Das Predigtamt oder Pfarramt ist keine menschliche Ordnung, sondern ein von Gott selbst gestiftetes Amt.
Beweis aus Gottes Wort.
Dass das heilige Predigtamt oder das Amt des Neuen Testamentes nicht eine menschliche Ordnung, nicht eine kirchliche Einrichtung, sondern ein Werk der göttlichen Weisheit, eine Stiftung Gottes selbst sei, erhellt aus den Weissagungen der Propheten, dass Gott der Kirche des Neuen Bundes selbst Hirten und Lehrer geben werden: "Der Herr gibt das Wort mit großen Scharen Evangelisten," Ps. 68,12. "Und will euch Hirten geben nach meinem Herzen, die euch weiden sollen mit Lehre und Weisheit." Jer. 3,15. "Und ihr Kinder Zions, freuet euch, und seid fröhlich in dem Herrn, eurem Gott, der euch Lehrer zur Gerechtigkeit gibt," Joel 2,23. Die göttliche Einsetzung des neutestamentlichen Amtes erhellt aus dem Berufe der heil. Apostel zum Lehramt durch den Sohn Gottes nach Matth. 10.28,18-20. Luc. 9,1-10. Marc. 16,15. Joh. 20,21-23. 21,15-17. ("Weide meine Schafe.") und der siebenzig Jünger nach Luc. 10,1-22. Endlich erhellt die Göttlichkeit des evangelischen Kirchenamtes aus allen den Stellen, in welchen auch die mittelbar Berufenen als von Gott Berufene dargestellt werden: "So habt nun Acht auf euch selbst und auf die ganze Heede, unter welche euch der heil. Geist gesetzet hat zu Bischöfen, zu weiden die Gemeine Gottes, welche er durch sein eigenes Blut erworben hat," Apost. 20,28. "Und Gott hat gesetzt in der Gemeine aufs erste die Apostel, aufs andere die Propheten, aufs dritte die Lehrer, darnach die Wundertäter, darnach die Gaben gesund zu machen, Helfer, Regierer, mancherlei Sprachen. Sind sie alle Apostel? Sind die alle Propheten? Sind sie alle Lehrer? Sind sie alle Wundertäter?" 1. Cor. 12,28.29. "Und Er (Christus) hat etliche zu Aposteln gesetzt, etliche aber zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern," Eph. 4,11. Daher denn die heiligen Apostel sich den mittelbar berufenen Dienern der Kirche als deren Amtsgenossen an die Seite setzen: "Die Aeltesten, so unter euch sind, ermahne ich, der Mitälteste," 1. Pet. 5,1. Vergl. 2. Joh. 1. 3. Joh. 1., wo sich Johannes einen Presbyter oder Ältesten; ferner Col 4,7., wo Paulus den Tychikus Mitknecht; ferner Phil. 2,2225., wo Paulus den Epaphroditus seinen Gehülfen und Mitstreiter und den Apostel der Philipper; endlich 1 Cor. 4,1. 1,1., wo sich Paulus mit Sosthenes Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse nennt.
Zeugnisse der Kirche in ihren öffentlichen Bekenntnissen.
Augsb. Confession: "Solchen Glauben zu erlangen, hat Gott das Predigtamt eingesetzt."Art. 5. (Müller pg. 39.)
Hier ist allerdings von dem Predigtamt nicht in concreto oder vom Pfarramt, sondern vom Amte in abstracto die Rede, wie u. A. Ludwig Hartmann ganz richtig erinnert, welcher in seinem Pastorale schreibt: "Vom Ministerium kann auf zweierlei Weise gehandelt werden:
1) abstractiv, sofern der Stand selbst und das Amt selbst der christlichen Betrachtung
unterliegt, in welchem Betracht vom Amte im 5. Art. Der Augsb. Conf. gehandelt wird;
1) concretiv oder in Ansehung der Personen, die sich in diesem heiligen Amte befinden; so
wird von diesem Gegenstand im 14. Art. der Augsb. Conf. gehandelt." Dasselbe geht auch aus den Schwabacher Artikeln Luthers hervor, aus denen der 5. Art. Der Augustana genommen ist. Jener lautet nehmlich also: "Solchen Glauben zu erlangen oder uns Menschen zu geben hat Gott eingesetzt das Predigtamt oder mündlich Wort, nehmlich das Evangelium, durch welches er solchen Glauben und seine Macht, Nutz und Frucht verkündigen läßt und gibt auch durch dasselbige, als durch ein Mittel, den Glauben mit seinem hl. Geist, wie und wo er will. Sonst ist kein ander Mittel noch Weise, weder Weg noch Steg, den Glauben zu bekommen. Denn Gedanken außer und vor dem mündlichen Wort, wie heilig und gut sie scheinen, sind sie doch eitel Lügen und Irrthum." (Hist. Der A. C. durch Dr. David Chyträum. Frkf. 1580. S. 25.) Daher heißt es denn auch in der Concordienformel: "Ministerium ecclesiasticum, hoc est, verbum Die praedicatum et auditum" (der "Kirchendienst",) das ist, das gepredigte und gehörte Wort (Müller pg. 729), ferner: "Verbum illud, quo vocamur, ministerium Spiritus est," das Wort, dadurch wir berufen werden, ist ein Amt des Geistes. (Müller pg. 710.) Es ist dies um derjenigen willen wichtig, welche das Pfarramt zu einem Gnadenmittel machen und es dem Wort und den Sacramenten coordiniren und behaupten, dass dasselbe jedem Menschen zur Seligkeit unbedingt nothwendig sei, so dass ein Mensch ohne den Dienst eines ordinirten Pfarrers weder zum Glauben kommen, noch Absolution seiner Sünden erlangen könne; während unsere Kirche dies nur von dem mündlichen und leiblichen Wort im Gegensatz zu einem angeblichen innerlichen Worte und zu jeder Art von Enthusiasterei lehrt. Nichts destoniger will unser Grundbekenntniß im 5. Artikel ohne Zweifel auch für die göttliche Einsetzung des Pfarramtes, wenn auch nur indirect, Zeugniß ablegen, wie aus allen Commentaren unserer rechtgläubigen Theologen zu diesem Artikel klar hervorgeht. Vgl. Mylius, Carpzov, Menzer, Franz u. A.
Schmalkaldische Artikel: "Joh. 20. Sendet Christus seine Jünger zugleich zum Predigtamt ohne all Unterscheid, dass einer weder mehr noch weniger 'Gewalt soll haben, denn der andere ... Weil nu Paulus klar zeugt, er habe bei Petro nicht wöllen ansuchen, dass er ihm zu predigen erläubte, auch dazumal, da er am letzten sei zu ihm kommen, haben wir ein gewisse Lehre, dass das Predigtamt vom gemeinen Beruf der Apostel herkommt." (Anhang von der Gewalt und Oberkeit des Pabstes. [Müller pg. 329.330.])
Das Predigtamt ist kein willkürliches Amt, sondern ein solches Amt, dessen Aufrichtung der Kirche geboten und an das die Kirche bis an das Ende der Tage ordentlicher Weise gebunden ist.
Beweis aus Gottes Wort.
So spricht der Herr Matth. 28,19.20.: "Gehet hin, und lehret alle Völker und taufet sie etc.; und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende." Hieraus gehet klar hervor, dass das Predigtamt der Apostel aus Christi Befehl bis an das Ende der Tage währen soll; soll dieß aber geschehen, so muß die Kirche bis an das Ende der Tage fort und fort das ordentliche öffentliche Predigtamt aufrichten und die Gnadenmittel in dieser Ordnung unter sich handhaben.
Zeugnisse der Kirche in ihren öffentlichen Bekenntnissen.
Apologie Art. 13.: "Wo man aber das Sacrament des Ordens [von „ordinieren“] wollt nennen ein Sacrament von dem Predigtamt und Evangelio so hätte es keine Beschwerung, die Ordination ein Sacrament zu nennen. Denn das Predigtamt hat Gott eingesetzt und geboten, und hat herrliche Zusage Gottes, Röm. 1.; 'Das Evangelium ist eine Kraft Gottes allen denjenigen, so daran glauben,' etc. Es. 55.: 'Das Wort, das aus meinem Munde gehet, soll nicht wieder leer zu mir kommen, sondern thun, was mir gefället.' Wenn man das Sacrament des Ordens also verstehen wollt, so möchte man auch das Auflegen der Hände ein Sacrament nennen. Denn die Kirche hat Gottes Befehl, dass sie soll Prediger und Diaconos bestellen. Dieweil nun solches sehr tröstlich ist, so wir wissen, dass Gott durch Menschen und diejenigen, so von Menschen gewählet sind, predigen und wirken will: so ist's gut, dass man solche Wahl hoch rühme und ehre; sonderlich wider die teuflischen Anabaptisten, welche solche Wahl sammt dem Predigtamt und leiblichen Wort verachten und lästern." (Müller pg. 203.)
Augsb. Confession: "Denselben Gewalt der Schlüssel und Bischöfe übet und treibet man allein mit der Lehre und Predigt Gottes Worts und mit der Handreichung der Sacrament gegen vielen oder einzelnen Personen, darnach der Beruf ist; dann damit werden gegeben nicht leibliche, sondern ewige Dinge und Güter, als nehmlich ewige Gerechtigkeit, der hl. Geist und das ewige Leben. Diese Güter kann man anders nicht erlangen, denn durch das Amt der Predigt und durch die Handreichung der Sacrament." (Art. 28. [Müller pg. 63.]) Hier wird die Gewalt der Schlüssel, welche die Kirche hat und vermöge welcher sie die Gnadenmittel handhabt, mit der Gewalt der Bischöfe indentificirt und die Erlangung der ewigen Güter daran gebunden, nicht zwar, weil ohne die Verwaltung der Gnadenmittell durch die öffentlichen Amtspersonen die ewigen Güter des Reiches Christi absolut nicht zu erlangen wären, sondern weil Gott diese Güter ordentlicher Weise nur auf diesem Wege den Menschen mittheilen will.
Das Predigtamt ist kein besonderer, dem allgemeinen Christenstand gegenüberstehender heiligerer Stand, wie das levitische Priesterthum, sondern ein Amt des Dienstes.
Beweis aus Gottes Wort.
Laut Gottes Wortes sind alle gläubige Christen und sie allein Priester (priesterlichen Standes). Vergl. 1. Pet. 2,9. Offenb. 1,6. Es ist unter ihnen kein Unterschied des Standes, sie sind allzumal Einer in Christo Jesu, Gal. 3,28., sie sind alle Brüder, Matth. 23, 8-12. Wie aber im Alten Bunde zwar alle Söhne Aarons priesterlichen Geschlechts und Standes waren, aber immer nur einige des Priesteramtes pflegten und Dienst thaten, so sind auch im Neuen Bunde diejenigen, welche das öffentliche Predigtamt tragen, nicht deswegen Priester, oder Priester vor anderen, sondern allein die Dienstthuenden unter einem priesterlichen Volke. Daher der hl. Apostel schreibt: "Wer ist nun Paulus? Wer ist Apollo? Diener sind sie, durch welche ihr seid gläubig worden." 1. Cor. 3,5. Ferner: "Denn wir predigen uns nicht selbst, sondern Christum Jesum, dass er sei der Herr, wir aber eure Knechte um Jesu willen." 2. Cor. 4,5. "Für seinen Leib welcher ist die Gemeine, welcher ich ein Diener worden bin nach dem göttlichen Predigtamte, das mir gegeben ist unter euch, dass ich das Wort Gottes reichlich predigen soll." Col. 1, 24.25.
Zeugnisse der Kirche in ihren öffentlichen Bekenntnissen.
Apologie. 1. Art. Von Mißbr.: "Gabriel unter andern Ursachen, warum den Laien nicht beide Gestalt gereicht werde, setzt auch diese: es habe müssen ein Unterscheid sein, sagt er, unter Priestern und Laien. Und ich halt wohl, es sei die größte und fürnehmste Ursach, warum sie heutiges Tages so fest halten, damit der Pfaffenstand heiliger scheine gegen dem Laienstand; das ist nun ein Menschen-Gedanken; worauf der gehe, ist wohl abzunehmen." (Müller pg. 233.)
Ebendaselbst, Art. 3. Der Mißbr.: "So heißet Liturgia griechisch eigentlich ein Amt, darinne man der Gemeine dienet; das schicket sich wohl auf unsere Lehre, dass der Priester da, als ein gemeiner Diener, denjenigen, so communiciren wollen, dienet und das heilige Sacrament reichet." (Müller pg. 267.)
Dem Predigtamt gebührt Ehrfurcht und unbedingter Gehorsam, wenn der Prediger Gottes Wort führt.
Beweis aus Gottes Wort.
Obgleich die Träger des öffentlichen Predigtamtes keinen von dem gemeinen Christstenstande verschiedenen, heiligeren Stand bilden, sondern allein die ihnen zu öffentlicher geordneter Verwaltung übertragenen allgemeinen Christenrechte ausüben: so sind sie doch darum nicht Menschenknechte. Die principale wirkende Ursache der Ordnung des öffentlichen Predigtamtes ist Gott, der Allerhöchste, selbst. Dieselbe ist nicht eine um der Schicklichkeit und Heilsamkeit willen von Menschen getroffene weise Einrichtung, sondern eine Stiftung des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des hl. Geistes. Ist daher einer Person durch die Gemeinde die Amtsbefugniß vermittelst ordentlichen rechtmäßigen Berufes übertragen, so ist dieselbe von Gott selbst der Gemeine, obwohl durch sie, vorgesetzt (1. Cor. 12,28. Eph. 4,11. Apost. 20,28.); der Eingesetzte ist nun nicht nur ein Diener der Gemeinde, sondern zugleich ein Diener Gottes, ein Botschafter an Christus Statt, durch welchen Gott die Gemeinde vermahnt (1. Cor. 4,1. 2. Cor. 5,18-20.). Wenn daher ein Prediger in seiner Gemeinde Gottes Wort führt, sei es lehrend oder ermahnend, strafend oder tröstend, sei es öffentlich oder sonderlich, so hört die Gemeinde aus seinem Munde Jesum Christum selbst, so ist sie ihm unbedingten Gehorsam schuldig als dem durch welchen Gott ihr seinen Willen kund thun und sie zum ewigen Leben leiten will; und je treuer der Prediger sein Amt verwaltet, je größerer Ehre soll die Gemeinde ihn werth halten. Sie hat auch kein Recht, einem solchen treuen Diener Jesu Christi sein Amt wieder zu nehmen; thut sie dieß, so stößt sie damit Jesum Christum selbst, in dessen Namen er ihr vorstand, von sich. Erst dann kann die Gemeinde einen Träger des Amts von seinem Amte entfernen, wenn es aus Gottes Wort offenbar ist, daß der Herr selbst ihn als einen Wolf oder Miethling entsetzt habe. Daher heißt es denn in der Schrift also: "Wer euch höret, der höret mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat." Luc. 10,16.
"Gehorchet euren Lehrern, und folget ihnen, denn sie wachen über eure Seelen, als die da Rechenschaft dafür geben sollen; auf daß sie das mit Freuden thun, und nicht mit Seufzen, denn das ist euch nicht gut." Ebr. 13,17.
"Wir bitten euch aber, liebe Brüder, daß ihr erkennet, die an euch arbeiten, und euch vorstehen in dem Herrn, und euch vermahnen. Habt sie desto lieber um ihres Werkes willen, und seid friedsam mit ihnen." 1. Thess. 5,12.13.
"Die Aeltesten, die wohl vorstehen, die halte man zwiefacher Ehre werth; sonderlich die da arbeiten im Wort und in der Lehre. Denn es spricht die Schrift: Du sollst dem Ochsen nicht das Maul verbinden, der da drischet; und: Ein Arbeiter ist seines Lohnes werth. Wider einen Aeltesten nimm keine Klage auf, außer zween oder dreien Zeugen." 1. Tim. 5,17-19., vgl. Gal. 6,6-10.
"Wo ihr aber in ein Haus gehet, so grüßet dasselbige, und so es dasselbe Haus werth ist, wird euer Friede auf sie kommen. Ist es aber nicht werth, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden, und wo euch jemand nicht annehmen wird, noch eure Rede hören; so gehet daraus von demselbigen Hause oder Stadt, und schüttelt den Staub von euren Füßen. Wahrlich, ich sage euch: Dem Lande der Sodomer und Gomorrher wird es erträglicher ergehen am jüngsten Gericht, denn solcher Stadt." Matth. 10,12-15.
Der Prediger hat keine Herrschaft in der Kirche; er hat daher kein Recht, neue Gesetze zu machen und die Mitteldinge und Ceremonien in der Kirche willkürlich einzurichten.
Beweis aus Gottes Wort.
So spricht der Herr zu seinen Jüngern: "Ihr wisset, daß die weltlichen Fürsten herrschen, und die Oberherren haben Gewalt. So soll es nicht sein unter euch." Matth. 20, 25, 26.) "Ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn Einer ist euer Meister, Christus; Ihr aber seid alle Brüder." (23,8.) Ferner bezeugt der Herr vor Pilatus: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darob kämpfen." (Joh. 18,36.) Hieraus ersehen wir, daß die Kirche Jesu Christi nicht ein Reich von Gebietenden und Gehorchenden, sondern Eine große heilige Brüderschaft ist, in welcher keiner herrschen und Gewalt üben kann. So wenig nun diese nothwendige Gleichheit unter den Christen durch den Gehorsam aufgehoben wird, welchen dieselben den Predigern leisten, wo diese das Wort Jesu Christi ihnen vorhalten; denn dann gehorchen sie ja in den Predigern nicht Menschen, sondern Christo selbst: so gewiß aber würde jene Gleichheit der Gläubigen aufgehoben und die Kirche in einen weltlichen Staat verwandelt, wenn ein Prediger Gehorsam auch da verlangte, wo er nicht Christi, seines und aller Christen Herrn und Hauptes, Wort, sondern, was nur er nach seiner Einsicht und Erfahrung für gut und zweckmäßig hält, dem christlichen Volke vorhält. Sobald es sich daher in der Kirche um Dinge handelt, welche indifferent sind, d. h. welche in Gottes Wort weder geboten noch verboten sind, so darf der Prediger für das, was gerade ihm das Beste zu sein scheint, nie unbedingten Gehorsam fordern; vielmehr ist es dann Sache der ganzen Gemeinde, des Predigers mit den Zuhörern, über das Anzunehmende und zu Verwerfende zu entscheiden; obwohl dem Prediger nach seinem Lehr-, Aufsichts- und Wächteramt zusteht, die darüber anzustellenden Berathungen zu leiten, über die Sache die Gemeinde zu unterrichten, zu sorgen, daß auch bei Feststellung der Mitteldinge und bei Anrichtung kirchlicher Ordnungen und Ceremonien nicht leichtfertig verfahren, noch etwas Verderbliches festgesetzt werde. Daher schreiben denn die heiligen Apostel: "Die Aeltesten, so unter euch sind, ermahne ich, der Mitälteste ...: weidet die Heerde Christi, so euch befohlen ist, und sehet wohl zu, nicht gezwungen, sondern williglich; nicht um schändliches Gewinns willen, sondern von Herzensgrunde; nicht als die über das Volk herrschen, sondern werdet Vorbilder der Heerde." (1. Pet. 5,1-3.) "Nicht sage ich, daß ich euch etwas gebiete; sondern dieweil andere so fleißig sind, versuche ich auch eure Liebe, ob sie rechter Art sei." (2. Cor. 8,8. Paulus hatte die Corinther zuvor um eine Armensteuer gebeten!) "Solches aber sage ich zu eurem Nutzen; nicht daß ich euch einen Strick an den Hals werfe, sondern dazu, daß es fein ist, und ihr stets und ungehindert dem Herrn dienen könnet." (1. Cor. 7, 35. Paulus hatte zuvor für die Zeit der Verfolgung das ehelose Leben empfohlen!) wenn nun dennoch die heiligen Apostel u. A. also schreiben: "Das andere will ich ordnen, wenn ich komme" (1. Cor. 11,34.): so ergibt es sich aus dem obigen, daß sie solche indifferente Ordnungen nicht etwa gebietend, sondern Rath gebend und unter Einstimmung der ganzen Gemeinde gemacht haben




