Predigt am Altjahresabend 2011
über
Matth. 28,20b: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“
Liebe Brüder und Schwestern im HERRn Christus!
Morgen beginnen wir ein neues Jahr und einen neuen Kalender.
Die vielen leeren Seiten liegen vor uns und wir fragen uns insgeheim: Was wird im neuen Jahr alles sein? Freude oder Leid? Werden wir gesund bleiben?
Gott sei Dank haben wir Christen in all dem Ungewissen den festen und sicheren Halt, weil unser HERR uns zusagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende“ (Matth 28,20b).
Wir halten im Glauben fest, wenn die Bibel lehrt: „Des HErrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss.“ (Ps. 33,4).
Darauf verlassen wir uns und sind getrost, denn wenn Christus bei uns ist und wir im Glauben bei ihm bleiben, dann gilt ganz sicher, „dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“ (Röm. 8,28).
Ja, in Glaubensgewissheit singen wir:
Denn wie von treuen Müttern in schweren Ungewittern die Kindlein hier auf Erden mit Fleiß bewahret werden, also auch und nicht minder lässt Gott ihm seine Kinder, wenn Not und Trübsal blitzen, in seinem Schoße sitzen.
Ach Hüter unsers Lebens, fürwahr, es ist vergebens mit unserm Tun und Machen, wo nicht dein Augen wachen. Gelobt sei deine Treue, die alle Morgen neue: Lob sei den starken Händen, die alles Herzleid wenden.
Zwar hat sich auch im vergangenen Jahr bestätigt, dass wir -wie es im Psalm heißt- hier in dieser Welt in einem Jammertal leben (Ps. 84,7), und dennoch bestätigt uns jeder Tag die Gnade, Treue und Barmherzigkeit unseres Gottes und Heilandes: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“
Darum schreibt der Apostel an Philemon: „Ich bete, dass dein Glaube, den wir miteinander haben, in dir kräftig werde durch Erkenntnis alles des Guten, das ihr habt in Christo JEsu.“ (Phlm. 1,6) und an die Gemeinde in Philippi: „Ich bete, dass eure Liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei Erkenntnis und Erfahrung“ (Phil. 1,9).
Schließlich heißt es im Römerbrief, dass Erfahrung Hoffnung bringt (Röm. 5,4).
Auch wir haben Erfahrungen im Glauben gemacht und Gott hat uns darin stärker werden lassen, so dass wir -wenn wir wieder in ähnliche Lebenslagen kommen- eine gut gegründete Hoffnung haben, weil wir wissen: Unser Gott kann helfen, und wie es im Psalm heißt: „mit meinem Gott kann ich über Mauern springen... Er ist ein Schild allen, die ihm vertrauen“ (Ps. 18,30 f.).
So sollen wir das Wort ansehen, das unser Heiland spricht: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“
Unsere Glaubenserfahrung bestätigt es: 1. In der Vergangenheit hat er sein Wort gehalten. 2. Und weil sein Wort wahrhaftig ist, wird er uns und seiner Zusage auch in Zukunft treu bleiben.
1. In der Vergangenheit hat er sein Wort gehalten
In Athen predigte einst der Apostel Paulus und sagte unter anderem: „Gott ist nicht fern von einem jeden unter uns; denn in ihm leben, weben und sind wir“ (Apg. 17,27 f.).
„Wo soll ich hingehen vor deinem Geist und wo soll ich hinfliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel, so bist du da. Bettete ich mich in die Hölle, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde mich doch deine Hand daselbst führen und deine Rechte mich halten.“ (Ps. 139,7-10).
So ist Gott überall und erfüllt alles. Kein Mensch könnte ohne seinen Willen und seine Gegenwart auch nur eine Minute leben.
Doch er ist in besonderer Weise bei denen, die durch den Glauben an IHN zu seinem Gnadenreich gehören, so dass sie seine Stimme hören, seinen Willen erkennen, durch seine Barmherzigkeit fröhlich und durch seine Güte in Christus getrost und ihrer Seligkeit gewiss werden.
Christus hat sich an das Wort der Propheten, Evangelisten und Apostel gebunden, wie er spricht: „Wer euch hört, der hört mich“ (Luk. 10,16) und sagt zu: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Matth. 18,20).
Er war bei uns in Wort und Sakrament, hat uns zu sich gezogen aus lauter Güte, hat unsere Gewissen gereinigt durch die Vergebung der Sünden, hat unsere Herzen durch seinen Heiligen Geist befriedet.
Wie oft hat uns der HERR durch dieses kostbare Wort vor gefährlichen Schritten gewarnt und uns in Anfechtungen unserer Seligkeit wieder gewiß gemacht!
Wie oft hat er uns erweckt, so daß wir -ihm sei Dank- noch immer im Glauben stehen!
Hat er dir nicht im vergangenen Jahr Wege gezeigt, die du gehen sollst - obwohl du vorher niemals gedacht hättest, dass es so sein soll - und du nun sagen kannst: „Sein Rat ist wunderbar und er führt es herrlich hinaus!“ (Jes. 28,29) - „Was er ordnet, das ist löblich und herrlich, und seine Gerechtigkeit bleibet ewiglich“ (Ps. 111,3).
Sonntag für Sonntag brachten wir im Gebet die Bitte vor den Thron Gottes: „Erhalte uns... die reine und klare Verkündigung deines göttlichen Wortes und den schriftgemäßen Gebrauch deiner heiligen Sakramente.“
Und hat er unsere Gemeinde nicht auch versorgt und uns Güter geschenkt, so dass wir sogar anderen damit helfen konnten?
Hat er nicht auch hier Segen gewährt?
Er hat äußerlich reich beschenkt und uns die geistlichen Schätze gelassen, ja sogar vermehrt!
Wir haben Grund genug, dankbar zurückzublicken und zu sprechen: „All Ehr und Lob soll Gottes sein!“
Hat er dich nicht gelehrt, die Erkenntnis des Heils in dir gestärkt, dich getröstet und aufgerichtet?
Vielleicht standest du im vergangenen Jahr in der Gefahr, dich von ihm zu entfernen und dich mehr und mehr dem gottfeindlichen Wesen dieser Welt hinzugeben.
Hat dir der treue Heiland nicht zugerufen: „Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist... Die Welt vergeht mit ihrer Lust...“ (1Joh 2,15.17) und dich so vor Bösem bewahrt?
Vielleicht hast du auch Stunden und Tage erlebt, in denen der Teufels dich besonders angegriffen hat.
Vielleicht hast du schließlich gedacht: Ich bin zu schwach, war auch schon zu oft treulos. Ich kann nicht mehr! Hat dir dein Jesus nicht zugerufen: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich errette dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit“ (Jes 41,10) - und hat dich an der Hand gefasst, so dass du in der Kraft deines Gottes dennoch siegen konntest?
Vielleicht warst du in tiefen Zweifeln, weil deine frühere Schuld dir keine Ruhe ließ und der Satan sie dir als „unvergeben“ vor Augen malte.
Hat dir dein Erlöser da nicht wieder zugerufen: „Ich vertilge deine Missetat wie eine Wolke und deine Sünde wie den Nebel. Kehre dich zu mir; denn ich erlöse dich“ (Jes 44,22)?
Hat er nicht auch an dir seine Zusage erfüllt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende“?
Daß wir heute abend noch Christen sind, obwohl das vergangene Jahr angefüllt war von Zweifel, Kleinglaube und Anfechtungen, das haben wir alle einzig und allein unserem HERRn Jesus Christus zu verdanken!
Er hat seinen Segen, seine Güte und Barmherzigkeit über uns reichlich ausgegossen, hat uns nicht verlassen, auch wenn wir untreu waren, war langmütig, geduldig und von großer Gnade und Treue.
Als dich leibliche Not quälte, rief er dir zu: „Ich bin der HERR, dein Arzt!“ (2.Mose 15,26) - und du durftest erkennen, wie alles, auch dein körperliches Wohl in seiner Hand liegt - und wie er die Kunst der Ärzte benutzt, um dich auf deinem Weg so zu führen, wie er es für das Beste hält.
Vielleicht hat er dir deine Krankheit genommen oder Linderung verschafft; oder er hat dir Geduld gegeben, sie als die dir zugemessene Last zu tragen, so dass du einen tiefen Sinn in seinen Führungen erkennen konntest.
Als du in banges Fragen wegen irdischen Gutes kamst, half er deinem Mangel aus und sprach: „Sorge nicht! Ich will Dich nicht verlassen noch versäumen! Wirf dein Anliegen auf den HERRn“ (Phil. 4,6; Hebr. 13,5; Ps. 55,23).
Wenn die Not anhielt und scheinbar alles Flehen und Bitten nichts half, dann sprach er: „Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ (2.Kor. 12,9).
Alles, was wir sind und haben, verdanken wir dem, der spricht: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“
Bedenken wir dies, so kommt uns wohl auch in den Sinn:
ER war treu! Wir waren es so oft nicht!
Wie oft haben wir sein Wort gehört, aber nur mit einem Ohr – oberflächlich, unaufmerksam.
Wir haben seine Wohltaten allzu häufig vergessen und seinen Segen gering geachtet!
Wie selten haben wir ihm wirklich von Herzen gedankt, wo wir doch vorher so herzlich um Hilfe gefleht hatten!
Wie lau und kalt, wie sicher und hochmütig waren wir oft!
Wie oft haben wir ihn vor anderen mit unserem Leben Unehre angetan!
Wie lieblos haben wir über unseren Nächsten gedacht, wie verletzend mit ihm gesprochen, wie rücksichtslos gehandelt!
Wie haben wir dem Lästerer Raum gegeben!
Was haben wir nicht alles unterlassen, was wir doch hätten tun sollen!
Unser Christenleben soll durchpulst sein von der Heiligung; wir sollen wachsen und fortschreiten in den Wegen des HERRn.
Haben wir uns nicht durch unsere Nachlässigkeit und Oberflächlichkeit selbst um so manchen Segen gebracht?
Sind wir treuer und gewissenhafter geworden?
Sind wir der Welt und ihrem sündigen Wesen immer mehr entfremdet?
Haben wir im letzten Jahr noch viel mehr als früher versucht, einen verlorenen Sünder zu seinem Heiland zu führen? -oder Gutes zu tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen?
Gott, unserem Heiland sei Dank! Auch darüber breitet sich sein Wort: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“
Ich bin bei euch - auch was die Tage betrifft, vor denen euch ekelt, die Ihr lieber aus eurem Leben streichen wolltet: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ (Matth. 11,28).
Ich bin bei euch alle Tage –als euer Heiland uns Erlöser- darum: „Sei getrost, mein Sohn (meine Tochter), deine Sünden sind dir vergeben“ (Matth. 9,2).
Ja, es ist wahr, liebe Mitchristen: „Die Güte des HERRn ist‘s, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu und deine Treue ist groß“ (Klgl. 3,22f).
Sollte nun jemand unter uns sein, der im Laufe der Zeit immer weiter von Jesus weggelaufen ist, der den Bund seiner Taufe vergessen und seinem Heiland den Rücken gekehrt hat:
Dein HERR Christus ruft Dich zurück!
Kehre um! Nutze die letzten Stunden dieses alten Jahres und beginne das neue mit IHM neu!
Sprich: Ich habe gesündigt im Himmel und vor dir; ich bin nicht mehr wert, dein Kind zu heißen. Handle mit mir, nicht nach deinem Gesetz, sondern nach deiner großen Gnade!
Er wir dich nicht abweisen, denn er sagt selbst: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen!“ (Joh. 6,37).
Er sei gepriesen! Ihm sei Dank! -denn in der Vergangenheit hat er sein Wort gehalten.
2. Er wird seiner Zusage und uns auch in Zukunft treu bleiben.
Wie sollten wir nicht durch diese beständige Treue unseres HERRn auch für den Ausblick ins neue Jahr ermutigt werden?
Am Ende eines alten Jahres, an der Schwelle zum neuen, wird man nachdenklich, denn es sind ja nur 70 oder 80 solcher Abschnitte in einem Menschenleben.
Wann werde ich sterben müssen? Wird es in diesem neuen Jahr sein?
Wir alle „haben hier keine bleibende Statt, sondern die zukünftige suchen wir“ (Hebr. 13,14).
Unser Leben schwindet dahin wie ein Schatten, Hoffnungen zerfließen, und uns wird bewußt, wie unsicher und flüchtig unser Leben ist.
Ein Narr ist, wer seinen Trost in irdischen Dingen sucht - alles Irdische ist ebenso nichtig und bleibt nicht.
Was kann uns trösten? Unser HERR sagt: „Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet“ (Jes. 66,13).
Und er spricht weiter: „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer“ (Jes. 54,10).
Er allein ist unser Trost, unsere Stärke, unsere Hoffnung und unser Schutz: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“ (Hebr. 13,8).
Im Blick auf seine Treue des vergangenen Jahres und im Vertrauen auf seine Verheißung: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende“ wollen wir über die Schwelle gehen.
Was das neue Jahr auch bringen mag, es sei Freude oder Leid, Gesundheit oder Krankheit - ist Jesus bei uns, dann wird alles gut: Jesus spricht: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden... Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“
Hat Gott uns seinen Sohn geschenkt und uns zu seinen Kindern gemacht, wird er uns nun nicht auch mit starker Hand bewahren?
„Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken“ (Röm. 8,31-32).
So können wir getrost und zuversichtlich auch morgen, am ersten Tag des neuen Jahres singen: Unsre Wege wollen wir nur in Jesu Namen gehen. Geht uns dieser Leitstern für, so wird alles wohl bestehen und durch seinen Gnadenschein alles voller Segen sein.
Gebet: „HERR Gott, du bist unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Ps 90,2). AMEN.
Pfr. Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden




