denn Hoffart sucht nur die eigene Ehre, den eigenen Ruhm.

Er sucht nicht die Ehre seines Nächsten zu bewahren und zu stärken, sondern verachtet ihn, denkt nicht darüber nach, wie er ihn retten könnte, ihm beistehen, sondern meint, es geschehe ihm recht und billig, wenn er in Verderben und Verdammnis komme.

Er ist guten Mutes, dass sein Nächster in Sünden lebt, denn umso besser können andere sehen, was für Lust und Liebe er dagegen an Gottes Geboten hat und wie feind er jedem Laster sei.

Der HERR zeigt also am Beispiel des Pharisäers das höchste Vorbild dafür, was überhaupt ein Mensch aus eigener Kraft nach dem Gesetz Gottes tun kann (denn die Pharisäer nahmen es in göttlichen Dingen äußerlich sehr genau!).

Und doch spricht er: Es sei denn eure Gerechtigkeit besser als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen” (Matth. 5,20).

Welche Gerechtigkeit kann denn besser sein als die so frommer, ernsthafter und heiliger Leute?

Gott widersteht den Hoffärtigen, denn er urteilt nicht nach dem, was vor Augen ist.

2. Gott gibt den Demütigen Gnade, denn der HERR sieht das Herz an.

Jesus erzählt weiter: „Der Zöllner aber stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!” (Vers 13).

Die Schuld des Zöllners vor Gott ist so groß wie die des Pharisäers - nur dass dieser sie erkennt, der andere nicht.

Gott, sei mir Sünder gnädig!”

Dieser Mann nimmt an sich selbst nichts wahr als Sünde über Sünde und achtet sich der Verdammnis wert.

Er weiß, er muss verloren gehen, wenn Gott sich nicht in Gnaden seiner annimmt.

So kann er auch keinen Menschen verachten oder sich über jemanden erheben, denn er fühlt sich selbst als den größten Sünder.

Ja, er hält alle anderen für frömmer als sich - sogar diesen Pharisäer!

Gott, sei mir Sünder gnädig!”

Sünde und Gnade passen doch so wenig zueinander wie Feuer und Wasser!

Wo Sünde ist, kann es doch keine Gnade geben, sondern nur Gottes Zorn und Strafe!

Wo hat er so beten gelernt?

Dass ein Mensch so zu Gott beten darf, ja sogar so beten soll, das lehrt ihn die Frohe Botschaft von Jesus Christus, vom Heiland der Sünder!

Hier sind zwei solche Bibelverse, die uns das lehren so zu beten wie der Zöllner: „Denn Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt“ (2.Kor 5,21) und der andere: „Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme“ (Eph 2,8-9).

Denn nur der Glaube, der sich auf Gottes Liebe zu den Verlorenen gründet, der Glaube, der seine Zuversicht ganz auf das Verdienst Christi setzt, kann dies im Gebet sprechen: „Gott, sei mir Sünder gnädig!”

Gott will, dass der Mensch seine Sünde erkennt und von Gottes heiligem Gesetz in Wahrheit gedemütigt vor ihn tritt und spricht von Herzen: „Gott, sei mir Sünder gnädig!”.

Das ist schwer und mühsam. Warum?

Weil es zwei Hindernisse gibt: Auf der einen Seite ist noch zu viel vom Pharisäer in uns, dass wir vor Gott gern besser, gerechter und frömmer sein wollten als andere.

Andererseits hindert uns die eigene Schwachheit, so dass wir zu schnell verzagen, womöglich an Gottes Barmherzigkeit und Liebe zweifeln, weil der Teufel uns unsere Sünde so deutlich vor Augen hält.

Der Satan will die Christen in Verzweiflung stürzen, verführt sie zur Sünde und hält ihnen dann Gottes richtendes Gesetz drohend vor Augen.

Und darum spricht Christus im Blick auf den Zöllner: „Ich sage euch dieser ging hinab gerechtfertigt in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden“.

Jesus hatte gesagt: Es sei denn eure Gerechtigkeit besser als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen” (Matth. 5,20).

Was ist das für eine Gerechtigkeit, die wir Sünder brauchen?

Es ist die Gerechtigkeit Christi, die er durch sein reines Leben und sein Opfer am Kreuz für uns erworben hat.

Darum wird Jesus Christus in der Bibel auch der „HERR, unsere Gerechtigkeit“ (Jer. 23,6) genannt.

So schreibt auch der Apostel Paulus: „Dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus der Erfüllung des Gesetzes (wörtl. die aus dem Gesetz) kommt, sondern die aus dem Glauben an Christus kommt“ (Phil. 3,8).

Also nicht durch seine Demut vor Gott, nicht durch sein schonungsloses Sündenbekenntnis, nicht aufgrund seines Bußkampfes „ging der Zöllner hinab gerechtfertigt in sein Haus“, sondern einzig und allein darum, weil er sich Gottes Gnade und die Gerechtigkeit Christi in der Vergebung der Sünden schenken ließ und sie im Glauben empfing.

So haben wir an diesem Zöllner ein herrliches Beispiel und Vorbild der rechten christlichen Buße und des rechten christlichen Glaubens.

Er geht auf den Wegen des Psalmes, wo es heißt: „Denn du hast nicht Lust zum Opfer, ich wollte dir’s sonst wohl geben; und Brandopfer gefallen dir nicht. Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist; ein geängstet und zerschlagen Herz wirst du, Gott, nicht verachten” (Ps. 51,16.17).

Er setzt Gottes Wahrheit und Gottes Urteil an höchste Stelle, demütigt sich unter seinen Gott und steigt an dessen Gnade wieder empor.

Er erkennt sich selbst als Sünder; er preist Gott als gütig und gnädig.

Er gibt damit Gott die höchste Ehre; das ist der rechte Gottesdienst.

So hat er auch ein Herz, das dem Unglauben, der Sünde und allem Bösen feind ist und mit Ernst danach trachtet, das Böse immer mehr zu besiegen und seinem Gott zur Ehre zu leben.

So lehrt Christus, dass wir um unserer Frömmigkeit willen oder um aller möglichen Opfer willen Gottes Gnade nicht empfangen, aber andererseits auch, dass keiner um seiner Sünde willen verzweifeln muss - auch wenn sie groß ist oder er ihr über lange Zeit gedient hat.

Denn Gott der HERR spricht: Wenn eure Sünde gleich blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie gleich ist wie Rosinfarbe, soll sie doch wie Wolle werden” (Jes. 1,18).

Darum sprich in Demut deines Herzens: „Gott, sei mir Sünder gnädig!” Amen.

[Predigtlied: LKG 225 oder 240 oder 241]

 

Auf ein Wort...

Wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesum Christ, daß er sei der HERR, wir aber eure Knechte um Jesu willen. (2.Kor. 4,5)

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 10. März 2010 um 06:15 Uhr
 

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