Evangelisch-Lutherische Immanuel-Gemeinde Steeden

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Predigt am 4. Advent 2011

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Predigt am 4. Advent 2011über 5.Mose 33,29


Predigttext: „Wohl dir, Israel, wer ist dir gleich? O Volk, das du durch den HErrn selig wirst, der deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges ist!“


Im Namen Jesu Christi, herzlich geliebte Gemeinde!

Die eben gehörten Worte sind die letzten Worte, die Mose, der Mann Gottes vor seinem Tode gesprochen hat; es ist sein Abschiedssegen an die Stämme Israels.

Er ist vergleichbar mit dem Abschied des Vaters Jakob an seine Söhne.

Mose lebte 1.500 Jahre vor Christus, Jakob 2000 vor Christus.

Mitten in der Rede an die einzelnen Stämme finden wir bei Jakob, und auch hier bei Mose, Weissagungen auf den kommenden Heiland.

Das ist unser Predigtvers: „Wohl dir, Israel, wer ist dir gleich? O Volk, das du durch den HErrn selig wirst, der deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges ist!“

Zuerst mag es scheinen, als gingen uns diese Worte nichts an, denn hier ist ja die Rede von Israel.

Israel- das sind die Kinder Jakobs, die leiblichen Nachkommen des Erzvaters Abraham.

Aber wir wollen nicht vergessen, was Gottes Wort uns lehrt!

Wenn wir fragen: Wer sind die wirklichen „Kinder Abrahams”?

Das Neue Testament lehrt uns: „Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet... (Röm. 4,4)

Was ist entscheidend, ob man leiblicher Nachkomme Abrahams ist, ob Abrahams Blut in einem Menschen fließt oder ob man geistlicher Nachkomme Abrahams ist, ob Abrahams Glaube im Herzen wohnt.

Der Apostel schreibt: „Die aus dem Glauben sind, das sind Abrahams Kinder“ (Gal. 3,7).

Hören wir also die Weissagung des Mose: „Wohl dir, Israel, wer ist dir gleich? O Volk, das du durch den HErrn selig wirst...“, so gehören auch wir zu diesem Israel, denn wir haben denselben Glauben an den einen Heiland wie Abraham, wir werden ebenso „durch den HERRn selig“ - und „die aus dem Glauben sind, das sind Abrahams Kinder“ (Gal. 3,7).

Darum spricht Gottes Wort: „Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen” (Matth. 8,11).

Das ist ein Ausblick auf unser aller Ziel, auf die ewige Seligkeit!

Dahin soll sich im Advent auch unser Blick richten, dass wir gläubig in unsere Herzen fassen: Unser HERR und Heiland wird wiederkommen, zu richten die Lebenden und die Toten.



Was kann elender und entsetzlicher sein, was kann den Menschen unruhiger machen als zu wissen, dass er sterben muss, aber nicht zu wissen, ob dann „alles aus ist” oder ob da noch etwas kommt - und wenn ja, ob es großes Glück sein wird oder großes Leid!

Hier wird uns deutlich, was für eine Gnade es ist, dass Gott uns etwas darüber offenbart.

In seinem Wort der Heiligen Schrift lehrt er uns über die Ewigkeit.

Für uns Christen ist der Blick in die Zukunft und der Gedanke an die Stunde unseres Todes kein Blick in eine grauenvolle Nacht, sondern in eine Welt des Lichtes und der Herrlichkeit Gottes.

An diese Gnade der Offenbarung Gottes erinnert das verlesene prophetische Wort: „Wohl dir, Israel, wer ist dir gleich? O Volk, das du durch den HERRN selig wirst, der deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges ist!”.

Das sind die letzten Worte, die der Mann Gottes, Mose, zum Volk Israel gesprochen hat, das er aus der Sklaverei Ägyptens bis zur Grenze des verheißenen Landes Kanaan geführt hatte.

Unmittelbar nach diesen Worten ging Mose auf Gottes Befehl hin auf den Gipfel des Berges Nebo, um von dort aus das verheißene Land sehen zu können und dann zu sterben.

Diese Worte sind die letzten aller Worte, die Mose jemals als ein Prediger Gottes an die Gläubigen gerichtet hat.

Sie enthalten eine klare Weissagung über das Erscheinen des Sohnes Gottes, der alle, die an ihn glauben, selig macht.

Sie zeigen, dass das Gesetz Gottes nicht dazu bestimmt war, den Menschen den Weg zur Seligkeit zu weisen, sondern vielmehr zu dem hin zu treiben, der für alle Menschen dieses Gesetz erfüllt hat.

Sie zeigen uns, dass der Vorzug, den Israel als „Volk Gottes” damals vor allen anderen Völkern genießen durfte, nicht die Offenbarung des Gesetzes Gottes war, sondern die Offenbarung des Evangeliums.



Es gibt ja auch unter denen die den Weg Gottes zur ewigen Seligkeit nicht kennen oder nichts davon wissen wollen, viele, die sich dennoch Hoffnung machen, selig zu werden.

Prüfen solche Menschen ihre Hoffnung oder wird ihre Hoffnung durch schwere Schicksalsschläge oder Todesnot auf die Probe gestellt, so müssen sie einsehen, dass sie wie ein Haus ist, auf Sand gebaut, das gerade dann in sich zusammenfällt, wenn es darauf ankommt.

Wie viele Menschen gründen ihre Hoffnung, selig zu werden darauf, dass ihr Leben in ordentlichen Bahnen verlaufen ist und sie sich keine groben Fehltritte vorwerfen müssen.

Gott könne nicht mehr verlangen als der Mensch zu leisten imstande ist.

Prüft sich aber ein solcher Mensch einmal wirklich ernsthaft, so wird er erkennen, dass er hätte viel mehr tun können, als er getan hat, dass er oft andere Wege gegangen ist, als sein Gewissen von ihm forderte.

Und wenn er sich schon darauf verlässt, dass er anderen hier und da geholfen hat und doch einige gute Werke aufzählen kann, wie will er denn wissen, wann das „Maß guter Werke” erfüllt ist und er wirklich genug getan hat?

Und wie könnte er wissen, ob all sein Tun - und sei es noch so vorbildlich - vor Gottes Urteil bestehen kann?

Andere verlassen sich auf ihr gutes Herz, denn sie sind von Natur aus gutmütig; und die Not ihres Nächsten bewegt sie tief.

Ja, sie meinen, sie liebten ihren Nächsten wirklich wie sich selbst, aber bei näherer Prüfung erkennen sie, dass sie ihren Feind, der doch auch ihr Nächster ist, keineswegs lieben konnten - nicht wie sich selbst.

Andere meinen, Gott sei ja „der liebe Gott”, er könne also gar keinen Menschen auf ewig verwerfen und verdammen.

Aber sie wissen nichts von Gottes Gerechtigkeit und Heiligkeit, dass er auch um der geringsten Übertretung seines Gesetzes willen spricht: „Verflucht sei, wer nicht alle Worte dieses Gesetzes erfüllet, dass er danach tue! Und alles Volk soll sagen; Amen.” (5.Mose 27,26).

Der Apostel stellt fest: „Die mit des Gesetzes Werken umgehen, die sind unter dem Fluch“ (Gal. 3,10).

Gründet der Mensch seine Hoffnung, einmal selig zu werden, auf diese seine Vorstellungen, etwa auf die Gutmütigkeit Gottes oder auf sich und seine Opfer, auf gute Werke, die er getan hat oder auf seine eigene Frömmigkeit, so ist dies eine armselige, elende, gebrechliche Hoffnung.

Eine solche Hoffnung kann den Menschen höchstens in guten Zeiten beruhigen, jedoch in bösen Zeiten oder im Tode nicht trösten.

Eine solche Hoffnung wankt und fällt, wenn der Tod an ihr rüttelt!

Wie spricht Mose, der Mann Gottes? „Wohl dir, Israel, wer ist dir gleich? O Volk, das du durch den HERRN selig wirst, der deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges ist!”

Diese Worte Gottes, die Mose als Prediger des HERRn vor seinem Ende gesprochen hat knüpfen an die alte Verheißung an, dass einmal der Heiland kommen werde, der der Schlange, nämlich dem Teufel, den Kopf zertreten (d.h. die Macht nehmen) wird (1.Mose 3,15).

Das zeigen die Worte „du wirst durch den HERRn selig werden”.

Sie sind in Erfüllung gegangen, als der Engel den Hirten verkündete: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus” (Luk. 2,10.11), als der HERR Christus dem Nikodemus versicherte: „Also hat Gott die Welt geliebet, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben” (Joh. 3,16), als die Apostel predigen konnten: „Das Wort ward Fleisch und wohnete unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit” (Joh. 1,14).

Zur Zeit des Mose sahen die Gläubigen dem Heiland hoffend entgegen.



Wie gut haben wir es jetzt in der Zeit des Neuen Bundes, wo das große Wunder geschehen ist und wir die Berichte über die Erfüllung aller Christusverheißungen kennen!

Wie hat Gott der HERR für uns gesorgt, dass auch wir unserer Seligkeit unumstößlich gewiss sein können, wenn wir sie nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn gründen.

Er lehrt uns durch den Apostel: „Nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig...” (Tit. 3,5).

Mag unser Gewissen uns anklagen, dass wir große Sünder sind: Hier ist Gott, der unsere Sünden für uns getragen und gebüßt hat in seinem Sohn Jesus Christus!

Mag unser Gewissen unsere guten Werke als zu gering, als nicht gültig vor Gott verwerfen, mag so mancher grobe Fehltritt uns bedrücken, mag uns unser Herz verdammen: Hier ist Gott und „das Blut Christi” „Es kann „unser Gewissen reinigen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott!” (Hebr. 9,14).

Mag unsere Buße, unsere Reue, unsere Frömmigkeit uns keinen Frieden geben, Gottes Wort ruft uns zu: Er ist unser Friede... Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet” (Eph. 2,14/ Kol. 2,14).

Mag das Gesetz Gottes uns drohen und anklagen, mögen die heiligen 10 Gebote gegen uns zeugen, sie treiben uns im Glauben zu dem, von dem es heißt: „Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht” (Röm. 10,4).

Was für ein Trost, den Mose dem geistlichen Israel damals und heute zuruft: „Wohl dir, Israel, wer ist dir gleich? O Volk, das du durch den HERRN selig wirst, der deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges ist!”.

Die Hoffnung, dass wir selig werden ist unumstößlich gewiss, denn sie gründet sich nicht auf unser Denken, nicht auf unsere Vorstellungskraft, nicht auf unser Tun, sondern auf das gewisse Wort Gottes!

So ist sie keine vage Hoffnung im menschlichen Sinne, sondern eine göttliche Gewissheit!

Und weil sie sich auf Gottes Wort gründet, ist sie auch herrlich, wie Gott herrlich ist in seiner Majestät und Wahrheit.

Darauf soll sich all unsere Zuversicht gründen! -dass wir, auch im Blick auf unser Ende, uns ganz getrost auf Gottes Zusage verlassen: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Denn so du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht sollen ersäufen, und so du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht anzünden” (Jes. 43,1.2).



Gründe deine Hoffnung zur Seligkeit nicht auf dich selbst, sondern allein auf Gottes Gnade durch den Glauben an Christus, so wirst du immer klarer erkennen und im Glauben fassen, was das heißt, wenn der Apostels Petrus schreibt: „Gelobet sei Gott und der Vater unsers HERRN Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahret werdet zur Seligkeit, welche zubereitet ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit, in welcher ihr euch freuen werdet, die ihr jetzt eine kleine Zeit (wo es sein soll) traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf dass euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde denn das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewähret wird, zu Lobe, Preis und Ehren, wenn nun offenbaret wird Jesus Christus, welchen ihr nicht gesehen und doch liebhabt und nun an ihn glaubet, wiewohl ihr ihn nicht sehet; so werdet ihr euch freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, und das Ende eures Glaubens davonbringen, nämlich der Seelen Seligkeit” (1.Petr. 1,3-9).

Von nichts anderem spricht Mose kurz vor seinem Tod: „Wohl dir, Israel, wer ist dir gleich? O Volk, das du durch den HERRN selig wirst, der deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges ist!”? Amen.

 

Pfr. Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden

 

Auf ein Wort...

Wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesum Christ, daß er sei der HERR, wir aber eure Knechte um Jesu willen. (2.Kor. 4,5)

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 10. März 2010 um 06:15 Uhr
 

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