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Warum nennen wir uns "lutherisch"?

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Warum nennen wir uns "lutherisch"?

Am 18. Februar 1546 nahm Gott der HERR die Seele seines Knechtes Martin Luther zu sich. Erinnern wir uns fast 500 Jahre danach an diesen Tag, so würde gerade Luther scharf protestieren, wollten wir seine Person über Gebühr ehren. Als man zu seinen Lebzeiten die Evangelischen "lutherisch" nannte, äußerte er: "Zum Ersten bitte ich, man wolle meines Namens schweigen und sich nicht lutherisch, sondern Christen heißen. Was ist Luther? Ist doch die Lehre nicht mein; so bin ich auch für niemand gekreuzigt... Wie käme ich armer, stinkender Madensack dazu, daß man die Kinder Christi sollte mit meinem heillosen Namen nennen?" (W2 X, 370).

Sprechen wir von Luther oder nennen uns "lutherisch", so wird das auch heute oft mißverstanden. Doch blicken wir auf Luther, dann nicht auf seine Person, sondern auf das, was er gepredigt hat. Und wir danken Gott für seine Gnade, daß er seiner Christenheit durch den Dienst dieses Mannes das kostbare Licht des Evangeliums wieder geschenkt hat. Was Martin Luther in seinem Leben, mit seinen Kräften und Gaben, die er vom HERRn empfangen hat, auch uns schenken durfte, das ist es, was ihn uns so viele Jahre nach seinem Tod nicht vergessen läßt.

Sagen wir, wir seien "lutherisch", dann meinen wir: "Ja wir glauben, was Luther aus der Heiligen Schrift gelehrt hat." Gerade weil sein Name von den Gegnern zum Spott auch denen beigelegt wurde, die seine Lehre bekannten, schrieb er dann im Jahr 1522: "Wahr ist's, daß du ja bei Leib und Seele nicht sollst sagen: Ich bin lutherisch oder päpstisch; denn derselben ist keiner für dich gestorben, noch dein Meister, sondern allein Christus, und sollst dich einen Christen nennen. Aber wenn du es dafür hältst, daß des Luthers Lehre evangelisch, und des Papsts unevangelisch sei, so mußt du den Luther nicht so gar hinwerfen; du wirfst sonst seine Lehre auch mit hin, die du doch für Christus' Lehre erkennst. Sondern also mußt du sagen: Der Luther sei ein Bube oder heilig, da liegt mir nichts an; seine Lehre aber ist nicht sein, sondern Christus selbst. Hier mußt du... freudig Christum bekennen, es habe ihn Luther, Claus oder Georg gepredigt. Die Person lasse fahren; aber die Lehre mußt du bekennen." (W2 XX, 91)

Im festen Vertrauen auf die wunderbare Wahrheit des Wortes Gottes, daß der Sünder vor Gott gerecht wird, nicht durch die guten Werke, die er getan hat, sondern allein durch den vertrauenden Glauben an den Heiland Jesus Christus (Röm 3,28), ist Luther gestorben.

Über seine letzten Stunden wird uns folgendes berichtet: "Am Abend des 17. Februar 1546 klagt Luther wiederholt über Brustbeschwerden. Gegen 10 Uhr geht er aus der Stube in die Kammer und spricht: 'Walt's Gott, ich geh zu Bette. In deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott (Ps. 31,6).' Nach zwei bis drei Stunden Schlafs erwacht er gegen 1 Uhr (18. Februar) und sagt: 'Ach HERR Gott, wie ist mir so wehe! Ach, lieber D. Jonas, ich achte, ich werde hier zu Eisleben (da ich geboren und getauft bin) bleiben.' Luther steht auf, geht wieder in die Stube und betet abermals: 'In deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott.' In der Stube legt er sich auf ein Ruhebett. Dies wird sein Sterbebett. Er seufzt: 'Lieber Gott, mir ist sehr weh und angst, ich fahre dahin, ich werde nun wohl zu Eisleben bleiben. Ich werde meinen Geist aufgeben, denn die Krankheit mehret sich.' Die Stille in Luthers Sterbezimmer wird durch seine folgenden Worte gebrochen: 'Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben (Joh. 3,16). Wir haben einen Gott, der da hilft, und einen HERRn HERRn, der vom Tode errettet (Ps.68,21). Ich fahr dahin in Fried und Freud. Amen.' Dreimal wiederholt er schnell die Worte: 'In deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott.' Jetzt richten D. Jonas und M. Cölius an ihn die Frage: 'Ehrwürdiger Vater, wollt ihr auf Christum und die Lehre, wie ihr sie gepredigt habt, beständig (d.h. standhaft) sterben?' Da antwortet Luther mit einem deutlichen: 'Ja!' Mit diesem 'Ja' hat Martin Luther seine Lehre und seinen Glauben beschlossen und versiegelt. - Sein Famulus Johann Aurifaber drückt ihm die Augen zu." (Verlag Johannes Herrmann, Zwickau 1946)

"Gedenkt an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben;
ihr Ende schaut an und folgt ihrem Glauben nach."
(Hebr. 13,7)

 

Luthers Glaube in einem seiner Lieder:

Der Sohn dem Vater ghorsam ward, er kam zu mir auf Erden von einer Jungfrau rein und zart; er sollt mein Bruder werden. Gar heimlich führt er sein Gewalt, er ging in meiner armen Gstalt, den Teufel wollt er fangen.

 

Vergießen wird er mir mein Blut, dazu mein Leben rauben; das leid ich alles dir zugut, das halt mit festem Glauben. Den Tod verschlingt das Leben mein, mein Unschuld trägt die Sünde dein: da bist du selig worden.

 

Er sprach zu mir: 'Halt dich an mich, es soll dir jetzt gelingen; ich geb mich selber ganz für dich, da will ich für dich ringen; denn ich bin dein und du bist mein, und wo ich bleib, da sollst du sein, uns soll der Feind nicht scheiden.

 

Was ich getan hab und gelehrt, das sollst du tun und lehren, damit das Reich Gotts werd gemehrt zu Lob und seinen Ehren; und hüt dich vor der Menschen Satz, davon verdirbt der edle Schatz: das laß ich dir zur Letze.'

 

(M.Luther, Es ist das Heil und kommen her, LKG 226, 6-8.10)

 


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