Predigt am Sonntag Sexagesimä 2012
über Lukas 8,4-15
Predigttext: Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu ihm eilten, redete er in einem Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßens auf. Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und ersticktens. Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute. Er aber sprach: Euch ists gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen, den andern aber in Gleichnissen, damit sie es nicht sehen, auch wenn sie es sehen, und nicht verstehen, auch wenn sie es hören.
Das Gleichnis aber bedeutet dies: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber auf dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Doch sie haben keine Wurzel; eine Zeit lang glauben sie und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.
Liebe Gemeinde!
Sobald Menschen das Evangelium vom Heiland der Sünder hören, wirkt Gottes Heiliger Geist an ihren Herzen.
In diesem Moment umfängt sie die bekehrende Macht Gottes, durch die allein die Feindschaft gegen Gott überwunden und der seligmachende Glaube in ihnen angezündet werden kann.
Es kommt alles darauf an, daß der Sünder nun kraft der Frohen Botschaft, die er hört, und des Heiligen Geistes, der an ihm wirkt, seinen Widerstand aufgibt, sich von Gottes Wort rufen läßt und kein neues “Nein!” gegen dieses Ziehen und Locken Gottes setzt.
Denn der Sünder kann sich sehr wohl dagegen stemmen, sein Herz verhärten und dem gehörten Wort den Eintritt verwehren.
Die Möglichkeit zum “Nein!” hat der Mensch; Gott will niemanden zum Glauben und zur Seligkeit zwingen.
Gott will, daß wir ihm aus der Kraft seiner Liebe heraus, die er uns verkündigen und die er an uns wirken läßt, mit Gegenliebe antworten.
Darum lesen wir in Gottes Wort: “Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht” (Hebr. 3,15).
Darum spricht Christus: “Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren” (Luk. 11,28).
Einige Einwohner von Thessalonich hörten das Evangelium vom Heiland der Sünder und ließen sich überwinden; so konnte der Heilige Geist den seligmachenden Glauben in ihren Herzen anzünden.
So waren aus Feinden Gottes, aus Sündern, von Sündern geboren, Kinder Gottes geworden, denen Paulus schreibt: “Darum danken wir auch Gott ohne Unterlaß dafür, daß ihr das Wort der göttlichen Predigt, das ihr von uns empfangen habt, nicht als Menschenwort aufgenommen habt, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort, das in euch wirkt, die ihr glaubt” (1.Thess. 2,13).
Es ist Gottes Wille zu unserem ewigen Heil, daß wir sein Wort so annehmen, wie fruchtbares Land den ausgestreuten Samen aufnimmt.
Ja, es ist entscheidend, wie das Wort gehört und aufgenommen wird.
Denn viele hören es, aber eben nicht so, daß es ihnen zur Seligkeit und damit zur Rettung vor der ewigen Verdammnis dienen kann.
Sie setzen ein neues “Nein!” dagegen.
Sie nehmen es flüchtig, oberflächlich oder gleichgültig auf.
Andere speichern es nur als Wissen, können davon sprechen – ihre Herzen aber verschließen sie und nehmen Christi Vergebung nicht an.
Die Frage ist: Wie soll ein Mensch das Wort Gottes hören, damit es ihm zur ewigen Seligkeit dienen kann?
Jesus antwortet in einem Gleichnis, einer Beispielgeschichte:
Höre mein Wort...
1. ...nicht mit einem verhärteten Sinn,
2. ...nicht unbeständig,
3. ...nicht in falscher Sicherheit,
4. ...sondern in Demut und Liebe zu Gott.
1. Drei große Gefahren zählt Jesus im Gleichnis auf, zuerst den verhärteten Sinn.
“Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf.”
So beginnt Jesus sein Gleichnis und erklärt: “Die aber auf dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden”.
Sie hören das Wort hören, aber achten es nicht.
Den einen ist es zu einfach, zu lächerlich.
Sie befürchten, andere könnten sie verspotten!
Darum lesen wir in der Bibel: “Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist's eine Gotteskraft. Denn es steht geschrieben: Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen” (1.Kor. 1,18-19).
Den nächsten ist das Wort vom Heiland der Sünder zuwider, weil sie sich nicht als Sünder vor Gott schuldig geben wollen.
Sie rechnen Gott ihre guten Werke vor und sind mit sich zufrieden.
Aber Gottes Wort sagt: “Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns” (1.Joh. 1,8).
Bei beiden ist es, so als ob Samen auf die harte Kruste des Weges fällt.
Darum spricht Christus: “Danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, auf daß sie nicht glauben und selig werden”.
Zuerst bedeutet dies, daß die Hörer ihre Herzen vom Teufel verführen lassen zu weltlichem Sinn und Leben, so daß sie das Wort nicht verstehen und nicht annehmen wollen.
Sie beurteilen Gottes Offenbarungen nach ihrer Vernunft oder prüfen die Verkündigung nicht an Gottes Wort, so daß sie sich von falschen Lehrern verführen lassen.
Denn beides hatten wir gelesen, daß der Same auf dem Weg zertreten und von den Vögeln gefressen wird.
Mit den Vögeln meint Christus den Teufel, der große Glaubensirrtümer schickt, wie der Apostel schreibt: “Sie werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren” (2.Tim. 4,4).
Unter dem Zertreten versteht er Menschenlehre, die in den Herzen regiert, wo Irrlehrer und Schwärmer das Wort Gottes nach ihrem Gutdünken deuten - wie sie es wollen.
“Der Teufel nimmt das Wort aus ihrem Herzen” - Hier spricht Christus nicht vom gewöhnlichen Vergessen, sondern davon, daß ein Herz sich durch Satans Macht von Gottes Wort abwendet, obwohl der äußerliche Schein gar nicht darauf deutet (denn es heißt: “die das Wort hören”).
Es gibt auch ein Hören, bei dem der Mensch glaubt, er sitze doch in der Kirche und sei ein rechter Christ.
Doch er bemerkt nicht die List des Teufels, der ihn vom wahren Glauben abbringt, nämlich von der Wahrheit, daß der Sünder vor Gott gerecht ist allein durch den Glauben um Christi willen.
So sitzt ein solcher Mensch in der Kirche, aber glaubt nicht dem Wort Gottes, sondern der Menschenlehre, mit der Gottes Wort verfälscht wird.
So hat der Teufel das Wort aus ihrem Herzen genommen.
Das ist der verhärtete Sinn. Doch Jesus spricht auch...
2. ...von den Unbeständigen
“Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte” und er erklärt: “Die aber auf dem Fels sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Doch sie haben keine Wurzel; eine Zeitlang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab”.
Gottes Wort spricht es klar aus: “Alle, die [gottselig] fromm leben wollen in Christus Jesus, müssen Verfolgung leiden” (2.Tim. 3,12).
“In-Gott-selig”, fromm im Glauben leben, das wollten sie, denn Christus spricht: “eine Zeitlang glauben sie”.
Sie hören das Wort Gottes, nehmen es an, stehen im seligmachenden Glauben, aber in den Stürmen der Glaubenskämpfe geben sie auf und fallen ab.
Sie freuen sich, daß sie die rechte Wahrheit hören und erkennen, daß sie allein durch den Glauben an Christus selig werden, frei sind von der drückenden Last des Gesetzes und des bösen Gewissens.
Aber wenn es dazu kommt, daß sie um dieses großen Schatzes willen Schande und Schmach, Verlust der Ehre, des irdischen Eigentums oder freundschaftlicher Beziehungen erleiden sollen, so fallen sie ab, verleugnen es, verschweigen es.
Ja, sie reden plötzlich und handeln so, wie die Verfolger es ihnen heißen, lassen sich lieber knechten als zu leiden.
Dies alles, obwohl sie vorher noch (in ruhigeren Zeiten) frisch und getrost davon sprachen und es bekannten, solange Friede war und keine Verfolgung.
Das sind die Unbeständigen. Es gibt aber auch diejenigen, ...
3. ...die sich in falscher Sicherheit wiegen
Christus spricht: “Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's” und er erklärt: “Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht”.
Sie werden faul und kalt, obwohl sie das lebendigmachende Wort Gottes gehört haben wie die anderen.
Ihr Verderben ist, daß sie Gemächlichkeit, Friede und gute Tage haben wollen, darum scheuen sie, das Wort ohne allen Kompromiß anzunehmen und all ihre Zuversicht allein darauf zu setzen.
Sie versinken in Sorge der täglichen Nahrung, trauen Gott nichts zu, trachten danach, wie sie reich werden können oder halten Gottes Gebote für lästige Grenzen, die ihnen den rechten Spaß verderben.
Darum mahnt Gott: “Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt liebhat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit” (1.Joh. 2,15-17).
Sie haben im Wort Gottes zwar alles, was zu ihrer Seligkeit dient, aber sie achten es nicht über alle irdischen Dinge.
Dazu gehören die es aufgegeben haben, ihre sündigen Sehnsüchte zu zähmen und unter den Gehorsam Gottes zu zwingen, die Gottes Willen kennen und nicht tun, die ihn lehren und ihm selbst nicht nachkommen.
Sie raffen und scharren und sehen nur zu, wie sie reich oder von anderen geehrt werden können; darum mahnt Christus im Blick auf den Jüngsten Tag: “Hütet euch aber, daß eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit täglichen Sorgen und dieser Tag nicht plötzlich über euch komme wie ein Fallstrick” (Luk. 21,34).
Wie soll ein Mensch das Wort Gottes hören, damit es ihm zur ewigen Seligkeit dienen kann?
4. Jesus antwortet im Gleichnis: in Demut und Liebe zu Gott
“Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!” und er erklärt: “Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld”.
Beim Evangelisten Matthäus lesen wir: “Einiges fiel auf gutes Land und trug Frucht, einiges hundertfach, einiges sechzigfach, einiges dreißigfach” (Matth. 13,8).
Die eine Frucht ist immer und bei jedem gleich, der Gottes Wort in einem “feinen guten Herzen annimmt”, das ist der seligmachende Glaube; da ist kein Unterschied.
Dem Glauben aber folgen weitere Früchte, daß viele Leute dadurch bekehrt werden, erleuchtet, getrost, zuversichtlich und in der Erkenntnis des Wortes Gottes wachsen.
Hier sind die Früchte unterschiedlich, wie sich auch die Christen in ihrem Beruf und Stand unterscheiden.
So dient ein Prediger in seinem Beruf dem Reich Christi umfassender als ein Handwerker oder ein Büroangestellter, doch alle sind Christen, sind durch Christus von Sünde, Tod und Teufel erlöst und Erben des ewigen Lebens.
So unterscheiden sich auch die Prediger und die Orte an denen sie Gottes Wort verkündigen: So ist an einem Ort die Gemeinde größer als am anderen, und ein Prediger hat diese Gaben, der andere jene.
Das ist der Unterschied der weiteren Früchte, die aus dem Wort und dem Glauben (erste und wichtigste Frucht) wachsen.
Wir sehen also, wie wichtig es ist, Gott den HERRn um ein Herz zu bitten, das sich ja nicht vom Teufel und falscher Lehre einnehmen lasse.
Ein Herz, das nicht feige ist, wenn Stürme kommen, das beim Wort allein bleibe und sich nicht verführen läßt, das auch Geld, Ruhm und Ehre nicht mehr liebt als Gott und sein Wort und das ewige Leben.
Ein Herz, das – gerade wenn es immerzu in sich die Sünde spürt und erkennt- sich im Glauben an den klammert, der Sündern Sünde vergibt und sie zu sich ruft: “Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken” (Matth. 11,28).
Ein Herz, das an den HERRn Jesus glaubt und durch Christi Gnade ganz gewiß selig wird.
Dem Glauben in einem solchen von Gott erbetenen Herzen wird es an guter Frucht nicht fehlen, es bringt “Frucht in Geduld”.
Denn es geht im Christenleben ohne Anfechtung, Verfolgung, böse Zungen und Kämpfe nicht ab, wie wir gehört haben: “Und alle, die gottselig leben wollen in Christus Jess, müssen Verfolgung leiden” (2.Tim. 3,12).
Solche müssen oft viel leiden und um des Wortes willen Schande und Schmach ertragen, mit Schaden an Leib und Gut, Ehre und ruhigem Leben - nicht mitgerechnet die Not, die sie durch ihr eigenes träges, sündiges Fleisch haben.
Denn auch wir müssen klagen über Versuchungen des Teufels, der das Wort so gern aus unseren Herzen nehmen und ersticken will, das Herz mit Sorge, Geiz und Habgier, Hoffart, Unzucht, Zorn und allerlei anderen Lastern zu beschweren sucht.
Darum sollen wir auf solche Mängel, Schwachheiten und Gebrechen unserer Natur gut achten.
Vielmehr wollen wir Gott, unseren himmlischen Vater, um Gnade bitten und den Heiligen Geist, daß er uns stärke und beistehe, damit wir Christus und den Glauben behalten und die rechte und beste Frucht, den Glauben an Christus, bewahren.
Durch ihn folgen auch die anderen herrlichen Früchte, daß wir im Gehorsam leben, gute Werke tun und die Seligkeit ererben.
Christus spricht: “Wer Ohren hat zu hören, der höre!”
Er will nicht, daß du es auf eine andere Zeit aufschiebst, wie wir sonst meinen könnten: Ich will erst noch dies und jenes besorgen und tun, was nötig ist, will dann Gottes Wort hören und später danach handeln, wenn es mir besser paßt.
Jetzt, spricht er, wenn du es hörst, so nimm es an: “Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht” (Hebr. 3,15); und sei ein “Täter des Wortes - nicht allein ein Hörer” (Jak. 1,22). Amen.
Gebet: Lieber HERR, gib mir Weisheit und Erkenntnis, stärke in mir den schwachen Glauben und schenke mir ein gehorsames Herz.




