Tractatus III,70f. (eine lutherische Bekenntnisschrift)
[70]Solches zeugt auch der gemeine Brauch der Kirche. Denn vorzeiten wählte das Volk Pfarrherren und Bischöfe; dazu kam der Bischof, am selben Ort oder in der Nähe gesessen, und bestätigte den gewählten Bischof durch Auflegen der Hände, und ist dazumal die ordinatio nichts anderes gewesen denn solche Bestätigung. [71] Danach sind andere Zeremonien mehr dazugekommen, wie Dionysius deren etliche erzählt. Aber dasselbe Buch Dionysii ist ein neu Gedicht unter falschem Titel, wie auch das Buch Clementis einen falschen Titel hat und lange nach Clemente von einem bösen Buben gemacht ist. Danach ist auf die letzt [ist zuletzt] auch dies hinangehängt worden, daß der Bischof gesagt hat zu denen, die er weihte: “lch gebe dir Macht, zu opfern für die Lebendigen und die Toten”; aber das steht auch im Dionysio nicht.
Die Ordination ist nach dem lutherischen Bekenntnis auf eben diesen og. Punkt zurückzuführen, weil sie von Gott in der Heiligen Schrift nicht befohlen ist. Sie war damals und ist auch heute nichts anderes als die Bestätigung der ersten Berufung – in der Gott durch die Gemeinde in das Predigtamt beruft. „Übertragung“ ist in dem Sinne zu verstehen, dass von Gott durch die Gemeinde das Predigtamt mit seinen schon vorher definierten Funktionen auf einen Mann übertragen wird. So ist Gott selbst der Berufende, die Gemeinde Instrument der Berufung durch Gott. Verkürzt sagt man: Die Gemeinde hat berufen. und versteht darunter die örtliche Christengemeinde. Im Grunde genommen aber hat die „eine heilige christliche Kirche“ berufen, die in allen wahrhaft Glaubenden (allein Gott kann in die Herzen sehen, vgl. 2.Tim. 2,19) am Ort teilweise vertreten ist.
Daneben ist jede Über- und Unterordnung der Diener am Wort (Pastoren) „menschlichen Rechts“, d.h. eine menschliche Ordnung, weil sie ebenfalls in Gottes Wort nicht befohlen ist (vgl. z.B. 1.Petr. 5,1, wo der Apostel die Ältesten [= im NT Bischöfe, d.h. Pastoren, der Ortsgemeinden] anspricht und sich selbst „Mitältester“ nennt – ohne jede Andeutung von Hierarchie).




