Predigt am letzten Sonntag nach Epiphanias 2012
über Matth. 8,1-4
Predigttext: Da er aber vom Berge herabging, folgete ihm viel Volks nach. Und siehe, ein Aussätziger kam und betete ihn an und sprach: HErr, so du willst, kannst du mich wohl reinigen. Und JEsus streckte seine Hand aus, rührete ihn an und sprach: Ich will's tun; sei gereiniget! Und alsbald ward er von seinem Aussatz rein. Und JEsus sprach zu ihm: Siehe zu, sag's niemand, sondern gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Mose befohlen hat, zu einem Zeugnis über sie.
Liebe Gemeinde, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, unserem Heiland!
Jesaja, der Prophet, wies in die Zukunft und predigte über das kommen Christi: „Saget den verzagten Herzen: »Seid getrost, fürchtet euch nicht! ...Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden. Dann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch, und die Zunge der Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande“ (Jes. 35,4ff)?
Verzagte Herzen werden getrost, die Furcht vor Gott, dem allmächtigen Richter, weicht aus dem Herzen...
Als Johannes der Täufer Jesus fragen ließ: „Bist du es, der da kommen soll oder sollen wir auf einen anderen warten?“, da sprach Jesus: „Gehet hin und saget Johannes wieder, was ihr sehet und höret: Die Blinden sehen, und die Lahmen gehen; die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören; die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium geprediget...“ (Matth. 11,3ff.).
Die Wunder Jesu sind nicht allein Erkennungszeichen, sondern sie sind auch Zeichen der großen Gnade Gottes über verlorene Sünder.
Er zeigt uns damit, wie er uns von den furchtbaren Folgen des Sündenfalles befreien und in ewiger Freude und Freiheit bei sich wohnen lassen will.
Öffnet der Heiland einem Blinden die Augen, einem Tauben die Ohren, löst er einem Stummen die Zunge, heilt er einen Gelähmten und erweckt Tote zum Leben, so sollen wir daran erkennen: Der Sohn Gottes ist gekommen, damit wir durch den Glauben an ihn dorthin kommen, wo keine Krankheit, kein Schmerz, kein Leid und kein Tod mehr sein wird.
Doch weil angeerbte Feindschaft zu Gott, Ungehorsam und Unglaube uns seit Geburt von Gott trennen, kommt der allmächtige Gott uns Sündern in Christus in Liebe entgegen.
Er hat nichts Böses im Sinn; sein Herz ist über und über erfüllt von Güte und Erbarmen über seine verlorenen, in Sünde verstrickten Geschöpfe.
Ist auch nur ein Hauch dieser gnädigen Gesinnung Gottes in Christus in das Herz eines zaghaften Menschen gedrungen, so fasst er Vertrauen, es zieht ihn zu Christus, sein Herz brennt vor Verlangen nach Gnade und Hilfe.
Das sehen wir an unserem heutigen Textabschnitt.
Der Evangelist berichtet, wie sich der Mensch gewordene Gottessohn, der Wunderbar-Rat, der Kraft-Held, eines Sünders annimmt - und wir sehen an diesem bittenden Mann den rechten Glauben.
Durch sein Wort will Gott der Herr auch unsere Herzen im rechten Vertrauen zu unserem Heiland stärken und lässt uns an dem Aussätzigen sehen, wie der Glaube beschaffen ist, der von Gott allein alles Gute erwartet.
Das Wesen des rechten Glaubens an Christus
1. Er vertraut auf die Gnade Christi
2. und er gründet sich auf Gottes Wort
1. Der rechte selig machende Glaube vertraut fest auf Christi Gnade
Matthäus schreibt: „Da er aber vom Berge herabging, folgete ihm viel Volks nach. Und siehe, ein Aussätziger kam...” (Vers 1.2).
Auf dem Berg hatte der HERR sein heiliges Wort verkündigt.
Nun bekräftigte er es durch ein Wunder, wie wir viele im Neuen Testament berichtet finden.
Uns hat Gott der HERR an diese Berichte, an sein Bibelwort, gebunden, an das feste prophetische und apostolische Wort und mahnt uns: „Ihr tut wohl, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunkeln Ort, bis der Tag anbreche, und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen” (2.Petr. 1,19), d.h. dass auch wir ihm als unserem Heiland vertrauen.
„Nehmet das Wort an mit Sanftmut, das in euch gepflanzt ist, welches kann eure Seelen selig machen” (Jak. 1,21).
Darum soll ein Prediger am geschriebenen Wort der Heiligen Schrift festhalten, weil dieses Wort „gewiss ist und lehren kann” (Tit. 1,9) - lehren, dass auch wir an Christus glauben und uns von ihm helfen lassen.
„Als er aber vom Berg herab ging, folgte ihm eine große Menge. Und siehe, ein Aussätziger kam heran und fiel vor ihm nieder und sprach: HERR, wenn du willst, kannst du mich reinigen!”
Dieser Mann wäre niemals so zielgerichtet und kühn zu Christus gekommen, wenn er ihm nicht schon vorher von Herzen getraut hätte.
Doch er vertraute ihm als einem gütigen HERRn, der sich seiner ganz gewiss in Gnaden annehmen werde.
Aber woran erkennen wir das? Er kam und fiel vor Jesus nieder.
Das Wort bedeutet: Er „fiel anbetend vor ihm nieder“.
Er betete Jesus an und vertraute ganz auf seine Gnade.
Eigentlich war es ihm verboten, sich unter die Leute zu mischen, wegen der Gefahr der Ansteckung.
Rein war er nicht, reich war er auch nicht und geehrt von den Oberen des Volkes noch viel weniger.
Er tritt auch nicht vor Jesus, wie der Phariäser vor Gott trat und hielt dem HERRn nichts von eigenem Verdienst vor.
Er sprach nicht wie der Pharisäer: „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich habe” (Luk. 18,11.12).
So hätte Christus ihm auch nicht geholfen! -wie Gott keinem Gnade erweist, der sich auf sein Tun verlässt und damit Gott die Ehre raubt.
Weil aber der Aussätzige erkennt, wie unwürdig und hilflos er ist, geht er geradewegs zu Christus und erwartet in Zuversicht die Güte Jesu.
Ein Herz, das so glaubt und so zu Jesus kommt, das glaubt recht.
Ein Herz aber, das sich, bevor es zu Jesus kommt, nach seinen eigenen guten Werken umsieht und in sich forscht, was es Gott vorweisen könnte, um Gnade zu erlangen oder damit er hilft, das glaubt nicht recht.
Ein Herz, das sich an eigenen Verdiensten trösten will, kann nicht kühn und getrost an den gnädigen Christus glauben; und wenn es nicht recht glaubt, so bittet es auch nicht recht.
Andererseits hat er sich auch nicht von seiner eigenen Unwürdigkeit, Krankheit und Sünde abhalten lassen.
Er achtete den HERRn Christus als einen gnädigen Herrn, der sich erbarmt und hinunterbeugt zu den Geringen.
Er glaubte dem Wort Gottes, das er z.B. aus den Psalmen kannte: „Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben“ (Ps. 34,19) und wie es weiter heißt: „Als ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden. Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten.“ (Ps. 34,5-7).
So ging er geradewegs zu Jesus, getrost, er werde ihm helfen und betete zu ihm.
Wer recht glaubt, betet auch recht. Recht beten heißt: Von der eigenen Unwürdigkeit weg und zu Jesus, dem Helfer aus aller Not zu schauen.
Und dass auch wir recht glauben und recht beten, ist so sehr wichtig!
Denn obwohl uns nicht Aussatz am Körper unrein macht, sind doch auch wir auf nichts mehr angewiesen als auf die Gnade und Güte des allmächtigen Gottes.
„Wer will einen Reinen finden bei denen, da keiner rein ist?” (Hiob 14,4). Denn wir sind „allesamt wie die Unreinen, und alle unsere Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid. (Jes. 64,6).
Auch wir sind geboren in Sünden, mit einem Herzen im Unfrieden mit unserem Schöpfer, gebunden im Reich des Teufels: „Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg; aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn” (Jes. 53,6).
Jesus Christus ist gekommen, „dass er die Werke des Teufels zerstöre” (1.Joh. 3,8), „damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben” (Joh. 3,16).
Und Christus spricht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaus stoßen” (Joh. 6,37).
Es ist überaus wichtig, dass ein Sünder den Heiland im rechten Glauben bittet - wie wir es am Aussätzigen sehen, und vor allem, dass keiner sich hindern lässt, zu Jesus zu kommen und ihn um Hilfe zu bitten, nicht von eigener Not, Schwachheit, Mangel, Sünde, Ungerechtigkeit.
Denn gerade um uns aus solcher not zu erretten ist Gottes Sohn ja zu uns gekommen und will uns gern helfen: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matth. 11,28).
2. Der rechte selig machende Glaube gründet sich auf Gottes Wort
„Und Jesus streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will's tun; sei rein! Und sogleich wurde er von seinem Aussatz rein.“
Hier will der Heilige Geist in deinem Herzen Vertrauen zu Christus erwecken, dass auch du zu ihm kommst und ihn um Gnade und Hilfe anzuflehst.
Seht, der Aussätzige hatte solch rechten Glauben: Er vertraute fest auf Christi Gnade: „HERR, wenn du willst, kannst du mich reinigen“.
Er kennt Christus, weiß von seiner Allmacht und vor allem von seiner Barmherzigkeit auch über die Elendesten; darum kommt er, betet ihn an und überlässt alles der Güte und dem Willen Christi..
Solcher Glaube erwächst daraus, dass einer von Jesus gehört hat und an ihn glaubt als an den allmächtigen Sohn Gottes.
Und wenn dieser Glaube an Jesus ajuch noch so schwach erscheinen mag – er hat doch in ihm Vergebung der Sünden, Erlösung vom Tod und Teufel und das ewige Leben.
Wo die Leute nicht an Jesus als an den gekommenen Heiland glaubten, da tat er auch kein Wunder (Matth. 13,58).
Dass Christus hier anders handelt und dem Mann durch ein Wunder hilft, bestätigt also den Glauben des Aussätzigen.
Dieser Glaube stand auf dem Wort Gottes des Alten Testamentes, das er als Jude kannte.
Wir hatten ja schon das Jesajawort gehört: „Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden…“
und auch die Antwort Jesu an Johannes den Täufer: „Geht und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht ärgert an mir” (Luk. 7,22-23).
Darüber wurden die Jünger des Täufers und er selbst gestärkt und auch der Aussätzige konnte auf diese Weise Jesus als den Messias erkennen.
So kommt es, dass er Jesus mit: „HERR” - anspricht, d.i. „JAHWE”, „Gott“!
„HERR, wenn du willst, kannst du mich reinigen!”
Natürlich hatte der Aussätzige auch von Jesus gehört, denn alles Volk sprach darüber - nicht allein über seine Wunder, sondern es heißt unmittelbar vor unserem Abschnitt: „Und es begab sich, da Jesus diese Rede vollendet hatte, entsetzte sich das Volk über seine Lehre. Denn er predigte gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten” (Matth. 7,28.29).
Der rechte Glaube wird erweckt durch die Kunde von Christus, mündlich verbreitet und durch das niedergeschriebene Wort der Heiligen Schrift.
Darauf gründet sich der rechte Glaube und nimmt Gott beim Wort - wie es z.B. im Psalm heißt : „Mein Herz hält dir vor dein Wort: ‚Ihr sollt mein Antlitz suchen!’, darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz“ (Ps. 27,8).
Dieser Glaube wird von Gott niemals enttäuscht.
Einen solchen Glauben lässt Jesus nicht vergeblich bitten.: „Und Jesus streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will‘s tun; sei rein! und sogleich wurde er von seinem Aussatz rein”
In diesem Vers tritt uns die große Liebe unseres Herrn Jesus Christus vor die Augen.
Er, der ewige Gott, wird ein Knecht und Diener. Gott dient mit einem Wunder dem Bettler!
Mit seiner göttlichen Stärke hilft er einem einzelnen Menschen aus seiner Not, wie er es so oft zugesagt hat: „Rufe mich an in der Not; so will ich dich erretten und du sollst mich preisen” (Ps. 50,15)
Erwartest du vom Sohn Gottes, vom einzigen Heiland der Welt all das, was deiner Not ein Ende bereitet, was deiner Schwachheit aufhilft, deinen Mangel beseitigt - vor allem aber, was dich selig macht, so will er dir ganz gewiss helfen.
Er wird auch aller deiner Not abhelfen, dass du in Ewigkeit jubeln wirst.
Denn so spricht er über jeden rechten Gläubigen: „Er kennt meinen Namen, darum will ich ihn schützen; er ruft mich an, darum will ich ihn erhören. Ich bin bei ihm in der Not; ich will ihn herausreißen...” (Ps. 91,14.15)
Der Glaube an Jesus erhebt den allerärmsten, den verachtetsten, in der Welt geringsten Menschen zur größten Ehre.
Gott hilft, wie es für uns zum Besten ist - zu seiner Zeit und nach seiner Allwissenheit.
Manchmal lässt Gott auch Schweres an uns zu und vergleicht solche irdische Not und Anfechtung mit Unwetter und spricht: „So wird der Hagel die falsche Zuflucht wegtreiben... Denn alleine die Anfechtung lehret aufs Wort merken” (Jes. 28,17.19).
Mangel im Irdischen, leibliche Not und Anfechtung zieht unsere Herzen weg von trügerischer Hilfe und Zuflucht und treibt uns zu Gottes Wort, zum Gebet und damit in Gottes Vaterarme.
Darum sollen wir alle Not vor unserem HERRn ausbreiten und ihm, als dem Allweisen und Allmächtigen Zeit und Ort, Art und Weise der Hilfe überlassen.
Er meint es von Herzen gut mit uns und sein Herz ist über und über erfüllt von Liebe und Erbarmen über uns Sünder.
Dem Aussätzigen half der HERR sogleich und „sprach zu ihm: Sieh zu, sage es niemandem, sondern geh hin und zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Mose befohlen hat, ihnen zum Zeugnis”.
Der HERR erhalte uns durch seine Gnade im rechten Glauben und erhalte uns auf dem Weg in seine ewige Freude - durch Jesus Christus. Amen.
Pfr. Martin Blechschmidt, Runkel-Steeden




