Konfirmation
Die Konfirmation[1] gibt es in der lutherischen und der reformierten Kirche. Sie entspricht nicht der römisch-katholischen Firmung[2]. Schon bei den böhmischen Brüdern[3] kommt sie als Aufnahmeakt in die Gemeinde vor. Doch erst als sie zwischen 1534 und 1539 in Straßburg eingerichtet und seit 1539 von den Reformatoren empfohlen wurde, kam sie auch in anderen deutschen Ländern in Gebrauch. In der Zeit der Gegenreformation versuchten die Gegner der lutherischen Lehre, die Konfirmation in die römisch-katholische Firmung zu verwandeln. Seitdem standen ihr viele Lutheraner mit Misstrauen gegenüber. Seit dem dreißigjährigen Krieg[4] verfiel die katechetische Unterweisung der Jugend an vielen Orten und mit ihr auch die Konfirmation.
Erst als sie von Spener[5] und dem Pietismus[6] warm empfohlen wurde, kam sie in immer allgemeineren Gebrauch. Allerdings drückte der Pietismus der Konfirmation seinen Stempel auf – mit dem Bestreben, ihr eine größere Feierlichkeit und Bedeutung zu geben. In der Zeit des Rationalismus[7] versuchte man das Christentum als einen Bund der Tugend und Sittsamkeit darzustellen, dem Jugendliche sich per Handschlag „weihen“. Kennzeichnend für diese Zeit sind rührselig-gemütvolle Szenen in der Kirche.
Demgegenüber hält die lutherische Kirche an der biblisch orientierten Auffassung fest, die die Konfirmation an der einzigartigen Bedeutung von Wort und Sakrament misst und sie dementsprechend einordnet: Gott vermittelt seine Gnade nicht anders als durch die Mittel, die er dazu geordnet hat – sein Wort und die Sakramente. Darum kann die Konfirmation als eine menschliche Einrichtung keine Gnade vermittelnde Wirkung besitzen. Noch weniger kann sie als „Erneuerung des Taufbundes“ betrachtet werden. Auch stellt sie keine Ergänzung oder Bestätigung des Taufbundes dar. Denn eine Ergänzung ist nicht nötig und von Gott nicht befohlen und die Erneuerung des Bundes mit Gott geschieht im Heiligen Abendmahl und vor allem täglich kraft der Taufe: „…dass der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten, und wiederum täglich herauskommen und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinheit vor Gott ewig lebe“ (Kleiner Katechismus, Taufe, Abs. 4). Die Konfirmation bewirkt oder schenkt dem Konfirmanden gar nichts. Er wiederholt lediglich die Worte, die seine Eltern und Paten bei seiner Taufe für ihn gesprochen haben, als sein Gelöbnis und Bekenntnis. Er geht demnach bei seiner Konfirmation keinen Bund ein, der vorher nicht schon bestanden hätte. Er dokumentiert lediglich vor versammelter Gemeinde seine Reife, künftig am Heiligen Abendmahl teilzunehmen. Aus diesem Grund ist eine vorherige gründliche Unterweisung in den Hauptstücken des Katechismus unerlässlich.
Konfirmationsgelübde
Der Konfirmand wird vor dem eigentlichen Konfirmationsgelübde nach seinem Glauben an den dreieinigen Gott gefragt. Er bekennt seinen Glauben, den der Allmächtige ihm bereits in der Taufe geschenkt hat, durch den er bis dahin die Vergebung der Sünden empfangen durfte und der ihn schließlich unter dem einen Hirten Jesus Christus mit der ganzen Kirche Christi aller Zeiten und Orte verbindet. Es ist der Glaube, den auch David (1000 Jahre vor Christus) bekennt:
Auf die Frage: Glaubst du an den dreieinigen Gott, an Gott den Vater, der alles geschaffen hat?
- antwortet David: „Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott,... der du das Erdreich gegründet hast auf seinem Boden” (Ps. 104,5). „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündiget seiner Hände Werk” (Ps. 19,2).
Glaubst du an Gott, den Sohn, unseren Heiland?
- dann antwortet er: „Ach dass die Hilfe aus Zion über Israel käme und der HERR sein gefangen Volk erlöste! So würde Jakob fröhlich sein und Israel sich freuen” (Ps. 14,7). „Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen Fehle!” (Ps. 19,12). „Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretung; gedenke aber mein nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen!” (Ps. 25,7).
Glaubst du an Gott, den Heiligen Geist?
- dann antwortet er: „Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn” (Ps. 143,1). „Tröste mich wieder mit deiner Hilfe, und der freudige Geist enthalte mich” (Ps. 51,14). David bekräftigte und bekannte keinen anderen Glauben als wir.
Das eigentliche Konfirmationsgelübde gibt es in verschiedenen Wortlauten. Meistens wird es dem Konfirmanden in einzelnen Fragesätzen vorgesprochen, auf die er dann mit „Ja!“ antwortet. Zusammengefasst lautet es etwa so: Ich entsage dem Teufel und allen seinen Werken und allem seinen Wesen und ergebe mich dir, du dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, dir im Glauben und Gehorsam treu zu sein bis an mein Ende. Auch gelobe ich der lutherischen Kirche Treue bis in den Tod. So wahr mir Gott helfe durch Jesum Christum. Amen.
Weil wir nun auch Gottes Wort für unseren größten Schatz halten, versprechen wir feierlich: Auch gelobe ich der lutherischen Kirche Treue bis in den Tod. So wahr mir Gott helfe durch Jesum Christum. Denn mit der „lutherischen Kirche”, von der hier die Rede ist, ist diejenige gemeint, die sich in den Bekenntnissen der alten Kirche, und in den lutherischen Bekenntnisschriften zu erkennen gibt. Was wir „lutherische Kirche“ nennen und der wir Treue bis in den Tod geschworen haben, ist im Grunde genommen nichts anderes als die unsichtbare Kirche Christi aller Zeiten und Orte. Sie zeigt ihre Existenz dort, wo Gottes Wort rein und klar gelehrt wird und die heiligen Sakramente der Einsetzung Christi gemäß verwaltet werden.
Es liegt klar auf der Hand, dass diese Kirche des reinen Wortes nicht unbedingt „lutherische Kirche“ heißen muss, denn die Gemeinden des Neuen Testamentes kannten auch keinen Mann namens Luther, aber sie glaubten, lehrten und bekannten wie Luther und die lutherische Kirche heute. Doch wir nennen die Kirche des reinen Wortes „lutherische Kirche“, weil wir damit klar und eindeutig zum Ausdruck bringen, dass wir dem Bekenntnis folgen, das handgreiflich und unmissverständlich den rechten biblischen Glauben zum Ausdruck bringt. Haben wir also der „lutherischen Kirche“ Treue bis in den Tod geschworen oder anderweitig unsere Zustimmung zu ihrem Bekenntnis gegeben, so haben wir uns nicht z.B. der Selbständig Evangelisch-Lutherischen Kirche oder der Evangelisch-Lutherischen Freikirche verpflichtet. Vielmehr gilt unser Schwur und unser Jawort dem biblischen Bekenntnis, wie es die lutherische Kirche zum Ausdruck bringt.
Das heißt aber andererseits auch: Gewinnt falsche Lehre in meiner bisherigen Gemeinde oder Kirche die Herrschaft, so muss ich (will ich Gottes Wort gehorsam sein) diese Kirche verlassen und mich fortan zu einer solchen Gemeinde halten, die lutherisch lehrt – unabhängig davon, ob sie „lutherisch“ heißt oder nicht. Es ist nicht Gottes Wille, dass wir uns zu denen halten, die sein Wort verfälschen, Verfälscher unter sich dulden oder nach außen den Anschein erwecken, sie könnten zu ihrer geistlichen Erbauung ruhig auch einmal dorthin gehen, wo Gottes Wahrheit in Lüge verkehrt wird. Warum nicht? Weil dort der Weg zur Seligkeit vernebelt und verdunkelt wird, weil dort Menschen durch den Anschein von Frömmigkeit statt zum Himmel in die Hölle gewiesen werden.
Es liegt im Wesen eines Bekenntnisses, dass darin das JA zur rechten Lehre, aber auch das klare NEIN gegenüber der falschen Lehre ausgesprochen wird. Das Versprechen, das wir Christen täglich und am Tag unserer Konfirmation öffentlich vor der Gemeinde- ablegen, ist das Bekenntnis zum reinen Wort Gottes. Durch dieses Wort sind wir seit unserer Taufe dem Reich des Bösen entrissen, in den Genuss der Gnade Gottes gelangt und so der Kirche Christi einverleibt, deren Haupt Christus ist. Bei ihm wollen wir durch Gottes Gnade bleiben und ewig selig werden.
[1] von lat. confirmatio = Bestätigung
[2] Firmung = eines der 7 Sakramente der römischen Kirche, das die Taufe „vollende“; „…das Sakrament, das den Heiligen Geist verleiht“ (Weltkatechismus)
[3] Lutheraner in Böhmen zur Zeit Luthers
[4] 1618 bis 1648
[5] Philipp Jakob Spener, 1635 bis 1705, bekanntester Vertreter des Pietismus, Oberhofprediger in Dresden, Probst in Berlin, Lehrer von August Hermann Francke (Halle/ Saale)
[6] = Frömmigkeitsbewegung, Überbetonung der Heiligung zum Nachteil der Lehre von der Rechtfertigung allein aus Gnaden um Christi willen, in der Folgezeit Schmälerung der Bedeutung der Sakramente
[7] Vernunftglaube (geglaubt wird nur, was der Verstand fassen kann) 19. und 20. Jahrhundert




